Weststudenten meiden Osthochschulen

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frems
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Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon frems » So 31. Dez 2017, 20:52

andersrum scheint man etwas neugieriger zu sein. Oder hat andere Gründe, vom Osten in den Westen aufzubrechen, z.B. schlichtweg mehr Hochschulen?

Das ist das Ergebnis der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, für die mehr als 55.000 Hochschüler befragt wurden. Mehr als ein Drittel aller ostdeutschen Studenten ist im Westen eingeschrieben. Umgekehrt entscheiden sich gerade einmal fünf Prozent der Studierenden aus dem Westen für eine Hochschule in den neuen Ländern. [...]

Die aktuellen politischen Entwicklungen tragen nicht unbedingt dazu bei, das Image des Ostens aufzupolieren. Auch Rechtsextreme, die für Negativschlagzeilen sorgen, schreckten potenzielle Bewerber ab, glaubt Christiane Lindner, Kampagnenleiterin an der Universität Halle-Wittenberg. Professor Rehberg aus Dresden bestätigt den Eindruck seiner Kollegin. Dass sich immer weniger Schulabgänger, aber auch wissenschaftliches Personal in Sachsen bewerbe, "hängt auch mit Pegida zusammen", urteilt er. Selbst Firmen hätten mittlerweile Schwierigkeiten, internationales Personal zu finden.

http://www.spiegel.de/spiegel/unispiege ... 83370.html

Als weiterer Grund wird genannt, dass die Studenten nicht so mobil sind, sondern meist zuhause bei ihren Eltern bleiben, weil die nächste Hochschule nicht weit entfernt ist und es auch günstiger kommt.

Haltet Ihr das für plausibel? Kann man da was machen?

Oder könnte es, wie einige Leser des Spiegels vermuten, auch andere Gründe geben, z.B. dass es gar nicht so "günstig" ist im Osten zu studieren, wenn es keine guten Studentenjobs gibt, wo man Berufserfahrung, Kontakte und einen soliden Stundenlohn bekommt, auf den sehr viele Studenten angewiesen sind und es ihnen daher nichts bringt, wenn woanders das WG-Zimmer 100 Euro günstiger ist?

Oder auch, dass Rankings heute eine größere Rolle bei der Wahl der Hochschule spielen und man bei den gängigen Listen wie THE und QS die "üblichen Verdächtigen" (LMU München, FU und HU Berlin, TUs Aachen, Berlin, München, Karlsruhe, Unis Heidelberg, Göttingen, Frankfurt, Stuttgart, Bonn, Freiburg, Hamburg, Mannheim, Köln etc.) findet, aber erst sehr spät mit der TU Dresden (Platz 281 bei QS, 155 bei THE) mal eine ostdeutsche Hochschule auftaucht(, wenn man von der HU Berlin mal absieht)?

Was ganz anderes? Ich bin auf Antworten im neuen Jahr gespannt und wünsche der werten Userschaft an dieser Stelle einen guten Rutsch.
Labskaus!

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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » So 31. Dez 2017, 23:10

Da kommt doch sicher ganz viel zusammen... Der Osten ist leider abgehängt worden. Man hat in die Infrastruktur heftig investiert, aber die Anreize zur Erweiterung westlicher Unternehmen nach Osten waren wohl nicht groß genug. Auch wird die Abwanderung von Fachleuten nach Westen ihren Teil dazu beigetragen haben.

Dann fehlt natürlich das Umfeld, das einen Studienort fern von der Heimat besonders anziehend macht. Mit den westlichen Großstädten und deren Angebot kann der Osten nun einmal nicht aufwarten... oder höchstens in dem einen oder anderen Falle. Das sind dann die "Leuchttürme". Man denke an Ferienjobs oder Fachpraktika.

Aus meiner Sicht müßte ein zweiter "Aufbau abgehängter Regionen (nicht nur Ost)" durch Vergünstigungen für Unternehmen angelegt werden... etwa, wie viele Arbeitsplätze mit dem Aufbau eines Unternehmens geschaffen wurden. Das ist ein Langläufer. Die Politik muß dann aber auch sehr hartnäckig vergleichbare Förderungen in unseren ohnehin überlasteten und übernutzten Ballungsgebieten verweigern. Den Landesfürsten dieser Wohlstandsregionen gelingt es aber immerr wieder, weitere Unternehmen an sich zu binden. Diese Standorte sind an sich schon anziehend genug... Infrastruktur, Wegstrecken, Kulturelles, Bildungsstätten...

