Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

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Milady de Winter
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Sa 10. Mär 2018, 12:12

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 11:25)

Wie hätte er reagieren sollen? Da prallen zwei Welten aufeinander, die einen meinen das Religion etwas erstrebenswertes ist und die andere Seite will damit auf Teufel komm raus nichts zu tun haben. Ich kann das nachvollziehen, vor Religion und Werbung muss man sich eben so gut wie möglich schützen wenn man dadurch nicht beeinflusst werden will.

Je öfter ich mir den von Dir ganz oben verlinkten Beitrag ansehe, desto mehr halte ich diesen Stier für einen unerträglichen Querulanten, der ein an sich - in meinen Augen - völlig legitimes Anliegen bis zum Erbrechen überstrapaziert. Zieht in ein kleines erzkatholisches Kaff, behauptet, seine Tochter würde zu irgendwas gezwungen oder hätte keine Wahlmöglichkeit, zieht sich sogar noch an dem Namen und dem Symbol "Christophorus" hoch... sorry, solche Typen hab ich gefressen. Wie gesagt: ich kenne diesen Typ Querulanten vom Thema Flughafen Frankfurt. Oder von den Zugereisten im Allgäu, die das Läuten der Kuhglocken im Tal gerichtlich verbieten lassen wollten (und m.E. auch haben, wobei da mein Vorwurf an das Gericht geht, das diesen Irrsinn zugelassen hat).

Nee, wenn es nicht die Schule wäre, dann wäre es in meinen Augen bei Typen wie dem was anderes. Das ist die Sorte, die ein gutes Anliegen tot reitet.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon nasziv » Sa 10. Mär 2018, 12:43

Skeptiker hat geschrieben:(10 Mar 2018, 09:16)

Neutralität bedeutet, dass staatliche Einrichtungen nicht bestimmte religiöse Gruppen hervorheben. Dann ist es nur konsequent alle Form von Religiösität aus dem Unterricht zu entfernen, oder ihr mit z.B. Ethikunterricht ein neutrales Angebot gegenüberzustellen.

Neutralität bedeutet für mich weltanschauliche Neutralität, nicht säkulare speziell. Insofern haben beide, Religion und Ethik (oder noch besser Philosophie) ihren Platz, wenn nicht gar Notwendigkeit, im Unterricht.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Sa 10. Mär 2018, 12:44

Billie Holiday hat geschrieben:(10 Mar 2018, 11:35)

Ein echter Atheist wird nicht beeinflußt. Er glaubt nicht an einen Gott, egal, was um ihn herum geschieht.
Kein Pfarrer, Priester, Imam oder Rabbi kann ihn dermaßen belatschern, dass er plötzlich doch an einen Gott glaubt.
Er glaubt nicht. Punkt.

Religion geht viel weiter als nur Glaube, aber nur um es nochmal zu erwähnen. Hier geht es um Kinder, oder bist du der Meinung das diese sich auch nicht belatschern lassen?
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Sa 10. Mär 2018, 12:46

Milady de Winter hat geschrieben:(10 Mar 2018, 12:12)

Je öfter ich mir den von Dir ganz oben verlinkten Beitrag ansehe, desto mehr halte ich diesen Stier für einen unerträglichen Querulanten, der ein an sich - in meinen Augen - völlig legitimes Anliegen bis zum Erbrechen überstrapaziert. Zieht in ein kleines erzkatholisches Kaff, behauptet, seine Tochter würde zu irgendwas gezwungen oder hätte keine Wahlmöglichkeit, zieht sich sogar noch an dem Namen und dem Symbol "Christophorus" hoch... sorry, solche Typen hab ich gefressen. Wie gesagt: ich kenne diesen Typ Querulanten vom Thema Flughafen Frankfurt. Oder von den Zugereisten im Allgäu, die das Läuten der Kuhglocken im Tal gerichtlich verbieten lassen wollten (und m.E. auch haben, wobei da mein Vorwurf an das Gericht geht, das diesen Irrsinn zugelassen hat).

Nee, wenn es nicht die Schule wäre, dann wäre es in meinen Augen bei Typen wie dem was anderes. Das ist die Sorte, die ein gutes Anliegen tot reitet.

