Der langsame Tod der Rockmusik

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Progressiver
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Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Progressiver » Do 30. Nov 2017, 22:49

Machen wir uns nichts vor: Rockmusik als musikalisches Genre hat seine besten Tage hinter sich. Ich selbst war in den frühen 1990ern in der Pubertät. Da liefen Bands wie Guns N´ Roses Tag und Nacht auf MTV. Dann kam Grunge. Und dann der langsame Abstieg. An und für sich hätte ich das früher merken können. Doch seit dem Tod der Ikone Chris Cornell ist mir das besonders bewusst geworden. Alle Bands jener Zeit sind entweder in die Jahre gekommen oder aber die Sänger haben sich irgendwann umgebracht. Danach kamen andere Bands. Aber die letzte Hochphase, in der Rockmusik ein gesamtgesellschaftliches weltweites Phänomen war, datierte eben auf die Zeit der frühen bis mittigen Neunziger. Alle Rockmusik, die danach kam, sorgten nicht mehr für neue Bewegung. Das Rad wurde nicht etwa immer wieder neu erfunden. Sondern die meisten neuen Bands der späten Neunziger und 2000er waren oft nur noch Übergangsbands. Kopien von Kopien. Zitate von Zitaten. Irgendwann sang ein gewisser Nickelback zwar noch einmal "Hey, Hey, I Wanna Be A Rock Star". Aber Rockmusik als Genre hatte sich da wohl schon totgeritten. Jetzt gibt es zwar immer noch Bands und Künstler wie Green Day, Jack White oder die etwas neuere Punkrockband Billy Talent. Aber in den Radiostationen dominiert fast zu 100% die elektronische Popmusik.

Und auch die Gitarrenindustrie scheint in Teilen in der Krise zu sein. Gibson hat in den USA ein Werk dicht gemacht. Der Markt ist übersättigt. Das mag daran liegen, dass es so viele Gitarren wie noch nie auf dem Markt gibt. Es ist aber leider auch so, dass viele junge Leute sich lieber ein Smartphone leisten und dann kein Geld mehr haben, um sich eine gute Gitarre zu kaufen bzw. Zeit zu investieren, um in mühsamem Gitarrenunterricht nach Jahren weiter zu kommen. Ohnehin dominieren auf dem Musikmarkt derzeit die DJs die Musikkultur.

In diesem Sinne will ich in diesem Thread mit euch erörtern bzw. analysieren, wie und warum das so weit kommen konnte. Wer hat die Rockmusik getötet? War es die Musikindustrie? Oder liefen irgendwann die Fans davon, weil ihnen elektronische Popmusik besser gefiel? Man kann darüber hinaus wahrscheinlich annehmen, dass die Rockmusik als solche in der alten Form nicht wiederkommt. Da teilt sie dann das Schicksal mit Swing, Blues, Funk, Jazz und vielen anderen Musikstilen, die als Massenphänomen nicht mehr wiederzubeleben sind. Aber glaubt hier jemand, dass irgendwann der Hang zu verzerrten E-Gitarren-Sounds die Jugendlichen von heute oder morgen beeindrucken könnte? Dass die Gitarre als solche überleben wird, darüber sind die Musikexperten jedoch ziemlich einig. Die Gitarre ist schließlich eines der vielfältigsten Instrumente, die die Menschheit hervorgebracht hat. Aber welche Art von Bedeutung kann sie noch haben, wenn auf allen Radiosendern derzeit fast nur noch elektronische Popmusik gespielt wird? :?:
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Teeernte
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Teeernte » Do 30. Nov 2017, 23:03

Progressiver hat geschrieben:(30 Nov 2017, 22:49)

Machen wir uns nichts vor: Rockmusik





Hey hey, my my
Rock and roll can never die
There's more to the picture
Than meets the eye.
Hey hey, my my.

eben.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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SpukhafteFernwirkung
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Fr 1. Dez 2017, 00:11

Progressiver hat geschrieben:(30 Nov 2017, 22:49)

