Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

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Dr.House
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Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Dr.House » Di 26. Jun 2018, 08:38

Würdet ihr euch z.B. an dem System von Singapur orientieren, die das PISA-Ranking anführen?
https://www.zeit.de/2017/07/singapur-pi ... chulsystem

Oder doch viel individueller fördern und Kinder, die sich mit Fächern wie Mathematik nicht anfreunden können, frühzeitig von dem Stress befreien?

Was ist mit Hausaufgaben? Sinnvoll, oder nicht?
https://www.youtube.com/watch?v=RcPtFgp-xmU (Harald Lesch zu dem Thema)
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Senexx
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Senexx » Di 26. Jun 2018, 09:06

Dr.House hat geschrieben:(26 Jun 2018, 09:38)

Würdet ihr euch z.B. an dem System von Singapur orientieren, die das PISA-Ranking anführen?
https://www.zeit.de/2017/07/singapur-pi ... chulsystem

Oder doch viel individueller fördern und Kinder, die sich mit Fächern wie Mathematik nicht anfreunden können, frühzeitig von dem Stress befreien?

Was ist mit Hausaufgaben? Sinnvoll, oder nicht?
https://www.youtube.com/watch?v=RcPtFgp-xmU (Harald Lesch zu dem Thema)

Wenn sich Kinder mit Mathe nicht anfreunden liegt das an miesen Lehrern. Man muss die Lehrer dann von einem Teil ihres Gehaltes befreien, nicht die Kinder benachteiligen, indem man sie von Mathematik ausschließt.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 26. Jun 2018, 10:23

Das System ist hoffnungslos veraltet, seine Grundstruktur stammt aus dem 19.Jahrhundert ,man muss sich dass mal auf der Zunge zergehen lassen, und dann wundert man sich auch noch dreist über vernichtende PISA Ergebnisse oder Schüler die gar nicht mehr Kinder bzw. Teenager sein können.

Ich teile Herrn Prechts Abrechnung mit dem gegenwärtigen Schulsystem.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Moses » Di 26. Jun 2018, 13:09

Senexx hat geschrieben:(26 Jun 2018, 10:06)

Wenn sich Kinder mit Mathe nicht anfreunden liegt das an miesen Lehrern. Man muss die Lehrer dann von einem Teil ihres Gehaltes befreien, nicht die Kinder benachteiligen, indem man sie von Mathematik ausschließt.


Auf eine Quelle zu dieser steilen These bin ich gespannt.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Vongole » Di 26. Jun 2018, 13:37

Moses hat geschrieben:(26 Jun 2018, 14:09)

Auf eine Quelle zu dieser steilen These bin ich gespannt.


Ich geb's ja ungern zu, aber so ganz unrecht hat der User in diesem Fall nicht.
Es gibt Matheunterricht, der die Schüler "mitnimmt", und den, der sie verständnislos zurück lässt.
Leidvolle Erfahrung aus vielen Jahren als Elternsprecherin, und nein, ich bin keine Helikoptermutter. ;)
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Moses » Di 26. Jun 2018, 13:47

Vongole hat geschrieben:(26 Jun 2018, 14:37)

Ich geb's ja ungern zu, aber so ganz unrecht hat der User in diesem Fall nicht.
Es gibt Matheunterricht, der die Schüler "mitnimmt", und den, der sie verständnislos zurück lässt.
Leidvolle Erfahrung aus vielen Jahren als Elternsprecherin, und nein, ich bin keine Helikoptermutter. ;)


"Es gibt . . . " ist aber nicht gleichbedeutend mit "Wenn sich Kinder mit Mathe nicht anfreunden liegt das an miesen Lehrern. "

Ich habe beruflich dauernd mit jungen Schulabsolventen zu tun, die versuchen mir weiszumachen, dass an ihren Noten der Lehrer schuld ist - nach spätestens 20 Minuten kommt dann doch die Einsicht, dass Lernen eine persönliche Aufgabe ist und wenn man das vernachlässigt, kann der Lehrer vorn sein wie er will, dann wird's halt nur ne vier.

