Karl Marx feiern?

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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 7. Mai 2018, 16:50

Sorgenking hat geschrieben:(07 May 2018, 17:41)

Genau, der Kapitalismus muss die gesamte Welt erobern, überall muss die Ungleichheit ansteigen und nur dann wäre nach ihm, die Menschheit bereit, für eine Abschaffung des Kapitalismus und würde ihn durch eine kommunistische Gesellschaft ersetzen.
Gerade den Teil mit dem Kommunismus halte ich fü unrealistisch. Der Kapitalismus drückt den menschlichen Geist & Charakter am besten aus und dieser wird sich irgendwann zerstören.
i
Das ist mir zu pauschal. Die Marktwirtschaft hat gut funktioniert, auch unter den Bedingungen der Konkurrenz. Sie strebt wie alle Ordnungen Universalität an. Einem theoretischen Kommunismus mag das so gehen, wer weiß. Von Kuba geht heute kein ideologischer Export mehr aus, Kina exportiert eher kalt berechnenden Nationalismus als irgendetwas, das man mit Marxismus begründen könnte. Das gute Funktionieren der Marktwirtschaft in immer weiteren Teilen der Welt bedeutet indessen nicht für alle Wohlstand und Aufstieg. Das weiß man aber auch ohne Marx durch bloßes Hingucken.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Adam Smith » Mo 7. Mai 2018, 16:58

Sorgenking hat geschrieben:(07 May 2018, 17:41)

Genau, der Kapitalismus muss die gesamte Welt erobern, überall muss die Ungleichheit ansteigen und nur dann wäre nach ihm, die Menschheit bereit, für eine Abschaffung des Kapitalismus und würde ihn durch eine kommunistische Gesellschaft ersetzen.
Gerade den Teil mit dem Kommunismus halte ich fü unrealistisch. Der Kapitalismus drückt den menschlichen Geist & Charakter am besten aus und dieser wird sich irgendwann zerstören.

China wurde erobert. Volkswagen verkauft hier mehr Autos als in der EU und Apple produziert hier. Wobei China auf PV-Anlagen und Ekektroautos setzt.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon hafenwirt » Mo 7. Mai 2018, 17:41

...
Zuletzt geändert von hafenwirt am Mo 7. Mai 2018, 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Mo 7. Mai 2018, 17:44

Der technisch begabtere war ja Friedrich Engels
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Mo 7. Mai 2018, 17:46

Hat mal jemand rekonstruiert, wie Marx glatt rasiert mit Pickelhaube aussehen würde?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 7. Mai 2018, 18:41

Quatschki hat geschrieben:(07 May 2018, 18:46)

Hat mal jemand rekonstruiert, wie Marx glatt rasiert mit Pickelhaube aussehen würde?

Man soll nicht immer über die AfD lästern.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sorgenking » Mo 7. Mai 2018, 20:30

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 May 2018, 17:50)

i
Das ist mir zu pauschal. Die Marktwirtschaft hat gut funktioniert, auch unter den Bedingungen der Konkurrenz. Sie strebt wie alle Ordnungen Universalität an. Einem theoretischen Kommunismus mag das so gehen, wer weiß. Von Kuba geht heute kein ideologischer Export mehr aus, Kina exportiert eher kalt berechnenden Nationalismus als irgendetwas, das man mit Marxismus begründen könnte. Das gute Funktionieren der Marktwirtschaft in immer weiteren Teilen der Welt bedeutet indessen nicht für alle Wohlstand und Aufstieg. Das weiß man aber auch ohne Marx durch bloßes Hingucken.


Ja, aber Marx hat dies zu einer Zeit und in einer philosophischen Tiefe vorhergesagt, dass da schon eine Einzigartigkeit dahinter steht.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Mo 7. Mai 2018, 21:00

Liegestuhl hat geschrieben:(07 May 2018, 06:49)

Marx hat selber an der Börse spekuliert.



Aber nicht an der Börse die wir kennnen
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Mo 7. Mai 2018, 21:20

Adam Smith hat geschrieben:(07 May 2018, 17:58)

China wurde erobert. Volkswagen verkauft hier mehr Autos als in der EU und Apple produziert hier. Wobei China auf PV-Anlagen und Ekektroautos setzt.



