Vorschläge zur Wohnungsnot

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jack000
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon jack000 » Di 29. Dez 2015, 22:30

Teeernte » Mo 28. Dez 2015, 22:16 hat geschrieben:Es geht (mir) um POLITIK - die zB die Spritpreise festsetzt.....oder die Steuer(zugabe) bei der Fahrt zur Arbeit...... >> Schweiz darf jeder ein Fahrrad als Arbeitsweg in die Steuer einsetzen....<<

Ist zwar etwas OT aber in Deutschland kann man die Kilometer zur Arbeit auch mit dem Fahrrad angeben, bzw. es zählen nur die Kilometer und nicht das Verkehrsmittel.
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hafenwirt
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » Mi 30. Dez 2015, 10:56

Flat » Dienstag 22. Dezember 2015, 13:59 hat geschrieben:Moin,

einige dieser Regelungen gibt es deshalb, um Mieter zu schützen vor Eigentümern, die jeden Mist vermieten wollen.


Naja, aber als Mieter weiß ich doch, ob meine zukünftige Bude meinen Qualitätsstandards entspricht. Und da erkenne ich doch, ob es ne teure Mietwohnung ist oder eine Wellblechhüte in einer Kleingartenanlage, die billiger kommt. Wenn zweiteres meinen Ansprüchen genügt, dann sollte man dort auch wohnen dürfen, wie ich finde. Ich kenne einige Leute, denen diese Standards zumindest für die Jahre ihres Studiums ausreichen. Warum sollten diese eine Wohnung belegen, die sich nicht benötigen.

Flat » Dienstag 22. Dezember 2015, 13:59 hat geschrieben:Kleingärten sind Erholungsgebiete. Wenn man sie zum Wohnungsbau nutzen will, kann man dieses mindestens bei Zeitkleingärten oft sofort machen. Dauerkleingärten sind aber nicht ohne Grund als Erholungs- und Grünflächen ausgewiesen.


Auch wenn dort Menschen wohnen, ist doch Erholung gegeben?
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » Mi 30. Dez 2015, 10:59

Kibuka » Samstag 26. Dezember 2015, 20:31 hat geschrieben:
Wenn jemand versuchen würde mein Grundstück zu enteignen, würde ich mich bis zur höchsten Instanz durchklagen.

So eine Aktion wollte schon ein SPD-Bürgermeister vor 4 Wochen durchziehen und ist krachend vor Gericht auf die Schnauze geflogen.


Wie gesagt, kaum fällt das Wort Enteignung, gehen die Alarmglocken an.

Ich meine die Art Objekte, die seit mehr als 10 Jahren brach liegen und offensichtlich kein Interesse besteht dort diese neu zu benutzen. Hier gibt es einige Flächen in bester Lage (5 Min Fußweg zur Uni), die seit min. Jahr 2000 brach liegen. Ehemalige Unternehmen, deren Gebäude nun vor sich hinrotten und bald ohnehin komplett in die Natur übergeben werden.

edit: http://www.goettinger-tageblatt.de/Goet ... ng-im-Wege

Während die Fabrikantenvilla noch einigermaßen intakt ist, verfallen die Industriebauten. Backsteinwände bröckeln, aus einigen Dächern wachsen junge Bäume, andere sind zum Teil bereits eingesunken. Das Sanierungskonzept für diesen Teil der Nordstadt enthält das Ziel der „Wiedernutzung brachfallender Flächen“ und sieht für das Grundstück der Industriegebäude weiterhin eine gewerbliche, für das Grundstück mit der Fabrikantenvilla eine gemischte Nutzung vor.
Zuletzt geändert von hafenwirt am Mi 30. Dez 2015, 11:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Teeernte » Mi 30. Dez 2015, 13:27

jack000 » Di 29. Dez 2015, 23:30 hat geschrieben:Ist zwar etwas OT aber in Deutschland kann man die Kilometer zur Arbeit auch mit dem Fahrrad angeben, bzw. es zählen nur die Kilometer und nicht das Verkehrsmittel.


