Karl Marx feiern?

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Quatschki
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Di 8. Mai 2018, 19:35

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)

Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?

Zum Beispiel die Nahost-Kriege
Da kann man sagen: Der böse Assad, der böse Putin, die bösen Mullahs. Wenn man die kaltstellt, gibts Frieden. Vielleicht.
Der Materialist sucht hingegen nach objektiven Ursachen, nach ökonomischen und demographischen Entwicklungen, die zu einer solchen Verschärfung der Widersprüche und Gegensätze in diesen Ländern führen, dass der bewaffnete Kampf zur realen Option wird, dass es zwangsläufig knallen muß.
Was dann der konkrete Anlaß ist und entlang welcher Bruchlinien er sich entzündet , ist letzlich zweitrangig.

Oder die Flüchtlingskrise:
Der Marxist betrachtet nie das Individuum, den armen Teddybärenbedürftigen Refugee,
sondern er analysiert die Klasse, ihre polit-ökonomische Lage, ihre Antriebskräfte, ihre Organisiertheit, ihre Motivation
und kommt zu dem Schluß: Subproletariat, Lumpenproletariat, kein Klassenbewußtsein, offen für Bestechung durch den Klassengegner, eine Gefahr für jede wahrhaft revolutionäre Bewegung

oder mit Rosa Luxemburgs Worten:
Ein Problem für sich von hoher Wichtigkeit in jeder Revolution bildet der Kampf mit dem Lumpenproletariat. Auch wir in Deutschland und allerorts werden damit zu tun haben. Das lumpenproletarische Element haftet tief der bürgerlichen Gesellschaft an, nicht nur als besondere Schicht, als sozialer Abfall, der namentlich in Zeiten riesig anwächst, wo die Mauern der Gesellschaftsordnung zusammenstürzen, sondern als integrierendes Element der gesamten Gesellschaft. Die Vorgänge in Deutschland - und mehr oder minder in allen andern Staaten - haben gezeigt, wie leicht alle Schichten der bürgerlichen Gesellschaft der Verlumpung anheimfallen. Abstufungen zwischen kaufmännischem Preiswucher, Schlachtschitzen-Schiebungen, fiktiven Gelegenheitsgeschäften, Lebensmittelfälschung, Prellerei, Beamtenunterschlagung, Diebstahl, Einbruch und Raub flossen so ineinander, daß die Grenze zwischen dem ehrbaren Bürgertum und dem Zuchthaus verschwand. Hier wiederholt sich dieselbe Erscheinung wie die regelmäßige rasche Verlumpung bürgerlicher Zierden, wenn sie in überseeische koloniale Verhältnisse auf fremden sozialen Boden verpflanzt werden. Mit der Abstreifung der konventionellen Schranken und Stützen für Moral und Recht fällt die bürgerliche Gesellschaft, deren innerstes Lebensgesetz die tiefste Unmoral: die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, unmittelbar und hemmungslos einfacher Verlumpung anheim.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 19:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 15:35)

Nichts von alledem wies scheint. Ich weiß nicht, was die Stadtoberen von Trier geritten hat. Ob die unter Drogen oder Alkohol standen, als sie den monumentalen Bronzekitsch aus China orderten. Oder wollten sie Marx damit verunglimpfen und eine Assoziation zum Betonsozialismus herbeiführen?