Arbeitnehmer.....Rechte ?.........Pustekuchen......


Das Menschenbild von Marx......ergibt mehr........

"Die Geschichte nennt diejenigen als die größten Männer, die, indem sie für das Allgemeine wirkten, sich selbst veredelten; die Erfahrung preist den als den Glücklichsten, der die meisten glücklich gemacht; die Religion selber lehrt uns, daß das Ideal, dem alle nachstreben, sich für die Menschheit geopfert habe, und wer wagte solche Aussprüche zu vernichten?"

https://www.aphorismen.de/suche?f_rubri ... Geschichte


By the way..........Marx hat schon die "Digalisierung und Ihre Folgen......" beschrieben........cooler Typ........ander halten sich an Jesus, Adam oder Mohamed fest.......... naja........


"HALTET EUCH RUHIG AN GESTERN FEST IM GEGENWIND DER ZEIT........UND SO STEHT IHR DA IN EUREN KURZEN HEMD................IM GEGENWIND DER ZEIT"





Wenn die Vergangeheitt nicht aus den Köpfen will ..................................hilft Asperin
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Mo 7. Mai 2018, 21:25

Der dialektische Materialismus ist als Denkansatz ganz brauchbar,
aber zum Dogma erhoben führt er bis heute immer wieder zu Fehleinschätzungen,

Vor allem hat Marx die Bedeutung von religiöser, kultureller und ethnischer Identität nicht verstanden und deshalb deren Ausdrucksformen zum Beispiel bei seinen jüdischen Verwandten geschmäht und verachtet. Wo doch deren von Generation zu Generation gelebte Rituale, die die Kultur ausmachen, den kulturellen, religiösen und ethnischen Zusammenhalt der Juden in der Diaspora überhaupt erst ermöglicht haben!

Und wenn Linke oder SPDler glauben, dass die "Abgehängten" den "Populisten" hinterher laufen würden, weil es an "sozialer Gerechtigkeit" mangelt, dann spricht daraus genau diese marxistische Denke: Die Reduktion auf die materiellen Bedürfnisse und die Negierung aller anderen.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Mo 7. Mai 2018, 22:48

Quatschki hat geschrieben:(07 May 2018, 22:25)

Der dialektische Materialismus ist als Denkansatz ganz brauchbar,
aber zum Dogma erhoben führt er bis heute immer wieder zu Fehleinschätzungen,

Vor allem hat Marx die Bedeutung von religiöser, kultureller und ethnischer Identität nicht verstanden und deshalb deren Ausdrucksformen zum Beispiel bei seinen jüdischen Verwandten geschmäht und verachtet. Wo doch deren von Generation zu Generation gelebte Rituale, die die Kultur ausmachen, den kulturellen, religiösen und ethnischen Zusammenhalt der Juden in der Diaspora überhaupt erst ermöglicht haben!

Und wenn Linke oder SPDler glauben, dass die "Abgehängten" den "Populisten" hinterher laufen würden, weil es an "sozialer Gerechtigkeit" mangelt, dann spricht daraus genau diese marxistische Denke: Die Reduktion auf die materiellen Bedürfnisse und die Negierung aller anderen.



Coole These........aber totaler Schrott....... :thumbup:
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Di 8. Mai 2018, 06:58

BingoBurner hat geschrieben:(07 May 2018, 23:48)

Coole These........aber totaler Schrott....... :thumbup:

Starker Beitrag ...... :thumbup:
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 09:13

Quatschki hat geschrieben:(08 May 2018, 07:58)

Starker Beitrag ...... :thumbup:

Ich finde es wichtig, dass man sich von der feindbildgetriebenen Diskussion ein wenig löst. Wofür interessiert man sich bei 200 Jahren Marx? Will man in der Kammerdienerperspektive auf das Leben eines mittellosen Staatenlosen der damaligen Zeit Voyeur spielen, der zu Frau und Kind und vielen Themen aus heutiger Sicht eher altertümliche Vorstellungen hatte? Will man sich mit dem schwärmerischen Studenten beschäftigen? Mit den schmalzigen Liebesgedichten, die er schrieb? Oder interessiert man sich mehr für den politischen Denker, der sich ein halbes Leben in Bibliotheken vergräbt und dem sein eigener Text schon dringend verbesserungswürdig erscheint, sowie er zu Papier kommt?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Liegestuhl » Di 8. Mai 2018, 09:58

Quatschki hat geschrieben:(07 May 2018, 22:25)

Der dialektische Materialismus ist als Denkansatz ganz brauchbar, ...


