Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

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Ein Terraner
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Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 19:42

Auf Grund der Diskussion in dem anderen Thread "Kreationismus in deutschen Schulen? " denke ich es wäre nicht schlecht einen eignen Thread über die religiöse Neutralität an Staatlichen zu verfassen.

Der Auslöser der Diskussion war folgender Artikel wo ein Atheist dessen Kind auf eine katholisch geprägte staatliche Schule gehen muss darum kämpft das die Tochter von Religion verschont bleibt.

https://hpd.de/artikel/unliebsamer-athe ... esen-15341


Dazu kam auch gerade ein Artikel über das Neutralitätsgesetz in Berlin.
https://hpd.de/artikel/paedagogen-haben ... tion-15360
http://www.fr.de/politik/meinung/kolumn ... -a-1255502

Hier dazu ein etwas älterer Artikel zu der Situation und der Kontroverse bei dem Thema.
http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/ ... ie-debatte

Auch sehr schön dazu das siech hier die Katholische Kirche aufregt das ihnen ohne Schulischen Einfluss auf Kinder die entsprechend gut Programmierten Mitglieder ausgehen werden. Ich musste schmunzeln.
http://www.katholisch.de/aktuelles/stan ... e-abdanken

Wie sehr ihr das, ich bin für eine komplett Religionsfreie Schule, Schule ist da um Wissen zu vermittel und nicht um sich Mitglieder zu bauen. Das können sie gerne in Privaten Einrichtungen, aber eine staatliche oder staatlich bezuschusste Einrichtung hat meiner Meinung nach vollkommen Neutralität gegenüber allen Parteien zu halten. Vor allem wenn man sich die Schule nicht aussuchen kann und diese gezwungenermaßen besuchen muss.
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Milady de Winter
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 20:05

Ich persönlich halte Religionsunterricht an staatlichen Schulen schlicht für überflüssig. Allerdings macht mir der Typ in dem Bericht ein zu großes Fass auf. Erinnert mich ein wenig an die Fraktion, die in die Einflugschneise des FRA zieht und als erste Amtshandlung dann gleich mal gegen den Fluglärm klagt.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 20:28

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:05)

Ich persönlich halte Religionsunterricht an staatlichen Schulen schlicht für überflüssig. Allerdings macht mir der Typ in dem Bericht ein zu großes Fass auf. Erinnert mich ein wenig an die Fraktion, die in die Einflugschneise des FRA zieht und als erste Amtshandlung dann gleich mal gegen den Fluglärm klagt.


Es geht nicht nur um Religionsunterricht, gegen Konfessionsfreien, Aufklärenden Religionsunterricht hätte ich nichts. Es geht um die komplette Prägung der Schule, Symbole, Schulgottesdienste, gemeinsame Gebete, Auftritte von Kirchenvertretern usw....

Vor einigen Jahren gab es auch mal einen Fall in nähe München, da wollte ein Rektor die staatliche Schule mehr oder weniger in ein Kloster verwandeln.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 34993.html

Kurz gesagt es geht um die Duldung von Schule als Werkzeug für Religion und Kirche.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 20:37

Wie gesagt, ich könnte auf jegliche Form von religiösem Einfluss an staatlichen Schulen verzichten. Allerdings geht meine "Ablehnung" von Religion nicht soweit, dass ich mich von einem Schulgottesdienst oder dem Kreuz im Klassenzimmer aufgepeitscht fühle, solange es jedem Kind freigestellt wird, an dem Gottesdienst oder dem Religionsunterricht teilzunehmen und es auch sonst nicht exzessiv mit Religion jeglicher Natur konfrontiert wird. Ich hatte früher auch muslimische und konfessionslose Kinder in der Klasse, die hatten halt Ethik statt Reli. Und an dem stillen Kreuz über der Tür haben sich früher weder die Kinder noch deren Eltern gestört. Man hat es z.T. nicht mal wahrgenommen, bis vor einigen Jahren diese Diskussion darum entbrannt ist.

Aber wenn ich schon so absolut allergisch gegen jegliche Form von religiösen Einflüssen bin, dann sollte ich mir die Schule für meine Kinder schon sehr genau ansehen bzw. aussuchen.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 20:40

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:37)

dann sollte ich mir die Schule für meine Kinder schon sehr genau ansehen bzw. aussuchen.


