Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 25. Apr 2018, 10:11

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:16)

Derzeit könnte ich mir vorstellen, daß es auf längere Sicht eine oder zwei Öffentlich Rechtliche Zeitungen geben wird, für die wir als Staatsbürger auch eine Abgabe entrichten müssen. Es gab doch schon den Streit der Zeitungsmacher mit den Rundfunkanstalten, weil die zeitungsähnliche Formate im Internet angeboten hatten.

Soweit ich diesen Streit verfolgt habe, wurde der erst einmal beigelegt durch Verzicht der Rundfunkanstalten auf "zeitungsähnliche Veröffentlichungen"... was unter gegenwärtigen Marktbedingungen auch nur gerecht sein kann. Aber so etwas kann wieder aufleben, wenn die gedruckten "Leitmedien" in rauheres Fahrwasser geraten, sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen... sie also dahin scheiden sollten.

Meine Glaskugel ist auf dem Gebiet noch ziemlich fleckig!

Tatsächlich ist ein Nachrichtentext viel wichtiger als Video
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Mi 25. Apr 2018, 10:23

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:11)

Tatsächlich ist ein Nachrichtentext viel wichtiger als Video


Das sehe ich auch so; wichtig ist aber auch die Auswahl der veröffentlichten Nachrichten durch gute Journalisten, die (meist) in der Sturzflut von Nachrichten Wichtiges von weniger Wichtigem unterscheiden können, ohne uns dabei eine ganz andere Welt zu vermitteln.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Alster » Mi 25. Apr 2018, 18:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Apr 2018, 09:30)

Aber nicht doch. Bitte genauer informieren, auf den Punkt kommen und nicht nur herumschwafeln.

Von den 17,50 Euro monatlich an Gebühren für ÖR erhält:

- die ARD für Programm und die Landesrundfunkanstalten : 8,52 E
- die ARD für "Gemeinschaftsaufgaben": 3,85 E
- das ZDF: 4,82 E
- Dradio: 0,48 E

http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Verwendung_der_17_50_Euro_Rundfunkbeitrag/309602/index.html

Das heißt: Mit gerade einmal 2,7 Prozent des Gesamtbudgets erstellt das Deutschlandradio wesentlich mehr relevante politische Information als das ganze ÖR-TV zusammen. Ich bin voll und ganz dabei, was die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen Medien betrifft. Aber sie muss sich auf den einen wesentlichen Punkt konzentrieren: Die völlig aberwitzige Verschwendung von Geldern für Sportübertragungsrechte. Und das auch ohne irgendeine Not. Alle privaten Medien reißen sich nur so darum, bei der Sportübertragung die Ersten und Einzigen zu sein. Na, dann lasst sie doch endlich! Und lasst die Öffentlichen sich zurückziehen aus dem Geschäft. Und unsere Gebühren sinnvoller verwenden als sie in Form von Hofberichterstattung den ohnehin megareichen Sportverbänden zu Füßen zu legen.


Deine Gedanken weisen sehr stark in die Richtung des Gutachtens des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriume.
http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... le%26v%3D5
ich würde das aber nicht nur am Sport aufhängen wollen. Es wird im ÖR auch sonst noch viel Geld verschwendet.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Alster » Mi 25. Apr 2018, 18:42

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:16)

Derzeit könnte ich mir vorstellen, daß es auf längere Sicht eine oder zwei Öffentlich Rechtliche Zeitungen geben wird, für die wir als Staatsbürger auch eine Abgabe entrichten müssen. Es gab doch schon den Streit der Zeitungsmacher mit den Rundfunkanstalten, weil die zeitungsähnliche Formate im Internet angeboten hatten.

Soweit ich diesen Streit verfolgt habe, wurde der erst einmal beigelegt durch Verzicht der Rundfunkanstalten auf "zeitungsähnliche Veröffentlichungen"... was unter gegenwärtigen Marktbedingungen auch nur gerecht sein kann. Aber so etwas kann wieder aufleben, wenn die gedruckten "Leitmedien" in rauheres Fahrwasser geraten, sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen... sie also dahin scheiden sollten.

