Karl Marx feiern?

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Quatschki
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Quatschki » Di 8. Mai 2018, 19:35

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)

Aber nochmal meine Frage: Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?

Zum Beispiel die Nahost-Kriege
Da kann man sagen: Der böse Assad, der böse Putin, die bösen Mullahs. Wenn man die kaltstellt, gibts Frieden. Vielleicht.
Der Materialist sucht hingegen nach objektiven Ursachen, nach ökonomischen und demographischen Entwicklungen, die zu einer solchen Verschärfung der Widersprüche und Gegensätze in diesen Ländern führen, dass der bewaffnete Kampf zur realen Option wird, dass es zwangsläufig knallen muß.
Was dann der konkrete Anlaß ist und entlang welcher Bruchlinien er sich entzündet , ist letzlich zweitrangig.

Oder die Flüchtlingskrise:
Der Marxist betrachtet nie das Individuum, den armen Teddybärenbedürftigen Refugee,
sondern er analysiert die Klasse, ihre polit-ökonomische Lage, ihre Antriebskräfte, ihre Organisiertheit, ihre Motivation
und kommt zu dem Schluß: Subproletariat, Lumpenproletariat, kein Klassenbewußtsein, offen für Bestechung durch den Klassengegner, eine Gefahr für jede wahrhaft revolutionäre Bewegung

oder mit Rosa Luxemburgs Worten:
Ein Problem für sich von hoher Wichtigkeit in jeder Revolution bildet der Kampf mit dem Lumpenproletariat. Auch wir in Deutschland und allerorts werden damit zu tun haben. Das lumpenproletarische Element haftet tief der bürgerlichen Gesellschaft an, nicht nur als besondere Schicht, als sozialer Abfall, der namentlich in Zeiten riesig anwächst, wo die Mauern der Gesellschaftsordnung zusammenstürzen, sondern als integrierendes Element der gesamten Gesellschaft. Die Vorgänge in Deutschland - und mehr oder minder in allen andern Staaten - haben gezeigt, wie leicht alle Schichten der bürgerlichen Gesellschaft der Verlumpung anheimfallen. Abstufungen zwischen kaufmännischem Preiswucher, Schlachtschitzen-Schiebungen, fiktiven Gelegenheitsgeschäften, Lebensmittelfälschung, Prellerei, Beamtenunterschlagung, Diebstahl, Einbruch und Raub flossen so ineinander, daß die Grenze zwischen dem ehrbaren Bürgertum und dem Zuchthaus verschwand. Hier wiederholt sich dieselbe Erscheinung wie die regelmäßige rasche Verlumpung bürgerlicher Zierden, wenn sie in überseeische koloniale Verhältnisse auf fremden sozialen Boden verpflanzt werden. Mit der Abstreifung der konventionellen Schranken und Stützen für Moral und Recht fällt die bürgerliche Gesellschaft, deren innerstes Lebensgesetz die tiefste Unmoral: die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, unmittelbar und hemmungslos einfacher Verlumpung anheim.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 19:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 15:35)

Nichts von alledem wies scheint. Ich weiß nicht, was die Stadtoberen von Trier geritten hat. Ob die unter Drogen oder Alkohol standen, als sie den monumentalen Bronzekitsch aus China orderten. Oder wollten sie Marx damit verunglimpfen und eine Assoziation zum Betonsozialismus herbeiführen?

Das wesentliche Werk von Marx ist natürlich das Kapital. Und anstelle eines überdimensionalen Marxmonuments hätte man besser eine kleines nachdenkliches, verzweifeltes Menschlein hinstellen müssen. Am Ende mit seiner Gesundheit, mit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter konfrontiert, war es Marx selbst klargeworden, dass er den "Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion" auch mit noch so viel Bänden "Kapital" nicht fassen wird. Auch wenn er grundlegende Phänomene bis heute - und gerade heute - gültig beschrieb. So etwa den Begriff des "Warenfetischismus". Gemeint ist die Tatsache, dass Waren von Menschen hergestellt werden, in freier Willensausübung sozusagen ... dass aber diese Waren wie ein göttlicher Wille die Menschen beherrschen. Auch die kapitalistische Produktionsmaschinerie erscheine den Menschen der bürgerlichen Gesellschaft als etwas quasi gottgegebenes und nicht grundsätzlich veränderbares. Dabei sind es die Menschen und nur die menschen und niemand sonst, die diese Maschinerie am Laufen halten und ihr die Richtung geben. Ich würde also sagen: Diese grundsätzliche Einsicht in die Offenheit und Veränderbarkeit menschlicher Gesellschaften ist die zentrale Leistung von Marx. Der Kommunismus, die klassenlose gesellschaft, überhaupt die (soziale) "Klasse" als Geschichts-Vehikel, "Klassenkampf" ist nur exemplarisch und nur Begleitmusik.


Top !!! :thumbup:
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 19:51

Liegestuhl hat geschrieben:(08 May 2018, 10:58)


Wozu könnte ich dialektischen Materialismus gebrauchen?


