Vorschläge zur Wohnungsnot

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Tom Bombadil
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Tom Bombadil » Di 25. Okt 2016, 13:09

Die Kommunen haben nicht genug Geld, um Immobilien zu enteignen, besonders jetzt nicht, wo die Immobilienpreise exorbitant hoch sind, gerade in den Städten. Man muss also andere Wege finden, den Leerstand zu beseitigen und Baulücken zu schließen. So eine Art Steuer oder Abgabe, wie H2O schreibt, könnte ein Mittel sein, so sie denn rechtskonform wäre.

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 14:02)

Aber auch für Mietnomaden und säumige Mieten einstehen... wenn schon, denn schon.

Warum sollte die Stadt denn für Betrüger geradestehen? Man sollte es allerdings Vermietern einfacher machen, solche Leute schneller rauswerfen zu können.
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H2O
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 13:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(25 Oct 2016, 14:09)

Die Kommunen haben nicht genug Geld, um Immobilien zu enteignen, besonders jetzt nicht, wo die Immobilienpreise exorbitant hoch sind, gerade in den Städten. Man muss also andere Wege finden, den Leerstand zu beseitigen und Baulücken zu schließen. So eine Art Steuer oder Abgabe, wie H2O schreibt, könnte ein Mittel sein, so sie denn rechtskonform wäre.


Warum sollte die Stadt denn für Betrüger geradestehen? Man sollte es allerdings Vermietern einfacher machen, solche Leute schneller rauswerfen zu können.


Gut, könnte man vielleicht in einem Gesetz zusammenfassen. Die Steuer für den Leerstand und die Entschädigung, wenn jemand unter dem Druck, seine Wohnungen vermieten zu müssen, schließlich schrägen Vögeln aufsitzt. Inzwischen ist es nicht mehr gestattet, über einen Bewerber Auskünfte ein zu holen...

Übrigens sehe ich auch die Notwendigkeit für Strafsteuern bei Renovierungsstau im Baubestand und die Pflicht des Mieters für sachgerechte Wohnungsrenovierung... oder aber entsprechende Mehreinnahmen bei der Wohnungsmiete. Da reden wir bei 100 m² von derzeit 16.000 € in 10 Jahren, also von 130 €/Monat, die auf die Verzinsung der Baukosten auf zu schlagen sind.

Ich hatte fast 20 Jahre die meist gar nicht schöne Aufgabe, als Privatmann Mietwohnungen zu verwalten. Deshalb meine ich, daß beide Maßnahmen, Steuern auf Leerstand und Entschädigung bei Fehlverhalten der Mieter, zusammen gehören... wenn der Staat meint, in die Vermietung von Wohnraum eingreifen zu sollen.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Tom Bombadil » Di 25. Okt 2016, 13:40

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 14:30)

Inzwischen ist es nicht mehr gestattet, über einen Bewerber Auskünfte ein zu holen...

Wo steht das?

Deshalb meine ich, daß beide Maßnahmen, Steuern auf Leerstand und Entschädigung bei Fehlverhalten der Mieter, zusammen gehören... wenn der Staat meint, in die Vermietung von Wohnraum eingreifen zu sollen.

Wie gesagt, das sehe ich anders. Oder müsste zB. die Stadt Berlin, die Taschendiebstahl nur noch bei einigermaßen hoher Wahrscheinlichkeit verfolgen will, auch für den durch Taschendiebe entstandenen Schaden aufkommen?
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Fadamo » Di 25. Okt 2016, 13:49

hafenwirt hat geschrieben:(21 Dec 2015, 12:55)

Hallo,

ich habe gestern mit einem Kumpel über die punktuelle Wohnungsnot gesprochen und was man da so ändern könnte, damit diese gelindert wird. Einige Vorschläge kamen dabei herum.

1. Wohnformen liberalisieren.
Man darf in Deutschland im Prinzip nur in einem dafür vorhergesehenen Wohnhaus wohnen. Hingegen ist es verboten und nur in Einzelfällen toleriert in einem Wohnwagen, ausgebautem Auto zu wohnen. Auch ist es verboten, im Kleingarten zu wohnen. Da sich auch Menschen mit solchen Wohnformen anfreunden können, warum es nicht erlauben dort zu wohnen, wo man möchte?