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Allerdings ergibt sich der besondere Wert der Printmedien ganz besonders auch aus ihrer Unabhängigkeit. Die hatten vor dem Hintergrund des Versagens der Staatsmedien eine herausragende Bedeutung beim Aufdecken des Köln Silvesterskandals.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Mi 25. Apr 2018, 19:01

Alster hat geschrieben:(25 Apr 2018, 19:42)

Allerdings ergibt sich der besondere Wert der Printmedien ganz besonders auch aus ihrer Unabhängigkeit. Die hatten vor dem Hintergrund des Versagens der Staatsmedien eine herausragende Bedeutung beim Aufdecken des Köln Silvesterskandals.


Das ist leider die unangenehme Wahrheit. Das hat mir damals sehr zu schaffen gemacht... wie Sie hier in diesem Forum auch in Form von Beiträgen finden werden.

Aber für den Fall, daß eben solche Printmedien ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren sollten, hätte ich doch gern etwas an ihrer Stelle zur vertieften Information. Für den Fall... der mir im Augenblick noch recht unwahrscheinlich vorkommt... müssen wir uns doch Gedanken machen, wie wir die unbedingte Unabhängigkeit der Recherche und Berichterstattung erreichen.

Der Titel "Krise der "Leitmedien"" gibt dazu doch einige Veranlassung.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Brainiac » Mi 25. Apr 2018, 20:48

[MOD] Ich habe diese Endlosschleife zwischen zwei Usern zur Causa HR/Bannon jetzt weitgehend eliminiert, da das hier nicht mehr final geklärt werden wird und die anderen User langweilen dürfte.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon schokoschendrezki » Do 26. Apr 2018, 14:53

Alster hat geschrieben:(25 Apr 2018, 19:34)

Deine Gedanken weisen sehr stark in die Richtung des Gutachtens des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriume.
http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... le%26v%3D5
ich würde das aber nicht nur am Sport aufhängen wollen. Es wird im ÖR auch sonst noch viel Geld verschwendet.


Sehr interessantes Dokument.

Man könnte das Leistungsspektrum [des ÖR] auf den Bereich reduzieren, der nicht adäquat durch marktwirtschaftlich-gewinnorientierte Unternehmen abgedeckt wird, bzw. abgedeckt würde, falls sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aus dem jeweiligen Bereich zurückziehen sollten. Entsprechend empfiehlt es sich aus ökonomischer Sicht, für den öffentlich-rechtlich zu erbringenden Angebotsumfang ein strenges Subsidiaritätsprinzip einzufordern. .... Eine Aufgabenabgrenzung, die sich am Subsidiaritätsprinzip orientiert, wird derzeit nicht praktiziert. Im Gegenteil: Man beobachtet den Bieterwettbewerb der öffentlich­-rechtlichen Sendeanstalten um Sendeformate, die inhaltlich und konzeptionell von der privaten Konkurrenz praktisch kaum zu unterscheiden sind. Beispiele finden sich im Fernsehen besonders im Bereich der }Sportberichterstattung, im Bereich von Vorabendserien sowie bei Diskussions­veranstaltungen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass nicht der grundgesetzliche Versorgungsauftrag und die Vielfalt im Zen­trum der Aufmerksamkeit des öffentlich­rechtlichen Rundfunks stehen, sondern die Einschaltquoten.


Gibt Wort für Wort hundertprozent meine Meinung wieder. Ja, neben Sportübetragungen (reine (Kurz)berichterstattungen wären ja nicht das Problem, solange keine Lizenzgebühren dafür fällig werden), Rosamunde Pilcher & Co. und als "Politiktalk" verkaufte Quasselrunden. Aber der verwendete Gebührenanteil für Übertragungsrechte dürfte so übermächtig sein, dass eine Heraushebung hier schon angebracht wäre.

