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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:09
von Liegestuhl
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 16:54)

Bist du Holocaustopfer oder Angehöriger?


Weder noch. Ich bin aber auch kein Jude.

Ändert aber nichts daran, dass diese Provokation und Widerwärtigkeit auf Kosten der Gefühle der Holocaustopfer und deren Angehörige gemacht wird.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:10
von Marmelada
becksham hat geschrieben:(16 Apr 2018, 16:04)

Mitglieder des ECHO-Beirats:
 Wolfgang Börnsen ehem. MdB (war von 2005 – 2013 Vors. der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU Bundestagsfraktion)
 Klaus-Martin Bresgott Rat der Evangelischen Kirche Deutschland
 Prof. Christian Höppner Deutscher Kulturrat
 Prof. Martin-Maria Krüger Deutscher Musikrat
 Uta Losem Katholisches Büro
 Prof. Kurt Mehnert Folkwang-Universität
 Ole Oltmann Musikpädagoge

Zusammensetzung der Jurys:
1. Der Vorstand des BVMI beruft die ECHO-Jurys, damit diese hinsichtlich der Mitbestimmung,
Nominierung und/oder Wahl/Zuerkennung von Preisen im Rahmen des
ECHO Pop als Gremium entscheiden. Es werden verschiedene Jurys berufen, nämlich
derzeit:
a. die „Fachjurys“
Sie besteht aus den stimmberechtigten Mitgliedern, die sich jeweils auf Einladung
des Vorstandes des BVMI angemeldet haben und sich wie folgt verteilen:
• jeweils ein bei einer Mitgliedsfirma des Bundesverbands Musikindustrie
e.V. angestellter Mitarbeiter,
• ehemalige Nationale Preisträger und Nominierte des „ECHO – Deutscher
Musikpreis“ in der jeweiligen Kategorie,
• Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Musikbranche (beispielsweise,
Händler, Verleger, Veranstalter oder Mitarbeiter der Musikindustrie
und der Medienbranche).
b. die aktuellen Sonderjurys:
• Jury „Produzent National“ – Mitglieder des BVMI,
• Jury „Kritikerpreis National“ – maximal 50 Journalisten aus den Bereichen
Hörfunk, TV, Online und Print,
• Jury „Bestes Video National“ – s. Anlage zur Richtlinie.
2. Auf jedes Mitglied der ECHO-Jurys entfällt jeweils eine Stimme. Die Mitglieder der Jurys
werden vom Vorstand des BVMI grundsätzlich ohne Zeitbeschränkung berufen.
Die Jurys bleiben bis zu ihrer Abberufung oder zur Wahl neuer Jurys im Amt.
3. Neben den Mitgliedern, die vom Vorstand bestellt werden, gehören den ECHO-Jurys
kraft Amtes und ohne Stimmrecht bis zu zwei bei der Geschäftsstelle des Bundesverbands
Musikindustrie e.V. beschäftigte Mitarbeiter sowie ein weiterer unabhängiger
Berater an, soweit dieser vom BVMI bestellt wird.
4. Die Mitgliedschaft in den ECHO-Jurys ist an die Person des Jurymitglieds gebunden.
Eine Stellvertretung im Verhinderungsfalle findet nicht statt, es sei denn, der Vorstand
stimmt dem Vertretungswunsch zu.

http://www.echopop.de/pop-hintergrund/
Danke!

3x schwarzer Kater hat geschrieben:
Im Kontext sehe ich da immer noch keinen Antisemitismus, sondern eine geschmacklose Provokation (die zugegebenermaßen kaum mehr zu toppen sein wird)

Der restliche gewaltverherrlichende Scheiß in Texten scheint wohl nur Hyde aufgefallen zu sein, spielt aber wohl hier keine Rolle.
Der restliche Scheiß ist auch allgemein aufgefallen, ausschlaggebend ist aber, dass er von den Obenstehenden mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:15
von 3x schwarzer Kater
Liegestuhl hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:09)

Weder noch. Ich bin aber auch kein Jude.



Ich auch nicht. Und dennoch finde ich diesen Vergleich widerwärtig. Er scheint also nicht nur Holocaustopfer und deren Angehörige zu treffen versuchen.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:24
von Marmelada
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 16:54)

Bist du Holocaustopfer oder Angehöriger?
3x schwarzer Kater hat geschrieben:
Ich auch nicht. Und dennoch finde ich diesen Vergleich widerwärtig. Er scheint also nicht nur Holocaustopfer und deren Angehörige zu treffen versuchen.
Was soll das werden, wenn es fertig ist?