Beim Einkaufen....... z.b. dein Geld.....


Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet .................................Wage es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!


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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 19:59

BingoBurner hat geschrieben:(08 May 2018, 20:51)

Beim Einkaufen....... z.b. dein Geld.....


Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet .................................Wage es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Bein Einkaupfm brauchst du Geld. Mit dem diakritischen Maledivismus kann man nicht mal an der Tanke Bier hoffen. Verstandes?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon BingoBurner » Di 8. Mai 2018, 20:43

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 May 2018, 20:59)

Bein Einkaupfm brauchst du Geld. Mit dem diakritischen Maledivismus kann man nicht mal an der Tanke Bier hoffen. Verstandes?


Doch.... :D
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Senexx » Mi 9. Mai 2018, 05:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 15:35) Ich würde also sagen: Diese grundsätzliche Einsicht in die Offenheit und Veränderbarkeit menschlicher Gesellschaften ist die zentrale Leistung von Marx.

Sie meinen, auf diese Idee wäre vor ihm noch niemand gekommen?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon HerrSchmidt » Do 10. Mai 2018, 02:11

Ich habe nicht in einziges Werk von Marx gelesen. Somit bin ich hier also wahrscheinlich ein gleichberechtigter Experte.
Aber die Stichpunkte seiner Analyse, die ich kenne, scheinen mir ziemlich zutreffend.

Insofern: Happy Birthday, Charly! :thumbup:
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 10. Mai 2018, 11:03

HerrSchmidt hat geschrieben:(10 May 2018, 03:11)

Ich habe nicht in einziges Werk von Marx gelesen. Somit bin ich hier also wahrscheinlich ein gleichberechtigter Experte.

Das hindert hier keinen am bescheidwissen.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 10. Mai 2018, 11:50

HerrSchmidt hat geschrieben:(10 May 2018, 03:11)

Aber die Stichpunkte seiner Analyse, die ich kenne, scheinen mir ziemlich zutreffend.



Die da wären?
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 11. Mai 2018, 08:16

Senexx hat geschrieben:(09 May 2018, 06:24)

Sie meinen, auf diese Idee wäre vor ihm noch niemand gekommen?

Nein. Eigentlich nicht. Nur vielleicht speziell bezogen auf die Ökonomie des Kapitalismus. Es sind ja bis heute viele Menschen von der angeblichen Wohltat der "unsichtbaren Hand" der Marktmechanismen überzeugt. Der deutsche Dichter Georg Herwegh, so wie auch Heinrich Heine oder Ludwig Feuerbach Zeitgenosse und Freund von Karl Marx setzte die bis heute berühmten Zeilen entgegen:
Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still.
Wenn dein starker Arm es will.

Mit der Mehrwert-Theorie, dem Fetischcharakter der Waren und der Figur des "doppelt freien Lohnarbeiters" versuchte Marx den Mechanismus der kapitalistischen Produktion zu ergründen. Und den Irrtum aufzuzeigen, dass "Lohn" angeblich einfach die marktwirtschaftlich adäquate Gegenleistung für "Arbeit" sei. So wie der Preis von Brot oder Tischen ganz einfach und normal sich über Nachfrage und Angebot regelt. Der Lohn für Arbeit ist eben nicht die adäquate Gegenleistung. Das Gegenargument zu Marx lautet im Allgemeinen: Die prognostizierte "Verarmung der Massen" ist in den Ländern des Kapitalismus nicht nur ausgeblieben, sondern, im Gegenteil: Wohlstand und Zufriedenheit haben sich statt Massenverarmung durchgesetzt. Meine Meinung dazu: Beide, der Lohnempfänger wie auch der Kapitalist profitieren von einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Und das wird sich noch bitter rächen. Die relative Polarisierung der Einkommensverhältnisse hat genau so zugenommen wie es Marx voraussah. Die ehemals Hungernden Massen in China sind heute Menschen mit bescheidenem Wohlstand. Aber die ehemals kleinen Unternehmer Chinas sind heute allesamt Miillionäre und Milliardäre.

Die andere Seite ist natürlich: Marxens Lehre vom Klassenkampf und überhaupt von der Rolle der sozialen Klassen oder gar von der "historischen Mission der Arbeiterklasse" sind vollständig und restlos zu verwerfen. Und was seine Person anbelangt: Widersprüchlich. Dass er die letzten zehn zwanzig Jahre für dieses unglaubliche Lebenswerk "Das Kapital" hingab und sich dabei rücksichslos selbst ausbeutete, ringt einem schon Anerkennung ab. Auf der anderen Seite soll Marx auch in dieser Zeit keinen Widersacher neben sich geduldet haben. Eine schwierige, widersprüchliche Person halt. Wie die meisten genialen Köpfe.
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Re: Karl Marx feiern?

Beitragvon Ein Terraner » So 13. Mai 2018, 18:51

lol, der Moderator verkack gleich mit dem ersten Satz, zieht der vielleicht eine Fresse, hatte wohl so richtig Lust auf das Interview. :D




Auch schön das die Kommentare deaktiviert wurden. :D
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