Mobile Datenschleuder ?

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immernoch_ratlos
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Mobile Datenschleuder ?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 12. Nov 2018, 13:45

Zuhause, mit einigem Sachverstand und fremder Hilfe müssen nicht mehr Daten "das Haus verlassen", als ich erlauben möchte. So jedenfalls erhofft sich das jeder, der eben nicht glaubt sein Innerstes nach außen kehren wäre ein Beweis für den guten und grundehrlichen Bürger. Von Exhibitionisten einmal abgesehen (Menschen die eine sexuelle Präferenz haben sich permanent "der Welt" in jedem Aspekt zu präsentieren), ganz normale Menschen haben nicht das Bedürfnis anderen "frei Haus" ihre geheimsten Wünsche und all die kleinen Dummheiten zu liefern, so dass andere davon nach Belieben Gebrauch machen können.

Inwieweit der Staat (heute noch Demokratie, morgen aber was :?: ) mehr als das wissen soll, was eine ganz normale Verwaltung in einem Rechtsstaat einfach wissen muss, da gibt es durchaus unterschiedliche Vorstellungen. Solange jeder das entlang seiner Vorstellungen selbst entscheiden kann ist alles in Ordnung.

Doch seit Daten wertvoll wie Gold sind, eine beliebig ausbeutbare "Ressource" geworden sind, fremde Firmen und Organisationen sich anmaßen, darüber nach Gutdünken zu verfügen - nicht selten zum direkten bzw. indirekten Nachteil derer - die zwischen "freiwillig - fahrlässig - erzwungen" diese Daten liefern.

Aus älteren Themen, wo dieser Sachverhalt bereits heftig und polemisch geführt wurde, ist mir klar, nicht jeder wird das neue Thema als wichtig ansehen. Dennoch, weil es im Prinzip über 50 Millionen Menschen - alle die ein KFZ steuern - schritt für schritt - Modellwechsel um Modellwechsel - sehr wohl betrifft, Stelle ich mit den folgenden Artikeln erneut zur Debatte.

Der Artikel in der FAZ "Was weiß mein Auto von mir" von Heute (12.11.2018) ist zahlungspflichtig und bietet mit dem Teaser leider nur einen Ausschnitt auf das was durch all die technischen Veränderungen der letzten Jahren im Bereich der "verfügbaren Daten" hinzugekommen ist. Sehr verräterische Spuren sind da "verfügbar" - im Prinzip ist damit eine vollständige Überwachung - ein Profil - möglich, welches nicht nur das Fahren selbst betrifft.

Versicherungen, dürften "ganz wild" auf diese Betriebsdaten sein, ließe sich doch so ein schönes Raster für "Risiken" die eine Zwangsversicherter nun einmal darstellt, bilden und sie Pflichtbeiträge sehr viel genauer an das jeweilige Fahrverhalten anpassen. Doch auch Behörden dürften ein sehr großes Interesse daran haben. Das leidige Thema - darf ich mit meinem Fahrzeug die Zone "X" befahren - wenn nein, würde ein dafür "geeignetes System" jeden entdecken der hier ein Gesetz - eine Verordnung übertreten hat. So ließe sich vorsätzliches Handeln an Hand der Datenlage problemlos nachweisen und, und, und...

Hier etwas "Material" was andere dazu schreiben :

Quelle : Chip (30.08.2018) "Datenkrake Auto : Was weiß mein Auto über mich? Diese Daten speichert Ihr KFZ über Sie"

Quelle : Stern (05.08.2016) "Was Fahrzeuge über Fahrer wissen : Das Auto, die Datenkrake"

Quelle : FOCUS (31.05.2016) "Datenhungrige Autos - ADAC deckt auf: Diese Daten senden moderne Autos ständig an den Hersteller" Da erfährt man erstaunliches (jedenfalls für mich erstaunlich, immerhin ist der Artikel über zwei Jahre alt) :
FOCUS hat geschrieben:Dabei kam heraus, dass etwa das Elektroauto Renault Zoe alle 30 Minuten ein Datenpaket an den Hersteller schickt. Es enthält unter anderem die Fahrgestellnummer, mit der sich Auto eindeutig identifizieren lässt, das aktuelle Datum, die Uhrzeit, der Ladezustand der Batterien und den Aufenthaltsort laut GPS.

Mercedes B-Klasse sendet alle zwei Minuten
Auch die Mercedes B-Klasse sendet pflichtschuldig die GPS Position, den Kilometer-Stand, den Sprit-Verbrauch und den Reifendruck – und das sogar alle zwei Minuten

Denkbar sei zum Beispiel, dass Autoversicherer sich für den Fahrstil ihrer Versicherten interessieren, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Erst einmal sammeln die Hersteller offenbar alle Informationen, die sie kriegen können. „Bei einem BMW 320 D haben wir herausgefunden, dass dieses Fahrzeug speichert, wie oft ich eine CD zum Hören von Musik einlege oder einen USB-Stick für MP3 Stücke einstecke“

Rate nicht bezahlt? Auto lädt nicht mehr
Renault hat sich sogar die Möglichkeit geschaffen, säumige Kunden seiner E-Autos zu maßregeln: Über das Mobilfunknetz kann der Hersteller das Aufladen des Elektroautos Zoe abschalten