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:28
von Bleibtreu
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:15)

Ich auch nicht. Und dennoch finde ich diesen Vergleich widerwärtig. Er scheint also nicht nur Holocaustopfer und deren Angehörige zu treffen versuchen.

Im Klartext: Er will nicht nur uns Juden, sondern auch die Menschen, die ueber den VernichtungsVersuch des jued. Volkes entsetzt sind, hetzen. Er verhoehnt also meine Angehoerigen & mich und die, die wegen der Verbrechen an meinem Volk mit uns fuehlen. [edit - quasi unsere HelfersHelfer] Und jetzt?

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:30
von Tom Bombadil
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 16:22)

Im Kontext sehe ich da immer noch keinen Antisemitismus...

Entweder willst du dir einfach nicht eingestehen, dass du mit deiner Einschätzung daneben liegst, auch im Kontext mit diesem "Apokalypse"-Video, das vor Antisemitismus nur so trieft, oder du erkennst es wirklich nicht. Beides ist für dich gleichermaßen blamabel.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 16:50
von Watchful_Eye
Marmelada hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:24)
Was soll das werden, wenn es fertig ist?
Er möchte aussagen, dass die Holocaust-Vergleiche für sich genommen erstmal primär geschmacklos und unsensibel, aber nicht zwangsläufig antisemitisch motiviert sind. Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Hörer eher denken "Boah der traut sich was" und nicht "Yay, Juden ins Gas". Zumal der Track mit der Holocaustzeile offenbar nur auf einer Bonus-EP gelandet ist - insofern sollte sich das hier niemand so vorstellen, dass diese Zeile das große Verkaufsargument war.

Ich sehe es tatsächlich auch so wie der Kommentar von Rap.de, den ich gepostet habe: Das KO-Kriterium hätte eigentlich das Video von "Apokalypse" sein sollen, wo er in einem aufwändigen Track mit einem sehr aufwändigen Video in relativ ernsthafter Stimmung von einer Verschwörung rappt, wo das Judentum mit Satanismus und sonstigen "unheiligen Kräften" verknüpft wird. Und dadurch bekommt auch der Holocaust-Vergleich nochmal verstärkt eine entsprechende Note.

Unité 1 hat geschrieben:(16 Apr 2018, 13:22)
Ich weiß. Es gibt ja nicht nur die berühmte Antilopen Gang, sondern auch eher unbekannte linke Rapper wie die vom Springstoff-Label oder Holger Burner bspw. Mich hat der Battlerapkram eigentlich auch ganz gut unterhalten, das Gedisse kann ich einsortieren.
Die teils gänzlich unironische Selbstdefinition von Huren fickender und Schwuchteln verachtender Männlichkeit finde ich hingegen befremdlich. Und frage mich halt, wie tief solche Bilder wirken können.
Das ist grundsätzlich eine gute Frage. Der amerikanische Rap, den ich höre, geht teilweise auch ziemlich ins obszöne und wertverachtende, hat aber trotzdem eher nicht diese deutliche und ernstgemeinte Macho-Konnotation. Zumal andererseits auch z.B. Rap in den USA die wohl mit Abstand wichtigste Musik ist, wenn es um die Aufklärung über und den Einsatz gegen Rassismus geht - weit wichtiger als zB Punkrock. Alles nicht so einfach.

Ich würde damit jetzt nicht unbedingt Kollegah verteidigen, aber du weißt vermutlich auch, dass im amerikanischen Hip-Hop auch künstlerisch gerade einfach mehr Weiterentwicklung passiert als in den meisten anderen Genres. Insofern interessiere ich mich teilweise auch einfach für die originellen Beats, ohne mich dabei unbedingt an irgendwelchen textlichen Provokationen aufzugeilen. Das gilt aber eher nicht für Deutschland - Kollegah ist in Bezug darauf stockkonservativ.