Wie wärst du denn mit diesem völlig legitimen Anliegen umgegangen? Ich höre nur immer das man es so nicht macht, wie macht man es denn richtig?
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Dark Angel » Sa 10. Mär 2018, 12:47

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 11:25)

Wie hätte er reagieren sollen? Da prallen zwei Welten aufeinander, die einen meinen das Religion etwas erstrebenswertes ist und die andere Seite will damit auf Teufel komm raus nichts zu tun haben. Ich kann das nachvollziehen, vor Religion und Werbung muss man sich eben so gut wie möglich schützen wenn man dadurch nicht beeinflusst werden will.

Nachvollziehen kann ich das auch. Ich hätte auch etwas dagegen, wenn meine Enkel in einer staatlichen Schule "fromme Lieder" für den Pfarrer singen sollen.
Deshalb muss man sich aber nicht benehmen wie ein Elefant im Porzellanladen.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Sa 10. Mär 2018, 12:51

Dark Angel hat geschrieben:(10 Mar 2018, 12:47)

Nachvollziehen kann ich das auch. Ich hätte auch etwas dagegen, wenn meine Enkel in einer staatlichen Schule "fromme Lieder" für den Pfarrer singen sollen.
Deshalb muss man sich aber nicht benehmen wie ein Elefant im Porzellanladen.

Ja dann sagt doch mal wie man sich benehmen soll.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Billie Holiday » Sa 10. Mär 2018, 13:21

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 12:44)

Religion geht viel weiter als nur Glaube, aber nur um es nochmal zu erwähnen. Hier geht es um Kinder, oder bist du der Meinung das diese sich auch nicht belatschern lassen?


Schwer zu sagen, den größten Einfluß auf Kinder haben die Eltern, was sich mit der Pubertät ändert.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Sa 10. Mär 2018, 13:40

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 12:46)

Wie wärst du denn mit diesem völlig legitimen Anliegen umgegangen? Ich höre nur immer das man es so nicht macht, wie macht man es denn richtig?

"Richtig" oder "falsch" gibt es hier in meinen Augen nicht. Ich kann Dir nur sagen, was ich vom Verhalten des Mannes halte (das habe ich hier getan). Ich kann Dir gerne sagen, wie ich mich verhalten würde, aber das ist auch nicht allgemeingültig.

Zunächst einmal würde ich mir nicht zwingend einen kleinen (katholich geprägten) Ort aussuchen, in den ich ziehe, wenn ich ein relativ ausgeprägtes Problem mit Religion habe. Im Bericht steht, die Familie zog vor 7 Jahren dort hin. D.h. die Tochter war da ggf. schon unterwegs. Aber selbst wenn nicht, dann war wohl ein Kinderwunsch vorhanden. Da informiere ich mich dann, wie es eigentlich um die schulische Situation an meinem neuen Wohnort bestellt ist. Ein Blick auf die Homepage des Ortes gab mir da Auskunft über die Grundschule und sonstige Einrichtungen. Da steht übrigens, dass die Teilnahme am Religionsunterricht oder den Schulgottesdiensten höchst freiwillig ist.

So. Also entweder ich bin der Meinung, ich kann mein potenziell kommendes Kind in die einzige Schule mit Namen "Christophorus" schicken, oder nicht. Scheint nicht geschehen zu sein. Nun denn, sind wir im Heute: die Dramatik, mit der einzelne Szenen in dem Bericht geschildert wurden, sind für mich haarsträubend:

E. sei z.B. von der Schule heimgekommen und habe ihrem Vater traurig mitgeteilt, dass sie für Gott hätte klatschen und singen müssen. Sie habe sich unter Tränen dafür geschämt, dass sie sich nicht getraut habe, dies zu verweigern. In der Schule, so konnte Alex Stier klären, sei E. von ihrer Klassenlehrerin zur Übergabe einer Spende an die Schule und den anwesenden Pfarrer Röhr gebracht worden. Dabei habe der Pfarrer das kreationistische Missionslied "Laudato si" angestimmt. E. habe aus "Angst vor Strafe" mitgesungen und mitgeklatscht.