Das geht nicht, das hängt am Einzugsgebiet.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 20:48

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:40)

Das geht nicht, das hängt am Einzugsgebiet.

Was auch immer möglich ist, sollte ich ausschöpfen. Im Zweifelsfall muss ich umziehen. Erscheint mir logischer, als die Schule verändern zu wollen (oder die Stilllegung der Landebahn Nordwest zu verlangen, um zu meinem anderen Beispiel zurückzukehren). Woanders tragen 30% der Mädchen an der Schule Kopftuch - das ist für Religionsgegner "Islam in your face". Nimmt man sein Kind von der Schule, versucht man, ein Kopftuchverbot zu erwirken, oder springt man einfach ein Stück über seinen Schatten? Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 20:52

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:48)

Was auch immer möglich ist, sollte ich ausschöpfen. Im Zweifelsfall muss ich umziehen. Erscheint mir logischer, als die Schule verändern zu wollen (oder die Stilllegung der Landebahn Nordwest zu verlangen, um zu meinem anderen Beispiel zurückzukehren). Woanders tragen 30% der Mädchen an der Schule Kopftuch - das ist für Religionsgegner "Islam in your face". Nimmt man sein Kind von der Schule, versucht man, ein Kopftuchverbot zu erwirken, oder springt man einfach ein Stück über seinen Schatten? Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen.

Die Frage ist doch mehr was ist gewünscht? Geht der Trend zur Staatsreligion und dürfen staatliche Institutionen Bürger entsprechend gängeln ? Die Aussage "wem es nicht passt, der kann doch weg ziehen" ist da nicht wirklich zielführend.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 21:07

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:52)

Die Frage ist doch mehr was ist gewünscht? Geht der Trend zur Staatsreligion und dürfen staatliche Institutionen Bürger entsprechend gängeln ? Die Aussage "wem es nicht passt, der kann doch weg ziehen" ist da nicht wirklich zielführend.

Ich bin absoluter Gegner von Einmischung oder Gängelung von religiösen Institutionen in das öffentliche und auch private Leben derer, die das nicht ausdrücklich wünschen. Dahingehend sind wir uns, glaube ich, einig. Nur gibt es für mich eben den Kompromiss, da viele Schulen noch mehr oder weniger ursprünglich christlich geprägt oder angehaucht sind. Meines Erachtens klappt das sehr gut, wenn man die freie Wahl des Unterrichts oder der Teilnahme an Gottesdiensten hat, wo diese aktuell noch stattfinden. Wir bewegen uns ja immerhin in die richtige Richtung, anders als andere Länder.

Ich kreide niemandem an, dass er nicht bereit oder in der Lage ist, so einen Kompromiss in seinem Sinne zu nutzen oder einzugehen, aber an dem Punkt (Beispiel der Mann in Deinem ersten verlinkten Bericht) sage ich dann: tough shit. Ohne Kompromisse gäbe es in meinen Augen an allen Ecken und Enden nur noch Probleme.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 21:22

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 21:07)

Ich bin absoluter Gegner von Einmischung oder Gängelung von religiösen Institutionen in das öffentliche und auch private Leben derer, die das nicht ausdrücklich wünschen. Dahingehend sind wir uns, glaube ich, einig. Nur gibt es für mich eben den Kompromiss, da viele Schulen noch mehr oder weniger ursprünglich christlich geprägt oder angehaucht sind. Meines Erachtens klappt das sehr gut, wenn man die freie Wahl des Unterrichts oder der Teilnahme an Gottesdiensten hat, wo diese aktuell noch stattfinden. Wir bewegen uns ja immerhin in die richtige Richtung, anders als andere Länder.

Ich kreide niemandem an, dass er nicht bereit oder in der Lage ist, so einen Kompromiss in seinem Sinne zu nutzen oder einzugehen, aber an dem Punkt (Beispiel der Mann in Deinem ersten verlinkten Bericht) sage ich dann: tough shit. Ohne Kompromisse gäbe es in meinen Augen an allen Ecken und Enden nur noch Probleme.