___

Teilweise wird mir in diesem Strang tatsächlich Kritik an Kollegah zu sehr mit Unverständnis über Rap als Kunstform vermischt. Und so verstehe ich auch die Verteidigungen von 3x schwarzer Kater. Er hat schon Recht damit, dass vieles davon blanke Provokation ist. Und das heißt übrigens auch nicht, dass die Musik nur deshalb gehört wird - genau so, wie die Seniorengeneration früher die Stones nicht nur deshalb gehört hat, weil die so böse Sachen gesagt haben, sondern wegen der Gitarrenriffs und Melodien. In der tat gilt Kollegah als technisch überaus versierter Rapper, und das ist das, was ihn hauptsächlich berühmt gemacht hat. Aber ich sage auch, dass Kollegahs Musik insbesondere durch sein Video "Apokalypse" schon einen sehr widerlichen Spin bekommt.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:02
von BlueMonday
Ich vermute, so oft gegoogelt wurden diese Herren noch nie und deren Texte gelesen und verbreitet, deren Videos angeschaut und verlinkt... Diese Empörungswelle ist das Beste, was denen passieren konnte. Ansonsten wäre dieser Echokram am nächsten Tag schon wieder vergessen.

https://trends.google.com/trends/explor ... gah&geo=DE

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:07
von 3x schwarzer Kater
BlueMonday hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:02)

Ich vermute, so oft gegoogelt wurden diese Herren noch nie und deren Texte gelesen und verbreitet, deren Videos angeschaut und verlinkt... Diese Empörungswelle ist das Beste, was denen passieren konnte. Ansonsten wäre dieser Echokram am nächsten Tag schon wieder vergessen.

https://trends.google.com/trends/explor ... gah&geo=DE


Genauso ist es Provokation und Pop. Kein neues Phänomen aber es wirkt wohl immer noch.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:21
von Bleibtreu
Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:50)

Er möchte aussagen, dass die Holocaust-Vergleiche für sich genommen erstmal primär geschmacklos und unsensibel, aber nicht zwangsläufig antisemitisch motiviert sind.

Ich glaube auch, dass es Katers befremdliche Motivation ist damit zu belegen, dass Kollegah nicht antisemitisch ist, aber er hat damit genau das Gegenteil belegt. Selbst wenn man Apocalypse nicht kennt! ;)
Kollegahs Hass auf Juden ist so gross, dass er nicht nur unsere Ermordeten, mein Volk und mich umfasst, sondern auch unsere "Supporter", wie ich es mal nennen will - und das ist ganz typisch fuer JudenHasser! Wehe dem, der zu uns haelt, der MitGefuehl mit uns hat, er moege dafuer mit uns brennen, als sein er einer von uns! :|

Ich sehe es tatsächlich auch so wie der Kommentar von Rap.de, den ich gepostet habe: Das KO-Kriterium hätte eigentlich das Video von "Apokalypse" sein sollen, wo er in einem aufwändigen Track mit einem sehr aufwändigen Video in relativ ernsthafter Stimmung von einer Verschwörung rappt, wo das Judentum mit Satanismus und sonstigen "unheiligen Kräften" verknüpft wird. Und dadurch bekommt auch der Holocaust-Vergleich nochmal verstärkt eine entsprechende Note.

Teilweise wird mir in diesem Strang tatsächlich Kritik an Kollegah zu sehr mit Unverständnis über Rap als Kunstform vermischt. Und so verstehe ich auch die Verteidigungen von 3x schwarzer Kater. Er hat schon Recht damit, dass vieles davon blanke Provokation ist. [...] Aber ich sage auch, dass Kollegahs Musik insbesondere durch sein Video "Apokalypse" schon einen sehr widerlichen Spin bekommt.


Und wo Kollegah am Ende alle Juden und damit ihre Bosheit ausgerottet + vom Angesicht der Erde getilgt hat + endlich Frieden herrscht, weil es keinen mehr von uns gibt! :dead:

Richtig, es geht hier im speziellen um den Kollegen Kollegah, nicht um die KunstForm Rap. Und Kater hat das Geschreibe um das ApocalypseVideo und die HetzVerschwoerungen gegen Juden mitbekommen. Hat seinen StandPunkt aber nicht geaendert. Von daher sehe ich nicht, wo deine Argumentation ihn zu entschuldigen, greift. Auch wenn du es gut meinen magst - es bleibt nachwievor so schraeg, wie es ist. :|

edit- Korrektur + Link nachtraeglich eingefuegt

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:26
von Polibu
BlueMonday hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:02)

Ich vermute, so oft gegoogelt wurden diese Herren noch nie und deren Texte gelesen und verbreitet, deren Videos angeschaut und verlinkt... Diese Empörungswelle ist das Beste, was denen passieren konnte. Ansonsten wäre dieser Echokram am nächsten Tag schon wieder vergessen.