Ganz ernst gemeinte Frage: Wozu?

Man kann damit zumeist Banalitäten in der Vergangenheit erklären. Man sucht zwanghaft nach irgendwelchen Widersprüchen, wählt bestimmte Konsequenzen, unterstellt eine Kausalität und nennt das ganze Verfahren Dialektik. Dass das Ganze nur Hokuspokus ist, wird deutlich, wenn man dieses Verfahren für die Zukunft anwenden will. Denn die Versuche, in die Zukunft zu schauen, sind bisher regelmäßig in die Hose gegangen. Zugegeben auch ohne Dialektik.

Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 10:11

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)
Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?

Wenn du zum Beispiel ein kaputtes Auto hast, kann es dir helfen, zu beurteilen ob es sich noch lohnt, das Kfz zu reparieren oder ob morgen sowieso Straßenschlacht angesagt ist. Der dialektische Materialismus hilft bei der Orientierung im Weltgeschehen, wenn man sich diese Denkweise zueigen macht, genau wie dies auch andere Auffassungen von den Zusammenhängen in der Welt tun. Irrtümer auf allen Ebenen sind nicht auszuschließen. Auch in der Spieltheorie kannst du nicht sicher sein, ob das Gedankengebäude falsch ist oder du lediglich die Parameter falsch zusammengebastelt hast, wenn ein erwartetes Ergebnis nicht eingetroffen ist.

Man darf solche Denkmodelle nicht verwechseln mit einer Gewissheit, auf die man sich dogmatisch versteift. Der Zustand beim Marx ist gerade, dass er sich tatsächlich alle Nase lang revidiert hat, nicht nur in Formulierungen sondern auch in Erkenntnissen. Das ist etwas, das den Marx vom Ismus der meisten seiner Nachbeter klar trennt.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon aleph » Di 8. Mai 2018, 10:39

wenn man schon Luther feiert, warum nicht?
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 11:47

aleph hat geschrieben:(08 May 2018, 11:39)

wenn man schon Luther feiert, warum nicht?


Ja......stimmt......1 MAI..........als Feiertag...............den haben wir wem zu verdanken ?
Schmeiß mal Google an......

Cool was...?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Ammianus » Di 8. Mai 2018, 11:52

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)

Ganz ernst gemeinte Frage: Wozu?

Man kann damit zumeist Banalitäten in der Vergangenheit erklären. Man sucht zwanghaft nach irgendwelchen Widersprüchen, wählt bestimmte Konsequenzen, unterstellt eine Kausalität und nennt das ganze Verfahren Dialektik. Dass das Ganze nur Hokuspokus ist, wird deutlich, wenn man dieses Verfahren für die Zukunft anwenden will. Denn die Versuche, in die Zukunft zu schauen, sind bisher regelmäßig in die Hose gegangen. Zugegeben auch ohne Dialektik.

Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?


Das mit der "Dialektik" dürfte so manchem DDR-Sozialisierten bekannt sein. Immer wenn man mit den Damen und Herren Genossen diskutierte und die nicht weiterkamen - was oft sehr schnell geschah - dann warfen sie das Wort "Dialektik" in die Debatte. Das war eben die Dialektik, die man nicht verstand und auf Grund dieses Mangels kam man dann eben auch diversen nicht gesellschaftskonformen Ansichten.