Machen wir uns nichts vor: Rockmusik als musikalisches Genre hat seine besten Tage hinter sich. Ich selbst war in den frühen 1990ern in der Pubertät. Da liefen Bands wie Guns N´ Roses Tag und Nacht auf MTV. Dann kam Grunge. Und dann der langsame Abstieg. An und für sich hätte ich das früher merken können. Doch seit dem Tod der Ikone Chris Cornell ist mir das besonders bewusst geworden. Alle Bands jener Zeit sind entweder in die Jahre gekommen oder aber die Sänger haben sich irgendwann umgebracht. Danach kamen andere Bands. Aber die letzte Hochphase, in der Rockmusik ein gesamtgesellschaftliches weltweites Phänomen war, datierte eben auf die Zeit der frühen bis mittigen Neunziger. Alle Rockmusik, die danach kam, sorgten nicht mehr für neue Bewegung. Das Rad wurde nicht etwa immer wieder neu erfunden. Sondern die meisten neuen Bands der späten Neunziger und 2000er waren oft nur noch Übergangsbands. Kopien von Kopien. Zitate von Zitaten. Irgendwann sang ein gewisser Nickelback zwar noch einmal "Hey, Hey, I Wanna Be A Rock Star". Aber Rockmusik als Genre hatte sich da wohl schon totgeritten. Jetzt gibt es zwar immer noch Bands und Künstler wie Green Day, Jack White oder die etwas neuere Punkrockband Billy Talent. Aber in den Radiostationen dominiert fast zu 100% die elektronische Popmusik.

Und auch die Gitarrenindustrie scheint in Teilen in der Krise zu sein. Gibson hat in den USA ein Werk dicht gemacht. Der Markt ist übersättigt. Das mag daran liegen, dass es so viele Gitarren wie noch nie auf dem Markt gibt. Es ist aber leider auch so, dass viele junge Leute sich lieber ein Smartphone leisten und dann kein Geld mehr haben, um sich eine gute Gitarre zu kaufen bzw. Zeit zu investieren, um in mühsamem Gitarrenunterricht nach Jahren weiter zu kommen. Ohnehin dominieren auf dem Musikmarkt derzeit die DJs die Musikkultur.

In diesem Sinne will ich in diesem Thread mit euch erörtern bzw. analysieren, wie und warum das so weit kommen konnte. Wer hat die Rockmusik getötet? War es die Musikindustrie? Oder liefen irgendwann die Fans davon, weil ihnen elektronische Popmusik besser gefiel? Man kann darüber hinaus wahrscheinlich annehmen, dass die Rockmusik als solche in der alten Form nicht wiederkommt. Da teilt sie dann das Schicksal mit Swing, Blues, Funk, Jazz und vielen anderen Musikstilen, die als Massenphänomen nicht mehr wiederzubeleben sind. Aber glaubt hier jemand, dass irgendwann der Hang zu verzerrten E-Gitarren-Sounds die Jugendlichen von heute oder morgen beeindrucken könnte? Dass die Gitarre als solche überleben wird, darüber sind die Musikexperten jedoch ziemlich einig. Die Gitarre ist schließlich eines der vielfältigsten Instrumente, die die Menschheit hervorgebracht hat. Aber welche Art von Bedeutung kann sie noch haben, wenn auf allen Radiosendern derzeit fast nur noch elektronische Popmusik gespielt wird? :?:

die jugend (tm) is einfach verdorben. wir haben früher die nacht durchgefeiert bis 7 uhr morgens und um 8 waren wir frisch gestriegelt und gebügelt im büro.
mit der heutigen jugend kannste einfach nix anfangen, echte rock'n'rolla (tm) gibts da ned mehr...- :rolleyes:
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Watchful_Eye » Fr 1. Dez 2017, 01:30

Ja, das Massenpotential der Rockmusik ist im freien Fall - meines Erachtens nicht verwunderlich, auch wenn es durchaus möglich ist, dass es eines Tages ein weiteres Revival erlebt. Aus Sicht der jungen Generation klingen Gitarren vergleichsweise altmodisch, und generell bieten Synthesizer sehr viel mehr Möglichkeiten. Auch braucht es heutzutage keine sperrigen analogen Synthesizer mehr wie in den 80ern - eine Software für 200 Euro, und man hat etwa die selben Möglichkeiten wie die Profis. Theoretisch gibt es sogar Gratis-Software, mit der man bereits sehr weit kommen kann.

Gleichzeitig möchte ich bei der Gelegenheit aber auch sagen, dass entgegen aller Unkenrufe Musikliebhaber aller Couleur in goldenen Zeiten leben. Musik ist so vielseitig verfügbar wie nie zuvor.