Das wesentliche Werk von Marx ist natürlich das Kapital. Und anstelle eines überdimensionalen Marxmonuments hätte man besser eine kleines nachdenkliches, verzweifeltes Menschlein hinstellen müssen. Am Ende mit seiner Gesundheit, mit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter konfrontiert, war es Marx selbst klargeworden, dass er den "Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion" auch mit noch so viel Bänden "Kapital" nicht fassen wird. Auch wenn er grundlegende Phänomene bis heute - und gerade heute - gültig beschrieb. So etwa den Begriff des "Warenfetischismus". Gemeint ist die Tatsache, dass Waren von Menschen hergestellt werden, in freier Willensausübung sozusagen ... dass aber diese Waren wie ein göttlicher Wille die Menschen beherrschen. Auch die kapitalistische Produktionsmaschinerie erscheine den Menschen der bürgerlichen Gesellschaft als etwas quasi gottgegebenes und nicht grundsätzlich veränderbares. Dabei sind es die Menschen und nur die menschen und niemand sonst, die diese Maschinerie am Laufen halten und ihr die Richtung geben. Ich würde also sagen: Diese grundsätzliche Einsicht in die Offenheit und Veränderbarkeit menschlicher Gesellschaften ist die zentrale Leistung von Marx. Der Kommunismus, die klassenlose gesellschaft, überhaupt die (soziale) "Klasse" als Geschichts-Vehikel, "Klassenkampf" ist nur exemplarisch und nur Begleitmusik.


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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 19:51

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)


Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?


Beim Einkaufen....... z.b. dein Geld.....


Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet .................................Wage es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!


Fett von mir....
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 19:59

BingoBurner hat geschrieben:(08 May 2018, 20:51)

Beim Einkaufen....... z.b. dein Geld.....


Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet .................................Wage es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Bein Einkaupfm brauchst du Geld. Mit dem diakritischen Maledivismus kann man nicht mal an der Tanke Bier hoffen. Verstandes?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 20:43

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 May 2018, 20:59)

Bein Einkaupfm brauchst du Geld. Mit dem diakritischen Maledivismus kann man nicht mal an der Tanke Bier hoffen. Verstandes?


Doch.... :D
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Senexx » Mi 9. Mai 2018, 05:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 15:35) Ich würde also sagen: Diese grundsätzliche Einsicht in die Offenheit und Veränderbarkeit menschlicher Gesellschaften ist die zentrale Leistung von Marx.

Sie meinen, auf diese Idee wäre vor ihm noch niemand gekommen?
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon HerrSchmidt » Do 10. Mai 2018, 02:11

Ich habe nicht in einziges Werk von Marx gelesen. Somit bin ich hier also wahrscheinlich ein gleichberechtigter Experte.
Aber die Stichpunkte seiner Analyse, die ich kenne, scheinen mir ziemlich zutreffend.

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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 10. Mai 2018, 11:03

HerrSchmidt hat geschrieben:(10 May 2018, 03:11)

Ich habe nicht in einziges Werk von Marx gelesen. Somit bin ich hier also wahrscheinlich ein gleichberechtigter Experte.

Das hindert hier keinen am bescheidwissen.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 10. Mai 2018, 11:50

HerrSchmidt hat geschrieben:(10 May 2018, 03:11)

Aber die Stichpunkte seiner Analyse, die ich kenne, scheinen mir ziemlich zutreffend.



Die da wären?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 11. Mai 2018, 08:16

Senexx hat geschrieben:(09 May 2018, 06:24)

Sie meinen, auf diese Idee wäre vor ihm noch niemand gekommen?

Nein. Eigentlich nicht. Nur vielleicht speziell bezogen auf die Ökonomie des Kapitalismus. Es sind ja bis heute viele Menschen von der angeblichen Wohltat der "unsichtbaren Hand" der Marktmechanismen überzeugt. Der deutsche Dichter Georg Herwegh, so wie auch Heinrich Heine oder Ludwig Feuerbach Zeitgenosse und Freund von Karl Marx setzte die bis heute berühmten Zeilen entgegen:
Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still.
Wenn dein starker Arm es will.

