Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Mai 2018, 19:22

jack000 hat geschrieben:(22 May 2018, 20:12)

Zumindest irgendeine Datei aus der die PDF-Datei erstellt wurde. Liegt es nicht nahe, dass es eine "Word-Datei" war?

Ja, das mag vielleicht eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben. Wenn ich jemandem per Mailanhang die kompatible Printausgabe eines Dokuments zuschicke, dann gibt es keine "Word-Datei" und dann lässt sich auch mit gutem Willen keine herstellen. Dass Herr Broder davon ausgeht, dass die Nichterstellung an mangelnder Kooperationswilligkeit liegt, deutet auf eine Art von grundsätzlichem "auf Krawall gebürstet" hin. Das Problem ist einfach, dass ich an dieser für mich technisch einfach zu durchschauenden Sachlage meine Zweifel bekomme, ob Leute wie Broder in politisch für mich nicht so einfach zu durchschauenden Sachlagen nicht womöglich Kompetenzen vorgaukeln, die sie gar nicht besitzen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon jack000 » Di 22. Mai 2018, 19:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 May 2018, 20:22)

Ja, das mag vielleicht eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben. Wenn ich jemandem per Mailanhang die kompatible Printausgabe eines Dokuments zuschicke, dann gibt es keine "Word-Datei" und dann lässt sich auch mit gutem Willen keine herstellen. Dass Herr Broder davon ausgeht, dass die Nichterstellung an mangelnder Kooperationswilligkeit liegt, deutet auf eine Art von grundsätzlichem "auf Krawall gebürstet" hin. Das Problem ist einfach, dass ich an dieser für mich technisch einfach zu durchschauenden Sachlage meine Zweifel bekomme, ob Leute wie Broder in politisch für mich nicht so einfach zu durchschauenden Sachlagen nicht womöglich Kompetenzen vorgaukeln, die sie gar nicht besitzen.

Es ist nicht mal schwierig aus einem PDF eine Word-Datei zu erstellen. Die Frage sind die fragwürdigen Antworten warum die Word-Datei verwehrt wurde. Broder ist in diesen Fragen offensichtlich ein DAU.
=> Hätte man das mal vernünftig begründet würde sich diese Frage doch gar nicht stellen!
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Mai 2018, 07:34

jack000 hat geschrieben:(22 May 2018, 20:36)

Es ist nicht mal schwierig aus einem PDF eine Word-Datei zu erstellen. Die Frage sind die fragwürdigen Antworten warum die Word-Datei verwehrt wurde. Broder ist in diesen Fragen offensichtlich ein DAU.
=> Hätte man das mal vernünftig begründet würde sich diese Frage doch gar nicht stellen!

Es lässt sich eine erstellen, ja natürlich. Und es mag auch unfreundlich sein, dies nicht zu tun. Broder behauptet aber, es müsse von vornherein eine geben oder gegeben haben. Was ja nun falsch ist. Und das aber nicht vorsichtig als "DAU" sondern selbstbewusst und überheblich, und er stellt die HR-Intendanz als völliige Informatik-Idioten dar. Dabei ist er der Idiot, wenn er davon ausgeht, eine PDF-Datei könne nur und ausschließlich aus einer Word-Datei erstellt worden sein. Das geht aus dem veröffentlichten achgut-Artikel zweifelsfrei hervor. Um nichts in der Welt hätte ich es bei solch einem Ton getan.

Aber gut. Ich hab' wenig Lust, mich mit solchen Kleinteiligkeiten zu befassen. Worum es eigentlich geht: Es ist völlig normal und sogar aus journalistischer Sicht geboten, über ein Phänomen wie die "Erklärung 2018" zunächst einmal und zumindest auch aus einer distanzierten Position zu berichten. Vor allem, wenn man zu dem Schluss kommt, diese Erklärung sei "Teil eines Angriffs auf unsere liberale Gesellschaft und die Demokratie". Es ist doch vollkommen normal und erwartbar, dass ich, wenn ich ein politisches Manifest schreibe und verbreite, mir damit nicht automatisch das Recht verschafft habe, darüber im öffentlichen Rundfunk mich zu verbreiten.

