Schulnoten abschaffen?

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DerZwilling
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Schulnoten abschaffen?

Beitragvon DerZwilling » Di 23. Sep 2014, 15:00

Hallo allerseits.

Es wurde ja vor kurzem eine Umfrage von infratest dimap veröffentlicht. Wenig überraschend sprechen sich dort über 80% der befragten Norddeutschen für Schulnoten in der Grundschule aus (Quelle: So bewerten Norddeutsche das Schulsystem, Folie 3). Was aber sind die Gründe dafür Kinder nach 'Leistung' zu bewerten? Steckt da nicht ein hauptsächlich von wirtschaftlichen Interessen durchtriebenes System hinter? Eine Ellenbogenmentalität? Und was wird überhaupt bewertet? Kann man objektiv bewerten? Was sind (gute) Noten am Ende wert? Welche Auswirkungen hat das Benotungssystem auf die Schüler und auf das Lernen? Wird dabei berechtigt oder unberechtigt (Leistungs-)Druck aufgebaut? In einer Doku auf 3sat hieß es vor kurzem (ungefähr) "Je älter die Schüler werden, umso eher betrügen sie (In der Grundschule würden nur 20% betrügen und später sind es 80%)" - ist das nicht die Konsequenz dieses Leistungsdrucks, genauso wie das Bulimie-Lernen?

Was meint ihr?
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Blickwinkel » Di 23. Sep 2014, 15:09

Nein, die Schulnoten sollten nicht abgeschafft werden.
Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt. (Ludwig Erhard)
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Di 23. Sep 2014, 15:10

Schulnoten sind autoritärer Mist.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Blickwinkel » Di 23. Sep 2014, 15:12

SoleSurvivor » Di 23. Sep 2014, 16:10 hat geschrieben:Schulnoten sind autoritärer Mist.


Nein. Sie dienen der Bewertung von Leistung und dieses Prinzip zieht sich durch das ganze Berufsleben durch.
Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt. (Ludwig Erhard)
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon DerZwilling » Di 23. Sep 2014, 15:28

Noch eine weitere Anregung:

Ich las vor einer Weile* von einer Studie nach der Schüler, die benotet wurden, bessere "Leistungen erbrachten" als Schüler, die für diese Studie nicht benotet wurden. Seltsamerweise waren sie dabei untereinander sogar kooperativer als ihre unbenoteten Mitschüler. Aber warum muss man überhaupt Leistung erbringen? Ist Schule ein Ort der Ausbildung oder der (Charakter-)Bildung? Wollen wir nur die nächsten "arbeitsfähigen" Auszubildenden heranzüchten?

Und wenn man schon benoten muss, wieso bewertet man immer nur das Endergebnis, d.h. eine Arbeit, eine Klausur, eine Prüfung aufgeteilt in verschiedene Prozentpunkte denen man Noten zuordnet und nicht einen relativen Wert? Wenn z.B. das übergewichtige Kind gerade mal so eben eine Runde im Sportunterricht laufen kann und nächstes Semester schon zwei Runden schafft, wieso bekommt er dennoch eine 6, im Gegensatz zu dem der vorher und nachher jeweils 7 Runden schafft (also eine Verbesserung von 0%) und eine 1 bekommt? Das sei hier nur mal ein bildhaftes Beispiel für den Sportunterricht, das man auch auf andere Fächer beziehen könnte.

(* - d.h. ich kann sie nicht mehr finden)

*Edit*: Auf der NDR-Seite kann man (noch) eine Doku zu der Umfrage sehen: *Klick*
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 24. Sep 2014, 08:04

Noten beurteilen keine Lernfortschritte und sie werden auch nicht korrigiert, wenn das Kind Wissen nachholt. Sie sind daher untauglich.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Gilmoregirl » Mi 24. Sep 2014, 13:54

Ich finde Noten gut und richtig, aber nicht für jedes Fach. Musik( insbes. Singen), Sport/ Kunst ( darstellen& Gestalten) gehören mMn nicht benotet.
Schüler und deren Eltern wollen (und brauchen) Orientierung, darum in reinen Lern-und Versteh- Fächern Noten : JA!

