Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

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Ebiker
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Ebiker » Mo 16. Apr 2018, 19:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen. Und insofern an die fragwürdigen Rap-Titel völlig berechtigt. Denn sie verkaufen sich halt. Und insofern müsste sich, wenn man ehrlich wäre, der Antisemitismus-Vorwurf eigentllch an dem verbreiteten Mainstream-Geschmack abarbeiten. Der die "Toten Hosen" durch Käufe genauso honoriert.


Also ist es völlig ok mit solchen Formulierungen solche Verkaufszahlen zu erreichen ?

Mir ist es völlig egal ob dieser Künstler gut rappen kann, oder nicht, interessiert mich auch nicht. Mich interessiert auch nicht ob er nur provozieren möchte. Das kann er meinetwegen, aber nicht mit diesem Vergleich. Warum wird ein anderer Künstler wegen einer völlig aus dem Kontext gerissenen Äußerung über KZ ins gesellschaftliche und wirtschaftliche Abseits gestellt ? Und hier funktioniert das nicht ?
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Marmelada » Di 17. Apr 2018, 07:24

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:50)

Er möchte aussagen, dass die Holocaust-Vergleiche für sich genommen erstmal primär geschmacklos und unsensibel, aber nicht zwangsläufig antisemitisch motiviert sind. Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Hörer eher denken "Boah der traut sich was" und nicht "Yay, Juden ins Gas". Zumal der Track mit der Holocaustzeile offenbar nur auf einer Bonus-EP gelandet ist - insofern sollte sich das hier niemand so vorstellen, dass diese Zeile das große Verkaufsargument war.

Ich sehe es tatsächlich auch so wie der Kommentar von Rap.de, den ich gepostet habe: Das KO-Kriterium hätte eigentlich das Video von "Apokalypse" sein sollen, wo er in einem aufwändigen Track mit einem sehr aufwändigen Video in relativ ernsthafter Stimmung von einer Verschwörung rappt, wo das Judentum mit Satanismus und sonstigen "unheiligen Kräften" verknüpft wird. Und dadurch bekommt auch der Holocaust-Vergleich nochmal verstärkt eine entsprechende Note.

Das ist grundsätzlich eine gute Frage. Der amerikanische Rap, den ich höre, geht teilweise auch ziemlich ins obszöne und wertverachtende, hat aber trotzdem eher nicht diese deutliche und ernstgemeinte Macho-Konnotation. Zumal andererseits auch z.B. Rap in den USA die wohl mit Abstand wichtigste Musik ist, wenn es um die Aufklärung über und den Einsatz gegen Rassismus geht - weit wichtiger als zB Punkrock. Alles nicht so einfach.

Ich würde damit jetzt nicht unbedingt Kollegah verteidigen, aber du weißt vermutlich auch, dass im amerikanischen Hip-Hop auch künstlerisch gerade einfach mehr Weiterentwicklung passiert als in den meisten anderen Genres. Insofern interessiere ich mich teilweise auch einfach für die originellen Beats, ohne mich dabei unbedingt an irgendwelchen textlichen Provokationen aufzugeilen. Das gilt aber eher nicht für Deutschland - Kollegah ist in Bezug darauf stockkonservativ.
Als ich Teenager war, stieß ich über das Genre irgendwann auf Angel of Death von Slayer. Mein Gedankengang dazu war "Was sind das für kranke Arschlöcher?", obgleich mir die Musik dazu gefiel. Oder "Back to the glory of Germany" bei Manowar (von deren Frauenverachtung ganz zu schweigen)... Solche Ausfälle haben bei mir keine Bewunderung für die tolle "Provokation" ausgelöst. (Übrigens, wenn Kollegah lediglich provozieren will, hat er ja nun sein Ziel erreicht und braucht jetzt nicht rumzupienzen, darauf komme ich noch zurück.) Und die Chose funktioniert auch umgekehrt. Wenn unbedarfte Jugendliche sich der Musik wegen Kollegah anhören, werden sie zwangsläufig von den Inhalten beeinflusst. Wenn es gut läuft, merken sie, dass die Inhalte Dreck sind. Wenn nicht, siehe rechtsextremes Spektrum, dort werden Jugendliche über Musik geködert.

