Besinnung vieler auf alte Traditionen?

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Brainiac
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon Brainiac » Mi 15. Feb 2017, 11:59

Danke beiderseits.

Aber ist das mit der Vergleichbarkeit von Kulturleistungen nicht ein Nebenkriegsschauplatz? Ausgangspunkt war doch, wenn ich mich recht entsinne, die Frage, ab wann die Identifikation mit einer abstrakten, über die eigenen Kontakte hinausgehenden Gemeinschaft bereits als politisch anzusehen ist, richtig? Da konnte ich noch grob folgen, aber dann habt ihr mich abgehängt. :|
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Feb 2017, 12:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Feb 2017, 11:08)

Ja. Sorry. Das ist richtig. Und das ist auch nicht nur irgendwie "nicht ganz korrekt" sondern wesentlich. Ich habe auch lange Zeit gebraucht, um zu begreifen, dass Philosophie nicht das Zielt hat, "Erkenntnisse" in demselben Sinne wie etwa die Naturwissenschaften zu produzieren. Dass ein Philosoph wie etwa Karl Jaspers heute nahezu vergessen ist, liegt nicht daran, dass er im klassischen Sinne irgendwie "widerlegt" wäre. Er ist einfach weniger relevant als zu Lebzeiten. Selbstverständlich hat das Gründe, die mit dem historischen Kontext zu seinen Lebzeiten und mit historischen Kontext heute zusammenhängen. Nichtsdestotrotz ist eine Aussage von Jaspers wie etwa "Philosophie ist das Gewahrwerden der eigenen Ohnmacht" eben genau darauf gerichtet, von den konkreten Umständen der Gegenwart auf eine metaphysische Ebene zu gelangen. Dass ein Nachdenken über die Welt zu einem "Gewahrwerden der eigenen Ohnmacht" führt, ist ein vollkommen zeitloser, eben typisch philosophischer Gedanke, der ganz bestimmt vor 2000 Jahren schon mal gedacht wurde und auch in 2000 Jahren denkbar sein wird.

Hat auch nie jemand behauptet, dass Philosophie Erkenntnisse i.S.v. Naturwissenschaften erzeugt. Wäre es so, dann wären diese Erkenntnisse nachvollziehbar, überprüfbar und ggf falsifizierbar. Genau das sind sie aber nicht, sie sind nur kritisierbar. Und diese Kritik z.B. am Kantschen Kategorischen Imperativ erfolgte bereits zu Lebzeiten Kants - z.B. durch Hegel - und erfolgt immer noch.
Philosophie produziert - teilweise im gleichen "Zeitrahmen" - die verschiedensten Sichtweisen/Überzeugungen, die sich teilweise grundlegend widersprechen.
Man kann sich mit ihnen auseinander setzen, kann sie kritisieren, aber nicht vergleichen! Du kannst nichtmal Kant mit Hegel vergleichen und die beiden waren Zeitgenossen!
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Feb 2017, 12:13

Brainiac hat geschrieben:(15 Feb 2017, 11:59)

Danke beiderseits.

Aber ist das mit der Vergleichbarkeit von Kulturleistungen nicht ein Nebenkriegsschauplatz? Ausgangspunkt war doch, wenn ich mich recht entsinne, die Frage, ab wann die Identifikation mit einer abstrakten, über die eigenen Kontakte hinausgehenden Gemeinschaft bereits als politisch anzusehen ist, richtig? Da konnte ich noch grob folgen, aber dann habt ihr mich abgehängt. :|

Stimmt, eigentlich gehört das nicht zum Thema - da geht es um "Rückbesinnung auf Traditionen" m.M.n. zunächst ohne jeglichen politischen Hintergrund bzw ohne politische Zuordnung und auch ohne Bezug zur Identitätsbildung/-entwicklung.
In diese Richtung wurde das Thema wiederum von User schokoschendretzki gelenkt, welcher "Rückbesinnung auf Traditionen" mit "identitärer Bewergung" und damit mit politischer Verortung nach "rechts" gleichgesetzt hat. :s
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 15. Feb 2017, 14:01

Dark Angel hat geschrieben:(15 Feb 2017, 12:09)
Philosophie produziert - teilweise im gleichen "Zeitrahmen" - die verschiedensten Sichtweisen/Überzeugungen, die sich teilweise grundlegend widersprechen.
Man kann sich mit ihnen auseinander setzen, kann sie kritisieren, aber nicht vergleichen!

