Allgemeines Schulwesen, Beispiel Rechtschreiblernen: ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

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Re: Allgemeines Schulwesen, ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

Beitragvon Skeptiker » Do 20. Sep 2018, 18:09

Fuerst_48 hat geschrieben:(19 Sep 2018, 23:21)
PÄDAGOGIK wird nicht dadurch besser, dass man stängig "Reförmchen" produziert.
Erziehung heißt, dem Jugendlichen Grenzen zu setzen und diese konsequent beizubehalten.

Ich bin sehr dafür die guten Erfahrungen aus bewährten Verfahren zu würdigen und auf der Erfahrung aufbauend bessere Lehrmethoden zu entwickeln. Kontinuierliche Verbesserung gehört zu jedem Prozess dazu. In größeren Abständen darf man auch gerne größere Reformen geben.
Eines muss aber immer beachtet werden: Es muss nach wissenschaftlichen Maßstäben die Verbesserung jeder Methode nachgewiesen werden und zwar bevor man sie auf ein Millionenpublikum auswälzt.

Ich werde den Eindruck aber nicht los, dass es bei der Festlegung von Lehrstandards nicht annähernd so wissenschaftlich abläuft, wie ich das bislang gedacht hatte. Es scheint die Diskussion um die Theorie im Vordergrund zu stehen. Dann dauert es unter Umständen halt auch mal Jahrzehnte bis Scheinargumente entkräftet sind. So wie im Artikel von Spektrum.de. Da wird von dem Befürworter der Methode insbesondere der positive Effekt für Migranten betont. In den Studien kommt aber das Gegenteil raus. Diejenigen sind die großen Gewinner, die unter Umgehung des Systems die korrekte Schreibweise zuhause lernen. Diejenigen die auf die Schule vertrauen, sind nach einer Zeit der Schonung dann die großen Verlierer. Einfach traurig und zum wütend werden.
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Re: Allgemeines Schulwesen, ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

Beitragvon Fuerst_48 » Do 20. Sep 2018, 20:28

Skeptiker hat geschrieben:(20 Sep 2018, 19:09)

Ich bin sehr dafür die guten Erfahrungen aus bewährten Verfahren zu würdigen und auf der Erfahrung aufbauend bessere Lehrmethoden zu entwickeln. Kontinuierliche Verbesserung gehört zu jedem Prozess dazu. In größeren Abständen darf man auch gerne größere Reformen geben.
Eines muss aber immer beachtet werden: Es muss nach wissenschaftlichen Maßstäben die Verbesserung jeder Methode nachgewiesen werden und zwar bevor man sie auf ein Millionenpublikum auswälzt.

Ich werde den Eindruck aber nicht los, dass es bei der Festlegung von Lehrstandards nicht annähernd so wissenschaftlich abläuft, wie ich das bislang gedacht hatte. Es scheint die Diskussion um die Theorie im Vordergrund zu stehen. Dann dauert es unter Umständen halt auch mal Jahrzehnte bis Scheinargumente entkräftet sind. So wie im Artikel von Spektrum.de. Da wird von dem Befürworter der Methode insbesondere der positive Effekt für Migranten betont. In den Studien kommt aber das Gegenteil raus. Diejenigen sind die großen Gewinner, die unter Umgehung des Systems die korrekte Schreibweise zuhause lernen. Diejenigen die auf die Schule vertrauen, sind nach einer Zeit der Schonung dann die großen Verlierer. Einfach traurig und zum wütend werden.

Wenn ich es nach 35 Jahren an der "pädagog. Front" auf den Punkt bringen darf : Ein Allheilmittel in Sachen Bildung gibt es nicht.
Leider agieren nicht nur Wissenschaftler (samt Evaluierungen ihrer Erkenntnisse) im Bildungsbereich, sondern auch die (Partei)politik. Sehr zum Schaden der Betroffenen. Nämlich der Jugend, die auf das Leben vorbereitet werden soll, zumal ja das (heimische) Elternhaus tw. jämmerlich versagt. Und die Migranten überdies am Rande des Geschehens stehen. Das brint die Bildungswilligen nämlich auch nicht auf die optimale Schiene...leider!!!
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Re: Allgemeines Schulwesen, ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

Beitragvon Skeptiker » Do 20. Sep 2018, 21:08

Fuerst_48 hat geschrieben:(20 Sep 2018, 21:28)
Wenn ich es nach 35 Jahren an der "pädagog. Front" auf den Punkt bringen darf : Ein Allheilmittel in Sachen Bildung gibt es nicht.

Oh, ein Fachmann. Dafür hältst Du Dich aber sehr bedeckt.

Welche Fächer wenn ich fragen darf? Oder wie ist das mit der pädagogischen Front zu verstehen?
Fuerst_48 hat geschrieben:(20 Sep 2018, 21:28)
Leider agieren nicht nur Wissenschaftler (samt Evaluierungen ihrer Erkenntnisse) im Bildungsbereich, sondern auch die (Partei)politik. Sehr zum Schaden der Betroffenen. Nämlich der Jugend, die auf das Leben vorbereitet werden soll, zumal ja das (heimische) Elternhaus tw. jämmerlich versagt. Und die Migranten überdies am Rande des Geschehens stehen. Das brint die Bildungswilligen nämlich auch nicht auf die optimale Schiene...leider!!!

Das ist wirklich zum Verzweifeln. Ich bin z.B. sehr der Meinung, jedes Kind entsprechend jeder Fähigkeit fördern und fordern zu müssen. Das kann ich mir sehr gut in Gesamtschulsystemen vorstellen. Es wäre toll wenn man diese Philosophie aufgreifen würde und so die Kinder weniger in Schubladen landen würden, sondern überall voll zur Entfaltung kommen, ganz entsprechend ihrer Fähigkeiten.

