Handyverbot an Schulen?!

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Seid Ihr für Handyverbote?

Ja, Handys haben in Schulen nichts verloren
8
62%
Jein, die Nutzung sollte aber eingeschränkt werden
3
23%
Nein, ein Verbot bringt nichts
2
15%
Sonstiges -> Kommentar
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Keine Stimmen
 
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frems
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Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon frems » Sa 25. Nov 2017, 16:32

Handyverbot an Bayerns Schulen auf der Kippe
Bayerns Schüler können auf das Ende des gesetzlichen Handyverbots hoffen: Viele Lehrer, Eltern und Jugendliche sind dagegen. Auch in der Politik formiert sich breiter Widerstand - selbst innerhalb der CSU.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 79833.html

Wie sieht die werte Userschaft das Thema? Gerade in konservativen Milieus sind Verbote als Problemlösung ja sehr beliebt. Aber löst man es damit tatsächlich?
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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unity in diversity
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon unity in diversity » Sa 25. Nov 2017, 18:39

Smartphones sind bei Testaten und Klausuren unverzichtbare Rettungsmittel.
Außerdem muß jeder jederzeit wissen, was gerade auf seiner Facebock Seite abgeht.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den Divided States of America)
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Bielefeld09
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 25. Nov 2017, 18:54

Die Frage ist doch nur noch,
wie Schüler notwendiges Wissen wiederholen und richtig anwenden.
Ob Bücher, Hirn oder Smartphone,
es geht um die entsprechendende Wertung von Wissen.
Und die ist nicht abhängig von den Medien.
Sehr wohl bildet aber die Auseinandersetzung über die Wertung die eigene Persönlichkeit.
Und nur darum kann es den Schulen in der Bildung gehen!
Nicht Verbote schützen,
aber ein bewusster Umgang mit den Medien macht Zukunft.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Rochhardo » Sa 25. Nov 2017, 23:51

Als liberaler Mensch frage ich mich, was genau soll dieses Verbot verbessern? Bisher entzieht sich mir die Beantwortung dieser Frage.

Sowohl aus meiner Schulzeit als auch aus meiner Studienzeit bin ich es gewöhnt eine Einschränkung der Handynutzung während Lehr- und Prüfungsveranstaltungen. Bedeutet: Bei Prüfungen ist das Handy auszuschalten und im Rucksack weg zu packen und während der Lehrveranstaltung darf dasselbige nicht stören. Dies waren Einschränkungen die gesellschaflich und auch von der breiten Masse meiner Mitschüler bzw. -studenten getragen wurde.

Also Frage ich mich, was nun ein generelles Verbot bringen soll. Konzentrieren sich Schüler deswegen zwangsläufig besser auf den Unterricht? Ich würde das verneinen. In meinen frühen Schuljahren habe ich Blöcke voller 4-Gewinnt Felder gemalt um mich während der Schulzeit abzulenken. Ein Handy benötigte ich für die Ablenkung nicht.

Können sich also meine Mitmenschen besser konzentrieren wenn ich mein Handy nicht benutze? Auf diese Studie und ihre Parameter bin ich gespannt und würde sie vom ersten Moment an anzweifeln.

Verschlechtert sich die Qualität der Lehrveranstaltung wenn ein Schüler mit seinem Handy hantiert? Auch das würde ich verneinen. Wenn dies der Lehrer tut, ist das natürlich etwas anderes. Andererseits wird dieser für diese Tätigkeit bezhalt und daher sollte die Nutzung des Handys auf ein nötigstes Minimum beschränkt werden.

TLDR: Ein Verbot hat keine Vorteile gegenüber einer eingeschränkten Nutzung während Lehr- und Pürfungsveranstaltungen. Daher sollte das Verbot endlich gekippt werden, daher das Smartphone nun einmal auch integraler Bestandteil unserer normalen Gesellschaft geworden ist.
'Liberal ist, wer die Zeichen der Zeit erkennt und danach handelt.' - Gustav Stresemann
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Sextus Ironicus
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » So 26. Nov 2017, 22:10

frems hat geschrieben:(25 Nov 2017, 16:32)

Handyverbot an Bayerns Schulen auf der Kippe
Bayerns Schüler können auf das Ende des gesetzlichen Handyverbots hoffen: Viele Lehrer, Eltern und Jugendliche sind dagegen. Auch in der Politik formiert sich breiter Widerstand - selbst innerhalb der CSU.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 79833.html

Wie sieht die werte Userschaft das Thema? Gerade in konservativen Milieus sind Verbote als Problemlösung ja sehr beliebt. Aber löst man es damit tatsächlich?