Ich höre öfters von älteren Leuten, die die Musik der jungen Generation an der Radiomusik messen und dann behaupten, das Musik immer banaler und schlechter werde.
Das beruht aber auf einem völligen Missverständnis. Wir leben in einer Zeit, in der sich dank Internet jeder seine eigene Nische suchen kann. Der Fachbegriff dafür lautet "Long Tail-Theorie" (https://de.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail). Musik ist wohl mein größtes Hobby, aber ich erfahre nur zufällig, was gerade in den Charts läuft. Und da sich jeder, der sich ein bisschen für Musik interessiert, seine eigene Nische sucht, ist die logische Konsequenz, dass sich andererseits der Mainstream entsprechend banalisiert.

Es ist das gleiche, wie wenn sich ältere Menschen über das zunehmend schlechtere Fernsehprogramm beschweren, während die jüngere Generation eh komplett über Youtube oder Netflix schaut.
Die Rockbands der 70er, sagen wir mal Queen, hatten oft eine Hitsingle fürs Radio, eine Ballade für die Mädels, einen komplexen Song für die Artrocker usw.. sie mussten alle ansprechen. Das ist heutzutage nicht mehr nötig. Jeder kann sich genau den Sound suchen, den er hören will.

Es wird in jedem Genre - auch Rock -heutzutage immer noch so viel gute Musik produziert, dass es praktisch unmöglich ist, hinterherzukommen. Man muss nur suchen. Seiten wie Bandcamp bieten alles, was man braucht. Youtube gibt es natürlich auch. Oder Spotify, womit man für 10 Euro im Monat Zugriff auf Millionen von Songs hat. Und es gibt dort hunderte von vorgefertigten Playlists. Eine davon lautet "Rock Brandneu", eine andere "Rock Rotation". :)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Kritikaster » Fr 1. Dez 2017, 07:15

Watchful_Eye hat geschrieben:(01 Dec 2017, 01:30)

Die Rockbands der 70er, sagen wir mal Queen, hatten oft eine Hitsingle fürs Radio, eine Ballade für die Mädels, einen komplexen Song für die Artrocker usw.. sie mussten alle ansprechen.

Damit sprichst Du aber auch einen Punkt an, der etwas über die Qualität bzw. Kreativität dieser Bands aussagt: Die Musiker KONNTEN das noch!

Folgt man Deinen Thesen, dann ist es heute für jemanden, der sich in eine "Nische" verkriecht, nicht mehr notwendig, sich entsprechend zu entwickeln oder die Fähigkeiten mitzubringen.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Provokateur » Fr 1. Dez 2017, 07:45

Handgemachte Musik hat ihre Berechtigung. Und ich denke auch nicht, dass sie untergeht.

Ja, die "alten Zeiten" kommen nicht zurück. Aber es gibt neue Zeiten. Und es gibt immer noch junge Leute, die sich eine Gitarre schnappen und darauf herumschrammeln. Die sieht man dann auf Youtube. Frog Leap Studios ist so ein Beispiel.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 1. Dez 2017, 09:16

Watchful_Eye hat geschrieben:(01 Dec 2017, 01:30)

Ja, das Massenpotential der Rockmusik ist im freien Fall - meines Erachtens nicht verwunderlich, auch wenn es durchaus möglich ist, dass es eines Tages ein weiteres Revival erlebt. Aus Sicht der jungen Generation klingen Gitarren vergleichsweise altmodisch, und generell bieten Synthesizer sehr viel mehr Möglichkeiten. Auch braucht es heutzutage keine sperrigen analogen Synthesizer mehr wie in den 80ern - eine Software für 200 Euro, und man hat etwa die selben Möglichkeiten wie die Profis. Theoretisch gibt es sogar Gratis-Software, mit der man bereits sehr weit kommen kann.

Gleichzeitig möchte ich bei der Gelegenheit aber auch sagen, dass entgegen aller Unkenrufe Musikliebhaber aller Couleur in goldenen Zeiten leben. Musik ist so vielseitig verfügbar wie nie zuvor.

Ich höre öfters von älteren Leuten, die die Musik der jungen Generation an der Radiomusik messen und dann behaupten, das Musik immer banaler und schlechter werde.
Das beruht aber auf einem völligen Missverständnis. Wir leben in einer Zeit, in der sich dank Internet jeder seine eigene Nische suchen kann. Der Fachbegriff dafür lautet "Long Tail-Theorie" (https://de.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail). Musik ist wohl mein größtes Hobby, aber ich erfahre nur zufällig, was gerade in den Charts läuft. Und da sich jeder, der sich ein bisschen für Musik interessiert, seine eigene Nische sucht, ist die logische Konsequenz, dass sich andererseits der Mainstream entsprechend banalisiert.

