Arbeitsjahr vor dem Studium

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Gilmoregirl
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Gilmoregirl » So 14. Mai 2017, 16:04

Nightwatch:
Nach meinem Erfahrungsschatz ist ein ganzes Jahr arbeiten, um dann anschließend zu studieren, Zeitverschwendung. Da wird ein Ferienjob ohne Sinn und Verstand künstlich verlängert. Ich attestiere Leuten, die solche Forderungen aufstellen, einfach nicht nachgedacht zu haben. Beim Nachhaken stellt sich ja bislang heraus, daß sie selber nicht konkret erklären können, wozu ein ganzes Jahr gut sein soll.


Ich hab da in jungen Jahren andere Erfahrungen gemacht.
Ich bin ausgebildete Kindergärtnerin; zu DDR- Zeiten war das ein Fachschulstudium, das heute in etwa einem Bachelor -Abschluss nahe kommt. Normalerweise dauerte das Studium 3 Jahre, aber Kindergärtnerinnen wurden gebraucht, wer gute Noten schrieb, konnte auch das Studium um 1 Jahr verkürzen.(soll im ehem. Bezirk Potsdam wohl eine Sonderregelung gewesen sein). Das Ganze sah dann so aus, dass viel Praxis gestrichen wurde und die Theorie der 3 Jahre in 2 Jahren Schnellbesohlung vermittelt wurde. Ich war dann gerade 18. als ich auf 21!!!!! 3Jährige losgelassen wurde. Hatte eigentlich keine Ahnung von nichts, hatte nur ein schlaues Buch und ein ganzes Haus voll junger gleichaltriger Mitarbeiterinnen. Die Leiterin wollte immer von uns "jungen Kolleginnen" wissen, was wir Neues mitgebracht haben, ich hätte lieber von den alten (oder besser: erfahrenen) Kolleginnen gelernt.
Heute, als Leiterin einer Kita, mach ich genau das: ich stelle jung und alt oft zusammen, hoffe, dass auch die Chemie stimmt und die Kinder von dieser Konstellation profitieren...und natürlich meine Mitarbeiternnen ebenfalls.

Heute dauert so eine Ausbildung 5 Jahre mit viel Praxis und ich hatte auch inzwischen junge Bachelor- Absolventinnen, die Kindheitspädagogik studierten. Denen erklärte man bereits im Studium, mit ihrem Abschluss könnten sie eine Kita leiten...ja, später vielleicht mal, wenn sie schon etwas Erfahrung gesammelt haben...denn wie in der Pädagogik so oft, versteht man die Theorie erst in der Praxis.
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Gilmoregirl
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Gilmoregirl » So 14. Mai 2017, 16:14

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(14 May 2017, 11:14)

Naja. Das einzige was man als Abiturient in einer Ausbildung in Hinblick auf ein späteres Studium lernen kann, ist eben, dass sich doch lohnt zu studieren. Auch mag sich der eine oder andere nach einer Ausbildung im Studium etwas leichter tun, weil ihm die Inhalte des Studiums weniger abstrakt vorkommen. Alles andere was da immer so gemutmaßt wird ist allerdings Mumpitz. Die fehlende Praxis ist schon mal überhaupt kein Argument.


Hmm, viel was Anderes als du wollte ich mit meinem Post auch nicht sagen.
Meine Tochter zB visierte während ihres Abis ein duales Studium an. Sie wollte auf gar keinen Fall "nur" studieren, sondern Theorie mit Praxis verbunden wissen. Letzten Endes jedoch interessierte sie sich für eine Ausbildung, nach der sie bei erfolgreichem Abschluss studieren kann und der Betrieb würde sie dabei finanziell auch unterstützen. Ihr Abiwissen kommt ihr in der Berufsschule zugute, steigt schneller hinter gewisse Zusammenhänge. Letzten Endes kann sie dann aber entscheiden, ob sie noch studieren möchte, hat aber schon zumindest einen Beruf in der Tasche.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 14. Mai 2017, 16:19

Gilmoregirl hat geschrieben:(14 May 2017, 17:14)

Hmm, viel was Anderes als du wollte ich mit meinem Post auch nicht sagen.
Meine Tochter zB visierte während ihres Abis ein duales Studium an. Sie wollte auf gar keinen Fall "nur" studieren, sondern Theorie mit Praxis verbunden wissen. Letzten Endes jedoch interessierte sie sich für eine Ausbildung, nach der sie bei erfolgreichem Abschluss studieren kann und der Betrieb würde sie dabei finanziell auch unterstützen. Ihr Abiwissen kommt ihr in der Berufsschule zugute, steigt schneller hinter gewisse Zusammenhänge. Letzten Endes kann sie dann aber entscheiden, ob sie noch studieren möchte, hat aber schon zumindest einen Beruf in der Tasche.