2. Mischgebiete erlauben.
Dies geht aus einem Artikel hervor, den ich neulich gelesen habe. Dort hieß es in etwa, es bräuchte mehr Mischformen zwischen Gewerbe- und Wohngebiet. Im Prinzip könnte das auch unter Punkt 1 fallen. Auch in Gewerbegebieten sollte Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

3. "Enteignungen"
Mir fiel kein anderer Begriff dafür ein, aber im Endeffekt geht es dabei um Grundstücke in der Stadt, welche nachweislich seit Jahren leer stehen, weil der Besitzer kein Interesse daran hat. Mir fallen hier aus der Stadt mehrere Grundstücke ein, auf denen seit 10 Jahren nix los ist! Teilweise in bester Lage. Diese Gebiete sollten ab einem bestimmten Zeitpunkt (5-10 Jahre) ohne Nutzung an die Stadt übergehen, oder neu ausgeschrieben werden.

Was denkt ihr über diese Vorschläge?

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion


Derjenige der Luxuswohnungen bauen will,sollte verpflichtet werden auch gleichzeitig Sozialwohnungen zu bauen.
Weigert er sich, gibt es keine Baugenehmigungen. :)
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 14:17

Tom Bombadil hat geschrieben:(25 Oct 2016, 14:40)

Wo steht das?


Wie gesagt, das sehe ich anders. Oder müsste zB. die Stadt Berlin, die Taschendiebstahl nur noch bei einigermaßen hoher Wahrscheinlichkeit verfolgen will, auch für den durch Taschendiebe entstandenen Schaden aufkommen?


Oh je, da fragen Sie mich etwas! Für mich war das klar, und danach habe ich mich gerichtet. Ich meine, daß diese Regel auch bei Bewerbern um eine Arbeitsstelle gilt. Fragen Sie mich bitte nicht danach, wo das wieder steht! Der Arbeitgeber darf auch kein abwertendes Arbeitszeugnis schreiben. Auch da weiß ich nicht, wo das steht, habe mich aber danach gerichtet.

Ich glaube, Ihr Beispiel läuft aus der Spur: Aus Berlin kann ich fortziehen, wenn mir der Betrieb dort nicht gefällt, etwa die öffentliche Sicherheit nicht zusagt. Oder ich kann einen anderen Senat wählen, der eisern durchgreift. Aber mein Wohnungseigentum, das soll ich vermieten... um dieses Sollen geht es doch. Wieviel Enteignung soll der Haus-Wohnungs-Eigentümer denn ohne Entschädigung hinnehmen?

Dann ist am Ende eben "Wohnungsnot"... das ist wirklich kein lustiges Thema. Mag sein, daß ein gewerbsmäßig Wohnungen aus riesigen Beständen vermietendes Unternehmen mit Rechtsabteilung, Hausmeistern und zig Angestellten diese Frage völlig ohne Emotionen behandelt. Aber bisdahin hatte ich es nicht gebracht... :(

Dss versteht man aber erst dann, wenn man sein Eigentum an wildfremde Menschen vermieten soll.
Zuletzt geändert von H2O am Di 25. Okt 2016, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Quatschki » Di 25. Okt 2016, 14:19

Hier im Osten Deutschlands hat der Bund seit 2001 im Programm "Stadtumbau Ost" den Abriß bzw. Rückbau von über 300.000 Wohnungen mit 1,2 Milliarden gefördert.
Zuvor hat er mit dem Programm "Sonderabschreibungen Ost" für den Aufbau gewaltiger Leerstände gesorgt.
Beides hat zu gewaltigen Fehlallokationen öffentlicher und privater Ressourcen geführt!
Woher kommt dieses immer noch hohe Vertrauen der Deutschen, dass der Staat solche Sachen regeln könne?
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 14:26

Quatschki hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:19)

Hier im Osten Deutschlands hat der Bund seit 2001 im Programm "Stadtumbau Ost" den Abriß bzw. Rückbau von über 300.000 Wohnungen mit 1,2 Milliarden gefördert.
Zuvor hat er mit dem Programm "Sonderabschreibungen Ost" für den Aufbau gewaltiger Leerstände gesorgt.
Beides hat zu gewaltigen Fehlallokationen öffentlicher und privater Ressourcen geführt!
Woher kommt dieses immer noch hohe Vertrauen der Deutschen, dass der Staat solche Sachen regeln könne?


