ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

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Olympus
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Olympus » Mi 1. Nov 2017, 15:57

jack000 hat geschrieben:(01 Nov 2017, 14:54)

Den Anspruch, das mir alle Sendungen gefallen habe ich gar nicht erst ... kann ich auch gar nicht haben. Die moralische Grenze nach unten hat der ÖR aber nun weit unterschritten und immer wenn man denkt es geht nicht weiter nach unten wird man eines besseren belehrt.

Vielleicht liegt das Problem bei einem selbst und seinen eigenen Ansichten. Alle anderen sind doof, nur man selbst hat alle Weisheiten gefrühstückt und erkennt die einzigste Wahrheit daheim vom Sofa.
So einfach wöllte ich mir das nicht machen.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Dampflok94 » Mi 1. Nov 2017, 17:01

Sehr schöner Beitrag dazu auf ZON
Es war ein Experiment in Sachen Ironie, das ziemlich schiefging. Claus Kleber stand in einem bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal der Heidelberger Universität, hielt einen Vortrag und parodierte im Verlauf der anschließenden Diskussion den Vorwurf, man lasse sich von der Politik bevormunden. Natürlich gebe es keine direkten Anweisungen, fing er an. Aber es sei doch völlig klar, sich mit der Kanzlerin oder eben ihrem Sprecher abzustimmen, sich auch mal beibiegen zu lassen, wann ein paar kritischere Töne in der Flüchtlingspolitik nötig seien; Und wann man die Dauerkritik an Erdoğan und Putin ein wenig zurückzufahren habe. Denn schließlich würde Putin für den Frieden gebraucht und Erdoğan für die Lösung des Flüchtlingsproblems. Für die Öffentlich-Rechtlichen im Besonderen und für die Presse insgesamt sei es nur selbstverständlich, auf vitale Interessen des Staates Rücksicht zu nehmen; das sei einfach ihr Job, so Kleber. Und wartete ab.

Kein Protest aus dem Publikum, keine Kritik, nicht mal Rückfragen, stattdessen diffuse Zustimmung. Der eigentliche Schock, sagte Kleber, sei für ihn gewesen, dass die versammelten Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich davon ausgingen, dass Journalismus nun mal als von Politikern gelenkte Meinungsmache funktioniere. Er bezeichnet die achselzuckende Akzeptanz des Manipulationsgeredes als den bislang "schlimmsten Angriff" auf seine Journalistenehre.

Die Skepsis reicht weit in die Mitte hinein. :(
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 1. Nov 2017, 19:51

Dampflok94 hat geschrieben:(01 Nov 2017, 17:01)

Sehr schöner Beitrag dazu auf ZON

Die Skepsis reicht weit in die Mitte hinein. :(

Da muss er sich auch bei seinem Programmchef bedanken. Der hat die nötigen Stichwörter quasi selbst in Umlauf gebracht, als er einige gar nicht mal so tragische Fehlgriffe bei der Auswahl von Bildern und Einspielern, die von Russlandfans aufgebauscht wurden, mal eben zu Absicht und allgemein üblicher Praxis erklärte.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Amun Ra » Do 2. Nov 2017, 22:04

Olympus hat geschrieben:(01 Nov 2017, 14:13)

Am besten gar kein Fernseher, kein Radio, keine Zeitungen und vor allem kein Internet. Eine Höhle und Rauchzeichen reicht auch.
Fakenewssender brauchen wir erst recht nicht die nur nationalistischen Müll verbreiten und Hetzen.

Wenn das die einzigen Alternativen sind, die dir zum ÖR einfallen, dann habe ich schlechte Neuigkeiten für dich.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Amun Ra » Do 2. Nov 2017, 23:13

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Nov 2017, 15:54)

Die GEZ ist längst abgeschafft.

Semantischer Humbug.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Nov 2017, 15:54)Der ÖR existiert in dieser Form nicht obwohl, sondern weil man dieses Format kommerziell nicht machen könnte. Die Rede von Privatisierung ist unehrlich. Es geht faktisch um Abschaffung.

Wenn der ÖR-Rundfunk seinem gesetzlichen Auftrag nicht ohne wettbewerbsverzerrende Maßnahmen, etwa der Finanzierung durch Zwangsgebühren, nachkommen kann, dann ist eine Diskussion um die Abschaffung desselben mehr als nur gerechtfertigt. Man berücksichtige dabei, der gesetzliche Auftrag wurde definiert zu Zeiten als 'die Massenmedien' noch in den Kinderschuhen steckten und das Internet noch nicht mal ein feuchter Traum abgedrehtester Science-Fiction-Autoren war.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Nov 2017, 15:54)Man kann sich schon fragen, ob man eine öffentliche TV-Station noch zwingend braucht.