Nun... das mag eben bei deiner Tochter so sein. Ist aber eben nicht allgemeingültig
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Nightwatch » So 14. Mai 2017, 18:09

Gilmoregirl hat geschrieben:(14 May 2017, 17:04)

Nightwatch:

Ich hab da in jungen Jahren andere Erfahrungen gemacht.
Ich bin ausgebildete Kindergärtnerin; zu DDR- Zeiten war das ein Fachschulstudium, das heute in etwa einem Bachelor -Abschluss nahe kommt. Normalerweise dauerte das Studium 3 Jahre, aber Kindergärtnerinnen wurden gebraucht, wer gute Noten schrieb, konnte auch das Studium um 1 Jahr verkürzen.(soll im ehem. Bezirk Potsdam wohl eine Sonderregelung gewesen sein). Das Ganze sah dann so aus, dass viel Praxis gestrichen wurde und die Theorie der 3 Jahre in 2 Jahren Schnellbesohlung vermittelt wurde. Ich war dann gerade 18. als ich auf 21!!!!! 3Jährige losgelassen wurde. Hatte eigentlich keine Ahnung von nichts, hatte nur ein schlaues Buch und ein ganzes Haus voll junger gleichaltriger Mitarbeiterinnen. Die Leiterin wollte immer von uns "jungen Kolleginnen" wissen, was wir Neues mitgebracht haben, ich hätte lieber von den alten (oder besser: erfahrenen) Kolleginnen gelernt.
Heute, als Leiterin einer Kita, mach ich genau das: ich stelle jung und alt oft zusammen, hoffe, dass auch die Chemie stimmt und die Kinder von dieser Konstellation profitieren...und natürlich meine Mitarbeiternnen ebenfalls.

Heute dauert so eine Ausbildung 5 Jahre mit viel Praxis und ich hatte auch inzwischen junge Bachelor- Absolventinnen, die Kindheitspädagogik studierten. Denen erklärte man bereits im Studium, mit ihrem Abschluss könnten sie eine Kita leiten...ja, später vielleicht mal, wenn sie schon etwas Erfahrung gesammelt haben...denn wie in der Pädagogik so oft, versteht man die Theorie erst in der Praxis.

Inwieweit hätte es Dir geholfen, wenn Du ein ganzes Jahr vor dem Antritt Deines Fachschulstudium gekellnert oder Bettpfannen geleert hättest? Der Strangersteller redet nicht wie Du von inhaltlichen Mängel eines bestimmten Studiengangs, sondern von einer angeblichen Weltfremdheit bezüglich "echter" Arbeit.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon frems » So 14. Mai 2017, 19:27

hafenwirt hat geschrieben:(13 May 2017, 23:32)

Man sollte solche Jobs aber auch nicht unterschätzen. Warst du es nicht, der mal meinte heutige Personalfuzzis würden sich über die mangelnde Kneipenerfahrung beschweren? Ich behaupte einfach mal, dass jemand in der Kommunikation Vorteile hat, wenn er mal hinter der Theke stand und auch mal Gäste rausgeworfen hat. Kommt halt auf den Job an.

Aber die wenigsten dürften wirklich absolut keine Erfahrung haben. 2-3 Praktika während des Studiums sind üblich.

Ich kann mich an ein solches Gespräch nicht erinnern :D Aber Kneipenerfahrung ist natürlich wichtig und richtig. Mir ging's aber eher um den finanziellen Aspekt und nicht ums "mal was anderes sehen/machen". Wenn z.B. ein TU-Student nebenbei bei Siemens, BMW, Bosch oder sonstwas tätig ist, ist das für ihn sicherlich attraktiver als bei einem Discounter gehetzt an der Kasse zu stehen. Als Pflichtpraktikum würde letzteres wohl auch nicht durchgehen, während ich viele Studenten kannte, die halt fast ihr ganzes Studium nebenbei arbeiteten und sich die Arbeitszeiten (ein Jahr 20h pro Woche gleich sechs Monate Vollzeit) dann haben anerkannt lassen. Zumindest kenne ich persönlich niemanden, der von der Schule direkt zur Uni ging, nie irgendeine andere Tätigkeit hatte und dann mit dem Abschluss auf Jobsuche geht. Kann's natürlich geben, aber hier wurde ja so getan, als wäre das gar die Regel. Da statistisch aber die überwältigende Mehrheit der Studenten dauerhaft in einem Arbeitsverhältnis ist und auch der Rest teilweise zumindest temporär mal Pflichtpraktika machen muss, halte ich das aber für vernachlässigbar, um zu fordern, vor einem Studium müsse jeder ein Jahr lang irgendeinen Job machen.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Gilmoregirl » So 14. Mai 2017, 21:16