Teilweise wird mir in diesem Strang tatsächlich Kritik an Kollegah zu sehr mit Unverständnis über Rap als Kunstform vermischt. ...
Meinem bescheidenen Wissen über Rap nach dissen sich Rapper gegenseitig als Personen. Wenn nun Hetze gegen de Jodn/de Schwoln/de Fraun als nicht anwesende Menschengruppen ausgekübelt wird, reicht ein "Das ist Rap, das muss so" tatsächlich nicht aus, um bei mir Verständnis zu wecken. Das gilt natürlich von Schlager bis Death Metal für alle Kunstformen.

https://www.facebook.com/permalink.php? ... 6585582737
Die Rechtfertigung moralischer Aussetzer in Rapmusik wird stets mit dem Argument untermauert, im Battle-Rap sei das nun einmal so und das Bürgertum könne das nicht verstehen. Diese sich selbst wiederholende nichts sagende Argumentation ist zynisch und erhebt sich zudem über all die Rapmusik, die einen anderen Weg geht, als Schwache auszugrenzen, zu belächeln, Reichtum und Stärke als Ideale zu inszenieren. Rap ist fähig zu Selbstkritik und voll davon.


schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen. Und insofern an die fragwürdigen Rap-Titel völlig berechtigt. Denn sie verkaufen sich halt. Und insofern müsste sich, wenn man ehrlich wäre, der Antisemitismus-Vorwurf eigentllch an dem verbreiteten Mainstream-Geschmack abarbeiten. Der die "Toten Hosen" durch Käufe genauso honoriert.
Wir haben ja inzwischen herausgefunden, dass neben den Verkaufszahlen auch eine Jury eine Rolle spielt und in diesem speziellen Fall zusätzlich ein Ethik-Rat. Es waren neben Kollegah auch noch andere nominiert, Kollegah hat gewonnen. Die Werke der anderen kenne ich nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass die noch schlimmer sind. Irgendein Grund muss die Jury gehabt haben, genau diese Entscheidung zu treffen.



Was für ein weinerliches Pipi-Männchen mit Goldkettenbehang. Beklagt sich über Stillosigkeit und versteckt sich hinter den Pfaffen vom Ethik-Ausschuss. Bosshaftigkeit am Arsch die Räuber.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:12

Marmelada hat geschrieben:(17 Apr 2018, 08:24)

Als ich Teenager war, stieß ich über das Genre irgendwann auf Angel of Death von Slayer. Mein Gedankengang dazu war "Was sind das für kranke Arschlöcher?", obgleich mir die Musik dazu gefiel. Oder "Back to the glory of Germany" bei Manowar (von deren Frauenverachtung ganz zu schweigen)... Solche Ausfälle haben bei mir keine Bewunderung für die tolle "Provokation" ausgelöst. (Übrigens, wenn Kollegah lediglich provozieren will, hat er ja nun sein Ziel erreicht und braucht jetzt nicht rumzupienzen, darauf komme ich noch zurück.) Und die Chose funktioniert auch umgekehrt. Wenn unbedarfte Jugendliche sich der Musik wegen Kollegah anhören, werden sie zwangsläufig von den Inhalten beeinflusst. Wenn es gut läuft, merken sie, dass die Inhalte Dreck sind. Wenn nicht, siehe rechtsextremes Spektrum, dort werden Jugendliche über Musik geködert.
Ich muss ehrlich gestehen. als ich Jugendlicher war, haben mich Inhalte/Intentionen der Musiker und Texte der Musik die ich gerne gehört habe wenig bis gar nicht interessiert. Wichtig war, was Hip war und was sich gut anhörte. Wer sich natürlich schon in Extremen Gruppen aufhalten hat, für den waren solche Musiker und Inhalte der Musik natürlich wichtiger.
Für den 0815 Jugendlichen brauchte es entweder innhaltliche Hilfe (wie z.B. bei öffentlichen Diskusionen über Texte) , oder denen war es halt völlig Schnuppe solange der Beat stimmt. Ich vermute heutzutage ist dies nicht viel anders.
Meinem bescheidenen Wissen über Rap nach dissen sich Rapper gegenseitig als Personen. Wenn nun Hetze gegen de Jodn/de Schwoln/de Fraun als nicht anwesende Menschengruppen ausgekübelt wird, reicht ein "Das ist Rap, das muss so" tatsächlich nicht aus, um bei mir Verständnis zu wecken. Das gilt natürlich von Schlager bis Death Metal für alle Kunstformen.
Das muss bestimmt nicht so und dies hat meines Wissens auch auch keiner behauptet. Gängig ist nicht muessen. Die persönliche Einschätzung was jetzt schon Antisemitismus ist und was nicht geht ja bekanntlich sehr weit auseinander in der Diskussion über Antisemitismus. Ich tue mich da ehrlich gesagt etwas schwer mit der Deutungshoheit.

