Schulpolitik in BaWü

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Sigmaalpha

Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Sigmaalpha » Sa 29. Okt 2016, 19:58

Cat with a whip hat geschrieben:Kaum, denn die unter Grün-Rot neu gegründeten Gemeinschaftsschulen nahmen an dem aktuellen Leistungsvergleich ja gar nicht teil.

Das ist richtig. Allerdings scheint das Land die Schulreformen sehr engagiert durchgeführt zu haben und hat die anderen Schulformen schleifen lassen. Diese Begründung aus einem WON-Artikel klingt plausibel: "Zudem wurde dieser Schulform alle Aufmerksamkeit zuteil. Sie erhielt mehr Lehrerstellen, mehr Geld und – das ist wohl der entscheidende Punkt – das Recht auf Zukunft. Die anderen, bis hin zum Gymnasium, mussten damit leben, nur noch geduldet zu sein, ja im schlimmsten Fall Fusionsmasse zu werden."

https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... ystem.html
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Gilmoregirl » Sa 29. Okt 2016, 20:27

Kindern scheint es heutzutage nicht zumutbar zu sein, dass sie Fehler machen und dass diese auch korrigiert werden sollten. Die Kinder glauben, sie machen alles richtig und wenn Marvin in der 3. Klasse schon den Strift richtig herum hält, gibts ein Feuerwerk. Das führt dazu, das die "Helden" von morgen denken, Wunder was sie können und werden sie einst ins Leben entlassen, sind es die Ausbildungsabbrecher bzw. ihre Krone auf ihrem Kopf gerät schon ins Wanken, wenn sie mal ne halbe Überstunde machen müssen.
Ich sehe schwarz...auch für die Bundesländer, die bisher gut abschnitten.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Sa 29. Okt 2016, 20:31

Gilmoregirl hat geschrieben:(29 Oct 2016, 21:27)

Kindern scheint es heutzutage nicht zumutbar zu sein, dass sie Fehler machen und dass diese auch korrigiert werden sollten. Die Kinder glauben, sie machen alles richtig und wenn Marvin in der 3. Klasse schon den Strift richtig herum hält, gibts ein Feuerwerk. Das führt dazu, das die "Helden" von morgen denken, Wunder was sie können und werden sie einst ins Leben entlassen, sind es die Ausbildungsabbrecher bzw. ihre Krone auf ihrem Kopf gerät schon ins Wanken, wenn sie mal ne halbe Überstunde machen müssen.
Ich sehe schwarz...auch für die Bundesländer, die bisher gut abschnitten.

Früher war alles besser.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Gilmoregirl » Sa 29. Okt 2016, 21:26

frems hat geschrieben:(29 Oct 2016, 21:31)

Früher war alles besser.



Das wollte ich damit nicht sagen...aber ich bin nun mal 32 Jahre im Beruf, es hat sich viel gewandelt...so wie wir auch schon anders waren als unsere Eltern & Großeltern...Etliches ist gut, aber eben nicht alles. Unsere Kinder von heute sind selbstbewusster geworden, kuschen nicht mehr vor den Erwachsenen, haben Mitspracherecht in Dingen, die sie was angehen: zB wie soll der Schulhof gestaltet werden und welche Spielplatzregeln stellen wir auf. Doch denke auch mal zurück: haben uns Misserfolge traumatisiert oder eher angespornt?
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Cat with a whip » Mo 31. Okt 2016, 06:05

Sigmaalpha hat geschrieben:(29 Oct 2016, 20:58)

Das ist richtig. Allerdings scheint das Land die Schulreformen sehr engagiert durchgeführt zu haben und hat die anderen Schulformen schleifen lassen.


Wie ich auf der ersten Seite schon sagte wurden Mittel gekürzt. Wenn die Reform nix kosten soll fällt woanders eben was weg. Die SPD war im Ländle die Partei die hier gerne mehr Geld in die Hand genommen hätte. Die anderen Köche die die Suppe versalzten waren eben die CDU und Grüne. Letztendlich dürfen sich diejenigen die Schuld geben die im Ländle CDU und Grüne wählten.