Ich denke auch das es in dem Fall Hambach nicht so eskaliert wäre wenn sie die Schule an die Abmachungen gehalten hätte und die Einmischung des Pfarrers hat dann alles komplett eskaliert. Mich würde nur interessieren was die Schule machen würde wenn jetzt plötzlich Schüler mit anderen Konfessionen bei ihnen eingeschult werden. Muss dann das kleine hinduistische Kind auch für den Pfarrer Lieder singen und den Gottesdienst mitmachen, oder ändern sich dann die Prioritäten weil es ja eine andere Konfession ist und keine Konfessionsfreie Person ?
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 21:43

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Mar 2018, 21:22)

Ich denke auch das es in dem Fall Hambach nicht so eskaliert wäre wenn sie die Schule an die Abmachungen gehalten hätte und die Einmischung des Pfarrers hat dann alles komplett eskaliert. Mich würde nur interessieren was die Schule machen würde wenn jetzt plötzlich Schüler mit anderen Konfessionen bei ihnen eingeschult werden. Muss dann das kleine hinduistische Kind auch für den Pfarrer Lieder singen und den Gottesdienst mitmachen, oder ändern sich dann die Prioritäten weil es ja eine andere Konfession ist und keine Konfessionsfreie Person ?

Dazu mal was Interessantes aus meiner Gegend, auch wenn es sich nicht um eine staatliche Schule handelt:

Mit Kopftuch unterm Kruzifix
Die katholische Marienschule öffnet sich für muslimische und jüdische Mädchen.

Die Marienschule gebe durch die Öffnung für Musliminnen und Jüdinnen ihr christliches Profil nicht auf. Pollak erwartet durch den Dialog der Religionen und wertschätzendes Miteinander vielmehr eine Schärfung der religiösen Identität, wenn der Glauben anderer kennengelernt und geachtet wird. „Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen, aber Schule ist ein Ort des Lernens..“

Wenn es dann in der fünfzügigen Schule ab der fünften Klasse bis zu fünf Mädchen anderen Glaubens in jeder Klasse sind, werden diese auch eigene Gebetsräume haben. Das Kruzifix in den Klassenräumen bleibt allerdings hängen, andere religiöse Symbole kommen nicht hinzu. Das Morgengebet bleibt erhalten, die nichtchristlichen Schülerinnen stehen aus Respekt mit auf, müssen aber nicht mitbeten. Zusätzliche Kalender sind bereits gekauft, um künftig auch muslimische und jüdischen Feiertage zu begehen. Der Schulcaterer wird künftig auch Essen „koscher-style“ und ohne Schweinefleisch anbieten. Die Schülerinnen dürfen ein Kopftuch tragen, das Gesicht muss aber frei bleiben, Tschador, Burka oder Niqab sind tabu. „“Wichtig ist, den anderen sehen zu können.“

Die Schulgemeinde habe die Aufnahme zwei Jahre vorbereitet und diskutiert und auch Kontakt zu den muslimischen Gemeinde gesucht. Das Kollegium habe schließlich in geheimer Abstimmung mit großer Mehrheit für die Aufnahme von Andersgläubigen votiert, sagt die Schulleiterin. Kommende Woche will Kardinal Karl Lehmann während einer Podiumsdiskussion den Eltern das neue Konzept vorstellen.

Sie selbst sei über die Anfrage von muslimischen Müttern auf die Idee gekommen, die Schule zu öffnen. „Sie kamen nach einem Elternabend in einer Grundschule, wo ich unsere Schule vorgestellt habe, zu mir und sagten, dass es ihnen gefällt, wie an unserer Schule Religion praktiziert wird.“


http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemein ... x-a-427734
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Fr 9. Mär 2018, 21:58

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 21:43)

Dazu mal was Interessantes aus meiner Gegend, auch wenn es sich nicht um eine staatliche Schule handelt:


Ging es gut das sie es jedem Recht machen wollen ?
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 9. Mär 2018, 22:17

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Mar 2018, 21:58)

Ging es gut das sie es jedem Recht machen wollen ?

Weiß ich nicht. Ich seh die Aktion eher mit gemischten Gefühlen, denn zu viel Religion wird für mich persönlich nicht "besser", nur weil man andere Religionen mit einbezieht. Für mich ist zu viel religiöser Einfluss negativ behaftet. Ich sehe darin keinen Fortschritt. Mir ging es mehr darum, wie so eine Koexistenz aussehen kann, wenn auch in keiner staatlichen Einrichtung. Weil Du fragtest, wie sowas wohl ablaufen würde/könnte.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Skeptiker » Sa 10. Mär 2018, 00:47

Als Atheist sehe ich das Anliegen dieses Mannes, dass sein Kind nicht Religion in Berührung kommen soll, mit großem Verständnis. Auch ich bin leidenschaftlich für eine vollkommene Säkularisierung staatlicher Einrichtungen.