Laut einer Studie des Automobil-Dachverbands FIA sammelt BMW von seinen Kunden in den Modellen 3er und i3 einen wahren Daten-Wust. Das berichtet die Zeitschrift "Auto Motor & Sport". "Große Teile des Fahrverhaltens werden vom Fahrzeug gespeichert. Dazu gehören Angaben wie die Maximaldrehzahl des Motors in Verbindung mit dem Kilometerstand, die Zahl der elektronischen Gurtstraffungen, die durch scharfe Bremsmanöver ausgelöst werden, und die Wahl von Fahrmodi wie 'Sport' und 'Comfort'. Damit kann BMW sehr genau den Fahrstil eines Autobesitzers analysieren"

Gespeichert würden zudem "die Länge gefahrener Strecken, die letzten Ziele des Navigationsgerätes sowie sämtliche Daten, die ein per Bluetooth gekoppeltes Handy hinterlässt. Dazu gehören Namen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und sogar Bilder der im Handy gespeicherten Kontakte", so die "Auto Motor & Sport". Die FIA geht davon aus, dass derartige Daten-Sammlungen nicht nur bei BMW, sondern auch bei anderen Herstellern üblich sind, und will weitere Untersuchungen durchführen.
Wer hofft, das passiert bei mir nicht, ich bin überhaupt mit nix verbunden :
FOCUS hat geschrieben:Daten fließen übrigens nicht nur bei den sogenannten "Connected Cars" ab. Auch bei älteren Autos, die nicht ständig mit dem Internet verbunden sind, werden viele Daten gespeichert und später abgezapft, wenn der Wagen in der Werkstatt zur Inspektion an den Computer angeschlossen wird.
Vom Datenschutz mal abgesehen - warum kann ich nicht selbst als Halter / Eigner / Fahrer eines beliebigen Gefährts, nicht selbst darüber bestimmen OB und wenn ja, WEM und WIE diese Daten weitergegeben und wer sie VERWENDEN DARF :?: Warum soll jemand einseitig an meiner Datensammlung verdienen dürfen :?: - Wieso komme ich als der "kausaler Erzeuger" solcher Daten eigentlich rechtlich nirgendwo vor :?:

Das einige der Daten für den Hersteller WERTVOLLE Entwicklungsdaten sind, deren Übergabe mit keinerlei Vorteile - allenfalls Nachteile bringt, sollte die Herausgabe ohne Consent schlich "Diebstahl" sein. Genau wie z.B. bei einer Überwachung, nicht benötigte Daten sofort wieder gelöscht werden, dürfte auch ein "Reparateur" die Daten nur ungespeichert und temporär (also nur für den Zeitraum notwendiger Tests etc.) verwenden.

Solche gesetzlichen Bestimmungen wird es niemals geben, es sei den alle - wenigstens eine Mehrheit - fordert das vom Gesetzgeber. Noch ist nicht jedes Fahrzeug "online" - noch können diese Rechte formuliert und eingefordert werden.

Hier noch weitere Infos : Quelle : heise (11.11.2018) "Folge des Digitalbooms: Elektronikteile sind knapp"
heise hat geschrieben:Beispiel Auto: Vom Bordcomputer über Motorsteuerung und Fahrerassistenzsysteme bis zu Komfortfunktionen wie der Sitzheizung sind eine Vielzahl elektronisch gesteuerter Schaltungen notwendig. "In aktuellen Audi-Modellen sind mittlerweile zum Teil mehr als 100 vernetzte Steuergeräte im Einsatz", heißt es bei der Ingolstädter VW-Tochter.

"Der Anteil von Halbleitern und passiven Bauelementen ist innerhalb der letzten Jahre ebenfalls stark angestiegen", sagte eine Sprecherin. "So sind in einem voll ausgestatteten Premiumauto bis zu 10.000 Halbleiter und ein Vielfaches davon an passiven Bauelementen – Kondensatoren, Widerstände und so weiter – verbaut."
Oder das hier :
Quelle : heise hat geschrieben:...in modernen Fahrzeugen verwöhnen heute gut 50 vernetzte Kleinstrechner die Insassen, und die Computerisierung schreitet munter weiter voran und will auch vor Lenkung und Bremse nicht haltmachen. Gewicht/Sprit sowie Geld in der Produktion sparen und mehr Sicherheit sind die Techniktreiber.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Mobile Datenschleuder ?

Beitragvon Kamikaze » Mo 12. Nov 2018, 14:56

immernoch_ratlos hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:45)
Das einige der Daten für den Hersteller WERTVOLLE Entwicklungsdaten sind, deren Übergabe mit keinerlei Vorteile - allenfalls Nachteile bringt, sollte die Herausgabe ohne Consent schlich "Diebstahl" sein. Genau wie z.B. bei einer Überwachung, nicht benötigte Daten sofort wieder gelöscht werden, dürfte auch ein "Reparateur" die Daten nur ungespeichert und temporär (also nur für den Zeitraum notwendiger Tests etc.) verwenden.


Das sehe ich ganz genau so.
Die Artikel sind in der Tat sehr erschreckend. Es war mir in keinster Weise klar, welche Datensammelwut die KFZ-Hersteller hier an den Tag legen. :eek:
Wer viel kluges sagt ist klug,
wer zuhört ist weise.

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