Wir haben ja inzwischen herausgefunden, dass neben den Verkaufszahlen auch eine Jury eine Rolle spielt und in diesem speziellen Fall zusätzlich ein Ethik-Rat. Es waren neben Kollegah auch noch andere nominiert, Kollegah hat gewonnen. Die Werke der anderen kenne ich nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass die noch schlimmer sind. Irgendein Grund muss die Jury gehabt haben, genau diese Entscheidung zu treffen.
Die Jury steht ja auch stark unter Druck, jetzt kommt schon der Peter M. und moniert, das es denen nur ums Geld ging, Geil der Peterle :D



Was für ein weinerliches Pipi-Männchen mit Goldkettenbehang. Beklagt sich über Stillosigkeit und versteckt sich hinter den Pfaffen vom Ethik-Ausschuss. Bosshaftigkeit am Arsch die Räuber.

Sowas passiert eben bei einer Ansammlung von Alpha Männchen und Weibchen deren bekanntliches Ziel ihrer Vermarktung auch die Selbstdarstellung ist. Kann man mögen muss man aber nicht.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Liegestuhl » Di 17. Apr 2018, 09:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:32)

Die Formulierung des Thread-Themas, "Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich", suggeriert, dass da etwas sehr Ehrenhaftes mit sehr unehrenhaften Mitteln errungen worden ist. Und das ist der große Irrtum. Der Echo-Preis ist ganz profan eine formale Anerkennung von Verkaufszahlen.


Wann das so wäre, bräuchte es keinen Ethik-Beirat.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Liegestuhl » Di 17. Apr 2018, 09:17

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Apr 2018, 17:15)

Ich auch nicht. Und dennoch finde ich diesen Vergleich widerwärtig. Er scheint also nicht nur Holocaustopfer und deren Angehörige zu treffen versuchen.


Das ändert nichts daran, dass diese Widerwärtigkeit auf Kosten der Holocaustopfer und ihren Angehörigen gemacht wird.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:27

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:15)

Wann das so wäre, bräuchte es keinen Ethik-Beirat.

Man muesste wissen welchen Song, bzw. welche Bemessunggrundlagen dieser Beirat hat/hatte.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:40

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:17)

Das ändert nichts daran, dass diese Widerwärtigkeit auf Kosten der Holocaustopfer und ihren Angehörigen gemacht wird.

Das die Textstelle Widerwärtig ist , besteht hier glaube ich Konsens. Ob man den Erklärungen der Rapper dazu jetzt glauben möchte ist ne persönliche Entscheidung.
Wie dies die noch lebenden Holocoustopfer, oder deren Angehörige sehen, kann ich nur vermuten, evtl. ist es denen aber auch Schnuppe was so ein deutscher Rapper an Geschmacklosigkeiten von sich gibt. Er sollte evtl. nur nicht dafür offiziell Ausgezeichnet werden.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Liegestuhl » Di 17. Apr 2018, 09:41

relativ hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:27)

Man muesste wissen welchen Song, bzw. welche Bemessunggrundlagen dieser Beirat hat/hatte.


Da der Ethikbeirat beschlossen hat, dass die Nominierung stattfinden kann, hätte er auch entgegengesetzt entscheiden können.