Außer Frage steht natürlich, dass ein guter Pädagoge dieses Lernen erleichtert und ein schlechter eben nicht - nur diese usertypischer Pauschalisierung, kann eben so nicht unkommentiert stehen bleiben ;)
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Vongole » Di 26. Jun 2018, 14:05

Moses hat geschrieben:(26 Jun 2018, 14:47)

"Es gibt . . . " ist aber nicht gleichbedeutend mit "Wenn sich Kinder mit Mathe nicht anfreunden liegt das an miesen Lehrern. "

Ich habe beruflich dauernd mit jungen Schulabsolventen zu tun, die versuchen mir weiszumachen, dass an ihren Noten der Lehrer schuld ist - nach spätestens 20 Minuten kommt dann doch die Einsicht, dass Lernen eine persönliche Aufgabe ist und wenn man das vernachlässigt, kann der Lehrer vorn sein wie er will, dann wird's halt nur ne vier.

Außer Frage steht natürlich, dass ein guter Pädagoge dieses Lernen erleichtert und ein schlechter eben nicht - nur diese usertypischer Pauschalisierung, kann eben so nicht unkommentiert stehen bleiben ;)


Stimmt, ich hätte ergänzen sollen, dass es an schlechten Lehrern liegen kann.
Allerdings meine ich, dass sich in Deutschland an der Lehrerausbildung etwas ändern müsste, auch am Unterrichtssystem.
Pädagogik kommt im Studium viel zu kurz, auch das vemittelnde Lehren. In einem System, in dem die "Nachhilfe-Industrie" blüht, und Eltern täglich jede Menge Zeit aufwenden müssen,
um mit dem Nachwuchs den Schulstoff nachzuarbeiten, stimmt etwas grundlegend nicht.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Moses » Di 26. Jun 2018, 14:16

Vongole hat geschrieben:(26 Jun 2018, 15:05)

Stimmt, ich hätte ergänzen sollen, dass es an schlechten Lehrern liegen kann.
Allerdings meine ich, dass sich in Deutschland an der Lehrerausbildung etwas ändern müsste, auch am Unterrichtssystem.
Pädagogik kommt im Studium viel zu kurz, auch das vemittelnde Lehren. In einem System, in dem die "Nachhilfe-Industrie" blüht, und Eltern täglich jede Menge Zeit aufwenden müssen,
um mit dem Nachwuchs den Schulstoff nachzuarbeiten, stimmt etwas grundlegend nicht.


Dem Ansatz kann ich folgen, gerade mit der Stoßrichtung: Bessere, zielführende Vorbereitung der Lehrkräfte - obwohl ich schon der Meinung bin, dass eine aktive Mitarbeit der Eltern auch beim Lernen und in der schulischen Entwicklung äußerst wichtig ist. Nicht umsonst wird immer wieder ein Leistungsabfall festgestellt, der proportional zum Bildungsstand der Elter oder besser zu deren Interesse und Möglichkeit einer Lernunterstüzung verläuft.
Sich ausschließlich auf das Bildungssystem verlassen und hinterher über schlechte Lehrer jammern ist da der falscheste Ansatz.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Vongole » Di 26. Jun 2018, 14:35

Moses hat geschrieben:(26 Jun 2018, 15:16)

Dem Ansatz kann ich folgen, gerade mit der Stoßrichtung: Bessere, zielführende Vorbereitung der Lehrkräfte - obwohl ich schon der Meinung bin, dass eine aktive Mitarbeit der Eltern auch beim Lernen und in der schulischen Entwicklung äußerst wichtig ist. Nicht umsonst wird immer wieder ein Leistungsabfall festgestellt, der proportional zum Bildungsstand der Elter oder besser zu deren Interesse und Möglichkeit einer Lernunterstüzung verläuft.
Sich ausschließlich auf das Bildungssystem verlassen und hinterher über schlechte Lehrer jammern ist da der falscheste Ansatz.


