Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

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jack000
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Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon jack000 » Fr 3. Nov 2017, 16:52

Die Versprechen der Deutschen Bahn klingen toll: Der neue Hamburger Bahnhof mache die Züge pünktlicher, das Umsteigen leichter, entlaste den Hauptbahnhof und schaffe auch noch Platz für neue Wohnungen, heißt es in einem Flyer über das Projekt. Ein Gewinn für alle, könnte man meinen.

Schön wär's.

Zwei Monate lang hat der SPIEGEL Unterlagen zu dem Großprojekt ausgewertet, eine Verkehrsanalyse durchführen lassen und mit Experten gesprochen. Die Recherche ergab: Die Begründung für das größte Bahnprojekt in Norddeutschland hält kritischen Nachfragen nicht stand, die Planung ist unvollständig. Schlimmer noch: Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg machen die gleichen Fehler wie beim Horrorbahnhof Stuttgart 21. Auch dort wurden wichtige Planungsunterlagen nicht veröffentlicht. Auch dort versäumte es die Bahn, den Nutzen für die Fahrgäste nachzuweisen. Auch dort wurden Einwände von Bürgern abgewiegelt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 75156.html
In der Tat tauchen da viele Erinnerungen auf die ich bei S21 habe. Wird der Bahnhofsumbau Altona ähnlich problematisch wie S21 oder ist davon nicht auszugehen?
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frems
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Re: Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon frems » Fr 3. Nov 2017, 18:07

Probleme sind nicht auszuschließen, aber der Artikel des Spiegels ist aus mehreren Gründen ziemlich idiotisch. Und ob ein Berliner IT-Startup der richtige Ansprechpartner für eine Blitzanalyse ist, würde ich auch anzweifeln. Das sieht man schon bei den laienhaften Zahlenspielereien bei der Bevölkerungszahl und Erschließung. Aber immerhin hat's Michael Jung mal wieder in die Presse geschafft, dem gelangweilten Rentner, der gegen jedes Verkehrsvorhaben auf die Barrikaden geht. Naja. Festzuhalten sei aber noch: Diebsteich (Altona "(neu)") ist viel kleiner als S21 und weniger spektakulär. Die Bahn wollte da nur das Nötigste hinklatschen und die Stadt musste schon einiges an Geld beisteuern, damit da zumindest teilweise eine Überdachung ist und der Eingang ein wenig repräsentativ aussieht. Mit einem unterirdischen Bau wie S21 hat das nicht viel zu tun.
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Re: Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon Rochhardo » Fr 3. Nov 2017, 18:55

Ich muss auch sagen, dass allein schon durch die Bezeichnung "Horrorbahnhof Stuttgart 21" dieser Artikel jede journalistische Qualität verloren hat. Als Stuttgarter der die letzten 3 Jahre mit Studenten der Deutschen Bahn verbracht hat, weiß ich, dass nichts daran Horror ist - bisher ist man noch im Zeitplan - außer den unsäglichen Demonstrationen darum.

Nun ist die Frage, wird es in Hamburg das gleiche Problem wie in Stuttgart geben?

Weiß ich nicht. War schon länger nicht mehr in Hamburg. Aber wie ich meine Hamburger in Erinnerung habe, sind die Vernünftiger als in letzter Sekunde anzufangen sich zu beteiligen. Die Pläne für Stuttgart 21 wurden 1995 das erste Mal veröffentlicht. Keine Sau .... und ich meine keine Sau ... hat sich dafür interessiert. Den Stuttgarter Zeitungen war es eine Randnotiz wert, dass die Pläne im Stadtrat dusikutiert und beschlossen wurden. Und in dem Moment als die Baumaschinen anrücken, da fängt man plötzlich das schreien an. Eigentlich also wenn es schon viel zu spät ist. Aber davor war es ja nur ein Plan und einen Plan zu verändern, statt blöd zu demonstrieren, damit fangen wir gar nicht erst an.

Dass die Bahn bei ihren Großprojekten, wie auch andere Organisationen, bis zuletzt festhält, wundert mich auch nicht. Sehen wir uns Stuttgart 21 an. Die Planung und der Genehmigungsprozess hat fast 15 Jahre gedauert. Wenn wundert es also, dass die Bahn wenn sie mal anfängt zu bauen ungern unbricht und wieder 15 Jahre in der Planungsphase feststeckt. Grund dafür sind ausufernde bürokratische Hürden die solche Großprojekte nehmen müssen bis sie dann endlich einmal realisiert werden können. Deutschland schafft es mit seiner Bürokratie sehr effektiv, dass sich Unternehmen zwei Mal überlegen, wirklich Millarden zur Investition in Deutschland bereitzustellen.

