Inklusion

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Milady de Winter
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Re: Inklusion

Beitragvon Milady de Winter » Mi 20. Mär 2013, 17:03



Da steht nicht, WELCHE Art der Behinderung diese Kinder haben. Ich spreche hier nicht von KÖRPERLICHER Behinderung, das dürfte klar sein, oder? Es kommt m.E. bei einer geistigen Behinderung auf den Grad der Behinderung an. Wenn ein Kind dem normalen Unterricht einfach nicht folgen kann, dann muss es speziell gefördert werden. Aber in der selben Klasse zur selben Zeit wie die normalen Kinder? Wie soll das ohne Verluste bei den normalen Kindern gehen?

Ich sag jetzt mal nicht, dass mir beim Lesen des Artikels ad hoc Bremen und die Pisastudie einfielen, das wäre nämlich unfair, und mit Sicherheit hat das Abschneiden auch nichts mit dem Thema zu tun. Denke ich mal... Deshalb sag' ich es auch nicht.
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prime-pippo
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Re: Inklusion

Beitragvon prime-pippo » Mi 20. Mär 2013, 17:03

Blasphemist » Mi 20. Mär 2013, 13:51 hat geschrieben: Wenn dann eine Sportart auf dem Programm steht für die man in der Regel zwei gesunde Arme braucht und die Leistung der Schülerin halt schlecht ist, dann bekommt sie für diese Leistung eine 6. Das ist Inklusion.


Der war gut. :D

Mein Sohn war auch von der permanenten Anwesenheit von drei Pädagogen genervt.


Darüber solltest du dann evtl. mal mit deinem Sohn sprechen?!? Einfach nur "genervt" zu sein....ist nicht so prall (ohne jetzt deinen Sohn angehen zu wollen). Was war denn das Problem mit den Pädagogen?

Für Manche mag Inklusion sinnvoll sein aber eine generelle Pflicht ist Schwachsinn.

Das kann gut sein.
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Re: Inklusion

Beitragvon yogi61 » Mi 20. Mär 2013, 17:48

Milady de Winter » Mi 20. Mär 2013, 17:03 hat geschrieben:
Da steht nicht, WELCHE Art der Behinderung diese Kinder haben. Ich spreche hier nicht von KÖRPERLICHER Behinderung, das dürfte klar sein, oder? Es kommt m.E. bei einer geistigen Behinderung auf den Grad der Behinderung an. Wenn ein Kind dem normalen Unterricht einfach nicht folgen kann, dann muss es speziell gefördert werden. Aber in der selben Klasse zur selben Zeit wie die normalen Kinder? Wie soll das ohne Verluste bei den normalen Kindern gehen?

Ich sag jetzt mal nicht, dass mir beim Lesen des Artikels ad hoc Bremen und die Pisastudie einfielen, das wäre nämlich unfair, und mit Sicherheit hat das Abschneiden auch nichts mit dem Thema zu tun. Denke ich mal... Deshalb sag' ich es auch nicht.


Die geistig behinderten Kinder werden speziell gefördert und es ist generell schwierig für geistige Behinderungen Klassifzierungen vorzunehmen. Heute darf man davon ausgehen, dass auch bei den "normalen Kindern" ein gewisser Prozentsatz mit unerkannten Behinderungen vorhanden ist. Psychische Störungen wie Verrohung mit einhergehender mangelnder Empathiefähigkeit und aszozialen Verhaltensmustern bei einigen Kindern,oder auch depressive und leicht autistische Anwandlungen und hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens einhergehend mit Aufmerksamkeitsstörungen sind nicht untypisch und leider nur ein Spiegelbild der Gesellschaft und so etwas wird von den Eltern nur in sehr seltenen Fällen engräumt. Du musst Dir jetzt nicht vorstellen, dass da ein schwer geistig behindertes Kind in der Ecke herumschreit wie in einer Irrenanstalt des 19 Jahrhunderts und den Klassenverbund vom Stoff abhält, es geht eher darum das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und auch den sogenannten normalen Kindern mehr soziale Kompetenz und Intelligenz zu vermitteln und dies soll sich dann später mit all seinen positiven Folgen auch auf den Umgang mit Kollegen, alten Menschen und Behinderten auswirken. So gesehen ist die Inklusion auch ein Instrument, die hohen volkswirtschaftlichen Schäden durch negative Verhaltsmuster zu dämpfen, denn die sind von Jahr zu Jahr steigend und enorm. Inklusion ist also eine Investition in die Zukunft, von der am Ende viele gesellschaftliche Schichten in diesem Land profitieren. Wie mit allen Investition in Bildung und Intelligenz, hat man leider den Erfolg nicht sofort sichtbar und darstellbar und deswegen wird in diesen Bereichen auch immer auf Kosten der zukünftigen Generationen gespart und man gewinnt damit keine Wahlkämpfe, weil die Vorteile dieser Investitionen breiten Teile der Bevölkerung zu komplex sind und man sich auch nicht die Mühe macht, dies vernünftig zu vermitteln.
Zuletzt geändert von yogi61 am Do 21. Mär 2013, 06:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Gregorius I » Do 21. Mär 2013, 20:15




