Berlin und Bildung

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JJazzGold
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Berlin und Bildung

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Aug 2018, 17:23

Forum 5 Bildung? Mir fehlt ein passendes Unterforum.
Egal.

Berlin und Bildung.
Um dem gravierenden Lehrermangel in Berlin zu begegnen, stellt die Hauptstadt zum neuen Schuljahr eine beträchtliche Anzahl an sog. LovL (Lehrer ohne volle Lehrbefähigung) ein, mehr als je zuvor, 900 sollen es sein und mehrheitlich anscheinend ohne pädagogische Ausbildung.


“Die Personalnot an den Berliner Schulen erreicht zum neuen Schuljahr, das am Montag beginnt, eine neue Dimension: Unter den 2700 Lehrern, die zum Sommer eingestellt wurden, haben nur 37 Prozent ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorzuweisen, also gut 1000 Personen. Das ist ein neuer Tiefstand in Berlin. Etwa 750 Neu-Lehrer sind Quereinsteiger (28 Prozent), die bereits wenigstens ein reguläres Schulfach vorweisen können.

Besonders bemerkenswert aber: Über 900 der neuen Lehrkräfte, die nun eingestellt wurden, haben gar kein Fach der Berliner Schule studiert und kommen nicht einmal für den Quereinstieg in Frage. Immerhin 34 Prozent aller Neueinstellungen sind dies. Das alles geht aus Zahlen von Personalräten und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, die Bildungsverwaltung dementierte sie nicht.“

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/ ... n-31112440

Wenn ich überlege, dass ich unseren firmeninternen Ausbildern ein mehrwöchiges und mehrteiliges modulares Pädagogikseminar verpflichtend vorgeschrieben habe, dann beschleicht mich der Zweifel, ob das der richtige Weg ist, Kinder, einschließlich als Problemfälle benannte Kinder, auszubilden. In dem Artikel wird nicht erläutert, dass den 900 LovL eine solche Qualifikation zumindest angeboten wird. Ist natürlich auch eine Kostenfrage.

Welche Vorzüge, ausser der offensichtlichen Bedarfsabdeckung an Berliner Schulen, könnte das für die Kinder, die LovL haben? Oder entstehen daraus nur Nachteile, sowohl für die Kinder, als auch für die LovL?
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Kiwikopf » Mi 15. Aug 2018, 18:46

In der Amtssprache wird jene letzte Gruppe, die weitgehend ohne pädagogische Ausbildung ist, „LovL“ genannt. Das steht für „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“.


Zudem warnte er vor einer zunehmenden Ungleichheit im Berliner Schulsystem. Einige Bezirke und die meisten Gymnasien hätten keine „LovL“ eingestellt. „An Schulen in schwierigen sozialen Lagen dürfte die Lage hingegen noch weit dramatischer sein.“


Es werden also vor allem an den Schulen "lovL" eingestellt, bei denen die pädagogische Qualifikation besonders wichtig ist. :?:

Naja vielleicht besser als zahlreiche Freistunden.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon unity in diversity » Mi 15. Aug 2018, 18:53

Kiwikopf hat geschrieben:(15 Aug 2018, 19:46)

Es werden also vor allem an den Schulen "lovL" eingestellt, bei denen die pädagogische Qualifikation besonders wichtig ist. :?:

Naja vielleicht besser als zahlreiche Freistunden.

Nennt man Bildungsnotstand, darum haben die so viele Wandertage.
Da reicht als Qualifikation, eine Handvoll Flöhe hüten zu können.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Uffzach » Mi 15. Aug 2018, 21:45

Komisch ne? Die Politiker werden von Allem überrascht. Den Lehrermengel gibts ja nicht nur in Berlin. Mit was beschäftigen sich eigentlich Politiker? Zukunft kann's ja nicht sein, sonst würden sie das Land auf diese vorbereiten und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Fuerst_48 » Mi 15. Aug 2018, 22:34

Uffzach hat geschrieben:(15 Aug 2018, 22:45)

Komisch ne? Die Politiker werden von Allem überrascht. Den Lehrermengel gibts ja nicht nur in Berlin. Mit was beschäftigen sich eigentlich Politiker? Zukunft kann's ja nicht sein, sonst würden sie das Land auf diese vorbereiten und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.