Das hat er bedauerlicherweise nicht gemacht. Die Verkaufszahlen sind also nicht alleiniger Maßstab.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Liegestuhl » Di 17. Apr 2018, 09:45

relativ hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:40)
Er sollte evtl. nur nicht dafür offiziell Ausgezeichnet werden.


So ist es. Meine Vorstellungen von Meinungsfreiheit reichen sehr weit und ich will nichts verbieten. Mein Kritikpunkt ist aber die Auszeichnung. Nun kann jeder Jugendliche darauf verweisen, dass der Antisemitismus in den Songs wohl nicht so schlimm sein kann, wenn die Interpreten dafür eine renommierte Auszeichnung erhalten.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:45

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:41)

Da der Ethikbeirat beschlossen hat, dass die Nominierung stattfinden kann, hätte er auch entgegengesetzt entscheiden können.

Das hat er bedauerlicherweise nicht gemacht. Die Verkaufszahlen sind also nicht alleiniger Maßstab.

Für die Nomminierung wohl schon, nur nicht dafür wer den Preis letztendlich bekommt. So habe ich dies auf jedenfall verstanden.
Auf jedenfall hätte der Beirat die Preisverleihung von Kollegah verhindert können, wenn sie die Texte so interpretiert hätten und mit in der Bemessung einbezogen hätten, was sie Augenscheinlich wohl eher nicht taten.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:49

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:45)

So ist es. Meine Vorstellungen von Meinungsfreiheit reichen sehr weit und ich will nichts verbieten. Mein Kritikpunkt ist aber die Auszeichnung. Nun kann jeder Jugendliche darauf verweisen, dass der Antisemitismus in den Songs wohl nicht so schlimm sein kann, wenn die Interpreten dafür eine renommierte Auszeichnung erhalten.

Ob dies jetzt Jugendliche machen weis ich nicht, aber natürlich kommt bei Teilen der Jugendlichen die den Rap gut finden auch so eine Diskussion und Preisverleihung an. Ich bezweifle aber die positive Wirksamkeit wenn man das Erregungsgrad jetzt überdreht. Kritik an der Entscheidung der Entscheidungsträger und Preisvergabe ja, aber beim Rest bitte Mantel des Schweigens, noch mehr Medienpräsens haben die echt nicht verdient.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Marmelada » Di 17. Apr 2018, 10:13

relativ hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:12)

Ich muss ehrlich gestehen. als ich Jugendlicher war, haben mich Inhalte/Intentionen der Musiker und Texte der Musik die ich gerne gehört habe wenig bis gar nicht interessiert. Wichtig war, was Hip war und was sich gut anhörte. Wer sich natürlich schon in Extremen Gruppen aufhalten hat, für den waren solche Musiker und Inhalte der Musik natürlich wichtiger.
Für den 0815 Jugendlichen brauchte es entweder innhaltliche Hilfe (wie z.B. bei öffentlichen Diskusionen über Texte) , oder denen war es halt völlig Schnuppe solange der Beat stimmt. Ich vermute heutzutage ist dies nicht viel anders.
Es wurde argumentiert, es handele sich um "Provokationen", die der Jugend Respekt abringen und nicht der unterirdische Inhalt.

Das muss bestimmt nicht so und dies hat meines Wissens auch auch keiner behauptet.
Es wurde argumentiert, es gehöre zum Genre. Ich habe einen Genreinsider zitiert, der das anders sieht.

Gängig ist nicht muessen. Die persönliche Einschätzung was jetzt schon Antisemitismus ist und was nicht geht ja bekanntlich sehr weit auseinander in der Diskussion über Antisemitismus. Ich tue mich da ehrlich gesagt etwas schwer mit der Deutungshoheit.
Die antisemtischen Inhalte bei Kollegah wurden jetzt mehrfach detailliert aufgezeigt. Kann man zur Kenntnis nehmen, muss man aber nicht. Wenn einen die antisemitischen Inhalte nicht interessieren, bleiben immer noch die schwulen-/frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden.