Die Frage steht natürlich: Was bleibt eigentlich nach diesem Subsidiaritätsprinzip noch übrig vom ÖR-TV-Programm?

Daher mein Vorschlag (nochmal): Öffentlich-Rechtliche auf Hörfunk reduzieren. Also die drei Dradio-programme sowie den Hörfunk von BR, NDR, RBB usw. Dafür den aber nicht mit Null Komma irgendwas sondern mit einem deutlich höheren Budget (vor allem für Auslandskorrespondenten sowie für Honorare externer Gastautoren) ausstatten. Und das ÖR-TV komplett privatisieren. Dabei würde am Ende immer noch eine drastische Gesamtgebührensenkung herauskommen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Selina » Do 26. Apr 2018, 18:04

Naja, Hörfunk ist aber dann doch etwas für eine interessierte Minderheit. Die Masse schaut schon immer noch Fernsehen. Und so kritisch ich die ÖR auch sehe, wenn die gar nicht mehr da wären im TV, wäre das dann ein unübersichtlicher privater Einheitsbrei von Angeboten. Und nein: So kritisch ich auch manche Talkrunde sehe, weil sie oftmals vor allem schlecht moderiert sind (zum Beispiel Illner mit ihrem pädagogischen Zeigefinger und dem lehrerhaften Abfragen der Gäste, was man aber locker korrigieren könnte), so sehr würde dann etwas fehlen in der Fernsehlandschaft. Da gibts schon einige recht gehaltvolle Runden mit guten Quoten, zum Beispiel Nachtcafe, zuweilen auch der Presseclub und auch Will/Maischberger haben ab und zu richtig guten Inhalt. Je nachdem, wie die Gästeliste aussieht. Der rechtslastigen Forderung der Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sollte man in keinem Falle nachgeben. Dahinter steckt ja auch ne Absicht von den Leuten.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon jack000 » Do 26. Apr 2018, 19:34

Selina hat geschrieben:(26 Apr 2018, 19:04)

Naja, Hörfunk ist aber dann doch etwas für eine interessierte Minderheit. Die Masse schaut schon immer noch Fernsehen. Und so kritisch ich die ÖR auch sehe, wenn die gar nicht mehr da wären im TV, wäre das dann ein unübersichtlicher privater Einheitsbrei von Angeboten. Und nein: So kritisch ich auch manche Talkrunde sehe, weil sie oftmals vor allem schlecht moderiert sind (zum Beispiel Illner mit ihrem pädagogischen Zeigefinger und dem lehrerhaften Abfragen der Gäste, was man aber locker korrigieren könnte), so sehr würde dann etwas fehlen in der Fernsehlandschaft. Da gibts schon einige recht gehaltvolle Runden mit guten Quoten, zum Beispiel Nachtcafe, zuweilen auch der Presseclub und auch Will/Maischberger haben ab und zu richtig guten Inhalt. Je nachdem, wie die Gästeliste aussieht. Der rechtslastigen Forderung der Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sollte man in keinem Falle nachgeben. Dahinter steckt ja auch ne Absicht von den Leuten.

Das sehe ich generell genauso! Ich habe hier jahrelang den ÖR verteidigt, da ich ein privates Trash-Fernsehprogramm nicht wirklich als Alternative sehe!
=> Trotzdem hat sich der ÖR nicht wirklich in eine neutrale Stellung sondern in ein "Ich sage euch was richtig und was falsch ist" entwickelt. Das halte ich für bedenklich und nicht für die richtige Richtung ...
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Alster » Do 26. Apr 2018, 20:12

H2O hat geschrieben:(25 Apr 2018, 20:01)

Das ist leider die unangenehme Wahrheit. Das hat mir damals sehr zu schaffen gemacht... wie Sie hier in diesem Forum auch in Form von Beiträgen finden werden.