Legen Sie einfach Ihren Jammer Ost in die Kiste mit der einmaligen Erfahrung einer Wiedervereinigung nach 45 Jahren sozialistischer Willkür. Aus meiner Sicht besser wäre diese Frage zu stellen in den großen Industrierevieren des Westens, die nach dem Krieg ja noch aufgeblüht waren. Warum verfallen dort ganze Stadtviertel?
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 14:39

Fadamo hat geschrieben:(25 Oct 2016, 14:49)

Derjenige der Luxuswohnungen bauen will,sollte verpflichtet werden auch gleichzeitig Sozialwohnungen zu bauen.
Weigert er sich, gibt es keine Baugenehmigungen. :)


Nö, einen Dummen suchen, der den Spaß dann bezahlt... kommt mir sehr bekannt vor. Der dankt Ihnen durch Abwanderung dorthin, wo ihm solche Zumutungen erspart bleiben. Ist doch keine neue Erfahrung!

viewtopic.php?f=13&t=58864&start=80#p3550437
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon frems » Di 25. Okt 2016, 14:46

Quatschki hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:19)

Hier im Osten Deutschlands hat der Bund seit 2001 im Programm "Stadtumbau Ost" den Abriß bzw. Rückbau von über 300.000 Wohnungen mit 1,2 Milliarden gefördert.
Zuvor hat er mit dem Programm "Sonderabschreibungen Ost" für den Aufbau gewaltiger Leerstände gesorgt.
Beides hat zu gewaltigen Fehlallokationen öffentlicher und privater Ressourcen geführt!
Woher kommt dieses immer noch hohe Vertrauen der Deutschen, dass der Staat solche Sachen regeln könne?

Weil das Problem nicht so gewaltig ist, wie Du annimmst. Du hast ja per se kein Vertrauen in den Staat und schaust erst danach, mit welchen Randnotizen Du das artikulieren kannst. Wer sich mit der Materie beschäftigt, schaut sich die jeweiligen Begründungen und Rahmenbedingungen an, ebenso den öffentlichen und privaten Nutzen. Die Sonderabschreibungen bis 1998 galten ja allgemein, um Investitionen zu ermöglichen (nicht nur Wohnraum, auch Maschinen, Gewerbegebäude etc.), um Arbeitsplätze und damit Einwohner zu halten; ebenso galt er auch für den Erwerb bestehender Immobilien. Ansonsten wären noch mehr Leute geflohen und die Leerstände größer. In schrumpfenden Orten ist ein Abriss auch ausgesprochen sinnvoll.
Labskaus!

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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 15:03

frems hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:46)

Weil das Problem nicht so gewaltig ist, wie Du annimmst. Du hast ja per se kein Vertrauen in den Staat und schaust erst danach, mit welchen Randnotizen Du das artikulieren kannst. Wer sich mit der Materie beschäftigt, schaut sich die jeweiligen Begründungen und Rahmenbedingungen an, ebenso den öffentlichen und privaten Nutzen. Die Sonderabschreibungen bis 1998 galten ja allgemein, um Investitionen zu ermöglichen (nicht nur Wohnraum, auch Maschinen, Gewerbegebäude etc.), um Arbeitsplätze und damit Einwohner zu halten; ebenso galt er auch für den Erwerb bestehender Immobilien. Ansonsten wären noch mehr Leute geflohen und die Leerstände größer. In schrumpfenden Orten ist ein Abriss auch ausgesprochen sinnvoll.