Es ist das gleiche, wie wenn sich ältere Menschen über das zunehmend schlechtere Fernsehprogramm beschweren, während die jüngere Generation eh komplett über Youtube oder Netflix schaut.
Die Rockbands der 70er, sagen wir mal Queen, hatten oft eine Hitsingle fürs Radio, eine Ballade für die Mädels, einen komplexen Song für die Artrocker usw.. sie mussten alle ansprechen. Das ist heutzutage nicht mehr nötig. Jeder kann sich genau den Sound suchen, den er hören will.

Es wird in jedem Genre - auch Rock -heutzutage immer noch so viel gute Musik produziert, dass es praktisch unmöglich ist, hinterherzukommen. Man muss nur suchen. Seiten wie Bandcamp bieten alles, was man braucht. Youtube gibt es natürlich auch. Oder Spotify, womit man für 10 Euro im Monat Zugriff auf Millionen von Songs hat. Und es gibt dort hunderte von vorgefertigten Playlists. Eine davon lautet "Rock Brandneu", eine andere "Rock Rotation". :)


Sehr gut! Punkt für Punkt meine Meinung.

Ich war in den letzten Monaten auf etlichen Veranstaltungen des SPH-Bandcontests. Einem der größten europäischen Nachwuchswettbewerbe. Vom "Tod der Rockmusik" kann überhaupt keine Rede sein. Die Rockmusik findet nur eben nicht mehr so sehr in Stadien und Megahallen sondern in kleineren Clubs wie dem Hangar49 oder dem Maschinenhaus innerhalb des Kulturbrauereigeländes statt. Gott sei Dank! Und Aufnahmen werden nicht mehr nur von wenigen Megaplattenfirmen gemacht sondern von kleinen IndieLabels oder in Selbstproduktion. Gott sei Dank! Ich hätte das gar nicht für möglich gehalten. Saddle Creek Records aus Omaha/Nebraska (Bright Eyes, Two Gallants ...) oder auch Chemical Underground aus Glasgow (Arab Strap, Mogwai ...) sind zwei Beispiele für Independent Labels, die die Musik machen, die mich begeistert. Ich würde die Wende vom diesem vorhergesagten angeblichen Kleinlabelsterben zu ihrer Wiederauferstehung so um das Jahr 2000 herum datieren. Es gibt nur weniges, das ich so wenig brauche wie Stadionrock und weniges, das ich so sehr brauche wie diese Independent Szene.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 1. Dez 2017, 09:20

Und ein zweiter Punkt ist der, dass sich Dank Internet diese USA/UK-Dominanz doch etwas gelockert hat. Yonderboi (Ungarn) oder Skalpel (Polen) mal als Beispiel.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 1. Dez 2017, 11:28

Es gab schon mal eine Zeit als in Europa der Rock "totgesagt" wurde. Das war nach der Punkwelle Anfang bis Mitte der 80er Jahre.
Und dann? Jeder weiß, das dann die Grunge Zeit kam, gefolgt von der Crossover Welle und im Anschluß die Neopunkzeit mit Bad Religion, Green Day, Offspring.
Aber das galt dann nur noch für die Sparte, die eh Rockmusik gehört haben.

Und so ist der Stand der Dinge. Die alten Legenden sterben nun mal aus. "Junge" Bands wie Iron Maidan rocken zwar noch den Zirkus, aber dann wirds dünne.
Auf der andren Seite gibt´s viel viel Underground.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Provokateur » Fr 1. Dez 2017, 11:31

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 11:28)
"Junge" Bands wie Iron Maidan


Autocorrect fail? :D
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 1. Dez 2017, 11:32

Provokateur hat geschrieben:(01 Dec 2017, 11:31)

Autocorrect fail? :D


Scheiß Ukraine Konflikt :D
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Provokateur » Fr 1. Dez 2017, 11:33

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 11:32)

Scheiß Ukraine Konflikt :D


Gefällt aber. :D
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 1. Dez 2017, 11:35