Der Moderator einer Kultursendung muss eben keineswegs eine Mehrheitsmeinung vertreten sondern ganz im Gegenteil seine und nur seine eigene. Wenn auch möglichst schlüssig und sprachlich originell formuliert. Die, die jetzt alle aufheulen und verlangen, eine Kultursendung müsse proportional die Mehrheitsmeinung der Gebührenzahler widerspiegeln, haben keine Ahnung, was "Kultur" im Zusammenhang mit einem "Kulturmagazin" eigentlich bedeutet. Und sie heucheln. "Magazin für Souveränität" ist der Untertitel der Zeitschrift "Compact", deren Leserschaft typisch für diese Aufheulung ist. Wie denn nun?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Mai 2018, 08:07

Über die Grundsätze der inhaltlichen Gestaltung und die Besetzung des ÖR entscheidet der Rundfunkrat bzw. die Rundfunkräte. Und wer und welche Organisationen dort vertreten sind, regelt wiederum der Rundfunkstaatsvertrag mit seinen zahlreichen Änderungen und Ergänzungen. Man kann nun entweder per Wahlen für eine höhere Beteiligung der präferierten Parteien versuchen, eine Änderung dieser Richtlinien herbeizuführen oder auch per Verfassungsklage die Frage stellen, ob die Verträge und ihre Umsetzung verfassungskonform sind. Die eigentliche Programmerstellung unterliegt grundsätzlich der Pressefreiheit und ist von daher völlig autonom. Das was die Unterzeichner der "Erklärung 2018" im ÖR erreichen wollen ist nach meinem Verständnis entweder dadurch zu erreichen, dass

a) neben Politik, Kirche, Gewerkschaften usw. auch noch weitere, andere Organisationen in den Rundfunkräten sitzen. Dazu müssten die Rundfunstaatsverträge entsprechend geändert werden und dazu wiederum müsste es in Legislative und/oder Exekutive eine andere Parteienverteilung geben.

oder

b) eine entsprechende Verfassungsklage eingereicht wird.

Die Forderung, irgendeine Sendung müsse gefälligst ein anderes Meinungsbild widerspiegeln, ist nix anderes als ein Angriff auf die Pressefreiheit, der auch keineswegs durch den Gebühreneinzug gerechtfertigt ist. Man kann einfach eine andere Meinung dem entgegensetzen. Zum Beispiel in privaten Medien. Was ja durch das duale System durchaus machbar ist.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Fr 25. Mai 2018, 17:03

schokoschendrezki hat geschrieben:Die Forderung, irgendeine Sendung müsse gefälligst ein anderes Meinungsbild widerspiegeln, ist nix anderes als ein Angriff auf die Pressefreiheit, der auch keineswegs durch den Gebühreneinzug gerechtfertigt ist.

Leider kann ich dem so nicht folgen.
Primäre Ausrede für einen Einzug der Rundfunksteuer (zumal in Höhe von ca. EUR 8Mrd/Jahr) ist nun mal der Anspruch Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Sollte nun ein Beobachter zum Ergebnis kommen, dass die Meinungsvielfalt in den Ergüssen der ÖR nicht mehr gegeben ist, dann ist das ein gerechtfertigter Ansatzpunkt dementsprechende Forderungen zu stellen.

Alternative: das (laut staatlicher Sprachregelung staatsferne) Staatsfernsehen lässt die Fiktion der Meinungsvielfalt fallen und erkennt an, das es nur ein Anbieter von vielen ist wie RTL, Google, die Bild-Zeitung etc. auch. Das müsste sich dann aber auch im Budget und in der Aufgabenbeschreibung niederschlagen. So und nur so wäre das Staatsfernsehen mit den Privatanbietern auch hinsichtlich Pressefreiheit gleichgestellt.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alexyessin » Fr 25. Mai 2018, 23:44

Alster hat geschrieben:(25 May 2018, 18:03)

Leider kann ich dem so nicht folgen.
Primäre Ausrede für einen Einzug der Rundfunksteuer (zumal in Höhe von ca. EUR 8Mrd/Jahr)


Von welcher Rundfunksteuer sprichst du jetzt schon wieder? Wurde dir doch ellenlang erklärt......
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Sa 26. Mai 2018, 06:53

Alexyessin hat geschrieben:(26 May 2018, 00:44)

Von welcher Rundfunksteuer sprichst du jetzt schon wieder? Wurde dir doch ellenlang erklärt......

... wobei Du natürlich nicht darauf hinweist, wer wo was erklärt haben will.
Was ich bereits mehrfach erklärt habe ist, dass m.E. eine Abgabe dann Steuercharakter hat, wenn sie voraussetzungslos von der Allgemeinheit erhoben wird.

Darum ging es übrigens nur am Rande. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Frage, ob es statthaft ist Meinungsvielfalt einzufordern, wenn eine Abgabe unter dem Vorwand erhoben wird, Meinungsvielfalt gewährleisten zu wollen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 26. Mai 2018, 21:53

Alster hat geschrieben:(25 May 2018, 18:03)

Leider kann ich dem so nicht folgen.
Primäre Ausrede für einen Einzug der Rundfunksteuer (zumal in Höhe von ca. EUR 8Mrd/Jahr) ist nun mal der Anspruch Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Sollte nun ein Beobachter zum Ergebnis kommen, dass die Meinungsvielfalt in den Ergüssen der ÖR nicht mehr gegeben ist, dann ist das ein gerechtfertigter Ansatzpunkt dementsprechende Forderungen zu stellen.