Nightwatch hat geschrieben:(14 May 2017, 19:09)

Inwieweit hätte es Dir geholfen, wenn Du ein ganzes Jahr vor dem Antritt Deines Fachschulstudium gekellnert oder Bettpfannen geleert hättest? Der Strangersteller redet nicht wie Du von inhaltlichen Mängel eines bestimmten Studiengangs, sondern von einer angeblichen Weltfremdheit bezüglich "echter" Arbeit.


Ich habe es so aufgefasst, dass es um Arbeit in dem anvisierten Job geht, nicht um Arbeit allgemein.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon frems » So 14. Mai 2017, 22:51

Gilmoregirl hat geschrieben:(14 May 2017, 17:14)
Sie wollte auf gar keinen Fall "nur" studieren, sondern Theorie mit Praxis verbunden wissen.

Genau das dürfte aber der Knackpunkt sein. Wie es so schön heißt: ein Studium ist auch immer das, was man daraus macht. Während man bei einer dualen Ausbildung häufig alles vorgeschrieben bekommt, müssen Studenten eigenverantwortlich und selbstständig sein. Niemand hindert einen Studenten daran, nebenbei eine fachnahe Tätigkeit auszuüben oder mal ein, zwei Praxissemester zu machen, wenn man dies wünscht. Da muss die Initiative bloß vor allem von der Person selbst kommen, da einem niemand -- von Pflichtpraktika abgesehen -- dies vorschreibt. Es ist nur falsch anzunehmen, dass ein Studium Praxistätigkeiten gar verhindern würde. Im Gegenteil: man ist viel flexibler, um in mehrere Bereiche reinzuschauen und Berufserfahrung zu sammeln, um später genau zu wissen, was man eigentlich möchte. Folglich kann man heutzutage bspw. nach dem Bachelorstudium erstmal ein, zwei Jahre arbeiten und dann noch immer überlegen, ob man ein Masterstudium dranhängt und wenn ja, mit welcher Spezialisierung. In einer Lehre hat man diese Flexibilität meist nicht.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Anghan » Di 30. Mai 2017, 09:16

Während des Studiums zu arbeiten, ist doch keine Seltenheit mehr. Wie soll man sonst das Studium in einer teuren Stadt wie München finanzieren, wenn man nebenbei nicht etwas dazuverdient. Das Taschengeld der Eltern sowie BaFöG reicht hierbei meiner Meinung auch nicht immer aus aus, wenn die Lebenshaltungskosten bei 800 Euro oder mehr liegen.
Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Studenten keine klare Vorstellung haben, was sie später eigentlich werden wollen und einfach nur studieren, weil es irgendwie im Trend bei den anderen ehemaligen Schulkameraden liegt. Warum nicht ein duales Studium oder ein klassisches Studium wählen. Stellen gibt’s z.B. hier genug.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Kael » Di 30. Mai 2017, 10:41

Eigentlich geht es darum das die Personen VOR DEM STUDIUM 1 Jahr arbeiten damit sie mal mit 'realistischeren Augen' durch die Welt laufen. Und dann müssen die nicht mal 'Fachnah' was machen.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Senexx » Di 30. Mai 2017, 11:36

Zum Glück kann man das nicht verordnen.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Kael » Di 30. Mai 2017, 11:42

Leider
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Helmuth_123 » Di 30. Mai 2017, 19:55

Kael hat geschrieben:(30 May 2017, 11:41)

Eigentlich geht es darum das die Personen VOR DEM STUDIUM 1 Jahr arbeiten damit sie mal mit 'realistischeren Augen' durch die Welt laufen. Und dann müssen die nicht mal 'Fachnah' was machen.


