Jugend verliert Interesse am Auto

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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Mo 23. Apr 2018, 11:05

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 11:57)

Sie können polemisieren, aber nicht sachlich diskutieren.

Nennst Du so eine Glorifizierung etwa eine sachliche Diskussion? Es sind halt einfach nur leere Behauptungen, die sachlich auch nicht zu gebrauchen sind. Wer für seine Mobilität zahlreiche Alternativen hat, ist unabhängiger als jemand, der sich an eine einzelne kettet und darauf vertraut, dass sie immer verfügbar ist bzw. funktioniert, weil man ansonsten in Probleme gerät. Dass ein Führerschein noch sinnvoll sein kann, bestreitet ja niemand, da es oft in Berufen notwendig ist und der fehlende Besitz ja nicht bedeutet, dass hin und wieder ein Pkw nicht sinnvoll sein kann, sodass man sich eins für kurze Zeit besorgt. Selbstständigkeit kommt jedenfalls nicht, wenn man nicht mehr selbstständig schaut, wie man jeweils sinnvoll von A nach B kommt und ob man hierbei etwas transportieren muss. Denn erst kommt die Relation und dann das Verkehrsmittel -- außer man ist eben abhängig und alternativlos. Das hat dann oftmals damit zu tun, dass man sich aus Kostengründen einen billigen Wohnort aussuchte und dann feststellte, dass man hohe Mobilitätskosten hat. Die meisten Bürger sollten sowas aber im Vorfeld hinkriegen. Ist ja keine Raketenwissenschaft.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 23. Apr 2018, 11:24

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 11:42)

Das Auto ist kein Fetisch...

Das Smartphone auch nicht.

In einer mündigen Gesellschaft muss man sich möglichst unabhängig machen, wozu Auto und Wohneigentum gehören.

Es soll doch wohl jeder mündige Bürger selber entscheiden dürfen, was er zur Unabhängigkeit braucht und was nicht.

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 11:48)

Wohneigentum ist der entscheidende Schlüssel zu Unabhängigkeit, Wohlstand und Sicherheit im Alter.

Genau, besonders wenn dann die Rente nicht reicht, um die notwendigen Reparaturen zu bezahlen, weil die Hütte mittlerweile 40 oder mehr Jahre auf dem Buckel hat.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 23. Apr 2018, 11:30

frems hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:05)

Das hat dann oftmals damit zu tun, dass man sich aus Kostengründen einen billigen Wohnort aussuchte und dann feststellte, dass man hohe Mobilitätskosten hat.

Ich kenne dein Beispiel, das waren privilegierte Menschen mit einer Wahl, es gibt aber auch Menschen, die sich die Mieten in der Stadt und den Speckgürteln nicht mehr leisten können. Was sollen die denn machen? Ist es einer Krankenschwester oder einem Polizisten zu wünschen, jeden Tag noch zusätzlich zur Arbeit ein, zwei Stunden im ÖPNV zu verbringen, weil sie von weit außerhalb in die Stadt zur Arbeit müssen? Oder ist das - möglichst billige - Auto dann doch nur ein nützlicher Gebrauchsgegenstand und kein "Fetisch"?
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 11:31

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:01)

Dieser Drang nach Unfreiheit ist vermutlich der Grund, warum Menschen dort nach Autos streben...

Das "Streben nach Autos", möglichst auch nach sichtlich teuren Autos, ist, auch wenn das möglicherweise politisch etwas inkorrekt klingt, ein typisches Merkmal a) von Entwicklungsländern und vor allem b) von prekären sozialen Verhältnissen in Industrieländern. Oder um es ganz krass und inkorrekt zu sagen: Physikalische Mobilität ist zukünftig eigentlich mehr und mehr nur noch für Hilfsarbeiter nötig. Und das Auto als Statussymbol ist vor allem in Migrantenvierteln angesagt. Schau mal entsprechende Rap-Videos. Ein Informatiker braucht kein Auto. Er ist ohnehin und überall am Ort des Geschehens.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 11:43