Es geht nicht um das Angebot im Speziellen. Es geht um die Form der Finanzierung im Allgemeinen.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Nov 2017, 15:54)Ich finde das Radio und das - seit neuestem etwas weniger rechtlich kaputtreglementierte - Online-Angebot nützlicher. Ältere Leute, hier im Forum sind ja viele alt, sehen das vielleicht differenzierter.

Persönliche Vorlieben sind kein guter Ratgeber in solchen Fragen.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(01 Nov 2017, 15:54)Man kann auch fragen, ob wir so viele verschiedene Angebote brauchen und ob der Staat nicht besser Regionalförderung mit Auflagen an private Sender ausschreibt. Kann man alles machen. Aber dieses Genöle über den ÖR nervt nur noch. Gerade, wenn es wieder mal drum geht, dass es in diese oder jene Richtung zu einseitig ist oder dass die rund 18 Euro monatlich die ganzen Spitzenverdiener hier im Forum irgendwie bedrängen. Wer arm ist, kann sich eh befreien lassen.

Genau, dieses blöde Genöle über ein 'Angebot', das vor Jahrzehnten _vielleicht_ mal seine Berechtigung hatte aber mittlerweile nur noch als obsolet bezeichnet werden kann 'nervt'. Ja nicht daran rütteln und erst recht keine Diskussion um dessen Daseinsberechtigung aufkommen lassen. Wird schon alles seine Richtigkeit haben. Kommt schliesslich von ganz oben. Die Rundfunkräte, diese gottgleich-perfekten 'Querschnitte unserer Bevölkerung', wissen ja sowieso alles besser. Selbst wenn sie relevante Anteile unserer Bevölkerung gar nicht abbilden (Muslime? Atheisten? Pfffft. Euch vertritt doch problemlos der zuständige Katholik...). Soll ich dir das Gatter aufhalten, wenn du zurück auf deine Weide wanderst, du Schaf?

Das Problem ist auch nicht die Höhe des Beitrages. Netter Versuch hier ein Strohmann-Argument zu bauen. Das Problem ist vielmehr, was mit dem Geld, und seien es nur ein paar Cents, so alles finanziert wird. Etwa das unsägliche 'FUNK-Netzwerk' und seine peinlichen Youtube-Auswürfe, die mich das Wiederauferstehen Cthulhus herbeisehnen lassen...
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 3. Nov 2017, 07:00

Amun Ra hat geschrieben:(02 Nov 2017, 23:13)

Semantischer Humbug.

Wenn der ÖR-Rundfunk seinem gesetzlichen Auftrag nicht ohne wettbewerbsverzerrende Maßnahmen, etwa der Finanzierung durch Zwangsgebühren, nachkommen kann, dann ist eine Diskussion um die Abschaffung desselben mehr als nur gerechtfertigt. Man berücksichtige dabei, der gesetzliche Auftrag wurde definiert zu Zeiten als 'die Massenmedien' noch in den Kinderschuhen steckten und das Internet noch nicht mal ein feuchter Traum abgedrehtester Science-Fiction-Autoren war.

Es geht nicht um das Angebot im Speziellen. Es geht um die Form der Finanzierung im Allgemeinen.

Persönliche Vorlieben sind kein guter Ratgeber in solchen Fragen.

Genau, dieses blöde Genöle über ein 'Angebot', das vor Jahrzehnten _vielleicht_ mal seine Berechtigung hatte aber mittlerweile nur noch als obsolet bezeichnet werden kann 'nervt'. Ja nicht daran rütteln und erst recht keine Diskussion um dessen Daseinsberechtigung aufkommen lassen. Wird schon alles seine Richtigkeit haben. Kommt schliesslich von ganz oben. Die Rundfunkräte, diese gottgleich-perfekten 'Querschnitte unserer Bevölkerung', wissen ja sowieso alles besser. Selbst wenn sie relevante Anteile unserer Bevölkerung gar nicht abbilden (Muslime? Atheisten? Pfffft. Euch vertritt doch problemlos der zuständige Katholik...). Soll ich dir das Gatter aufhalten, wenn du zurück auf deine Weide wanderst, du Schaf?