Vor der Abschaffung der Wehrplicht (Ja, ich weiß, dass die nicht abgeschafft wurde, sondern nur niemand mehr einberufen wird.) gab es ja so etwas ähnliches ja schon.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Kael » Mi 31. Mai 2017, 12:57

Ich weiß. Und ich fand es ehrlich gesagt gut das es dies damals noch gab. Ich bin auch wieder für die Wehrpflicht & Ersatzdienst.
Die meisten Studenten wissen teilweise nicht mal wie die 'reale Welt' aussieht weil sie alles von Mami und Papi bekommen. Die wissen nicht mal wie ne Gehaltsabrechnung aussieht.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon H2O » Mi 31. Mai 2017, 19:43

frems hat geschrieben:(14 May 2017, 23:51)

Genau das dürfte aber der Knackpunkt sein. Wie es so schön heißt: ein Studium ist auch immer das, was man daraus macht. Während man bei einer dualen Ausbildung häufig alles vorgeschrieben bekommt, müssen Studenten eigenverantwortlich und selbstständig sein. Niemand hindert einen Studenten daran, nebenbei eine fachnahe Tätigkeit auszuüben oder mal ein, zwei Praxissemester zu machen, wenn man dies wünscht. Da muss die Initiative bloß vor allem von der Person selbst kommen, da einem niemand -- von Pflichtpraktika abgesehen -- dies vorschreibt. Es ist nur falsch anzunehmen, dass ein Studium Praxistätigkeiten gar verhindern würde. Im Gegenteil: man ist viel flexibler, um in mehrere Bereiche reinzuschauen und Berufserfahrung zu sammeln, um später genau zu wissen, was man eigentlich möchte. Folglich kann man heutzutage bspw. nach dem Bachelorstudium erstmal ein, zwei Jahre arbeiten und dann noch immer überlegen, ob man ein Masterstudium dranhängt und wenn ja, mit welcher Spezialisierung. In einer Lehre hat man diese Flexibilität meist nicht.


Meine Erfahrung mit dem Thema geht dahin, daß man vor der Aufnahme eines Studiums unbedingt eine fachnahe Beschäftigung suchen sollte. Die ganz große Mehrzahl der Studienanfänger hat keine hieb- und stichfeste Vorstellung von dem Arbeitsfeld, das ihnen durch das Studium zugänglich wird. In meinen jungen Jahren mußte einem Ingenieurstudium ein halbes Jahr Grundpraktikum voraus gehen. Paßte so zwischen Abi und Wintesemester.

Aber so ganz berufsnah war das Grundpraktikum leider auch nicht, sondern mehr gaaanz unten an den technischen Grundlagen. Vernünftiger war das Fachpraktikum (Pflicht!) in der Industrie nach dem Vorexamen. Das war deutlich fachbezogener und hätte besser ganz am Anfang einen Einstieg in den Beruf vermitteln sollen. Gibt es heute überhaupt noch so etwas?
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon frems » Do 1. Jun 2017, 19:07

H2O hat geschrieben:(31 May 2017, 20:43)

Meine Erfahrung mit dem Thema geht dahin, daß man vor der Aufnahme eines Studiums unbedingt eine fachnahe Beschäftigung suchen sollte. Die ganz große Mehrzahl der Studienanfänger hat keine hieb- und stichfeste Vorstellung von dem Arbeitsfeld, das ihnen durch das Studium zugänglich wird. In meinen jungen Jahren mußte einem Ingenieurstudium ein halbes Jahr Grundpraktikum voraus gehen. Paßte so zwischen Abi und Wintesemester.

Aber so ganz berufsnah war das Grundpraktikum leider auch nicht, sondern mehr gaaanz unten an den technischen Grundlagen. Vernünftiger war das Fachpraktikum (Pflicht!) in der Industrie nach dem Vorexamen. Das war deutlich fachbezogener und hätte besser ganz am Anfang einen Einstieg in den Beruf vermitteln sollen. Gibt es heute überhaupt noch so etwas?

Ich kenn's nur als integralen Bestandteil von Studiengängen und in Ausnahmefällen als Zulassungsvoraussetzungen; und bei letzterem meist mit der Möglichkeit, dass man es stückchenweise bis Semester X vorzuweisen hat, da heute oftmals kein halbes Jahr zwischen Schulabschluss und Semesterbeginn liegt. Mir scheinen da auch eher acht bis 13 Wochen die Regel zu sein und dann im späteren Verlauf des Studiums nochmal ein Praktikum mit einer Dauer von bis zu sechs Monaten.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Boraiel » Do 1. Jun 2017, 19:43

Kael hat geschrieben:(31 May 2017, 13:57)

Ich weiß. Und ich fand es ehrlich gesagt gut das es dies damals noch gab. Ich bin auch wieder für die Wehrpflicht & Ersatzdienst.
Die meisten Studenten wissen teilweise nicht mal wie die 'reale Welt' aussieht weil sie alles von Mami und Papi bekommen. Die wissen nicht mal wie ne Gehaltsabrechnung aussieht.