Aber eigentlich gehts in diesem Thread weniger um Ansichten und mehr um Fakten. Es ist wirklich kein Problem, den Rückgang der Lust am Auto unter jungen Menschen statistisch und nüchtern nachzuweisen. Zum Beispiel (Stand 2015): Nur 20 Prozent der 18 jährigen hat mit Erreichen der Volljährigjkeit auch einen Führerschein. Noch zehn Jahre davor, also 1995 , hatten 90 Prozent eines Jahrgangs kurz vor der Volljährigkeit den Führerschein gemacht. (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/auto-verweigerer-keine-lust-auf-fuehrerschein-a-1040493.html) Dass dieser Rückgang so drastisch ist, hätte ich selbst gar nicht mal gedacht. Will sich wirklich jemand hinstellen, und mir erklären, dieser Rückgang sei nicht - wie's eigentlich ausschaut - eine Folge gewachsener Lebensansprüche sondern - umgekehrt - ein Ausdruck von "Überbescheidenheit" ? ;)

Besitz jeder Art ist immer mit Unfreiheit verbunden. Eine ganz einfache Wahrheit. Es geht auch nicht wirklich die Lust am Auto zurück sondern eher die Lust an den klassischen Besitzformen von Autos.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mo 23. Apr 2018, 11:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Senexx » Mo 23. Apr 2018, 11:45

Ein Nerd, der sein Leben am Monitor verbringt, braucht tatsächlich kein Auto.

Autobesitz (nach Umfang, Gesamtbudget) ist immer noch positiv korreliert mit Einkommen und Besitz.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 11:46

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:45)

Ein Nerd, der sein Leben am Monitor verbringt, braucht tatsächlich kein Auto.


Einen "Monitor", wenn Du einen solchen noch hast, kannst Du glaub' ich inzwischen ziemlich teuer als Nostalgieobjekt verkaufen ...
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 23. Apr 2018, 11:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:46)

Einen "Monitor", wenn Du einen solchen noch hast, kannst Du glaub' ich inzwischen ziemlich teuer als Nostalgieobjekt verkaufen ...

Was denn sonst? Auch ein TN-, VA- oder IPS-Display ist in einem Monitor verbaut.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 12:14

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:50)

Was denn sonst? Auch ein TN-, VA- oder IPS-Display ist in einem Monitor verbaut.

Naja, o.k.. Jedes elektronische Anzeigegerät ist ein "Monitor" (="Überwacher") .... Dem Sinn nach müsste aber klar sein, dass all die klassischen Einsatzfelder und vor allem auch Gebrauchs- und Besitzformate von technologischen Produkten - ob nun Monitor oder Auto - nicht für alle Zeit fixiert sind und einem ständigen Wandel unterzogen sind. Wie auch anders? Die Unfreiheit eines klassischen Autobesitzes besteht u.a. in dieser Vergangenheits-Verhaftung. Die Bundesrepublik der 60er-80er Jahre mitsamt ihrer Autofixiertheit in den klassischen soziologischen Millieus ist Vergangenheit. Ich würde darüber aber eher nicht Jammern.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Senexx » Mo 23. Apr 2018, 12:27

Wir haben letztes Jahr einen neuen Rekord betreffend der Zahl der PKWs aufgestellt.

Punkt.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Mo 23. Apr 2018, 12:47

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:30)
Ich kenne dein Beispiel, das waren privilegierte Menschen mit einer Wahl, es gibt aber auch Menschen, die sich die Mieten in der Stadt und den Speckgürteln nicht mehr leisten können. Was sollen die denn machen? Ist es einer Krankenschwester oder einem Polizisten zu wünschen, jeden Tag noch zusätzlich zur Arbeit ein, zwei Stunden im ÖPNV zu verbringen, weil sie von weit außerhalb in die Stadt zur Arbeit müssen? Oder ist das - möglichst billige - Auto dann doch nur ein nützlicher Gebrauchsgegenstand und kein "Fetisch"?

Nein. Wer eine miserable Verkehrsanbindung hat, dem ist ja nicht vorzuwerfen, wenn er mit einem Pkw täglich fährt und sich entsprechend ein Auto für den Eigenbedarf gekauft hat. Aber es gibt ja Gründe, warum man so ab vom Schuss lebt bzw. leben will. Ist ja auch okay, wenn jemand Dorfidylle wünscht und eh nicht oft das Haus verlässt.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 12:57

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:27)

Wir haben letztes Jahr einen neuen Rekord betreffend der Zahl der PKWs aufgestellt.


Richtig. Und nicht nur die absolute Zahl der PKWs sondern auch die relative PKW-Dichte hat in den letzten Jahren zugenommen. Das ist aber hier auch nicht die Frage. In dieser sehr seriösen und ausführlichen Untersuchung anhand des Beispiels Stuttgart wird erläutert, was die Statistiken über den Zusammanhang von Altersstruktur und PKW-Präferenz aussagen. https://www.zukunft-mobilitaet.net/11251/analyse/studie-jugendliche-pkw-besitz-wandel/. Insbesondere diese (https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2012/10/veraenderung-zulassungen-stuttgart-jugendliche.jpg Grafik zeigt, dass der PKW-Besitz bei den unter 30-jährigen stark und bei den unter 40jährigen immer noch mäßig abnimmt. Während er zwischen 40 und 50 konstant ist, bei über 50 mäßig und bei über 60 stark zunimmt.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 13:02

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:30)

Ich kenne dein Beispiel, das waren privilegierte Menschen mit einer Wahl, es gibt aber auch Menschen, die sich die Mieten in der Stadt und den Speckgürteln nicht mehr leisten können. Was sollen die denn machen? Ist es einer Krankenschwester oder einem Polizisten zu wünschen, jeden Tag noch zusätzlich zur Arbeit ein, zwei Stunden im ÖPNV zu verbringen, weil sie von weit außerhalb in die Stadt zur Arbeit müssen? Oder ist das - möglichst billige - Auto dann doch nur ein nützlicher Gebrauchsgegenstand und kein "Fetisch"?

Ich kenne wirklich niemanden, der außerhalb des Berliner Speckgürtels wohnt und sich die komplette Fahrt mit dem PKW in die Stadt zumutet. Spätestens mit Erreichen des S-Bahn-Rings steigt man vom Auto in den ÖPNV. Aber gut. Kann auch daran liegen, dass die soziologischen Millieus immer stärker getrennt sind und ich einfach mit niemandem aus dieser PKW-Klientel mehr zusammenkomme.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Mo 23. Apr 2018, 13:03

Senexx hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:27)

Wir haben letztes Jahr einen neuen Rekord betreffend der Zahl der PKWs aufgestellt.

Punkt.

Hat auch niemand bestritten. Sagt bloß zu dieser Fragestellung nicht viel aus. Statistik und so. Mag nicht jeder.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 23. Apr 2018, 15:08

frems hat geschrieben:(22 Apr 2018, 13:04)

Hoffentlich sind es die Alten auch noch manchmal. Bei uns in der Stadt nahm die Zahl auch zu. Die Zahl der gefahrenen Kilometer und die Anzahl der Verkehrswege pro Personen mit Pkw nahmen aber ab. Gleichzeitig stieg Rad und ÖPNV schneller als die Bevölkerung. Das hältst du vermutlich für widersprüchlich. Ist es aber nicht, wenn man sich mal anschaut, wie viele dieser Fahrzeuge Zweit- und Dritt- sowie Dienstwagen (inkl Transporter, Carsharing, Mietwagen etc pp) sind. Wenn Rentner mit zu viel Geld drei Dreckschleudern in ihrer Garage haben, sagt das eben nichts darüber aus, ob die Enkel in der fernen Großstadt auch noch diesen Lebenstraum haben.

Die Autobahnen im Ruhrgebiet beweisen mir jeden Tag dass die Autos auch benutzt werden. Tatsächlich nimmt der PKW-Verkehr stetig zu und die Karren werden immer dicker. Im Gleichklang mit den Fahrern sozusagen. Wer pendeln muß kommt am Auto kaum vorbei wenn er nicht die 3fache Fahrtzeit im ÖPNV vertrödeln will. Und die meisten Leute sind auch zu faul fürs Fahrrad. Auch junge Leute fahren mit dem SUV zum Netto um die Ecke.

Ich habe auch festgestellt daß viele zwar gegen das Auto sind und umweltbewußt auftreten aber nur wenn man wieder mal über den Stau stöhnt. Das eigene Verhalten wird nicht geändert.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 23. Apr 2018, 15:15

frems hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:47)

Nein. Wer eine miserable Verkehrsanbindung hat, dem ist ja nicht vorzuwerfen, wenn er mit einem Pkw täglich fährt und sich entsprechend ein Auto für den Eigenbedarf gekauft hat. Aber es gibt ja Gründe, warum man so ab vom Schuss lebt bzw. leben will. Ist ja auch okay, wenn jemand Dorfidylle wünscht und eh nicht oft das Haus verlässt.

Klar. [Moderation] lebt im Zentrum und kann die Mieten da aus seiner Portokasse bezahlen. Und wenn man überall nah dabei wohnt kommt man auch mit dem Rad oder ÖPNV schnell zum Ziel. In den Zentren fährt die S-Bahn ja im 5 Minutentakt. Viele Normalverdiener sind aber froh etwas außerhalb noch bezahlbaren Wohnraum zu finden und pendeln dann mit dem Auto. Das sind nicht alles Landeier.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Brainiac » Mo 23. Apr 2018, 15:37

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:57)
Insbesondere diese (https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2012/10/veraenderung-zulassungen-stuttgart-jugendliche.jpg Grafik zeigt, dass der PKW-Besitz bei den unter 30-jährigen stark und bei den unter 40jährigen immer noch mäßig abnimmt.

Das endet 2011 und gibt die Situation in einer Großstadt wieder. Ich hatte weiter oben schon darauf hingewiesen, dass der PKW-Bestand 2017 vs. 2010 insgesamt laut den Daten des Kraftfahr-Bundesamtes bei den bis-24-jährigen eben nicht abgenommen hat. Vielleicht gab es aus irgendwelchen Gründen eine Trendumkehr, oder die Zulassungen (deine Statistik) korrellieren nicht ausreichend mit dem Bestand, oder Stuttgart (und wahrscheinlich auch Großstädte insgesamt) ist zu wenig repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Die eingangs referenzierte Studie, die auch mit 2010 vergleicht, postuliert, dass die "Bedeutung" des PKW-Besitzes für "die junge Generation" abgenommen hätte. Hier die Pressemitteilung: http://auto-institut.de/index_htm_files/Pressemitteilung_Mobilitaet_Junge%20Generation.pdf

Da somit diese Umfrage als repräsentativ angenommen wird, muss sich die Aussage auch an quantitativen Daten messen lassen. Da würde man zumindest erwarten, dass etwas, was weniger wichtig geworden ist, statistisch gesehen auch weniger besessen wird, dem ist aber zumindest vs. 2010 nicht so. Das Automobil ist also anscheinend subjektiv weniger wichtig, aber grundsätzlich benötigt wird es trotzdem nicht weniger, vielleicht einfach nur weniger intensiv genutzt.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Mo 23. Apr 2018, 15:52

Alter Stubentiger hat geschrieben:(23 Apr 2018, 16:15)

Klar. [Moderation] lebt im Zentrum und kann die Mieten da aus seiner Portokasse bezahlen. Und wenn man überall nah dabei wohnt kommt man auch mit dem Rad oder ÖPNV schnell zum Ziel. In den Zentren fährt die S-Bahn ja im 5 Minutentakt. Viele Normalverdiener sind aber froh etwas außerhalb noch bezahlbaren Wohnraum zu finden und pendeln dann mit dem Auto. Das sind nicht alles Landeier.

Ich wohne nicht in der Innenstadt. [Moderation] Man kann aber auch citynah wohnen, wenn man nur ein einfaches Einkommen von evtl 2500-3000 Euro netto (bzw. als Paar mit größerer Wohnung das Doppelte) hat. Und ich hab doch gar kein Problem damit, wenn die Leute etwas Miete sparen wollen und das eingesparte Geld dann in ihre Karre stecken. Ist natürlich schade, wenn sie dann an einem langweiligen Ort sind, wo sie nicht leben wollen, während Familie, Freunde und Arbeit alle in einem anderen Ort sind. Aber wir reden ja gar nicht davon, wer sich was leisten kann oder wer was besitzt. Man kann auch ein Auto haben und lieber autofrei leben wollen (wie die Geringverdiener, die ins Umland ziehen, wo die Anbindung so schlecht ist wie das kulturelle Angebot und Leben), aber es eben de facto haben müssen. Genau so kann sich jemand ein Auto sehnlichst wünschen, aber die finanziellen Mittel nicht haben. [Moderation]
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Excellero » Mo 23. Apr 2018, 15:57

Ich glaube das "angeben" mit einem Auto ist vor allem ein Ding des Proletariates... :D Oder von "Neureichen"...
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 23. Apr 2018, 16:31

frems hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:47)

Aber es gibt ja Gründe, warum man so ab vom Schuss lebt bzw. leben will.

Eben. Bei dir klingt das nur sehr oft so, als wären das die absolut letzten Vollidioten, die auf dem Land leben (müssen). Ich verstehe auch nicht, warum diese Diskussion ums Auto so verbissen und verbiestert geführt wird, D ist doch ein freies Land, da soll doch jeder nach seiner Facon glücklich werden dürfen.
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