Man lädt den Schülern einfach eine Aufmerksamkeitsapp aufs Handy, dann sind alle Probleme gelöst.

Und es gibt ja auch schon die ersten Säuglingskurse "Wirbelsäulentraining für eine optimierte Handyblickhaltung". Das wäre ja rausgeschmissenes Geld, wenn nachher so ein paar konservative Fieslinge auf die Idee eines Handyverbots in der Schule kommen. Dann glotzt das seiner Sinne beraubte Genie in die digitale Leere analoger Ödnis. Fazit: Nie wieder Faschismus! :D
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 12:28

Das Thema ist seltsam rückwärtsgewandt. Einerseits hält man an einem Verbot fest, das wahrscheinlich ein Großteil unterläuft ohne schlechtes Gewissen. Andererseits stattet man Schulen mit programmierbaren Taschenrechnern, Digitaltafeln, Computern und Tablets aus.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 12:49

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 12:28)

Das Thema ist seltsam rückwärtsgewandt. Einerseits hält man an einem Verbot fest, das wahrscheinlich ein Großteil unterläuft ohne schlechtes Gewissen. Andererseits stattet man Schulen mit programmierbaren Taschenrechnern, Digitaltafeln, Computern und Tablets aus.


Man kann ja die Frage jenseits des Sarkasmus mal umgekehrt stellen: Welchen Zweck und Nutzen erfüllen Smartphones im Unterricht?

Persönliche Erfahrung: Ich habe bis kurz vor der Einführung der Smartphones beim Unterricht mit dem ganz unten angesiedelten Teil junger Erwachsener aus Bildungsprojekten die Handypest erlebt. Und heute, wo jeder die unüberwindbare Faszination der kleinen Dinger kennt, muss man halt entscheiden, ob sie zum gelingenden Unterricht beitragen oder nicht. Wenn nicht, sollte man es mit den Dingern ebenso halten wie Barbiepuppen oder ferngesteuerten Autos und anderem Spielzeug. Private Gymnasien sind da, wie ich weiß, ganz humorlos konsequent: No toys, girls and boys!
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 12:53

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 12:49)

Man kann ja die Frage jenseits des Sarkasmus mal umgekehrt stellen: Welchen Zweck und Nutzen erfüllen Smartphones im Unterricht?

Sie können Kosteneinsparungen bieten. Es handelt sich um kleine Computer. Zudem können sie geräuschlos die Aufmerksamkeit jener binden, die früher Walkman gehört haben würden als der Lehrer sprach.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 13:23

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 12:53)

Sie können Kosteneinsparungen bieten. Es handelt sich um kleine Computer. Zudem können sie geräuschlos die Aufmerksamkeit jener binden, die früher Walkman gehört haben würden als der Lehrer sprach.


Das ist, als würde man Schülern mit schwerem Husten Abführmittel geben, damit es im Klassenzimmer still ist, weil der Schüler ja auf der Toilette hustet.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 13:27

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 13:23)

Das ist, als würde man Schülern mit schwerem Husten Abführmittel geben, damit es im Klassenzimmer still ist, weil der Schüler ja auf der Toilette hustet.

Die Entscheidung, ob der Schüler sein Desinteresse/Unterforderung/pubertäre Prioritätensetzung mit dem Telefon oder klassisch-lautstark umsetzt, ist mit einem medizinisch nicht angebrachten wenn auch kreativen Ansatz, den du hier beschreibst, nicht auf eine Stufe zu stellen.

Es gibt auch tolle Lern- und Bildungssoftware auf dem Telefon. Wenn er in der Französisch-Stunde lieber Geschichte lernt, soll es mir nur recht sein. Und sei es in Form von Panzerschlachten.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 13:35

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 13:27)

Die Entscheidung, ob der Schüler sein Desinteresse/Unterforderung/pubertäre Prioritätensetzung mit dem Telefon oder klassisch-lautstark umsetzt, ist mit einem medizinisch nicht angebrachten wenn auch kreativen Ansatz, den du hier beschreibst, nicht auf eine Stufe zu stellen.

Es gibt auch tolle Lern- und Bildungssoftware auf dem Telefon. Wenn er in der Französisch-Stunde lieber Geschichte lernt, soll es mir nur recht sein. Und sei es in Form von Panzerschlachten.


Und wenn die Panzerschlacht gewonnen ist, geht's zum Anatomieunterricht, um in Sexualkunde dann wieder Panzerschlachten spielen zu können.
Nein, meine Erfahrung spricht dagegen. Und am glücklichsten über Handyverbote sind übrigens die Eltern.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 13:59

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 13:35)

Und wenn die Panzerschlacht gewonnen ist, geht's zum Anatomieunterricht, um in Sexualkunde dann wieder Panzerschlachten spielen zu können.
Nein, meine Erfahrung spricht dagegen. Und am glücklichsten über Handyverbote sind übrigens die Eltern.