.....eben.... Berlin - Hannover jeden Tag ? ? Politisch gefördert. (Nebenbei jedes Deutsche FA ist anders - meins will die KFZ Kennzeichen und ein "Beweis" der Fahrt... oder die Fahrkarte....)
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Teeernte » Mi 30. Dez 2015, 13:32

hafenwirt » Mi 30. Dez 2015, 11:59 hat geschrieben:
Wie gesagt, kaum fällt das Wort Enteignung, gehen die Alarmglocken an.

Ich meine die Art Objekte, die seit mehr als 10 Jahren brach liegen und offensichtlich kein Interesse besteht dort diese neu zu benutzen. Hier gibt es einige Flächen in bester Lage (5 Min Fußweg zur Uni), die seit min. Jahr 2000 brach liegen. Ehemalige Unternehmen, deren Gebäude nun vor sich hinrotten und bald ohnehin komplett in die Natur übergeben werden.



DAS ist der Vorteil des deutschen Insolvenzrechts......Lange Verfahren - damit der INSO - Verwalter möglichst lange Geld hat... Eine Rechtsanwälte - BRAGO Frage.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » Mi 30. Dez 2015, 14:41

Teeernte » Mittwoch 30. Dezember 2015, 14:32 hat geschrieben:
DAS ist der Vorteil des deutschen Insolvenzrechts......Lange Verfahren - damit der INSO - Verwalter möglichst lange Geld hat... Eine Rechtsanwälte - BRAGO Frage.


Du hast Gedankengänge :| Ich schreib was von einer brachliegenden Fläche, und du erzählst irgendwas von Insolvenrecht und BRAGO, was auch immer das ist.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Abensberg » So 21. Feb 2016, 09:01

Parteien wählen, die sozialen Wohnungsbau wollen. Es kann doch nicht sein, dass gemeinden ein Grundstück bis 500 000 € versteigern. In meiner Umgebung ist ein Hauskauf schon ziemlich teuer. Kostet das Grundstück mehr als das Haus
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon H2O » So 21. Feb 2016, 09:45

Abensberg hat geschrieben:(21 Feb 2016, 09:01)

Parteien wählen, die sozialen Wohnungsbau wollen. Es kann doch nicht sein, dass gemeinden ein Grundstück bis 500 000 € versteigern. In meiner Umgebung ist ein Hauskauf schon ziemlich teuer. Kostet das Grundstück mehr als das Haus


Dort muß die Nachfrage sehr viel größer als das Angebot sein.
Ein sinnvollerer Flächennutzungsplan wäre die bessere Lösung.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » So 22. Mai 2016, 18:33

Hier hätten wir wieder so einen Fall, wie wir ihn unter Punkt 3 beschrieben haben:

Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, seit wann das Haus in der Gartenstraße mit mehreren großen Wohnungen leer steht. Sie reichen von mindestens 15 bis mehr als 20 Jahre. Über die Besitzer gibt es vage Angaben. Die Familie soll mehrere große Immobilien in der Stadt besitzen - ebenfalls leer stehend. Ein Nachbarn berichten, er habe bereits mehrfach versucht, die Eigentümerin davon zu überzeugen, das Haus zu vermieten oder zu verkaufen - ohne Erfolg. Sie sei sehr zurückhaltend.


http://www.goettinger-tageblatt.de/Goet ... Innenstadt

Das hatten die Besetzer in einer Erklärung verbreitet und darin auch behauptet, dass die Eigentümerin, eine Frau aus Göttingen, gleich mehrere Gebäude besitze, die sie teils seit 20 Jahren leer stehen lässt. Wie Stadtsprecher Detlef Johannson bestätigt, habe die Stadt die Eigentümerin bereits Mitte Oktober 2015 erstmals angeschrieben und keine Antwort erhalten.