Das interessiert halt auch niemanden, bevor das erste Mal Gehalt bekommen ansteht.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Boraiel » Do 1. Jun 2017, 19:50

H2O hat geschrieben:(31 May 2017, 20:43)

Meine Erfahrung mit dem Thema geht dahin, daß man vor der Aufnahme eines Studiums unbedingt eine fachnahe Beschäftigung suchen sollte. Die ganz große Mehrzahl der Studienanfänger hat keine hieb- und stichfeste Vorstellung von dem Arbeitsfeld, das ihnen durch das Studium zugänglich wird. In meinen jungen Jahren mußte einem Ingenieurstudium ein halbes Jahr Grundpraktikum voraus gehen. Paßte so zwischen Abi und Wintesemester.

Aber so ganz berufsnah war das Grundpraktikum leider auch nicht, sondern mehr gaaanz unten an den technischen Grundlagen. Vernünftiger war das Fachpraktikum (Pflicht!) in der Industrie nach dem Vorexamen. Das war deutlich fachbezogener und hätte besser ganz am Anfang einen Einstieg in den Beruf vermitteln sollen. Gibt es heute überhaupt noch so etwas?

Meine Erfahrung geht er dahin, dass solche Pflichtpratika nur zum Herstellen von Kontakten hilfreich sind. Wichtig für Studenten ist vor allem, dass die Universitäten didaktisch aufrüsten. Viele Lehrbeauftragte haben wenig Ahnung, wie man Wissen gut und passend vermittelt. Sie werden aber auch teilweise von übergreifenden Strukturen eingeengt.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Helmuth_123 » Do 1. Jun 2017, 19:52

Ich möchte mal die Idee eines „Arbeitsjahres“ vor dem Studium aufgreifen, um einen Alternativvorschlag zu bringen. Wie wäre es mit einem Orientierungsjahr nach der Schule. Dort können die Jugendliche frei sich verschiedene Wege anschauen. Zum Beispiel: Zwei Semester an ein Hochschule frei Veranstaltungen belegen, um zu schauen, was ihnen zusagt. Oder ein halbes Jahr Praktika in verschiedenen Bereichen und dann ein Semester „Orientierungsstudium“ oder ein ganzes Jahr die verschiedenen Praktika absolvieren.
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon Boraiel » Do 1. Jun 2017, 19:56

Helmuth_123 hat geschrieben:Ich möchte mal die Idee eines „Arbeitsjahres“ vor dem Studium aufgreifen, um einen Alternativvorschlag zu bringen. Wie wäre es mit einem Orientierungsjahr nach der Schule. Dort können die Jugendliche frei sich verschiedene Wege anschauen. Zum Beispiel: Zwei Semester an ein Hochschule frei Veranstaltungen belegen, um zu schauen, was ihnen zusagt. Oder ein halbes Jahr Praktika in verschiedenen Bereichen und dann ein Semester „Orientierungsstudium“ oder ein ganzes Jahr die verschiedenen Praktika absolvieren.

Weil die Antwort darauf immer "alles und nichts" ist. ;)
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Re: Arbeitsjahr vor dem Studium

Beitragvon H2O » Do 1. Jun 2017, 20:08

Helmuth_123 hat geschrieben:(01 Jun 2017, 20:52)

Ich möchte mal die Idee eines „Arbeitsjahres“ vor dem Studium aufgreifen, um einen Alternativvorschlag zu bringen. Wie wäre es mit einem Orientierungsjahr nach der Schule. Dort können die Jugendliche frei sich verschiedene Wege anschauen. Zum Beispiel: Zwei Semester an ein Hochschule frei Veranstaltungen belegen, um zu schauen, was ihnen zusagt. Oder ein halbes Jahr Praktika in verschiedenen Bereichen und dann ein Semester „Orientierungsstudium“ oder ein ganzes Jahr die verschiedenen Praktika absolvieren.


Grundsätzlich schadet es wirklich nicht, wenn junge Leute zwischen Schule und Studium irgend etwas machen, was andere Leute erledigt sehen wollen. Aber man muß auch sehen, daß unsere Lebensuhr tickt, und daß es vielleicht doch ganz sinnvoll ist, möglichst artverwandt zum gewünschten Berufsbild eine Arbeit zu leisten. Diese Art der Beschäftigung schließt doch nicht aus, daß man dabei ebenfalls den Umgang und Umgangston im Beruf kennen lernt, und zugleich bekommt der junge Mensch eine Vorstellung davon, was ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Berufsleben lang begleiten wird.

Wenn dann ein junger Mensch erkennt: "Oha, das wäre ja nichts für mich!" und dann umsattelt, dann wäre uns allen geholfen, und vielleicht auch eine in Zeit und Kosten ärgerliche Entwicklung verhindert.

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