Allerdings finde ich ein Modell absolut brauchbar, will man historische Vorgänge und Prozesse untersuchen. Es ist das von "Basis und Überbau". Das funktioniert meiner Meinung nach tatsächlich.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 8. Mai 2018, 14:35

JJazzGold hat geschrieben:(05 May 2018, 12:18)

Die Moderation fühle sich frei, zu verschieben, ich wusste nicht, wo ich meine Fragen zu den anstehenden Feiern zum 200. Geburtstag von Karl Marx ansiedeln sollte, deshalb habe ich den Titel unter “Bildung“ gepackt.
Zu “Parteien“ passt er nicht, da mir keine deutsche Partei bekannt ist, die eine Umsetzung seiner Visionen stringent durchgeführt hat, oder die Durchführung anstrebt. Man hat sich seiner Visionen immer nur ansatzweise bedient.


Was exakt wird gefeiert?

Wird Marx als Philosoph gefeiert?
Wird Marx als Visionär gefeiert?
Wird Marx als Vertreter der Meinungsfreiheit gefeiert?
Wird Marx als SF Autor gefeiert?
Sollen die Auswirkungen, die seine Schriften hervorriefen gefeiert werden?

Nichts von alledem wies scheint. Ich weiß nicht, was die Stadtoberen von Trier geritten hat. Ob die unter Drogen oder Alkohol standen, als sie den monumentalen Bronzekitsch aus China orderten. Oder wollten sie Marx damit verunglimpfen und eine Assoziation zum Betonsozialismus herbeiführen?

Das wesentliche Werk von Marx ist natürlich das Kapital. Und anstelle eines überdimensionalen Marxmonuments hätte man besser eine kleines nachdenkliches, verzweifeltes Menschlein hinstellen müssen. Am Ende mit seiner Gesundheit, mit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter konfrontiert, war es Marx selbst klargeworden, dass er den "Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion" auch mit noch so viel Bänden "Kapital" nicht fassen wird. Auch wenn er grundlegende Phänomene bis heute - und gerade heute - gültig beschrieb. So etwa den Begriff des "Warenfetischismus". Gemeint ist die Tatsache, dass Waren von Menschen hergestellt werden, in freier Willensausübung sozusagen ... dass aber diese Waren wie ein göttlicher Wille die Menschen beherrschen. Auch die kapitalistische Produktionsmaschinerie erscheine den Menschen der bürgerlichen Gesellschaft als etwas quasi gottgegebenes und nicht grundsätzlich veränderbares. Dabei sind es die Menschen und nur die menschen und niemand sonst, die diese Maschinerie am Laufen halten und ihr die Richtung geben. Ich würde also sagen: Diese grundsätzliche Einsicht in die Offenheit und Veränderbarkeit menschlicher Gesellschaften ist die zentrale Leistung von Marx. Der Kommunismus, die klassenlose gesellschaft, überhaupt die (soziale) "Klasse" als Geschichts-Vehikel, "Klassenkampf" ist nur exemplarisch und nur Begleitmusik.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 8. Mai 2018, 15:01

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)

Ganz ernst gemeinte Frage: Wozu?

Man kann damit zumeist Banalitäten in der Vergangenheit erklären. Man sucht zwanghaft nach irgendwelchen Widersprüchen, wählt bestimmte Konsequenzen, unterstellt eine Kausalität und nennt das ganze Verfahren Dialektik. Dass das Ganze nur Hokuspokus ist, wird deutlich, wenn man dieses Verfahren für die Zukunft anwenden will. Denn die Versuche, in die Zukunft zu schauen, sind bisher regelmäßig in die Hose gegangen. Zugegeben auch ohne Dialektik.

Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?


Na zum Beispiel für das Verständnis dafür, dass die Welt ganz grundsätzlich und im innersten indeterministisch ist. Marx und vor allem auch der bedeutendere Dialektiker Hegel konnten noch nix von Einstein oder Planck wissen. Aber deren Erkenntnisse waren eigentlich eine großartige wissenschaftliche Bestätitigung für die Sinnhaftigkeit des DIalektik-Begriffs.

Kant hat es so ausgedrückt:
Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig.


Es ist ja gerade die Dialektik, die eine niemals vollständige Vorhersehbarkeit der Zukunft proklamiert.
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