Alternative: das (laut staatlicher Sprachregelung staatsferne) Staatsfernsehen lässt die Fiktion der Meinungsvielfalt fallen und erkennt an, das es nur ein Anbieter von vielen ist wie RTL, Google, die Bild-Zeitung etc. auch. Das müsste sich dann aber auch im Budget und in der Aufgabenbeschreibung niederschlagen. So und nur so wäre das Staatsfernsehen mit den Privatanbietern auch hinsichtlich Pressefreiheit gleichgestellt.

Nee. Du verstehst das nicht. "Meinungsvielfalt" soll dadurch gewährleistet werden, dass der ÖR auf der einen Seite staatsfern zu sein hat ... das ist ein Prinzip von kaum zu überschätzender Wichtigkeit, Die Ablehnung des Projekts des Adenauerschen Staatsfernsehens 1961 durch das Verfassungsgericht ist in der deutschen Geschichte ein so prägender Meilenstein wie die Ereignisse 1848, 1918, 1945, 1989. Und auf der anderen Seite soll die Meinungsvielfalt dadurch gewährleistet werden, dass mit den Rundfunk-Staats- und Landesverträgen Parteien, Organisationen usw. benannt werden, die in den Rundfunkräten mitgestalten.

Man kann zu einer Sendung wie ttt und ihrem Redakteur stehen wie man will ... für Kritik gibt es etliche lange etablierte Formate - aber: Bekommt man für eine vertraglich festgelegte Zeit die Verantwortung für eine solche Sendung, so heißt das, dass man unter allen Umständen nur und ausschließlich das produziert, was man selbst auch verantwortet. Es wäre schrecklich, würden Redakteure sich jeweils aktuell nach Mehrheitsmeinungen richten. Unaushaltbar. Der Sinn von Pressefreiheit und Autonomie besteht unter anderem gerade darin, dass auch Ansichten "gegen den Strom" geäußert werden können.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » So 27. Mai 2018, 11:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 May 2018, 22:53)

Nee. Du verstehst das nicht. "Meinungsvielfalt" soll dadurch gewährleistet werden, dass der ÖR auf der einen Seite staatsfern zu sein hat ... das ist ein Prinzip von kaum zu überschätzender Wichtigkeit, Die Ablehnung des Projekts des Adenauerschen Staatsfernsehens 1961 durch das Verfassungsgericht ist in der deutschen Geschichte ein so prägender Meilenstein wie die Ereignisse 1848, 1918, 1945, 1989. Und auf der anderen Seite soll die Meinungsvielfalt dadurch gewährleistet werden, dass mit den Rundfunk-Staats- und Landesverträgen Parteien, Organisationen usw. benannt werden, die in den Rundfunkräten mitgestalten.

Also die Regierungen, Parteien und die von ihnen benannten und damit am engsten verflochtenen Lobbygruppen, allen voran Gewerrkschaften und Kirchen sind laut Staatsvertrag in den Gremien vertreten.
Stünde im Grundgesetz, dass das Staatsfernsehen möglichst staatsnah sein solle, dann könnte die Zusammensetzung kaum anders aussehen.
Zu den Deinerseits angeführten Meilensteinen darfst Du gerne das Verfassungsgerichts Urteil 2014 hinzunehmen, in dem dem deutschen ÖR fehlende Staatsferne bescheinigt wird.



schokoschendrezki hat geschrieben:(26 May 2018, 22:53)
Man kann zu einer Sendung wie ttt und ihrem Redakteur stehen wie man will ... für Kritik gibt es etliche lange etablierte Formate - aber: Bekommt man für eine vertraglich festgelegte Zeit die Verantwortung für eine solche Sendung, so heißt das, dass man unter allen Umständen nur und ausschließlich das produziert, was man selbst auch verantwortet. Es wäre schrecklich, würden Redakteure sich jeweils aktuell nach Mehrheitsmeinungen richten. Unaushaltbar. Der Sinn von Pressefreiheit und Autonomie besteht unter anderem gerade darin, dass auch Ansichten "gegen den Strom" geäußert werden können.