Aber es sollten auch kleinere Fortschritte bewertet werden.
Was jedoch falsch ist ist das "eintrichternde" Lernen, dessen Ergebnis nur bis zur nächsten größeren Arbeit hält.Stupides auswendig Lernen und auch n Einser oder Zweier zu schreiben, heißt nicht, dass der Schüler den Stoff auch begriffen hat.
Meine Tochter ( Kl.12) hat mir vorhin einen Text vorgelesen ( Bio) und ich habe sie gefragt, ob sie Bio- Chemikerin werden will? Nur ein verschwindend geringer Teil dieser Klasse hat Bio als Leistungskurs.
Meine Meinung: die Lehrpläne müssen dringend überarbeitet werden. Was gehört heut noch zur Allgemeinbildung? Muss man sich wochenlang in Epochen von anno knusprig aufhalten und jüngere Geschichte/ Literatur/ wiss. Erkenntnisse werden nur mal so am Rande behandelt?

Ausbildungsbetriebe finden das Schulabgänger- Niveau erschreckend. Ganz Unrecht haben sie nicht. Trotzdem sollte den Chefs nur die Noten interessieren, die auch für den Ausbildungsberuf wichtig sind. Der Handwerker braucht kein Abi...es reicht, wenn er die Zeichnung versteht, das Wekzeug richtig bedient, Material effektiv nutzt,pünktlich ist und zuverlässig.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 24. Sep 2014, 14:10

Gilmoregirl » Mi 24. Sep 2014, 13:54 hat geschrieben:Ich finde Noten gut und richtig, aber nicht für jedes Fach. Musik( insbes. Singen), Sport/ Kunst ( darstellen& Gestalten) gehören mMn nicht benotet.
Schüler und deren Eltern wollen (und brauchen) Orientierung, darum in reinen Lern-und Versteh- Fächern Noten : JA!

Noten bieten diese Orientierung überwiegend nicht. Noten stehen für ein verfehltes Schulziel. Das Ergebnis eines Notensystems ist vorrangig Sortierung. Notensysteme bieten keinen Anreiz, "abgehakte" Themengruppen neu aufzugreifen, bis sie verstanden sind. Wenn du in Geschichte in der siebten Klasse beispielsweise den Nationalsozialismus nicht kapiert hast, erhältst du eine drei oder vier, vielleicht sogar schlechteres wenn du dich ganz blöd anstellst. Danach kommt die Blockkonfrontation und kein Mensch wird es dir danken, wenn du zu dieser Zeit zusätzliches Wissen über dieses abgehakte Gebiet erworben hast. Das kommt im Notensystem nicht vor. Solltest du nicht in einer Abschlußklasse neu mit dem Thema konfrontiert werden, sogar endgültig.

Was jedoch falsch ist ist das "eintrichternde" Lernen, dessen Ergebnis nur bis zur nächsten größeren Arbeit hält.Stupides auswendig Lernen und auch n Einser oder Zweier zu schreiben, heißt nicht, dass der Schüler den Stoff auch begriffen hat.
Meine Tochter ( Kl.12) hat mir vorhin einen Text vorgelesen ( Bio) und ich habe sie gefragt, ob sie Bio- Chemikerin werden will? Nur ein verschwindend geringer Teil dieser Klasse hat Bio als Leistungskurs.

Ja, da sprichst du ein wichtiges Thema an.

Meine Meinung: die Lehrpläne müssen dringend überarbeitet werden. Was gehört heut noch zur Allgemeinbildung? Muss man sich wochenlang in Epochen von anno knusprig aufhalten und jüngere Geschichte/ Literatur/ wiss. Erkenntnisse werden nur mal so am Rande behandelt?

Die Lehrpläne sollten restrukturiert werden, doch wollen wir nicht den Zoo an Themen lieber verkleinern auf Wissen, das tatsächlich für sich genommen relevant ist? Haben wir nicht zu viel auf dem Plan, das fürs Leben nichts bringt, für eine Wissenschaft aber viel zu flach ist?

Ausbildungsbetriebe finden das Schulabgänger- Niveau erschreckend.

Jammern gehört zu jedem Lobbyismus. Darauf würde ich wenig geben. Schulabgänger wissen heute viel mehr als noch vor 60 Jahren. Damals jammerten die Betriebe auch.

Der Handwerker braucht kein Abi...es reicht, wenn er die Zeichnung versteht, das Wekzeug richtig bedient, Material effektiv nutzt,pünktlich ist und zuverlässig.