Sowas passiert eben bei einer Ansammlung von Alpha Männchen und Weibchen deren bekanntliches Ziel ihrer Vermarktung auch die Selbstdarstellung ist. Kann man mögen muss man aber nicht.
Der Punkt ist, wie er nahezu ohne Vorbereitung auf Kritik reagiert. Nämlich so, wie ich es beschrieben habe und das entspricht 0 dem inszenierten Image aus der Marketingabteilung.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon BlueMonday » Di 17. Apr 2018, 11:00

Polibu hat geschrieben:(16 Apr 2018, 18:26)

Inwiefern ist das das Beste, was denen Passieren konnte?

Das Schlimmste wäre jedenfalls, wenn niemand auf eine Provokation, auf irgendeine "Message" oder sonst etwas reagieren würde. Die völlige Ignoranz der Umwelt ist das Todesurteil für einen expressiven Menschen, für einen Künstler, für Menschen, die Aufmerksamkeit und Reaktionen brauchen, die Käufer brauchen. Der Noise gehört zum Geschäft. Auf ganz allgemeiner Ebene: ein Lebewesen stirbt ohne Feedback (gleich welches) aus seiner Umwelt. Ein Lebwesen muss sich an seiner Umwelt reiben, um sich zu erkennen. Nur an den Grenzen erkennt man.

Und was sollen diese zwei Herren durch diesen Abend verloren haben? Sie können damit eigentlich nur gewinnen. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Verbreitung, am Ende mehr Käufer. Ihr Image wurde durch die Aktion ja nicht beschädigt, sondern im Gegenteil bestätigt. Zwei harte Burschen, die sich nicht in die Suppe spucken lassen und ihr Ding durchziehen. So sehen die sich bestimmt. Ich sag mal, solange es Campinos, Geldofs und diese ganzen Guten und Korrekten gibt, wird es einen Gegenpol dazu geben. Die Guten werden das natürlich umgekehrt auch so sehen. Im Grunde brauchen sich beide Seite. Man stelle sich mal eine Welt ohne jegliche Gegensätze in völliger Harmonie vor. Für das Paradies ist der Mensch einfach nicht geschaffen.

Und es gibt keine abgrundtiefe Scheußlichkeit, die sich Menschen noch nicht angetan haben. Es wird immer wenigstens ein Bedürfnis der Vorstellung, des Ausdrucks, der Verarbeitung im Wort geben. Das ist das, was an die Oberfläche tritt. Die Spitze des Eisbergs. Und der Eisberg verschwindet nicht, wenn man die Spitze mit einem Tuch abdeckt.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Zunder » Di 17. Apr 2018, 12:10

Wenn jemand einen Preis aufgrund des Erfolges bekommt, ist es fürs Ignorieren ein bißchen zu spät.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 12:13

Marmelada hat geschrieben:(17 Apr 2018, 11:13)

Es wurde argumentiert, es handele sich um "Provokationen", die der Jugend Respekt abringen und nicht der unterirdische Inhalt.
Es kann beides sein. Ich weiss es nicht, weil ich die wenigsten persönlichen intentionen von Liedtextern kenne.

Es wurde argumentiert, es gehöre zum Genre. Ich habe einen Genreinsider zitiert, der das anders sieht.
Ja, es muss aber nicht so wie du es geschrieben hast.
Die antisemtischen Inhalte bei Kollegah wurden jetzt mehrfach detailliert aufgezeigt. Kann man zur Kenntnis nehmen, muss man aber nicht. Wenn einen die antisemitischen Inhalte nicht interessieren, bleiben immer noch die schwulen-/frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden.
Also es sind viele Verschwörungstheorien und der übliche provozierende Rapper kram vorhanden ect.pp und da ist diese eine Textstelle mit den Auschwitzinsassen. Ja natürlich kann man den Sängern Aufgrund dessen persönlichen Antisemitismus vorwerfen, sie verneinen es und nun kommst es auf ihre Glaubwürdigkeit an. Das muss dann jeder selbst entscheiden.

Der Punkt ist, wie er nahezu ohne Vorbereitung auf Kritik reagiert. Nämlich so, wie ich es beschrieben habe und das entspricht 0 dem inszenierten Image aus der Marketingabteilung.

Sorry aber es gab schon bei der Nomminierung kritische Stimmen, also ganz ohne Vorbereitung traf die Rapper das jetzt nicht.

http://www.rp-online.de/kultur/musik/ec ... -1.7511699
Berlin. Schon im Vorfeld wurde über die diesjährige Echo-Verleihung viel diskutiert - das hat weniger mit dem Preis, sondern mehr mit den Texten eines nominierten Rapperduos zu tun. Am goldenen Teppich geben sich die Stars ausgelassen.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Marmelada » Di 17. Apr 2018, 12:29

relativ hat geschrieben:(17 Apr 2018, 13:13)

Ja, es muss aber nicht so wie du es geschrieben hast.
Ich bin exakt auf das immer wiederkehrende Argument eingegangen, es gehöre zum Genre und habe das in einem Satz zusammengefasst. Und ich habe bereits weiter vorne geschrieben, dass "Kunst(freiheit)" keine angemessene Ausrede ist, wenn Hetze rhytmisch vorgetragen und mit Musik untermalt wird. "Gehört zum Genre" ist kein Argument für Menschenverachtung.

Also es sind viele Verschwörungstheorien und der übliche provozierende Rapper kram vorhanden ect.pp und da ist diese eine Textstelle mit den Auschwitzinsassen. Ja natürlich kann man den Sängern Aufgrund dessen persönlichen Antisemitismus vorwerfen, sie verneinen es und nun kommst es auf ihre Glaubwürdigkeit an. Das muss dann jeder selbst entscheiden.
Außer "dieser einen Textstelle" gibt es das Stück Apocalypse. Warum wird das so hartnäckig ignoriert? Und wenn einen dieser Antisemitismus nicht interessiert, bleiben immer noch die gewaltverherrlichenden, frauen-/schwulenfeindlichen Passagen.

Sorry aber es gab schon bei der Nomminierung kritische Stimmen, also ganz ohne Vorbereitung traf die Rapper das jetzt nicht.

http://www.rp-online.de/kultur/musik/ec ... -1.7511699
Dann ist es sogar noch schlimmer, dass er sich wie ein heulendes Pipi-Männchen hinter den Pfaffen vom Ethik-Rat versteckt, der harte Rapper.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 12:38

Marmelada hat geschrieben:(17 Apr 2018, 13:29)

Ich bin exakt auf das immer wiederkehrende Argument eingegangen, es gehöre zum Genre und habe das in einem Satz zusammengefasst. Und ich habe bereits weiter vorne geschrieben, dass "Kunst(freiheit)" keine angemessene Ausrede ist, wenn Hetze rhytmisch vorgetragen und mit Musik untermalt wird. "Gehört zum Genre" ist kein Argument für Menschenverachtung.
[...] Hier extra noch mal für dich worauf ich mich bezog.

Meinem bescheidenen Wissen über Rap nach dissen sich Rapper gegenseitig als Personen. Wenn nun Hetze gegen de Jodn/de Schwoln/de Fraun als nicht anwesende Menschengruppen ausgekübelt wird[url], reicht ein "Das ist Rap, das muss so"[/url]tatsächlich nicht aus, um bei mir Verständnis zu wecken. Das gilt natürlich von Schlager bis Death Metal für alle Kunstformen.

Also Provozieren gehört zum Rap, muss aber nicht z.B. Fanta Vier macht sehr viel von solchem "Kuschelrap". Das Musik und Texte kein Argument für Menschenverachtung ist , sollte jetzt kaum Gegenstand unseres Diskurses sein.


Außer "dieser einen Textstelle" gibt es das Stück Apocalypse. Warum wird das so hartnäckig ignoriert? Und wenn einen dieser Antisemitismus nicht interessiert, bleiben immer noch die gewaltverherrlichenden, frauen-/schwulenfeindlichen Passagen.
Welches sich mit Verschwörungstheorien beschäftigt, was ich auch schon mit einbezogen habe, was du beflissendlich Ignoriert hast.
Dann ist es sogar noch schlimmer, dass er sich wie ein heulendes Pipi-Männchen hinter den Pfaffen vom Ethik-Rat versteckt, der harte Rapper.

[...]
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 12:42

BlueMonday hat geschrieben:(17 Apr 2018, 12:00)

Das Schlimmste wäre jedenfalls, wenn niemand auf eine Provokation, auf irgendeine "Message" oder sonst etwas reagieren würde. Die völlige Ignoranz der Umwelt ist das Todesurteil für einen expressiven Menschen, für einen Künstler, für Menschen, die Aufmerksamkeit und Reaktionen brauchen, die Käufer brauchen. Der Noise gehört zum Geschäft. Auf ganz allgemeiner Ebene: ein Lebewesen stirbt ohne Feedback (gleich welches) aus seiner Umwelt. Ein Lebwesen muss sich an seiner Umwelt reiben, um sich zu erkennen. Nur an den Grenzen erkennt man.

Und was sollen diese zwei Herren durch diesen Abend verloren haben? Sie können damit eigentlich nur gewinnen. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Verbreitung, am Ende mehr Käufer. Ihr Image wurde durch die Aktion ja nicht beschädigt, sondern im Gegenteil bestätigt. Zwei harte Burschen, die sich nicht in die Suppe spucken lassen und ihr Ding durchziehen. So sehen die sich bestimmt. Ich sag mal, solange es Campinos, Geldofs und diese ganzen Guten und Korrekten gibt, wird es einen Gegenpol dazu geben. Die Guten werden das natürlich umgekehrt auch so sehen. Im Grunde brauchen sich beide Seite. Man stelle sich mal eine Welt ohne jegliche Gegensätze in völliger Harmonie vor. Für das Paradies ist der Mensch einfach nicht geschaffen.

Und es gibt keine abgrundtiefe Scheußlichkeit, die sich Menschen noch nicht angetan haben. Es wird immer wenigstens ein Bedürfnis der Vorstellung, des Ausdrucks, der Verarbeitung im Wort geben. Das ist das, was an die Oberfläche tritt. Die Spitze des Eisbergs. Und der Eisberg verschwindet nicht, wenn man die Spitze mit einem Tuch abdeckt.

...und wenn zukünftigt nur beim Wort bleibt, hat der Mensch schon einen großen Schritt getan.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Apr 2018, 12:43

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:15)

Wann das so wäre, bräuchte es keinen Ethik-Beirat.

Die Welt bezeichnet den Ethik-Beirat als "Alibi". (https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... strie.html). Die FAZ setzt diesen Ethik-Rat grundsätzlich in Anführungszeichen ('Ethik'-Rat), was noch bezeichnender ist. (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 46135.html). Usw. Usf. Die Echo-Verleihung ist ein simples Rating von Verkaufszahlen. Ob mit oder ohne Ethik- oder Jury-Mäntelchen.

Ich hoffe, nicht falsch verstanden zu werden: Das macht diese in Frage stehenden konkreten Rap-Texte keinen Deut besser oder auch nur erträglicher.
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Re: Echo gewinnen mit Auschwitz- Vergleich

Beitragvon Provokateur » Di 17. Apr 2018, 12:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Apr 2018, 13:43)
Die Echo-Verleihung ist ein simples Rating von Verkaufszahlen. Ob mit oder ohne Ethik- oder Jury-Mäntelchen.


Die wahre Frage, an der viele verzweifeln, ist doch: Warum finden junge Leute FreiWild und Kollegah geil und nicht irgendwelche Blümchensänger, die politisch korrekt von gefährlichen Atomwolken, welche die Bäume sterben lassen, daherjammern?

Es ist doch ganz einfach: Mit den Werten dieser Bands, seien es "Heimat und Tradition" (um es mal ganz weit zu fassen) oder "Männlichkeit und Stärke" können sich viele Jugendliche besser identifizieren als mit bäumebedrohenden Atomwolken.
"Ich hau dir auf die Fresse und ficke deine Mutter, bis deinem Vater der Schwanz abfault" klingt auch einfach besser als irgendwelche Jammerbarden, vor allem, wenn man den ersten Golf 2 mit Bassrolle im Kofferraum hat.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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