Ich kann dir nur sagen, dass ich fast keinen normalen Schüler ohne Telefon kenne. Auch unsere jungen Azubis sind gern mal tagsüber online in der BS-Woche. Die Studenten sowieso. Man bringt den jungen Leuten nur bei, dass Gesetze lebensfremd sind und auch nichts dabei ist, sie zu ignorieren. Das finde ich doch eher kritisch.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 14:12

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 13:59)

Ich kann dir nur sagen, dass ich fast keinen normalen Schüler ohne Telefon kenne. Auch unsere jungen Azubis sind gern mal tagsüber online in der BS-Woche. Die Studenten sowieso. Man bringt den jungen Leuten nur bei, dass Gesetze lebensfremd sind und auch nichts dabei ist, sie zu ignorieren. Das finde ich doch eher kritisch.


Es ist für mich eine rein pragmatische Angelegenheit von Präferenzen: Was ist Sinn und Zweck von Unterricht und welche Rolle spielt das Handy darin. Wenn es keinen praktischen Mehrwert bietet, gleichzeitig aber einen hohen Ablenkungsfaktor darstellt, dann mus eine simple und lebenspraktische Regel lauten: Im Unterricht nicht. Und daraus ergibt sich auch ganz lebenspraktisch: An der Schule nicht, dann können alle entspannt ohne Handy sein. Nicht nur in dieser Hinsicht haben Privatschulen hier den öffentlichen etwas voraus.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 14:19

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 14:12)

Es ist für mich eine rein pragmatische Angelegenheit von Präferenzen: Was ist Sinn und Zweck von Unterricht und welche Rolle spielt das Handy darin.

Das ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Es gibt auch kein explizites Walkman-Verbot, über das diskutiert würde. Oder ein explizites Verbot, im Bildungsmaterial ein Comicheft oder - hihi, gibt's die noch? - die Bravo zu verstecken. Und wenn die Schüler sich unter'm Tisch gegenseitig am Penis reiben, ist das zwar sicher eine Ablenkung und ganz klar nicht der Zweck der Schule, aber ist's was, das wir plakativ hervorheben? Doch eher nicht. Plakativ wird's, wenn der Lehrer mitmacht und dann ab zum Staatsanwalt mit Blaulicht und mit Recht.

Ich bin der Meinung, dass die Schüler ein Mobilfunktelefon mit sich führen dürfen - das tun sie sowieso - und dass alles, das die Störung Dritter im Unterricht angeht, bereits durch allgemeines Regelwerk abgedeckt ist. Insoweit der Schüler leise und unauffällig vorrangig sich selbst zerstreut, sehe ich überhaupt keinen Regelungsbedarf - und auch keine Aussicht, mit Regelwut irgendwas zu erreichen, das der freundliche Hinweis des Lehrers nicht auch schafft.

Was Privatschulen angeht, gehören die in Deutschland zu hohen Anteilen den Kirchen und Vereinen, die sogenannte alternative Bildungskonzepte als Ideologie haben (Walldorf, Montessourie, Jenaplan etc)
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 15:07

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 14:19)

Das ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Es gibt auch kein explizites Walkman-Verbot, über das diskutiert würde. Oder ein explizites Verbot, im Bildungsmaterial ein Comicheft oder - hihi, gibt's die noch? - die Bravo zu verstecken. Und wenn die Schüler sich unter'm Tisch gegenseitig am Penis reiben, ist das zwar sicher eine Ablenkung und ganz klar nicht der Zweck der Schule, aber ist's was, das wir plakativ hervorheben? Doch eher nicht. Plakativ wird's, wenn der Lehrer mitmacht und dann ab zum Staatsanwalt mit Blaulicht und mit Recht.

Ich bin der Meinung, dass die Schüler ein Mobilfunktelefon mit sich führen dürfen - das tun sie sowieso - und dass alles, das die Störung Dritter im Unterricht angeht, bereits durch allgemeines Regelwerk abgedeckt ist. Insoweit der Schüler leise und unauffällig vorrangig sich selbst zerstreut, sehe ich überhaupt keinen Regelungsbedarf - und auch keine Aussicht, mit Regelwut irgendwas zu erreichen, das der freundliche Hinweis des Lehrers nicht auch schafft.