Nach dem 12. November wurde sie erneut aufgefordert sich zu melden, falls Interesse an einer Vermietung bestehe. Schließlich habe es am 16. Februar eine dritte Anfrage gegeben, auf die am 15. März eine Absage gekommen sei. Johannson: "Damit war das Thema erledigt."


http://www.goettinger-tageblatt.de/Goet ... ontakt-auf

Wobei sich mir auch die Frage stellt, was soll sowas? Die Gartenstraße liegt mitten in der Innenstadt, perfecte Lage also. Wieso lässt man als Besitzer einer Immobilie das Ding seit 20 Jahren leer stehen? :?:
...
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon tidakro » Di 24. Mai 2016, 07:27

Die Wohnungsnot ist grundsätzlich nur eine subjektiv empfundene. Heutzutage wollen nunmal alle in den großen Städten wohnen, egal ob arm oder reich, ob Alteingesessene oder Neuzugezogene. Die Flüchtlingsproblematik verschärft das Problem noch dazu. Natürlich zieht es die Flüchtlinge dahin, wo die meisten ihrer Landsleute zu finden sind. Das sind einfach die Großstädte.

Vor 20 Jahren, als die Babyboomergeneration ihre Eigenheime gebaut hat, wollten alle "aufs Land" oder zumindest in den Speckgürtel um die großen Städte. Da war schlicht und ergreifend mehr PLatz für Wohnungsbau. Das hat m2-Kosten und Mieten entlastet. In Berlin ist der Wohnraum begrenzt, was die Mietpreise in die Höhe treiben lässt.

Gut wohnen kann man auch außerhalb der Städte. Oft finde ich, dass Menschen auch sehr hohe Ansprüche haben. Ich habe kein Verständnis für jemanden der aus NRW nach Hamburg ziehen möchte, um Sozialwissenschaften zu studieren und sich dann über die hohen Mieten ärgert. Da gibt es auch Alternativen. Verständnis habe ich, wenn Alteingesessene in ihrer vertrauten Umgebung ihre Wohnung wechseln müssen und dann auf den freien Mietmarkt geworfen werden. Ich glaube gerade die Milieus machen die Großstädte lebenswert und einzigartig. Da tut es mir echt leid, wenn "echte" Hamburger aus ihrer Stadt wegziehen müssen, weil sie nicht mit der Geldbörse des Papas von irgendeinem Hipster mithalten können.

Immer wieder lese ich auch davon, dass Menschen in diesem Zusammenhang ein Systemproblem erkennen. Den sei nur gesagt, dass auch im Kommunismus nicht jeder in der Hamburger Hafencity wohnen kann. Ein Systemproblem liegt hier nicht vor.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon William » Di 24. Mai 2016, 08:26

hafenwirt hat geschrieben:(22 May 2016, 19:33)

Hier hätten wir wieder so einen Fall, wie wir ihn unter Punkt 3 beschrieben haben:



http://www.goettinger-tageblatt.de/Goet ... Innenstadt



http://www.goettinger-tageblatt.de/Goet ... ontakt-auf

Wobei sich mir auch die Frage stellt, was soll sowas? Die Gartenstraße liegt mitten in der Innenstadt, perfecte Lage also. Wieso lässt man als Besitzer einer Immobilie das Ding seit 20 Jahren leer stehen? :?:


Ganz einfache Antwort: Weil es sich der Besitzer leisten kann.

Ehe man renoviert um dann gezwungenermaßen vermieten zu müssen um die Kosten wieder rein zu holen, wird rein auf die Wertsteigerung des Geländes spekuliert.
Jeder sollte mit seinem Grund und Boden in der Hinsicht verfahren können wie er will. Ich sehe darin kein Problem.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » Di 24. Mai 2016, 09:00

William hat geschrieben:(24 May 2016, 09:26)

Ganz einfache Antwort: Weil es sich der Besitzer leisten kann.


Eine schöne Einstellung dem Gemeinwohl gegenüber. :thumbup:


Jeder sollte mit seinem Grund und Boden in der Hinsicht verfahren können wie er will. Ich sehe darin kein Problem.


Du bist nicht der erste, der das sagt. Wir sprechen uns dann wieder, falls ich mal Grund und Boden in einer deutschen Innenstadt erwerbe. Dann sagst du mir deine Heimatstadt und ich kaufe mir was zentrales, schönes, plätte es und baue mir einen Privatparkplatz. Wo einst die Leute flanierten, vielleicht in nem Cafe saßen, können sie dann eine leere Betonfläche sehen.