https://trends.google.com/trends/explor ... gah&geo=DE


Inwiefern ist das das Beste, was denen Passieren konnte? Die Personen zu googlen und ihre Videos zu schauen bedeutet doch hoffentlich wohl nur, dass die Leute sich über den Vorfall schlau machen wollen. Und dagegen ist ja nichts einzuwenden. Und dadurch steigt auch die Popularität der Leute nicht. Das kann sogar ins Gegenteil umschwenken.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:27
von Cat with a whip
BlueMonday hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:02)

Ich vermute, so oft gegoogelt wurden diese Herren noch nie und deren Texte gelesen und verbreitet, deren Videos angeschaut und verlinkt... Diese Empörungswelle ist das Beste, was denen passieren konnte. Ansonsten wäre dieser Echokram am nächsten Tag schon wieder vergessen.

https://trends.google.com/trends/explor ... gah&geo=DE



Sicherlich. Und wen er auf englisch singen würde hätts keinen gestört.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:32
von JFK
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:07)

Genauso ist es Provokation und Pop. Kein neues Phänomen aber es wirkt wohl immer noch.


Da gibt es doch den Spruch, jede PR ist gute PR.

Und den Clip hab ich mir jetzt auch angesehen, die antisemitische botschaft ist erkennbar.
Diese "Bankiersfamilien" lassen sich nun einmal gut verkaufen, uns sollte allen klar sein, das es sich um Fiktion und Kunstfreiheit handelt, wird er somit in die antisemitische Ecke gedrängt, hat er diese Hintertür, und am ende noch mehr PR.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 17:34
von Adam Smith
3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:07)

Genauso ist es Provokation und Pop. Kein neues Phänomen aber es wirkt wohl immer noch.


Wenn er das gemacht hätte ohne sich mit dem Thema exzessiv zu beschäftigen hättest du recht.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 18:54
von schokoschendrezki
Eine "wohltuende Abwechslung am traditionell überraschungsarmen Echo-Abend" nennt die SZ die Auseinandersetzung zwischen Campino und seinen Rapper-Kollegen. http://www.sueddeutsche.de/kultur/echo-verleihung-in-berlin-wenn-der-punk-den-rapper-ruegt-1.3942296. Richtig. Und genauso gehts mir auch. Die Kommerz-Rapper machen das große Geld und die Toten Hosen sind einfach ein Dinosaurier stadionkompatibler Mainstream-Selbstbefeierung. Lasst mich zufrieden damit! Beschäftigt euch lieber ein bissel näher mit den Genres. Rap/HipHop in Russland zum Beispiel ist der vielleicht entscheidendere popkulturelle Gegenpol zur politischen Rechtsdrift dort als die (zu großen Teilen auch nur nationalistische) politische Opposition.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 19:32
von schokoschendrezki
Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen. Und insofern an die fragwürdigen Rap-Titel völlig berechtigt. Denn sie verkaufen sich halt. Und insofern müsste sich, wenn man ehrlich wäre, der Antisemitismus-Vorwurf eigentllch an dem verbreiteten Mainstream-Geschmack abarbeiten. Der die "Toten Hosen" durch Käufe genauso honoriert.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 19:43
von Ebiker
schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen. Und insofern an die fragwürdigen Rap-Titel völlig berechtigt. Denn sie verkaufen sich halt. Und insofern müsste sich, wenn man ehrlich wäre, der Antisemitismus-Vorwurf eigentllch an dem verbreiteten Mainstream-Geschmack abarbeiten. Der die "Toten Hosen" durch Käufe genauso honoriert.


Also ist es völlig ok mit solchen Formulierungen solche Verkaufszahlen zu erreichen ?

Mir ist es völlig egal ob dieser Künstler gut rappen kann, oder nicht, interessiert mich auch nicht. Mich interessiert auch nicht ob er nur provozieren möchte. Das kann er meinetwegen, aber nicht mit diesem Vergleich. Warum wird ein anderer Künstler wegen einer völlig aus dem Kontext gerissenen Äußerung über KZ ins gesellschaftliche und wirtschaftliche Abseits gestellt ? Und hier funktioniert das nicht ?

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Di 17. Apr 2018, 07:24
von Marmelada
Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:50)

Er möchte aussagen, dass die Holocaust-Vergleiche für sich genommen erstmal primär geschmacklos und unsensibel, aber nicht zwangsläufig antisemitisch motiviert sind. Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Hörer eher denken "Boah der traut sich was" und nicht "Yay, Juden ins Gas". Zumal der Track mit der Holocaustzeile offenbar nur auf einer Bonus-EP gelandet ist - insofern sollte sich das hier niemand so vorstellen, dass diese Zeile das große Verkaufsargument war.