Das verbreitete Gejammere scheint mir auch überhaupt weniger mit "Rockmusikentzug" als vielmehr mit "Legendenentzug" zusammenzuhängen. Ich kann da nur wenig Empathie entwickeln.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 1. Dez 2017, 12:16

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 11:28)

Es gab schon mal eine Zeit als in Europa der Rock "totgesagt" wurde. Das war nach der Punkwelle Anfang bis Mitte der 80er Jahre.
Und dann? Jeder weiß, das dann die Grunge Zeit kam, gefolgt von der Crossover Welle und im Anschluß die Neopunkzeit mit Bad Religion, Green Day, Offspring.
Aber das galt dann nur noch für die Sparte, die eh Rockmusik gehört haben.

Und so ist der Stand der Dinge. Die alten Legenden sterben nun mal aus. "Junge" Bands wie Iron Maidan rocken zwar noch den Zirkus, aber dann wirds dünne.
Auf der andren Seite gibt´s viel viel Underground.


Sehe ich genauso. Wenn Rockmusik jemals drohte zu sterben, dann war das in den 80ern im Zuge der ganzen New Wave-Bewegung und Synthiepopära. Da fand praktisch der Tod der kommerziellen Rockmusik statt. Ich erinnere mal an Peinlichkeiten wie Europe oder Van Halen. Aber im Gegenzug zu den Versuchen der weiteren Kommerzialisierung, entstand ja auf der einen Seite auch eine neue durch Punk und New Wave beeinflußte Independent-Gitarrenrockszene mit Bands wie Smiths, REM oder Pixies um nur ein paar zu nennen. Auf der anderen Seite fingen Bands plötzlich an sich von ihren starren Paradigmen zu lösen und sich hier auch musikalisch zu befreien. Wegweisend hier sicher Bands wie Red Hot Chili Peppers, Melvins, Suicidal Tendencies aber auch die Beastie Boys. Das alles mündete in den 90ern letztendlich in die letzte große Bewegung der Rockmusik, sozusagen die Verkommerzialisierung des Alternative Rock, der in den 90ern eigentlich schon gar nicht mehr Alternative war. Für jemanden der die 80er mitbekommen hat, war das eigentlich unglaublich. Die Medienpräsenz und das daraus resultierende Massenphänomen "Alternative" mit seinen Beliebten Ausprägungen Grunge und Crossover wäre in den 80ern noch undenkbar gewesen. Aber auch das war letztendlich nur ein Zwischenschritt dorthin, wo wir uns heute bewegen. Erst mit den 00er Jahren wird deutlich, dass wir uns in der Rockmusik hin zu einem Genresynkretismus bewegen. Beispielhaft sei hier mal Johnny Cashs legenderes Album "American iV: The man comes around" aus dem Jahr 2002 genannt. Wenn Anfang der 90er jemand prophezeit hätte, dass Johnny Cash mal Songs von Nine Inch Nails oder Depeche Mode covert, dann hätte der schlichtweg den Vogel gezeigt bekommen :D.
Und ich denke durchaus, dass das eine gute Entwicklung ist. Die Rockmusik hat sich weitgehend endgültig von ihren Genreparadigmen gelöst. Ich möchte gar behaupten, dass es wohl nie mehr und abwechslungsreichere Rockmusik gab als heute. Und das beste, dank Internet auch auffindbar und weltweit verfügbar ;)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 1. Dez 2017, 12:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Dec 2017, 11:35)

Das verbreitete Gejammere scheint mir auch überhaupt weniger mit "Rockmusikentzug" als vielmehr mit "Legendenentzug" zusammenzuhängen. Ich kann da nur wenig Empathie entwickeln.


Naja, wer mit AC-DC groß geworden ist oder den Stones, der wird das so empfinden.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 1. Dez 2017, 12:29

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:16)