Man sieht ja nun recht klar in der Experimentierküche "Bildungspolitik", dass Geld keine zu vernachlässigende Größe ist und das selektierende und exkludierende Schulsystem an sich keinen Mehrwert hat. So schnell können ideologische Fundamente wegbröseln. Aber wer nichtmal das jetzt erkennen will der soll weiter in seinem Irrglauben verharren, die Zeit wird auch über ihn spurlos hinweggehen.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Cobra9 » Mo 31. Okt 2016, 07:55

An der Bildung zu sparen ist der falsche Weg. Aber auch der einfachste leider
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Postfach » Mo 31. Okt 2016, 11:12

Letzter-Mohikaner hat geschrieben:(29 Oct 2016, 14:39)

Selbst mit ausreichend Lehrern... Es geht um die Inhalte, die vermittelt werden, und die an die Schüler gestellten Anforderungen. Die Latte wird schließlich immer tiefer gelegt...


Die Einführung, dass Eltern und/oder Kinder nach der Grundschule selbstständig und unabhängig von der Empfehlung (Schulnotendurchschnitt) der Grundschule entscheiden können, welche Schule sie besuchen hat zu diesen Missständen geführt !
Bei meiner Fußballmannschaft (U14), besuchen inzwischen 90 % das Gymnasium, obwohl davon mindestens die Hälfte vollkommen überfordert ist.
In vielen Fällen entscheiden 9 Jährige selbststsändig, auf welche Fortführende Schule sie gehen möchten, oder einige hochmotivierte Eltern können Ihren
eigenen Nachwuchs anscheinend nicht richtig einschätzen (?!)
Für mich ist dies nicht nachvollziehbar ...
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Mo 31. Okt 2016, 12:24

Gilmoregirl hat geschrieben:(29 Oct 2016, 22:26)

Das wollte ich damit nicht sagen...aber ich bin nun mal 32 Jahre im Beruf, es hat sich viel gewandelt...so wie wir auch schon anders waren als unsere Eltern & Großeltern...Etliches ist gut, aber eben nicht alles. Unsere Kinder von heute sind selbstbewusster geworden, kuschen nicht mehr vor den Erwachsenen, haben Mitspracherecht in Dingen, die sie was angehen: zB wie soll der Schulhof gestaltet werden und welche Spielplatzregeln stellen wir auf. Doch denke auch mal zurück: haben uns Misserfolge traumatisiert oder eher angespornt?

Die Leistungen steigen seit Jahrzehnten. Kein Grund zu jammern. Eher sollte man darüber nachdenken, ob man die Schüler nicht mit seinen Ansprüchen als überalterte Gesellschaft am Ende überfordert. Dass Bildungsflüchtlinge sich selektiv an Überschriften in der Boulevard-Presse reiben, lässt sich nie vermeiden.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Gilmoregirl » Mo 31. Okt 2016, 16:51

frems hat geschrieben:(31 Oct 2016, 12:24)

Die Leistungen steigen seit Jahrzehnten. Kein Grund zu jammern. Eher sollte man darüber nachdenken, ob man die Schüler nicht mit seinen Ansprüchen als überalterte Gesellschaft am Ende überfordert. Dass Bildungsflüchtlinge sich selektiv an Überschriften in der Boulevard-Presse reiben, lässt sich nie vermeiden.