Mal schauen wie lang deine Liste von Gedanken noch wird, die man angeblich nicht denken darf.
Vergleich: "Das Nebeneinanderstellen von zwei oder mehr Gegenständen, Ideen, Personen, um herauszufinden, ob und wie sie sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums ähneln". Und nicht: Die Behauptung, zwei oder mehr Gegenstände, Ideen, Personen würden sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums ähneln.

Ich möchte nur mal wissen, was Menschen dazu bringt, was ihnen eine solche Angst macht, kanonische Denkschablonen nicht verlassen zu können.
Du kannst nichtmal Kant mit Hegel vergleichen und die beiden waren Zeitgenossen!

Das kann ich tatsächlich nicht. Dazu müsste ich dann doch etwas mehr von beiden gelesen haben.
"Zum Begriff des Staates bei Kant und Hegel" von Dietmar von Pfordten, Philosophie-Professor an der Uni Göttingen ist nur ein, wirklich nur ein von gefühlt hunderten Titeln, in denen Kant und Hegel bzw. ihre Ideen "nebeneinandergestellt werden, um herauszufinden ob und wie sie sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums (hier: Staatsbegriff) ähneln".
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Feb 2017, 14:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Feb 2017, 14:01)

Mal schauen wie lang deine Liste von Gedanken noch wird, die man angeblich nicht denken darf.
Vergleich: "Das Nebeneinanderstellen von zwei oder mehr Gegenständen, Ideen, Personen, um herauszufinden, ob und wie sie sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums ähneln". Und nicht: Die Behauptung, zwei oder mehr Gegenstände, Ideen, Personen würden sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums ähneln.

Ich möchte nur mal wissen, was Menschen dazu bringt, was ihnen eine solche Angst macht, kanonische Denkschablonen nicht verlassen zu können.

Das kann ich tatsächlich nicht. Dazu müsste ich dann doch etwas mehr von beiden gelesen haben.
"Zum Begriff des Staates bei Kant und Hegel" von Dietmar von Pfordten, Philosophie-Professor an der Uni Göttingen ist nur ein, wirklich nur ein von gefühlt hunderten Titeln, in denen Kant und Hegel bzw. ihre Ideen "nebeneinandergestellt werden, um herauszufinden ob und wie sie sich hinsichtlich eines bestimmten Kriteriums (hier: Staatsbegriff) ähneln".

Und welchen Nutzen hat es, wenn du bei solchen Vergleichen Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellst - außer dass du Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellst?
Philosophieren um des pholosophierens willen?
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 16. Feb 2017, 08:53

Dark Angel hat geschrieben:(15 Feb 2017, 14:43)

Und welchen Nutzen hat es, wenn du bei solchen Vergleichen Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellst - außer dass du Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellst?
Philosophieren um des pholosophierens willen?

Es gibt mehrere Dutzend Veröffentlichungen in etlichen Sprachen und es gab eine ganze Konferenz zu dem Thema: Wie aktuell und wie relevant ist eine Bemerkung in Friedrich Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse", dass Immanuel Kant der "Chinese von Königsberg" sei. Immer rund um das Thema: Wie konfuzianisch ist die Philosophie Kants und wie kantisch ist die konfuzianische Philosophie". Selbst von Mao ist bekannt, dass er sich Gedanken über Synthesen von Kant und Konfuzius machte. So ganz uninteressant scheint also der Vergleich Kant/Konfuzius nicht zu sein, um es mal vorsichtig und sehr gelinde auszudrücken. Und hinter die gedankliche Offenheit eines Mao Tse-Tungs sollte man vielleicht nicht zurückfallen.
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Re: Besinnung vieler auf alte Traditionen?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Feb 2017, 09:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Feb 2017, 08:53)

Es gibt mehrere Dutzend Veröffentlichungen in etlichen Sprachen und es gab eine ganze Konferenz zu dem Thema: Wie aktuell und wie relevant ist eine Bemerkung in Friedrich Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse", dass Immanuel Kant der "Chinese von Königsberg" sei. Immer rund um das Thema: Wie konfuzianisch ist die Philosophie Kants und wie kantisch ist die konfuzianische Philosophie". Selbst von Mao ist bekannt, dass er sich Gedanken über Synthesen von Kant und Konfuzius machte. So ganz uninteressant scheint also der Vergleich Kant/Konfuzius nicht zu sein, um es mal vorsichtig und sehr gelinde auszudrücken. Und hinter die gedankliche Offenheit eines Mao Tse-Tungs sollte man vielleicht nicht zurückfallen.

Qui bono - wohin die "gedankliche Offenheit" eines Mao geführt hat, ist bekannt.
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