Wieso der Konjunktiv? Der ÖR in D arbeitet heute vorwiegend quotenorientiert.
Wo Du recht hast: Durch Staatsverträge verordnete synthetische "Meinungsvielfalt" (von Dir zu Recht in Gänsefüßchen gesetzt) kann so nicht funktionieren. Meinungsvielfalt bekommt man nicht durch die virtuelle Vielfalt der Staatsverträge sondern durch die reale Vielzahl unabhängiger Anbieter in Funk, Internet und Print. Genau denen wird u.a. durch die ausufernde Abschöpfung von Geldmitteln (derzeit EUR 8 Mrd/a Tendenz stark steigend) die Luft abgedreht.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 28. Mai 2018, 07:59

Alster hat geschrieben:(27 May 2018, 12:58)

Also die Regierungen, Parteien und die von ihnen benannten und damit am engsten verflochtenen Lobbygruppen, allen voran Gewerrkschaften und Kirchen sind laut Staatsvertrag in den Gremien vertreten.
Stünde im Grundgesetz, dass das Staatsfernsehen möglichst staatsnah sein solle, dann könnte die Zusammensetzung kaum anders aussehen.
Zu den Deinerseits angeführten Meilensteinen darfst Du gerne das Verfassungsgerichts Urteil 2014 hinzunehmen, in dem dem deutschen ÖR fehlende Staatsferne bescheinigt wird.




Wieso der Konjunktiv? Der ÖR in D arbeitet heute vorwiegend quotenorientiert.
Wo Du recht hast: Durch Staatsverträge verordnete synthetische "Meinungsvielfalt" (von Dir zu Recht in Gänsefüßchen gesetzt) kann so nicht funktionieren. Meinungsvielfalt bekommt man nicht durch die virtuelle Vielfalt der Staatsverträge sondern durch die reale Vielzahl unabhängiger Anbieter in Funk, Internet und Print. Genau denen wird u.a. durch die ausufernde Abschöpfung von Geldmitteln (derzeit EUR 8 Mrd/a Tendenz stark steigend) die Luft abgedreht.


Ja. Mir ist selbst nicht ganz klar, wie man auf der einen Seite Rundfunkfreiheit und Staatsferne mit der Unabhängigkeit von privatwirtschaftlichen Interessen vereinbaren soll. Dass es parallel solche nichtprivatlichen und dennoch staatsfernen Medien auf der einen und umsatzorientierte privatwirtschaftlichen Medien auf der anderen Seite geben sollte, scheint mir dagegen klar. Völlig klar ist aus meiner Sicht auch, dass bezüglich der "Abschöpfung von Geldmitteln" auf Seiten der öffentlichen Medien, das zu gelten hat, was Ökonomen, Untersuchungs-Kommissionen etc. fordern: Das Subsidiaritätsprinzip. Sprich: Das, was Privat-Medien ohnehin und sowieso und liebend gerne liefern, sollte nicht auch noch von Öffentlichen Medien und mit völlig sinnloser Verschwendung von Gebühren geliefert werden: Allen voran Sendungen, bei denen Übertragungsgebühren fällig werden. Im wesentlichen Sportereignisse. Würde man dieses Prinzip heute und jetzt und konsequent durchsetzen, hieße das schlicht und einfach: Das ganze ÖR-TV komplett privatisieren! Und genau dafür bin ich auch.

Und mutmaßlich dann, wenn "Öffentlich" sich auf "Hörfunk" beschränkt, lässt auch das Interesse von Parteien, Kirchen, Gewerkschaften nach und ist erwartbar, dass wirkliche Vielfalt in der politischen Berichterstattung und Kommentierung entsteht. Sozusagen durch "Defokussierung".
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Marmelada » Mi 6. Jun 2018, 18:51

Charles hat geschrieben:(11 Feb 2018, 20:05)

Am Mittwoch erwartet uns der nächste volkspädagogische Propagandafilm im Staatsfunk.



Die Intention des Films ist selbst für einfache Gemüter leicht zu durchschauen.



https://jungefreiheit.de/kultur/2018/di ... usbleiben/

Anschliessend "Diskussion" bei Maischberger über den Film. Mal sehen, ob dort auch kritische Gäste eingeladen werden.
Schlimm. Am heutigen Mittwoch gibt es aber endlich Aufklärung für den Volkskörper:

https://www.daserste.de/unterhaltung/fi ... index.html
Fernsehfilm Deutschland 2017

Paris 2022. François ist Literaturwissenschaftler und Trinker. Seine Beziehungen zu Frauen sind auf ein Jahr befristet, sein Leben ist ausreichend glücklich. Bis zu dem Tag, als der charismatische muslimische Politiker Mohamed Ben Abbes in Frankreich Staatspräsident wird, das Patriarchat und die Polygamie einführt und François seine Anstellung verliert. In seiner zunehmenden Vereinsamung erreicht ihn das Angebot des Rektors Rediger, seine Lehrtätigkeit an der Sorbonne wieder aufzunehmen, unter einer Bedingung: Er muss zum Islam konvertieren.

Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" ist in seiner Hellsichtigkeit und Schärfe das Buch unserer Zeit. Obwohl der Roman vor dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" geschrieben wurde, schildert Houellebecq in dystopischer Zuspitzung die Probleme, die Frankreich und Europa seitdem verstören und verändern -, und uns zwingen zu erkennen, dass unsere Freiheitswerte nicht selbstverständlich sind.

