Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » So 18. Dez 2016, 23:26

H2O hat geschrieben:(18 Dec 2016, 23:12)

Na, diese Entwicklung kann ich ganz gut verstehen, wenn ich mich an viele Diskussionen am Arbeitsplatz über Ing. grad und Dipl.Ing erinnere. Wenn der höhere Abschluß mit vertretbarem Aufwand zu erreichen ist... was soll da die "amtliche Begrenzung" auf den Bachelor? Dann müßten die Mühen bis zum Master schon so hoch liegen, der Zeitaufwand so groß sein, daß eben die 2/3 sich mit dem Bachelor zufrieden geben.

Wichtig ist doch, daß der Arbeitsmarkt mit spielt. Letztendlich, Wissenschaften hin oder her, entscheidet doch der Arbeitsmarkt darüber, mit welchen Abschlüssen die jungen Leute sich ins Getümmel wagen. Nach 10 Jahren engagierter Arbeit im Beruf sind viele Anfangsunterschiede längst eingeebnet.

Stimmt. Wenn ich mich recht entsinne, studierte man an Ingenieurschulen drei Jahre für den Ing., wovon viele später zum Dipl.-Ing. (FH) nachdiplomiert wurden, da aus diesen Schulen viele Fachhochschulen gemacht wurden. Der Abschluss war aber weiterhin unter dem Dipl.-Ing. der Unis und berechtigte bspw. nicht zur Promotion.

Gefährliches Halbwissen: die Begrenzung war ein Kompromiss. Einige Länder wollten komplett feste Zeiträume, da dies einen Hochschulwechsel erleichtert und mehr Transparenz bietet. Andere Länder bevorzugten wiederum mehr Autonomie, da sie der Meinung waren, dass man nicht so pauschal sagen könne, dass Studiendauer X für alle Fächer die optimale Zeit wäre. Also einigte man sich auf 6-8 Semester für den ersten Abschluss und insgesamt 10 bis zum zweiten. Das sind, wie gesagt, nur die Regelzeiten. Wie lange ein Student dann tatsächlich benötigt, steht auf einem anderen Blatt.

Aber ja, man könnte die Ansprüche nochmal drastisch hochsetzen. Ob das irgendwem nützt, würde ich aber bezweifeln.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon H2O » So 18. Dez 2016, 23:35

frems hat geschrieben:(18 Dec 2016, 23:26)
...
... man könnte die Ansprüche nochmal drastisch hochsetzen. Ob das irgendwem nützt, würde ich aber bezweifeln.


Damit ist niemandem gedient, wenn die heran gebildeten jungen Leute die Erwartungen des Arbeitsmarkts erfüllen. Schlimm wäre die Sache nur, wenn deutsche Personalchefs massenweise Fachleute vom Internationalen Markt "einkauften", weil diese Qualifikationen hier nicht ausgebildet werden. Dann hätten aber etliche Leute in politischer Verantwortung sehr hartnäckig geschlafen!
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » So 18. Dez 2016, 23:52

H2O hat geschrieben:(18 Dec 2016, 23:35)

Damit ist niemandem gedient, wenn die heran gebildeten jungen Leute die Erwartungen des Arbeitsmarkts erfüllen. Schlimm wäre die Sache nur, wenn deutsche Personalchefs massenweise Fachleute vom Internationalen Markt "einkauften", weil diese Qualifikationen hier nicht ausgebildet werden. Dann hätten aber etliche Leute in politischer Verantwortung sehr hartnäckig geschlafen!

Wenn wir die Zahl künstlich verknappen, um das Ziel 33% zu erreichen, wird das jedenfalls nicht zu mehr Masterabsolventen führen. Bei den absoluten Spitzenkräften schaut man hingegen eh global. Und so schlecht scheinen die deutschen Absolventen nicht anzukommen, wenn man auf die Gehälter schaut. In Bayern gab's mal eine Umfrage unter Absolventen:

Mehr als 90 Prozent der Bachelorabsolventen in Betriebswirtschaftslehre, Informatik und den Ingenieurwissenschaften finden demnach nach ihrem Abschluss zügig eine erste Stelle. Dabei verdienen Bachelorabsolventen beim Berufseinstieg fast ebenso viel wie Diplomabsolventen – und Masterabsolventen verdienen zu Beginn sogar teilweise deutlich mehr. [...]