Ohne derart handfeste Maßnahmen dürfte sich das Gefälle eher noch verstärken.

Ich glaube, daß "Pegida und Wutbürger" wenig Einfluß auf die Wahl eines Studienorts haben. Die oben genannten Nachteile dürften viel schwerer wiegen.

Auch von hier aus allen Forenkollegen ein glückliches Neues Jahr 2018!
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Kael » Mo 1. Jan 2018, 03:23

Ich werde ggf nächstes Jahr meine Hochschule wechseln und in den Osten. Allerdings hat der Osten leider nichts was mich für Investitionen interessieren könnte. Letztlich ist es einfach zu teuer in Deutschland irgendwas zu produzieren und alle anderen Firmen und Co gibt es schon im Westen.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 10:33

Kael hat geschrieben:(01 Jan 2018, 03:23)

Ich werde ggf nächstes Jahr meine Hochschule wechseln und in den Osten. Allerdings hat der Osten leider nichts was mich für Investitionen interessieren könnte. Letztlich ist es einfach zu teuer in Deutschland irgendwas zu produzieren und alle anderen Firmen und Co gibt es schon im Westen.


Mit Ihrem Pessimismus werden Sie gar nichts bewegen; natürlich kann man im Osten nicht einen Fertigungsbetrieb aufziehen, der Vietnamesen und Thais mit Stapelware "wegputzt". Da muß schon etwas geistige Vorarbeit geleistet werden. Mein Vorbild ist immer wieder Süd-Korea.

Bis zu den olympischen Sommerspielen 1988 stand Süd-Korea im Ruf einer etwas rückständigen Korruptokratie auf der Höhe eines Entwicklungslandes. In einer beispiellosen Kraftanstrengung, vor allem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, Technik, Informatik und Mathematik hat das Land sich einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft erarbeitet. Fast nebenbei hat das Land dazu noch Musiker von Weltrang hervorgebracht. Der Aufstieg ist möglich, aber dahinter stehen Entbehrungen und Verzicht auf "Genuß sofort". Inzwischen holen die Menschen dort das verdientermaßen nach.

Man muß wollen und einen Plan verfolgen, von Staats wegen und auch persönlich! Das koreanische Beispiel zeigt uns, daß dies möglich ist.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Woppadaq » Mo 1. Jan 2018, 12:21

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2018, 10:33)

Bis zu den olympischen Sommerspielen 1988 stand Süd-Korea im Ruf einer etwas rückständigen Korruptokratie auf der Höhe eines Entwicklungslandes. In einer beispiellosen Kraftanstrengung, vor allem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, Technik, Informatik und Mathematik hat das Land sich einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft erarbeitet. Fast nebenbei hat das Land dazu noch Musiker von Weltrang hervorgebracht. Der Aufstieg ist möglich, aber dahinter stehen Entbehrungen und Verzicht auf "Genuß sofort". Inzwischen holen die Menschen dort das verdientermaßen nach.

Man muß wollen und einen Plan verfolgen, von Staats wegen und auch persönlich! Das koreanische Beispiel zeigt uns, daß dies möglich ist.


Den "Verzicht auf Genuss sofort", den hatten die Ossis 40 Jahre lang, und die Aufstiegssituation von Südkorea hat sich für den Osten mit der Wiedervereinigung erledigt. Warum soll sich der Ossi brutalstmöglich ausbeuten lassen (denn auch das ist Teil des Erfolgsmodells Südkorea), wenn er im Westen vernünftige Arbeitsbedingungen und entsprechenden Lohn bekommen kann?

Überhaupt frag ich mich, warum man dem Osten immer Neoliberalismus andrehen will, anstatt sich mal die Rezepte anzugucken, mit denen der Westen so wurde wie er heute ist. Das waren nämlich meist alles andere als neoliberale Konzepte.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Quatschki » Mo 1. Jan 2018, 12:36

Rein quatitativ gab es im Osten nie die Massenuniversitäten mit den entsprechenden Kapazitäten.
300.000 Studierende von knapp 3 Mio bundesweit sind nur 10% der Studienplätze Deutschlands (während allein NRW schon eine dreiviertel Million Studenten hat).
Da kann man nicht erwarten, dass 20% der Westdeutschen im Osten studieren.

