Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

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relativ
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 16:20

Alster hat geschrieben:(07 Jun 2018, 17:04)

plattes Abstreiten ist als Argument zu dünn.
Das BVerfG hat moniert, dass die anzahl der staatlichen bzw. staatsnahen Mitglieder in der Gremien zu hoch sei aber das hat laut user/userin "relativ" nichts mit fehlender Staatsferne zu tun. Eine gewisse Absurdität der Argumentation scheint den user/die userin wohl nicht zu stören.
Lag denn jetzt ein begründeter Verdacht vor, oder warum habe die beiden Länder ein Verfassungsgericht angerufen? Klär mich auf Erklärbär. :D



Non sequitur: Wenn sich zwei politische Lager um ein Revier streiten, dann besagt das noch lange nicht, dass dieses Revier nicht von diesen Lagern kontrolliert sei.

[...]
Wenn du es so siehst, wie du es siehst, gibt es eigentlich nirgendwo etwas, was nicht von irgendwem kontrolliert, beeinflusst ect. wird.
Zuletzt geändert von Brainiac am So 10. Jun 2018, 16:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Antonius » Do 7. Jun 2018, 17:56

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 11:08)
(...)
Ihre Persönliche Konsequenz daraus darf sie natürlich ziehen , ich finde es nur schäbig eine Begrüßungsform als Problem Anker für ein kulturelles Zusammenleben zu nehmen, auch wenn es sie persönlich wohl offensichtlich hart getroffen hat, wenn sie nach Jahren (wann war das 2014?) immer noch darauf herrumreitet.
Nicht sie hat das Thema aufgebracht, sondern - soweit ich mich erinnere - der Islam-Apologet und Verbandsvertreter.
Daß Frau Klöckner dann eine Richtigstellung vornahm, ist ihr (vornehmstes) Recht.
Der Islam-Apologet hat in der Diskussion noch weitere zweifelhafte Aussagen gemacht, die jeweils richtiggestellt werden mußten.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 20:11

Antonius hat geschrieben:(07 Jun 2018, 18:56)

Nicht sie hat das Thema aufgebracht, sondern - soweit ich mich erinnere - der Islam-Apologet und Verbandsvertreter.
Daß Frau Klöckner dann eine Richtigstellung vornahm, ist ihr (vornehmstes) Recht.
Der Islam-Apologet hat in der Diskussion noch weitere zweifelhafte Aussagen gemacht, die jeweils richtiggestellt werden mußten.

Erstmal habe ich nicht behauptet das sie dieses Thema aufgemacht hat, sondern darauf rumreitet und dies hat sie nunmal.
Was der islamische Politiker da Teilweise von sich gegeben hat, war auch nicht korrekt, aber eben nicht mein Thema in den Beitrag welchen du geqoutet hast.
Also dein vornehmens Recht wäre es korrekt zu lesen und dann erst dein Gedanken zu äußern...Danke.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Polibu » Do 7. Jun 2018, 20:55

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 21:11)

Erstmal habe ich nicht behauptet das sie dieses Thema aufgemacht hat, sondern darauf rumreitet und dies hat sie nunmal.
Was der islamische Politiker da Teilweise von sich gegeben hat, war auch nicht korrekt, aber eben nicht mein Thema in den Beitrag welchen du geqoutet hast.
Also dein vornehmens Recht wäre es korrekt zu lesen und dann erst dein Gedanken zu äußern...Danke.



Wenn jemand eine Falschaussage korrigiert, dann ist das kein „drauf rumreiten“
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 22:51

Polibu hat geschrieben:(07 Jun 2018, 21:55)

Wenn jemand eine Falschaussage korrigiert, dann ist das kein „drauf rumreiten“

Welches war denn die falsche Aussage?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Zunder » Fr 8. Jun 2018, 00:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 09:31)
Klöckner ist doch u.a. auch Poltitikwissenschaftlerin. Weiß sie denn nicht, dass in einem Rechtsstaat gesellschaftliche Normen und Grenzen durch Gesetze festgelegt werden.

Gesellschaftliche Normen werden grundsätzlich nicht durch Gesetze geregelt, sonst wäre es Rechtsnormen.
Auch wenn du diesen Unfug ständig wiederholst, wird er nicht richtig.
schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 09:31)
.....hat aber die Politik absolut nix anzugehen

Selbstverständlich hat es die Politik etwas anzugehen, wie Menschen miteinander umgehen.
Man sollte sich einfach mal überlegen, welche Arroganz in der Anmaßung steckt, der Politik bzw. einer Politikerin vorzuschreiben, was sie etwas anzugehen hat. Das ist doch vollkommen irre.
schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 09:31)
So muss man die Frage der Verteidigung "westlicher Werte" stellen.