Aus meiner Sicht stehen die Unzulänglichkeiten und Nöte im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung in keinem besonders deutlichen Zusammenhang mit dem Ruf nach "bezahlbarem Wohnraum" oder gar "Wohnungsnot".
Das Thema hat hier überhaupt nichts zu suchen; stört obendrein die Behandlung des Themas dieses Strangs!
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon frems » Di 25. Okt 2016, 15:06

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 16:03)

Aus meiner Sicht stehen die Unzulänglichkeiten und Nöte im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung in keinem besonders deutlichen Zusammenhang mit dem Ruf nach "bezahlbarem Wohnraum" oder gar "Wohnungsnot".
Das Thema hat hier überhaupt nichts zu suchen; stört obendrein die Behandlung des Themas dieses Strangs!

Besteht auch nicht. Davon abgesehen find ich den Begriff Wohnungsnot noch immer sehr verwerflich und selbst Wohnungsmangel grenzwertig. Sowas haben wir in Deutschland nicht. Auch die Floskel des bezahlbaren Wohnraums, sagt irgendwie nichts. Wenn da jemand lebt, ist die Miete bzw. der Kaufpreis ja offenbar von jemandem bezahlbar. Findet sich zum Preis niemand, der es zahlen kann/will, muss man mit dem Preis eben runter. :?:
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon jack000 » Di 25. Okt 2016, 15:14

frems hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:46)In schrumpfenden Orten ist ein Abriss auch ausgesprochen sinnvoll.

Eher sogar eine Chance für die Stadtgestaltung. Es werden ja nicht die schönsten Gebäude abgerissen dann:
http://1.bp.blogspot.com/-83vnGJ_HTfM/T ... 1600/3.JPG
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon frems » Di 25. Okt 2016, 15:36

jack000 hat geschrieben:(25 Oct 2016, 16:14)

Eher sogar eine Chance für die Stadtgestaltung. Es werden ja nicht die schönsten Gebäude abgerissen dann:
http://1.bp.blogspot.com/-83vnGJ_HTfM/T ... 1600/3.JPG

Absolut richtig. Da gibt's recht hübsche Beispiele. Und da braucht man integrierte Stadtentwicklungskonzepte. Recht gelungen -- ebenfalls mit Bundesmitteln gefördert -- finde ich Wismar.

Die Stadt verlor recht viele Einwohner und in den 90ern sah jedes zweite Haus in der Innenstadt so aus als würde es jederzeit zusammenbrechen können. Statt Fenstern sah man nur morsche Holzplatten. In den Plattenbauten am Stadtrand war nicht selten die Mehrheit der Wohnungen unbewohnt.

Also nahm man Geld in die Hand: in der Innenstadt hat man investiert und gleichzeitig am Stadtrand einiges abgerissen. Mittlerweile findet man kaum noch (vielleicht gar auch gar keine) mitgenommene Häuser, die Innenstadt ist belebt, viele kleine Geschäfte haben sich neu angesiedelt und die vorhandene Infrastruktur ist besser ausgelastet. Vor allem ist vieles fußläufig erreichbar, sodass Eltern ihr Kind auch zu Fuß in drei Minuten zur Kita bringen können statt wie früher mit dem Auto einen Umweg einzulegen. Durch die bessere Auslastung spart die Stadt bzw. das Land auch wieder Geld, da man entferntere Kitas, ÖPNV-Strecken, Schulen, Altenheime etc. schließen konnte. Durch den geringeren Auto-Anteil hat man auch einige innerstädtische Parkplätze beseitigen können und den Platz den Fußgängern bzw. Lokalen überlassen, sodass da ganz gut Leben ist und auch die Zahl der Gäste/Touristen nach oben ging (-> Arbeitsplätze und Steuereinnahmen). Dass man die ansässige Hochschule etwas aufgestockt hat, hat auch das Stadtbild verjüngt.