Mit der Mehrwert-Theorie, dem Fetischcharakter der Waren und der Figur des "doppelt freien Lohnarbeiters" versuchte Marx den Mechanismus der kapitalistischen Produktion zu ergründen. Und den Irrtum aufzuzeigen, dass "Lohn" angeblich einfach die marktwirtschaftlich adäquate Gegenleistung für "Arbeit" sei. So wie der Preis von Brot oder Tischen ganz einfach und normal sich über Nachfrage und Angebot regelt. Der Lohn für Arbeit ist eben nicht die adäquate Gegenleistung. Das Gegenargument zu Marx lautet im Allgemeinen: Die prognostizierte "Verarmung der Massen" ist in den Ländern des Kapitalismus nicht nur ausgeblieben, sondern, im Gegenteil: Wohlstand und Zufriedenheit haben sich statt Massenverarmung durchgesetzt. Meine Meinung dazu: Beide, der Lohnempfänger wie auch der Kapitalist profitieren von einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Und das wird sich noch bitter rächen. Die relative Polarisierung der Einkommensverhältnisse hat genau so zugenommen wie es Marx voraussah. Die ehemals Hungernden Massen in China sind heute Menschen mit bescheidenem Wohlstand. Aber die ehemals kleinen Unternehmer Chinas sind heute allesamt Miillionäre und Milliardäre.

Die andere Seite ist natürlich: Marxens Lehre vom Klassenkampf und überhaupt von der Rolle der sozialen Klassen oder gar von der "historischen Mission der Arbeiterklasse" sind vollständig und restlos zu verwerfen. Und was seine Person anbelangt: Widersprüchlich. Dass er die letzten zehn zwanzig Jahre für dieses unglaubliche Lebenswerk "Das Kapital" hingab und sich dabei rücksichslos selbst ausbeutete, ringt einem schon Anerkennung ab. Auf der anderen Seite soll Marx auch in dieser Zeit keinen Widersacher neben sich geduldet haben. Eine schwierige, widersprüchliche Person halt. Wie die meisten genialen Köpfe.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Ein Terraner » So 13. Mai 2018, 18:51

lol, der Moderator verkack gleich mit dem ersten Satz, zieht der vielleicht eine Fresse, hatte wohl so richtig Lust auf das Interview. :D




Auch schön das die Kommentare deaktiviert wurden. :D
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Mai 2018, 08:16

Zwei Empfehlungen:

Aula: 200 Jahre Karl Marx: Entfesselter Kapitalismus - wie aktuell ist Marx?

Karl Marx im Silicon Valley: Der neue Sozialismus in den USA

In beiden Sendungen (der Reihe SWR2 Wissen) wird erklärt, warum die marxsche ökonomische Theorie gerade im Zeitalter von google und amazon so aktuell und relevant ist, wie man es kaum für möglich gehalten hätte. Der Algorithmus (des Suchens bei google, der Kaufempfehlung bei amazon, der Richtungsentscheidung bei selbstfahrenden Fahrzeugen usw.) ist das Musterbeispiel für das, was Marx mit dem "Fetischcharakter der Waren" meinte. Damit ist ja nicht eine Kritik an Konsumismus gemeint, sondern die Tatsache, dass etwas 100 Prozent menschengeschaffenes nicht nur die Kontrolle über den Menschen übernimmt sondern dafür auch noch vom Menschen "angebetet" wird.

Der zweite wichtige Punkt in beiden Sendungen betrifft das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate (das Marx vor allem im 3. Band des Kapitals entwickelte) und das dazu führt, dass Kapital zunehmend in nichtproduktive Bereiche als spekulative Wertanlage fließt. Also in Häuser, Wohnungen, die nicht bewohnt werden. Agrarland, das nicht bewirtschaftet wird usw.

Und der dritte Punkt ist mehr sozialer Natur: Im Silcon Valley gibts nicht nur eine der höchsten Millionärs- und Milliardärsdichten der Welt sondern auch eine der sichtbarsten Formen von Obdachlosigkeit (zumindest in den USA). Für die Beantwortung der Frage, warum ausgerechnet soviel Reichtum soviel Armut produziert, dürfte es kaum etwas zuständigeres geben als die marxschen ökonomischen Theorien. Eine der Gründe, warum es wieder eine (freilich unorthodoxe) Beschäftigung mit Marx gerade in den Technologiezentren gibt.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Bengelbert » Do 5. Jul 2018, 23:36

Marx war Psychopath.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Moses » Fr 6. Jul 2018, 11:19

Bengelbert hat geschrieben:(06 Jul 2018, 00:36)

Marx war Psychopath.