Ein netter Artikel, der mit vielen Zahlen jongliert und beeindrucken will. Er belegt, dass Inklusion umgesetzt wird, aber nicht, dass sie funktioniert.

Schon die Gesamtschulen hatten den Anspruch, Kindern aller Begabungen einen möglichst hohen Bildungsabschluss zu vermitteln. Das haben sie auch geschafft – auf Kosten eines erheblichen Qualitätsverlustes.

Wieviel Qualitätsverlust wollen wir in der Bildung denn noch hinnehmen? Anders gefragt: Wieviel Qualitätsverlust verträgt unsere Gesellschaft überhaupt noch? Das verschulte Studium in den geisteswissenschaftlichen Fächern ist bereits auf ein erweitertes gymnasiales Oberstufenniveau herabqualifiziert. Vor 30 Jahren bekam man für die erfolgreiche Absolvierung des Gymnasiums nur ein Abitur als Zugangsvoraussetzung für ein Studium, heute entspricht das bereits einem Bachelor als berufsqualifizierendem Hochschulabschluss, doch sie sind recht welk, die "Lorbeeren".

Übrigens: Im schulischen Bildungsvergleich gehört Bremen zu den "Klassenletzten": http://www.focus.de/schule/schule/bildu ... 33060.html

Ich möchte nicht missverstanden werden: Es mögen meinetwegen demnächst auch geistig Behinderte die Schule mit Abitur verlassen, wenn es das Selbstbewusstsein stärkt. Aber ich bin sehr dagegen, dass zukünftig vertiefte Bildung hauptsächlich für Kinder finanzkräftiger Eltern, die sich Privatschulen leisten können, erreichbar ist, während den begabten Kindern aus weniger begütertem Elternhaus vorzüglich die Sozialkompetenz übrig bleibt.
Zuletzt geändert von Gregorius I am Do 21. Mär 2013, 20:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Gregorius I » Do 21. Mär 2013, 20:19

yogi61 » Mi 20. Mär 2013, 17:48 hat geschrieben:
Die geistig behinderten Kinder werden speziell gefördert und es ist generell schwierig für geistige Behinderungen Klassifzierungen vorzunehmen. Heute darf man davon ausgehen, dass auch bei den "normalen Kindern" ein gewisser Prozentsatz mit unerkannten Behinderungen vorhanden ist. Psychische Störungen wie Verrohung mit einhergehender mangelnder Empathiefähigkeit und aszozialen Verhaltensmustern bei einigen Kindern,oder auch depressive und leicht autistische Anwandlungen und hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens einhergehend mit Aufmerksamkeitsstörungen sind nicht untypisch und leider nur ein Spiegelbild der Gesellschaft und so etwas wird von den Eltern nur in sehr seltenen Fällen engräumt. Du musst Dir jetzt nicht vorstellen, dass da ein schwer geistig behindertes Kind in der Ecke herumschreit wie in einer Irrenanstalt des 19 Jahrhunderts und den Klassenverbund vom Stoff abhält, es geht eher darum das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und auch den sogenannten normalen Kindern mehr soziale Kompetenz und Intelligenz zu vermitteln und dies soll sich dann später mit all seinen positiven Folgen auch auf den Umgang mit Kollegen, alten Menschen und Behinderten auswirken. So gesehen ist die Inklusion auch ein Instrument, die hohen volkswirtschaftlichen Schäden durch negative Verhaltsmuster zu dämpfen, denn die sind von Jahr zu Jahr steigend und enorm. Inklusion ist also eine Investition in die Zukunft, von der am Ende viele gesellschaftliche Schichten in diesem Land profitieren. Wie mit allen Investition in Bildung und Intelligenz, hat man leider den Erfolg nicht sofort sichtbar und darstellbar und deswegen wird in diesen Bereichen auch immer auf Kosten der zukünftigen Generationen gespart und man gewinnt damit keine Wahlkämpfe, weil die Vorteile dieser Investitionen breiten Teile der Bevölkerung zu komplex sind und man sich auch nicht die Mühe macht, dies vernünftig zu vermitteln.



