Schulnoten abschaffen?

Moderator: Moderatoren Forum 5

Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 10639
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Dampflok94 » Mo 20. Feb 2017, 09:12

Schulnoten sind doch nur scheinbar objektiv. Wenn ein Realschüler einer 7. Klasse in Deutsch eine 3 auf dem Zeugnis hat, so könnte er schon in einer anderen Klasse der selben Schule mit selber Leistung nur eine 4 oder aber eine 2 haben. Er recht in einer anderen Schulde der selben Stadt, in einer anderen Stadt und gar in einem anderen Bundesland. Hier wird eine Vergleichbarkeit vorgegaukelt, die so nicht gegeben ist.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
jack000
Moderator
Beiträge: 20579
Registriert: So 1. Jun 2008, 17:21
Wohnort: Stuttgart

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon jack000 » Mo 20. Feb 2017, 10:44

Dampflok94 hat geschrieben:(20 Feb 2017, 09:12)

Schulnoten sind doch nur scheinbar objektiv. Wenn ein Realschüler einer 7. Klasse in Deutsch eine 3 auf dem Zeugnis hat, so könnte er schon in einer anderen Klasse der selben Schule mit selber Leistung nur eine 4 oder aber eine 2 haben. Er recht in einer anderen Schulde der selben Stadt, in einer anderen Stadt und gar in einem anderen Bundesland. Hier wird eine Vergleichbarkeit vorgegaukelt, die so nicht gegeben ist.

Ja, Schulnoten sagen als einzige information nicht viel aus. M.E. ist eine Kombination von Noten und Text sinnvoll um einigermaßen darstellen zu können wie ein Schüler bewertet wird.
Aber insgesamt spielt das sowieso nicht eine sooo große Rolle, da Arbeitgeber für Ausbildungen eh ihre eigenen Tests haben, da Schulzeugnissen nicht wirklich vertraut wird.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...
Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 10639
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Dampflok94 » Mo 20. Feb 2017, 11:37

jack000 hat geschrieben:(20 Feb 2017, 10:44)

Ja, Schulnoten sagen als einzige information nicht viel aus. M.E. ist eine Kombination von Noten und Text sinnvoll um einigermaßen darstellen zu können wie ein Schüler bewertet wird.
Aber insgesamt spielt das sowieso nicht eine sooo große Rolle, da Arbeitgeber für Ausbildungen eh ihre eigenen Tests haben, da Schulzeugnissen nicht wirklich vertraut wird.

Beim Numerus Clausus spielt das schon eine wichtige Rolle. Und auch viele Arbeitgeber sortieren ja erst mal vor, wen sie überhaupt zum Einstellungstest einladen.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Uffhausen
Beiträge: 78
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Uffhausen » Mo 20. Feb 2017, 13:02

Persönlich habe ich nichts gegen das Notensystem, aber meiner Erfahrung nach sollte es hinterfragt werden, weil die Lehrer - und auch Schüler! - damit erheblich Missbrauch betreiben können.

Bspw. hatte ich während meiner Realschulzeit mehrere Englischlehrer - der eine bildete deine Note u. a. durch wöchentliche Vokabeltests, die andere bewertete dagegen Mitarbeit im Unterricht umso mehr. Sprich: Beim einen Lehrer entschied Qualität, bei der anderen Lehrerin Quantität. Dem jeweiligen "Benotungs-System" passt man sich als Schüler an und beeinflusst somit seine Noten.

Andererseits gab es Lehrer, die wirklich bemüht waren, dich und dein Können zu erfahren und zu verstehen und dir dadurch eine gerechte Benotung zukommen zulassen. Dagegen standen wiederrum Lehrer, die streng nach Lehr- und entsprechendem Zeitplan unterrichteten, sich nicht für dich interessierten und dir folglich schlechte Noten gaben, wenn du eben diesem Lehr- und Zeitplan nicht Folge leisten konntest.

Unser damaliger Biologielehrer bewertete die Mädchen gar nach Dekolleté - da waren wir Jungens ganz und gar abgeschrieben. Wir mussten büffeln, die Mädchen sich einfach nur vorbeugen... Unser Sportlehrer ließ uns die letzen drei Jahre auf der Realschule ausschließlich Fußball spielen - jemand wie ich, der absolut nichts mit Fußball anfangen kann und lieber Volleyball gespielt, oder geturnt hätte, bekam da freilich niemals eine gute Note. Unsere Kunstlehrerin war reichlich manipulierbar - wenn man sich anbot, nach dem Unterricht den Kunstsaal aufzuräumen oder in der Freizeit seine Bilder fertig zeichnete, bekam man von ihr entsprechende Mitarbeitsnoten. Der Deutschlehrer, den wir im letzten Realschuljahr hatten, besaß ein schlaues Büchlein, in welchem beschrieben war, welchen Wissensstand ein 16-jähriger Schüler haben darf und welchen nicht - das hat mich persönlich oft betroffen; wenn ich in Aufsätzen bspw. Fremdwörter benutzte, bekam ich Punktabzug - eben, weil dieser Wissenstand nicht meinem Alter entspricht. Ganz egal, ob das Wort korrekt war und richtig geschrieben.
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Benutzeravatar
Fuerst_48
Beiträge: 3545
Registriert: Mi 22. Jan 2014, 20:09
Benutzertitel: Cogito, ergo sum