Aber für den Fall, daß eben solche Printmedien ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren sollten, hätte ich doch gern etwas an ihrer Stelle zur vertieften Information. Für den Fall... der mir im Augenblick noch recht unwahrscheinlich vorkommt... müssen wir uns doch Gedanken machen, wie wir die unbedingte Unabhängigkeit der Recherche und Berichterstattung erreichen.

Der Titel "Krise der "Leitmedien"" gibt dazu doch einige Veranlassung.

Das Problem ist, dass die Rundfunk Zwangsabgabe in ihrer derzeitigen Ausgestaltung zusätzlich dazu beiträgt den unabhängigen Printmedien das Wasser abzugraben. Momentan werden einkommensschwache Haushalte nicht etwa entlastet, sondern etwa bei Fehlen einer Festanstellung sogar mehrbelastet. Gerade diese Haushalte haben nicht nochmal EUR 25 zur Verfügung, wenn ihnen schon EUR 18-50 zwangsweise für Rundfunk abgezogen werden.
Gerade diese Haushalte sollten aber zur Masse der Zeitungsabonnements beitragen.
Insoweit bedeutet allein schon die Finanzierung des ÖR m.E. eine ernsthafte Gefahr für die Informationsfreiheit.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Do 26. Apr 2018, 20:23

Alster hat geschrieben:(26 Apr 2018, 21:12)

Das Problem ist, dass die Rundfunk Zwangsabgabe in ihrer derzeitigen Ausgestaltung zusätzlich dazu beiträgt den unabhängigen Printmedien das Wasser abzugraben. Momentan werden einkommensschwache Haushalte nicht etwa entlastet, sondern etwa bei Fehlen einer Festanstellung sogar mehrbelastet. Gerade diese Haushalte haben nicht nochmal EUR 25 zur Verfügung, wenn ihnen schon EUR 18-50 zwangsweise für Rundfunk abgezogen werden.
Gerade diese Haushalte sollten aber zur Masse der Zeitungsabonnements beitragen.
Insoweit bedeutet allein schon die Finanzierung des ÖR m.E. eine ernsthafte Gefahr für die Informationsfreiheit.


Na ja, Sozialpolitik sollten wir vielleicht bei der Nachrichtenversorgung hinten an stellen. Ich dachte auch eher daran, daß die ÖRRen das zeitungsähnliche Programm wieder aufnehmen könnten, das sie aufgrund der Klagen der Zeitungsverleger eingestellt haben.

Aber besorgniserregend ist schon der Hinweis, daß die Unabhängigkeit von einseitiger Kontrolle im ÖRR nicht unbedingt gewährleistet ist. Da müßte man dann ansetzen, wenn die Papierzeitungen, oder richtiger: Die Qualitätszeitungen, vom Markt verschwunden sind.

Bisher sind die Grabgesänge aber nicht erschollen. Und Jammern ist der Gruß der Kaufleute. :s
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Alster » Fr 27. Apr 2018, 08:51

H2O hat geschrieben:(26 Apr 2018, 21:23)

Na ja, Sozialpolitik sollten wir vielleicht bei der Nachrichtenversorgung hinten an stellen. Ich dachte auch eher daran, daß die ÖRRen das zeitungsähnliche Programm wieder aufnehmen könnten, das sie aufgrund der Klagen der Zeitungsverleger eingestellt haben.

Aber besorgniserregend ist schon der Hinweis, daß die Unabhängigkeit von einseitiger Kontrolle im ÖRR nicht unbedingt gewährleistet ist. Da müßte man dann ansetzen, wenn die Papierzeitungen, oder richtiger: Die Qualitätszeitungen, vom Markt verschwunden sind.

Bisher sind die Grabgesänge aber nicht erschollen. Und Jammern ist der Gruß der Kaufleute. :s

Das sehe ich weniger als aktive Sozialpolitik, sondern als Einhaltung von Mindeststandards in einem sozialen Rechtsstaat, nämlich, dass eine steuerartige Abgabe, die bedingungslos eingezogen wird, das Einkommen des Zahlers zu berücksichtigen habe.
Und mit Nachrichtenversorgung hat das dann zu tun, wenn das Geld, welches die kleinen lokalen Medien einnehmen könnten gezielt von der großen Masse der einkommensschwachen Haushalte abgezogen wird.