Für diese steile These hätte ich gern Belege.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Reinhard » Fr 6. Jul 2018, 13:05

HerrSchmidt hat geschrieben:(10 May 2018, 03:11)

Ich habe nicht in einziges Werk von Marx gelesen. Somit bin ich hier also wahrscheinlich ein gleichberechtigter Experte.
Aber die Stichpunkte seiner Analyse, die ich kenne, scheinen mir ziemlich zutreffend.

Insofern: Happy Birthday, Charly! :thumbup:


Ich habe einige Werke von Marx und Engels gelesen. Er lag schon bei der Analyse daneben.
Ein gutes Beispiel ist seine Werttheorie, womit er nachweisen wollte, dass Arbeitgeber immer am Ausbeuten sind, wenn sie selbst einen Gewinn machen.
Kurz: Gewinn = Umsatz - Kosten. Die Kosten sind letztendlich Loehne und Gehalter. Der Umsatz das Produkt. Die Gewinne seien nicht ausgezahlte Loehne und Gehaelter, ergo werden die Arbeitnehmer ausgebeutet.
Das man sich im Vorfeld auf den Tausch Arbeit gegen Lohn geeinigt hatte, wird geflissentlich ignoriert. Auch koennte man mit der marxistischen Logik begruenden, dass die Arbeitgeber die Kunden ausbeuten. Die kaufen allerdings auch freiwillig zum vereinbarten Preis ein.

Vergessen wird dabei, dass Preisbewertungen immer subjektiv sind. Die Arbeit hat fuer den Arbeitgeber mehr Wert als die Kosten die er dafuer hat. Der Lohn hat fuer den Arbeiter mehr Wert als die arbeit die er verrichten muss. Das Gut hat fuer den Kunden mehr Gut, als die Kosten, die er dafuer hat, usw.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Bengelbert » Fr 6. Jul 2018, 23:24

Moses hat geschrieben:(06 Jul 2018, 12:19)

Für diese steile These hätte ich gern Belege.

Lesen Sie beispielsweise den Briefwechsel mit seinem Komplizen Engels, wo er die Ausrottung mancher keltischen und slawischen Völker forderte, weil diese noch in althergebrachten Tribalstrukturen und konservativen Monarchien verblieben und somit dem Marxschen Lieblingswahn, der angeblichen "Weltrevolution der Proletarier aller Länder", ein Hindernis waren.

Bezüglich der Kelten heißt es zB: „Man solle damit in einer sozialistischen Revolution beginnen, die primitiven Völkerabfälle wie etwa Basken, Bretonen, schottische Highlander, zu liquidieren.” (Rheinische Zeitung, 1848)

Außerdem soll Marx charakterlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. Ein zynischer, brutaler, empathieloser Charakter, der seine Mutter abgezockt hat und sich um soziale Verpflichtungen niemals gekümmert hat. Solche Menschen kommen dann zu einer bellizistischen Weltanschauung, zum Sozialdarwinismus bzw der Idealisisierung des Rechtes des Stärkeren. So schreibt Marx:

„Die Klassen und Rassen, die zu schwach sind, die neuen Lebenskonditionen zu meistern, müssen den Weg frei machen. Sie müssen in einem revolutionären Weltensturm untergehen.” (Rheinische Zeitung, 1848)

Entsprechend bejaht er die Gewalt ohne Bedenken:

„Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht.” (Karl Marx, 1867 (Das Kapital. Band 1. Siebenter Abschnitt: Der Akkumulationsprozess des Kapitals. MEW 23, S. 779)

[...]