Vielleicht wird es ein Trend und wir haben Innenstädte voller reiner Betonflächen ohne Nutzen. Ich sehe darin kein Problem.
...
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon William » Di 24. Mai 2016, 09:15

hafenwirt hat geschrieben:(24 May 2016, 10:00)

Eine schöne Einstellung dem Gemeinwohl gegenüber. :thumbup:



Du bist nicht der erste, der das sagt. Wir sprechen uns dann wieder, falls ich mal Grund und Boden in einer deutschen Innenstadt erwerbe. Dann sagst du mir deine Heimatstadt und ich kaufe mir was zentrales, schönes, plätte es und baue mir einen Privatparkplatz. Wo einst die Leute flanierten, vielleicht in nem Cafe saßen, können sie dann eine leere Betonfläche sehen.

Vielleicht wird es ein Trend und wir haben Innenstädte voller reiner Betonflächen ohne Nutzen. Ich sehe darin kein Problem.


Was kann ein Grundstücksbesitzer dafür wenn sich Dritte andere Prioritäten setzen als selbst Grund zu erwerben, stattdessen lieber zur Miete wohnen und den Rest in den Konsum stecken?
Soweit ich weiß sieht das GG kein Recht auf Mietwohnung vor, also nicht heulen sondern selbst kaufen bzw. bauen.

Ich stehe auf Betonplatten. Von mir aus kann gern ganz München damit zugepflastert werden. Grün angestrichen sieht es annehmbar aus und ist obendrein äußerst pflegeleicht. Ich gestehe jeder Person in D 1000 qm (und mehr) versiegelte Fläche zu. Das soll jeder halten wie er will, nur finanzieren sollte er es selbst und nicht meckern wenn ihm nichts davon gehört.
Zuletzt geändert von William am Di 24. Mai 2016, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon nichtkorrekt » Di 24. Mai 2016, 09:16

Die Mietpreisbremse war sicherlich kontraproduktiv. Ansonsten könnte man noch Unweltauflagen, was Dämmung etc. angeht senken, da gibt es viele Schikanen die das Bauen unnötig verteuern.

Aber rein logisch kann nicht jeder in der Stadt leben, ist in meinen Augen auch ein Luxusproblem. Die Lebensqualität dürfte auf dem Land ohnehin höher sein.
Wer nicht AfD wählt, wählt Merkel.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon hafenwirt » Di 24. Mai 2016, 09:26

nichtkorrekt hat geschrieben:(24 May 2016, 10:16)
Aber rein logisch kann nicht jeder in der Stadt leben, ist in meinen Augen auch ein Luxusproblem. Die Lebensqualität dürfte auf dem Land ohnehin höher sein.


Ich weiß, außer schwarz-weiß fällt dir schwer, aber es soll doch gar nicht jeder in der Stadt wohnen. Aber wo Möglichkeiten sind, sollten sie ausgeschöpft werden.
...
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon William » Di 24. Mai 2016, 10:28

hafenwirt hat geschrieben:(24 May 2016, 10:26)

Ich weiß, außer schwarz-weiß fällt dir schwer, aber es soll doch gar nicht jeder in der Stadt wohnen. Aber wo Möglichkeiten sind, sollten sie ausgeschöpft werden.


Nur wenn die Eigner freiwillig zustimmen.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Unité 1 » Di 24. Mai 2016, 11:06

hafenwirt hat geschrieben:(21 Dec 2015, 12:55)

Hallo,

ich habe gestern mit einem Kumpel über die punktuelle Wohnungsnot gesprochen und was man da so ändern könnte, damit diese gelindert wird. Einige Vorschläge kamen dabei herum.

1. Wohnformen liberalisieren.
Man darf in Deutschland im Prinzip nur in einem dafür vorhergesehenen Wohnhaus wohnen. Hingegen ist es verboten und nur in Einzelfällen toleriert in einem Wohnwagen, ausgebautem Auto zu wohnen. Auch ist es verboten, im Kleingarten zu wohnen. Da sich auch Menschen mit solchen Wohnformen anfreunden können, warum es nicht erlauben dort zu wohnen, wo man möchte?