Im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) hat die NFP (Produzent: Clemens Schaeffer) Michel Houellebecqs vieldiskutierten Bestseller "Unterwerfung" 2017 verfilmt. Titus Selge schrieb das Drehbuch und führte Regie. Seine Fernsehadaption kombiniert Ausschnitte der gefeierten gleichnamigen Theaterinszenierung von Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit Filmszenen zu einem außergewöhnlichen Format.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Do 7. Jun 2018, 08:31

Marmelada hat geschrieben:(06 Jun 2018, 19:51)

Schlimm. Am heutigen Mittwoch gibt es aber endlich Aufklärung für den Volkskörper:

https://www.daserste.de/unterhaltung/fi ... index.html

Die Maischberger-Diskussion ging mir aber wirklich gewaltig auf die Nerven. Ein Imam verweigert es, Julia Klöckner die Hand zu geben, da sie eine Frau ist. Tja. Ich hab' es in meiner Erinnerung mindestens zweimal erlebt, dass eine harmlose Begrüßungsumarmung mit einer weiblichen Person auf heftigsten Widerstand stieß. Houellebecq hat nicht nur den Unterwerfungs-Roman geschrieben sondern sich öffentlich als Stalin-Bewunderer geoutet. In der Black Metal-Szene gibts eine Unterkategorie namesn NSBM, in der offen nationalsozialistische Haltungen bemusiziert werden. In Deutschland wird im Durchschnitt beinahe täglich eine Teufelsaustreibung betrieben. Auch heute gibts eine KPD, die die Vernichtung der Staatsmacht durch eine Revolution fordert. Etc. pp. Klöckner ist doch u.a. auch Poltitikwissenschaftlerin. Weiß sie denn nicht, dass in einem Rechtsstaat gesellschaftliche Normen und Grenzen durch Gesetze festgelegt werden. In vorgeschriebenen Verfahren. In der Regel, indem eine Legislative (in Deutschland Bundestag, Bundesrat, gemeinsamer Ausschuss, Landesparlamente) entsprechende Vorlagen einbringt, die bestätigt werden müssen und für deren Einhaltung eine Exekutive zu sorgen hat. Das Tragen eines Hakenkreuzes ist im Rahmen des Gesetzes über die Verwendung verfassungswidriger Organisationskennzeichen strafgesetzlich verboten. Die Aufführung extremer Rock-Events endet beim Strafgesetz-Paragraphen über Erregung öffentlichen Ägernisses. So geht das. Alles, was den gängigen, durchschnittlichen Verhaltensweisen widerspricht, also auch das EinerFrauNichtDieHandgebenWollen kann gerne und sollte auch im Rahmen der Meinungsfreiheit in der Presse, in den Medien, in Disskusionsclubs oder wo auch immer diskutiert werden bzw. auch aktiv durch gesellschaftliche Aktionen befördert oder unterbunden werden, hat aber die Politik absolut nix anzugehen. Immer mehr driftet die Gesellschaft in eine Behördenmoralanstalt. Das ist ja unerträglich. So hat man ab Anfang der 30er Jahre auf die angeblich verdorbenen und dekadenten 20er zurückgeblickt. So hat man ein Jahrhundertgenie wie Chaplin wegen "unamerikanischen Verhaltens" endgültig aus den USA vertrieben. So gab es in der DDR die absurderweise auf biblische Vorstellungen zurückgehenden "10 Gebote einer sozialistischen Persönlichkeit". So muss man die Frage der Verteidigung "westlicher Werte" stellen. Im Bestehen auf Rechtsstaatlichkeit als einziger und alleiniger Instanz für Verhaltensregelung. So problematisch das in der Konsequenz im Alltagsleben auch immer sein mag.

Man kann versuchen, die moderne Vorstellung von Geschlechtergleichstellung in Gesetze zu fassen, indem man etwa Parität in der Leitung größerer Organisationen und Wirtschaftsunternehmen gesetzlich einfordert. Oder indem landesrechtlich verordnete Schulordnungen bestimmte Verhaltensweisen von Schülern vorschreiben oder untersagen. Es darf keinen Weg an einer solchen Verfahrensweise vorbei geben. Ich kann diese kulturalistischen Argumentationen von Politikern und Politikerinnen nach irgendeinem Verhaltenskodex jenseits von Gesetzlichkeit nicht mehr ertragen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Do 7. Jun 2018, 09:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 09:31)
So gab es in der DDR die absurderweise auf biblische Vorstellungen zurückgehenden "10 Gebote einer sozialistischen Persönlichkeit".

daran ist nichts absurd. Das ist nur eins von vielen Merkmalen, die den ML als christlich fundamentalistische Religion ausweisen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 09:58

Alster hat geschrieben:(27 May 2018, 12:58)

Zu den Deinerseits angeführten Meilensteinen darfst Du gerne das Verfassungsgerichts Urteil 2014 hinzunehmen, in dem dem deutschen ÖR fehlende Staatsferne bescheinigt wird.

