Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

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Sorgenking
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon Sorgenking » Di 6. Mär 2018, 12:40

Fuerst_48 hat geschrieben:(05 Mar 2018, 21:58)

Wenig Tiefgang, wenig Substanz ... dem Niveau der Abiturienten/Maturanten entsprechend.
Ausnahmen bestätigen die Regel !


Gehen die anderen Studiengängen dann auch länger?
Denn irgendwo muss ja der zusätzliche Tiefgang hin, als in die meistens 5 Jahre, die Bachelor+Master dauern.
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H2O
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon H2O » Di 6. Mär 2018, 12:45

frems hat geschrieben:(06 Mar 2018, 11:46)

Naja, dann kommen Frau und Kind halt ein paar Monate später nach. Oder das Kind bleibt bei Verwandten oder es gibt die Internatslösung. Ein Wechsel im laufenden Schuljahr ist selbst innerhalb eines Bundeslandes mit erheblichen Hürden verbunden. Sinnvoll ist da vor allem eine Entbürokratisierung. Und dafür ist der Bund nun wirklich nicht bekannt. Und ja, das Thema Bildungskatastrophe aus den 60ern und 70ern ist ja bekannt... zudem restlos überforderte Lehrer mit schlechter Ausbildung in überfüllten Klassenräumen. Was wäre denn nun das große Problem, wenn ein Schüler von Schleswig-Holsten nach Baden-Württemberg oder von Sachsen ins Saarland wechselt? Die jeweiligen Themen in den Naturwissenschaften unterscheiden sich doch kaum bis gar nicht, weil man sich auf die Inhalte längst bundesweit verständigt hat. Klar, vielleicht benutzt man dort andere Schulbücher, aber über solche Sorgen will ich nun wirklich nicht diskutieren, wenn es darum geht, den Ländern eine ihrer wichtigsten Kompetenzen zu rauben. Denn was erstmal weg ist, kommt auch nicht so schnell zurück.


Mich befremdet es schon, daß eine Verwaltung (was sonst ist denn der Staat) mir und meinen Lieben Anpassungsfähigkeit aufnötigt, weil er selbst keine guten Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen will? Aus welchen... Entschuldigung!... hirnverbrannten Gründen denn? Schulbücher sind durchaus ein Thema, denn sie kosten in vielen Bundesländern Geld. Und wenn die Inhalte angeblich gleich sind, dann sehe ich schon gar keine Veranlassung für unterschiedliche Auflagen. Offenbar eine unlösbare Aufgabe.
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon frems » Di 6. Mär 2018, 12:59

H2O hat geschrieben:(06 Mar 2018, 12:45)

Mich befremdet es schon, daß eine Verwaltung (was sonst ist denn der Staat) mir und meinen Lieben Anpassungsfähigkeit aufnötigt, weil er selbst keine guten Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen will? Aus welchen... Entschuldigung!... hirnverbrannten Gründen denn? Schulbücher sind durchaus ein Thema, denn sie kosten in vielen Bundesländern Geld. Und wenn die Inhalte angeblich gleich sind, dann sehe ich schon gar keine Veranlassung für unterschiedliche Auflagen. Offenbar eine unlösbare Aufgabe.

Ich weiß noch immer nicht, welche großen Anpassungsfähigkeiten gefordert sind, wenn man von denen absieht, die ein Kind auch innerhalb eines Bundeslandes hat. Ich bin selbst nach der 10. Klasse einer Gesamtschule auf ein Wirtschaftsgymnasium gekommen. Neue Lehrer, neue Klassenkameraden, neue Strukturen, neue Fächer, neue Bücher... ja, so ist das halt. :?

Tragisch überhaupt, dass in Zeiten von Tablets überhaupt noch über Schulbücher diskutiert wird. Das Problem unterschiedlicher Auflagen hatten wir früher selbst innerhalb einer Schule... CDU-Regierung halt. :|
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon H2O » Di 6. Mär 2018, 13:16

frems hat geschrieben:(06 Mar 2018, 12:59)

Ich weiß noch immer nicht, welche großen Anpassungsfähigkeiten gefordert sind, wenn man von denen absieht, die ein Kind auch innerhalb eines Bundeslandes hat. Ich bin selbst nach der 10. Klasse einer Gesamtschule auf ein Wirtschaftsgymnasium gekommen. Neue Lehrer, neue Klassenkameraden, neue Strukturen, neue Fächer, neue Bücher... ja, so ist das halt. :?

Tragisch überhaupt, dass in Zeiten von Tablets überhaupt noch über Schulbücher diskutiert wird. Das Problem unterschiedlicher Auflagen hatten wir früher selbst innerhalb einer Schule... CDU-Regierung halt. :|


Ja, so ist das halt. Fürsorglich zum Wohl der Schutzbefohlenen. Da ist wohl sehr viel Luft hin zum Besseren, vermute ich.

Die Sache mit dem Tablett finde ich ausbaufähig. Vielleicht sinkt dann auch das wirtschaftliche Interesse zur Herstellung unterschiedlicher Schulbücher hoffentlich gleichen Inhalts.
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon Brainiac » Di 6. Mär 2018, 17:44

frems hat geschrieben:(06 Mar 2018, 09:21)

Aber wer sagt uns denn, dass der Bund dies erkennt und die meisten/alle Länder nicht? [...]