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Fuerst_48 » Mo 20. Feb 2017, 15:46

jack000 hat geschrieben:(20 Feb 2017, 10:44)

Ja, Schulnoten sagen als einzige information nicht viel aus. M.E. ist eine Kombination von Noten und Text sinnvoll um einigermaßen darstellen zu können wie ein Schüler bewertet wird.
Aber insgesamt spielt das sowieso nicht eine sooo große Rolle, da Arbeitgeber für Ausbildungen eh ihre eigenen Tests haben, da Schulzeugnissen nicht wirklich vertraut wird.

Stimmt so, wie du es darstellst. Zeugnisnoten sind eine Bilanz über die erbrachte Leistung in einem Schuljahr. Nicht mehr und nicht weniger.
Raskolnikof
Beiträge: 230
Registriert: Mi 14. Sep 2016, 13:07
Benutzertitel: Bargeldverächter

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Raskolnikof » Fr 24. Feb 2017, 18:35

Du sprichst mir aus der Seele Hyde! Schlechtreden kann man alles. Man kann aber auch versuchen, positive Aspekte von Schulnoten zu sehen. Für viele Schüler sind Schulnoten in Form einer Zahl etwas Fassbares, mit dem sie etwas anfangen können. Was sollen sie mit einer Umschreibung ihres vollzogenen Lernfortschritts, die nur die Eltern verstehen und nach Gusto interpretieren? Schüler und Eltern brauchen da eine klare, nicht frei interpretierbare Orientierung. Wenn erst der erste Schritt getan ist und eine individuelle schriftlich ausformulierte Beurteilung unser Notensystem ersetzt sehe ich bereits Eltern und Elternverbände aufschreien: Beurteilungen haben wie Arbeitszeugnisse auszusehen. Eine „umschriebene“ Benotung ist zu unterlassen. Ja, was sollen denn Eltern, insbesondere solche mit einem nicht so tollen Bildungsniveau mit einer derartigen Beurteilung anfangen? Die lesen nur das Positive und denken, dass ihr Kind mit Förderschulniveau zu den Klassenbesten gehören muss.
Die Schule hat die Aufgabe nicht nur reines Wissen zu vermitteln sondern unsere Kinder auch auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Und die ist knallhart. Es beginnt bei der Auswahl der Auszubildenden. Immer mehr Unternehmen überlassen da nichts dem Zufall und überlassen die Auswahl der Auszubildenden spezialisierten Fachkräften, die die Bewerber einer Prüfung unterziehen, die sich gewaschen hat! Da erfolgt ein knallharter Wettbewerb unter ebensolchen Bedingungen. Auf diese und anderen Bedingungen des Berufslebens, welche auf Leistung und Selektion setzt müssen Schüler vorbereitet werden. Und dazu gehört die Vergabe von Noten zur Eigenkontrolle.

Nebenbei: Was mir bei User Hugo Bettauer auffällt ist die Tatsache, dass er als bekennender Gegner von Schulnoten noch kein mal eine Alternative vorgestellt hat, wie es anders laufen könnte. Wer immer nur nein sagt sollte auch vorschlagen können, wie es besser gehen könnte. Aber da kommt nichts. Und so lange da nichts kommt ist da ein Nein nichts wert. Ich bin gern bereit, mir andere Modelle anzuhören.
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 9615
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Teeernte » Fr 24. Feb 2017, 19:02

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Feb 2017, 18:35)

Du sprichst mir aus der Seele Hyde! Schlechtreden kann man alles..


Wenn in Zukunft 70% der Schüler "Nicht mehr Gebraucht" werden - unterrichtet die Schule lieber ohne Benotung.

Man ist ja dann nicht SCHULD - dass XX % Schüler nicht "verwendbar" in der Produktion sind.

Sicher geht es da nur noch zum TEIL um Fachwissen - irgendein Simulator wird einem den Job schon beibringen.

Ruhig sitzen - nicht dazwischenreden..... warten bis DEINE Nummer dran ist - reicht ...... das bekommt der Arbeitgeber in jedem SCHNELLTEST abgeprüft.
Benutzeravatar
unity in diversity
Beiträge: 3333
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:18
Benutzertitel: Pokemonjäger

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon unity in diversity » Fr 24. Feb 2017, 19:20