Karl Marx' Analyse der kapitalistischen Produktionsweise bleibt dadurch natürlich zunächst unangetastet. Doch er und Komplize Engels schreiben kaum etwas über das Finanzsystem (Geldschöpfung aus dem Nichts durch Zins und Zinseszins), womit sie den eigentlichen Motor des modernen Kapitalismus nicht nennen und das Richtige, was sie schreiben, dadurch unvollständig und somit gefährlich in die Irre führend war und bleibt. Nur vollständige Wahrheiten liefern das sichere Fundament einer ernsthaften Gesellschaftsreform. Halbe Wahrheiten führen auch nur zur Halbierung von Gesellschaften durch "Klassenkampf" oder "Rassenkampf" sowie zur Halbierung von Familien sowie einzelner Menschen durch die Säge, einem der Mordinstrumente im Folter-Arsenal von Genossen Dserschinskis sadistischer Tscheka. Die Marxsche Kritik muß also unbedingt durch Kritik am Finanzsystem ergänzt werden, sofern eine sozialreformerische Bewegung nicht erneut in Terror und Massenmord münden soll. Einzelne Gedanken von Marx und Engels sind brauchbar, das gesamte System aber eine hoch gefährliche Verführung.

Marx' Ideen, die Welt angeblich verbessern zu wollen, sind auch in Wirklichkeit Ausdruck reinster Psychopathie, der es gar nicht um Weltverbesserung geht, sondern das Elend (der Arbeiterklasse) nur als Vorwand nimmt, um "Revolution" (also Terror und Massenmord) umsetzen zu können. Wenn Marx Dinge schreibt wie ...

„Wir haben es von Anfang an für überflüssig gehalten, unsere Ansicht zu verheimlichen …Wir sind rücksichtslos, wir verlangen keine Rücksicht von euch. Wenn die Reihe an uns kommt, wir werden den Terrorismus nicht beschönigen.” (Karl Marx, 1849 (MEW 6, 504))

... oder ...

„Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus!” (Karl Marx (MEW a.a.O. 5, 457))

... so hört man hier schon den grausamen Terror von Lenins Tscheka-Exekutionstrupps heraus, der ein halbes Jahrhundert später Russland in ein höllisches Blutbad verwandeln sollte.

Marx war, anders als seine naiven Jünger, die "Marxisten", sich völlig darüber im klaren, daß Revolutionen immer zu Diktaturen führen:

„Jeder provisorische Staatszustand nach einer Revolution erfordert eine Diktatur, und zwar eine energische Diktatur.” (Marx an Engels (MEW 5, 402))

In der Sache mag Marx damit durchaus Recht haben. [...] Umso absurder erscheint es, daß es naive Weltverbesserer sind, die auf diesen kaltblütigen Realisten nach wie vor hereinfallen.

Eine tatsächlich bessere Welt wird aber niemals durch kaltblütige Realisten geschaffen, sondern durch reflektierte Idealisten, die alle Naivität überwunden haben, die leidige Wirklichkeit kennen und mit psychologischen Scharfsinn durchschauen. Sie sehen im Menschen selbst die Quelle alles Guten wie auch alles Bösen in der Welt, nicht in äußeren Faktoren, die ja selbst wieder nur das Werk bestimmter Menschen sind.

Der Aufruf zum Massenmord, zu Terror, Revolution und Blutbad hingegen führt niemals zur Verbesserung einer Gesellschaft, sondern nur zu Höllen auf Erden wie in Russland 1917ff. Weder bei Marx und Engels, noch bei Lenin, Trotzki, Stalin, Pol Pot, Mao oder Guevara [...]

Schizoide Psychopathen können die Welt nur verschlimmbessern, dh in eigentliche Höllen stürzen, die es zuvor - trotz aller Ungerechtigkeiten und Unvollkommenheiten - nie gegeben hatte. Der Einfluß solcher Ideen ist hochgefährlich, die Ideen selbst - trotz gewisser Richtigkeiten in bestimmten Punkten ihrer Analyse - gefährliche Gifte für die Menschheit. Das gilt für sakuläre (Kommunismus, Faschismus, Amerikanismus) wie auch für religiöse Ideologien (Christentum, Islam, Judentum, diverse Sekten usw.)
Zuletzt geändert von Brainiac am Sa 7. Jul 2018, 06:03, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: [MOD] NS-Verharmlosung
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Senexx » Sa 7. Jul 2018, 08:27

@Bengelbert

Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, einige wenige Belege von Marx' Begründungen und Vorwegnahmen der späteren Verbrechen seiner Adepten hier wiederzugeben. Diese Belege finden sich zuhauf, Sie haben hier nur eine kleine Auswahl zusammengestellt.