Bei anderer Gelegenheit sei der 80. Geburtstag des Pfarrers auf dem Schulgelände gefeiert worden. E. sei wenig begeistert gewesen, weil sie eigentlich Pause gehabt hätte. Trotzdem habe sie sich mit anderen Kindern zum Geburtstagsständchen aufstellen müssen. An diesem Tag habe Schnee gelegen, sodass sich der Pfarrer als Dank an Gott für den Schnee erneut "Laudato si" wünschte. Alle Kinder hätten geklatscht und gesungen. Diesmal verweigerte sich E., doch erneut voller Angst vor Strafe, weil sie nicht mitmachte.Das Mädchen ist sechs Jahre alt!


Und dann das hier vom Autor:

So kam ich in das verschlafene Nest. Dörflicher Eindruck, viele Fachwerkhäuser, ein gediegenes Idyll könnte man wohlwollend sagen. Das offenbar unvermeidliche Kruzifix – unangemessen groß – empfing mich, als wolle es die Einfahrt gottloser Gesellen verhindern. Alex Stier und seine Familie begrüßten mich nicht mit einer ausgemergelten Leiche, sondern mit freundlichem Lächeln. Ich lernte auch die Kinder kennen, den zweijährigen Sohn und E. Beide sind offen, freundlich und wie alle Kinder verspielt. Was mir besonders auffiel: Sie sind außerordentlich selbstbewusst, was man bei Kindern diesen Alters selten antrifft.


Da muss ich laut lachen. Der Zweijährige und die Sechsjährige sind außerordentlich selbstbewusst. Yeah, right. Deshalb hat das außergewöhnlich selbstbewusste Mädchen auch mehrfach geheult, wenn für "Gott" oder den furchterregenden Pfarrer geklatscht oder gesungen wurde.

Meine Fresse. Ich wünsche allen Beteiligten mal ein Schuljahr 60km weiter nördlich. Da relativieren sich dann vielleicht die dramatischen Probleme, die man in dem kleinen Kaff am der Bergstraße hat.

Noch mal: er kann verlangen, dass seine Tochter vom Religionsunterricht und den Schulgottesdiensten befreit wird. Das bietet die Schule auch an, siehe Webseite der Gemeinde/Schule. Dass die Schule Christophorus heißt, oder halt mal der Pfarrer vorbeikommt, weil katholisch geprägte Gemeinde, ist der Kompromiss, den ich bereit wäre, einzugehen. Und dass das, was für das Mädchen angeblich die Hölle war (glaube ich nicht mal, es sei denn, sie ist wirklich übelst indoktriniert worden), normaler Alltag dort ist, das würde ich meinem außergewöhnlich selbstbewussten Kind erklären. Das bedeutet nich lange nicht, dass man es für sich selber annimmt oder gut finden muss. Aber ich würde mir die Mühe machen, meinem Kind zu erklären, dass auch Religion in unterschiedlichen Ausprägungen einen Platz im Leben unterschiedlicher Menschen hat. Und auch, warum gerade in dieser Schule oder diesem Ort ggf. etwas mehr dabon vorhanden ist als woanders. Aber wenn ich daraus ein Drama machen möchte, dann kann ich das natürlich. Problemlos, wie man sieht.

Fazit: ich würde den Kompromiss, wie oben geschildert, suchen - oder von vorneherein nicht dort hin ziehen. Wenn ich höchst empfindlich auf Fluglärm reagiere, ziehe ich nicht nach Offenbach oder Kelsterbach. Ich meide im Grunde das ganze Gebiet bzw. sämtliche Einflugschneisen, je nach Grad der Empfindlichkeit. Ans Ende der Landebahn zu ziehen und dann erst mal gegen Fluglärm und Flughafenausbau zu demonstrieren gehört nicht zu meinem Stil. Das ist für mich pures Querulantentum, und diese Haltung verachte ich. Und so sehe ich den Typen auch. Das Thema ist austauschbar.