In den MINT-Fächern zählt Faktenwissen.
Das sollte bundeseinheitlich benotet werden, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
In den Schwafelfächern wird es schwierig, weil ein Lehrer mit einem missionarischen Sendungsbewußtsein, ganze Klassen versetzungsgefährdet machen kann.
Hier sollte man auf Noten verzichten.
Zum Beispiel, wenn in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis des Lehrers, Rüstungslobbyisten, oder Bankster vorkommen.
Dann nimmt der Unterricht schnell einen kompromißlos/belehrenden Charakter an.
Dabei geht es nicht mehr um die Vermittlung eines pluralistischen Denk-und Handlungsvermögens.
Insgesamt wären von daher Noten in Schwafelfächern demokratiegefährdend.
Raskolnikof
Beiträge: 230
Registriert: Mi 14. Sep 2016, 13:07
Benutzertitel: Bargeldverächter

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Raskolnikof » Fr 24. Feb 2017, 22:00

Mit "Schwafelfächer" meinst du wahrscheinlich Fächer wie Musik oder Kunst oder auch Religion. Du solltest mal sehen, wie da der Unterricht heute aussieht und was in diesen "Nebenfächern" heute gemacht wird. Musik ist nicht einfach singen wie vor 50 Jahren. Die Fächer Musik und Kunst sind da heute wesentlich anspruchsvoller. Die Lerninhalte und Ziele werden in den Kerncurricula der Länder vorgegeben. Da geht es u.a. um die Vermittlung von Kompetenzen, Kulturgeschichte, Epochen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Da wird gebüffelt wie in jedem anderen Fach auch. Das Schöne an diesen Fächern: Es gibt nicht wenige Schüler, die mit Mathe, Deutsch und den naturwissenschaftlichen Fächern so ihre Probleme haben aber in diesen "Laberfächern" glänzen und mit denen ihren Notenschnitt aufbessern.
Wenn hier jemand von Laberfächern spricht kommt mir regelmäßig die Galle hoch. Für mich ist die Vermittlung von Allgemeinwissen außerordentlich wichtig. Auch zukünftig sollten unsere Schulabsolventen wissen, wie die Welt "funktioniert" und was für ihren Fortbestand und dem von uns Menschen wichtig ist. Wenn das irgendwann keiner mehr weiß sind wir zum Untergang verdammt. Wer soll sich denn Morgen noch für eine saubere Umwelt, saubere Luft, sauberes Wasser und unbelastete Lebensmittel einsetzen, wenn keiner mehr weiß, wie existenziell wichtig das Wissen um diese Dinge und Zusammenhänge sind? Ich finde es erschreckend, wenn immer mehr junge Menschen, selbst Abiturienten, nicht die Merkmale der Landschaften Marsch, Moor und Geest benennen können oder nocch nie etwas von Hoch- und Niederungsmooren gehört haben. Laub- und Nadelbäume können sie wohl noch alle auseinanderhalten, aber anhand der Blätter die Baumart bestimmen? Da wird es dann schon peinlich.
Aber gut, ist ja alles nicht wichtig...
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 9615
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Teeernte » Fr 24. Feb 2017, 23:03

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Feb 2017, 22:00)

Wer soll sich denn Morgen noch für eine saubere Umwelt, saubere Luft, sauberes Wasser und unbelastete Lebensmittel einsetzen, wenn keiner mehr weiß, wie existenziell wichtig das Wissen um diese Dinge und Zusammenhänge sind? Ich finde es erschreckend, wenn immer mehr junge Menschen, selbst Abiturienten, nicht die Merkmale der Landschaften Marsch, Moor und Geest benennen können oder nocch nie etwas von Hoch- und Niederungsmooren gehört haben. Laub- und Nadelbäume können sie wohl noch alle auseinanderhalten, aber anhand der Blätter die Baumart bestimmen? Da wird es dann schon peinlich.
Aber gut, ist ja alles nicht wichtig...


Grade bei der Umwelt, sauberer Luft, sauberes Wasser und unbelastete Lebensmittel wird mehr geschwafelt/gelogen - als Wissen vermittelt.

Ergebnisfeste "Forschung" betrieben - .....eine Begründung für "guuuuuutes" Verhalten gesucht.

Man nennt das "Propaganda". Ob solches Propaganda - "Wissen" in der Schule überhaupt in einer Demokratie abgefragt werden sollte - ? ?
Raskolnikof
Beiträge: 230
Registriert: Mi 14. Sep 2016, 13:07
Benutzertitel: Bargeldverächter

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Raskolnikof » Fr 24. Feb 2017, 23:09

@ Teernte:
Diese deine Einstellung lieben Politiker, die ihre Untertanen gern dumm halten möchten. Dummen und nicht interessierten Bürgern und Wählern! kann man alles verkaufen. Wir aber brauchen schlaue und aufgeklärte Bürger, die sich nicht für dumm verkaufen lassen!
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 9615
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Teeernte » Fr 24. Feb 2017, 23:16

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Feb 2017, 23:09)

@ Teernte:
Diese deine Einstellung lieben Politiker, die ihre Untertanen gern dumm halten möchten. Dummen und nicht interessierten Bürgern und Wählern! kann man alles verkaufen. Wir aber brauchen schlaue und aufgeklärte Bürger, die sich nicht für dumm verkaufen lassen!