Zu Deinem zweiten Argument: Unabhängigkeit über staatlich erlassene Regelungen ist m.E. eine Illusion. Am schönsten zeigt das unser D-ÖR, der mit der Politik eng verflochten ist und seine Unabhängigkeit schwerpunktmäßig nutzt um sich zum teuersten ÖR der Welt aufzublasen. Was aber erreichbar ist, das ist Meinungsvielfalt. Und zwar genau durch Beschränkung der Eingriffe von Seiten der Politik auf das Nötige. Hier zeigt das Gutachten Rundfunk des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums einen guten Mittelweg auf.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon sünnerklaas » Fr 27. Apr 2018, 09:15

Alster hat geschrieben:(26 Apr 2018, 21:12)

Das Problem ist, dass die Rundfunk Zwangsabgabe in ihrer derzeitigen Ausgestaltung zusätzlich dazu beiträgt den unabhängigen Printmedien das Wasser abzugraben.

Die Krise der Printmedien liegt darin, dass man dort lange Zeit das Internet belächelt hat. Als man das Netz als ernste Bedrohung erkannt hat, haben sich insbesondere kleine Medienhäuser in Panik hinter harten Paywalls verschanzt - mit der Folge, dass man nicht mehr gefunden und im Netz nicht wahrgenommen wird. Inzwischen haben wir es gerade im Bereich lokaler und regionaler Medien mit einer sehr starken Konzentration zu tun, weil viele kleine Zeitungen ganz einfach aufgekauft werden.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alexyessin » Fr 27. Apr 2018, 09:21

jack000 hat geschrieben:(26 Apr 2018, 20:34)
Trotzdem hat sich der ÖR nicht wirklich in eine neutrale Stellung sondern in ein "Ich sage euch was richtig und was falsch ist" entwickelt. Das halte ich für bedenklich und nicht für die richtige Richtung ...


Du bist der Meinung, das er sich dahingehend entwickelt hätte. Unterschied erkannt, Jack?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Fr 27. Apr 2018, 13:14

jack000 hat geschrieben:(26 Apr 2018, 20:34)
=> Trotzdem hat sich der ÖR nicht wirklich in eine neutrale Stellung sondern in ein "Ich sage euch was richtig und was falsch ist" entwickelt. Das halte ich für bedenklich und nicht für die richtige Richtung ...

Es kommt noch schlimmer. Der ÖR tritt sogar partiell bereits als eine Art Zensurbehörde auf.
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 72711.html
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Selina » Fr 27. Apr 2018, 14:13

jack000 hat geschrieben:(26 Apr 2018, 20:34)

Das sehe ich generell genauso! Ich habe hier jahrelang den ÖR verteidigt, da ich ein privates Trash-Fernsehprogramm nicht wirklich als Alternative sehe!
=> Trotzdem hat sich der ÖR nicht wirklich in eine neutrale Stellung sondern in ein "Ich sage euch was richtig und was falsch ist" entwickelt. Das halte ich für bedenklich und nicht für die richtige Richtung ...


Das ist ja ein in der Neuen Rechten immer wieder genanntes Argument. Kann ich so nicht bestätigen, wär mir aufgefallen. Das hat bei mir auch nix mit Schönfärberei zu tun, im Gegenteil, es gäbe ne Menge zu verbesseren und zu verändern bei den ÖR, trotzdem würde etwas fehlen in der Fernsehlandschaft, gäbe es sie nicht mehr. Ist der Wunsch, die ÖR abzuschaffen, nicht eher aus der Sorge der Neurechten begründet, dass ihnen zu kritisch auf die Finger geschaut wird? Ich finde, da kann man gar nicht kritisch genug hinschauen. Was aber noch lange keine Linkslastigkeit der Sender bedeutet, sondern einfach nur das Wirken eines demokratischen Regulativs. Und das ist nötiger als je zuvor.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alster » Sa 28. Apr 2018, 07:43

Selina hat geschrieben:(27 Apr 2018, 15:13)
die ÖR abzuschaffen, nicht eher aus der Sorge der Neurechten begründet, dass ihnen zu kritisch auf die Finger geschaut wird?

