Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

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Der Neandertaler
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Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Der Neandertaler » So 8. Apr 2018, 17:08

In früheren Zeiten luden die Menschen all ihre Probleme bei der Kirche ab und dem Glauben daran, daß diese es schon richten werden. Besonders das Mittelalter galt als die Hochzeit der Kirchen.

Zu späteren Zeiten wurden die Probleme größer und teilweise komplizierter, so daß auf Religion als Heilsbringer nicht mehr unbedingt Verlass war. Unsere allgemeine Ratlosigkeit bezog sich immer weniger auf Religion denn auf politische Ideologien. Eine neue Form des Fanatismus wurde benötigt - gesucht und gefunden. In den 1950er und 1960er Jahren wurde ein neues Zeitalter ausgerufen:
    "das Atomzeitalter" - das "Goldene Zeitalter der Atomlobby"
Es entstand damit der Glaube, daß die Atomkraft die Energiequelle der Zukunft sei ... das Heil all unserer Energieprobleme:
    Lösung mit einem Schlag und ganz ohne negative Probleme!
Man träumte von nuklearen Flugzeug- und Lokomotivantrieben und "Baby-Reaktoren" als Heizungen für Häuser - sogar die Entsalzung des Meerwassers, sowie die Begrünung der Wüsten und die Erwärmung der Polargebiete sollte damit gelingen. In den Visionen der Atomeuphorie kamen Fragen zu Problemen, wie (End-) Lagerung und Aufarbeitung, etc., nicht vor ... sie durften nicht vorkommen.
    Technik als Religionersatz!
Da mittlerweile zunehmend diese Probleme anerkannt und akzeptiert werden - Asse sei Dank!, konnten wir uns einem neuen Thema zuwenden:
    "Technophilie"
In seiner einfachsten Definition wird "Technophilie" nicht als eine psychische Befindlichkeit oder Störung beschrieben, sondern als eine starke und unbedingte Begeisterung für Technik - insbesondere für neue Technologien wie Computer, Internet, Mobiltelefone und Heimkino. In der Soziologie wird der Begriff als eine Wechselwirkung von Person, Gesellschaft und Technik beschrieben und verwendet. Gegenwärtig wird "Technophilie" kulturell als weitgehend normal und selbstverständlich anerkannt.

Hingehend tritt das Gegenteilige, die "Technophobie", in der heutigen Welt und mit zunehmender Komplexität der Technik, immer vermehrter auf - sie ist aber ein schon immer bekanntes Phänomen. Bekannte Täufergruppen, wie die Amischen oder die Mennoniten, etc., die etwa Autos ablehnen, sind keineswegs technophob - sie bewerten (neue) Technologien nur anders. Nämlich danach, ob sie ihrer Gemeinschaft förderlich sind oder nicht. Beispielsweise lehnen die Amischen Autos nicht deshallb ab, weil sie "des Teufels sind", sondern, weil diese den Bewegungsradius der Menschen stark erweitern und dadurch den starken Bezug auf die eigene Gemeinschaft schwächen. Viele Mennoniten alter Ordnung hauen in die gleiche Kerbe. Sie erlauben allerdings Traktoren - jedoch nur mit Stahlreifen, um so den Bewegungsradius der Mitglieder der eigenen Gemeinschaft zu begrenzen. Als 1886 von Carl Benz mit dem Motordreirad: "Benz Patent-Motorwagen Nummer 1" das Geburtsjahr des modernen "Automobils mit Verbrennungsmotor" eingefahren wurde, erfuhr dies erst Ablehnung - weil es nunmal "normal" ist, daß der Mensch alles Neue zuerst negativ be- und ertrachtet. Später wurde das Auto zum Statussymbol. Diese Symbolik entstand mittels Pikto- oder Hierogramme allerdigs schon in analphabetischer Zeit.

Im Zuge der "Kohlenstoffdioxid/Co²"-Debatte, wurde sodann der Selbstzünder als Antriebsart hervorgehoben. Als auch der Diesel einen Skandal erfuhr und um einen möglichst schmerzfreien Ausweg aus dem Abgaßkandal zu finden, wurde dem Elektroauto Vorfahrt gewährt. Wesensgleich und ehrfürchtig kniend wurde das E-Auto als zukunftsweisend konstatiert. Dem E-Auto wurde mithin das größte Potential zugeschrieben, eben weil ihm keine umweltschädlichen Emissionen entfuhren. Garniert mit smarten Technologien und künstlicher Intelligenz, wird der E-Mobilität die Vorfahrt ins 21. Jahrhundert bewilligt. Die versammelten Hofberichterstatter des smarten Elon Musk, dem kalifornischen Newcomer aus dem Valley, verbalisierten zudem, daß "die Revolution auch auf unsere Straßen" (mit "Netflix-Abo und unzähligen weiteren Annehmlichkeiten") für die breite Masse erschwinglich werden soll und sein wird. Die Revolution kommt also!
    ... ob nun im August oder September, danach fragt am Ende keiner mehr
Nebenher ist seit einigen Jahren auch das autonome Fahren im Gespräch. Nach einigen Unfälle der letzten Zeit erfuhr allerdings der Tesla-Aktirenkurs ein Minus von über 30 Prozent ... und somit dürften Tesla-Anteilseigner wohl nicht zum Scherzen aufgelegt sein. Die neue Technologie dürfte ansich wohl hoffentlich Fragen aufwerfen!?!