Wenn jeder mindestens eine 3 in Physik hätte .....könntest Du das Märchen von der Mannmade Erderwärmung nicht erzählen. :D :D :D

Die 3 würde auch reichen - um den Käse der 100% EE mit den 100% Elektroautos und der "Kupferplatte" zu durchschauen.

jaaaaaaa Wasser muss durch einen tieeeefen Stein - damit es radioaktiv ist. :D :D :D
Benutzeravatar
unity in diversity
Beiträge: 3333
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:18
Benutzertitel: Pokemonjäger

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon unity in diversity » Sa 25. Feb 2017, 07:03

@Raskolnikof
Du urteilst vorschnell.
Ich bin für eine Breiten- und Tiefenbildung, weiß aber auch, daß man so etwas nur privat finanzieren kann.
Und sogar dann, sind zweifelhafte Verfärbungen in den „Laberfächern“ nicht ganz auszuschließen.
Man muß jeden Unterrichtstag mit seinem Kind nachbereiten, zum Beispiel beim Abendbrot.
Es hängt wohl doch mehr von den Eltern ab, Indoktrinierungen zu verhindern.
Zum Beispiel in Finanz- und Wirtschaftsfragen.
Gerade in diesen Fächern, werden die Heilslehren vermittelt, die aktuell gehyped werden sollen.
Da muß man helfend/fördernd eingreifen, damit die Schule keine Lemminge produziert.
Es geht ja in den „Laberfächern“ darum, soziale, politische, mediale und wirtschaftliche Kompetenz zu vermitteln.
Das kommt aktuell zu kurz und manchmal denke ich, das ist Absicht.
Dumme Schmalspurdenker, kann man leichter regieren.
Benutzeravatar
Lupus
Beiträge: 2236
Registriert: Di 3. Jun 2008, 09:38

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Lupus » Sa 25. Feb 2017, 07:53

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Feb 2017, 23:09)

@ Teernte:
Diese deine Einstellung lieben Politiker, die ihre Untertanen gern dumm halten möchten. Dummen und nicht interessierten Bürgern und Wählern! kann man alles verkaufen. Wir aber brauchen schlaue und aufgeklärte Bürger, die sich nicht für dumm verkaufen lassen!

Das ist nur Wunschdenken. Die neuesten Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, die sich für dumm verkaufen lassen, auch nur dumm sein können. Denn wenn sie schlau wären, müssten man ihnen nicht extra erklären, wie die Welt funktioniert, und sie würden sich ihre eigene Meinung so oder so bilden. Ein Volk lässt sich nicht führen, wenn es aus lauter Freidenkern besteht. Gruppendynamik scheint offensichtlich nur bei weit verbreiteter Dummheit zu funktionieren. Schwarmintelligenz wird gerade erforscht. Schwarmblödheit ist von der Wissenschaft aber noch gar nicht als Forschungsgegenstand wahrgenommen worden.
Bitte sehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu gehen!
Benutzeravatar
Lupus
Beiträge: 2236
Registriert: Di 3. Jun 2008, 09:38

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Lupus » Sa 25. Feb 2017, 08:46

DerZwilling hat geschrieben:(28 Sep 2014, 19:02)

Das geht sogar noch weiter: Interessanterweise verlangen wohl sogar einige Schulen heute, dass frisch eingeschulte Erstklässler bereits Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Also mit anderen Worten: die Grundschule verlangt, dass bereits Grundlagen vorhanden sind. Das heißt in der Konsequenz, wenn diese Grundlagen nicht vorhanden sind, dann hängt das Kind eben hinterher (bis zum wiederholen der Klasse)/muss das Kind schneller lernen.

Das ist internationaler Standard auch in vielen Schwellenländern.In Brasilien bekommt ein Kind ohne Lese- und Schreibkenntnisse erst gar keine Zulassung zur Grundschule! Nur in Deutschland dürfen Kinder vor Eintritt in die Grundschule kein Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, weil Kindergärtnerinnen kein Pädagogikstudium haben dürfen. Sie könnten ja was falsches lehren, was dann nicht mehr so leicht ausgebügelt werden könnte. Heutzutage dürfen selbst Vorschulen in Hessen nichts mehr mit Buchstaben und Zahlen machen. Die "Lehrerinnen" tun alles, um auch das Lernen zuhause zu unterdrücken.
Bitte sehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu gehen!
Benutzeravatar
frems
Moderator
Beiträge: 39604
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon frems » Sa 25. Feb 2017, 13:44

unity in diversity hat geschrieben:(24 Feb 2017, 19:20)
In den MINT-Fächern zählt Faktenwissen.

Höchstens in der Schule bei schlechten Lehrern. Da hört es aber auch schon auf.

Lupus hat geschrieben:Nur in Deutschland dürfen Kinder vor Eintritt in die Grundschule kein Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, weil Kindergärtnerinnen kein Pädagogikstudium haben dürfen.