Aktive Mitarbeit der Eltern schließe ich ja nicht aus, nur kann es nicht sein, dass die darin besteht, den ganzen Schulstoff wiederzukäuen.
Wie du richtig anmerkst, ist bei Kindern mit niedrigem Bildungsstandard der Eltern ein Leistungsabfall festzustellen, und genau da muss Schule auch ansetzen.
Nicht alle Eltern haben Abitur und womöglich noch eine akademische Ausbildung, nicht alle, viele sogar, können den Anforderungen gerecht werden.
Wir haben zu wenig Ganztagsschulen, wir haben zu wenig unterrichtsbgleitende Angebote an den Schulen, wir haben zu wenige Fachkräfte, die rechtzeitig erkennen,
wann ein Kind Unterstützung benötigt.
Es kann doch nicht sein, dass ein Kind aus einer bildungsfernen Familie die Grundschule verlässt, ohne richtig schreiben oder lesen zu können, und das gesamt Kollegium beruft
sich dann achselzuckend auf die Klassengrößen.
Es kann doch nicht sein, dass z.B. die Uni Aachen in den ersten Semestern Mathematik einen Grundkurs Deutsch in Schrift für Anfänger anbieten musste, der sich nicht an Absolventen
des Gymnasiums mit Migrationshintergrund richete.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Occham » Di 26. Jun 2018, 17:38

Schüler sollten mehr auf das Berufsleben vorbereitet werden.
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 26. Jun 2018, 17:57

Occham hat geschrieben:(26 Jun 2018, 18:38)

Schüler sollten mehr auf das Berufsleben vorbereitet werden.



Man sollte Schülern aufzeigen was ein glückliches Leben sein könnte und auch an ihrer Persönlichkeitsbildung feilen,.dass kommt meist zu kurz da die meisten ( auch Bildungspolitiker) Bildung mit Ausbildung verwechseln, die Folgen kann man heute in den Chefetagen großer ( zumal Autokonzerne) bestaunen.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Misterfritz » Di 26. Jun 2018, 21:39

Vongole hat geschrieben:(26 Jun 2018, 15:35)Es kann doch nicht sein, dass ein Kind aus einer bildungsfernen Familie die Grundschule verlässt, ohne richtig schreiben oder lesen zu können, und das gesamt Kollegium beruft
sich dann achselzuckend auf die Klassengrößen.
Es kann aber auch nicht sein, dass Eltern diese Defizite ihrer Kinder nicht erkennen. Und da das schlicht Grundlagen sind, könnten Eltern das gezielt mit ihren Kindern üben. Und wenn das nicht gegeben ist, dann ist wohl ein grosses Desinteresse der Eltern vorhanden.
Das ist jetzt keine Verteidigung unseres Bildungssystems oder der Lehrerausbildung. Aber, die Lehrer waren früher eher schlechter als besser und trotzdem gab es weniger Total"versager".
So viele Ideen sind dermassen nach hinten losgegangen, obwohl man sich mit ein wenig Verstand hätte denken können, dass das schief geht (z.B. die Kinder erstmal so schreiben lassen wie sie wollen, wie sie es empfinden/hören. Etwas, was Mensch erstmal falsch gelernt hat, ist schwierig zu korrigieren, es geht unnötig Zeit verloren.)
Ausserdem war ich von je her der Meinung, dass die alten Rechtschreibregeln evtl. kompliziert waren, aber erheblich weniger Ausnahmen hatten. Das ganze Kuddelmuddel hat zur Folge, dass Rechtschreibung mittlerweile eher beliebig ist. Es ist mMn einfacher, zwar schwere, aber eindeutige Regeln zu lernen.