Ist die Jugend wirklich überfordert?
Okay, wenn ich sehe, dass in den Lehrplänen länger auf Griechen & Römer herum geritten wird als auf deutsche Geschichte und das mal übertrage auf andere Fächer , muss dort sicher jede Menge Ballast abgeworfen werden, damit aktuellere und wichtigere Inhalte vermittelt werden.
Trotzdem sehe ich, dass viele Kinder, die den Schuleingangstest bestehen, in der 1. Klasse bereits überfordert sind obwohl sie heutzutage weniger abverlangt bekommen als noch vor 25 Jahren.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Mo 31. Okt 2016, 16:55

Gilmoregirl hat geschrieben:(31 Oct 2016, 16:51)

Ist die Jugend wirklich überfordert?
Okay, wenn ich sehe, dass in den Lehrplänen länger auf Griechen & Römer herum geritten wird als auf deutsche Geschichte und das mal übertrage auf andere Fächer , muss dort sicher jede Menge Ballast abgeworfen werden, damit aktuellere und wichtigere Inhalte vermittelt werden.
Trotzdem sehe ich, dass viele Kinder, die den Schuleingangstest bestehen, in der 1. Klasse bereits überfordert sind obwohl sie heutzutage weniger abverlangt bekommen als noch vor 25 Jahren.

Schon komisch, dass man ihnen angeblich weniger abverlangt und sie trotzdem in allen Altersklassen seit 20, 25 Jahren immer besser in Vergleichstests abschneiden, deren Anforderungen nicht sinken. Aber über eine dumme Jugend haben sich ja bekanntlich auch schon die alten Griechen und Römer echauffiert. :|
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Kibuka » Mo 31. Okt 2016, 20:23

frems hat geschrieben:(31 Oct 2016, 16:55)

Aber über eine dumme Jugend haben sich ja bekanntlich auch schon die alten Griechen und Römer echauffiert. :|


Die Jugend wird nicht dümmer. Nur die deutschen Abschlüsse werden es!
Have no heroes, look up to no-one, for if you do, the best you'll ever be is second. If you have to ask why, you'll never understand!

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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Mo 31. Okt 2016, 21:15

Kibuka hat geschrieben:(31 Oct 2016, 20:23)

Die Jugend wird nicht dümmer. Nur die deutschen Abschlüsse werden es!

Wohl kaum. Wenn die Schüler heute besser sind, steigt erstmal die Wertigkeit. Dass ein Studium heute nicht mehr mit behördlicher Willkür zur Exklusivität verdonnert wird, mag den gesellschaftlichen Wert für die alten Inhaber sicherlich senken. Aber wir können es uns nicht leisten, auf die Ressource Bildung in Deutschland zu verzichten.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Laertes » Mo 31. Okt 2016, 23:16

frems hat geschrieben:(31 Oct 2016, 16:55)

Schon komisch, dass man ihnen angeblich weniger abverlangt und sie trotzdem in allen Altersklassen seit 20, 25 Jahren immer besser in Vergleichstests abschneiden, deren Anforderungen nicht sinken.

Hast dazu bitte mal eine Quelle? Danke.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Mo 31. Okt 2016, 23:24

Laertes hat geschrieben:(31 Oct 2016, 23:16)

Hast dazu bitte mal eine Quelle? Danke.

Lies Dir doch die Studie im Eingangsbericht durch, such nach der Iglu-Studie, nach FIMS/TIMSS oder der Entwicklung der PISA-Tests. Das sieht im Trend überall so aus: http://www.bpb.de/cache/images/1/174551 ... .jpg?1C46F

Das ist doch leicht herauszufinden, wenn man nicht der Generation Bildungskatastrophe (Schulzeit zwischen späten 60ern und frühen 80ern) angehört. :|
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Laertes » Di 1. Nov 2016, 07:40

frems hat geschrieben:(31 Oct 2016, 23:24)
Lies Dir doch die Studie im Eingangsbericht durch, such nach der Iglu-Studie, nach FIMS/TIMSS oder der Entwicklung der PISA-Tests.


Schade, dass du keine Quelle lieferst zu deiner Behauptung, dass deutsche Schüler 'seit 25 Jahren in allen Altersklassen immer besser abschneiden in gleichbleibenden/vergleichbaren Tests'. Hätte mich tatsächlich interessiert und positiv überrascht.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon frems » Di 1. Nov 2016, 21:28

Laertes hat geschrieben:(01 Nov 2016, 07:40)

Schade, dass du keine Quelle lieferst zu deiner Behauptung, dass deutsche Schüler 'seit 25 Jahren in allen Altersklassen immer besser abschneiden in gleichbleibenden/vergleichbaren Tests'. Hätte mich tatsächlich interessiert und positiv überrascht.