Wenig plausibel. Das Wesen der Rechtspopulisten ist doch in erster Linie Themen aufzugreifen mit denen man Stimmen machen kann. Und das ist bei Therma "ÖR abschaffen" klar der Fall, besonders wenn es sich um den Welt teuersten (aber bei weitem nicht besten) deutschen ÖR handelt. Zumal bei der jetzigen Gesetzgebung zur Finanzierung, die in einem Rechts- und Sozialstaat nichts zu suchen hat. Intendant Ulrich Wilhelm liefert da durch seine Politik der Gier gerade weitere Steilvorlagen.

Der ÖR dient den Rechten also als Themenlieferant. Medien, die kritisch über die Rechten berichten gibt es viele. Dass einige davon wegsterben ist nicht zuletzt durch die Geldgier des ÖR mit verursacht.
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FriedrichMauerr

Rundfunkbeitrag (GEZ) Diskussion

Beitragvon FriedrichMauerr » Di 1. Mai 2018, 16:55

Hallo Leute,

hier können wir über den Rundfunkbeitrag (GEZ) Informationen austauschen.

Wie Sie wissen kommt ab 06.05.2018 der nächste Meldedatenabgleich um Haushalte zu suchen, die noch nicht bezahlen.
https://www.express.de/news/panorama/je ... n-30052642
Wie die „Rheinische Post“ berichtet, frieren die Einwohnermeldeämter ihre Daten am 6. Mai ein. Name, Familienstand, Geburtsdatum und aktuelle wie letzte Anschrift aller Volljährigen werden dann an den Beitragsservice des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD, ZDF und Deutschlandradio) übermittelt.
Alle sollen sich an Finanzierung beteiligen



Eine Frechheit, was die da machen, die Chefs in den Rundfunkanstalten kriegen schon ihre extrem hohen Pensionen, aber jetzt übertreiben die es. Das ist in meinen Augen, Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Abzocke.
Außerdem, was haben mehr als 100 Sender mit einer Grundversorgung zu tun? Das alles müssen wir finanzieren.
Siehe unter Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... eutschland
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon jack000 » Do 3. Mai 2018, 17:50

Selina hat geschrieben:(27 Apr 2018, 15:13)

Das ist ja ein in der Neuen Rechten immer wieder genanntes Argument. Kann ich so nicht bestätigen, wär mir aufgefallen. Das hat bei mir auch nix mit Schönfärberei zu tun, im Gegenteil, es gäbe ne Menge zu verbesseren und zu verändern bei den ÖR, trotzdem würde etwas fehlen in der Fernsehlandschaft, gäbe es sie nicht mehr. Ist der Wunsch, die ÖR abzuschaffen, nicht eher aus der Sorge der Neurechten begründet, dass ihnen zu kritisch auf die Finger geschaut wird? Ich finde, da kann man gar nicht kritisch genug hinschauen. Was aber noch lange keine Linkslastigkeit der Sender bedeutet, sondern einfach nur das Wirken eines demokratischen Regulativs. Und das ist nötiger als je zuvor.