Und der Autor passt für mich in dem Fall auch wie Faust aufs Auge.
Zuletzt geändert von Milady de Winter am Sa 10. Mär 2018, 13:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Teeernte » Sa 10. Mär 2018, 14:32

Milady de Winter hat geschrieben:(10 Mar 2018, 13:40)

Ans Ende der Landebahn zu ziehen und dann erst mal gegen Fluglärm und Flughafenausbau zu demonstrieren gehört nicht zu meinem Stil. Das ist für mich pures Querulantentum, und diese Haltung verachte ich. Und so sehe ich den Typen auch. Das Thema ist austauschbar.

Und der Autor passt für mich in dem Fall auch wie Faust aufs Auge.


Wenn er das Kind so "HART" erzogen hat >> keinerlei Toleranz zu zeigen .....

Bei Gebeten/Ritualen der Gemeinschaft schon einen EKEL/Abscheu zu empfinden - ist kein normales Kinderverhalten...


Manche Leute brauchen ihren Narzismus zur Persönlichkeitsentwicklung. Ohne Toleranz .....geht es in Bayern nicht mal zum Bäcker.....Grüß Gott...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ammianus » Sa 10. Mär 2018, 14:54

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 12:46)

Wie wärst du denn mit diesem völlig legitimen Anliegen umgegangen? Ich höre nur immer das man es so nicht macht, wie macht man es denn richtig?


Das stimmt so aber nicht. Denn ich habe schon gesagt, wie ein halbwegs normaler Mensch damit umgehen würde - und die meisten es auch tun - nämlich locker, tolerant und humorvoll. Mein Großvater war Atheist und Kommunist. Der hat mir eine Kirche von Innen gezeigt als ich sie sehen wollte und ist auch mit mir in einen Gottesdienst gegangen. Der Kleine war halt neugierig. Dann fand er (also ich, der Kleine - damit es kein Mißverständnis gibt [nachträgliche Ergänzung]) es langweilig und Opa und Enkel gingen wieder.

Nebenbei: Das mit den Kuhglocken hat mich fast umgehauen. Besonders, dass solche Vollpfosten auch noch Recht bekommen. Denen sollte man ein Jahr lang eine Kuhglocke um den Hals binden - und wehe ihnen, die bimmelt nicht ...
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ammianus » Sa 10. Mär 2018, 15:02

Milady de Winter hat geschrieben:(10 Mar 2018, 13:40)

...

Und der Autor passt für mich in dem Fall auch wie Faust aufs Auge.


Das merkte ich schon ganz am Anfang an, nachdem ich den Artikel gelesen habe. Weder die Plattform noch ihr Autor sind unvoreingenommen. Ich musste sogar einen Moment überlegen, was er mit einer "ausgemergelten Leiche" meinte beim Empfang. Ich schätze, irre ich soll man mich berichtigen, er meinte das "Grüß Gott".
Also nicht nur Stier, sondern auch der Autor haben eine Ei auf dem Kopf.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Billie Holiday » Sa 10. Mär 2018, 15:07

Ammianus hat geschrieben:(10 Mar 2018, 14:54)

Das stimmt so aber nicht. Denn ich habe schon gesagt, wie ein halbwegs normaler Mensch damit umgehen würde - und die meisten es auch tun - nämlich locker, tolerant und humorvoll. Mein Großvater war Atheist und Kommunist. Der hat mir eine Kirche von Innen gezeigt als ich sie sehen wollte und ist auch mit mir in einen Gottesdienst gegangen. Der Kleine war halt neugierig. Dann fand er (also ich, der Kleine - damit es kein Mißverständnis gibt [nachträgliche Ergänzung]) es langweilig und Opa und Enkel gingen wieder.

Nebenbei: Das mit den Kuhglocken hat mich fast umgehauen. Besonders, dass solche Vollpfosten auch noch Recht bekommen. Denen sollte man ein Jahr lang eine Kuhglocke um den Hals binden - und wehe ihnen, die bimmelt nicht ...