Bekanntermaßen sind wir da aber noch lange nicht. Daher sehe ich diesen Fall vergleichbar zu Bemühungen von Menschen für die Gleichberechtigung Homosexueller - im Jahr 1950. Da wäre man auch der Zeit voraus gewesen, und die Empfindsamkeit wäre niemandem vermittelbar gewesen. Man wird zum Freak stilisiert, weil das eigene Gerechtigkeitsempfinden von der breiten Masse der Gesellschaft nicht geteilt wird.

Religiöse Gemeinschaften werden ihre Privilegien natürlich verteidigen. Dieser Fall führt aber einen Schritt weiter in eine vollkommen säkulare Gesellschaft. Stärker heterogene Gesellschaften, und dahin entwickelt sich Deutschland, werden irgendwann die Dominanz einer bestimmten Religion in der Gesellschaft nicht mehr begründen können. Man wird also entscheiden müssen jeder Religionsgemeinschaft die gleichen Rechte zuzubilligen, oder aber strikt zu trennen.

Hoffen wir mal man wird schlau genug sein strikt zu trennen. Das wäre ein riesen Gewinn für die Gesellschaft.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon nasziv » Sa 10. Mär 2018, 06:13

Religionen ignorieren wird nicht funktionieren. Daher muss man ihnen Raum geben, sich mit der Differenzierung zwischen beispielsweise Islam und Islamismus auseinander setzen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten erläutern, ihre Ursprünge und Ziele erklären. Wir leben in einer Zeit, in welcher Bilder abgehängt werden sollen, Texte verboten oder umgeschrieben werden. Der Versuch, Religion und Glaube auszugrenzen, wird die Spaltung von Gesellschaftsteilen nur verschärfen, ohne dass ein Gewinn für die Gesellschaft entsteht.

Soviel Toleranz muss sein.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Skeptiker » Sa 10. Mär 2018, 09:16

nasziv hat geschrieben:(10 Mar 2018, 06:13)
Religionen ignorieren wird nicht funktionieren. Daher muss man ihnen Raum geben, sich mit der Differenzierung zwischen beispielsweise Islam und Islamismus auseinander setzen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten erläutern, ihre Ursprünge und Ziele erklären. Wir leben in einer Zeit, in welcher Bilder abgehängt werden sollen, Texte verboten oder umgeschrieben werden. Der Versuch, Religion und Glaube auszugrenzen, wird die Spaltung von Gesellschaftsteilen nur verschärfen, ohne dass ein Gewinn für die Gesellschaft entsteht.

Soviel Toleranz muss sein.

Es geht hier nicht darum irgendwen "auszugrenzen". Niemand spricht davon dass irgendetwas verboten werden soll.

Neutralität bedeutet, dass staatliche Einrichtungen nicht bestimmte religiöse Gruppen hervorheben. Dann ist es nur konsequent alle Form von Religiösität aus dem Unterricht zu entfernen, oder ihr mit z.B. Ethikunterricht ein neutrales Angebot gegenüberzustellen.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 10. Mär 2018, 10:08

Milady de Winter hat geschrieben:(09 Mar 2018, 20:05)

Allerdings macht mir der Typ in dem Bericht ein zu großes Fass auf.

Völlig übertrieben, was der Honk da veranstaltet, aber so ist das wohl in der überindividualisierten Gesellschaft, wo sich jeder für den Mittelpunkt des Universums hält.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Dark Angel » Sa 10. Mär 2018, 10:38

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Mar 2018, 19:42)

Auf Grund der Diskussion in dem anderen Thread "Kreationismus in deutschen Schulen? " denke ich es wäre nicht schlecht einen eignen Thread über die religiöse Neutralität an Staatlichen zu verfassen.