Ansonsten kann ich immer nur sagen, ich bin ein Freund davon jeglichen Verkehr unter die Erde zu verlegen oder wenn es machbar ist sogar aus den Städten raus. Egal ob Bahn- oder Autoverkehr. Deswegen befürworte ich immer solche Projekte. Irgendwie niemand möchte gerne neben eine stark befahrenen Straße oder neben Schienen wohnen. Trotzdem wird immer gerne mal protstiert wenn entsprechende Pläne, wie nun hier in Hamburg gemacht werden. Ich kann auch nicht den Widerstand verstehen der sich immer regt, wenn es darum geht Fernverkehr aus den Städten raus zu bringen. In Stuttgart gab es auch einmal das Projekt einen Autobahnring zu vervollständigen mit Verbindung zwischen A81 und A8. Ziel des ganzen sollte eine deutliche Entlastung des Dreieck Leonberg und des städtischen Verkehrs sein. Außerdem die Anbindung des Landkreises Waiblingen an das Fernstraßennetz. Aber letztlich ist es über theorethische Überlegungen niemals hinausgekommen, denn Bürger vor Ort haben sofort sich zu einem Widerstand gegen dieses Projekt formiert, weil damit so mancher tatsächlich sein Wochenend-Gartenstück verloren hätte (im übrigen auch ich). Also bleibt die hohe Verkehrsbelastung von Stuttgart erhalten (siehe Feinstaub-Alarm) und Waiblingen ist weiterhin nicht am Fernstraßennetz angebunden (ich fluche jeden Tag darüber). Aber Gott sei Dank, haben immer noch so 30 Bürger ihr Wochenend-Gartenstück, dass kaum benutzt wird. Das war wichtig.
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Re: Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 3. Nov 2017, 20:01

Man muss auch sagen, dass die letzten Ubahnprojekte in Hamburg ganz OK liefen und ihr komisches Konzerthaus im Gegensatz zum Zeppelinhafen Berlin21 fertig wurde. Einen kleinen Bahnhofsumbau werden die schon hinbekommen. Und wenn es drei Euro mehr kostet, lohnt es sich noch immer.
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Re: Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon Thomas I » Mo 15. Jan 2018, 03:32

In Hamburg ist der limitierende Faktor ohnehin der Hauptbahnhof.
Der und die Verbindungsbahn geben die Grenzen für das Maximum des Zugverkehrs in Hamburg vor.
Anders als bei S21 besteht beim Neubau des Bahnhofs Altona also wenig Gefahr, dass man damit mehr Verkehr auf der Bahn für Hamburg unmöglich macht oder die Möglichkeit eines deutschen integralen Taktfahrplan unmöglich macht. Der geplante
Durchgangsbahnhof mit sechs Regional- und Ferngleisen sowie mit zwei S-Bahngleisen dürfte für alle Verkehre die vom Hauptbahnhof über den Engpass Dammtor Richtung Norden fahren und den vom jetzigen Bahnhof Altona ausgehen ausgehenden Regionalverkehr völlig ausreichen.
Bei der S-Bahn hingegen habe ich so meine Zweifel ob die Linien in Richtung Blankenese und vor allem die Linien von Pinneberg Richtung jetzigen Bahnhof Altona so glücklich daran angeschlossen werden.
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Re: Bahnhofsumbau Altona - Analogien zu S21?

Beitragvon Thomas I » Mo 15. Jan 2018, 03:45

Rochhardo hat geschrieben:(03 Nov 2017, 18:55)

Ich muss auch sagen, dass allein schon durch die Bezeichnung "Horrorbahnhof Stuttgart 21" dieser Artikel jede journalistische Qualität verloren hat. Als Stuttgarter der die letzten 3 Jahre mit Studenten der Deutschen Bahn verbracht hat, weiß ich, dass nichts daran Horror ist - bisher ist man noch im Zeitplan - außer den unsäglichen Demonstrationen darum.

Nun ist die Frage, wird es in Hamburg das gleiche Problem wie in Stuttgart geben?

Weiß ich nicht. War schon länger nicht mehr in Hamburg. Aber wie ich meine Hamburger in Erinnerung habe, sind die Vernünftiger als in letzter Sekunde anzufangen sich zu beteiligen. Die Pläne für Stuttgart 21 wurden 1995 das erste Mal veröffentlicht. Keine Sau .... und ich meine keine Sau ... hat sich dafür interessiert. Den Stuttgarter Zeitungen war es eine Randnotiz wert, dass die Pläne im Stadtrat dusikutiert und beschlossen wurden. Und in dem Moment als die Baumaschinen anrücken, da fängt man plötzlich das schreien an. Eigentlich also wenn es schon viel zu spät ist. Aber davor war es ja nur ein Plan und einen Plan zu verändern, statt blöd zu demonstrieren, damit fangen wir gar nicht erst an.

Dass die Bahn bei ihren Großprojekten, wie auch andere Organisationen, bis zuletzt festhält, wundert mich auch nicht. Sehen wir uns Stuttgart 21 an. Die Planung und der Genehmigungsprozess hat fast 15 Jahre gedauert. Wenn wundert es also, dass die Bahn wenn sie mal anfängt zu bauen ungern unbricht und wieder 15 Jahre in der Planungsphase feststeckt. Grund dafür sind ausufernde bürokratische Hürden die solche Großprojekte nehmen müssen bis sie dann endlich einmal realisiert werden können. Deutschland schafft es mit seiner Bürokratie sehr effektiv, dass sich Unternehmen zwei Mal überlegen, wirklich Millarden zur Investition in Deutschland bereitzustellen.

Ansonsten kann ich immer nur sagen, ich bin ein Freund davon jeglichen Verkehr unter die Erde zu verlegen oder wenn es machbar ist sogar aus den Städten raus. Egal ob Bahn- oder Autoverkehr. Deswegen befürworte ich immer solche Projekte. Irgendwie niemand möchte gerne neben eine stark befahrenen Straße oder neben Schienen wohnen. Trotzdem wird immer gerne mal protstiert wenn entsprechende Pläne, wie nun hier in Hamburg gemacht werden. Ich kann auch nicht den Widerstand verstehen der sich immer regt, wenn es darum geht Fernverkehr aus den Städten raus zu bringen. In Stuttgart gab es auch einmal das Projekt einen Autobahnring zu vervollständigen mit Verbindung zwischen A81 und A8. Ziel des ganzen sollte eine deutliche Entlastung des Dreieck Leonberg und des städtischen Verkehrs sein. Außerdem die Anbindung des Landkreises Waiblingen an das Fernstraßennetz. Aber letztlich ist es über theorethische Überlegungen niemals hinausgekommen, denn Bürger vor Ort haben sofort sich zu einem Widerstand gegen dieses Projekt formiert, weil damit so mancher tatsächlich sein Wochenend-Gartenstück verloren hätte (im übrigen auch ich). Also bleibt die hohe Verkehrsbelastung von Stuttgart erhalten (siehe Feinstaub-Alarm) und Waiblingen ist weiterhin nicht am Fernstraßennetz angebunden (ich fluche jeden Tag darüber). Aber Gott sei Dank, haben immer noch so 30 Bürger ihr Wochenend-Gartenstück, dass kaum benutzt wird. Das war wichtig.


Na ja man sollte vielleicht schon noch erwähnen, dass der Stuttgarter Autobahnring ursprünglich vorsah, dass die A45 von ihrem heutigen Ende südlich von Hanau durch den Odenwald an die A6, dann westlich an Heilbronn vorbei an die A81 und dann nördlich und östlich an Stuttgart vorbei an die A8 geführt werden sollte.
Was du meinst ist wohl eher die geplante Eckverbindung "A87" von der A80 (heute im Raum Stuttgart größtenteils als B10 Schnellstraße verwirklicht) und A83 Nord (Autobahn von Stuttgart parallel zur B27 bis zur geplanten A45 bei Lauffen, eine Autobahn quasi parallel zur heutigen A81) zur A85 (entspricht der heutigen Schnellstraße B14) und der A87 (entspricht der heutigen B29).
Im Süden Stuttgart gab es ähnlich absurde Autobahnplanungen. A85 beispielsweise hätte von der heutigen Kreuzung der B10 mit der B14 weiter nach Süden geführt, wäre bei Filderstadt auf die A83 Süd getroffen (die heute Straße B27 nach Tübingen und Balingen) und dann über Reutlingen (Teilstück als B312 verwirklicht) und die Alb nach Ravensburg geführt.
Im Süden Stuttgart hätte die A834 dann A85 Süd mit A83 Süd und A831 sowie der A82 verbunden.
Die A82 wäre eine neue Autobahn parallel zur A8 nach Pforzheim und Karlsruhe geworden.
Die schon erwähnte A80 hätte im Westen über Bretten und Bruchsal bis Germersheim in Rheinland-Pfalz gereicht und Bruchsal die A5 gekreuzt.
Die A81 hätte natürlich direkt von Gärtringen nach Leonberg geführt, die heutige A81 vom Stuttgarter Kreuz bis Gärtringen wäre Teil der A831 gewesen.
Das ganze abgerundet hätte die A833 welche von der A8 über die A81 und Sindelfingen und Böblingen und die A831 zur A83 bei Tübingen geführt hätte, so wie in Verlängerung der A45 von der A8 aus die a84 über Reutlingen und Tübingen zur A81 dabei bei Tübingen die A83 kreuzend.
A80 hätte übrigens wie heute auch die B10 quer durch Stuttgart geführt.
Fehlt noch was? Ach ja die A831 hätte vom Kreuz Gärtringen noch bis an den Stadtrand von Herrenberg geführt.

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