Heubisch räumte aber ein, dass es dennoch "Entwicklungspotenzial" gebe – etwa wenn es darum gehe, wie der Bachelor von den Studenten selbst gesehen werde. "Wir müssen die Wahrnehmung des Bachelor als ersten berufsqualifizierenden Abschluss weiter stärken und Vorurteilen entgegentreten", sagte er.

https://www.welt.de/regionales/muenchen ... anden.html

Bei den Geisteswissenschaften sei es schwieriger, aber das kam nicht erst mit den neuen Abschlüssen.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » Sa 15. Apr 2017, 16:43

Nochmal etwas zum Thema:

Liebling der Wirtschaft
Welche Chancen haben Bachelor-Absolventen auf dem Jobmarkt? Unternehmen und Wirtschaftsverbände loben den Abschluss, die Studierenden aber sind misstrauisch.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-04/b ... ettansicht
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon Kael » Do 20. Apr 2017, 10:48

Der einzige Grund warum ich mein Master Studium mache ist, weil ich das Wort Bachelor ekelhaft finde
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » Do 20. Apr 2017, 19:12

Kael hat geschrieben:(20 Apr 2017, 11:48)

Der einzige Grund warum ich mein Master Studium mache ist, weil ich das Wort Bachelor ekelhaft finde

Danke, den Grund kannte ich noch nicht und habe ihn in den Umfragen auch noch nie gelesen. Da nennen die Studenten normalerweise Gehaltsaussichten, Vertiefung des Faches, Erweiterung der Bildung (teils nicht-konsekutiv), Hochschulwechsel (inkl. Auslandserfahrung), Unsicherheit beim Berufseinstieg usw. als Grund. Wünsche Dir aber viel Erfolg.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon Merkel_Unser » Do 20. Apr 2017, 19:21

frems hat geschrieben:(20 Apr 2017, 20:12)

Danke, den Grund kannte ich noch nicht und habe ihn in den Umfragen auch noch nie gelesen. Da nennen die Studenten normalerweise Gehaltsaussichten, Vertiefung des Faches, Erweiterung der Bildung (teils nicht-konsekutiv), Hochschulwechsel (inkl. Auslandserfahrung), Unsicherheit beim Berufseinstieg usw. als Grund. Wünsche Dir aber viel Erfolg.


Sind m.M.n alles zweitrangige Gründe. Der Hauptgrund ist ganz einfach die Hoffnung, sich mit einem höheren Abschluss der Konkurrenz am Arbeitsmarkt zu entledigen. So kommt es nicht von ungefähr, dass in Biologie oder Physik sich viele schon zur Promovotion genötigt sehen, während man in Ingenieurstudiengängen oder in Informatik durchaus auch mit einem Bachelor als Abschluss zufrieden ist.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » Do 20. Apr 2017, 19:26

Merkel_Unser hat geschrieben:(20 Apr 2017, 20:21)

Sind m.M.n alles zweitrangige Gründe. Der Hauptgrund ist ganz einfach die Hoffnung, sich mit einem höheren Abschluss der Konkurrenz am Arbeitsmarkt zu entledigen. So kommt es nicht von ungefähr, dass in Biologie oder Physik sich viele schon zur Promovotion genötigt sehen, während man in Ingenieurstudiengängen oder in Informatik durchaus auch mit einem Bachelor als Abschluss zufrieden ist.

Na, die Gründe "Unsicherheit beim Berufseinstieg (mit Bachelor)" und Gehaltsaussichten sind doch unmittelbar mit der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verbunden. :?: Ein Problem, einen Job zu finden, scheinen die Bachelors ja laut Statistiken nicht zu haben. Frage ist natürlich, was für ein Job das ist. Will man in die Forschung, wird es auch als Ingenieur mit Bachelorabschluss etwas schwierig. Aber das Ziel hat ja nicht jeder.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon Merkel_Unser » Do 20. Apr 2017, 19:35

frems hat geschrieben:(20 Apr 2017, 20:26)

Na, die Gründe "Unsicherheit beim Berufseinstieg (mit Bachelor)" und Gehaltsaussichten sind doch unmittelbar mit der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verbunden. :?: Ein Problem, einen Job zu finden, scheinen die Bachelors ja laut Statistiken nicht zu haben. Frage ist natürlich, was für ein Job das ist. Will man in die Forschung, wird es auch als Ingenieur mit Bachelorabschluss etwas schwierig. Aber das Ziel hat ja nicht jeder.