Schade, dass Du die genannten Quellen nicht nachschlagen kannst/willst. Hätte mich bei einem Konservativen positiv überrascht, wenn er in der Lage wäre, mit Quellen eigenständig umzugehen.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Misterfritz » Mi 28. Dez 2016, 20:08

da hat man in BaWü bei den schülertest schlechter abgeschnitten und schon hat man eine lösung gefunden:
Grundschulen in Baden-Württemberg
Englisch und Französisch auf dem Prüfstand
Sollen Kinder in Baden-Württemberg weiterhin schon in der Grundschule Englisch oder Französisch lernen? Der frühe Fremdsprachenunterricht steht offenbar auf dem Prüfstand.

:rolleyes:
statt dass sie den religionsunterricht abschaffen und in der freigewordnen zeit mehr deutsch und mathe unterrichten, wollen sie den fremdsprachenunterricht runterfahren oder ganz aus der grundschule verbannen. haben die noch alle latten am zaun?
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon H2O » Mi 28. Dez 2016, 22:33

frems hat geschrieben:(31 Oct 2016, 21:15)

Wohl kaum. Wenn die Schüler heute besser sind, steigt erstmal die Wertigkeit. Dass ein Studium heute nicht mehr mit behördlicher Willkür zur Exklusivität verdonnert wird, mag den gesellschaftlichen Wert für die alten Inhaber sicherlich senken. Aber wir können es uns nicht leisten, auf die Ressource Bildung in Deutschland zu verzichten.


Vermutlich haben Sie beide Recht! Wenn vor vielen Jahrzehnten grob abgeschätzt jeder zehnte Jugendliche eine gymnasiale Schulbildung bis zum Abitur durchlief, so erreichen heute durch eine Vielfalt von Bildungsgängen über 50% der jungen Leute diesen Abschluß. Bestimmt war es früher so, daß auch weniger leistungsfähige Schüler dieses Ziel erreichen konnten, wenn Eltern ihren Ehrgeiz und ihr Standesbewußtsein darauf richteten. Die Regel war das aber sicher auch nicht. Heute spielt dieser gesellschaftliche Ehrgeiz die geringere Rolle, aber ganz sicher wird man bei der großen Vielfalt der Bildungsgänge am Ende doch Abstriche machen müssen, was das erreichbare Optimum betrifft. Die Nachfrage auf der Seite der Gesellschaft/Arbeitswelt ist nicht zu leugnen; da kann man sich schon gar nicht leisten, eine große Zahl von Schülern ohne diesen Abschluß ins Berufsleben zu entlassen.

Am Ende des Weges wird sich zeigen, ob die verfügbare graue Masse im Schädel unserer jungen Menschen groß und leistungsfähig genug sein wird, um im internationalen Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte und der Forschungsstandorte bestehen zu können. Selbstverständlich könnte man sich fragen, ob das systematische Aussieben von besonders leistungsfähigen jungen Leuten nicht zu geringeren Kosten zur erhofften Wettbewerbsfähigkeit geführt hätte. Aber aus meiner Sicht ist diese Betrachtung viel zu sehr auf wirtschaftliche Nützlichkeit gerichtet; gute Bildung auch auf mittlerer Leistungsfähigkeit schafft das Umfeld für weitere anspruchsvolle Beschäftigung und Zuarbeit zu den Spitzenleistern... und obendrein auch einen Ausgangspunkt für sogenannte Spätentwickler, die erst in der beruflichen Herausforderung zu Spitzenleistung auflaufen.

