Jugend verliert Interesse am Auto

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frems
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Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Fr 20. Apr 2018, 13:02

Im Vergleich zu 2010 ist der Wunsch nach einem Kfz stark gesunken. Ebenso die Bereitschaft, für einen Pkw auf andere Dinge zu verzichten. Dies betrifft vor allem junge Talente, die scharenweise in die deutschen Großstädte ziehen. Quelle: http://www.zeit.de/mobilitaet/2018-04/a ... and-studie

Findet Ihr diesen Trend verwunderlich und habt es in Eurem Umfeld auch festgestellt? Und glaubt Ihr, dass es so weitergehen wird, eher stagniert oder gar eine Renaissance des einstigen Statussymbols eintreten wird?
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Orbiter1
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Orbiter1 » Fr 20. Apr 2018, 13:11

Ja, würde ich für die Stadt bestätigen. Das Interesse an einem eigenen PKW ist bei meinem Sohn und seinem Bekanntenkreis nur sehr schwach ausgeprägt. Die nutzen den ÖPNV, einen der Carsharing-Anbieter oder gemeinsam ein Taxi. Kann mir aktuell nicht vorstellen dass sich das wieder ändert. Im Gegenteil, sobald es Robotertaxis gibt wird das Interesse am eigenen Auto noch stärker zurückgehen. Mein Sohn und deren Bekanntenkreis können auch die PKW`s kaum unterscheiden. Die sehen noch das ist ein Audi, BMW oder VW und die können noch die Bauart unterscheiden, Kombi, SUV, Limousine, Coupe, aber das war es dann schon. Ob da ein Fahrzeug ein 3er- oder 5er-BMW und das aktuelle oder ein älteres Modell ist wissen die nicht.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Polibu » Fr 20. Apr 2018, 13:35

Meine Tochter weiss in der 9. Klasse schon welches Auto sie einmal fahren möchte. Wenn ich ihr was von Carsharing oder ÖPNV erzählen würde, die würde sich kaputt lachen. Diese Einstellung hat sie wohl von mir. :) . Also ob ich meine Unabhängigkeit gegen so einen Unsinn eintauschen würde. :D
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Fr 20. Apr 2018, 13:53

Polibu hat geschrieben:(20 Apr 2018, 14:35)

Meine Tochter weiss in der 9. Klasse schon welches Auto sie einmal fahren möchte. Wenn ich ihr was von Carsharing oder ÖPNV erzählen würde, die würde sich kaputt lachen. Diese Einstellung hat sie wohl von mir. :) . Also ob ich meine Unabhängigkeit gegen so einen Unsinn eintauschen würde. :D

Muss sie in der Peripherie aufwachsen, wo man faktisch vom Pkw abhängig ist? Bei der Dorfjugend ist es ja noch wichtig, irgendwann mit dem Golf auf dem McDonald's-Parkplatz zu stehen und den neuen Subwoofer zu präsentieren, gerne mit Techno. Unschön sind dann die vielen Kreuze an den Landstraßen.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Troh.Klaus » Fr 20. Apr 2018, 13:56

Dass junge Menschen, die in der (Groß-) Stadt wohnen, nicht soviel Wert auf ein eigenes Auto legen, scheint mir eher schon ein alter Hut zu sein. Als ich 1978 nach München gezogen bin, hatte ich auch vier Jahre kein eigenes Auto. War nicht nötig. Als ich danach in die hessische Provinz gezogen bin, war das Auto ein Muss!
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Polibu » Fr 20. Apr 2018, 14:03

frems hat geschrieben:(20 Apr 2018, 14:53)

Muss sie in der Peripherie aufwachsen, wo man faktisch vom Pkw abhängig ist? Bei der Dorfjugend ist es ja noch wichtig, irgendwann mit dem Golf auf dem McDonald's-Parkplatz zu stehen und den neuen Subwoofer zu präsentieren, gerne mit Techno. Unschön sind dann die vielen Kreuze an den Landstraßen.


Wir wohnen in einer Mittelstadt mit einer guten Anbindung an die nahe gelegenen Städte. Theoretisch bräuchte sie fürs Studium kein Auto.

Aber man kann hier bei uns noch sehr gut Auto fahren ohne irgendwo im Stau zu stehen. Und deshalb machen wir es auch. :)
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » Fr 20. Apr 2018, 14:13

Polibu hat geschrieben:(20 Apr 2018, 15:03)

Wir wohnen in einer Mittelstadt mit einer guten Anbindung an die nahe gelegenen Städte. Theoretisch bräuchte sie fürs Studium kein Auto.

Aber man kann hier bei uns noch sehr gut Auto fahren ohne irgendwo im Stau zu stehen. Und deshalb machen wir es auch. :)

Naja, theoretisch braucht auch ein Bauer kein Auto, wenn zwei Busse am Tag fahren. Fährt man aber 60 Minuten statt 10, kann man es niemandem verdenken, wenn er mit dem Auto fährt, von dem er dann abhängig und somit unfrei ist. Das Problem hat die Jugend in der Großstadt glücklicherweise nicht. Als ich in der Pampa des mittleren Westens lebte, konnte ich es auch kaum erwarten endlich 16 zu werden. Und 9. Klasse würde ich nicht als Studium bezeichnen, aber das ist off-topic
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon jack000 » Fr 20. Apr 2018, 17:26

frems hat geschrieben:(20 Apr 2018, 14:02)

Im Vergleich zu 2010 ist der Wunsch nach einem Kfz stark gesunken. Ebenso die Bereitschaft, für einen Pkw auf andere Dinge zu verzichten. Dies betrifft vor allem junge Talente, die scharenweise in die deutschen Großstädte ziehen. Quelle: http://www.zeit.de/mobilitaet/2018-04/a ... and-studie

Findet Ihr diesen Trend verwunderlich und habt es in Eurem Umfeld auch festgestellt? Und glaubt Ihr, dass es so weitergehen wird, eher stagniert oder gar eine Renaissance des einstigen Statussymbols eintreten wird?

Das habe ich schon vor über 20 Jahren festgestellt. Denn die Generation meiner Schwester (5 Jahre älter als ich) hatte mit 18 Jahren Führerschein und Auto. Bei meinem Freundeskreis war ich der einzige, der am 18. Geburtstag sowohl Führerschein als auch Auto hatte (Und 1 Tag nach meinem 18. Geburtstag habe ich mir ein Autoradio für 900 DM gekauft, was mehr war als ich im Monat als Azubi verdiente). Führerscheine wurden allerdings schon gemacht aber erst so nach und nach folgten Autos (Ein Freund von mir war über 30 als überhaupt den Führerschein gemacht hat und da war er der älteste in der Fahrschule).

Insgesamt sehe ich das heutzutage so, dass wenn man in einem Ballungsraum lebt in dem der ÖPNV gut ausgebaut ist, der Verzicht auf ein eigenen PKW sehr hoch ist (Auch wenn Führerscheine gemacht werden). Wichtiger sind Reisen und Smartphones (Die es früher ja nicht gab, aber für die heutzutage hohe Summen ausgegeben werden => Ohne PKW kann man leben, ohne Smartphone aber nicht).
Sobald aber höhere Einkommen erziehlt werden wird ein PKW wichtiger an dem auch höhere Ansprüche gestellt werden (=Wenn schon Auto, dann richtig und Kredite für Autos sind inzwischen üblich geworden).
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Positiv Denkender » Fr 20. Apr 2018, 21:50

Troh.Klaus hat geschrieben:(20 Apr 2018, 14:56)

Dass junge Menschen, die in der (Groß-) Stadt wohnen, nicht soviel Wert auf ein eigenes Auto legen, scheint mir eher schon ein alter Hut zu sein. Als ich 1978 nach München gezogen bin, hatte ich auch vier Jahre kein eigenes Auto. War nicht nötig. Als ich danach in die hessische Provinz gezogen bin, war das Auto ein Muss!

Die Fahrschulen klagen über zu wenig Personal um die Nachfrage für Führerscheinbewerber befriedigen zu können .
Sicher ist der Führerschein mit 17 und begleitendes fahren eingeführt worden weil Junge Menschen kein Auto mehr fahren .
Die Frage ist nicht ob sie Wert drauf legen sondern ob es für sie z.ZT . bezahlbar ist . Wer Car Sharing nutzt belastet
Verkehr und Umwelt nicht weniger als jemand der ein eigenes Auto nutzt . Im Gegenteil durch Car Sharing nimmt der Verkehr
zu .Das gilt für den ruhenden wie für den fließenden Verkehr .
Übrigens ich lebe set Jahrzehnten ohne Smartphone bestens. Ohne Auto müsste ich zu oft Flugzeug oder Bahn nutzen würde auf Dauer sehr teuer und umständlich weil die wenigsten Zielorte einen Flugplatz oder Bahnanschluss haben .
Ohne Smartphone kannst du nicht leben ?viele Millionen Menschen schon .Übrigens wer sich ein Auto leisten kann wird sicher auch noch
Geld für ein smartphone überhaben.
Zuletzt geändert von Positiv Denkender am Fr 20. Apr 2018, 21:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Polibu » Fr 20. Apr 2018, 21:52

Sehe ich auch so. In der Regel geht es bei der Frage "Nicht Auto oder doch Auto?" ums Geld.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » So 22. Apr 2018, 10:19

Polibu hat geschrieben:(20 Apr 2018, 22:52)

Sehe ich auch so. In der Regel geht es bei der Frage "Nicht Auto oder doch Auto?" ums Geld.

In der Frage eben nicht. Es geht nicht um Besitz, sondern Wunsch und Verzicht. Vor 50 Jahren war das noch für den Status und als Zeichen des sozialen Aufstiegs wichtig. Aber das ist ja lange vorbei. Heute prahlen die Leute lieber mit einer feinen Wohnadresse, Elektrozeug oder teuren Reisen. Mit einer Blechkarre für ein paar Tausender haut man niemanden vom Hocker, sofern es nicht ein brandneuer Porsche oder Tesla ist.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Polibu » So 22. Apr 2018, 10:45

frems hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:19)

In der Frage eben nicht. Es geht nicht um Besitz, sondern Wunsch und Verzicht. Vor 50 Jahren war das noch für den Status und als Zeichen des sozialen Aufstiegs wichtig. Aber das ist ja lange vorbei. Heute prahlen die Leute lieber mit einer feinen Wohnadresse, Elektrozeug oder teuren Reisen. Mit einer Blechkarre für ein paar Tausender haut man niemanden vom Hocker, sofern es nicht ein brandneuer Porsche oder Tesla ist.


Wer sein Leben darauf ausrichtet andere vom Hocker zu hauen, der hat ganz andere Probleme.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » So 22. Apr 2018, 10:52

Polibu hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:45)

Wer sein Leben darauf ausrichtet andere vom Hocker zu hauen, der hat ganz andere Probleme.

Sicherlich. Lebensqualität definiert jeder nach eigenen Prioritäten. Und da nimmt das Auto seit Jahrzehnten ab, wie alle Untersuchungen in der Mobilitätsforschung zeigen. Ich sehe es auch in meinem Umfeld. Da hat nur einer einen Pkw, weil er als Geselle bei der Bahn oft Nachtschichten hat und alle Alternativen eine deutlich längere Fahrzeit bedeuten. Alle anderen halten den Kauf eines Pkw für bescheuert, weil es Zeit frisst. Ist natürlich eine Standortfrage. Weit im Umland ist man ohne Fahrzeug meistens aufgeschmissen. Aber dort zieht es die Jugend nicht hin, sondern davon weg.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Tom Bombadil » So 22. Apr 2018, 11:47

Der vermehrte Zuzug in die Städte wird auch wieder für mehr Auszug aus den Städten sorgen, nämlich von denen, die sich die hohen Mieten nicht mehr leisten können und die dann auf ein billiges Auto angewiesen sind.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon jorikke » So 22. Apr 2018, 11:59

frems hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:52)

Sicherlich. Lebensqualität definiert jeder nach eigenen Prioritäten. Und da nimmt das Auto seit Jahrzehnten ab, wie alle Untersuchungen in der Mobilitätsforschung zeigen. Ich sehe es auch in meinem Umfeld. Da hat nur einer einen Pkw, weil er als Geselle bei der Bahn oft Nachtschichten hat und alle Alternativen eine deutlich längere Fahrzeit bedeuten. Alle anderen halten den Kauf eines Pkw für bescheuert, weil es Zeit frisst. Ist natürlich eine Standortfrage. Weit im Umland ist man ohne Fahrzeug meistens aufgeschmissen. Aber dort zieht es die Jugend nicht hin, sondern davon weg.


Seit Jahrzehnten nimmt das Interesse am Auto ab. Sagt Frems. Gleichzeitig steigt der PKW Bestand in Deutschland kontinuierlich an.
Jedes Jahr im Schnitt von 2010 bis 2018 um 590 Tsd. Stück. (Stichtag jeweils 01.01.)
2010 waren 41,47 Millionen PKW zugelassen. 2018 46,47 Millionen. Allein in der Zeitspanne ein Mehrbestand von 4,73 Millionen.
...und das bei nachlassendem Interesse am PKW.
Erklär mal.
Übrigens, die niedrigste Zunahme war 2013 auf 2014 mit 420.000 Stück, die höchste 2017 auf 2018 mit 670.000 Stück.
Die Jugend ist lernfähig.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon frems » So 22. Apr 2018, 12:04

jorikke hat geschrieben:(22 Apr 2018, 12:59)

Seit Jahrzehnten nimmt das Interesse am Auto ab. Sagt Frems. Gleichzeitig steigt der PKW Bestand in Deutschland kontinuierlich an.
Jedes Jahr im Schnitt von 2010 bis 2018 um 590 Tsd. Stück. (Stichtag jeweils 01.01.)
2010 waren 41,47 Millionen PKW zugelassen. 2018 46,47 Millionen. Allein in der Zeitspanne ein Mehrbestand von 4,73 Millionen.
...und das bei nachlassendem Interesse am PKW.
Erklär mal.
Übrigens, die niedrigste Zunahme war 2013 auf 2014 mit 420.000 Stück, die höchste 2017 auf 2018 mit 670.000 Stück.
Die Jugend ist lernfähig.

Hoffentlich sind es die Alten auch noch manchmal. Bei uns in der Stadt nahm die Zahl auch zu. Die Zahl der gefahrenen Kilometer und die Anzahl der Verkehrswege pro Personen mit Pkw nahmen aber ab. Gleichzeitig stieg Rad und ÖPNV schneller als die Bevölkerung. Das hältst du vermutlich für widersprüchlich. Ist es aber nicht, wenn man sich mal anschaut, wie viele dieser Fahrzeuge Zweit- und Dritt- sowie Dienstwagen (inkl Transporter, Carsharing, Mietwagen etc pp) sind. Wenn Rentner mit zu viel Geld drei Dreckschleudern in ihrer Garage haben, sagt das eben nichts darüber aus, ob die Enkel in der fernen Großstadt auch noch diesen Lebenstraum haben.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon jorikke » So 22. Apr 2018, 14:02

frems hat geschrieben:(22 Apr 2018, 13:04)

Hoffentlich sind es die Alten auch noch manchmal. Bei uns in der Stadt nahm die Zahl auch zu. Die Zahl der gefahrenen Kilometer und die Anzahl der Verkehrswege pro Personen mit Pkw nahmen aber ab. Gleichzeitig stieg Rad und ÖPNV schneller als die Bevölkerung. Das hältst du vermutlich für widersprüchlich. Ist es aber nicht, wenn man sich mal anschaut, wie viele dieser Fahrzeuge Zweit- und Dritt- sowie Dienstwagen (inkl Transporter, Carsharing, Mietwagen etc pp) sind. Wenn Rentner mit zu viel Geld drei Dreckschleudern in ihrer Garage haben, sagt das eben nichts darüber aus, ob die Enkel in der fernen Großstadt auch noch diesen Lebenstraum haben.


Frems, keine gute Erklärung.
Am Ende seines Berufslebens ist man saniert. Autos hat man dann längst. Ich habe gerade mal in meinem Freundeskreis gezählt. Mir sind acht Bekannte eingefallen, die während ihres Berufslebens zwei, gar drei PKW´s hatten. Alle haben reduziert und besitzen jetzt nur noch ein Auto. Keiner hat zugelegt. Von wo auch immer die Zuwächse kommen, in dieser Beziehung sind die Rentner sicher nicht beteiligt.
Zuletzt geändert von Tom Bombadil am So 22. Apr 2018, 19:21, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Hier musste leider moderativ eingegriffen werden, um die Sachlichkeit zu gewährleisten.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Polibu » So 22. Apr 2018, 14:04

frems hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:52)

