Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

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frems
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Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon frems » Fr 23. Jun 2017, 14:44

Ich finde den Begriff "Noteninflation" ja etwas ungünstig, da er suggeriert, schlichtweg die Anzahl an Noten würde steigen. Gemeint ist im politischen Diskurs aber eine prozentuale Zunahme von (sehr) guten Noten im Bildungswesen.

Eine Drei - geht gar nicht. Bei einer Zwei - fließen auch noch Tränen. Und selbst ein Sehr gut ist oft nicht mehr gut genug, wenn hinter dem Komma keine Null steht. Die Noten an deutschen Hochschulen werden immer besser. Nie zuvor haben so viele Studenten die Universitäten mit so exzellenten Examen verlassen.

Auch bei der Doktorarbeit stehen die Chancen auf ein "Summa cum laude" gut, wenn man die richtige Uni oder das richtige Studienfach wählt. Es gibt Fächer, da wird kaum noch gesiebt. "Etwa in Biologie oder Psychologie, in denen die Eins die häufigste Note ist", sagt der Flensburger Forscher Volker Müller-Benedict. Er wollte wissen: Was ist eine Eins noch wert?

Deshalb hat er mit einem Team 138.000 Prüfungsakten, 700.000 Examensnoten und 5,3 Millionen Notenstatistiken von 1960 bis heute verglichen. Das Ergebnis: Klug oder nicht - in manchen Fächern hängt es schlicht von der Konjunktur ab, wie gut die Zensuren ausfallen. "Fehlen auf dem Arbeitsmarkt Lehrer und Psychologen, gibt es mehr Top-Absolventen", sagt Müller-Benedict. "Schreiben sich hingegen zu viele Biologen und Germanisten ein, werden die Zensuren schlechter."

http://www.spiegel.de/spiegel/unispiege ... 50166.html

Die Abiturnoten sind in den vergangenen zehn Jahren besser geworden, das ist bekannt und lässt sich aus der Statistik der Kultusministerkonferenz ablesen. So hatten die Abiturientinnen und Abiturienten in Berlin im Jahr 2006 noch einen Schnitt von 2,7. Inzwischen liegen sie seit Jahren bei 2,4. In Nordrhein-Westfalen lag der Schnitt früher ebenfalls bei 2,7. Nun liegt er bei 2,5. Bayern arbeitete sich von einer 2,4 auf eine 2,3 nach vorn. In den anderen Bundesländern ist der Trend ähnlich. [...]

Dass die besser werdenden Abiturnoten sich auf die Notengebung an den Hochschulen auswirkt, belegen die Forscher mit einem Blick auf die Zwischennoten der im Konstanzer Survey Befragten. Sie kommen zu dem Ergebnis: „Trend und Umfang der Bewegung sind sehr ähnlich.“ Wie beim Abitur werden die Zwischennoten an den Hochschulen immer besser. „Prüfer(innen) sollten sich dessen in Zukunft bewusst sein und Hochschulen über Gegenmaßnahmen nachdenken“, meinen Gerd Grözinger und Florence Baillet.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/noten ... 19284.html

Nun ist eine Korrelation bekanntlich keine Kausalität. Trotzdem: haltet Ihr es für plausibel, dass die Nachfrage am Arbeitsmarkt eine Rolle dafür spielt, welche Noten im Schnitt vergeben werden? Dies heißt ja nicht nur, dass es mehr Bestnoten gibt, sondern dass manch einer vielleicht noch knapp besteht, der zu früheren oder späteren Zeiten durchgerasselt wäre. Oder will die Politik "einfach so", unabhängig von der Konjunktur, mehr gute Noten und die Professoren kommen ihnen nach? Sind die Schüler und Studenten, z.B. durch Bildungsinvestitionen (mehr Ganztagsschulen, Nachhilfeangebote, ...), heute einfach besser? Werden die Lehrer und Dozenten zu stark von Helikoptereltern von Einzelkindern genervt, sodass sie lieber von sich aus gute Noten vergeben, um sich diese Debatten zu ersparen? Das war jetzt nur eine Ansammlung von Vermutungen aus Kommentarspalten. Ein anderer Leser meint noch:

Vergleichbarkeit nicht gegeben
All diese Studien und Berichte kranken daran, dass nur auf die Abschlussnote geschaut wird. Es wird nicht berücksichtigt, dass in die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer schon während des Studiums extrem sieben. Da schaffen es dann die besten 20 bis 40% (geschätzt aufgrund eigener Beobachtungen) bis zum Abschluss, und die haben natürlich dann auch super Noten. In Jura hingegen wird jeder, egal was für eine Performance er (oder sie) hinlegt, bis zur Abschlussprüfung mitgeschleppt. Kein Wunder dass der Notenspiegel dann ganz anders ausschaut. Durch diese stark vereinfachenden Vergleiche wie in dem SPON Artikel werden die guten Absolventen der Fächer mit konstanter Selektion gegenüber denen aus Fächern, die sich einen Dreck kümmern, ob das Fach überhaupt was für den Kandidaten ist, abgewertet. Ich finde das unfair sowohl gegenüber den Absolventen als auch den Professoren.
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Humelix33 » Sa 24. Jun 2017, 19:26

Viele Ausbildungsbetriebe kritisieren ja nicht umsonst das anschließende Auftreten ihrer Azubis, die trotz offizieller Topnoten wie Hilfsschüler agieren, und die einfachsten Sachen nicht können. Das liegt auch am Bildungssystem, das, wie du schon angeschnitten hast, vor allem durch SPD geführte Länder, so drastisch vereinfacht wurde, das man problemlos gute Noten erhält. Das Niveau sinkt aber stetig, weil sich an schwache Schüler orientiert wird, und vor allem diese Gemeinschaftsschulen eine gefährliche Bremse für semiintelligente Schüler ist, wenn sie stets auf bildungsschwache Schüler Rücksicht nehmen müssen. Es ist ja bewiesen, das es nunmal unterschiedlich intelligente Menschen gibt, und diese Menschen muss man dann auch entsprechend unterrichten, ansonsten haben wir bald das, was uns aktuell blühen wird, das Ende des hohen Bildungsniveau's in Deutschland, wofür wir mal beneidet wurden.

Das Schriftliche in den Schulen wurde als nicht mehr so wichtig in den Hintergrund gestellt, und das Mündliche in den Vordergrund, weil angeblich den Schülern der Druck bei den Klassenarbeiten/Klausuren nicht zuzumuten sei, und auch jeder mal einen schlechten Tag hat, mit dieser fatalen Denkweise fing das Dilemma an, wie gesagt vor allem in den SPD geführten Ländern, heute soll es hauptsächlich Gruppenarbeit sein in den Klassen, Gruppentische, statt Einzeltische. Gruppenarbeit ist natürlich wichtig, darf aber nie Maßstab sein, weil, wer kennt es nicht, am Ende arbeiten 2 von 4 und 2 schauen zu, oder es macht einer ganz alleine, die Gruppe bekommt dann aber dann einheitlich vielleicht die gute Note, der gute Schüler ist gefrustet, weil die Anderen nichts beitragen und denkt sich dann, warum anstrengen. Diese Wegnahme der Drucksituation eines Einzelnen ist ein absolute Armutszeugnis der Bildungsminister von Rot, denn nach dem Abschluss muss auch jeder für sich in seinem Beruf alleine das zeigen, was er oder sie durch die Noten bescheinigt bekommen hat, da kann er oder sie nichtmal schnell seine oder ihre alte Klassenkameraden anrufen und fragen, was man wie machen soll.
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Misterfritz » Sa 24. Jun 2017, 20:48

Humelix33 hat geschrieben:(24 Jun 2017, 20:26)

Viele Ausbildungsbetriebe kritisieren ja nicht umsonst das anschließende Auftreten ihrer Azubis, die trotz offizieller Topnoten wie Hilfsschüler agieren, und die einfachsten Sachen nicht können. Das liegt auch am Bildungssystem, das, wie du schon angeschnitten hast, vor allem durch SPD geführte Länder, so drastisch vereinfacht wurde, das man problemlos gute Noten erhält. Das Niveau sinkt aber stetig, weil sich an schwache Schüler orientiert wird, und vor allem diese Gemeinschaftsschulen eine gefährliche Bremse für semiintelligente Schüler ist, wenn sie stets auf bildungsschwache Schüler Rücksicht nehmen müssen. Es ist ja bewiesen, das es nunmal unterschiedlich intelligente Menschen gibt, und diese Menschen muss man dann auch entsprechend unterrichten, ansonsten haben wir bald das, was uns aktuell blühen wird, das Ende des hohen Bildungsniveau's in Deutschland, wofür wir mal beneidet wurden.