Das Problem ist auch nicht die Höhe des Beitrages. Netter Versuch hier ein Strohmann-Argument zu bauen. Das Problem ist vielmehr, was mit dem Geld, und seien es nur ein paar Cents, so alles finanziert wird. Etwa das unsägliche 'FUNK-Netzwerk' und seine peinlichen Youtube-Auswürfe, die mich das Wiederauferstehen Cthulhus herbeisehnen lassen...

Mit anderen Worten regst du dich über einen Beitrag auf, der dich selbst nicht stört, weil dir das Angebot nicht gefällt. Ich als Atheist fühle mich gut abgebildet. Besser als bei RTL und Antenne allemal. Das überzeugt mich nicht. Den ÖR gibt es so ähnlich in England, in Österreich, wenn auch viel kleiner sogar in USA. Ist natürlich nicht so trumpig, aber deshalb schafft er es nicht ab. Schaffen wir lieber die steuerfinanzierte Deutsche Welle ab.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon sünnerklaas » Fr 3. Nov 2017, 08:00

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 Nov 2017, 07:00)

Besser als bei RTL und Antenne allemal.


Ich vermute einmal, dass letztendlich u.a. ProSiebenSat.1 Media AG, die Bertelsmann AG und noch einige andere börsennotierte Medeinkonzerne hinter der sogenannten "Lügenpresse-Kampagne" stecken. Viele sind da börsennotiert und die Aktionäre erwarten steigende Umsätze, steigende Renditen, steigende Börsenkurse. Und die können schon seit längerem bestenfalls nur noch durch Buchungstricks geliefert werden.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 3. Nov 2017, 08:17

sünnerklaas hat geschrieben:(03 Nov 2017, 08:00)

Ich vermute einmal, dass letztendlich u.a. ProSiebenSat.1 Media AG, die Bertelsmann AG und noch einige andere börsennotierte Medeinkonzerne hinter der sogenannten "Lügenpresse-Kampagne" stecken. Viele sind da börsennotiert und die Aktionäre erwarten steigende Umsätze, steigende Renditen, steigende Börsenkurse. Und die können schon seit längerem bestenfalls nur noch durch Buchungstricks geliefert werden.

Einige Medienkonzerte sind Konglomerate aus Print, Online, TV und Radio. Klar, dass die lästige Konkurrenz wegdrücken wollen. Wenn man selber nur Hitlers Baukräne und die hundert fettesten Politiker der Welt liefert, ist das selbst durch gar nicht mal so gute ÖR-Sender leicht zu kontern. Guck mal einen Tag Phoenix. Das ist übel. Aber guck mal einen Tag "private Nachrichtensender". Dann wird dir schlecht. Den ÖR zu privatisieren ist eine Schnapsidee. Man kann darüber reden, ob bestimmte Angebote sinnvoll sind. Fernsehen ist insgesamt nicht mehr so relevant wie vor 30 Jahren, egal ob ÖR oder privat. Vielleicht sollte es sich mehr um die Bereitstellung von Medienangeboten drehen als um die Unterhaltung von Sendeformaten. Braucht man um den eingekauften Beitrag zu richtiger Ernährung herum wirklich Moderation? Muss man das in ein Vollprogramm einbauen, von dem vieles auch woanders laufen könnte? Man kann kulturell wichtige Sparteninhalte auch durch Subvention und Sendequoten promoten. Das Viertelstunden-Schaufenster vor dem Abendfilm, den ungekürzten Beitrag auf Abruf im Internet. Kann man alles machen.

Aber einfach nur "wäh, scheiße, GEZ weg", das ist dann doch etwas schmal.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon zollagent » Fr 3. Nov 2017, 11:33

Ich bin der Überzeugung, durch eine Institution ähnlich der Regelung auf den Fernmeldemärkten läßt sich der ÖR Rundfunk durchaus ersetzen. Man kann ja die Programmstruktur entsprechend regeln und das Ganze beaufsichtigen. Das Ausmaß, das die ÖR Rundfunksender inzwischen angenommen haben, das läßt sich jedenfalls nicht mehr mit dem Auftrag der Grundversorgung abdecken. Das ÖR-Modell gehört als Ganzes auf den Prüfstund. Sparkassen, die sich gegenüber den Kunden rabiater benehmen als private Geschäftsbanken, Institute wie IHK, Handwerkskammer etc., die sich aus Zwangsmitgliedschaften finanzieren, bei Beitragszahlern, die oft nicht mal die Möglichkeit haben, die Leistungsangebote zu nutzen, all das dürfte inzwischen überlebt sein.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon BlueMonday » Fr 3. Nov 2017, 13:34

Ja, da müssen ein paar spätetatistische Zöpfe dringend mal abgeschnitten werden.