Ich sehe es tatsächlich auch so wie der Kommentar von Rap.de, den ich gepostet habe: Das KO-Kriterium hätte eigentlich das Video von "Apokalypse" sein sollen, wo er in einem aufwändigen Track mit einem sehr aufwändigen Video in relativ ernsthafter Stimmung von einer Verschwörung rappt, wo das Judentum mit Satanismus und sonstigen "unheiligen Kräften" verknüpft wird. Und dadurch bekommt auch der Holocaust-Vergleich nochmal verstärkt eine entsprechende Note.

Das ist grundsätzlich eine gute Frage. Der amerikanische Rap, den ich höre, geht teilweise auch ziemlich ins obszöne und wertverachtende, hat aber trotzdem eher nicht diese deutliche und ernstgemeinte Macho-Konnotation. Zumal andererseits auch z.B. Rap in den USA die wohl mit Abstand wichtigste Musik ist, wenn es um die Aufklärung über und den Einsatz gegen Rassismus geht - weit wichtiger als zB Punkrock. Alles nicht so einfach.

Ich würde damit jetzt nicht unbedingt Kollegah verteidigen, aber du weißt vermutlich auch, dass im amerikanischen Hip-Hop auch künstlerisch gerade einfach mehr Weiterentwicklung passiert als in den meisten anderen Genres. Insofern interessiere ich mich teilweise auch einfach für die originellen Beats, ohne mich dabei unbedingt an irgendwelchen textlichen Provokationen aufzugeilen. Das gilt aber eher nicht für Deutschland - Kollegah ist in Bezug darauf stockkonservativ.
Als ich Teenager war, stieß ich über das Genre irgendwann auf Angel of Death von Slayer. Mein Gedankengang dazu war "Was sind das für kranke Arschlöcher?", obgleich mir die Musik dazu gefiel. Oder "Back to the glory of Germany" bei Manowar (von deren Frauenverachtung ganz zu schweigen)... Solche Ausfälle haben bei mir keine Bewunderung für die tolle "Provokation" ausgelöst. (Übrigens, wenn Kollegah lediglich provozieren will, hat er ja nun sein Ziel erreicht und braucht jetzt nicht rumzupienzen, darauf komme ich noch zurück.) Und die Chose funktioniert auch umgekehrt. Wenn unbedarfte Jugendliche sich der Musik wegen Kollegah anhören, werden sie zwangsläufig von den Inhalten beeinflusst. Wenn es gut läuft, merken sie, dass die Inhalte Dreck sind. Wenn nicht, siehe rechtsextremes Spektrum, dort werden Jugendliche über Musik geködert.

Teilweise wird mir in diesem Strang tatsächlich Kritik an Kollegah zu sehr mit Unverständnis über Rap als Kunstform vermischt. ...
Meinem bescheidenen Wissen über Rap nach dissen sich Rapper gegenseitig als Personen. Wenn nun Hetze gegen de Jodn/de Schwoln/de Fraun als nicht anwesende Menschengruppen ausgekübelt wird, reicht ein "Das ist Rap, das muss so" tatsächlich nicht aus, um bei mir Verständnis zu wecken. Das gilt natürlich von Schlager bis Death Metal für alle Kunstformen.

https://www.facebook.com/permalink.php? ... 6585582737
Die Rechtfertigung moralischer Aussetzer in Rapmusik wird stets mit dem Argument untermauert, im Battle-Rap sei das nun einmal so und das Bürgertum könne das nicht verstehen. Diese sich selbst wiederholende nichts sagende Argumentation ist zynisch und erhebt sich zudem über all die Rapmusik, die einen anderen Weg geht, als Schwache auszugrenzen, zu belächeln, Reichtum und Stärke als Ideale zu inszenieren. Rap ist fähig zu Selbstkritik und voll davon.


schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen. Und insofern an die fragwürdigen Rap-Titel völlig berechtigt. Denn sie verkaufen sich halt. Und insofern müsste sich, wenn man ehrlich wäre, der Antisemitismus-Vorwurf eigentllch an dem verbreiteten Mainstream-Geschmack abarbeiten. Der die "Toten Hosen" durch Käufe genauso honoriert.
Wir haben ja inzwischen herausgefunden, dass neben den Verkaufszahlen auch eine Jury eine Rolle spielt und in diesem speziellen Fall zusätzlich ein Ethik-Rat. Es waren neben Kollegah auch noch andere nominiert, Kollegah hat gewonnen. Die Werke der anderen kenne ich nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass die noch schlimmer sind. Irgendein Grund muss die Jury gehabt haben, genau diese Entscheidung zu treffen.