Außerdem funktioniert Werbung nach dem Muster: "Kommt her zu uns, hier ist nix los." nicht.
Wenn nebeneinander zwei Bäckereigeschäfte stehen, an dem einen ist eine riesige Schlange, an dem anderen dreht die Verkäuferin Däumchen, dann denkt man automatisch, dass das Geschäft, wo die Schlange steht, das Bessere sein muß. Und das andere nichts taugt. Meistens stimmt das auch.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 13:00

Woppadaq hat geschrieben:(01 Jan 2018, 12:21)

Den "Verzicht auf Genuss sofort", den hatten die Ossis 40 Jahre lang, und die Aufstiegssituation von Südkorea hat sich für den Osten mit der Wiedervereinigung erledigt. Warum soll sich der Ossi brutalstmöglich ausbeuten lassen (denn auch das ist Teil des Erfolgsmodells Südkorea), wenn er im Westen vernünftige Arbeitsbedingungen und entsprechenden Lohn bekommen kann?

Überhaupt frag ich mich, warum man dem Osten immer Neoliberalismus andrehen will, anstatt sich mal die Rezepte anzugucken, mit denen der Westen so wurde wie er heute ist. Das waren nämlich meist alles andere als neoliberale Konzepte.


Sie machen sich die Sache zu leicht! Süd-Korea hatte nach dem Ende der japanischen Herrschaft über Korea Anfang der 50er Jahre einen verheerenden Krieg mit der kommunistischen Herrschaft im Norden und ihren Unterstützern in Moskau und Peking. Die UNO-Truppen rollten danach die Front wieder auf vom südlichsten Brückenkopf Pusan bis in den Norden. Bis den Kommunisten der Krieg zu gefährlich wurde, und ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Da sind die Grenzlinien Nord-Süd noch heute.

Und danach gab es alles andere als "Genuß sofort". Ohne einen umsetzbaren deutschen Plan, wie unter den heutigen Randbedingungen etliche abgehängte Regionen im Osten und Westen wieder in Fahrt gebracht werden können, wird das ganze Vorhaben scheitern. Einfach einmal hinsehen, wie die Koreaner den Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht ("kleiner Tiger") geschafft haben, und wie die Vietnamesen derzeit ihren Aufstieg gestalten.

Mag ja sein, daß viele Randbedingungen in der Bundesrepublik nicht so recht dazu passen. Es ist aber auch nicht verboten, sich eigene Gedanken zu machen. Man kann eigene Pläne und das Nachdenken darüber aber auch lassen und in ständigen Jammer und Schuldvorwürfe verfallen. Da sind wir doch schon sehr zuverlässig angelangt!
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 13:11

Quatschki hat geschrieben:(01 Jan 2018, 12:36)

Rein quatitativ gab es im Osten nie die Massenuniversitäten mit den entsprechenden Kapazitäten.
300.000 Studierende von knapp 3 Mio bundesweit sind nur 10% der Studienplätze Deutschlands (während allein NRW schon eine dreiviertel Million Studenten hat).
Da kann man nicht erwarten, dass 20% der Westdeutschen im Osten studieren.

Außerdem funktioniert Werbung nach dem Muster: "Kommt her zu uns, hier ist nix los." nicht.
Wenn nebeneinander zwei Bäckereigeschäfte stehen, an dem einen ist eine riesige Schlange, an dem anderen dreht die Verkäuferin Däumchen, dann denkt man automatisch, dass das Geschäft, wo die Schlange steht, das Bessere sein muß. Und das andere nichts taugt. Meistens stimmt das auch.


Die heute riesigen Universitäten sind doch erst im Laufe der letzten 30 Jahre so gewachsen. Als ich junger und hoffnungsfroher Student war... Ende der 50er Jahre, Anfang der 60er Jahre... da hatte die damals noch "weltberühmte" TU Berlin höchstens 5.000 bis 7.000 Studenten. Heute bringt die es vermutlich auf 25.000 Studierende... und sie ist damit sicher eine der kleineren unter den Großen. Auch sind im Westen viele weitere Universitäten und Hochschulen gegründet worden.