Da ging es ausschließlich um die Zusammensetzung der Gremien in der Rundfunkanstalten, die dürfen nicht zu Staatslastig sein. Von einen Bescheinigung fehlender Staatsferne war dort nix zu lesen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 10:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 09:31)

Die Maischberger-Diskussion ging mir aber wirklich gewaltig auf die Nerven. Ein Imam verweigert es, Julia Klöckner die Hand zu geben, da sie eine Frau ist. Tja. Ich hab' es in meiner Erinnerung mindestens zweimal erlebt, dass eine harmlose Begrüßungsumarmung mit einer weiblichen Person auf heftigsten Widerstand stieß. Houellebecq hat nicht nur den Unterwerfungs-Roman geschrieben sondern sich öffentlich als Stalin-Bewunderer geoutet. In der Black Metal-Szene gibts eine Unterkategorie namesn NSBM, in der offen nationalsozialistische Haltungen bemusiziert werden. In Deutschland wird im Durchschnitt beinahe täglich eine Teufelsaustreibung betrieben. Auch heute gibts eine KPD, die die Vernichtung der Staatsmacht durch eine Revolution fordert. Etc. pp. Klöckner ist doch u.a. auch Poltitikwissenschaftlerin. Weiß sie denn nicht, dass in einem Rechtsstaat gesellschaftliche Normen und Grenzen durch Gesetze festgelegt werden. In vorgeschriebenen Verfahren. In der Regel, indem eine Legislative (in Deutschland Bundestag, Bundesrat, gemeinsamer Ausschuss, Landesparlamente) entsprechende Vorlagen einbringt, die bestätigt werden müssen und für deren Einhaltung eine Exekutive zu sorgen hat. Das Tragen eines Hakenkreuzes ist im Rahmen des Gesetzes über die Verwendung verfassungswidriger Organisationskennzeichen strafgesetzlich verboten. Die Aufführung extremer Rock-Events endet beim Strafgesetz-Paragraphen über Erregung öffentlichen Ägernisses. So geht das. Alles, was den gängigen, durchschnittlichen Verhaltensweisen widerspricht, also auch das EinerFrauNichtDieHandgebenWollen kann gerne und sollte auch im Rahmen der Meinungsfreiheit in der Presse, in den Medien, in Disskusionsclubs oder wo auch immer diskutiert werden bzw. auch aktiv durch gesellschaftliche Aktionen befördert oder unterbunden werden, hat aber die Politik absolut nix anzugehen. Immer mehr driftet die Gesellschaft in eine Behördenmoralanstalt. Das ist ja unerträglich. So hat man ab Anfang der 30er Jahre auf die angeblich verdorbenen und dekadenten 20er zurückgeblickt. So hat man ein Jahrhundertgenie wie Chaplin wegen "unamerikanischen Verhaltens" endgültig aus den USA vertrieben. So gab es in der DDR die absurderweise auf biblische Vorstellungen zurückgehenden "10 Gebote einer sozialistischen Persönlichkeit". So muss man die Frage der Verteidigung "westlicher Werte" stellen. Im Bestehen auf Rechtsstaatlichkeit als einziger und alleiniger Instanz für Verhaltensregelung. So problematisch das in der Konsequenz im Alltagsleben auch immer sein mag.

Man kann versuchen, die moderne Vorstellung von Geschlechtergleichstellung in Gesetze zu fassen, indem man etwa Parität in der Leitung größerer Organisationen und Wirtschaftsunternehmen gesetzlich einfordert. Oder indem landesrechtlich verordnete Schulordnungen bestimmte Verhaltensweisen von Schülern vorschreiben oder untersagen. Es darf keinen Weg an einer solchen Verfahrensweise vorbei geben. Ich kann diese kulturalistischen Argumentationen von Politikern und Politikerinnen nach irgendeinem Verhaltenskodex jenseits von Gesetzlichkeit nicht mehr ertragen.