Sicherlich. Lebensqualität definiert jeder nach eigenen Prioritäten. Und da nimmt das Auto seit Jahrzehnten ab, wie alle Untersuchungen in der Mobilitätsforschung zeigen. Ich sehe es auch in meinem Umfeld. Da hat nur einer einen Pkw, weil er als Geselle bei der Bahn oft Nachtschichten hat und alle Alternativen eine deutlich längere Fahrzeit bedeuten. Alle anderen halten den Kauf eines Pkw für bescheuert, weil es Zeit frisst. Ist natürlich eine Standortfrage. Weit im Umland ist man ohne Fahrzeug meistens aufgeschmissen. Aber dort zieht es die Jugend nicht hin, sondern davon weg.


Zeit frisst? Wo wohnst du denn? In New York?

Ich hasse Großstädte. Niemals ziehe ich in eine Großstadt. Allein schon die Vorstellung, dass ich mit Bus und Bahn durch so eine Großstadt tingeln muss weckt in mir das pure Grauen.
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Brainiac » So 22. Apr 2018, 16:05

jorikke hat geschrieben:(22 Apr 2018, 15:02)

Frems, keine gute Erklärung.
Am Ende seines Berufslebens ist man saniert. Autos hat man dann längst. Ich habe gerade mal in meinem Freundeskreis gezählt. Mir sind acht Bekannte eingefallen, die während ihres Berufslebens zwei, gar drei PKW´s hatten. Alle haben reduziert und besitzen jetzt nur noch ein Auto. Keiner hat zugelegt. Von wo auch immer die Zuwächse kommen, in dieser Beziehung sind die Rentner sicher nicht beteiligt.

Es ist immer etwas riskant, vom persönlichen Umfeld auf statistische Gesamtzusammenhänge zu schließen.

27. September 2017. Seit 2008 hat die Anzahl der Personenkraftwagen (Pkw), die auf Halter im Alter von 60 oder mehr Jahren zugelassen waren, von rund 10 Millionen kontinuierlich auf über 13,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2017 zugenommen (+35,4 %).

Immer mehr Menschen in Deutschland erreichen ein höheres Lebensalter. Dadurch steigt nicht nur die Anzahl älterer Menschen, sondern sie sind auch deutlich mobiler als frühere Generationen.

Während die 60 Jahre und ältere Bevölkerung im Zeitraum 2008 bis 2017 um rund +10 Prozent zunahm, stieg deren Pkw-Dichte(Pkw je 1.000 Einwohner) um fast ein Viertel (siehe Diagramm). Somit war in 2017 auf nahezu zwei Dritteln dieser Altersgruppe bereits ein Pkw zugelassen. 2008 war es noch jeder Zweite.
https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Halter/halter_node.html

Also nicht nur mehr Senioren seit 2008, sondern auch wesentlich höherer Bestand pro Person.

Die 3,5 Mio erklären fast schon allein den oben genannten Bestandszuwachs seit 2010, und das ist nur die Altersgruppe 60+.

Im Artikel sind unten die Datenquellen verlinkt. Wenn ich da zB 2010 und 2017 vergleiche, kommt das vom Trend her in etwa hin. Dass jüngere Generationen, zB <= 30, 2017 einen relativ geringeren PKW-Bestand hätten als 2010 (~ Strangthese), geben diese Daten allerdings auch nicht her. Im Gegenteil, der Bestand ist leicht gewachsen. (Und für <=24 etwa konstant geblieben.)
Zuletzt geändert von Tom Bombadil am So 22. Apr 2018, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat
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Re: Jugend verliert Interesse am Auto

Beitragvon Zunder » So 22. Apr 2018, 17:53

Brainiac hat geschrieben:(22 Apr 2018, 17:05)

Also nicht nur mehr Senioren seit 2008, sondern auch wesentlich höherer Bestand pro Person.

Das widerspricht nicht dem Beispiel von Jorikke.

In meinem Bekanntenkreis gibt es ein Ehepaar, das 1 PKW für den Mann, 1 PKW für die Frau und 1 Wohnmobil besaß.
Seit beide nicht mehr arbeiten haben sie nur noch 1 PKW und 1 Wohnmobil.
Trotzdem haben sie den statistischen Durchschnitt für die 60+ Generation erhöht, weil sie vor 10 Jahren halt noch nicht 60 Jahre alt waren.

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