Insofern ist der Drang Studierender nach Osten sicher arg gedämpft. Dabei erlaube ich mir überhaupt kein Qualitätsurteil; einmal, weil mir die Kenntnisse fehlen, und dann aber auch aus der Erkenntnis heraus, daß für den Studienerfolg eines Studenten nicht allein die Hochschule verantwortlich ist.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Woppadaq » Mo 1. Jan 2018, 13:25

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2018, 13:00)

Sie machen sich die Sache zu leicht! Süd-Korea hatte nach dem Ende der japanischen Herrschaft über Korea Anfang der 50er Jahre einen verheerenden Krieg mit der kommunistischen Herrschaft im Norden und ihren Unterstützern in Moskau und Peking. Die UNO-Truppen rollten danach die Front wieder auf vom südlichsten Brückenkopf Pusan bis in den Norden. Bis den Kommunisten der Krieg zu gefährlich wurde, und ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Da sind die Grenzlinien Nord-Süd noch heute.

Und danach gab es alles andere als "Genuß sofort". Ohne einen umsetzbaren deutschen Plan, wie unter den heutigen Randbedingungen etliche abgehängte Regionen im Osten und Westen wieder in Fahrt gebracht werden können, wird das ganze Vorhaben scheitern. Einfach einmal hinsehen, wie die Koreaner den Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht ("kleiner Tiger") geschafft haben, und wie die Vietnamesen derzeit ihren Aufstieg gestalten.


Du willst offenbar den wesentlichsten Teil nicht sehen: Südkorea ist EIN nationales Wirtschaftsgebiet. Deutschland hat quasi ZWEI, die zueinander in Konkurrenz stehen. Es wäre angebrachter, zu gucken, welche Massnahmen aus Bayern das derzeit wirtschaftsstärkste Land gemacht haben - was es bei weitem nicht immer war - anstatt zu glauben, Neoliberalismus könnte ja wenigstens im Osten Deutschlands funktionieren.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 13:41

Woppadaq hat geschrieben:(01 Jan 2018, 13:25)

Du willst offenbar den wesentlichsten Teil nicht sehen: Südkorea ist EIN nationales Wirtschaftsgebiet. Deutschland hat quasi ZWEI, die zueinander in Konkurrenz stehen. Es wäre angebrachter, zu gucken, welche Massnahmen aus Bayern das derzeit wirtschaftsstärkste Land gemacht haben - was es bei weitem nicht immer war - anstatt zu glauben, Neoliberalismus könnte ja wenigstens im Osten Deutschlands funktionieren.


Niemand hindert Sie, einen umsetzbaren Plan zu überlegen, der unter den gegebenen Randbedingungen zum Erfolg führt. Sicher kann man auch von Bayern lernen, wie ein solcher Plan entwickelt und durchgeführt werden kann. Mit abgedroschenen Begriffen aus der Wirtschaftswissenschaft oder Sozialwissenschaft wird man auf dem Wege zum Erfolg keinen Punktgewinn erzielen... meine ich.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon BlueMonday » Mo 1. Jan 2018, 13:46

Wesentliche Gründe stehen doch im Artikel: mangelne Beweglichkeit (im Kopf wie in den Füßen) und jede Menge Vorurteile. Selbst hier im Forum findet man ja diese Attitüde vor. Da ist der Osten nach vielen Jahrzehnten immer noch "Zone" und der Westen das "richtige Deutschland". Geistiger Stillstand a la Alfred Tetzlaff... und der ist auch schon ne ganze Weile tot, auch wenn der ÖR ihn ständig aufwärmt.

"Wer den Schritt in den Osten einmal gemacht hat, ist hinterher oft hocherfreut darüber."
Tja, mal aufstehen, sich bewegen und alles anschauen. Und auch aufhören mit dieser destruktiven Faselei, dass der Osten völlig abgehängt und dort nur noch Steppe wäre...
Und dem Osten kann man nur raten, kräftig am Schein ("Image") zu arbeiten. Das Sein stimmt ja schon weitestgehend. So viel Selbstbewusstsein und Strahlkraft entwickeln, dass man kaum noch laufen kann.
Zuletzt geändert von BlueMonday am Mo 1. Jan 2018, 14:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 14:11

BlueMonday hat geschrieben:(01 Jan 2018, 13:46)

Wesentliche Gründe stehen doch im Artikel: mangelne Beweglichkeit (im Kopf wie in den Füßen) und jede Menge Vorurteile. Selbst hier im Forum findet man ja diese Attitüde vor. Da ist der Osten nach vielen Jahrzehnten immer noch "Zone" und der Westen das "richtige Deutschland". Geistiger Stillstand a la Alfred Tetzlaff... und der ist auch schon ganze Weile tot, auch wenn der ÖR ihn ständig aufwärmt.

"Wer den Schritt in den Osten einmal gemacht hat, ist hinterher oft hocherfreut darüber."
Tja, mal aufstehen, sich bewegen und alles anschauen. Und auch aufhören mit dieser destruktiven Faselei, dass der Osten völlig abgehängt und dort nur noch Steppe wäre...
Und dem Osten kann man nur raten, kräftig am Schein ("Image") zu arbeiten. Das Sein stimmt ja schon weitestgehend. So viel Selbstbewusstsein und Strahlkraft entwickeln, dass man kaum noch laufen kann.


Nein, diese Diskussion ist doch längst abgeschlossen; inzwischen gibt es auch abgehängte Regionen im Westen, die aus eigener Kraft so schnell nicht wieder in Fahrt kommen. Diese Regionen sind leicht zu erkennen an der Zahl Arbeitssuchender. Für diese Regionen muß eine verantwortliche Bundesregierung mit den Regionalfürsten Pläne überlegen, wie der schlechten Lage dieser Regionen auf Dauer bei zu kommen ist.

Ich meine, daß eine allgemeine "Mutmachrede" niemandem hilft, in einer Region wieder eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft zu gestalten. Wenn schon die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache die "Herstellung gleicher Lebensbedingungen überall in Deutschland" als Staatsziel benennt, dann wird an der ungleichen Entwicklung ("abgehängt") schon etwas dran sein!
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon BlueMonday » Mo 1. Jan 2018, 14:21

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2018, 14:11)

Ich meine, daß eine allgemeine "Mutmachrede" niemandem hilft, in einer Region wieder eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft zu gestalten. Wenn schon die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache die "Herstellung gleicher Lebensbedingungen überall in Deutschland" als Staatsziel benennt, dann wird an der ungleichen Entwicklung ("abgehängt") schon etwas dran sein!


Naja, wenn sie so weiter macht, dann steht die Kanzlerin irgendwann abgehangen aufm Nebengleis.
Damit verkennt man auch völlig, worum es geht. Das Wesentliche sind die Erwartungshaltungen in den Köpfen. Das war so und wird immer so sein. Andersherum, die Studienbedingungen sind ja gut im Osten, seit Langem, es wurde investiert, nur ist das in vielen Köpfen (immer) noch nicht angekommen, was auch daran liegt, dass ewig dieses falsche Bild vom abhangenen versteppten Osten gemalt wird. Das muss man, egal wo man es sieht, immer wieder korrigieren auch wenn es mühsam ist.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 14:32

BlueMonday hat geschrieben:(01 Jan 2018, 14:21)

Naja, wenn sie so weiter macht, dann steht die Kanzlerin irgendwann abgehangen aufm Nebengleis.
Damit verkennt man auch völlig, worum es geht. Das Wesentliche sind die Erwartungshaltungen in den Köpfen. Das war so und wird immer so sein. Andersherum, die Studienbedingungen sind ja gut im Osten, seit Langem, es wurde investiert, nur ist das in vielen Köpfen (immer) noch nicht angekommen, was auch daran liegt, dass ewig dieses falsche Bild vom abhangenen versteppten Osten gemalt wird. Das muss man, egal wo man es sieht, immer wieder korrigieren auch wenn es mühsam ist.


Ich sage gar nichts gegen Studienbedingungen im Osten... schon weil ich sie nicht genossen habe.
In technischen Berufen sind aber Praktika und vielleicht auch einmal Ferienjobs mit fachlichen Bezügen zum Studium erwünscht und sinnvoll. Da bin ich mir nicht sicher, ob das ein leichtes Heimspiel wird in Greifswald oder Rostock oder Schwerin oder Halle. Im Gegenteil vermute ich da viel Gegenwind.

Einfach objektive Maßstäbe (Arbeitssuchende je Beschäftigtem) anlegen, und dann werten, in Ost und West, von der Oder bis an die Ems und in die Eifel und die Westpfalz.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Woppadaq » Mo 1. Jan 2018, 14:37

BlueMonday hat geschrieben:(01 Jan 2018, 13:46)

"Wer den Schritt in den Osten einmal gemacht hat, ist hinterher oft hocherfreut darüber."
Tja, mal aufstehen, sich bewegen und alles anschauen. Und auch aufhören mit dieser destruktiven Faselei, dass der Osten völlig abgehängt und dort nur noch Steppe wäre...
Und dem Osten kann man nur raten, kräftig am Schein ("Image") zu arbeiten. Das Sein stimmt ja schon weitestgehend. So viel Selbstbewusstsein und Strahlkraft entwickeln, dass man kaum noch laufen kann.