Atheist zu sein, aber z.B. Mitternachtsmessen oder Kirchenchöre und Orgelkonzerte zu schätzen, schließen einander nicht aus. Ebenso sehr gern Kirchen , Kathedralen, Synagogen oder Moscheen zu besichtigen. Ich wertschätze die von Menschenhand gemachte sakrale Kunst, ohne den Glauben an einen Gott zu benötigen. Und ich kann auch gläubige Menschen respektieren, ohne ihnen meinen Unglauben mitzuteilen. Bin auch noch nie missioniert worden, auch wenn ich schon interessante Diskussionen hatte, ein guter Freund ist streng gläubig.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ammianus » Sa 10. Mär 2018, 15:13

Laudato Si

geht doch:

"Laudato Si, o mio signor,
Laudato Si, o mio signor.

Sei gepriesen für Urlaub und Safari!
Sei gepriesen für Wodka und Barcardi!
Sei gepriesen für Opel und Ferrari!
Sei gepriesen denn du bist wunderbar! Yeah!"
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Sa 10. Mär 2018, 15:13

Ammianus hat geschrieben:(10 Mar 2018, 15:02)

Das merkte ich schon ganz am Anfang an, nachdem ich den Artikel gelesen habe. Weder die Plattform noch ihr Autor sind unvoreingenommen. Ich musste sogar einen Moment überlegen, was er mit einer "ausgemergelten Leiche" meinte beim Empfang. Ich schätze, irre ich soll man mich berichtigen, er meinte das "Grüß Gott".
Also nicht nur Stier, sondern auch der Autor haben eine Ei auf dem Kopf.

Er meinte mit der ausgemergelten Leiche Jesus am Kreuz, da er sich kurz zuvor auf das große Kruzifix bezieht (an das Jesus genagelt hing). Mit anderen Worten, bei der Familie wurde er nicht mit so einem großen Kreuz samt Jesus empfangen. Surprise, surprise...

Bei dem Typen kriegt das Wort "subjektiv" eine ganz neue Dimension in meinen Augen.
Zuletzt geändert von Milady de Winter am Sa 10. Mär 2018, 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ammianus » Sa 10. Mär 2018, 15:15

Billie Holiday hat geschrieben:(10 Mar 2018, 15:07)

Atheist zu sein, aber z.B. Mitternachtsmessen oder Kirchenchöre und Orgelkonzerte zu schätzen, schließen einander nicht aus. Ebenso sehr gern Kirchen , Kathedralen, Synagogen oder Moscheen zu besichtigen. Ich wertschätze die von Menschenhand gemachte sakrale Kunst, ohne den Glauben an einen Gott zu benötigen. Und ich kann auch gläubige Menschen respektieren, ohne ihnen meinen Unglauben mitzuteilen. Bin auch noch nie missioniert worden, auch wenn ich schon interessante Diskussionen hatte, ein guter Freund ist streng gläubig.


Weit über die Hälfte der Menschen in diesem Land sind nun mal Christen. Und wie es scheint sind die Zustände, die mir nach der Wende Leute die in der westdeutschen Provinz aufwuchsen erzählten, wohl auch längst Geschichte. Mehr als gut so. Und nun muss man doch nicht von der anderen Seite aus im Dreieck springen.

(Nachbearbeitet weil Wort vergessen, Ammianus)
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Billie Holiday » Sa 10. Mär 2018, 15:22

Ammianus hat geschrieben:(10 Mar 2018, 15:15)

Weit über die Hälfte der Menschen in diesem Land sind nun mal Christen. Und wie es scheint sind die Zustände, die mir nach der Wende Leute die in der westdeutschen Provinz aufwuchsen erzählten, wohl auch längst Geschichte. Mehr als gut so. Und nun muss man doch nicht von der anderen Seite aus im Dreieck springen.

(Nachbearbeitet weil Wort vergessen, Ammianus)


Ich betrachte besagten Vater nicht als „normalen“ Atheisten. Diese große Aufregung ist eigenartig, völlig untypisch für einen Atheisten. In meinem norddeutschen Umfeld ist man kirchlichem Gedöns eher gelassen-gleichgültig und tolerant eingestellt. Möchte nicht wissen, wieviele Atheisten sich in Lübecks Marienkirche tummeln, wenn die Knabenkantorei singt und Gänsehaut verursacht.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Sa 10. Mär 2018, 15:28

Billie Holiday hat geschrieben:(10 Mar 2018, 15:22)

Ich betrachte besagten Vater nicht als „normalen“ Atheisten. Diese große Aufregung ist eigenartig, völlig untypisch für einen Atheisten. In meinem norddeutschen Umfeld ist man kirchlichem Gedöns eher gelassen-gleichgültig und tolerant eingestellt. Möchte nicht wissen, wieviele Atheisten sich in Lübecks Marienkirche tummeln, wenn die Knabenkantorei singt und Gänsehaut verursacht.