Was für ein weinerliches Pipi-Männchen mit Goldkettenbehang. Beklagt sich über Stillosigkeit und versteckt sich hinter den Pfaffen vom Ethik-Ausschuss. Bosshaftigkeit am Arsch die Räuber.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Di 17. Apr 2018, 09:12
von relativ
Marmelada hat geschrieben:(17 Apr 2018, 08:24)

Als ich Teenager war, stieß ich über das Genre irgendwann auf Angel of Death von Slayer. Mein Gedankengang dazu war "Was sind das für kranke Arschlöcher?", obgleich mir die Musik dazu gefiel. Oder "Back to the glory of Germany" bei Manowar (von deren Frauenverachtung ganz zu schweigen)... Solche Ausfälle haben bei mir keine Bewunderung für die tolle "Provokation" ausgelöst. (Übrigens, wenn Kollegah lediglich provozieren will, hat er ja nun sein Ziel erreicht und braucht jetzt nicht rumzupienzen, darauf komme ich noch zurück.) Und die Chose funktioniert auch umgekehrt. Wenn unbedarfte Jugendliche sich der Musik wegen Kollegah anhören, werden sie zwangsläufig von den Inhalten beeinflusst. Wenn es gut läuft, merken sie, dass die Inhalte Dreck sind. Wenn nicht, siehe rechtsextremes Spektrum, dort werden Jugendliche über Musik geködert.
Ich muss ehrlich gestehen. als ich Jugendlicher war, haben mich Inhalte/Intentionen der Musiker und Texte der Musik die ich gerne gehört habe wenig bis gar nicht interessiert. Wichtig war, was Hip war und was sich gut anhörte. Wer sich natürlich schon in Extremen Gruppen aufhalten hat, für den waren solche Musiker und Inhalte der Musik natürlich wichtiger.
Für den 0815 Jugendlichen brauchte es entweder innhaltliche Hilfe (wie z.B. bei öffentlichen Diskusionen über Texte) , oder denen war es halt völlig Schnuppe solange der Beat stimmt. Ich vermute heutzutage ist dies nicht viel anders.
Meinem bescheidenen Wissen über Rap nach dissen sich Rapper gegenseitig als Personen. Wenn nun Hetze gegen de Jodn/de Schwoln/de Fraun als nicht anwesende Menschengruppen ausgekübelt wird, reicht ein "Das ist Rap, das muss so" tatsächlich nicht aus, um bei mir Verständnis zu wecken. Das gilt natürlich von Schlager bis Death Metal für alle Kunstformen.
Das muss bestimmt nicht so und dies hat meines Wissens auch auch keiner behauptet. Gängig ist nicht muessen. Die persönliche Einschätzung was jetzt schon Antisemitismus ist und was nicht geht ja bekanntlich sehr weit auseinander in der Diskussion über Antisemitismus. Ich tue mich da ehrlich gesagt etwas schwer mit der Deutungshoheit.

Wir haben ja inzwischen herausgefunden, dass neben den Verkaufszahlen auch eine Jury eine Rolle spielt und in diesem speziellen Fall zusätzlich ein Ethik-Rat. Es waren neben Kollegah auch noch andere nominiert, Kollegah hat gewonnen. Die Werke der anderen kenne ich nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass die noch schlimmer sind. Irgendein Grund muss die Jury gehabt haben, genau diese Entscheidung zu treffen.
Die Jury steht ja auch stark unter Druck, jetzt kommt schon der Peter M. und moniert, das es denen nur ums Geld ging, Geil der Peterle :D



Was für ein weinerliches Pipi-Männchen mit Goldkettenbehang. Beklagt sich über Stillosigkeit und versteckt sich hinter den Pfaffen vom Ethik-Ausschuss. Bosshaftigkeit am Arsch die Räuber.

Sowas passiert eben bei einer Ansammlung von Alpha Männchen und Weibchen deren bekanntliches Ziel ihrer Vermarktung auch die Selbstdarstellung ist. Kann man mögen muss man aber nicht.

Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Verfasst: Di 17. Apr 2018, 09:15
von Liegestuhl
schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen.


Wann das so wäre, bräuchte es keinen Ethik-Beirat.