Die gute Frau Klöckner hat die Situation wo ihr nicht die Hand gegeben würde ja in einen Kontext mit den Frauenbild des Islams gestellt. Das kann man natürlich machen, nur misst man der Sache ansich dadurch natürlich auch ein wenig zu viel Bedeutung bei, bzw. versucht die Muslime wieder als homogene Gruppe dazustellen, die angeblich mit Frauengleichberechtigung grundsätzliche/grundgesetzliche Probleme haben
Ihre Persönliche Konsequenz daraus darf sie natürlich ziehen , ich finde es nur schäbig eine Begrüßungsform als Problem Anker für ein kulturelles Zusammenleben zu nehmen, auch wenn es sie persönlich wohl offensichtlich hart getroffen hat, wenn sie nach Jahren (wann war das 2014?) immer noch darauf herrumreitet.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Do 7. Jun 2018, 10:11

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 10:58)

Da ging es ausschließlich um die Zusammensetzung der Gremien in der Rundfunkanstalten, die dürfen nicht zu Staatslastig sein. Von einen Bescheinigung fehlender Staatsferne war dort nix zu lesen.

sry, aber wenn das Verfassungsgericht feststellt, dass die Gremien zu staatslastig seien, dann bescheinigt es dem Staatsfernsehen damit fehlende Staatsferne.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 10:21

Alster hat geschrieben:(07 Jun 2018, 11:11)

sry, aber wenn das Verfassungsgericht feststellt, dass die Gremien zu staatslastig seien, dann bescheinigt es dem Staatsfernsehen damit fehlende Staatsferne.

Nein tut es nicht, oder lag so ein begründeter Verdacht vor.
Es war ja eher so, daß der Staat selber, in Form 2er Länder (Rheinland-Pfalz und des Hamburger) diese Überprüfung/Antrag eingeleitet hat. :eek:
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Do 7. Jun 2018, 13:47

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 11:08)

Die gute Frau Klöckner hat die Situation wo ihr nicht die Hand gegeben würde ja in einen Kontext mit den Frauenbild des Islams gestellt. Das kann man natürlich machen, nur misst man der Sache ansich dadurch natürlich auch ein wenig zu viel Bedeutung bei, bzw. versucht die Muslime wieder als homogene Gruppe dazustellen, die angeblich mit Frauengleichberechtigung grundsätzliche/grundgesetzliche Probleme haben
Ihre Persönliche Konsequenz daraus darf sie natürlich ziehen , ich finde es nur schäbig eine Begrüßungsform als Problem Anker für ein kulturelles Zusammenleben zu nehmen, auch wenn es sie persönlich wohl offensichtlich hart getroffen hat, wenn sie nach Jahren (wann war das 2014?) immer noch darauf herrumreitet.

Ihre persönliche Betroffenheit will ich ihr auch keineswegs abstreiten. Ich verurteile eine solche frauenfeindliche Haltung gleichermaßen. Es geht nur darum, worin die Konsequenz besteht. Worauf dieses verständliche "Wir müssen das nicht dulden" eigentlich abzielt. Das Rechtsstaatsprinzip unserer Demokratie ist absolut unverhandelbar und steht ganz klar über verständlichen Antipathien. Ich hatte ja einige weitere allgemein als sehr negativ bewertete Beispiele genannt. Die Gesellschaft muss das entweder tolerieren können oder den vorgeschriebenen rechtsstaatlichen Weg der Gesetzesgebung einhalten. Natürlich kann und sollte es im Zuge dieser gesetzgeberischen Tätigkeiten in Parteien, Parlament, Regierungsinstitutionen Diskussionen darüber geben, wohin man denn will. Der "Kreuzerlass" ist nun und inzwischen als "Paragraf 28 der Geschäftsordnung für bayerische Behörden" geltendes Recht. Auch ich, der ich dies als völlig daneben empfinde, muss das akzeptieren (sollte ich in die unangenehme aber zum Glück extrem unwahrscheinliche Lage geraten, für eine bayerische Behörde arbeiten zu müssen). Das. was Klöckner und etliche andere Politiker herbeireden wollen ist aber eine Art Parallelrichterlichkeit. Ein "Wir als Gesellschaft" müssen das nicht dulden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jede Gemeinschaft in Deutschland hat das gute Recht, seine Vorstellungen von Gemeinschaftlichkeit zu praktizieren und zu propagieren. Ein Hundezüchterverein kann einen Hundenichtmöger (wie mich) bei einem Vereinsfest ausladen. UNd der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kann mit vollem Recht zu einem Boykott rechtslastiger Verlage aufrufen. Da mögen die "Charta 2017"-Leute noch so herumzetern. Aber eine Regierung kann keine Richtlinien ausgeben, die nicht in Gesetze und geltendes Recht gefasst sind. Es läuft auf eine Gesellschaft hinaus, in der es üblich wird, mit dem Finger zu zeigen und zu denunzieren nach dem Motto: "Seht euch den Bürger Schokoschendrezki an! Schon wieder hat er nicht, wie es hierzulande üblich ist, sein Auto waschen lassen, und gegrüßt hat er unlängst auch nicht ..." Selbst eine so konservative Zeitung wie die "Welt" bringt es in einem Artikel ganz kurz und knapp auf den Punkt: "Der Rechtsstaat ist die deutsche Leitkultur". Dem ist nix hinzuzufügen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon relativ » Do 7. Jun 2018, 14:03