Es spricht nichts dagegen "Rechten" auf die Finger zu schauen. Das sehe ich auch als Aufgabe des ÖR. Was nicht dessen Aufgabe ist, ist Meinungs- und Stimmungsmache, sowie tendenziöser Berichterstattung:
Wie Sie sich vielleicht noch erinnern können, nahm das vom Hessischen Rundfunk produzierte Kulturmagazin der ARD, ttt, am 8. April die „Gemeinsame Erklärung 2018“ zum Anlass, mit den Feinden der Demokratie abzurechnen. Ein wild grimassierender Wasserbüffelzüchter aus Brandenburg verstieg sich zu der Behauptung, mit der „selbstherrlich so genannten Gemeinsamen Erklärung 2018“ hätten „Intellektuelle“ – er sprach das Wort so angeekelt aus, als sei er soeben in eine Jauchegrube gefallen – „alternative Fakten“ verbreitet, damit sich „immer mehr Menschen bedroht fühlen, irgendwie, und nach dem starken Mann rufen, der endlich aufräumen soll“, ein „altbewährtes Despotenrezept“.

Der kretinös-launigen Moderation folgte ein knapp acht Minuten langer Bericht, in dem vier Experten für staatsgefährdende und zersetzende Umtriebe erklärten, worum es in der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ geht. Worauf ich am 12. April an den Intendanten des HR, Manfred Krupp, eine kurze Mail schrieb und um Aufklärung bat, warum „in dem bericht vier kritiker der erklärung zu wort kamen, frau ebner, frau zeh, herr welzer und herr friedman“, aber „von den unterzeichnern keiner“.

http://www.achgut.com/artikel/binnenplu ... nis_des_hr

Warum hat man nur Leute eingeladen die von dieser Erklärung nichts halten? Wäre es nicht richtig gewesen auch mal eine andere Ansicht zuzulassen? Was ist der Sinn und Zweck solcher Sendungen? Bezahlen tun die GEZ alle Haushalte, aber zugelassen wurde nur 1 Meinung. Das kann doch nicht richtig sein?

Die Antwort vom HR zusammengefasst:
Es sei „richtig“, dass „keiner der Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung 2018 zu Wort kam“. Die öffentlich-rechtlichen Sender seien „sehr wohl insgesamt zur Ausgewogenheit verpflchtet“. Dies gelte aber nicht „für jeden einzelnen Beitrag, jeden einzelnen Programmbestandteil für sich“. Allerdings würden „die Erstunterzeichner mit ihren Forderungen im Beitrag mehrfach zitiert und sind damit Ausgangspunkt und Gegenstand des Films“. Deswegen habe die Redaktion „bewusst auf eine Stellungnahme der Erstunterzeichner verzichtet, weil es um die Außenwahrnehmung, die Wirkmächtigkeit eines solchen Manifestes ging, nicht um die Selbsteinschätzung der Initiatoren“. Daraus folgt: „Ein solcher Beitrag verzichtet damit auf Binnenpluralität.“


Interessante Vorgehensweise:
- Eine Gruppe erstellt ein Manifest (Von dem man ja halten kann was man will)
- Der ÖR interpretiert das auf seine Weise
- Es kommt eine Sendung in der nur Gegner die übelst darüber herziehen
- Keine andere Meinung oder Stellungnahme wird zugelassen
=> Da habe ich nun mal erhebliche Bedenken über die journalistische Qualität, die nicht dem entspricht was ich von einem ÖR erwarte.

Ich war mal 100% S21 Befürworter, inzwischen bin ich 100% S21 Gegner, das hat nur die Ursache, weil ich mich auf bei der anderen Seite informiert habe und daraus meine Schlüsse gezogen habe.
=> Wie soll das funktionieren, wenn wie in dem oben genannten Beispiel die andere Seite überhaupt nicht zu Wort kommt? Siehst du das als neutrale Berichterstattung/Journalismus an?

Die Erklärung an sich ist hier ja nicht das Thema, aber überlege mal welche Sender das in der Deutschen Geschichte waren, die immer nur die eine Seite gezeigt haben und die andere Seite schlecht reden/gar nicht zu Wort kommen lassen!
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 3. Mai 2018, 18:44

Ich finde es wichtig, dass man über rechte Umtriebe berichtet, ohne den Hintermännern deshalb gleich eine Plattform zu bieten. Ein Bericht über Al Quaida muss ja auch nicht zwingend ein Interview mit Bin Laden drin haben.
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