Der liebe GOTT erhalte Dir Deinen Idealismus. :)
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Re: Inklusion

Beitragvon Blasphemist » Di 25. Jun 2013, 10:25

Hier ein weiterer Artikel zum Thema. Interssant sind aber die Leserbriefe.
http://www.taz.de/Kommentar-zur-Bertelsmann-Bildungsstudie/Kommentare/!c118692/
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Re: Inklusion

Beitragvon yogi61 » Di 25. Jun 2013, 10:37

Gregorius I » Do 21. Mär 2013, 21:19 hat geschrieben:

Der liebe GOTT erhalte Dir Deinen Idealismus. :)



Das hat weniger mit Idelismus als mit Pragmatismus zu tun. In anderen Ländern klappt das auch. Es ist wie immer eine Sache der finanziellen Handlungsspielräume die den Trägern eingeräumt werden. Leider verkommen die Themen Bildung und Integration in diesem Land seit vielen Jahren zu reinen Lippenbekenntnisse und werden höchstens von den Selbstdarstellern in den Talk-Shows thematisiert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Blasphemist » Di 25. Jun 2013, 11:14

yogi61 » Di 25. Jun 2013, 11:37 hat geschrieben:

Das hat weniger mit Idelismus als mit Pragmatismus zu tun. In anderen Ländern klappt das auch. Es ist wie immer eine Sache der finanziellen Handlungsspielräume die den Trägern eingeräumt werden. Leider verkommen die Themen Bildung und Integration in diesem Land seit vielen Jahren zu reinen Lippenbekenntnisse und werden höchstens von den Selbstdarstellern in den Talk-Shows thematisiert.

Hast du dir die Kommentare durchgelesen?
Inklusion ist eine ideologisch motivierte Herangehensweise. Der Mensch mit seinen unterschiedlichen Fähigkeiten wird über einen Kamm geschert und das wird weder den Behinderten noch den "normalen" Schülern gerecht.
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Re: Inklusion

Beitragvon yogi61 » Mi 26. Jun 2013, 09:52

Blasphemist » Di 25. Jun 2013, 12:14 hat geschrieben:Hast du dir die Kommentare durchgelesen?
Inklusion ist eine ideologisch motivierte Herangehensweise. Der Mensch mit seinen unterschiedlichen Fähigkeiten wird über einen Kamm geschert und das wird weder den Behinderten noch den "normalen" Schülern gerecht.


Gelebte Inklusion ist in einer Gesellschaft die nach moralischen Maßstäben gemessen werden will unabdingbar. Inklusion ist auch ein Menschenrecht.
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Re: Inklusion

Beitragvon Bukowski » Mi 26. Jun 2013, 10:49

yogi61 » Mi 26. Jun 2013, 09:52 hat geschrieben:
Gelebte Inklusion ist in einer Gesellschaft die nach moralischen Maßstäben gemessen werden will unabdingbar. Inklusion ist auch ein Menschenrecht.

Abstrakte Ideologie ist unmoralisch und menschenfeindlich, wie immer. :rolleyes:

Lese Dir diese Leserbriefe durch.
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Re: Inklusion

Beitragvon yogi61 » Mi 26. Jun 2013, 10:55

Bukowski » Mi 26. Jun 2013, 11:49 hat geschrieben:Abstrakte Ideologie ist unmoralisch und menschenfeindlich, wie immer. :rolleyes:

Lese Dir diese Leserbriefe durch.


Habe ich getan.
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Re: Inklusion

Beitragvon Lomond » Mi 18. Jun 2014, 11:16

Das Thema "Inklusion" ist derzeit wieder sehr aktuell.

Hier ein Artikel dazu:

Die Idee, dass die Begabteren die weniger Begabten mit nach oben ziehen, kennt man aus der Gesamtschul-Debatte. Auch hier steht die Hoffnung auf die segensreiche Wirkung gemeinsamen Lernens am Anfang. Die Inklusionsidee geht über diesen eher sozialtherapeutischen Bildungsansatz weit hinaus: Diese Utopie schließt dezidiert Kinder ein, von denen man nicht nur weiß, dass sie dem Unterricht nicht folgen können, sondern von denen auch klar ist, dass sie andere dabei stören, ihrerseits das Lernziel zu erreichen.