Das lernen die Kinder heutzutage schon und mittlerweile werden Erzieher(innen) zunehmend an Fachhochschulen ausgebildet, weil es dann doch recht sinnvoll ist, wenn Abiturienten mit Hochschulstudium die Kinder unterrichten. Der Erzieher-Auftrag ist heute ja umfangreicher als früher, wo es -- salopp gesagt -- nur darum ging, auf die Kinder aufzupassen. Sprachentwicklung war da kein Thema; heute schon. Ob Noten aber die beste Möglichkeit sind, um Leistung und Entwicklungsstand darzustellen, sei mal dahingestellt. In den Bildungswissenschaften lehnt man es ab, in den "es hat mir doch auch nicht geschadet"-Bierzelten nicht.
Labskaus!
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 1219
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Ger9374 » Sa 25. Feb 2017, 17:57

Als Orientierung für den Schüler und deren Erziehungsberechtigten sind Noten schon hilfreich. Als Druckmittel sehe ich sie nicht mehr , das war in den frühereren Jahrzehnten schon anders. Schulische Stärken und Schwächen geben Noten gut wieder, oft auch Differenzen mit Lehrern. Dann wird halt mal nachgefragt warum die Noten dem Wissensstand des Kindes nicht widerspiegeln. Auch das Sozialverhalten unter
den Klassenkameraden sagt einiges aus. Das kann man nur bedingt aus einem Bericht herauslesen. Der vielleicht gar nicht alle Meinungen der Lehrkräfte ausreichend wiedergibt.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
Benutzeravatar
Lupus
Beiträge: 2236
Registriert: Di 3. Jun 2008, 09:38

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Lupus » Sa 25. Feb 2017, 21:17

frems hat geschrieben:(25 Feb 2017, 13:44)

Das lernen die Kinder heutzutage schon und mittlerweile werden Erzieher(innen) zunehmend an Fachhochschulen ausgebildet, weil es dann doch recht sinnvoll ist, wenn Abiturienten mit Hochschulstudium die Kinder unterrichten. Der Erzieher-Auftrag ist heute ja umfangreicher als früher, wo es -- salopp gesagt -- nur darum ging, auf die Kinder aufzupassen. Sprachentwicklung war da kein Thema; heute schon. Ob Noten aber die beste Möglichkeit sind, um Leistung und Entwicklungsstand darzustellen, sei mal dahingestellt. In den Bildungswissenschaften lehnt man es ab, in den "es hat mir doch auch nicht geschadet"-Bierzelten nicht.

Was du meinst, ist Theorie. In der Praxis dürfen "Lehrerinnen" in Hessen in der Vorschule weiterhin keine Lese- und Schreibkenntnisse vermitteln, auch wenn Schüler und Eltern dies ausdrücklich verlangen. Ein Gespräch mit dem Schulamt brachte kein Weiterkommen, da dort noch die Einstellung vorherrscht, die lieben Kleinen sollen doch bitte noch ihre Kindheit genießen. Nach Aussage meiner Tochter wird da immer noch jeden Tag gespielt, gebastelt, gesungen und getanzt oder gewandert. Es ist sinnlos, als Einzelner gegen die Bildungsverweigerung vorzugehen, und die anderen Eltern kommen auch noch mit Aussagen wie "Ich bin auch erst mit knapp 8 eingeschult worden, und es hat mir nicht geschadet". :mad:
Bitte sehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu gehen!
Raskolnikof
Beiträge: 230
Registriert: Mi 14. Sep 2016, 13:07
Benutzertitel: Bargeldverächter

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Raskolnikof » Fr 3. Mär 2017, 17:43

Vielleicht schweife ich jetzt etwas vom Thema ab. Aber die ganze Diskussion mit den Schulnoten, ob sie nun gut sind oder nicht, ob ein Kind mit sechs Jahren oder früher/später eingeschult werden soll oder ob die Kinder bereits im Kindergarten zweisprachig erzogen werden sollten weil ja das Sprachverständnis bei Kindern im Kleinkind- und Vorschulalter noch so groß ist ist doch erst aufgekommen, als zum einen der Wettbewerb um die Ausbildungsplätze immer härter wurde aber auch, weil heute ein Großteil der Eltern meint, dass nur das Abitur zielführend ist. Das eigentliche Problem liegt aber ganz woanders.
Deshalb ein kleiner Exkurs:

Es ist ein ewiger Streitpunkt, ob Kinder bereits im Kindergarten oder in der Vorschule mehr als Basiskenntnisse vermittelt werden soll. Kindergärten und Vorschulen haben einen Bildungsauftrag und sind heute sicherlich nicht mehr mit „Kinderverwahranstalten“ des vorletzten Jahrhunderts zu vergleichen. Das Problem dabei ist nur, dass die Kinder heute mit gänzlich unterschiedlichen Voraussetzungen in den Kindergarten oder Vorschule kommen. Da gibt es Kinder aus sehr geordneten Familien, in denen Strukturen herrschen, Rituale gepflegt werden, sich mit den Kindern beschäftigt wird (gemeinsame Gesellschaftsspiele, Gespräche, Ausflüge etc). Das sind häufig Familien, wo sich Eltern ganz bewusst für ein Kind bzw. Kinder entschieden und sich dabei zum Ziel gesetzt haben, für ihre Kinder „da zu sein“
und dabei bereit sind, auf gewisse Dinge (materielle) zu verzichten. Nicht selten setzt da ein Elternteil während der Vorschulzeit der Kinder und häufig noch darüber hinaus mit der Arbeit aus. Das „Modell Hausfrau und Mutter“ aus der Zeit des Wirtschaftswunders scheint also noch nicht ganz tot zu sein.