Wenn es tatsächlich nur um eine bescheidene "Grundversorgung" ginge, dann könnte man ja das Ganze bequem mit den freiwilligen Beiträgen der Unterstützer und Befürworter, derer es ja offenbar viele gibt, finanzieren. Und je reichlicher diese Beiträge ausfallen desto umfangreicher das Angebot.
Zwangsbeiträge wären nicht nötig und die damit verbundenen Hässlichkeiten (bis hin zur Erzwingungshaft bei Weigerung der Zahlung). So etwas dann auch noch "Demokratieabgabe" zu nennen, ist einfach ein Hohn. Durch die Zwangsfinanzierung fällt das entscheidende Korrektiv weg und man hat eine starke Tendenz hin zur Verfettung und bräsigen Selbstgerechtigkeit ... man verliert einfach das Maß und den Takt.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 3. Nov 2017, 16:57

Es heißt nicht Demokratieabgabe. Es heißt Rundfunkbeitrag. Von mir aus können Menschen, die Steuern und Beiträge vehement verweigern, gern bestrafz werden. Die politische Debatte über Sinn und Umfang solcher Angebote ist in Ordnung. Sich an Gesetze nicht halten, das führt eben zu Problemen.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Brainiac » Fr 3. Nov 2017, 17:05

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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon H2O » Fr 3. Nov 2017, 20:22

BlueMonday hat geschrieben:(03 Nov 2017, 13:34)

Ja, da müssen ein paar spätetatistische Zöpfe dringend mal abgeschnitten werden.

Wenn es tatsächlich nur um eine bescheidene "Grundversorgung" ginge, dann könnte man ja das Ganze bequem mit den freiwilligen Beiträgen der Unterstützer und Befürworter, derer es ja offenbar viele gibt, finanzieren. Und je reichlicher diese Beiträge ausfallen desto umfangreicher das Angebot.
Zwangsbeiträge wären nicht nötig und die damit verbundenen Hässlichkeiten (bis hin zur Erzwingungshaft bei Weigerung der Zahlung). So etwas dann auch noch "Demokratieabgabe" zu nennen, ist einfach ein Hohn. Durch die Zwangsfinanzierung fällt das entscheidende Korrektiv weg und man hat eine starke Tendenz hin zur Verfettung und bräsigen Selbstgerechtigkeit ... man verliert einfach das Maß und den Takt.


Über Entartungen im ÖR will ich hier gar nicht streiten. Mir ist auch nicht ganz klar, wozu es diese Einrichtung gibt. Sie sollte einmal der Nachrichtenversorgung und der Vermittlung von Bildungsinhalten dienen. Sicher gehört dazu auch ein Anteil Unterhaltung. Tatsächlich reicht aber die Menge versendbarer Inhalte dieses Typs nicht aus, damit rund um die Uhr und ganzjährig die Hörer und Zuschauer zu versorgen.

So gesehen könnte eine erste sinnvolle Maßnahme sein, die Sendedauer, die Zahl der Programme und der Sendestationen auf tatsächlich verfügbare Inhalte ein zu schränken. Dann wäre vermutlich ein erheblicher Kostenblock abgehobelt.

Schließlich muß man noch die Deutsche Welle als regierungsamtliche Nachrichtenversorgung sehen. Der Sender wird aus Steuergeld bezahlt, nicht etwa aus den "Rundfunkgebühren". Aus meiner Sicht wäre es vorstellbar, den ÖR als freiheitliches Gegenprogramm zu ungefähr den selben Kosten zu betreiben. Und wenn es unterschiedliche Schwerpunkte durch Kultursendungen, Wissenschaft, Hörspiele, Fernsehfilme geben sollte, dann eben ein Mehrfaches davon. Aber im Bereich mehrerer Milliarden Euro (wiki sagt 8 Milliarden!)... na, Donnerwetter, das ist ja wirklich kein Pappenstiel!

Mit dem Abschied von Antennenwäldern und Analogsignalen sollte es auch leicht fallen, die Nutzer dieser Angebote zu erfassen und für diese Versorgung bezahlen zu lassen. Die Deutsche Welle steht ja unentgeltlich zur Verfügung!
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 3. Nov 2017, 21:50

Es gibt in Deutschland de facto kein professionelles, privates Regionalfernsehen. Baden-tv, Donau-Tv zählen da nicht. Die sind grottig.