2. Mischgebiete erlauben.
Dies geht aus einem Artikel hervor, den ich neulich gelesen habe. Dort hieß es in etwa, es bräuchte mehr Mischformen zwischen Gewerbe- und Wohngebiet. Im Prinzip könnte das auch unter Punkt 1 fallen. Auch in Gewerbegebieten sollte Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

3. "Enteignungen"
Mir fiel kein anderer Begriff dafür ein, aber im Endeffekt geht es dabei um Grundstücke in der Stadt, welche nachweislich seit Jahren leer stehen, weil der Besitzer kein Interesse daran hat. Mir fallen hier aus der Stadt mehrere Grundstücke ein, auf denen seit 10 Jahren nix los ist! Teilweise in bester Lage. Diese Gebiete sollten ab einem bestimmten Zeitpunkt (5-10 Jahre) ohne Nutzung an die Stadt übergehen, oder neu ausgeschrieben werden.

Was denkt ihr über diese Vorschläge?

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion


Ein Problem ist, dass aktive und effektive Wohnungspolitik eigentlich nur über kommunale Wohnungsunternehmen möglich ist. Auf die privaten kann nur indirekt Einfluss genommen werden. Also würde ich vorschlagen:

4. Verkaufsmoratorium von Wohnungen und Flächen aus öffentlicher Hand
Städte haben sich für den Erhalt von Wohnraum und Baugrund im Besitz kommunlaer Unternehmen einzusetzen und die Unternehmen selbst auf Verkauf von Eigentum zu verzichten. Sollte theoretisch durchsetzungsfähig sein, da Mitglieder der Fraktionen des Stadtparlaments im Aufsichtsrat sitzen und so Einfluss nehmen können. Von den personellen Verquickungen und kurzen Drähten zwischen Geschäftsführung kommunaler Unternehmen und Verwaltung mal ganz zu schweigen.

4,5. Kein Verkauf ohne Bedingungen
Lässt sich ein Verkaufmoratorium nicht realisieren, sollte beim Bieterzuschlag nicht allein das Höchstangebot entscheiden. Stattdessen müsste eine Gewichtung stattfinden, in die Entscheidung flössen sowohl nachhaltige soziale Konzepte mit ein wie Konzepte der Einbettung in bestehende Strukturen mit ein. Langfristig spart die Stadt so Geld, da die Entwicklung sozialer Brennpunkte gehemmt wird und weniger Sozialarbeiter- und sonstige Folekosten fällig würden.

5. zweckgebundene Querfinanzierung von anderen kommunalen Unternehmen
Gerade Stadtwerke oder städtische Elektirzitätswerke schreiben in der Regel schwarze Zahlen und könnten ermuntert werden, einen Beitrag zur Stadtqualität zu leisten.

6.Wohnungstauschbörse bei Beibehaltung der aktuellen Mieten
z.B. Familien, deren Kinder ausgezogen sind oder Familien, die gerade Nachwuchs erwarten, haben das Problem, sich vergrößern bzw. verkleinern zu wollen. Gerade Verkleinerungen werden aber eher vermieden aufgrund der Preise in angespannten Wohnungsmärkten. Insofern erscheint eine Einrichtung sinnvoll, die es erlaubt, dass Interessierte die Wohnungen tauschen können unter Beibehaltung der aktuell gezahlten Mieten.

Wohnungsnot ist meist ein soziales Problem. Neumieten sind in Städten mit knappem Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen nur schwer zu stemmen. Zur Einflussnahme auf die privaten Vermieter wäre denkbar, dass

7. Grundstücks- bzw. Baugenehmigungsvergaben nur gegen soziale Verpflichtungen
stattfinden. Z.B. durch eine Auflage, dass Wohnungen nur errichtet werden dürfen, wenn im gleichen Stadtteil ein bestimmer Prozentteil von sozialem Wohnraum mit errichtet wird. Aufgrund der guten Ertragslage bei Städten mit Wohnungsmangel stellt das keine übermäßige Belastung dar.