Marxisten und Sozialisten behaupten ja immer wieder, Marx sei für die Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden, nicht verantwortlich. Das stimmt natürlich insoweit, als er sie nicht selbst begangen hat. Aber er hat sie vorgedacht. Und seine Nachfolger haben sie umgesetzt.

Und wenn wieder irgendwo welche zur Macht kommen, werden sie es genauso handhaben.

Ich stimme Ihnen übrigens nicht zu, dass er ein Psychopath war. Marx war überzeugt, dass es einen unabänderlichen Lauf der Geschichte gebe. Und im Übergang von Gesellschaften seien Terror und Massenmord unvermeidbar. Sie seien notwendige Begleitumstände. Aus dieser Theorie leitete er die moralische Berechtigung ab, beim Übergang um Kommunismus genau diese Mittel anzuwenden. Seine Beobachtung war richtig: Terror und Massenmord sind universelle Erscheinungen. Er hat aber nicht verstanden, weil er intellektuell ziemlich eingeschränkt war, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der zunehmenden Zivilisierung der Menschheit ist.

Marx lebte als verkrachte Existenz in seiner eigenen Welt, irgendwie autistisch. Und hat sich in seine verquere Weltsicht völlig verstrickt. Er war ein grandioser Kompilist, hat das meiste bei anderen abgeschrieben und zu seiner, wie glaubte, einheitlichen Theorie verformt. Dissonante Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse hat er nicht wahrgenommen, nur das, was er im Sinne seiner Theorie verwerten konnte.

Genau das macht den Marxismus auch heute noch so attraktiv. Er ist ein Gedankengebäude, welches einfachen Gemütern eine Orientierungsrahmen gibt, welche ihre Hirne von dissonanten Informationen entlastet, ihre Informationsverarbeitungskapazität nicht strapaziert.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Dampflok94 » Sa 7. Jul 2018, 19:58

Senexx hat geschrieben:(07 Jul 2018, 09:27)
Marxisten und Sozialisten behaupten ja immer wieder, Marx sei für die Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden, nicht verantwortlich. Das stimmt natürlich insoweit, als er sie nicht selbst begangen hat. Aber er hat sie vorgedacht. Und seine Nachfolger haben sie umgesetzt.

Die haben etwas umgesetzt, was sie selber für richtig hielten. Aber genau so wenig, wie man Jesus für die Inquisition verantwortlich machen kann, kann man Marx für das verantwortlich machen, was Menschen wie Lenin, Stalin oder andere aus seinen Ideen und Beobachtungen gemacht haben.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Alster » So 8. Jul 2018, 15:29

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jul 2018, 20:58)

Die haben etwas umgesetzt, was sie selber für richtig hielten. Aber genau so wenig, wie man Jesus für die Inquisition verantwortlich machen kann, kann man Marx für das verantwortlich machen, was Menschen wie Lenin, Stalin oder andere aus seinen Ideen und Beobachtungen gemacht haben.

Man kann sich aber die Frage stellen, ob man Jesus für Marx verantwortlich machen sollte. Schließlich hat der ML ja einige zentrale Ideen aus dem Christentum abgekupfert.
dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Dampflok94 » Mo 9. Jul 2018, 11:29

Alster hat geschrieben:(08 Jul 2018, 16:29)

Man kann sich aber die Frage stellen, ob man Jesus für Marx verantwortlich machen sollte. Schließlich hat der ML ja einige zentrale Ideen aus dem Christentum abgekupfert.

Nun dann könnte man höchstens die Frage stellen, ob Jesus für den ML mitverantwortlich wäre. Was wohl zu verneinen ist.

Schade, wir hatten da mal einen Foristen mit dem Fisch-Symbol im Ava. Der war Christ (lehnte aber die Kirchen ab) aber gleichzeitig orthodoxer Kommunist. Nach eigenen Angaben hat er immer in Dresden die Rote Fahne verteilt. Der hätte bestimmt was dazu zu sagen gehabt. :)
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