Unserer neuester Hype:
    der "Daten-Pathos"
Er scheint trotz einiger Skandale ungebrochen zu sein. Trotz der Enthüllungen seitens des Whistleblowes Edward Snowden zum Thema Überwachung und NSA-Spionage, sieht ein Großteil der Bevölkerung keinen Anlaß, das eigene Verhalten zu ändern. Sie glauben zudem, wie es der NSA-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages determiniert, daß sich "keine belastbaren Anhaltspunkte dafür ergeben hätten, daß US-amerikanische oder britische Nachrichtendienste das deutsche Telekommunikations- und Internetaufkommen rechtswidrig systematisch und massenhaft überwachen."
Na bitte, klappt doch - Wasser auf die Mühlen der "Technophilie"-Fetischisten.

Auch der neueste Facebook-Skandal, wonach möglicherweise alleine in Deutschland bis zu 310.000 Geschädigte vorhanden sind - weltweit bis zu 87 Millionen, deren Daten unzulässig von Facebook mit der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica geteilt worden sind, und der sich nun zusehends ausweitet, scheint dieser Hysterie keinen Abbruch zu tun. Vielleicht, bestimmt sogar, gehen diese Leute davon aus, daß man die Datensammelwut seitens Facebook & Co. regulieren oder gar eindämmen könne? Mithin scheinen sie zu vergessen, daß die Datensammlung und deren Analyse Geschäftsgrundlage ist. Somit dürfte eine Regulierung wohl nicht in deren Interesse sein. Neuformulierungen der Datenschutz- und Nutzungsbedingungen, die nun ausführlicher beschrieben seien und dadurch klarer und transparenter werden (sollen), fußen teilweise auf neuen EU-Verordnungen - sie sind also keineswegs freiwillig, wie es das Online-Netzwerk inbrünstig und prahlend akzentuiert. An der Datenverarbeitung werde sich aber nichts ändern, betont das Unternehmen zudem.

Frage:
    Sind wir wirklich so technikgläubig und allgemein ratlos, daß wir Gefahren nicht (mehr) erkennen?
    Sind die Protagonisten derart charismatisch, daß wir dabei alle Scheu zur Hinterfragung derer verlieren?
    Sollten wir nicht alle ein wenig zu Amischen oder Mennoniten werden?
      ... oder bleiben wir lieber dem Fetischismus treu?
        ... im religiösen Sinn - als der Verehrung heiliger Objekte, in denen übernatürliche persönliche Geister aber unpersönliche Mächte wohnen.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Ein Terraner » So 8. Apr 2018, 19:46

Früher war sogar das Früher besser.
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Alster » Fr 25. Mai 2018, 09:36

Im christlich geprägten Kulturkreis ist der Glaube an das goldene Zeitalter durch technischen Fortschritt verboten. Die Schlüsselstelle im AT hierzu ist das Gleichnis vom Turmbau zu Babylon. Moslems und Juden dürften das ähnlich sehen.

Nach Ansicht einer Kommentators sei dagegen in Asien die dort verbreitete Technophilie gut kompatibel mit gewissen Reinigungs- und Erneuerungstirualen (Beispiel: das periodische Abreißen und Neuaufbau des Schinto Schreins zu Ise)
dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon watisdatdenn? » So 27. Mai 2018, 05:44

Ich bin Technophil und Hephaistos ebenfalls!
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Teeernte » So 27. Mai 2018, 10:31

Der Neandertaler hat geschrieben:(08 Apr 2018, 18:08)

In früheren Zeiten luden die Menschen all ihre Probleme bei der Kirche ab und dem Glauben daran, daß diese es schon richten werden. Besonders das Mittelalter galt als die Hochzeit der Kirchen.



Es ist die Unwissenheit - die das Volk der diktierten Euphorie (man könnte es Propaganda nennen) folgen lässt !