Der Handwerker braucht kein Abi, sollte aber lebenstüchtig sein. Braucht er das endoplasmatische Retikulum oder braucht er grundlegendes Verständnis von der Welt, um bei einem Rechenfehler vom Faktor 100 drauf zu kommen, dass da was faul sein könnte?
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon happySchland » Mi 24. Sep 2014, 19:03

@SoleSurvivor
Wie Sie schon geschrieben haben, ist eine Funktion der Noten Sortierung.
Vor allem dienen sie dazu das begrenzte Bildungsangebot der Leistung - Verzeihung - den Noten der Schüler nach zu verteilen. Gute Noten priviligieren.
Dieses System hat zweifelsohne Probleme doch wie sehen Alternativen aus?
Gibt es Modelle die auf Noten verzichten, dafür aber eine Methode zur Filterung und Verteilung der Schüler im weiteren Bildungsverlauf anbieten?
Bitte keine Wörter in den Mund legen und beim Thema bleiben.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 24. Sep 2014, 20:49

happySchland » Mi 24. Sep 2014, 19:03 hat geschrieben:@SoleSurvivor
Wie Sie schon geschrieben haben, ist eine Funktion der Noten Sortierung.
Vor allem dienen sie dazu das begrenzte Bildungsangebot der Leistung - Verzeihung - den Noten der Schüler nach zu verteilen. Gute Noten priviligieren.
Dieses System hat zweifelsohne Probleme doch wie sehen Alternativen aus?

Noten sind Momentaufnahmen, deren Zweck es nicht ist, zum Aufholen von Defiziten anzuregen. Die Alternativen ergeben sich aus der Kritik. Wenn es der Zweck der Note wäre, das aktuelle Wissen des Schülers zu dokumentieren, müsste sie sich einerseits auf ein konkretes Thema beziehen und andererseits müsste der Schüler jederzeit die Möglichkeit haben, seinen Fortschritt zu dokumentieren und so die Note zu ändern.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon DerZwilling » Do 25. Sep 2014, 13:36

Gilmoregirl hat geschrieben:Ich finde Noten gut und richtig, aber nicht für jedes Fach. Musik( insbes. Singen), Sport/ Kunst ( darstellen& Gestalten) gehören mMn nicht benotet.
Schüler und deren Eltern wollen (und brauchen) Orientierung, darum in reinen Lern-und Versteh- Fächern Noten : JA!

Aber ist das nicht eher inkonsequent? Ich meine, wenn ich weiß, dass es da Fächer gibt in denen ich Noten erhalte von denen "mein Leben abhängt," würde ich da auch nur eine Sekunde damit verschwenden meine kostbare Zeit mit den anderen zu "vergeuden" (mal vom puren Interesse abgesehen)? Man hätte dann die Wahl mache ich jetzt was für Kunst oder lerne ich lieber noch mal für Mathe? Worauf würden die Eltern wohl drängen wenn sie an das zukünftige Arbeitsleben ihres Kindes denken?

Gilmoregirl hat geschrieben:Was gehört heut noch zur Allgemeinbildung?

Da fällt mir etwas vom berühmten Sherlock Holmes ein (den ich noch nicht gelesen habe): Dr. Watson fand es erstaunlich, dass der gute Holmes nichts über die Planeten unseres Sonnensystems wusste. Dieser fragte Watson, was es ihn für seine Fälle brächte, wenn er die Anzahl der Planeten kannte. Der Geist eines Menschen ist wie ein Zimmer das jeder selbst gestalten kann: Will man es zumüllen (unnützes Wissen) oder effizient gestalten (alles was man braucht)?

Und Einstein soll in etwa gesagt haben (ich finde keine Bestätigung für dieses Zitat): "Allgemeinwissen ist das, was man in der Schule für die Prüfungen lernt, um es dann anschließend sofort wieder zu vergessen."