Wie ich oben schrieb: der Typ ist in meinen Augen ein Berufsquerulant mit extremistischen Tendenzen. Das Thema ist völlig austauschbar.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Billie Holiday » Sa 10. Mär 2018, 15:57

Milady de Winter hat geschrieben:(10 Mar 2018, 15:28)

Wie ich oben schrieb: der Typ ist in meinen Augen ein Berufsquerulant mit extremistischen Tendenzen. Das Thema ist völlig austauschbar.


Jupp, das siehst Du wohl sehr realistisch. :)
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Skeptiker » Sa 10. Mär 2018, 16:47

Billie Holiday hat geschrieben:(10 Mar 2018, 11:35)
Ein echter Atheist wird nicht beeinflußt. Er glaubt nicht an einen Gott, egal, was um ihn herum geschieht.
Kein Pfarrer, Priester, Imam oder Rabbi kann ihn dermaßen belatschern, dass er plötzlich doch an einen Gott glaubt.
Er glaubt nicht. Punkt.

Es ging ja um die Kinder dieses Mannes, nicht um ihn selbst. Wenn er halt der Meinung ist, Religion von seinem Kind vollständig fernhalten zu wollen, dann kann ich das als Wunsch verstehen. Wie realistisch das in der praktischen Umsetzung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ich denke in einer ländlichen Region - in der auch ich lebe - kann man dem "alten Volksglauben" nicht aus dem Weg gehen. Wenn es einem also wichtig ist, dem Kind den spirituellen Weg vorzugeben, dann muss man das halt durch die Erziehung leisten. Ein "hygienisch reines" religionsfreies Umfeld, wird man kaum schaffen können - jedenfalls nicht in der Form, dass das Kind keinem Pfarrer über den Weg laufen darf. Wohl aber darf man erwarten, dass die Menschen im Umfeld sich bemühen das Kind von religiösen Aktivitäten fernzuhalten. Mit den geschilderten Situationen wird man trotzdem immer rechnen müssen. Da darf man aber auch etwas cooler mit umgehen wie der Vater in diesem Fall.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Alexyessin » Sa 10. Mär 2018, 20:23

Skeptiker hat geschrieben:(10 Mar 2018, 16:47)

Es ging ja um die Kinder dieses Mannes, nicht um ihn selbst. Wenn er halt der Meinung ist, Religion von seinem Kind vollständig fernhalten zu wollen, dann kann ich das als Wunsch verstehen. Wie realistisch das in der praktischen Umsetzung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ich denke in einer ländlichen Region - in der auch ich lebe - kann man dem "alten Volksglauben" nicht aus dem Weg gehen. Wenn es einem also wichtig ist, dem Kind den spirituellen Weg vorzugeben, dann muss man das halt durch die Erziehung leisten. Ein "hygienisch reines" religionsfreies Umfeld, wird man kaum schaffen können - jedenfalls nicht in der Form, dass das Kind keinem Pfarrer über den Weg laufen darf. Wohl aber darf man erwarten, dass die Menschen im Umfeld sich bemühen das Kind von religiösen Aktivitäten fernzuhalten. Mit den geschilderten Situationen wird man trotzdem immer rechnen müssen. Da darf man aber auch etwas cooler mit umgehen wie der Vater in diesem Fall.


Wobei natürlich hier das Problem des sozialen Druck im Dorf ist. Wo es in der Großstadt nicht auffällt ist ein Kind, das jetzt hier bei uns am Land nicht zur Kommunion geht in einer gewissen Weise vom sozialen Leben der Gleichaltrigen ausgeschlossen. Ich persönlich wüsste nicht, ob ich das soziale Wohl des Kindes nicht höher bewerten würde als der religiöse Wohl. Ich bin Atheist, aber ich würde das nicht wollen.
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