Das Schriftliche in den Schulen wurde als nicht mehr so wichtig in den Hintergrund gestellt, und das Mündliche in den Vordergrund, weil angeblich den Schülern der Druck bei den Klassenarbeiten/Klausuren nicht zuzumuten sei, und auch jeder mal einen schlechten Tag hat, mit dieser fatalen Denkweise fing das Dilemma an, wie gesagt vor allem in den SPD geführten Ländern, heute soll es hauptsächlich Gruppenarbeit sein in den Klassen, Gruppentische, statt Einzeltische. Gruppenarbeit ist natürlich wichtig, darf aber nie Maßstab sein, weil, wer kennt es nicht, am Ende arbeiten 2 von 4 und 2 schauen zu, oder es macht einer ganz alleine, die Gruppe bekommt dann aber dann einheitlich vielleicht die gute Note, der gute Schüler ist gefrustet, weil die Anderen nichts beitragen und denkt sich dann, warum anstrengen. Diese Wegnahme der Drucksituation eines Einzelnen ist ein absolute Armutszeugnis der Bildungsminister von Rot, denn nach dem Abschluss muss auch jeder für sich in seinem Beruf alleine das zeigen, was er oder sie durch die Noten bescheinigt bekommen hat, da kann er oder sie nichtmal schnell seine oder ihre alte Klassenkameraden anrufen und fragen, was man wie machen soll.
Ich denke, das ist eine viel zu einseitige Betrachtung des Problems.
Heute akzeptieren viele Eltern schlicht die Benotung ihrer Kinder durch die Lehrer nicht mehr. Es wird um jede Nachkommastelle gekämpft, weil es ja angeblich um die Zukunft ihrer Kinder geht. Ich glaube nicht, dass das wirklich hilfreich ist. Und es wird dadurch den Kindern vermittelt, dass sie selbst sich nicht anstrengen müssen, weil die Eltern es ja richten werden. Dass dadurch kaum bessere Bildung erreicht wird, ist wohl klar.
Und oft hängt der Erfolg und die Beliebtheit von Lehrern davon ab, welche Noten ihre Schüler erzielen. Und da Lehrer auch Menschen sind, sind sie auch davon abhängig, besonders mittelmässige Lehrer.
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Fuerst_48 » Sa 24. Jun 2017, 22:41

Prinzipiell ist eine größere Anzahl an Leistungsbeurteilungen die bessere Basis für eine halbwegs gerechte Beurteilung. Die Gewichtung zwischen schriftlicher und mündlicher Beurteilung soll ausgewogen sein und dem zuletzt erbrachten Leistungsstand gibt man mehr an Stellenwert.
(So in etwa unser System!)
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Voight-Kampff » So 25. Jun 2017, 14:25

frems hat geschrieben:(23 Jun 2017, 15:44)Nun ist eine Korrelation bekanntlich keine Kausalität. Trotzdem: haltet Ihr es für plausibel, dass die Nachfrage am Arbeitsmarkt eine Rolle dafür spielt, welche Noten im Schnitt vergeben werden? Dies heißt ja nicht nur, dass es mehr Bestnoten gibt, sondern dass manch einer vielleicht noch knapp besteht, der zu früheren oder späteren Zeiten durchgerasselt wäre. Oder will die Politik "einfach so", unabhängig von der Konjunktur, mehr gute Noten und die Professoren kommen ihnen nach? Sind die Schüler und Studenten, z.B. durch Bildungsinvestitionen (mehr Ganztagsschulen, Nachhilfeangebote, ...), heute einfach besser? Werden die Lehrer und Dozenten zu stark von Helikoptereltern von Einzelkindern genervt, sodass sie lieber von sich aus gute Noten vergeben, um sich diese Debatten zu ersparen? Das war jetzt nur eine Ansammlung von Vermutungen aus Kommentarspalten. Ein anderer Leser meint noch:

Ich denke mit den Ursachen muss man extrem vorsichtig sein. Um mal weiter auszuholen: Die Psychologie kennt den sog- Flynn-Effekt. ->WP
Wikipedia hat geschrieben:Der Flynn-Effekt bezeichnet die Tatsache, dass bis in die 1990er Jahre die Ergebnisse von IQ-Tests – bei unterbliebener Nacheichung – in Industrieländern im Mittel immer höhere Werte erbrachten, die gemessene Intelligenz also zunahm. Dieser Trend wurde erstmals 1984 vom neuseeländischen Politologen James R. Flynn für die Vereinigten Staaten beschrieben und 1994 von Charles Murray und Richard Herrnstein Flynn-Effekt genannt


Der Flynn Effekt is also eine IQ-Inflation. Speziell hat man das nachgewiesen bei Wehrpflichtigen, die Jahrgang um Jahrgang, die gleichen Tests bekamen.

Inwieweit das eine reale Zunahme von intellektuellen Fähigkeiten wiederspiegelt, und was die Ursachen seien könnten, ist unklar. Man kann aber wohl jammernde Eltern oder Arbeitsmarknachfrage ausschließen.
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon frems » So 25. Jun 2017, 14:35

Humelix33 hat geschrieben:(24 Jun 2017, 20:26)
Das liegt auch am Bildungssystem, das, wie du schon angeschnitten hast, vor allem durch SPD geführte Länder, so drastisch vereinfacht wurde, das man problemlos gute Noten erhält.

Das würde ich definitiv bestreiten. Sicherlich kann man Vergleichstests wie PISA kritisieren, aber dort schneiden die deutschen Schüler viel besser ab als vor 15 Jahren. Vor allem durch die Wirtschaftsvertreter wurde gefordert, dass die Vermittlung von Kompetenzen auch wichtiger wird und die Schulen kamen dem nach. Dass die Betriebe darüber jammern, nur noch jene zu kriegen, die nichts Besseres fanden, ist ein anderes Dilemma.

Es ist ja bewiesen, das es nunmal unterschiedlich intelligente Menschen gibt, und diese Menschen muss man dann auch entsprechend unterrichten, ansonsten haben wir bald das, was uns aktuell blühen wird, das Ende des hohen Bildungsniveau's in Deutschland, wofür wir mal beneidet wurden.

"Bildungsniveau's"? :s

Intelligenz ist auch nur ein Faktor, der nicht zwangsläufig zu Bildungserfolgen führt. Wäre Intelligenz eine Konstante und alleine verantwortlich, könnte man sich Investitionen ins Bildungswesen sparen, weil es demnach irrelevant sei, wie gut die Lehrer qualifiziert sind, wie die Ausstattung der Schulen aussieht, wie viele Nachhilfeangebote es gibt etc. Der Neid aufs deutsche Bildungssystem ist auch ein Glaube, der kurz nach der deutschen Grenze wieder aufhört.
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Teeernte » So 25. Jun 2017, 14:45

frems hat geschrieben:(25 Jun 2017, 15:35)

Das würde ich definitiv bestreiten. Sicherlich kann man Vergleichstests wie PISA kritisieren, aber dort schneiden die deutschen Schüler viel besser ab als vor 15 Jahren. Vor allem durch die Wirtschaftsvertreter wurde gefordert, dass die Vermittlung von Kompetenzen auch wichtiger wird und die Schulen kamen dem nach. Dass die Betriebe darüber jammern, nur noch jene zu kriegen, die nichts Besseres fanden, ist ein anderes Dilemma.


"Bildungsniveau's"? :s

Intelligenz ist auch nur ein Faktor, der nicht zwangsläufig zu Bildungserfolgen führt. Wäre Intelligenz eine Konstante und alleine verantwortlich, könnte man sich Investitionen ins Bildungswesen sparen, weil es demnach irrelevant sei, wie gut die Lehrer qualifiziert sind, wie die Ausstattung der Schulen aussieht, wie viele Nachhilfeangebote es gibt etc. Der Neid aufs deutsche Bildungssystem ist auch ein Glaube, der kurz nach der deutschen Grenze wieder aufhört.


ich NICHT....