Ignoranz gegenüber dem Konkreten

In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" war neulich beschrieben, wie Inklusion im Extremfall in der Praxis aussieht. Berichtet wurde von einem Jungen mit "Förderbedarf in den Bereichen Lernen und emotional-sozialer Entwicklung", wie das in der Sprache der Fachleute heißt. Es lohnt, daraus ausführlicher zu zitieren, weil es deutlich macht, auf welche Schwierigkeiten diejenigen stoßen können, die zu Beteiligten dieses Experiments gemacht werden:



"Ab und zu biss er seine Mitschüler in den Hinterkopf, machte ihnen blaue Flecken oder schlug sie ins Gesicht. Einmal schüttete er eine Flasche Apfelsaft auf seinem Tisch aus, legte seinen Kopf in die Lache und wischte dann mit den Händen darin herum. Anschließend rannte er durch die Klasse und schmierte alle Kinder an. Ruhig war der Junge nur, wenn er in einen Nebenraum geführt und in ein Gespräch über 'Star Wars' oder Ninja Turtles verwickelt wurde."


Man kann sich nicht vorstellen, dass unter diesen Bedingungen ein geregelter Unterricht stattfinden kann, und tatsächlich findet er auch nicht statt.



http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 75644.html


Frage: Wer ist ernsthaft für Inklusion?
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Re: Inklusion

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 18. Jun 2014, 11:22

Es kommt imho auf die Art und Schwere der Behinderung an. Wenn das behinderte Kind dem Unterricht weitestgehend folgen kann, spricht nichts gegen Inklusion. Sobald aber die anderen gestört und aufgehalten werden, sollte das Kind mit anderen Kindern seines Niveau entsprechend in einer besonderen Klasse unterrichtet werden.
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Re: Inklusion

Beitragvon Billie Holiday » Mi 18. Jun 2014, 11:31

ich bin für Inklusion aller geistig gesunden Kinder, die aber in irgendeiner Form körperlich gehandikapt sind.

Ich bin gegen Inklusion geistig behinderter Kinder, weil das niemandem einen wirklichen Vorteil bringt.

In der Parallelklasse meiner Älteren ist ein Junge mit Lernbehinderung, der außerdem soziale Defizite hat. Er wird schnell aggressiv, schmeißt mit Stühlen um sich und stört. Um ihn zu integrieren, sitzt er in der Mitte mitsamt seiner Betreuung, die 45 Minuten lang auf ihn einflüstert. Also auch wenn die anderen einen Test
schreiben, flüstert die Betreuung und versucht, den Jungen still zu halten. Die anderen Eltern sind begeistert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Blickwinkel » Mi 18. Jun 2014, 11:35

Billie Holiday » Mi 18. Jun 2014, 12:31 hat geschrieben:ich bin für Inklusion aller geistig gesunden Kinder, die aber in irgendeiner Form körperlich gehandikapt sind.

Ich bin gegen Inklusion geistig behinderter Kinder, weil das niemandem einen wirklichen Vorteil bringt.

In der Parallelklasse meiner Älteren ist ein Junge mit Lernbehinderung, der außerdem soziale Defizite hat. Er wird schnell aggressiv, schmeißt mit Stühlen um sich und stört. Um ihn zu integrieren, sitzt er in der Mitte mitsamt seiner Betreuung, die 45 Minuten lang auf ihn einflüstert. Also auch wenn die anderen einen Test
schreiben, flüstert die Betreuung und versucht, den Jungen still zu halten. Die anderen Eltern sind begeistert.


Richtig, es muss sinnvoll gemacht werden, diese gutmenschliche Gleichermacherei bringt gar nichts, ausser, dass die ganze Klasse im Niveau sinkt.
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Re: Inklusion

Beitragvon NMA » Mi 18. Jun 2014, 11:39

Ich bin schon skeptisch gegenüber der Zusammenlegung von Schularten, dementsprechend muss ich erst recht skeptisch gegenüber Inklusion sein.