Brandenburg macht es in dieser Hinsicht richtig, dass sie sich selbst als "anders als Berlin" sehen und dieses Image auch pflegen. Auch in Thüringen sehe ich langfristig einen Aufstieg, bedingt durch die dortigen lokalen Patriotismen. Die Sachsen hingegen müssen sich erstmal wieder selbst finden, und die Sachsen-Anhaltiner wissen gar nicht, wer oder was sie sind, weshalb die Rechten dort leichtes Spiel haben. Die selbstbewusstesten Ossis werden aber sicherlich die Leipziger werden, denn die meisten Ost-Berliner kennen den Ost-West-Unterschied schon nicht mehr, weil dieser sich in Berlin beinahe egalisiert hat.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Julian » Mo 1. Jan 2018, 14:37

Während ich die Behauptung des Artikel zur unterschiedlichen Mobilität von Studenten durchaus für plausibel halte, ist die Datenbasis, die die Sozialerhebung dazu liefert, doch etwas dünn.

Hier der aktuelle Bericht als pdf:
http://www.sozialerhebung.de/download/2 ... ericht.pdf

Darin steht, dass 5% derer, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Westen erworben haben, in den neuen Bundesländern eingschrieben sind, während umgekehrt 35% der Studenten, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Osten erworben haben, im Westen eingeschrieben sind. Was die neuen Bundesländer sind, ist mir nicht so recht klar; offenbar sind damit aber Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeint, aber eben nicht Ost-Berlin.

Dies ist schon einmal der erste Haken, denn Berlin ist selbstverständlich historisch und geographisch Teil Brandenburgs und hat schon immer enorm wichtige Zentrafunktionen für Brandenburg übernommen. Nicht zufällig ist auch gerade die Mobilität von Studenten über Ländergrenzen hinweg gerade in Brandenburg sehr ausgeprägt.

Der zweite Punkt ist, dass ich bisher keine Originaldaten zu den absoluten Studentenzahlen und der Anzahl der verfügbaren Studienplätze in West und Ost gelesen habe. Wie viele sind denn 5% bzw. 35%? Wenn man nach den Einwohnerzahlen geht, hat Westdeutschland einschließlich Berlins 5,5-mal so viele Einwohner wie Ostdeutschland. Der Faktor von 7 wird also zu einem Gutteil einfach dadurch erklärt, dass Westdeutschland viel mehr Einwohner hat.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon Woppadaq » Mo 1. Jan 2018, 14:55

Julian hat geschrieben:(01 Jan 2018, 14:37)

Was die neuen Bundesländer sind, ist mir nicht so recht klar; offenbar sind damit aber Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeint, aber eben nicht Ost-Berlin.


Weil es Ost-Berlin nicht mehr gibt. Berlin ist quasi auch ein neues Bundesland, wird aber nicht zwingend als solches gesehen. Man redet deshalb oft auch von den "Neufünfländern".

Dies ist schon einmal der erste Haken, denn Berlin ist selbstverständlich historisch und geographisch Teil Brandenburgs und hat schon immer enorm wichtige Zentrafunktionen für Brandenburg übernommen. Nicht zufällig ist auch gerade die Mobilität von Studenten über Ländergrenzen hinweg gerade in Brandenburg sehr ausgeprägt.


Nicht ganz richtig. Berlin und Brandenburg waren immer Teile Preussens, sind aber seit dem Krieg faktisch getrennt in ihrer Entwicklung. Das gilt auch für den Ost-Berliner Teil.
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 15:02

Julian hat geschrieben:(01 Jan 2018, 14:37)

Während ich die Behauptung des Artikel zur unterschiedlichen Mobilität von Studenten durchaus für plausibel halte, ist die Datenbasis, die die Sozialerhebung dazu liefert, doch etwas dünn.

Hier der aktuelle Bericht als pdf:
http://www.sozialerhebung.de/download/2 ... ericht.pdf

Darin steht, dass 5% derer, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Westen erworben haben, in den neuen Bundesländern eingschrieben sind, während umgekehrt 35% der Studenten, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Osten erworben haben, im Westen eingeschrieben sind. Was die neuen Bundesländer sind, ist mir nicht so recht klar; offenbar sind damit aber Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeint, aber eben nicht Ost-Berlin.