Es gibt überhaupt keine Vorschrift, wie man die Frage der Verteidigung "westlicher Werte" stellen MUSS.
Wie man Fragen stellen MUSS, mag eine Herzensangelegenheit von Erich Mielke gewesen sein - in einem demokratischen Rechtsstaat gilt auch die Freiheit der Fragestellung.
Manchmal habe ich den Eindruck, daß die DDR-Sozialisation nicht nur bei AfD- und Pegida-Fans ihre Spuren hinterlassen hat.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon ThorsHamar » Fr 8. Jun 2018, 01:21

Zunder hat geschrieben:(08 Jun 2018, 01:11)

Gesellschaftliche Normen werden grundsätzlich nicht durch Gesetze geregelt, sonst wäre es Rechtsnormen.


Das ist, "grundsätzlich" so formuliert, natürlich Unsinn.

....- in einem demokratischen Rechtsstaat gilt auch die Freiheit der Fragestellung.
:D :D :D :D :D
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Zunder » Fr 8. Jun 2018, 01:30

ThorsHamar hat geschrieben:(08 Jun 2018, 02:21)

Das ist, "grundsätzlich" so formuliert, natürlich Unsinn.

Daß es dich überfordert, zwischen Rechtsnormen, die tatsächlich gesetzlich geregelt werden, und gesellschaftlichen Normen, die sich aus Sitten und Gebräuchen ergeben, zu unterscheiden, überrascht nicht wirklich.
ThorsHamar hat geschrieben:(08 Jun 2018, 02:21)
:D :D :D :D :D

Tja, witzig nicht, wo man doch genau weiß, wie Fragen gestellt werden MÜSSEN.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 8. Jun 2018, 09:00

Zunder hat geschrieben:(08 Jun 2018, 01:11)
Selbstverständlich hat es die Politik etwas anzugehen, wie Menschen miteinander umgehen.
Man sollte sich einfach mal überlegen, welche Arroganz in der Anmaßung steckt, der Politik bzw. einer Politikerin vorzuschreiben, was sie etwas anzugehen hat. Das ist doch vollkommen irre.

Ich hatte (sinngemäß) geschrieben, dass im Vorfeld von Gesetzeseinbringungen selbstverständlich über gesellschaftliche Realitäten diskutiert werden muss. In den Parteien, im Parlament, mit den Bürgern, in den Medien usw. Du hast das jetzt in der Zitierung einfach weggelassen. Bleib mal sachlich.

Am Ende jedoch ist für das Handeln nur und ausschließlich das Recht verbindlich. Ich würde es niemals tun, aber ich darf einer Frau das Händeschütteln verweigern, weil sie eine Frau ist. Das Problem ist, dass das Verbot einer solchen Haltung schwerlich in Recht und Gesetz zu fassen ist. Die Gesellschaft muss damit ebenso umgehen können wie mit zahlreichen anderen, zum Teil schwer erträglichen Praktiken. Wenn Frau Klöckner eine solche Haltung (verständlicherweise) persönlich beklagt, ist das das eine. Politisch sollte sie sagen, was getan werden muss. Ohne eine solche auf praktische Verwirklichung ausgerichtete Polemik bleibt es einfach eine persönliche Unwillensäußerung. Dabei kann man praktisch etwas tun. Ich hatte bereits darauf hingewiesen: Bildungspolitik ist Landessache und die Bundesländer können über die Schulordnungen Einfluss auch darauf nehmen, wie der Umgang der Geschlechter schon im Kindes- und Jugendalter eingeübt werden sollte.

Lass doch einfach die billige Polemik. Es ist doch völlig klar, dass ich einer Ministerin ohnehin nix vorschreiben kann. Umgekehrt siehts schon anders aus. Ich kann aber äußern, was ich von ihr als politische Programmatik erwarte. Die Mentalität der Menschen, die in der DDR sozialisiert wurden, besteht wohl eher in der unwidersprochenen Hinnahme eines Obrigkeitswillens.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Fr 8. Jun 2018, 09:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 8. Jun 2018, 09:17

Zunder hat geschrieben:(08 Jun 2018, 02:30)

Daß es dich überfordert, zwischen Rechtsnormen, die tatsächlich gesetzlich geregelt werden, und gesellschaftlichen Normen, die sich aus Sitten und Gebräuchen ergeben, zu unterscheiden, überrascht nicht wirklich.