Abitur in Sachsen-Anhalt ohne Mathe | Mitteldeutsche Zeitung
www.mz-web.de/sachsen-anhalt/landespoli ... r-24311424
28.06.2016 - Sachsen-Anhalt will die Regelungen für das Abitur deutlich entschärfen - vor allem die von vielen Gymnasiasten gefürchtete ...


Bildungsminister Marco Tullner (CDU) stellte die entsprechenden Pläne – Quelle: http://www.mz-web.de/24311424 ©2017



Nie -WO ? :D :D :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Merkel_Unser » Di 27. Jun 2017, 07:15

frems hat geschrieben:(23 Jun 2017, 15:44)

Ich finde den Begriff "Noteninflation" ja etwas ungünstig, da er suggeriert, schlichtweg die Anzahl an Noten würde steigen. Gemeint ist im politischen Diskurs aber eine prozentuale Zunahme von (sehr) guten Noten im Bildungswesen.


http://www.spiegel.de/spiegel/unispiege ... 50166.html


http://www.tagesspiegel.de/wissen/noten ... 19284.html

Nun ist eine Korrelation bekanntlich keine Kausalität. Trotzdem: haltet Ihr es für plausibel, dass die Nachfrage am Arbeitsmarkt eine Rolle dafür spielt, welche Noten im Schnitt vergeben werden? Dies heißt ja nicht nur, dass es mehr Bestnoten gibt, sondern dass manch einer vielleicht noch knapp besteht, der zu früheren oder späteren Zeiten durchgerasselt wäre. Oder will die Politik "einfach so", unabhängig von der Konjunktur, mehr gute Noten und die Professoren kommen ihnen nach? Sind die Schüler und Studenten, z.B. durch Bildungsinvestitionen (mehr Ganztagsschulen, Nachhilfeangebote, ...), heute einfach besser? Werden die Lehrer und Dozenten zu stark von Helikoptereltern von Einzelkindern genervt, sodass sie lieber von sich aus gute Noten vergeben, um sich diese Debatten zu ersparen? Das war jetzt nur eine Ansammlung von Vermutungen aus Kommentarspalten. Ein anderer Leser meint noch:



Also die Korrelation zwischen der "Noteninflation" und der Nachfrage am Arbeitsmarkt halte ich für eine recht steile These. Vielmehr ist es doch so, dass gerade in den Studienfächern mit einem angespannten Arbeitsmarkt die Studenten alles tun, um sich von der Konkurrenz abzusetzen: Master, Doktor, Auslandssemester, freiw. Praktika usw. Dazu gehören dann natürlich auch gute Noten. In den technischen Fächern gehts da eher erstmal ums "Überleben", d.h. selbst mit einem schlechten Bachelor-Abschluss kann man noch was anfangen. Wer hingegen ein Biologie Studium mit 3,x abschließt, kann eigentlich direkt aufhören.

Wenn es keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt gibt - warum sollte ich mich dann übermäßig anstrengen? Dieser Logik kann ich einfach nicht folgen und sie bestätigt sich m.M.n. auch nicht in der Praxis.

Ich denke es ist eine einfache Folge von den Forderungen unserer Politik nach mehr Hochschulabschlüssen und dem "Abitur für alle". Wer heute noch eine Ausbildung macht oder gar die Hauptschule besucht, gilt schonmal pauschal als dumm. Da die Leistungen bzw. die Intelligenz der Kinder im Durchschnitt natürlich eher gleich bleibt, muss dieser Forderung mit einem Absenken des Leistungsniveaus Rechnung getragen werden.
Alpha Centauri
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Re: Zur Noteninflation an Schulen und Hochschulen

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 1. Jul 2017, 12:22

Das Systemder Bewertungund Benotung von Leistung ist eh überhaupt nicht mehr zeitgemäßig wozu? Wenn man nur wissen anhäuft für gute Noten und Abschlüsse wenn man es ohnehin späzt wieder vergisst, entweder weil man es nicht praktisch braucht im Beruf oder einem das Fach eh nie eigentlich wirklich interessiert hat.

Und überhaupt lässt sich der Bildungsstand von Menschen durch Noten messbar erfassen? Man kann es bezweifeln, andere Länder gehen da schon ganz andere Weg, Nichts in diesem Land ist so altmodisch und konservativ und zugleich so reformbedürftig wie das Bildungssystem

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