Dies ist schon einmal der erste Haken, denn Berlin ist selbstverständlich historisch und geographisch Teil Brandenburgs und hat schon immer enorm wichtige Zentrafunktionen für Brandenburg übernommen. Nicht zufällig ist auch gerade die Mobilität von Studenten über Ländergrenzen hinweg gerade in Brandenburg sehr ausgeprägt.

Der zweite Punkt ist, dass ich bisher keine Originaldaten zu den absoluten Studentenzahlen und der Anzahl der verfügbaren Studienplätze in West und Ost gelesen habe. Wie viele sind denn 5% bzw. 35%? Wenn man nach den Einwohnerzahlen geht, hat Westdeutschland einschließlich Berlins 5,5-mal so viele Einwohner wie Ostdeutschland. Der Faktor von 7 wird also zu einem Gutteil einfach dadurch erklärt, dass Westdeutschland viel mehr Einwohner hat.


Nun ja, wenn 35% der "Oststudenten" sich für den Westen entscheiden, dann ist das erst einmal jeder Dritte. Und wenn 5% der "Weststudenten" sich für den Osten entscheiden, dann entscheiden sich 19 von 20 für den Westen.

Wollte man die Bevölkerungsverteilung in Deutschland heran ziehen, dann haben wir im Osten so ungefähr 20 Mio mit Berlin, und im Westen so ungefähr 60 Mio Menschen. Wollte man auf ausgeglichene Verhältnisse hinwirken, dann wären im Osten 35% der verfügbaren Studienplätze nicht besetzt. Da im Westen aber 3-mal mehr Studenten als im Osten einen Studienplatz suchen, könnten aus dem Westen gar nicht so viel mehr als 10% der Weststudenten in den Osten gehen.

Die 5% der Westler im Osten sind also doch gar nicht so schlecht, wenn man annimmt, daß der Westen überproportional viele Studienplätze vorhält (mehr als dreifach...).
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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon imp » Mo 1. Jan 2018, 17:32

frems hat geschrieben:(31 Dec 2017, 20:52)

andersrum scheint man etwas neugieriger zu sein. Oder hat andere Gründe, vom Osten in den Westen aufzubrechen, z.B. schlichtweg mehr Hochschulen?


http://www.spiegel.de/spiegel/unispiege ... 83370.html

Als weiterer Grund wird genannt, dass die Studenten nicht so mobil sind, sondern meist zuhause bei ihren Eltern bleiben, weil die nächste Hochschule nicht weit entfernt ist und es auch günstiger kommt.

Haltet Ihr das für plausibel? Kann man da was machen?

Oder könnte es, wie einige Leser des Spiegels vermuten, auch andere Gründe geben, z.B. dass es gar nicht so "günstig" ist im Osten zu studieren, wenn es keine guten Studentenjobs gibt, wo man Berufserfahrung, Kontakte und einen soliden Stundenlohn bekommt, auf den sehr viele Studenten angewiesen sind und es ihnen daher nichts bringt, wenn woanders das WG-Zimmer 100 Euro günstiger ist?

Oder auch, dass Rankings heute eine größere Rolle bei der Wahl der Hochschule spielen und man bei den gängigen Listen wie THE und QS die "üblichen Verdächtigen" (LMU München, FU und HU Berlin, TUs Aachen, Berlin, München, Karlsruhe, Unis Heidelberg, Göttingen, Frankfurt, Stuttgart, Bonn, Freiburg, Hamburg, Mannheim, Köln etc.) findet, aber erst sehr spät mit der TU Dresden (Platz 281 bei QS, 155 bei THE) mal eine ostdeutsche Hochschule auftaucht(, wenn man von der HU Berlin mal absieht)?

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Re: Weststudenten meiden Osthochschulen

Beitragvon H2O » Mo 1. Jan 2018, 18:19

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Jan 2018, 17:32)

Ich sehe keinen Handlungsbedarf.


Ich hatte ja etwas mühsam überlegt, daß den 35% "Oststudenten im Westen" ungefähr 10% "Weststudenten im Osten" gegenüber stehen müßten, wenn tatsächlich die Studienplätze im Osten ungefähr der Bevölkerungszahl 20 Mio entsprechen. Mit der unvermeidlichen Unschärfe gesehen, besetzen die 5% "Weststundenten im Osten" ungefähr die Plätze, die die 35% "Oststudenten im Westen" im Osten nicht besetzen wollten.

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