Ich fand die Frage nach dem Allgemeinwissen schon immer interessant. Ich schäme mich z.B. nicht zuzugeben, dass ich keine Ahnung von Geographie habe. Ich könnte z.B. kaum eine Stadt ihrem entsprechendem Bundesland bzw. ihrem Standort zuordnen, geschweige denn was darüber hinaus geht. Würde ich es wissen müssen, würde ich mir dieses Wissen aneignen. Aber erst dann! Meine Note war damals natürlich entsprechend nicht gut. Es hat aber bis heute nie jemanden gestört... Genauso wie niemals jemand nach meinen Noten im Religionsunterricht gefragt hat (was unsere Reli-Lehrerin uns auf die Frage "Wozu wir das brauchen" aber genau so verkaufen wollte: "Arbeitgeber fragen danach!" - Ja ne, is' klar). Und das die Religionsnoten dennoch starken Einfluss haben, musste ich am eigenen Leib erfahren: Hauptschulzeugnis für ein Jahr wegen einer sehr schlechten Note in Religion (Integrierte Gesamtschule -> alle drei Schulformen an einer Schule).

Gilmoregirl hat geschrieben:Meine Tochter ( Kl.12) hat mir vorhin einen Text vorgelesen ( Bio) und ich habe sie gefragt, ob sie Bio- Chemikerin werden will?

Und will sie? Wenn du schon fragst, muss dieser Text ja sehr umfangreich gewesen sein. Wenn die Antwort nein lautet (und auch nichts ähnliches), frage ich mich nach dem Sinn dieses Aufwands?

happySchland hat geschrieben:Vor allem dienen sie dazu das begrenzte Bildungsangebot der Leistung - Verzeihung - den Noten der Schüler nach zu verteilen.

Also sind Noten nur eine Kostenersparnis um das Bildungsangebot begrenzt zu halten?

happySchland hat geschrieben:Gibt es Modelle die auf Noten verzichten, dafür aber eine Methode zur Filterung und Verteilung der Schüler im weiteren Bildungsverlauf anbieten?

Warum muss man die Schüler denn filtern und verteilen? Und warum sollten ausgerechnet Noten dazu geeignet sein? Ich meine, man bekommt ja auch Noten für das Betragen im jeweiligen Fach - schlechte Noten zur Bestrafung z.B. für vergessene Hausaufgaben. Damit wäre ja nicht die Leistung bewertet, sondern die Person als solche. Objektiv(er) wäre es, wenn selbst das größte "Arschloch," solange die Noten stimmen, vorwärts kommt und umgekehrt. Ansonsten selektiert man ja die "angenehmen" und die "unangenehmen Menschen". Also "linientreue" Menschen kommen weiter (welche Linie auch immer). Außerdem ist es längst bekannt, dass Lehrer Noten nicht objektiv vergeben (können). Da bekommt Mohammed schon mal eine schlechtere Note als Linus, Kevin und Anna-Maria. Manch einer sieht sogar eine negative Beeinflussung/Bewertung von Jungen insgesamt.

Die Frage ob es Alternativen gibt, die ohne Noten auskommen, hängt für mich stark damit zusammen was die Zielsetzung unseres Schulsystems ist. Schule als Ort der Menschwerdung und der freien Entfaltung kommt ohne jede Note aus. Ist vielleicht sogar die Grundvoraussetzung. Schule als Ort der Befähigung zur Arbeit (bzw. zur beruflichen Ausbildung), da bin ich mir nicht sicher ob das geht. Ich glaube schon das es gehen müsste.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon happySchland » Fr 26. Sep 2014, 00:08

@SoleSurvivor
Ich verstehe Ihren Standpunkt. Sie kritisieren die Messungenauigkeit der Benotung.
Doch frage ich nochmal nach Alternativen welche die Sortierfunktion der Noten übernehmen können.
Der gesunde Menschenverstand des Lehrers? Seine persönliche Einschätzung? Ich bin da ratlos.
Denn (Extrembeispiel) ein Schüler auf Förderschulniveau wird kaum Freude mit dem Gymnasium haben. Sollen Eignungsfeststellungsprüfungen die Sortierfunktion übernehmen?
Bitte keine Wörter in den Mund legen und beim Thema bleiben.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 26. Sep 2014, 06:46

happySchland » Fr 26. Sep 2014, 00:08 hat geschrieben:@SoleSurvivor
Ich verstehe Ihren Standpunkt. Sie kritisieren die Messungenauigkeit der Benotung.

Nein. Ich kritisiere den Sinn und die Funktionsweise der Noten. Ich will nicht genauere Noten sondern ein Instrument, das tatsächlich auch zum Nachholen anregt.

Doch frage ich nochmal nach Alternativen welche die Sortierfunktion der Noten übernehmen können.

Sofern wir diese benötigen, verweise ich auf den vorherigen Beitrag.