Unsere ins "Gestern" verliebten Teilnehmer sollten sich klar machen, daß heute vermutlich 4 von 5 Deutschen der jüngeren Generation sich leidlich in der Weltsprache Englisch verständigen können, sie dadurch Zugang zu einer ungeheuren Wissensbasis erlangen. Früher konnte der Hochgebildete sich in altgriechische Texte vertiefen und viele lateinische Sprüche herbeten. Nun ja, die verfügbaren wissenschaftlichen Werke waren eben ganz überwiegend in dieser Weltsprache verfaßt. Sie war aber nur 5% bis 10% der Zeitgenossen zugänglich.

Man sollte sich also nicht von Massentests wie PISA irre machen lassen; so erfreulich ein gutes Abschneiden in Vergleichstests am Ende sein wird: Diese Masse entscheidet mit Sicherheit nicht den internationalen Wettbewerb der Spitzenkräfte. Ich vermute auch, daß gerade an dieser Schraube "Begabtenförderung" aus dieser Erkenntnis heraus gedreht wird. So habe ich zuletzt Verlautbarungen der Bundesministerin für Bildung verstehen wollen ;) .
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon H2O » Mi 28. Dez 2016, 22:47

Misterfritz hat geschrieben:(28 Dec 2016, 20:08)

da hat man in BaWü bei den schülertest schlechter abgeschnitten und schon hat man eine lösung gefunden:
Grundschulen in Baden-Württemberg
Englisch und Französisch auf dem Prüfstand
Sollen Kinder in Baden-Württemberg weiterhin schon in der Grundschule Englisch oder Französisch lernen? Der frühe Fremdsprachenunterricht steht offenbar auf dem Prüfstand.

:rolleyes:
statt dass sie den religionsunterricht abschaffen und in der freigewordnen zeit mehr deutsch und mathe unterrichten, wollen sie den fremdsprachenunterricht runterfahren oder ganz aus der grundschule verbannen. haben die noch alle latten am zaun?


Ihren Schlußsatz kann ich ohne lange Bedenken unterstützen. Der Fremdsprachenunterricht in der Weltsprache Englisch kann gar nicht früh genug beginnen; und daß man sich in BaWü mit Französisch abmüht, das ist doch schon aufgrund der Nachbarschaft zu Frankreich fast eine Selbstverständlichkeit. Wenn schon Straffung des vermittelten Schulwissens, dann doch wohl dort, wo die Vertiefung mehr vom persönlichen Interesse des Einzelnen abhängt.

Bei der Schwäche im Deutschen rächt sich vielleicht die Grundhaltung, daß man in BaWü alles kann, außer Hochdeutsch. Schade eigentlich, nachdem diese Region doch so viele Dichter und Denker höchster Leistung hervor gebracht hatte. Aber in der Mathematik schwächeln, das ist nicht nur schade, das wäre ein Skandal. Hoffen wir also, daß die Vergleichsgruppen aufgeholt haben, und daß in BaWü die Leistungsfähigkeit nur nicht weiter angewachsen ist.
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Re: Schulpolitik in BaWü

Beitragvon Marmelada » Mi 28. Dez 2016, 23:48

Cat with a whip hat geschrieben:(29 Oct 2016, 14:29)

Kaum, denn die unter Grün-Rot neu gegründeten Gemeinschaftsschulen nahmen an dem aktuellen Leistungsvergleich ja gar nicht teil. Lesen sie nicht selbst ihre verlinkten Texte? Und derzeit regieren Grüne-CDU.

Das könnten die Anzeichen für die mangelhafte Personalausstattung und Einsparungen im Schulbetrieb sein die noch von der Vorgängerregierung CDU-FDP (Mappus/Goll), also vor 2009 eingeleitet wurde. Diese hatte ein großes Finanzloch hinterlassen und Bildungspolitik ist nunmal Landespolitik.

Die Probleme schufen somit noch Altlasten der Vorgängerregierungen und sofern sich die Grünen nicht den Lehrmangel angehen wird es zum Problem der Grünen.
Und der Lehrermangel ist noch viel älter. Meine komplette Schulzeit verbrachte ich in Baden-Württemberg im 20. Jahrhundert, also unter CDU pur. Stundenausfall war Alltag und nicht Ausnahme.

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