Mir ist natürlich vollkommen klar, dass diese Familienstrukturen heute nur noch selten anzutreffen sind. Die Erzieherinnen in den Kindergärten und die Lehrer in den Schulen haben es heute zunehmend mit Kindern von Scheidungseltern, allein Erziehenden, ganztags Berufstätigen sowie Kindern und deren Eltern mit Migrationshintergrund zu tun. Kinder ohne jede Deutschkenntnisse oder Traumata sind da an der Tagesordnung.

Wie soll da eine Gruppenerzieherin mit klar oder sie alle unter einem Hut bekommen? Aufgabe der Vorschulerziehung ist es doch in erster Linie, die Kinder fit zu machen für die Schule, damit sie überhaupt den Schulalltag überstehen. Und dazu gehören u.a.
• Spracherziehung
• Sozialerziehung und emotionale Erziehung
• Religiöse Erziehung (in kirchlichen Einrichtungen)
• Bewegungserziehung
• Musikalische Erziehung
• Bildnerisches Gestalten
• Kognitive Erziehung
• Naturwissenschaftliche Erziehung
• Entwicklung von Basiskompetenzen
• Entwicklung von Resilienz (Widerstandsfähigkeit)
• Partizipation

Schon allein mit diesen Aufgaben sind Erzieherinen und Erzieher aber auch Sozialpädagogen/Innen häufig überfordert. Dies ist auch oder insbesondere abhängig von der Sozialstruktur in der Einrichtung. Erzieherinnen in einer Kita mit hohem Ausländeranteil und Familien mit niedrigem Bildungsniveau und Hartz IV-Empfängern haben es da entschieden schwieriger als in Einrichtungen in wohlhabeneren Wohngegenden mit überwiegend Eigentumshäusern. Darüber gibt es jede Menge Erhebungen, die dies bestätigen.

Was den Erzieherinnen, Erzieher, Sozialpädagogen/Innen und Lehrern heute große Probleme bereitet ist die Tatsache, dass immer mehr Eltern aus den verschiedensten Gründen die Erziehung ihrer Kinder öffentlichen Einrichtungen überlassen. Das beginnt mit der Ganztagskrippe oder Tagesmutter, dann Ganztagskindergarten und anschließend die Ganztagsschule. Immer mehr Eltern sehen ihre Kinder heute nur noch zum Frühstück (wenn überhaupt) und zum Abendessen. Es ist schlimm zu beobachten, dass immer häufiger Grundschulkinder ohne zuhause gefrühstückt zu haben zur Schule kommen und auch kein Frühstück von ihren Eltern mitbekommen.
Das sind nicht selten Kinder, die von zuhause rein gar nichts mitbringen. Eine Erzieherin sagte mir mal „Bei einigen Kindern hat man den Eindruck, die kommen aus dem Busch“.

Ja, und dann gibt’s da natürlich noch Kinder, die zunächst einmal nicht auffallen. Dafür aber deren Eltern. Das sind die, die sich bereits vor deren Entbindung für das Abitur ihres Kindes entschieden haben. Diese Kinder haben bereits einen Intelligenztest hinter sich bei einem Psychologen, der ihnen Hochbegabung attestiert. Diese Kinder sollen natürlich ganz besonders gefördert werden. Deren Mütter stehen dann auch jeden Tag auf der Matte, nörgeln über dieses und jenes, beschweren sich, wenn ihrem Kind von einem anderen im Streit ein Knopf abgerissen wurde, faseln was von Aufsichtspflichtverletzung, fordern, dass ihr Filius Rechnen und Schreiben lernt. Ach ja, mit der englischen Grammatik haperts auch noch…Und dann gibt´s da noch die Kinder mit Behinderungen körperlicher oder/und geistiger Art, die im Regelkindergarten gefördert werden sollen. Nicht dass jetzt jemand an Integration denkt. Das ist Pädagogik von gestern. Inklusion ist das neue Zauberwort!
Und dann gibt’s da noch das Wort ADS bzw. ADHS. Aber da höre ich jetzt lieber auf.

Frage: Wie soll da heute noch eine Erzieherin und vielleicht einer Praktikantin in einer Gruppe mit 20 und mehr Kindern diesen noch gerecht werden und denen womöglich noch Grundkenntnisse in Deutsch oder Mathe vermitteln? Den meisten Kindern fehlen heute ein gewisses Basiswissen und Kompetenzen, die sie früher von zuhause bereits mitbrachten! Da muss die Erzieherin ganz von vorn anfangen.