Denn (Extrembeispiel) ein Schüler auf Förderschulniveau wird kaum Freude mit dem Gymnasium haben.

Auf einem Gymnasium hat niemand Freude. Das ist eine Schule.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 26. Sep 2014, 06:49

DerZwilling » Do 25. Sep 2014, 13:36 hat geschrieben:Schule als Ort der Befähigung zur Arbeit (bzw. zur beruflichen Ausbildung), da bin ich mir nicht sicher ob das geht. Ich glaube schon das es gehen müsste.

Immer mehr Arbeitgeber bilden sich ein, ein Lehrling müsste schon am ersten Arbeitstag die Hälfte von der Arbeit wissen und jammern dann über die schlechte Bildung der Schulabgänger. Man darf nicht auf jeden Lobbyistenunsinn hereinfallen.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon DerZwilling » So 28. Sep 2014, 18:02

Das geht sogar noch weiter: Interessanterweise verlangen wohl sogar einige Schulen heute, dass frisch eingeschulte Erstklässler bereits Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Also mit anderen Worten: die Grundschule verlangt, dass bereits Grundlagen vorhanden sind. Das heißt in der Konsequenz, wenn diese Grundlagen nicht vorhanden sind, dann hängt das Kind eben hinterher (bis zum wiederholen der Klasse)/muss das Kind schneller lernen.
Zuletzt geändert von DerZwilling am So 28. Sep 2014, 18:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon frems » So 19. Feb 2017, 20:56

Aus gegebenem Anlass:

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, hat sich für die Abschaffung von Schulnoten ausgesprochen. „Zensuren sind nicht objektiv. Wir müssen weg von den Noten, hin zu individuellen Berichten, weil sie den persönlichen Lernfortschritten der Kinder viel gerechter werden“, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

Tepe betonte, der Verzicht auf Noten sollte „nicht nur in Grundschulen, sondern in allen Schultypen praktiziert werden“. Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass Berichte besser seien.

Die Schüler in Deutschland hatten bei den jüngsten internationalen Vergleichstests relativ mäßig abgeschnitten.

Die Präsidentin des Bayrischen Lehrerverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sprach sich ebenfalls dafür aus, Schulnoten auch in höheren Klassenstufen durch Lernentwicklungsgespräche zu ersetzen, weil dies motivierender sei. „Wir müssen umdenken in unserem Bildungssystem, dazu brauchen wir eine umfassende Bewertung von Menschen“, sagte Fleischmann der Zeitung.

https://www.welt.de/wirtschaft/karriere ... noten.html
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Ebiker » So 19. Feb 2017, 21:05

HugoBettauer hat geschrieben:(26 Sep 2014, 07:49)

Immer mehr Arbeitgeber bilden sich ein, ein Lehrling müsste schon am ersten Arbeitstag die Hälfte von der Arbeit wissen und jammern dann über die schlechte Bildung der Schulabgänger. Man darf nicht auf jeden Lobbyistenunsinn hereinfallen.


Quatsch, das erwartet kein vernünftiger Ausbildungsbetrieb. Aber wenn ich frage wie man von -25mm durch unterlegen entsprechender Paßscheiben auf +0,35mm kommt und der Schüler ( 9. Klasse ) kann diese einfache Aufgabe nicht ausrechnen sagt das schon viel aus.

Noten sagen aber auch nicht alles aus, aber Kopfnoten sind ja auch völlig veraltet. Aber Hauptsache der Azubi kann seinen Namen tanzen.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon H2O » So 19. Feb 2017, 23:54

Ebiker hat geschrieben:(19 Feb 2017, 21:05)

Quatsch, das erwartet kein vernünftiger Ausbildungsbetrieb. Aber wenn ich frage wie man von -25mm durch unterlegen entsprechender Paßscheiben auf +0,35mm kommt und der Schüler ( 9. Klasse ) kann diese einfache Aufgabe nicht ausrechnen sagt das schon viel aus.

Noten sagen aber auch nicht alles aus, aber Kopfnoten sind ja auch völlig veraltet. Aber Hauptsache der Azubi kann seinen Namen tanzen.


Noten dienen doch nicht allein der Bescheinigung für Dritte, daß der Bewerber bestimmte Kenntnisse in entsprechender Qualität nachgewiesen hatte. Sie zeigen auch dem Schüler auf, wo er mit seinen Leistungen steht, so lange es bei der Vergabe von Noten mit rechten Dingen zugeht.