Gegenfrage....Wer geht schon in die Politik ??
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Mi 15. Aug 2018, 22:38

Fuerst_48 hat geschrieben:(15 Aug 2018, 23:34)

Gegenfrage....Wer geht schon in die Politik ??


...auch Gegenfrage: Wer will schon Lehrer(in) werden?
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Mi 15. Aug 2018, 22:41

JJazzGold hat geschrieben:(15 Aug 2018, 18:23)


Welche Vorzüge, ausser der offensichtlichen Bedarfsabdeckung an Berliner Schulen, könnte das für die Kinder, die LovL haben? Oder entstehen daraus nur Nachteile, sowohl für die Kinder, als auch für die LovL?


Ich befürchte ein ganz böses Erwachen bei den willigen Lehrkräften. Die Situation an Berliner Schulen ist unbeschreiblich ...
https://www.tagesspiegel.de/berlin/schu ... 11426.html
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Kiwikopf » Mi 15. Aug 2018, 23:38

ThorsHamar hat geschrieben:(15 Aug 2018, 23:38)

...auch Gegenfrage: Wer will schon Lehrer(in) werden?


Ich! Aber nicht in Berlin ;)
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Uffhausen » Do 16. Aug 2018, 06:15

JJazzGold hat geschrieben:(15 Aug 2018, 18:23)

Welche Vorzüge, ausser der offensichtlichen Bedarfsabdeckung an Berliner Schulen, könnte das für die Kinder, die LovL haben? Oder entstehen daraus nur Nachteile, sowohl für die Kinder, als auch für die LovL?

Also, wenn ich an meine Real- und Berufsschulzeit zurückdenke, finde ich, dass die meisten meiner damaligen Lehrer strikt und stupide die Vorgaben aus ihren jeweiligen Lehrplänen durchgepaukt haben. Selbige Lehrer waren es im Grunde auch, die bspw. bei Fragestellungen in Schulbüchern nicht selbst antworten konnten, sondern ein Lösungsbuch zu Hilfe nehmen mussten.
Es gab vielleicht höchstens fünf bis sechs Lehrer, die sich in ihren Fächern zwar nach den vorgegebenen Themen orientierten, aber ansonsten frei, persönlich, entsprechend glaubwürdiger und überzeugender unterrichteten. Diese waren auch die Lehrer, die entweder abgrundtief verachtet oder abgöttisch verehrt wurden - sprich: Immer in Erinnerung bleiben.

Ich weiß freilich nicht, wie sich der Schulunterricht heute - über 15 Jahre nach meiner Zeit - gestaltet. Aber wenn es immernoch mehrheitlich so ist, dass Lehrer sich nur nach Lehrplanvorgaben richten und das jeweilige Interesse ihrer Schülerschaften vernachlässigen; nicht selbst Antworten geben können, sondern diese erst ablesen müssen, dann braucht es bestimmt kein abgeschlossenes Lehramtsstudium.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Senexx » Do 16. Aug 2018, 07:15

Pädagogik wird überschätzt.

Ein Lehrer muss Begeisterung für das Fach erwecken können. Und daran mangelt es schlicht beim Großteil der Lehrer.

Möglicherweise liegt darin eine Chance beim Engagement von LovL. Wenn die "richtigen" Pädagogen sie nicht zunichte machen.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon JJazzGold » Do 16. Aug 2018, 07:17

ThorsHamar hat geschrieben:(15 Aug 2018, 23:41)

Ich befürchte ein ganz böses Erwachen bei den willigen Lehrkräften. Die Situation an Berliner Schulen ist unbeschreiblich ...
https://www.tagesspiegel.de/berlin/schu ... 11426.html


Es scheint nicht nur in Berlin so zu sein, dass ersaztzweise Informatik- oder Ingenieurwissenschaftler Mathematik unterrichten können. Zumindest scheint ein Schnellkurs in Pädagogik geliefert zu werden.