Gesellschaftliche Normen, Sozialnormen sind selbstverständlich Realität und Gegenstand empirischer Sozialforschung. Der wesentliche Unterschied zu Rechtsnormen besteht darin, dass sie untersuchbar aber nicht vorgebbar sind. Will man gesellschaftliche Normen vorgeben befindet man sich auf dem Weg zurück zur DDR-Gesellschaft.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Fr 8. Jun 2018, 09:46

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 17:20)
Plattes sich auf sein gefühlten Standpunkt stellen und alle sachlichen Fragen und Argumente beseite zu schieben sagt nur aus, daß du es wohl nicht so hast mit unserem Rechtsstaat, noch etwas von förderalem System gehört hast.
Wenn du es so siehst, wie du es siehst, gibt es eigentlich nirgendwo etwas, was nicht von irgendwem kontrolliert, beeinflusst ect. wird.

Ich stelle mich nicht auf MEINEN Standpunkt, sondern ich referiere den Standpunkt des BVerfG. Der besagt, dass mit einem Anteil von 44% staatlicher und staatsnaher Mitglieder in den Gremien die behauptete Staatsferne nicht gegeben sei. Mithin macht das Urteil also klar, dass sich derjenige, der das Märchen vom staatsfernen Staatsfernsehen geglaubt hat zumindest bis 2014 verarschen liess.

Mein persönlicher Standpunkt ist hier überhaupt nicht relevant. Der wäre nämlich, dass selbst bei den geforderten <33% staatlicher oder staatsnaher Gremienmitglieder keine Staatsferne gegeben ist.

Die Beiträge des Nicks relativ enthielten bisher keine sachlichen Argumente (also Bezugnahme auf den konkreten Urteilstext) daher gibts auch nichts beiseite zu schieben.
dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Fr 8. Jun 2018, 10:06

Alster hat geschrieben:(08 Jun 2018, 10:46)

Ich stelle mich nicht auf MEINEN Standpunkt, sondern ich referiere den Standpunkt des BVerfG.
Also dein gefühlter Standpunkt sage ich doch. :D
Der besagt, dass mit einem Anteil von 44% staatlicher und staatsnaher Mitglieder in den Gremien die behauptete Staatsferne nicht gegeben sei. Mithin macht das Urteil also klar, dass sich derjenige, der das Märchen vom staatsfernen Staatsfernsehen geglaubt hat zumindest bis 2014 verarschen liess.
Ja eben, eine fehlende Staatsferne in der Zusammensetzung der Gremien, das besagt aber nicht, daß sie auch staatsnahe Propaganda betreiben, oder die Meinungsvielfalt darunter gelitten hat. den dies war ja wohl deine Intention warum du diesen Urteil angeführt hast, oder?

Mein persönlicher Standpunkt ist hier überhaupt nicht relevant. Der wäre nämlich, dass selbst bei den geforderten <33% staatlicher oder staatsnaher Gremienmitglieder keine Staatsferne gegeben ist.
Doch er ist sogar sehr relevant, es sei denn du weist 100%ig welche andere Intention die Richter bei ihrem Urteil noch hatten, ausser die Qutote in den Gremien.

Die Beiträge des Nicks relativ enthielten bisher keine sachlichen Argumente (also Bezugnahme auf den konkreten Urteilstext) daher gibts auch nichts beiseite zu schieben.

Ähm, user relativ bezieht seine Fragen und Argumente meistens immer auch auf vorherige Aussagen des users den er antwortet und versucht sie in ein Kontext zu setzen. Sollte so einer nicht vorhanden sein, entschuldige ich mich für mein versagen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 8. Jun 2018, 10:33

Aus einem "Sachstandsbericht" des "Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags"
Anders als bei der Presse und beim privaten Rundfunk ist jedoch in Bezug auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine öffentlich-rechtliche Organisation erforderlich, die systemimmanent eine Staatsfreiheit viel weniger zu gewährleisten im Stande ist, da die binnenpluralistische Organisation eine Beteiligung des Staates und jedenfalls der Parteien eher indiziert.
https://www.bundestag.de/blob/491782/8c8d23b7383fcfc5ba6c7471081e9538/wd-10-056-16-pdf-data.pdf
So gestelzt das ganze auch klingt ... es macht deutlich: Staatsferne und gleichzeitig öffentliche, nicht-private Medien ... das ist letztendlich die Quadratur des Kreises.