Was sicherlich eine gute Idee wäre, wenn die Sortierung nicht nach der 4. Klasse passieren würde, sondern erst nach der 6. Klasse, evtl. sogar später. Da werden Weichen für's Leben gestellt, die oft in dem Alter schlicht falsch sind.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Senexx » Di 26. Jun 2018, 21:45

Moses hat geschrieben:(26 Jun 2018, 14:47)

"Es gibt . . . " ist aber nicht gleichbedeutend mit "Wenn sich Kinder mit Mathe nicht anfreunden liegt das an miesen Lehrern. "

Ein Mathelehrer, der seine Schüler nicht für Mathe begeistern kann, hat seinen Beruf verfehlt. Ich hatte in meinen lange zurückliegenden Schülerleben eben durchweg solche, die Begeisterung zu wecken vermochten.

Die heutigen Mathelehrer sind durchweg Flaschen, unfähig und unwillig, die Begeisterung für Mathematik zu erwecken, und fast immer unfähig, die Mathematik vernünftig zu erklären.

Es werden heute auch keine Beweise mehr geführt. Der Unterricht beschränkt sich weitgehend auf das Auswendiglernen von Formeln. Frage ich beispielsweise einen Schüler, warum es "Dreisatz" heißt, glotzt der mich verständnislos an.

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, mit einer litauischen Kollegin über unseren Matheunterricht zu sprechen. Sie war entsetzt über das erbärmliche Niveau.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Vongole » Di 26. Jun 2018, 23:37

Misterfritz hat geschrieben:(26 Jun 2018, 22:39)

Es kann aber auch nicht sein, dass Eltern diese Defizite ihrer Kinder nicht erkennen. Und da das schlicht Grundlagen sind, könnten Eltern das gezielt mit ihren Kindern üben. Und wenn das nicht gegeben ist, dann ist wohl ein grosses Desinteresse der Eltern vorhanden.
Das ist jetzt keine Verteidigung unseres Bildungssystems oder der Lehrerausbildung. Aber, die Lehrer waren früher eher schlechter als besser und trotzdem gab es weniger Total"versager".
So viele Ideen sind dermassen nach hinten losgegangen, obwohl man sich mit ein wenig Verstand hätte denken können, dass das schief geht (z.B. die Kinder erstmal so schreiben lassen wie sie wollen, wie sie es empfinden/hören. Etwas, was Mensch erstmal falsch gelernt hat, ist schwierig zu korrigieren, es geht unnötig Zeit verloren.)
Ausserdem war ich von je her der Meinung, dass die alten Rechtschreibregeln evtl. kompliziert waren, aber erheblich weniger Ausnahmen hatten. Das ganze Kuddelmuddel hat zur Folge, dass Rechtschreibung mittlerweile eher beliebig ist. Es ist mMn einfacher, zwar schwere, aber eindeutige Regeln zu lernen.

Was sicherlich eine gute Idee wäre, wenn die Sortierung nicht nach der 4. Klasse passieren würde, sondern erst nach der 6. Klasse, evtl. sogar später. Da werden Weichen für's Leben gestellt, die oft in dem Alter schlicht falsch sind.


Was deinen letzten Satz angeht, stimme ich dir zu, dafür brauchten wir allerdings ein komplett anderes Schulsystem.

Es kann aber auch nicht sein, dass Eltern diese Defizite ihrer Kinder nicht erkennen. Und da das schlicht Grundlagen sind, könnten Eltern das gezielt mit ihren Kindern üben. Und wenn das nicht gegeben ist, dann ist wohl ein grosses Desinteresse der Eltern vorhanden.


Im Allgemeinen sollte das möglich sein, ja.
Leider gibt es aber Eltern, die nicht aus Desinteresse, sondern aus schierer Unmöglichkeit nicht in der Lage sind, zu erkennen, wo es bei den Kindern hapert, sei es, dass sie die deutsche Sprache unvollkommen beherrschen, sei es,
weil sie selber Defizite in dieser Richtung haben. Da sollte Schule m.M.n. eingreifen.