“Pädagogische Vorkenntnisse wären wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig, so Meidinger. Quereinsteiger bekommen vor ihrem Einsatz in der Schule eine pädagogische Schnellausbildung und werden berufsbegleitend qualifiziert.“

https://www.infranken.de/ueberregional/ ... 62,3608590
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Fuerst_48 » Do 16. Aug 2018, 07:44

Kiwikopf hat geschrieben:(16 Aug 2018, 00:38)

Ich! Aber nicht in Berlin ;)

Einen guten (!) Lehrer definieren, das ist schier unmöglich. Es existieren 2 konträre Auffassungen: Einer, der als Mensch über die Rampe kommt und dem die Schüler aus der Hand fressen oder ein strenger, der den Schülern was beibringt, aber mit schlechten Noten pädagogischen Terror (!) ausübt. Die Masse liegt dazwischen.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon JJazzGold » Do 16. Aug 2018, 07:46

Uffhausen hat geschrieben:(16 Aug 2018, 07:15)

Also, wenn ich an meine Real- und Berufsschulzeit zurückdenke, finde ich, dass die meisten meiner damaligen Lehrer strikt und stupide die Vorgaben aus ihren jeweiligen Lehrplänen durchgepaukt haben. Selbige Lehrer waren es im Grunde auch, die bspw. bei Fragestellungen in Schulbüchern nicht selbst antworten konnten, sondern ein Lösungsbuch zu Hilfe nehmen mussten.
Es gab vielleicht höchstens fünf bis sechs Lehrer, die sich in ihren Fächern zwar nach den vorgegebenen Themen orientierten, aber ansonsten frei, persönlich, entsprechend glaubwürdiger und überzeugender unterrichteten. Diese waren auch die Lehrer, die entweder abgrundtief verachtet oder abgöttisch verehrt wurden - sprich: Immer in Erinnerung bleiben.

Ich weiß freilich nicht, wie sich der Schulunterricht heute - über 15 Jahre nach meiner Zeit - gestaltet. Aber wenn es immernoch mehrheitlich so ist, dass Lehrer sich nur nach Lehrplanvorgaben richten und das jeweilige Interesse ihrer Schülerschaften vernachlässigen; nicht selbst Antworten geben können, sondern diese erst ablesen müssen, dann braucht es bestimmt kein abgeschlossenes Lehramtsstudium.


Bei mir ist die Schulzeit noch ein wenig länger her, es existierte kein Lehrermangel. Lag vielleicht auch daran, dass zu meiner Zeit Lehrer meist verbeamtet waren.
Meine Seminare kann ich auch nicht heranziehen, das war Erwachsenenbildung, da trifft man in der Regel auf keine bis wenige Problemfälle.
Hilfreich waren die Pädagogik Seminare trotzdem, da sie Methodik vermittelten wie jeder Teilnehmer einzubeziehen war, wie Interesse zu wecken und zu halten ist und last not least auch, wie mit problematischen Situationen umzugehen ist.

Es ist nicht Jeder der geborene Lehrer, auch wenn die Intention die beste ist. Wissen zu haben und Wissen vermitteln zu können, sind zwei paar Stiefel. Mir sind Seminarleiter begegnet, die hätten auch glaubhaft, Begeisterung weckend verkaufen können, dass der Himmel grün ist und andere, die trotz vorhandenen Wissens, nicht strukturiert und verständlich erklären konnten, weshalb er blau zu sein scheint, oder das produzierten, was ich als Aquariumskurse bezeichne, die Teilnehmer driften teilnahmslos durch das Themengebiet und öffnen den Mund nur zum Luftschnappen.

Deshalb halte ich eine begleitende Unterstützung durch eine pädagogische Ausbildung für erforderlich und für bedenklich, dass darauf aufgrund von bloßer Bedarfsdeckung ggfls. verzichtet wird.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon Fuerst_48 » Do 16. Aug 2018, 08:11

JJazzGold hat geschrieben:(16 Aug 2018, 08:46)

Bei mir ist die Schulzeit noch ein wenig länger her, es existierte kein Lehrermangel. Lag vielleicht auch daran, dass zu meiner Zeit Lehrer meist verbeamtet waren.
Meine Seminare kann ich auch nicht heranziehen, das war Erwachsenenbildung, da trifft man in der Regel auf keine bis wenige Problemfälle.
Hilfreich waren die Pädagogik Seminare trotzdem, da sie Methodik vermittelten wie jeder Teilnehmer einzubeziehen war, wie Interesse zu wecken und zu halten ist und last not least auch, wie mit problematischen Situationen umzugehen ist.