Je höher die Kosten - um so mehr Propaganda durch die Regierung//Religion.

....braucht ein Malerbetrieb mit 3 Angestellten einen Rechner ?? Verkauf mal (früher) KHK "Handwerk" an solche Firmen....Vollversion 3000 DM. mit zusätzlich Monatlicher MIETE/Wartung.. + Rechner.

....die EU musste erst die Pferdekutschen auf den "B" Strassen verbieten - damit von Rumänien die Pferde......zu uns - in die Lasagne wanderten....

Der grösste Datenhändler .......Städte und Gemeinden.... - der grösste DATENSAMMLER - der Deutsche STAAT !!!
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon watisdatdenn? » So 27. Mai 2018, 12:11

watisdatdenn? hat geschrieben:(27 May 2018, 06:44)
Ich bin Technophil und Hephaistos ebenfalls!

Vielleicht sollte ich die Aussage erklären:

Ich denke nicht das Technikglaube ein Religionsersatz ist.
Ich denke aber schon dass Technikglaube Teil einer Religion sein. Das zeigt sich ja schon im antiken Götterglauben die einen eigenen Hauptgott für Technik hatten: Eben Hephaistos.

Das ist also kein neuer Gedanke. Die Zeit war übrigens nicht so schlecht und der technische Fortschritt beeindruckend.
Im technikdesinteressierten Christentum und Islam war/ist die Zeit für die Menschen nicht unbedingt besser als in der technophilen Antike...
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Alster » Mo 15. Okt 2018, 17:40

watisdatdenn? hat geschrieben:(27 May 2018, 13:11)

Vielleicht sollte ich die Aussage erklären:

Ich denke nicht das Technikglaube ein Religionsersatz ist.
Ich denke aber schon dass Technikglaube Teil einer Religion sein. Das zeigt sich ja schon im antiken Götterglauben die einen eigenen Hauptgott für Technik hatten: Eben Hephaistos.

Dieser Argumentation folgend müsste man dann wohl auch akzeptieren, dass Vögeln, Verzeihung, die Ausübung von GV und Saufen Teil der Religion seien.
Vielleicht ist das sogar richtig: Im antiken Polytheismus war das richtige Leben in seiner Gesamtheit Gegenstand der Religion.
dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon H2O » Mo 15. Okt 2018, 18:20

Aus meiner Sicht besteht kein Mangel an Kritik von Technikfolgen; sicher auch kein Mangel an Technikbegeisterung. Wäre uns mit sehr kritischer bis ablehnender Einstellung zu technischen Neuerungen gedient, angesichts der Tatsache, daß wir als Volksgemeinschaft mit dem Ersinnen und der Herstellung technischer Produkte unser Brot verdienen... und gar nicht einmal zu knapp!

Was sollen wir denn tun im Sinne des Eingangsbeitrags? Wenn wir inzwischen recht gut abgesichert wissen, daß wir im Begriff sind, unsere Lebensgrundlagen zu vernichten... stramm weiter machen, Bangemachen gilt nicht... oder was?

Wenn wir hoffen dürfen, daß mit Stromern unser Drang zur Mobilität weitgehend erhalten bleiben könnte, sollen wir dann abwarten, bis andere damit einem Denkfehler aufsitzen, oder lieber doch selbst über Wege zu künftiger Mobilität nachdenken und Produkte ersinnen, für die es hoffentlich einen Markt mit willig zahlenden Kunden geben wird?

Wie sind Gefangene unserer Zeit und unserer begrenzten Erkenntnisfähigkeit. Unserer Zeit können wir nicht entrinnen, an unserer Erkenntnisfähigkeit können wir arbeiten. Das scheint mir auf Dauer das Gebot der Stunde zu sein... ich möchte in keiner Umgebung leben, die aus Furcht vor Wissenschaft und Technik zurück will in die Gute Alte Zeit.
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 15. Okt 2018, 19:50

H2O hat geschrieben:Wie sind Gefangene unserer Zeit und unserer begrenzten Erkenntnisfähigkeit. Unserer Zeit können wir nicht entrinnen, an unserer Erkenntnisfähigkeit können wir arbeiten. Das scheint mir auf Dauer das Gebot der Stunde zu sein... ich möchte in keiner Umgebung leben, die aus Furcht vor Wissenschaft und Technik zurück will in die Gute Alte Zeit.
Das mit den "Gefangenen" schmeckt mir nicht - klinkt wie Bestrafung. Ich sehe "meine Zeit" eher als positive Bereicherung. Trotz aller negativen Momente die ich erlebt habe.