Der Auslöser der Diskussion war folgender Artikel wo ein Atheist dessen Kind auf eine katholisch geprägte staatliche Schule gehen muss darum kämpft das die Tochter von Religion verschont bleibt.

https://hpd.de/artikel/unliebsamer-athe ... esen-15341


Dazu kam auch gerade ein Artikel über das Neutralitätsgesetz in Berlin.
https://hpd.de/artikel/paedagogen-haben ... tion-15360
http://www.fr.de/politik/meinung/kolumn ... -a-1255502

Hier dazu ein etwas älterer Artikel zu der Situation und der Kontroverse bei dem Thema.
http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/ ... ie-debatte

Auch sehr schön dazu das siech hier die Katholische Kirche aufregt das ihnen ohne Schulischen Einfluss auf Kinder die entsprechend gut Programmierten Mitglieder ausgehen werden. Ich musste schmunzeln.
http://www.katholisch.de/aktuelles/stan ... e-abdanken

Wie sehr ihr das, ich bin für eine komplett Religionsfreie Schule, Schule ist da um Wissen zu vermittel und nicht um sich Mitglieder zu bauen. Das können sie gerne in Privaten Einrichtungen, aber eine staatliche oder staatlich bezuschusste Einrichtung hat meiner Meinung nach vollkommen Neutralität gegenüber allen Parteien zu halten. Vor allem wenn man sich die Schule nicht aussuchen kann und diese gezwungenermaßen besuchen muss.

Ganz davon abgesehen, dass der Mann m.M.n. nach vollkommen überzogen reagiert, bin ich der Meinung, dass in einem säkulären Staat - als den sich Deutschland versteht - religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen nichts zu suchen haben.
Hier gilt das Neitralitätsgebot und das bedeutet sowohl die Garantie der positiven wie der negativen Religionsfreiheit.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Dark Angel » Sa 10. Mär 2018, 11:16

Roady66 hat geschrieben:(10 Mar 2018, 10:58)

Deutschland versteht sich nicht säkular. Deutschland ist religionsneutral. Wir haben Trennung zwischen Staat und Kirche/Religion. Das ist eine gute Aufstellung. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Das religiöse Symbol ist zu erst beim Privaten zu belassen. Da gehört es hin. Ein religiösen Symbol ist auch ein kulturelles. Inwieweit Kultur im öffentlichen Raum Platz finden soll, wird im Diskurs gefunden.

Deshalb sprach ich von staatlichen Einrichtungen - wegen des staatlichen Neutralitätsgebotes.
Zum öffentlichen Raum gehören auch Kirchen, dazu gehören die christlichen Symbole an Straßen- und Wegkreuzungen. Niemand kann und darf verlangen, dass Kreuze von Kirchen entfernt werden oder die vielerorts vorhanden christlichen Symbole. Das ist historisch gewachsen und niemand würde die Gründe nachvollziehen können, die zur Entfernung führen.
Und zu Recht nicht nachvollziehen können.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Ein Terraner » Sa 10. Mär 2018, 11:25

Dark Angel hat geschrieben:(10 Mar 2018, 10:38)

Ganz davon abgesehen, dass der Mann m.M.n. nach vollkommen überzogen reagiert, bin ich der Meinung, dass in einem säkulären Staat - als den sich Deutschland versteht - religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen nichts zu suchen haben.
Hier gilt das Neitralitätsgebot und das bedeutet sowohl die Garantie der positiven wie der negativen Religionsfreiheit.

Wie hätte er reagieren sollen? Da prallen zwei Welten aufeinander, die einen meinen das Religion etwas erstrebenswertes ist und die andere Seite will damit auf Teufel komm raus nichts zu tun haben. Ich kann das nachvollziehen, vor Religion und Werbung muss man sich eben so gut wie möglich schützen wenn man dadurch nicht beeinflusst werden will.
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Re: Religiöse Neutralität an staatlichen Schulen

Beitragvon Billie Holiday » Sa 10. Mär 2018, 11:35

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Mar 2018, 11:25)

Wie hätte er reagieren sollen? Da prallen zwei Welten aufeinander, die einen meinen das Religion etwas erstrebenswertes ist und die andere Seite will damit auf Teufel komm raus nichts zu tun haben. Ich kann das nachvollziehen, vor Religion und Werbung muss man sich eben so gut wie möglich schützen wenn man dadurch nicht beeinflusst werden will.


Ein echter Atheist wird nicht beeinflußt. Er glaubt nicht an einen Gott, egal, was um ihn herum geschieht.
Kein Pfarrer, Priester, Imam oder Rabbi kann ihn dermaßen belatschern, dass er plötzlich doch an einen Gott glaubt.
Er glaubt nicht. Punkt.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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