Es ist nicht Jeder der geborene Lehrer, auch wenn die Intention die beste ist. Wissen zu haben und Wissen vermitteln zu können, sind zwei paar Stiefel. Mir sind Seminarleiter begegnet, die hätten auch glaubhaft, Begeisterung weckend verkaufen können, dass der Himmel grün ist und andere, die trotz vorhandenen Wissens, nicht strukturiert und verständlich erklären konnten, weshalb er blau zu sein scheint, oder das produzierten, was ich als Aquariumskurse bezeichne, die Teilnehmer driften teilnahmslos durch das Themengebiet und öffnen den Mund nur zum Luftschnappen.

Deshalb halte ich eine begleitende Unterstützung durch eine pädagogische Ausbildung für erforderlich und für bedenklich, dass darauf aufgrund von bloßer Bedarfsdeckung ggfls. verzichtet wird.

Völlig richtig! Und die Teilnahme an der begeitenden Weiterbildung muß verpflichtend sein, nicht freiwillig.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Do 16. Aug 2018, 09:06

Kiwikopf hat geschrieben:(16 Aug 2018, 00:38)

Ich! Aber nicht in Berlin ;)


Das spricht für Dich .... allerdings gegen die Zukunft der Kinder dort ...
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Do 16. Aug 2018, 09:17

JJazzGold hat geschrieben:(16 Aug 2018, 08:17)

Es scheint nicht nur in Berlin so zu sein, dass ersaztzweise Informatik- oder Ingenieurwissenschaftler Mathematik unterrichten können. Zumindest scheint ein Schnellkurs in Pädagogik geliefert zu werden.

“Pädagogische Vorkenntnisse wären wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig, so Meidinger. Quereinsteiger bekommen vor ihrem Einsatz in der Schule eine pädagogische Schnellausbildung und werden berufsbegleitend qualifiziert.“

https://www.infranken.de/ueberregional/ ... 62,3608590


Es ist in jedem Fall ein Armutszeugnis für die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands, wenn ich mir den Stellenwert der Bildung ansehe.
Ich frage mich, wer das richten soll. Irgendwie bin ich ratlos, denn das Problems ist doch nicht neu ...
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon JJazzGold » Do 16. Aug 2018, 11:57

ThorsHamar hat geschrieben:(16 Aug 2018, 10:17)

Es ist in jedem Fall ein Armutszeugnis für die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands, wenn ich mir den Stellenwert der Bildung ansehe.
Ich frage mich, wer das richten soll. Irgendwie bin ich ratlos, denn das Problems ist doch nicht neu ...


Das Problem ist selbst verschuldet. Es ist zwar schon dreißig her, da bekam eine Freundin von mir, ausgebildete Lehrerin, Baden-Württemberg immer nur Saisonverträge. Die hatte davon nach drei Jahren die Nase voll und ist zu einer Festanstellung in die Fliegerei gewechselt.

https://www.bertelsmann-stiftung.de/es/ ... erft-sich/

Das sind die Zahlen, die die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht hat und das sieht für die Zukunft nicht gut aus.
Noch hält z.B. die CSU dagegen, in dem sie für Lehrkräfte z.B. die Frühpensionierung gestoppt hat oder die sog. Lotsen, Grundschullehrer, die gezielt fünfjährige Schulanfänger betreuen, abzieht. Aber so kann das ja nicht weiter gehen und so weit, sind wir von den Berliner Zuständen dann auch nicht mehr entfernt.
Der Volksmund, “was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, trifft nach wie vor zu.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Do 16. Aug 2018, 12:15

JJazzGold hat geschrieben:(16 Aug 2018, 12:57)