Es gibt Fälle, wo für eine Klassenarbeit ein Behinderter eine individuell vereinfachte Version bekommt und für seine Lesitung eine 2 kriegt, wohingegen der "normale" Schüler für eine "normale" Version mit einer "vergleichbaren" Leistung eine 4 bekommt. Wie soll sowas jemals fair werden? Es gibt ohnehin Lehrermangel und Inklusion scheint mir auch nur mit einer Störung des regulären Unterrichts machbar zu sein.

Ich halte gar nichts davon, geistig Behinderte müssen in der Sonderschule bleiben. Den Gedanken, man müsse aus dem Schulsystem ein Abitur für geistig Behinderte herausprügeln, finde ich absurd.

Barrierefreiheit ist natürlich eine ganz andere Sache.
Zuletzt geändert von NMA am Mi 18. Jun 2014, 11:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Billie Holiday » Mi 18. Jun 2014, 11:49

Blickwinkel » Mi 18. Jun 2014, 12:35 hat geschrieben:
Billie Holiday » Mi 18. Jun 2014, 12:31 hat geschrieben:ich bin für Inklusion aller geistig gesunden Kinder, die aber in irgendeiner Form körperlich gehandikapt sind.

Ich bin gegen Inklusion geistig behinderter Kinder, weil das niemandem einen wirklichen Vorteil bringt.

In der Parallelklasse meiner Älteren ist ein Junge mit Lernbehinderung, der außerdem soziale Defizite hat. Er wird schnell aggressiv, schmeißt mit Stühlen um sich und stört. Um ihn zu integrieren, sitzt er in der Mitte mitsamt seiner Betreuung, die 45 Minuten lang auf ihn einflüstert. Also auch wenn die anderen einen Test
schreiben, flüstert die Betreuung und versucht, den Jungen still zu halten. Die anderen Eltern sind begeistert.


Richtig, es muss sinnvoll gemacht werden, diese gutmenschliche Gleichermacherei bringt gar nichts, ausser, dass die ganze Klasse im Niveau sinkt.


es ist auch ein Trugschluß, dass die Guten die Schlechten hochziehen, wie angedacht. Die meisten haben überhaupt keine Lust, anderen alles mehrfach zu erklären, also Lehrers Job zu übernehmen.
Das sind Kinder bzw. Teenager, und keine Sozialpädagogen. Besagter Junge ist in der Pause allein, die Mädchen lassen sich nicht angrabbeln und beleidigen, die Jungs haben auch keinen Bock auf den. Realität in der Gemeinschaftsschule.....das Gym nimmt ihn selbstredend nicht. :x

In meiner Nachbarstadt gibt es eine hervorragende, moderne Förderschule mit einer engagierten Leiterin, die alle Schüler so liebt, als wären es die eigenen. Warum der Junge nicht dort in seinem eigenen Tempo lernen darf, weiß kein Mensch.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Inklusion

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 18. Jun 2014, 11:49

In meiner Abiturklasse war ein Sprachbehinderter, der hat die gleichen Klausuren geschrieben wie alle anderen und es stellte sich auch nachher nicht heraus, dass er besser bewertet worden wäre. Danach hat er dann E-Technik studiert und in dem Bereich auch einen Job gefunden.
Zuletzt geändert von Tom Bombadil am Mi 18. Jun 2014, 11:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Inklusion

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Mi 18. Jun 2014, 11:49

Es mag jetzt hart klingen, aber was hat denn bitte schön ein geistig behindertes Kind auf einem Gymnasium zum Beispiel zu suchen?
Ich denke auf Förderschulen mit entsprechender Betreuung ist ihnen besser geholfen.

In "normalen" Schulen schafft es nur Probleme... und davon haben Schulen schon genug. Lehrer sind ja schon mit den Integrstionsproblemen von Migrantenkindern überfordert... jetzt auch noch geistig Behinderte?!
"Je stärker wir sind, desto unwahrscheinlicher ist der Krieg." Otto von Bismarck

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. " Bertolt Brecht
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Re: Inklusion

Beitragvon Billie Holiday » Mi 18. Jun 2014, 11:52

Tom Bombadil » Mi 18. Jun 2014, 12:49 hat geschrieben:In meiner Abiturklasse war ein Sprachbehinderter, der hat die gleichen Klausuren geschrieben wie alle anderen und es stellte sich auch nachher nicht heraus, dass er besser bewertet worden wäre. Danach hat er dann E-Technik studiert und in dem Bereich auch einen Job gefunden.



Sprachbehinderung heißt doch nicht, dass er dem Unterricht nicht folgen konnte? :x
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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