Das Problem dabei ist, dass Gesamtschulkonzepte ein urlinkes Projekt sind, und damit leider auch ultraideologisch. Nach dem was ich in den letzten Tagen gelernt habe möchte ich mich eigentlich eher auf konservative, erprobte und funktionierende Methoden zurückziehen, um nicht Gefahr zu laufen das Schulsystem von einer Bildungssekte übernehmen zu lassen. Im Zweifelsfall ist es mir lieber das System ist nicht besser als das der letzten 100 Jahre, wenn es im Gegenzug aber auch nicht schlechter ist als das der letzten 100 Jahre. Wenn die Politik die Vorgaben macht, dann bedeutet jede Veränderung ein hohes Risiko der Verschlechterung.

Die einzige sinnvolle Vorgabe der Politik sollte es in meinen Augen sein, das Schulsystem von einem stark ideologisch geprägten auf ein ausschließlich evidenzbasiertes System umzustellen. Da sehe ich ihre Rolle, aber nicht in der ideologischen Unterstützung von Lehrphilosophien.
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Re: Allgemeines Schulwesen, ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

Beitragvon Fuerst_48 » Fr 21. Sep 2018, 07:40

Skeptiker hat geschrieben:(20 Sep 2018, 22:08)

Oh, ein Fachmann. Dafür hältst Du Dich aber sehr bedeckt.

Welche Fächer wenn ich fragen darf? Oder wie ist das mit der pädagogischen Front zu verstehen?

Das ist wirklich zum Verzweifeln. Ich bin z.B. sehr der Meinung, jedes Kind entsprechend jeder Fähigkeit fördern und fordern zu müssen. Das kann ich mir sehr gut in Gesamtschulsystemen vorstellen. Es wäre toll wenn man diese Philosophie aufgreifen würde und so die Kinder weniger in Schubladen landen würden, sondern überall voll zur Entfaltung kommen, ganz entsprechend ihrer Fähigkeiten.

Das Problem dabei ist, dass Gesamtschulkonzepte ein urlinkes Projekt sind, und damit leider auch ultraideologisch. Nach dem was ich in den letzten Tagen gelernt habe möchte ich mich eigentlich eher auf konservative, erprobte und funktionierende Methoden zurückziehen, um nicht Gefahr zu laufen das Schulsystem von einer Bildungssekte übernehmen zu lassen. Im Zweifelsfall ist es mir lieber das System ist nicht besser als das der letzten 100 Jahre, wenn es im Gegenzug aber auch nicht schlechter ist als das der letzten 100 Jahre. Wenn die Politik die Vorgaben macht, dann bedeutet jede Veränderung ein hohes Risiko der Verschlechterung.

Die einzige sinnvolle Vorgabe der Politik sollte es in meinen Augen sein, das Schulsystem von einem stark ideologisch geprägten auf ein ausschließlich evidenzbasiertes System umzustellen. Da sehe ich ihre Rolle, aber nicht in der ideologischen Unterstützung von Lehrphilosophien.

Germanistik, PPP (Psychologie/Pädagogik/Philosophie)
Der Niedergang des Bildungssystems hat nicht nur ideologische oder parteipolitische Hintergründe. Es ist in der Gesellschaft ganz allgemein ein Versagen der elterlichen Erziehung feststellbar. Es wird der Schule nicht nur die (Aus)bildung, sondern auch die Erziehung aufgebürdet. (In einer Sprechstunde teilte ich einer Mtter mit, dass die Tochter nicht grüßen könne. Antwort der Mutter: Ja, bringt ihr das den Kindern nicht bei?)
Jüngster "WILSBERG" mit dem Thema "Halbstark". Da wurde ein typisches Bild des Schulalltags gezeichnet. Aus meiner Sicht nur wenig übertrieben.
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Re: Allgemeines Schulwesen, ein fröhlicher Experimentierbaukasten für Ideologen?

Beitragvon Skeptiker » Fr 21. Sep 2018, 21:23

Teeernte hat geschrieben:(21 Sep 2018, 21:38)
Andere Eltern erziehen und bilden ihre Kinder...bereits vor Schulbesuch.. ach ja die gehen ins Gymmi..

Die starke Abhängigkeit der Schulempfehlung für Kinder vom Bildungsgrad der Eltern hat mehrere Gründe. Meiner persönlichen subjektiven Erfahrung nach haben es gut vorbereitete Kinder sehr viel einfacher. Während Kinder die voll auf den Unterricht vertrauen müssen um den Stoff zu lernen, im Unterricht voll ausgelastet sind und dabei doch nur einen Teil des Stoffs erfassen können, ist es bei gut vorbereiteten Kindern so, dass diese nurnoch die Dinge erfassen müssen, die über ihr Wissen hinausgehen. Was die einen dann in Nachhilfe investieren - trotz schlechter Noten - haben die anderen in die Vorbereitung investiert - mit guten Noten.

Natürlich haben Kinder aus Akademikerfamilien Vorteile in der Vorbereitung der Kinder und Vorteile in der Begleitung der Kinder. Dieser Vorteil wirkt sich umso stärker aus, je schwächer die Leistung der Schule selber ist. Die starke Abhängigkeit vom Bildungsgrad der Eltern ist also ein Armutszeugnis für die Leistungsfähigkeit der Schule, oder im größeren Maßstab des Schulwesens.

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