Das Problem ist selbst verschuldet. Es ist zwar schon dreißig her, da bekam eine Freundin von mir, ausgebildete Lehrerin, Baden-Württemberg immer nur Saisonverträge. Die hatte davon nach drei Jahren die Nase voll und ist zu einer Festanstellung in die Fliegerei gewechselt.

https://www.bertelsmann-stiftung.de/es/ ... erft-sich/

Das sind die Zahlen, die die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht hat und das sieht für die Zukunft nicht gut aus.
Noch hält z.B. die CSU dagegen, in dem sie für Lehrkräfte z.B. die Frühpensionierung gestoppt hat oder die sog. Lotsen, Grundschullehrer, die gezielt fünfjährige Schulanfänger betreuen, abzieht. Aber so kann das ja nicht weiter gehen und so weit, sind wir von den Berliner Zuständen dann auch nicht mehr entfernt.
Der Volksmund, “was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, trifft nach wie vor zu.


Eben, sag ich ja ...
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon frems » Do 16. Aug 2018, 15:58

ThorsHamar hat geschrieben:(15 Aug 2018, 23:38)

...auch Gegenfrage: Wer will schon Lehrer(in) werden?

Ist nun auch nicht schlimmer als Sielarbeiter und zugleich besser vergütet. In Berlin fangen sie ja schon mit 60k brutto an. Da ist man bereits als Anfänger höher als die meisten Deutschen. Gibt ja auch nicht nur Problemschulen.

LovL ist aber ein interessantes Thema. Hatte mich bisher nur mit Quereinsteigern beschäftigt und selbst gute Erfahrungen in meiner Schulzeit gemacht. Wir hatten bspw. einen Diplom-Informatiker im EDV-Unterricht. Der war etwas nerdy drauf, aber man merkte, wie ihn selbst das Fach begeistert und das konnte ziemlich anstecken, zumal er oft auf bürokratische Vorgaben pfiff und die Schule ihn gewähren ließ, da die Ergebnisse der Schüler stimmten. Da hat jeder gut mitgearbeitet und sich gefreut, wenn irgendeine gebastelte Sequenz oder ein Script nach viel herumgetüftel auch funktioniert hat. Auf der anderen Seite gab's auch "richtige" Lehrer, die einfach nur eine Verbeamtung in der Stadt suchten und schauten, mit welchem Studium sie es am möglichsten hinkriegen. Wie begeistert Schüler von desmotivierten Lehrern werden, kann man sich wohl denken.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Berlin und Bildung

Beitragvon ThorsHamar » Do 16. Aug 2018, 16:35

frems hat geschrieben:(16 Aug 2018, 16:58)

Ist nun auch nicht schlimmer als Sielarbeiter und zugleich besser vergütet. In Berlin fangen sie ja schon mit 60k brutto an. Da ist man bereits als Anfänger höher als die meisten Deutschen. Gibt ja auch nicht nur Problemschulen.

LovL ist aber ein interessantes Thema. Hatte mich bisher nur mit Quereinsteigern beschäftigt und selbst gute Erfahrungen in meiner Schulzeit gemacht. Wir hatten bspw. einen Diplom-Informatiker im EDV-Unterricht. Der war etwas nerdy drauf, aber man merkte, wie ihn selbst das Fach begeistert und das konnte ziemlich anstecken, zumal er oft auf bürokratische Vorgaben pfiff und die Schule ihn gewähren ließ, da die Ergebnisse der Schüler stimmten. Da hat jeder gut mitgearbeitet und sich gefreut, wenn irgendeine gebastelte Sequenz oder ein Script nach viel herumgetüftel auch funktioniert hat. Auf der anderen Seite gab's auch "richtige" Lehrer, die einfach nur eine Verbeamtung in der Stadt suchten und schauten, mit welchem Studium sie es am möglichsten hinkriegen. Wie begeistert Schüler von desmotivierten Lehrern werden, kann man sich wohl denken.


Yep, und Du hast eben Glück gehabt mit Deinem EDVler ....
Wir sind uns sicher einig, dass das kein Bildungskonzept sein kann?!
Was meinst Du, was demnächst passiert, wenn hier noch mehr Schulen 100%ig migrantisch belegt sind?
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