Jede "Zeit" hatte zum Teil sehr unangenehme Begleitumstände für die "Zeitgenossen". Ja man kann an seiner "Erkenntnisfähigkeit" arbeiten - leider gefallen sich viele in Ablehnung und überbordender Kritik. Jede Veränderung wird per se abgelehnt. "Gewohnte Gefahren" und Nachteile sind plötzlich etwas Gutes. "Gesund" ist das sicher nicht...

Nun ich bin da wo ich bin und dort kann und muss ich bestehen. Hilfsweise woanders leben, ändert nichts wirklich. Warum nicht die Fortschritte zur Abwechslung begrüßen ? Fortschrittlich gesinnte Menschen früherer Zeiten hätten uns um die Möglichkeiten wohl beneidet. Selbst (in bescheidenem Rahmen) daran mitarbeiten und niemals das Stauen verlernen, ist gesund und vorwärtsgewandt ist besser als die geradezu pathologische Ablehnung von allem Neuen - Ungewohnten. Dabei weiter kritisch abwägen wo die "neuen Probleme" liegen, ist Pflicht. Nahezu jedes neue Problem ist zugleich auch Chance zu Verbesserung, oft völlig neuen Ansätzen. Echte Gefahren erkennen und vermeiden. Eingebildete Gefahren aufdecken. Hoffnung ist stets vorwärtsgewandtes Denken - permanentes unermüdliches Lernen. Was nicht ausschließt, weitere Fehler zu begehen. Kann das nicht direkt belegen, aber vermutlich haben uns Homo sapiens Fehler - jedenfalls erkannte Fehler - weiter gebracht als irgendetwas schon erprobtes endlos zu wiederholen.

Wer bereits viel brauchbares Wissen "angehäuft" hat, lernt umso schneller - was uns interessiert nehmen wie geradezu mühelos auf - in dieser Zeit gehen niemanden die "Neuigkeiten" aus....
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon Der Neandertaler » Di 16. Okt 2018, 10:46

Hallo.
Wenn wir uns die Evolution anschauen - ganz gleich, ob in menschlicher oder in tierischer Sparte, müssen wir mit Entsetzen feststellen, daß diese nicht, wie ursprünglich angenommen, geradlinig verlief. Es war ein stetiger Prozess von Try and Error - eine ständige Anpassung an sich stetig verändernden (Umwelt-) Bedingungen.
    ... nichts unterliegt der Artkonstanz.
Was Charles Darwin für die Tier und Pflanzenwelt festgestellt hat: eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Tier- und Pflanzenwelt ("Das Variieren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication"), gilt ebenso für den Menschen. Nun ist es ja nicht so, daß nur Lebewesen sich Natur und Umwelt anpassen und (kontinuierlich) verändern, Lebewesen gestalten ebenso ihre Umwelt und wollen damit ihr Schicksal selbst bestimmen. Das ist ganz normal!

So bauen etwa Biber Dämme und gestalten so aktiv ihren Lebensraum: sie stauen Fließgewässer auf und bauen ihren sogenannten Wohnkessel. Das Aufstauen zu einem See hat aber noch einen weiteren Grund:
    so reichen sie auf dem Wasserweg besser und leichter an die von ihnen so heiß geliebten Bäume heran, die an dessen Ufer vorhanden sind. Von ihnen verzehrt er die Zweige, die Astrinde und die Blätter.
Von dem Tatendrang zu seinem eigenen Vorteil profitieren aber auch andere Arten:
    unzälige Vögel, Fische, Amphibien- oder Libellenarten, etc. siedeln sich dort an, wo der Bieber "herrscht".
Solch eine aktive Umgestalltung seiner Umwelt nimmt sonst nur noch der Mensch vor.
    ... weil er es eben kann.
Max Frisch definierte in seinem gleichnamigem Roman von 1957 den Mensch als Arbeitstier und nannte ihn:
    "Homo faber" - Homo: der Mensch und faber: der Handwerker und Künstler, der seine Umwelt und damit auch sein Schicksal selbst gestaltet:
      Nüchtern - rational - technikgläubig - frei von Staunen und Unvorhersehbarem
Dieses Gestalten und Verändern zu seinen Gunsten, ist ja per se auch in Ordnung. Gefährlich wird's wohl erst, wenn damit Veränderungen einhergehen, die zu Lasten Dritter gehen. Wie etwa Veränderungen, die Eingriffe in das Ökosystem darstellen. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches seine Umwelt aktiv umgestalltet - dabei aber seine (Lebens-) Grundlage zerstört.
    ... oder auch eine Lösung gegenwärtiger Themen durch Technik. Wobei man oftmals glaubt, daß die als negativ bewerteten Folgen der Technik wiederum mit technischen Mitteln heilen zu können.
      siehe Atompolitik der 50er und 60er Jahre, indem man (auch heute noch) annahm, die anfallenden Abfallprobleme werden zukünftige Generationen wohl mit technischen Mitteln lösen können.
        ... vielleicht können sie ja dann den "Abfall" verwerten.
Das nenne ich eine Glorifizierung von Technik - eben "Technophilie - Fetischismus!"
Eine undifferenzierte Begeisterung für technologische Innovation, die nach Kriterien entwickelt und eingesetzt wird, die Fortschritt suggerieren, die sich aber im Wesentlichen als destruktiv für die Gesellschaft erweisen können.
    ... oder werden?
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Technik: das "Goldene Zeitalter" oder Religionersatz?