Heute können wir froh sein, wenn die Kinder überhaupt die gem. der Schulgesetzgebung vorgeschriebene Schuleingangsüberprüfung „bestehen“. Da fallen heute sechs- und siebenjährige Kinder Reihenweise durch. Auf einer auf dem Boden befindliche Linie gehen, evtl. noch rückwärts? Auf einem Bein stehen oder gar hüpfen? Einen Kette mit einem Bindfaden aufziehen? Figuren in eine Formbox stecken? Einen Malstift im Pinzettengriff halten?... Sehr häufig Fehlanzeige, aber alles Dinge, die vor 20 oder 30 Jahren jedes gesunde Kind beherrschte.

Wer da fordert, dass im Kindergarten oder der Vorschule zu wenig getan wird ist auf dem Holzweg. Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Lehrer geben sich alle Mühe, Kinder fit zu machen für die Schule. Aber Wunder können sie auch nicht erreichen. Sie können das nicht allein. Da ist die Unterstützung der Eltern gefragt. Aber bis auf die wenigen „Helikoptereltern“ und verantwortungsbewussten Eltern, die noch ihren eigenen Erziehungsauftrag sehen und erfüllen scheint da Hopfen und Malz verloren. Bei manchen Eltern frage nicht nur ich mich, warum die überhaupt Kinder in die Welt gesetzt haben.

Was den richtigen Zeitpunkt der Einschulung betrifft: Dafür gibt’s kein Patentrezept oder „die“ Lösung. In sehr vielen Ländern werden Kinder erst mit sieben Jahren eingeschult, so z.B. im PISA-Siegerland von einst, Finnland. Auch da besuchen die Kinder den Kindergarten bzw. die Vorschule. Die Förderziele sind da aber mit unseren zu vergleichen. „Schule“ findet da auch noch nicht statt. Wenn die Kinder dort aber dann eingeschult werden dann erleben sie eine vollkommen andere Schule als bei uns in Deutschland. Ich war in meinem Berufsleben als Pädagoge viel in Finnland unterwegs und habe dort Schulen besucht und im Unterricht assistiert. Meine Erfahrungen waren überwiegend recht positiv.
Übrigens genießt der Lehrer in Finnland allgemein ein recht hohes Ansehen in der Bevölkerung. Dort ist er nicht der Fußabtreter der Nation. Auch die Lehrerausbildung an der Uni ist da nicht so verkopft wie bei uns und wesentlich praxisorientierter. Es beginnt mit der Auswahl der studierwilligen Kandidaten. Ein guter Abi-Notendurchschnitt ist nebensächlich. Was zählt ist Kompetenz, die Eignung für den Lehrerberuf. Da hat der schon einmal Pluspunkte, der in einer sozialen Einrichtung wie Kindergarten, Schule, Heim od. ähnlichem mindestens ein Jahr gearbeitet hat und von dort eine gute Beurteilung mitbringt. Und dann folgt etwas, was kaum ein deutscher Abiturient kennt: Die Eignungsprüfung an der Uni. Die ist in Finnland zwar nicht einheitlich geregelt, setzt sich aber in aller Regel zusammen aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil, wobei es der mündliche Teil in sich hat. Da sitzen dann jeweils drei bis fünf Kandidaten einem ganzen Tribunal von Hochschullehrern der unterschiedlichsten pädagogischen Fachrichtungen gegenüber, die bei den Bewerbern im wahrsten Sinne des Wortes das Innere nach außen kehren. Wer da auf die Frage, warum er/sie denn nun ausgerechnet den Lehrerberuf ergreifen möchte bzw. für diesen Beruf prädestiniert sei dann antwortet, weil er/sie so gern mit Kindern arbeite, hat schon verloren.

Die Ausbildung selbst ist mit unserer in Deutschland nicht zu vergleichen. Jeder Lehramtsstudent wird von Anfang an einer Schule und bestimmten Lehrern zugewiesen. Die Ausbildung findet an der Uni und in der Schule statt. Hier würde man das als ein duales Studium bezeichnen, welches wir aber eher aus dem Wirtschaftsbereich kennen.

Warum erzähle ich das? Ganz einfach. Weil ich meine, dass Kindergärten und Vorschulen bei uns ihren Job recht gut machen und ihrer Aufgabe gerecht werden.
Was sich dringendst ändern muss sind einerseits die Eltern und das Bewusstsein dass sie Kinder haben, gegenüber denen sie eine hohe Verantwortung tragen. Es kann nicht sein, dass Kinder mehr oder weniger nebenherlaufen, und dem öffentlichen Erziehungs- und Bildungsbereich Versagen angelastet wird, weil der Filius das Abi nicht packt aber der Golden Retriever mehr Zuwendung erhält als das eigene Kind. An dieser Misere trägt unsere Politik eine große Mitschuld. Sie ist es, die die Mütter weggelockt hat vom heimischen Herd an den Verkaufsthresen, den Bankschalter oder die Supermarktkasse, fleißig unterstützt durch die Frauenbewegung Ende der 1960er Anfang der 1970er Jahre.
Ich weiß, Frauenrechtlerinnen würden mich jetzt gern verprügeln. Allerdings bin ich der Letzte, der die Frau an den heimischen Herd anketten will. Wir sollten uns allerdings schon darüber im Klaren sein, warum es so ist wie es ist.

