Maschinenbau-Prof will Klausuren "abschaffen"

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frems
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Maschinenbau-Prof will Klausuren "abschaffen"

Beitragvon frems » Mo 9. Jan 2017, 00:09

Das "abschaffen" ist bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da es beim (geförderten) Vorschlag nicht darum geht, dass alle (Grundlagen-)Klausuren abgeschafft werden sollen oder es keinerlei Prüfungen mehr geben soll. Prof. Marc Gennat von der Krefelder FH schlägt vor, dass ein Studium praxisorientierter werden soll bzw. sich stärker am Arbeitsalltag von (späteren) Ingenieuren orientiert.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Hochschulprofessor und wollen die Klausuren abschaffen. Was haben Sie denn gegen systematisierte Leistungstests?

Gennat: Ich habe gar nichts dagegen. Für Professoren ist das sehr angenehm, einfach eine ausgedachte Aufgabe zu stellen und hinterher eine Ja-Nein-Entscheidung über die Leistungen zu treffen. Aber für die Studierenden ist das in Bezug auf die Arbeitsmarktfähigkeit nicht die beste Prüfungsform. In den Klausuren wird nur festgestellt, ob sie vorgegebene Rechenschritte durchführen können. Sie können also wie nach Kochrezept Antworten auf vorgefertigte Fragen lernen, ohne den Sinn und Zweck dahinter zu verstehen. Die Aufgabenstellungen im späteren Beruf sehen aber ganz anders aus. Die sind komplex, der Ingenieur muss erst mal herausfinden, mit welchen Methoden er da ran geht. [...]

SPIEGEL ONLINE: Warum kann man diese Frage nicht auf dem Papier stellen?

Gennat: Innerhalb von Zwei-Stunden-Klausuren können Sie eine so komplexe Aufgabe nicht auf Papier abarbeiten, sondern nur Teilprobleme lösen. Doch das hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun: In der späteren Arbeit kommt auch nicht der Abteilungsleiter und sagt, ich habe ein Problem am Kraftwerk festgestellt, könnten Sie hiervon bitte mal die mathematische Ableitung machen. Und das ist die Arbeitsmarktfähigkeit: mit digitalen Tools realitätsnahe Probleme lösen, oder auch mit Excel-Tabellen arbeiten, mit denen sie später ohnehin zu tun haben.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/un ... 27027.html

Was hält die werte Userschaft davon? Ist es richtig, stärker auf die berufliche Verwertbarkeit zu achten? Leidet die Wissenschaftlichkeit unter solchen Veränderungen? Gibt's noch andere Einwände?
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