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 19. Okt 2018, 19:27

Tja "Experimentelle Kaninchen" - wer hätte es von - sagen wir mal 10 Jahren für möglich gehalten, das einen Schriftzug markieren, dann das passende Add-On klicken eine brauchbare Übersetzung des im Cache befindlichen Textes bringt

Experimentální králíci = Experimentelle Kaninchen - wobei ich nur raten könnte welche Sprache das wohl ist und mir (wegen der Kürze des Textes) nicht sehr sicher bin, das dies so stimmt.

Noch etwas - "Evolution" - wieder so eine Notwendigkeit - ich muss hinnehmen was Wissenschaft da erkannt hat. Für mich neu (drüber hinaus) : Zur Evolution gehört nun mal Vererbung - doch genügt das ?
ZON hat geschrieben:Genetik: Gibt es Vererbung ohne DNA-Code?

Lebewesen vererben Eigenschaften, die sie mit der Zeit erwarben, glaubte einst Lamarck. Obwohl Darwin das bald widerlegte, gibt ihm die moderne Biologie teilweise recht.
ZON hat geschrieben:"Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher". – Diesem Prinzip Albert Einsteins folgt die Rubrik "Die Zumutung" im Magazin ZEIT Wissen.
Das "Zauberwort" ist "Epigenik" (von epigenesis, griechisch für "nachträgliche Entstehung").

Die Frage ist nun, darf ich mich dafür überhaupt interessieren - so ganz ohne Studium - darauf angewiesen, das die beteiligten Wissenschaftler und deren Erkenntnisse - Forschungsprogramme - was auch immer - im Sinn von wissenschaftlich "glaubhaft" sind.

Wenn ich dann zu dem Schluss komme (mit dem schon vorhandenen Wissen plus lebenslanger Erfahrungen), es ist eben nicht nur "Try and Error" sondern auch Weitergabe was 2 ... 3 Generationen zuvor "erlebt" haben.

Der Mensch handelt also nicht (immer) nur weil er "es kann", sondern (auch unter Voraussetzungen die längst nicht klar erforscht sind) ganz offensichtlich weil das seine Großeltern so "geprägt" hat - ein körperlicher Lernprozess der sich vererbt hat. Erkenntnis, es gibt auch ein "Epigenom". Eine "Programmierung" der Gene.

Eigentlich unmöglich, weil epigenetische "Markierungen" bei der Befruchtung "eigentlich" gelöscht werden :?:

Kurz und gut - ich verstehe Menschen nicht, die sich nicht für solche Dinge interessieren - klar auch, dafür muss man eine Bereitschaft haben - ich halte das nicht für "krankhaft". Dann müsste man alle großen Erfinder - Forscher usw. für "irgendwie krank" halten (wobei ich mich keinesfalls zu dieser Gruppe zähle !). Wer sich unterschiedlichen Technologien "zuwendet" wir immer neue Fragen haben - was eine „emotionale Fixierung“ wohl ausschließt - „Fixierung“ ist eine Festlegung ein Hängenbleiben an einem festen Zustand. Ist mir noch nie passiert. Könnte selbstverständlich an meinem begrenzten Wissen liegen, wenn "es" dann einfach nicht weitergeht... :(

Technophilie ? Wer starkes Interesse an Technik entwickelt, gibt sich nicht mit deren puren Existenz zufrieden. Es wird schnell die jeweilige Begrenztheit klar. Da ist kein Platz für "Glorifizierung" - allerdings auch nicht für das Gegenteil. Solange man die gefunden "Werkzeuge" auch als Werkzeuge begreift, besteht keine Gefahr der Überschätzung. Das passiert schon eher Leuten die nicht genug davon verstehen - die immaterielle Grenzen nicht sehen können. Nicht sehen wollen ? - dazu muss man sie aber (zunächst) schon mal sehen...
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