Letztlich ist aber aktiver Wohnungsneubau nötig. Dazu fiele mir ein:

8. Errichtung eines städtischen revolvierenden Fonds.
Der Fonds müsste einmalig gefüllt werden (z.B. durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung oder von Entwicklungsbanken der Bundesländer). Er vergibt zinsgünstige zweckgebundene Darlehen für sozialen Wohnungsbau. Die Darlehen sind befristet und die Rückzahlung füllt diesen Fonds. Langfristig trägt er sich selber und zur Verbreiterung des Wohnungsangebots bei.
Salzburg hat das vorgemacht.
„Im Jahr 2005 stand das Land Salzburg mit 1,5 Milliarden Euro Schulden in der Wohnbauförderung da“, erklärt Walter Blachfellner, der im Bundesland Salzburg der für die Wohnbauförderung zuständige sozialdemokratische Landrat. „Deshalb haben wir uns seit 2006 komplett von der Finanzierung über private Banken verabschiedet.“

Die Kredite kommen nun aus dem eigens gegründeten Salzburger Fonds. Auch der nimmt Zinsen. Aber er berechnet je nach Förderart für Mietwohnungen oder selbst genutzte Eigenheime nur 1 bis 2,5 Prozent – festgelegt auf die gesamte, im Schnitt 30-jährige Laufzeit.

So konnten in Salzburg bei einer typischen Beispielwohnung die Bruttokosten von knapp 1.000 Euro auf knapp 600 Euro gesenkt werden. „Was bisher die Banken verdient haben, fließt nun in billigere Mieten und mehr Bauvolumen“, sagt der Landrat.

Das Geld zum Aufbau des Fonds stammt unter anderem aus zweckgebundenen Zuschüssen des Bundes von jährlich 113 Millionen Euro und aus Mitteln der EU für umweltrelevante Investitionen. Vor allem aber kann der Wohnbaufonds „als staatlicher Fonds mit gemeinnütziger Zielsetzung Gelder von der Bundesbank für zur Zeit niedrigste Zinssätze zu bekommen“, so Blachfellner.
Der unerschöpfliche Topf

Langfristig aber wird keine Förderung mehr gebraucht. „In spätestens 15 Jahren kommen wir ohne einen Cent Steuergelder aus“, sagt Blachfellner mit hörbarem Stolz in der Stimme. Denn das Geld zahlen die Bauherren nicht an die Banken, sondern an den Fonds zurück.


Fazit: Ideen und Möglichkeiten zur Begegnung der Wohnungsknappheit in betroffenen Städten gibt es viele. Allein, es fehlt der politische Wille der Umsetzung.
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Kibuka » Sa 28. Mai 2016, 09:49

Die Flächen sind begrenzt. Es führt kein Weg an staatlichen Eingriffen vorbei, wenn man in Städten eine Gentrifizierung vermeiden will.

Da kann man den ganzen Tag über Mietpreisbremsen oder Wohnungsbau faseln.

Der Staat muss Quoten erheben. Eine andere Lösung gibt es nicht!
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Realist2014 » Sa 28. Mai 2016, 12:05

Kibuka hat geschrieben:(28 May 2016, 10:49)

Die Flächen sind begrenzt. Es führt kein Weg an staatlichen Eingriffen vorbei, wenn man in Städten eine Gentrifizierung vermeiden will.

Da kann man den ganzen Tag über Mietpreisbremsen oder Wohnungsbau faseln.

Der Staat muss Quoten erheben. Eine andere Lösung gibt es nicht!



welche "Quoten"?
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Re: Vorschläge zur Wohnungsnot

Beitragvon Kibuka » Sa 28. Mai 2016, 15:14

Realist2014 hat geschrieben:(28 May 2016, 13:05)

welche "Quoten"?


Quote von Sozialwohnungen.

Eine Reihe weiterer Quoten wäre bei der Stadtentwicklung dringenst angebracht. Nur so lässt sich beispielsweise auch die Bildung von Ghettos unterbinden.
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