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Jun 2018, 14:47)

Ihre persönliche Betroffenheit will ich ihr auch keineswegs abstreiten. Ich verurteile eine solche frauenfeindliche Haltung gleichermaßen. Es geht nur darum, worin die Konsequenz besteht. Worauf dieses verständliche "Wir müssen das nicht dulden" eigentlich abzielt. Das Rechtsstaatsprinzip unserer Demokratie ist absolut unverhandelbar und steht ganz klar über verständlichen Antipathien. Ich hatte ja einige weitere allgemein als sehr negativ bewertete Beispiele genannt. Die Gesellschaft muss das entweder tolerieren können oder den vorgeschriebenen rechtsstaatlichen Weg der Gesetzesgebung einhalten. Natürlich kann und sollte es im Zuge dieser gesetzgeberischen Tätigkeiten in Parteien, Parlament, Regierungsinstitutionen Diskussionen darüber geben, wohin man denn will. Der "Kreuzerlass" ist nun und inzwischen als "Paragraf 28 der Geschäftsordnung für bayerische Behörden" geltendes Recht. Auch ich, der ich dies als völlig daneben empfinde, muss das akzeptieren (sollte ich in die unangenehme aber zum Glück extrem unwahrscheinliche Lage geraten, für eine bayerische Behörde arbeiten zu müssen). Das. was Klöckner und etliche andere Politiker herbeireden wollen ist aber eine Art Parallelrichterlichkeit. Ein "Wir als Gesellschaft" müssen das nicht dulden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jede Gemeinschaft in Deutschland hat das gute Recht, seine Vorstellungen von Gemeinschaftlichkeit zu praktizieren und zu propagieren. Ein Hundezüchterverein kann einen Hundenichtmöger (wie mich) bei einem Vereinsfest ausladen. UNd der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kann mit vollem Recht zu einem Boykott rechtslastiger Verlage aufrufen. Da mögen die "Charta 2017"-Leute noch so herumzetern. Aber eine Regierung kann keine Richtlinien ausgeben, die nicht in Gesetze und geltendes Recht gefasst sind. Es läuft auf eine Gesellschaft hinaus, in der es üblich wird, mit dem Finger zu zeigen und zu denunzieren nach dem Motto: "Seht euch den Bürger Schokoschendrezki an! Schon wieder hat er nicht, wie es hierzulande üblich ist, sein Auto waschen lassen ..." Selbst eine so konservative Zeitung wie die "Welt" bringt es in einem Artikel ganz kurz und knapp auf den Punkt: "Der Rechtsstaat ist die deutsche Leitkultur". Dem ist nix hinzuzufügen.

Das Händeschütteln ist ja auch nicht Gesetzlich verankert.
Ich finde es schwer, mit Dingen wie Händeschütteln, oder nicht, einen positiven nach vorne gerichteten Dialog/Diskurs zu führen , anstatt mit kulturellen Schwierigkeiten die ja wirklich auch vorhanden sind.
Ob mir einer die Hand gibt, oder nicht und aus welchem Grund, kann ich persönlich verarbeiten , dafür brauche ich keinen gesellschaftlichen Diskurs. Da gibt es wirklich bessere Ansatzpunkte.
Der Kruxifix erlass ist für mich einfach eine gezielte Abgrenzung. Wir hier, ihr da, so die Botschaft und dies aus staatlicher Sicht. M.M. eine verherrende Botschaft, steht sie doch im Kontext zur mom. angespannten Lage gegenüber den Muslimen und den Islam. Das Potential zur weiteren Spaltung der Gesellschaft ist hier offensichtlich, ich befürchte es ist gewollt. Der alleinige Grund der Wahlen in Bayern kann ich mir fast schon gar nicht mehr vorstellen , so dumm kann gar kein Politiker sein, dieses Potenzial zu übersehen.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Do 7. Jun 2018, 16:04

relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 11:21)
Nein tut es nicht, oder lag so ein begründeter Verdacht vor.

plattes Abstreiten ist als Argument zu dünn.
Das BVerfG hat moniert, dass die anzahl der staatlichen bzw. staatsnahen Mitglieder in der Gremien zu hoch sei aber das hat laut user/userin "relativ" nichts mit fehlender Staatsferne zu tun. Eine gewisse Absurdität der Argumentation scheint den user/die userin wohl nicht zu stören.


relativ hat geschrieben:(07 Jun 2018, 11:21)
Es war ja eher so, daß der Staat selber, in Form 2er Länder (Rheinland-Pfalz und des Hamburger) diese Überprüfung/Antrag eingeleitet hat. :eek:

Non sequitur: Wenn sich zwei politische Lager um ein Revier streiten, dann besagt das noch lange nicht, dass dieses Revier nicht von diesen Lagern kontrolliert sei.
dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung

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