Sehe ich genauso. Wenn Rockmusik jemals drohte zu sterben, dann war das in den 80ern im Zuge der ganzen New Wave-Bewegung und Synthiepopära. Da fand praktisch der Tod der kommerziellen Rockmusik statt. Ich erinnere mal an Peinlichkeiten wie Europe oder Van Halen. Aber im Gegenzug zu den Versuchen der weiteren Kommerzialisierung, entstand ja auf der einen Seite auch eine neue durch Punk und New Wave beeinflußte Independent-Gitarrenrockszene mit Bands wie Smiths, REM oder Pixies um nur ein paar zu nennen. Auf der anderen Seite fingen Bands plötzlich an sich von ihren starren Paradigmen zu lösen und sich hier auch musikalisch zu befreien. Wegweisend hier sicher Bands wie Red Hot Chili Peppers, Melvins, Suicidal Tendencies aber auch die Beastie Boys. Das alles mündete in den 90ern letztendlich in die letzte große Bewegung der Rockmusik, sozusagen die Verkommerzialisierung des Alternative Rock, der in den 90ern eigentlich schon gar nicht mehr Alternative war. Für jemanden der die 80er mitbekommen hat, war das eigentlich unglaublich. Die Medienpräsenz und das daraus resultierende Massenphänomen "Alternative" mit seinen Beliebten Ausprägungen Grunge und Crossover wäre in den 80ern noch undenkbar gewesen. Aber auch das war letztendlich nur ein Zwischenschritt dorthin, wo wir uns heute bewegen. Erst mit den 00er Jahren wird deutlich, dass wir uns in der Rockmusik hin zu einem Genresynkretismus bewegen. Beispielhaft sei hier mal Johnny Cashs legenderes Album "American iV: The man comes around" aus dem Jahr 2002 genannt. Wenn Anfang der 90er jemand prophezeit hätte, dass Johnny Cash mal Songs von Nine Inch Nails oder Depeche Mode covert, dann hätte der schlichtweg den Vogel gezeigt bekommen :D.
Und ich denke durchaus, dass das eine gute Entwicklung ist. Die Rockmusik hat sich weitgehend endgültig von ihren Genreparadigmen gelöst. Ich möchte gar behaupten, dass es wohl nie mehr und abwechslungsreichere Rockmusik gab als heute. Und das beste, dank Internet auch auffindbar und weltweit verfügbar ;)


Boa, noch heute nerven mich die, die meinen an Sylvester Final Countdown spielen zu müssen.
Vor allem setze ich da immer auf die US-Amerikaner. In einem Buch über Grunge hab ich mal gelesen, das eine Gitarre einmotten für einen Amerikaner das gleiche wäre wie seinen Colt verschrotten.
Nein, es ist halt lang nix mehr Rockmusikmässiges aus Europa gekommen. Fast schon sehr lange, seit der Speedmetalwelle aus Deutschland oder der Blackmetalgeschichte aus Norwegen. Brit-Pop mit Abstrichen.
Deswegen wird wohl in Europa immer angenommen, der Rock würde sterben.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 1. Dez 2017, 12:33

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:16)

Naja, wer mit AC-DC groß geworden ist oder den Stones, der wird das so empfinden.


Nun, das ist der Threadersteller ja nicht. Der wurde ja erst in den 90ern musikalisch sozialisiert ;)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Provokateur » Fr 1. Dez 2017, 12:35

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:29)
Nein, es ist halt lang nix mehr Rockmusikmässiges aus Europa gekommen. Fast schon sehr lange, seit der Speedmetalwelle aus Deutschland oder der Blackmetalgeschichte aus Norwegen. Brit-Pop mit Abstrichen.
Deswegen wird wohl in Europa immer angenommen, der Rock würde sterben.


Du vergisst die NDH-Welle seit Ende der 90er mit den auch international (immer noch) erfolgreichen Rammstein, aber auch Bands wie Eisbrecher oder Richthofen.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 1. Dez 2017, 12:36

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:33)

Nun, das ist der Threadersteller ja nicht. Der wurde ja erst in den 90ern musikalisch sozialisiert ;)


Rocknostalgiker gibts immer :D
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 1. Dez 2017, 12:43

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:29)

Nein, es ist halt lang nix mehr Rockmusikmässiges aus Europa gekommen. Fast schon sehr lange, seit der Speedmetalwelle aus Deutschland oder der Blackmetalgeschichte aus Norwegen. Brit-Pop mit Abstrichen.


Was soll denn auch noch kommen? Die Genres sind ja alle ausgelutscht. Es gibt nichts, was es nicht schon irgendwie mal gegeben hat. Eine Welle wie Punk, Heavy Metal oder Grunge wird nicht mehr kommen. Was ich zugegebenermaßen auch für gut halte. Denn Trends und Wellen haben oft eines gemeinsam. Am Höhepunkt schwimmt die Scheiße oben ;).
Ich sehe das eher als Chance ... nämlich einfach mal gute Musik machen.
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