Sowas geht natürlich nicht über Nacht, sondern braucht viele Jahre. Mittlerweile stagniert die Einwohnerzahl bzw. ist von 2013 auf 2014 sogar leicht gestiegen. Man rechnet zwar damit, dass es weiter eine leichte Absenkung geben wird, aber sehr verhältnismäßig und primär am Stadtrand, wo die Infrastrukturkosten für die Gemeinden signifikant höher sind. In der idyllischen Innenstadt selbst gibt's kein Nachfrageproblem.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 15:58

frems hat geschrieben:(25 Oct 2016, 16:06)

Besteht auch nicht. Davon abgesehen find ich den Begriff Wohnungsnot noch immer sehr verwerflich und selbst Wohnungsmangel grenzwertig. Sowas haben wir in Deutschland nicht. Auch die Floskel des bezahlbaren Wohnraums, sagt irgendwie nichts. Wenn da jemand lebt, ist die Miete bzw. der Kaufpreis ja offenbar von jemandem bezahlbar. Findet sich zum Preis niemand, der es zahlen kann/will, muss man mit dem Preis eben runter. :?:


Ich bin und bleibe ja gemein! Warum bauen sich die Meckerer nicht selbst ihre Bleibe, nach Feierabend und im Urlaub? Davon wird niemand dümmer oder ungeschickter, und zum Saufen und Glotzen bleibt einfach keine Zeit mehr. Warum bieten Städte nicht solche Projekte an... mitsamt fachlicher Anleitung, Aufsicht und Plänen?

Übrigens muß man noch bedenken, daß die mittlere Größe unserer Wohnungen inzwischen bei über 70 m² /Person angelangt ist. Ging vor einigen Wochen durch die Nachrichten.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon PittBrad » Di 25. Okt 2016, 16:09

hafenwirt hat geschrieben:(25 Oct 2016, 13:18)
"Ungenutzt" sollte in Gesetzesform nach politischen Verhandlungen definiert werden. Das kann ne Prozentzahl sein, ne Anzahl an Jahren , ...

Oh. Das Gesetz wird auf alle Fälle umfangreich. Hm, wie wäre die Herangehensweise: Anstatt einfach ein Symptom aufwändig zu bekämpfen, wie wäre es, sich mal zu fragen, warum Wohneigentümer eine Wohnung so lange leer steht. So kann man das Problem verstehen und viel effektiver lösen. Also, was ist deiner Ansicht nach der Grund? Auch könnte man sich fragen, wie viele Immobilien davon betroffen sind. Sonst macht man ein Riesenfass auf um kosmetische Wirkung zu erzielen.

Wobei: Eigentlich sollte man noch weiter gehen und sich fragen, warum es überhaupt diese Wohnungsnot gibt. Warum steigen Mieten in Städten so krass, aber auf dem Land gar nicht?

Und den Unterschied zwischen einem Objekt, welches wichtig für das Überleben eines anderen Menschens wie eine Behausung und einem privat genutzten Objekt wie einem TV muss ich dir nicht erklären, oder?

Ich sag ja: Der nächste Schritt.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon frems » Di 25. Okt 2016, 16:09

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 16:58)

Ich bin und bleibe ja gemein! Warum bauen sich die Meckerer nicht selbst ihre Bleibe, nach Feierabend und im Urlaub? Davon wird niemand dümmer oder ungeschickter, und zum Saufen und Glotzen bleibt einfach keine Zeit mehr. Warum bieten Städte nicht solche Projekte an... mitsamt fachlicher Anleitung, Aufsicht und Plänen?

Wenn man Laien beaufsichtigt und jeden Handgriff erklärt, dürfte das teurer werden als einfach selbst zu bauen, also als Stadt. Und Gemecker wird's immer geben. Witzigerweise ist der Anteil vom Nettoeinkommen, den die Deutschen zahlen, seit knapp 50 Jahren konstant (20-25%), während sich die Wohnfläche pro Kopf fast verdoppelt hat. Da sag ich mal böse: viele Deutsche sind einfach nicht bereit, mehr Geld fürs Wohnen auszugeben. In Hamburg ging man vor fünf, sechs Jahren für "bezahlbare Mieten" demonstrieren, als die Durchschnittskaltmiete bei Neuvermietung (nicht Bestand!) die 10 Euro den Quadratmeter überschritten hat. Erzähl das mal jemanden in ähnlich großen Städten mit niedrigerer Kaufkraft, z.B. Rom oder Warschau.

Zum anderen ist meine persönliche, sicherlich nicht repräsentative Einschätzung, dass viele Mieter zu blöd sind, eine entsprechende Wohnung zu finden. Wer bei uns ein niedriges Einkommen hat, kann Wohngeld beim Staat beantragen. Das machen aber nicht einmal 25% jener, die berechtigt sind. Kann natürlich sein, dass die anderen ehrenswerte Leute sind, die auf staatlichen Zuschuss freiwillig verzichten. Ich hab da aber meine Zweifel.

Außerdem gibt's bei uns sehr viele Genossenschaften, die hunderttausende Wohnungen haben. Das sind zwar in der Regel keine geförderten Sozialwohnungen, aber sie sind trotzdem viel billiger als freifinanzierte Wohnungen von Immobilienunternehmen. Klar, für angesagte Szeneviertel gibt's Wartelisten und es kann da bis zu zwölf Monate dauern bis man ein Angebot hat. In "normalen" Stadtteilen dauert's nur wenige Wochen. Und ein Umzug innerhalb einer Genossenschaft ist auch einfach. Man meldet einfach als Mitglied Interesse an einem anderen Stadtteil und gut ist. Zieht man nach zwölf Monaten nochmal um. Stattdessen gehen die Leute auf gängige Immobilienplattformen, stehen mit 100 Leuten zigmal in der Schlange und zahlen dann "glücklich" überdurchschnittlich viel Miete, während im Haus gegenüber, selber Bautyp, 30-50% weniger gezahlt wird und die Verwaltung schneller bei Problemen reagiert. Aber was soll's. Sollen sie machen. :|
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Tom Bombadil » Di 25. Okt 2016, 16:21

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:17)

Oh je, da fragen Sie mich etwas! Für mich war das klar, und danach habe ich mich gerichtet.

Dann hast du wohl etwas falsch gemacht. Es gibt die Mieterselbstauskunft, es gibt die Schufa und andere Auskunfteien, die man auch als Vermieter befragen kann.

Wieviel Enteignung soll der Haus-Wohnungs-Eigentümer denn ohne Entschädigung hinnehmen?

Gar keine. Trotzdem muss etwas getan werden, damit leerstehende Gebäude wieder genutzt werden, das können ja auch Hemmnisse bürokratischer Art sein, die überwunden werden müssen.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » Di 25. Okt 2016, 17:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(25 Oct 2016, 17:21)

Dann hast du wohl etwas falsch gemacht. Es gibt die Mieterselbstauskunft, es gibt die Schufa und andere Auskunfteien, die man auch als Vermieter befragen kann.


Gar keine. Trotzdem muss etwas getan werden, damit leerstehende Gebäude wieder genutzt werden, das können ja auch Hemmnisse bürokratischer Art sein, die überwunden werden müssen.


Zu der Zeit, als ich auf dem Gebiet tätig sein mußte, war in meiner Geburtsstadt ein hoher Leerstand durch Modernisierungsstau. Künftige Mieter wollten einfach nicht mehr in Großstadtlage mit Ofenheizung und ohne Kachelbad und ohne Balkon wohnen... auch keine Studenten. Mein Vater und dann auch ich haben diese Entwicklung gottlob kommen sehen und rechtzeitig Wohnung für Wohnung nach dem Auszug der Mieter auf zeitgemäßen Stand gebracht. Aber Spaß machte mir das auf Dauer wirklich nicht... vielleicht auch, weil ich mit meiner Berufstätigkeit auf angenehmere Weise ein Einkommen erzielen konnte.

Ich tendiere daher mehr zu frems' Überzeugung, daß wir hier alle auf sehr hohem Niveau meckern und jammern.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Tom Bombadil » Di 25. Okt 2016, 17:38

Merkwürdige Antwort auf mein Zitat.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Fadamo » Mi 26. Okt 2016, 12:34

H2O hat geschrieben:(25 Oct 2016, 15:39)

Nö, einen Dummen suchen, der den Spaß dann bezahlt... kommt mir sehr bekannt vor. Der dankt Ihnen durch Abwanderung dorthin, wo ihm solche Zumutungen erspart bleiben. Ist doch keine neue Erfahrung!

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