Ob Lehrer früher schlechter waren, da bin ich mir nicht sicher, meine waren teilweise bombig und teilweise ein Graus.
Die "Totalversager" rechne ich einerseits den verschiedenen Experimenten zu (13 Jahre in 12 zu packen und zurück z.B.), andererseits einem enormen Leistungsdruck, der meist von den Eltern ausgeht.
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es ein längerer Austausch zwischen den Kultusministerien, Lehrern, Eltern und Schülern zu diesen ganzen Themen plus gemeinsam gefasster Beschlüsse,
und eine Lehrerausbildung, die praxisorientierter funktioniert.

@senexx: Die Aussage, dass heutige Mathelehrer durchweg Flaschen wären, halte ich nicht nur für überzogen, sondern für unverschämt.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Senexx » Mi 27. Jun 2018, 02:12

Vongole hat geschrieben:(26 Jun 2018, 15:35)
Es kann doch nicht sein, dass z.B. die Uni Aachen in den ersten Semestern Mathematik einen Grundkurs Deutsch in Schrift für Anfänger anbieten musste, der sich nicht an Absolventen
des Gymnasiums mit Migrationshintergrund richete.

Ich habe in einer Studienreformkommision mal gefordert, Deutschkurse vorzuschreiben. Das wurde allgemein mit seufzenden Gelächter aufgenommen und der Vorsitzende meinte, daß könnten wir beim KUMI wohl nicht durchsetzen...
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Senexx » Mi 27. Jun 2018, 02:27

Misterfritz hat geschrieben:(26 Jun 2018, 22:39)
Was sicherlich eine gute Idee wäre, wenn die Sortierung nicht nach der 4. Klasse passieren würde, sondern erst nach der 6. Klasse, evtl. sogar später. Da werden Weichen für's Leben gestellt, die oft in dem Alter schlicht falsch sind.

Völlig falsch. Die guten Schüler dürfen nicht bestraft werden. Sie haben den gleichen Anspruch auf y Förderung wie die schwachen Schüler. Es sollte bereits in den Grundschulen eine Leistungsdifferrnzierung stattfinden. Bei mehrzügigen Schulen sollten die guten Schüler fachweise zusammengefasst und die schwachen Schüler gesondert unterrichtet werden, um ihre Defizite auszugleichen.

Insgesamt müssen im Schulsystem die Leistungsanforderungen deutlich erhöht werden. Kopfrechnungen muss wieder selbstverständlich und von allen Schülern beherrscht werden. Es ist völlig inakzeptabel, daß ein 6.-klassiger Gymnasiast nicht mittels Überschlagsrechnung erkennt, dass sein Ergebnis von 21 bei einer Multiplikation von 3,5x4,2 nicht richtig sein kann. Vorher hatte er 13,0 herausgefunden.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Misterfritz » Mi 27. Jun 2018, 04:52

Vongole hat geschrieben:(27 Jun 2018, 00:37)

Was deinen letzten Satz angeht, stimme ich dir zu, dafür brauchten wir allerdings ein komplett anderes Schulsystem.
Eigentlich nicht, es müsste nur die Grundschule zwei Jahre eiter geführt werden ;) Aber es bräuchte andere Lehrer dafür-
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 27. Jun 2018, 06:00

Dr.House hat geschrieben:(26 Jun 2018, 09:38)
Würdet ihr euch z.B. an dem System von Singapur orientieren, die das PISA-Ranking anführen?
https://www.zeit.de/2017/07/singapur-pi ... chulsystem

Wenn es erfolgreicher als unser System ist, dann sollten wir es kopieren!

Ein paar Versuchsschulen nach diesem Vorbild wäre das mindeste was man tun müsste.

Aber dazu haben wir aktuell keine Zeit. Es gibt momentan anscheinend viel wichtigere gesellschaftliche Dinge zu klären, als unser hartes Versagen in der Bildung, z.B.:
Burkinis im Schwimmunterricht.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Alana4 » Mi 27. Jun 2018, 06:34

Occham hat geschrieben:(26 Jun 2018, 18:38)

Schüler sollten mehr auf das Berufsleben vorbereitet werden.


Nein! Ganz entschieden: Nein!
Auf das Berufsleben vorbereiten soll die Berufsausbildung, gleich welcher Art.