Was soll ein Betrieb machen, der einen geeigneten Bewerber sucht? Er wird aus der Schar der Bewerber nach Gefühl und Wellenschlag jene zur Vorstellung einladen, die ihm geeignet erscheinen und dann im 2. Schritt Probeaufgaben und -arbeiten zuweisen, die diese Auswahl rechtfertigen. Zum Vergleich wird er eine Art Notensystem anwenden. Industrielle Ausbildungsplätze sind eine kostspielige Angelegenheit. Da will sich kein verantwortlicher "Personaler" dem Vorwurf aussetzen, haufenweise Versager in den Betrieb geschleust zu haben.

Hochschulen werden sich auf ähnliche Art gegen derart einfältige Streiche zur Wehr setzen, zumal die Zahl der Studienabbrecher sicher auch betrachtet wird, um die Qualität der Lehre zu bewerten.
Noten sind nicht der einzige Bewertungsmaßstab; aber wenn Bewerber in Auftreten und äußerlicher Erscheinung vergleichbar sind, dann bleibt doch nur das Notenbild, um einen Unterschied zu rechtfertigen. Gut, man könnte auch eine Münze werfen, oder ein Würfelspiel benutzen...
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Teeernte » Mo 20. Feb 2017, 01:01

Natürlich geht statt Schulnoten auch ....die Bewertung :

Strohdumm/+faul,
nur dumm,
vielleicht vermittelbar,
vermittelbar,
gut vermittelbar,
Spitze !

Ach - man soll ja die Abwertung nicht erkennen,....

c
d
e
f
g
a
(Tonleiter) effekt.
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Re: Schulnoten abschaffen?

Beitragvon Hyde » Mo 20. Feb 2017, 07:08

DerZwilling hat geschrieben:(23 Sep 2014, 16:00)

Hallo allerseits.

Es wurde ja vor kurzem eine Umfrage von infratest dimap veröffentlicht. Wenig überraschend sprechen sich dort über 80% der befragten Norddeutschen für Schulnoten in der Grundschule aus (Quelle: So bewerten Norddeutsche das Schulsystem, Folie 3). Was aber sind die Gründe dafür Kinder nach 'Leistung' zu bewerten? Steckt da nicht ein hauptsächlich von wirtschaftlichen Interessen durchtriebenes System hinter? Eine Ellenbogenmentalität? Und was wird überhaupt bewertet? Kann man objektiv bewerten? Was sind (gute) Noten am Ende wert? Welche Auswirkungen hat das Benotungssystem auf die Schüler und auf das Lernen? Wird dabei berechtigt oder unberechtigt (Leistungs-)Druck aufgebaut? In einer Doku auf 3sat hieß es vor kurzem (ungefähr) "Je älter die Schüler werden, umso eher betrügen sie (In der Grundschule würden nur 20% betrügen und später sind es 80%)" - ist das nicht die Konsequenz dieses Leistungsdrucks, genauso wie das Bulimie-Lernen?

Was meint ihr?


Noten sind ja eine kritische Bewertung der Leistungen eines Schülers. Ich finde es gut und richtig, wenn Kinder von kleinauf lernen und daran gewöhnt werden, mit Kritik umzugehen, kritikfähig zu sein und auch zu lernen, mit einem gewissen Leistungsdruck umzugehen. Es sind die schwierigen Momente, an denen unsere Persönlichkeit wachsen kann.

Es nützt ja auch nichts, den Kindern in der Schule eine Ponyhof-Welt vorzugaukeln und sie dann arglos ins echte Leben zu entlassen.

Zur Entwicklung und Reifung eines Kindes gehört es dazu, dass es sich ehrgeizige konkrete Ziele setzen kann (bestimmte Noten) und diese Ziele dann erreicht oder nicht erreicht - was auch wiederrum ein Lernprozess sein kann (mit Niederlagen und enttäuschten Erwartungen umgehen zu müssen). Zur Entwicklung eines Kindes gehört es auch dazu, bestimmten Erwartungsdruck auszuhalten.

Wir sind nunmal eine Leistungsgesellschaft und das muss sich auch in der Schule widerspiegeln, wo die Schüler fürs Leben ausgebildet werden.

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