Außer vielleicht ein Halbstundenfenster am Abend auf RTL und das auch nur an der Ruhr. Das ZDF ist in der Form unnötig, ein Teil der Spartenkanäle auch. Die ARD könnte wesentlich mehr Content der Regionalanstalten übernehmen.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon jack000 » Fr 3. Nov 2017, 22:13

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 Nov 2017, 21:50)

Es gibt in Deutschland de facto kein professionelles, privates Regionalfernsehen. Baden-tv, Donau-Tv zählen da nicht. Die sind grottig.

Es wäre hier ja schon mal ein Fortschritt wenn man wenigstens SWR-Aktuell (Radio Informationssender) außerhalb von Stuttgart empfangen könnte (Geht nur mit DAB). Aber man empfängt 4 mal SWR4 (Musikantenstadelsender) auf der A8 bei Stuttgart und 3 mal ansonsten (Jeweils Regionalsender (Stuttgart, Tübingen, Offenburg und Karlsruhe) ... Wobei es mir da ein Rätsel ist wozu es von SWR4 Regionalsender braucht!
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Olympus » Sa 4. Nov 2017, 08:19

jack000 hat geschrieben:(03 Nov 2017, 22:13)

Es wäre hier ja schon mal ein Fortschritt wenn man wenigstens SWR-Aktuell (Radio Informationssender) außerhalb von Stuttgart empfangen könnte (Geht nur mit DAB). Aber man empfängt 4 mal SWR4 (Musikantenstadelsender) auf der A8 bei Stuttgart und 3 mal ansonsten (Jeweils Regionalsender (Stuttgart, Tübingen, Offenburg und Karlsruhe) ... Wobei es mir da ein Rätsel ist wozu es von SWR4 Regionalsender braucht!

Sollte SWR4 Bundesweit ausgestrahlt werden? Anscheinend gibt es Leute die das hören. Könnte man auch mal akzeptieren, anstatt zu diktieren.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 4. Nov 2017, 08:43

Olympus hat geschrieben:(04 Nov 2017, 08:19)

Sollte SWR4 Bundesweit ausgestrahlt werden? Anscheinend gibt es Leute die das hören. Könnte man auch mal akzeptieren, anstatt zu diktieren.

Für bundesweit reicht über Internet. Per DA broadcast besser nur in der Region.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon H2O » Sa 4. Nov 2017, 16:15

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 Nov 2017, 08:43)

Für bundesweit reicht über Internet. Per DA broadcast besser nur in der Region.


Dazu einmal eine "dumme Frage": Ist auf erkennbare Sicht geplant, Internetempfang flächendeckend mobil verfügbar zu machen? Damit würde sich ja der Weitbereichsempfang unserer Radiostationen erledigen. Der Teilnehmer will doch SWR 4 bundesweit empfangen. Theoretisch könnte er dann auch in Korea bei einem Waldspaziergang "seinen Lieblingssender SWR 4" empfangen. :)
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 4. Nov 2017, 16:25

H2O hat geschrieben:(04 Nov 2017, 16:15)

Dazu einmal eine "dumme Frage": Ist auf erkennbare Sicht geplant, Internetempfang flächendeckend mobil verfügbar zu machen? Damit würde sich ja der Weitbereichsempfang unserer Radiostationen erledigen. Der Teilnehmer will doch SWR 4 bundesweit empfangen. Theoretisch könnte er dann auch in Korea bei einem Waldspaziergang "seinen Lieblingssender SWR 4" empfangen. :)

Na, das ist der falsche Ansatz. Einseitig sendende Systeme (broadcast, multicast) egal ob digital oder analog sind für den Massenempfang von Radio oder TV, also nichtinteraktiven Live-Übertragungen das Medium der Wahl. On demand oder Spezial interessen können über unicast (zb "Internet" am Telefon) weltweit fallbezogen bedient werden. Beides ergänzt sich. Dass 80 Millionen über Funk-Internet TV gucken oder Radio hören, ist in näherer Zeit nicht erstrebenswert. IPTV im Kabel oder von der Telekom ist auch in der Regel Multicast.
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Re: ÖR überhaupt noch ernst nehmen?

Beitragvon jack000 » Sa 4. Nov 2017, 16:26

H2O hat geschrieben:(04 Nov 2017, 16:15)

Dazu einmal eine "dumme Frage": Ist auf erkennbare Sicht geplant, Internetempfang flächendeckend mobil verfügbar zu machen? Damit würde sich ja der Weitbereichsempfang unserer Radiostationen erledigen.

Die Flächendeckende Verfügung ist nicht das Problem, das Problem ist dass es noch keine Flatrates für mobiles Internet gibt. So ein Radioempfang zieht da ruck-zuck die Monatskapazitäten weg.
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