Schule soll allgemeinbildende Grundlagen vermitteln, die Kulturtechniken lehren, ein Stück weit "erziehen" durch das Vermitteln kultureller,ethischer,moralischer,gesellschaftlicher, auch politischer Bildung.

Es bedarf insbesondere für diesen Teil der "Erziehung" wieder etwas mehr Kompetenz und vor allem auch Autorisierung für die Pädagogen.

Und dann: Naturwissenschaften rauf und runter! Endlich wieder mehr "wissenschaftlich"- diese Grundbildung wird nach wie vor extrem vernachlässigt. Lehrermangel gerade in diesen Bereichen ist fatal! Die Schüler können zwar "labern" heutzutage- aber Archimedes, Gauss, Hebelgesetze, Gravitation usw. kapieren sie immer weniger.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
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Re: Wie würdet ihr das Schulsystem neu erfinden?

Beitragvon Europa2050 » Mi 27. Jun 2018, 07:28

Dr.House hat geschrieben:(26 Jun 2018, 09:38)

Würdet ihr euch z.B. an dem System von Singapur orientieren, die das PISA-Ranking anführen?
https://www.zeit.de/2017/07/singapur-pi ... chulsystem

Oder doch viel individueller fördern und Kinder, die sich mit Fächern wie Mathematik nicht anfreunden können, frühzeitig von dem Stress befreien?

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Erstmal sollte so ein Schulsystem zwei Ziele anstreben:

- den Kindern unabhängig von der Bildungsaffinität ihrer Eltern eine Chance geben, ihren geistigen „Werkzeugkasten“ so zu bestücken, dass sie die Anforderungen des 21. Jhd. bestehen.
- den Kindern, die „mehr“ können, optimale Chancen geben, diese Gabe weiterzuentwickeln und zur geistigen „Elite“ zu reifen.

Zum Ersten:
Wirklich wichtig sind heute in fast jedem Beruf Kompetenzen in genau zwei Fächern: Mathematik und Englisch. Alle anderen Fächer sind wichtig, wenn man sich darauf spezialisieren will, sonst genügt Allgemeinbildung.
Während sich in Sachen Englisch wirklich viel getan hat und mein Sohn in der 8. Klasse Gym. (Bayern) deutlich besser Englisch spricht als ich mit Abitur Englisch 1985 (auch Bayern), sieht es in Mathe schlimm aus.
Und ich meine nicht Kopfrechnen, sondern das Begreifen mathematischer Zusammenhänge, „wenn-dann Logik“, Abstraktion textlich formulierter Aufgaben. Wie sollen diese Leute je volkswirtschaftliche Zusammenhänge abseits populistischer Sprüche begreifen?
Hier schwächelt aber auch das Schulsystem, und nicht jedes Kind hat einen Vater, der Physik studiert hat, in der Hinterhand, wie meine drei. Da reichen einfach vier Wochenstunden nicht, egal wie qualifiziert der Lehrer ist.

Zu den Problemen bei der Eliteförderung zählen:

- unterschiedliche Lehrpläne der Bundesländer (meinem Großen hat der Umzug BW->Bayern ein Jahr gekostet, von Berlin nach BW ist mir bekannt wird zwei Jahre zurück gestuft)

- Kein (wenig) Verständnis für Hochbegabung: Hochbegabung heißt nicht unbedingt gute Noten, Hochbegabte machen dem Lehrer mehr Stress, Hochbegabte neigen zur Faulheit. Aber Achtung Eltern: Nicht jeder Klassenclown ist hochbegabt ;) )

- zu wenig europäische Austauschangebote für Top-Schüler. Hier fällt vor allem auf, dass die Mittelschicht, die finanziell durchschnittlich bestückt ist, aber nicht die Förderung der Hartz4 Leute bekommt, ihren Kindern diese Sachen oft nicht ermöglichen kann.

Soweit zu den Dingen, die mir ad hoc einfallen. Moderne Ausstattung etc. kommt natürlich auch noch dazu.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.

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