Auch das sogenannte "Adenauer-Fernsehen" als "Staatsfernsehen" wurde als Konstrukt formal damit begründet, dass die Bundespost das Recht zur Lizenzvergabe besaß, also ein Staatsunternehmen. Das wurde dann vom Verfassungsgericht 1961 gekippt. Der heute geltende Rundfunkstaatsvertrag und die föderale Organisation des ÖRR ... das sind halt halbwegs machbare Kompromissmen zwischen Staatsferne und Staatsgetragenheit. Ich bin nach wie vor dafür, dass der ÖRR sich zurückzieht, sich auf einen Kernbereich beschränkt und das TV-Geschäft überhaupt einstellt. Die Tage des ÖR-TVs sind doch ohnehin gezählt. Warum soll der Bergdoktor oder ein UEFA-Cup-Spiel nicht vom Privat-TV gesendet werden. Warum? Gibt es irgendeinen Grund dafür?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Zunder » Fr 8. Jun 2018, 12:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Jun 2018, 10:17)

Gesellschaftliche Normen, Sozialnormen sind selbstverständlich Realität und Gegenstand empirischer Sozialforschung. Der wesentliche Unterschied zu Rechtsnormen besteht darin, dass sie untersuchbar aber nicht vorgebbar sind. Will man gesellschaftliche Normen vorgeben befindet man sich auf dem Weg zurück zur DDR-Gesellschaft.

Es um deine Aussage:

" Weiß sie denn nicht, dass in einem Rechtsstaat gesellschaftliche Normen und Grenzen durch Gesetze festgelegt werden."

Erst behauptest du, daß gesellschaftliche Normen gesetzlich festgelegt werden, dann sagst du, daß sie nicht vorgebbar sind - also das glatte Gegenteil.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 8. Jun 2018, 14:56

Zunder hat geschrieben:(08 Jun 2018, 13:25)

Es um deine Aussage:

" Weiß sie denn nicht, dass in einem Rechtsstaat gesellschaftliche Normen und Grenzen durch Gesetze festgelegt werden."

Erst behauptest du, daß gesellschaftliche Normen gesetzlich festgelegt werden, dann sagst du, daß sie nicht vorgebbar sind - also das glatte Gegenteil.

Du hast mich - völlig zurecht - auf den Unterschied zwischen Rechtsnormen und gesellschaftlichen, sozialen Normen hingewiesen. Die Vorgabe besteht in der Verrechtlichung. Und alles andere ist Gegebenheit.

Ich kann einfach dieses diffuse Gerede von Dingen, die "wir nicht hinnehmen oder uns nicht gefallen lassen müssen" nicht hören.

Wie geht Vorgabe, ganz konkret. Aus den "Richtlinien und Lehrplänen der Grundschule" des NRW-Bildungsministeriums:
3.3 Reflexive Koedukation
Die Grundschule berücksichtigt, dass unterschiedliche Interessen, Sichtweisen und Lernwege von Mädchen und Jungen sich auf den Erwerb von Wissen und Kompetenzen auswirken können. Sie berücksichtigt dabei die Wirkungen tradierter geschlechtsstereotyper Rollenmuster und Erwartungshaltungen, von denen Mädchen und Jungen schon bei ihrem Eintritt in die Schule geprägt sind. Die Grundschule legt ihre Arbeit daher an als eine gezielte Mädchen- und Jungenförderung im Sinne der reflexiven Koedukation. Es werden Lernarrangements geschaffen, in denen die Wissens- und Kompetenzvermittlung geeignet ist, evtl. bestehende Benachteiligungen zu beseitigen und Defizite auszugleichen. Grundsätzliches Vertrauen in die eigene Stärke und Lernfähigkeit werden auf diese Weise entwickelt. Ziel ist es, auf ein Leben in einer Gesellschaft vorzubereiten, in der Frauen und Männer ihre Lebensplanung unter Nutzung ihrer individuellen Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichberechtigt verwirklichen können.
https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_gs/LP_GS_2008.pdf
Insofern, als diese Richtlinien dem Sinn nach bindend sind, fasse ich das mal laienhaft als "geltendes Recht" auf. Es gibt also durchaus Mittel und Wege, auch Dinge, die das Geschlechterverhältnis betreffen, zu "verrechtlichen".