Hab diese Statistik nicht gesehen, aber in manchen Fächern ist es definitiv schwer bis unmöglich einen Job als Bachelor zu bekommen, eben weil die Konkurrenz allesamt höhere Abschlüsse hat, natürlich um sich abzuheben. Dadurch entsteht ja auch der Praktika-, Auslandsjahr, und sonstige Lebenslauf-Optimierungswahn - zumindest in den genannten Bereichen.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon Kael » Do 20. Apr 2017, 22:45

An der FH bekommt man genug Praxis, da man auch mit Firmen direkt zusammen arbeitet. (zumindest da wo ich bin).
Bachelor ist das Ziel, Master ist 'nice to have' - Wenn ich nach dem Bachelor keinen guten Job habe, mach ich meinen Master - Auch um die Bezeichnung "Bachelor" loszuwerden.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » Fr 21. Apr 2017, 13:02

Merkel_Unser hat geschrieben:(20 Apr 2017, 20:35)

Hab diese Statistik nicht gesehen, aber in manchen Fächern ist es definitiv schwer bis unmöglich einen Job als Bachelor zu bekommen, eben weil die Konkurrenz allesamt höhere Abschlüsse hat, natürlich um sich abzuheben. Dadurch entsteht ja auch der Praktika-, Auslandsjahr, und sonstige Lebenslauf-Optimierungswahn - zumindest in den genannten Bereichen.

In welchen Fächern soll das denn sein? Ich kenn auch Naturwissenschaftler, die nur einen Bachelorabschluss machten, obwohl eine Mehrheit in ihrem Bereich sogar promoviert. In der Forschung ist niemand gelandet, aber das war auch nicht ihr Ziel. Jobs gefunden haben sie alle, auch wenn es bei einigen mal zwei, drei Monate gedauert hat.

Kael hat geschrieben:An der FH bekommt man genug Praxis, da man auch mit Firmen direkt zusammen arbeitet. (zumindest da wo ich bin).
Bachelor ist das Ziel, Master ist 'nice to have' - Wenn ich nach dem Bachelor keinen guten Job habe, mach ich meinen Master - Auch um die Bezeichnung "Bachelor" loszuwerden.

Also geht's doch vor allem um die berufliche Karriere. Macht's da denn so einen großen Unterschied? Immerhin belassen es an FH deutlich mehr Absolventen beim Bachelor als an Universitäten.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon Kael » Fr 21. Apr 2017, 13:46

Ja, weil die Uni im normalfall nicht 'Praxisnah' unterrichtet.
Da wo ich studiere haben wir 2 Unis. Einmal die FH und einmal eine TH.
Die Uniabsolventen haben viiiiel mehr Theorie als wir und in einem direkten Vergleich, bei Praxisnähe, schnitt unsere FH besser ab. Allerdings bei wissenschaftlicher theoretischer Arbeit hat uns die Uni abgehängt.
Es kommt eben ganz drauf an.
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Re: Politik-Ziel "Bachelor als Regelabschluss" komplett verfehlt

Beitragvon frems » Fr 21. Apr 2017, 17:08

Kael hat geschrieben:(21 Apr 2017, 14:46)

Ja, weil die Uni im normalfall nicht 'Praxisnah' unterrichtet.
Da wo ich studiere haben wir 2 Unis. Einmal die FH und einmal eine TH.
Die Uniabsolventen haben viiiiel mehr Theorie als wir und in einem direkten Vergleich, bei Praxisnähe, schnitt unsere FH besser ab. Allerdings bei wissenschaftlicher theoretischer Arbeit hat uns die Uni abgehängt.
Es kommt eben ganz drauf an.

Aachen? Ist zumindest die einzige mir bekannte Uni, die sich noch TH nennt. Alle anderen "TH", die in den letzten Jahren aufgeploppt sind, sind umbenannte FH. Deren Absolventen kommen in der Wirtschaft eigentlich ganz gut unter und steht auch international in Rankings ganz gut: https://i.imgur.com/hVU47eq.png

Hab nur leider nicht gefunden, wie viele Absolventen dort einen M.Sc. dranhängen. Wäre aber mal interessant. Weißt Du da was?
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