Was Privatschulen angeht, gehören die in Deutschland zu hohen Anteilen den Kirchen und Vereinen, die sogenannte alternative Bildungskonzepte als Ideologie haben (Walldorf, Montessourie, Jenaplan etc)


Ok, in der Waldorfschule dürfen sie wegen mir damit spielen. Ist ja eh wurscht dort. :D

Ich glaube einfach, dass das Smartphone etwas nie Dagewesenes ist. Nie hat ein Objekt den ganz alltäglichen Menschen in seiner gesamten Existenz dermaßen in seinen Bann gezogen. (Womit ich mich jetzt aber nicht an Spitzers Seite begeben möchte!). Ich halte das explizite Verbot einfach für richtig, nicht nur aus Unterrichtsgründen. Aber da ich selbst aus dem Unterrichten ausgestiegen bin, darf man das regeln, wie man will. Wichtig wäre mir, dass Schulen nach ihrem Bedarf ein Verbot aussprechen dürfen. Dann habe ich (oder die älteren Kinder) die Wahl: Passt mir das nicht, schicke ich sie an eine andere Schule.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 15:13

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 15:07)

Ok, in der Waldorfschule dürfen sie wegen mir damit spielen. Ist ja eh wurscht dort. :D

Ich glaube einfach, dass das Smartphone etwas nie Dagewesenes ist. Nie hat ein Objekt den ganz alltäglichen Menschen in seiner gesamten Existenz dermaßen in seinen Bann gezogen. (Womit ich mich jetzt aber nicht an Spitzers Seite begeben möchte!). Ich halte das explizite Verbot einfach für richtig, nicht nur aus Unterrichtsgründen. Aber da ich selbst aus dem Unterrichten ausgestiegen bin, darf man das regeln, wie man will. Wichtig wäre mir, dass Schulen nach ihrem Bedarf ein Verbot aussprechen dürfen. Dann habe ich (oder die älteren Kinder) die Wahl: Passt mir das nicht, schicke ich sie an eine andere Schule.

Ich verstehe deine Motivation. Mit Spitzer fangen wir jetzt gar nicht erst an. Jedoch, was erwartest du von einem Verbot, das nicht bereits mit dem Weisungsrecht des Lehrers abgedeckt ist? Und meinst du, da hält sich wer dran?
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 27. Nov 2017, 15:22

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 15:13)

Und meinst du, da hält sich wer dran?


An der Privatschule, die ich kenne, funktioniert das bestens. Keine der Schülerinnen dort ist erpicht darauf, ihr Extended Mind-Utensil auf dem Rektorat abholen zu müssen. Da muss man manchmal lange warten :D Es funktioniert ohne jegliches Aufhebens um die Sache.

Ich glaube um abschließend über Sinn und Unsinn jenseits rein pragmatischer Regeln zu urteilen, müssen wir noch auf ein paar größere Studien warten. Vor allem vergleichende Langzeitstudien wären nicht schlecht, aber da es kaum noch smartphonefreie Individuen gibt (außer in etwas schrägen Milieus), ist das schwierig. Aus der Erfahrung raus weiß ich nur ganz bestimmt: In Schulen, die sowieso schon massive Disziplinprobleme haben (und da sind manche Gegenden und Privatschulen noch Inseln), ist das Smartphone dann der ultimative Aufmerksamkeitskiller. Da müsste man das eigentlich wie bei Waldorfschulen sagen: Ist eh wurscht, allerdings eben kein gangbarer Weg.
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Re: Handyverbot an Schulen?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 15:36

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Nov 2017, 15:22)

An der Privatschule, die ich kenne, funktioniert das bestens. Keine der Schülerinnen dort ist erpicht darauf, ihr Extended Mind-Utensil auf dem Rektorat abholen zu müssen. Da muss man manchmal lange warten :D Es funktioniert ohne jegliches Aufhebens um die Sache.

Da kann ich schlecht mitreden, ich kenne jene eine Schule, von der du sprichst, wohl nicht selber. Privatschulen, die ich kannte, katholische zumal, nehme ich schlichtweg nicht ganz ernst. Wer da hingeht, ist auch selber ... sagen wir mal in der Verantwortung, das klingt nicht so böse.

Ich glaube um abschließend über Sinn und Unsinn jenseits rein pragmatischer Regeln zu urteilen, müssen wir noch auf ein paar größere Studien warten. Vor allem vergleichende Langzeitstudien wären nicht schlecht, aber da es kaum noch smartphonefreie Individuen gibt (außer in etwas schrägen Milieus), ist das schwierig.

Ja, das Ansinnen erscheint ein wenig aus der Zeit gefallen. Am Ende einer Langzeitstudie sind wir vielleicht längst bei Datenbrillen. Ein direktes Gehirn-Interface für Chips ist wohl irgendwo experimentell schon beschrieben. Wer weiß.
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