Ich hab' inzwischen auch den (ziemlich selten benutzten) Fachbegriff für das gefunden, was ich meine: Vigilantismus
Vigilantismus (lateinisch vigilans, wachsam) bezeichnet die jenseits der staatlich zugelassenen Möglichkeiten erfolgende gewaltsame Erzwingung, Verhinderung oder Bestrafung eines unerwünschten Verhaltens anderer durch nicht-staatliche Akteure. Anhänger selbst ernannter Bürgerwehren, die „das Recht in die eigenen Hände“ nehmen, werden als Vigilanten bezeichnet.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Brainiac » Fr 8. Jun 2018, 18:32

[MOD] Es geht hier um den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, nicht um den Unterschied zwischen gesellschaftlichen Normen und Rechtsnormen. Ich lasse das mal soweit stehen, bitte aber hier nicht weiter vertiefen.
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Re: ÖR auf die Kernaufgaben beschränken?

Beitragvon Geri2 » Sa 9. Jun 2018, 21:47

jack000 hat geschrieben:
So ein Schrott kann doch auf keinen Fall zur Grundversorgung gehören. Ebenso gibt es zahlreiche Beispiele fragwürdiger Sendungen.
Der ÖR ist zu einem riesigen Moloch verkommen. Sollte man den ÖR auf die Kernaufgaben beschränken und deutlich verkleinern?

Der einzige Sender, der seinem Auftrag nachkommt, ist der DLF. In einer Demokratie waeren solche Missstaende behebbar.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » So 10. Jun 2018, 09:53

relativ hat geschrieben:(08 Jun 2018, 11:06) Ja eben, eine fehlende Staatsferne in der Zusammensetzung der Gremien, das besagt aber nicht, daß sie auch staatsnahe Propaganda betreiben, oder die Meinungsvielfalt darunter gelitten hat. den dies war ja wohl deine Intention warum du diesen Urteil angeführt hast, oder?

Die regierungsseitig behauptete Staatsferne des ÖR basiert zentral auf der gesetzlich geregelten Staatsferne in der Zusammensetzung der Gremien. Das BVerfG hat also genau mit dieser durch staatliche Sprachregelung geschaffenen Fiktion aufgeräumt.
[...] Bisher ist in diesem Thread eher das Gegenteil passiert, hat der user jack000 konkrete Fälle des ÖR als Propagandamschine thematisiert.


relativ hat geschrieben:(08 Jun 2018, 11:06) Also dein gefühlter Standpunkt sage ich doch. :D

[...] Meine tatsächliche Aussage war:

Alster hat geschrieben:(08 Jun 2018, 10:46)Ich stelle mich nicht auf MEINEN Standpunkt, sondern ich referiere den Standpunkt des BVerfG.
Zuletzt geändert von Brainiac am So 10. Jun 2018, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: [MOD] ad hominem Spam
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Re: ÖR auf die Kernaufgaben beschränken?

Beitragvon Alster » So 10. Jun 2018, 10:04

Geri2 hat geschrieben:(09 Jun 2018, 22:47)

Der einzige Sender, der seinem Auftrag nachkommt, ist der DLF. In einer Demokratie waeren solche Missstaende behebbar.

Der wissenschaftliche Beirat des bundesfinanzministeriums hat sich 2014 auch in eine ähnliche Richtung bewegt:
http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... le%26v%3D5
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Re: ÖR auf die Kernaufgaben beschränken?

Beitragvon schokoschendrezki » So 10. Jun 2018, 12:30

Geri2 hat geschrieben:Der einzige Sender, der seinem Auftrag nachkommt, ist der DLF. In einer Demokratie waeren solche Missstaende behebbar.

Alster hat geschrieben:(10 Jun 2018, 11:04)
Der wissenschaftliche Beirat des bundesfinanzministeriums hat sich 2014 auch in eine ähnliche Richtung bewegt:
http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... le%26v%3D5

Beides völlig richtig.(Abgesehen davon, dass ich mich hierzulande schon noch in einer Demokratie wähne). Auf das Beiratsdokument wurde hier auch schon mehrfach hingewiesen. Das ÖR-TV gehört komplett privatisiert. Aber die frei werdenden (ziemlich umfangreichen) Gebühreneinnahmen sollten wenigstens zum Teil in den Hörfunk, speziell in ein besser ausgebautes Korrespondentennetz und - ganz wichtig - in Honorare für Gastbeiträge fließen.


Es werden ja demnächst wieder zahlreiche Public Viewings zur Fußball WM stattfinden. Die Tatsache, dass die im nichtgewerblichen Fall kostenfrei sind, liegt doch ganz einfach daran, dass die FIFA ihre Kohle übers öffentliche TV per Gebühren bekommt. Ich begreife es einfach nicht, dass dieser Skandal einfach so (fast) ohne Widerspruch hingenommen wird. Dass man im ÖR-TV (im Gegensatz zum DLF) politisch informiert wird ... diese Illusion hab' ich schon lange aufgegeben.
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