Das sagt uns keiner, ist aber m.E. auch nicht das Kernproblem. Das Kernproblem scheint mir eher, dass bei diesem Thema, nennen wir es mal Digitalisierung der Schulbildung (was sowohl Inhalte als auch Methoden meint), eine gewaltige Kraftanstrengung erforderlich ist, die über die Möglichkeiten der meisten Bundesländer hinausgehen dürfte. Es gibt ja noch diverse Bundesländer, wo Informatik als Fach gar nicht existiert, und in anderen hat es einen gegenüber Pflichtfächern geringeren Stellenwert, die digitale Kompetenz der Lehrer lässt vielfach zu wünschen übrig, und die schulische Ausstattung mit modernen Lernmitteln nicht minder.

Eine gewisse Partei und ihr Chef sehen es jedenfalls auch so, dass der Bund hier gefordert ist.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will keine Debatte über die Schwächen des Bildungsföderalismus und eine mögliche Einbindung des Bundes in die Schulpolitik. FDP-Chef Christian Lindner kritisierte Wankas Blockadehaltung und forderte, das Kooperationsverbot zu kippen. "Der Bildungsföderalismus passt nicht mehr ins Jahr 2016. Er ist von der Lösung selbst zum Problem geworden. Er führt zu Reibungsverlusten und Ärger im Alltag", verdeutlichte der Freidemokrat im Gespräch mit der dpa.

Wankas Behauptung, dass Wettbewerb zwischen den Bundesländern die richtige Antwort auf die großen Herausforderungen im Bildungssystem sei, wies Lindner zurück. Die Ministerin berücksichtige nicht, "dass die deutschen Länder nicht untereinander im Wettbewerb stehen, sondern mit Nordamerika und China", stellte er klar.

"Wir brauchen mehr Vergleichbarkeit, Mobilität und Finanzierung durch den Bund. Sonst wird die Modernisierung und Digitalisierung der Bildung nicht gelingen", mahnte Lindner. Als erstes sollte daher das sogenannte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in Bildungsfragen fallen, verlangte der Freidemokrat. "Statt die Kompetenzen der Länder zu verteidigen, sollte sich Frau Wanka dafür stark machen, dass die einzelne Schule von Bürokratie befreit wird", unterstrich er.
https://www.liberale.de/content/das-kooperationsverbot-muss-weg

Wir Freie Demokraten wollen in den nächsten fünf Jahren pro Schüler zusätzlich insgesamt 1.000 Euro für Technik und Modernisierung investieren. Neue Technologien und Methoden bieten Raum für Kreativität und Neugier und werden immer wichtiger für spätere Berufe. Um diese Chancen zu nutzen, brauchen Kinder Anleitung in Schulen mit entsprechender Ausstattung. Die technische Aufrüstung unserer Schulen erfordert eine finanzielle Kraftanstrengung. Deshalb streben wir Freie Demokraten einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern an, der den Ausbau der digitalen Infrastruktur regelt. Dafür sollen Anreize für die kommunalen Träger der Schulen geschaffen werden, um durch den Ausbau digitaler Infrastrukturen die Integration der digitalen Bildung voranzutreiben. Die Länder werden dafür in die Pflicht genommen, die digitale Bildung als festen Bestandteil in der Lehreraus- und Weiterbildung zu verankern und die Lehrerinnen und Lehrer fit zu machen im Umgang mit und beim Einsatz neuer digitaler Medien.
https://www.fdp.de/forderung/7-1

Wenn einige Länder wie Hamburg da mittlerweile gut unterwegs sind, sollte man die natürlich nicht bremsen. Da sollten sich geeignete Kompromisse finden lassen.


frems hat geschrieben:(06 Mar 2018, 09:21)

Einsparpotenzial sehe ich eher weniger, da man ja nicht weniger Lehrer benötigt. Weiterhin braucht man regionale Verwaltungen, die sich um lokale Angelegenheiten kümmern. Für einen Hessen sind hessische Autoren und die hessische Geschichte sicherlich interessanter und bedeutsamer als für einen Mecklenburger oder Bayern.

Die Frage ist aber eben, ob es sinnvoll ist, dass sich an 16 Standorten Leute redundant Gedanken machen, wie man Mathematik, Deutsch, Englisch oder Informatik am besten vermittelt. Und ich glaube, dass die Anzahl der Fächer, wo es keine sinnvollen regionalen Differenzierungen gibt, größer ist, als die derer, wo das so ist (wie z.B. Heimatkunde/Sachunterricht, Geographie oder Geschichte). Man könnte die Kompetenzebenenzuordnung auch entsprechend nach Fächern splitten.

frems hat geschrieben:(06 Mar 2018, 09:21)

So ist es ja, nur dass vieles halt in der KMK statt in einem Bundesausschuss vereinbart wird.

Nur dass sich hier eben alle 16 einigen und im Konsens entscheiden müssen, was oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen kann.
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Re: Schulbildung: Bundessache, Berufsbildung: Ländersache?

Beitragvon H2O » Di 6. Mär 2018, 17:57

Brainiac hat geschrieben:(06 Mar 2018, 17:44)

... ... ...

...dass die Anzahl der Fächer, wo es keine sinnvollen regionalen Differenzierungen gibt, größer ist, als die derer, wo das so ist (wie z.B. Heimatkunde/Sachunterricht, Geographie oder Geschichte). Man könnte die Kompetenzebenenzuordnung auch entsprechend nach Fächern splitten.

...


Diese Überzeugung teile ich. Vor allem ist es fast unerträglich, daß solche wirklich naheliegenden Lösungsgedanken von den betroffenen Eltern und ehemaligen Schülern bewegt werden müssen anstatt von Leuten, die sich durch Amt und Beruf mit dem Thema ganztags befassen! :mad:

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