Weiterhin ist die Lehrerausbildung an deutschen Universitäten eine Katastrophe! Zwei, drei Praktika während des gesamten Bachelor- und Masterstudium, das war’s. Da werden dann Lehrer auf Schüler losgelassen, die nicht selten vollkommen hilflos vor der Klasse stehen, zwar viel im Kopf haben aber damit nichts anfangen können. Einfach traurig.
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 9841
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon H2O » Fr 3. Mär 2017, 22:39

Tja, das nenne ich eine volle Breitseite abfeuern!

In vielem stimme ich Ihnen zu; ich bin nicht ganz so überzeugt wie Sie davon, daß die Mutter am Herd die Rettung sein könnte. Vielmehr kommt es doch darauf an, was Muttern im Kopf hat. Na klar, wenn die hochqualifizierte Mutter dann auch am Herd steht, dann kann es gar nicht besser kommen, geistige und seelische Gesundheit vorausgesetzt.

Bleiben wir bescheiden, helfen wir auch diesen Müttern, ein erfülltes Leben nicht nur durch ein, zwei oder drei gelungene Kinder erleben zu müssen. Wir werden heute sehr viel älter, und der Tod im Kindbett ist doch sehr selten geworden. Es gibt also auch ein Leben nach der KInderphase. Mit verständiger Hilfe für die Mütter werden diese Kinder kaum auffällig sein, wenn sie zur Schule angemeldet werden. (Ausnahmen wird es immer wieder geben, aber das ist doch nicht die Regel!)

Ich meine, daß unser gesellschaftliches Problem die unverhältnismäßig vielen Kinder aus unvernünftigen Beziehungen sind, die in Haushalten aufwachsen ohne leiblichen Vater, mit wechselnden Vätern und Halbgeschwistern. Die Mütter werden mit ihrer Lage kaum fertig, verfügen über wenig Bildung und gar keine Ausbildung, ziehen sich ganz auf ihre Mutterrolle zurück, ohne jedoch die Fähigkeit zu besitzen, ihre Kinder lebenstüchtig zu erziehen.

Ähnlich dann die Rolle der Importbraut, die ohne jede verwertbare Bildung einen Haushalt führen und Kinder aufziehen soll. Das Dorf, das sich daran beteiligt hätte, ist leider irgendwo ganz weit in Vorderasien. Das Ergebnis ist kaum besser, nur daß nun diese Kinder noch nicht einmal ansatzweise deutsche Sprachkenntnisse mit bringen.

Diese Anmerkung ist mir haften geblieben aus dem Buch: "Am Ende der Geduld" von Kirsten Heisig, die sich als Jugendrichterin mit Straftaten verwahrloster Kinder befassen mußte.

Die Bundesregierung wollte durch frühkindliche Bildung diese Probleme lösen; wie weit diese Maßnahmen in den Kommunen angekommen sind, das kann ich nicht beurteilen.

Mir geht es auch nicht um diese an sich bedrückende Lage vieler Kinder, sondern um Ihre Aussage, daß die Mutter am Herd uns einer guten Lösung näher bringt. Gerade habe ich beschrieben, daß die Mutter am Herd unter schlechten Voraussetzungen eher den eigenen Kindern schadet als sie fördert.

Mir fällt dazu auch keine andere Lösung ein, als daß man in solchen Fällen den Einfluß der Eltern auf die Kinder so gering wie möglich halten muß, um diesen Kindern durch geeignete Erzieher bessere Lebenschancen zu eröffnen. Auf diesem Gebiet sollte etwas geschehen... ist das denn auch geschehen?

Von vergleichbarer Wirkung dürften Ganztagsschulen sein, die die Kinderbetreuung aus dem Elternhaus in die Verantwortung der Allgemeinheit überführen. Wie weit diese Sache vorangekommen ist, vor allem mit dem Anspruch Erziehung und Förderung von Begabungen... das sollten Pädagogen besser beurteilen können als ich.

Das alles steht doch unter der Überschrift "Chancengleichheit". Da hatte man sich viel zu lange damit entlastet, daß Schulen und die Universitäten doch ohne Kosten für Schüler/Studenten besucht werden können, daß es Fördermittel für deren Lebensunterhalt gibt. Gut gemeint, aber doch in den wirklich kritischen Fällen eher ein Thema für Mitnehmer.

Ich fürchte, daß unsere Pädagogen sich mit unserer verkorksten Gesellschaft geduldig immer weiter abquälen müssen, um das unter diesen Umständen bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Damit sind Pädagogen aber nicht allein. Vermutlich geht das allen Menschen so, die ihre Rolle in der Gesellschaft gewissenhaft ausfüllen.

Zurück zu „5. Bildung - Kultur - Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast