Die Araber und der Nahostkonflikt

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think twice
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon think twice » Mo 28. Mai 2018, 07:27

Adam Smith hat geschrieben:(28 May 2018, 07:48)

Die Frau besuchte im Jahr 2000 die palästinensischen Gebiete und war fassungslos. So etwas kannte sie aus den USA nicht. Und dann wurde sie zur Aktivisten, weil Israel an den schockierenden Erlebnissen schuld sein soll. Um dieses zu verifizieren hätte sie aber Länder mit ähnlicher Kultur besuchen müssen. Also Syrien, Libyen, Jemen, Irak, Algerien und Ägypten abseits der Touristen usw.

Die Frau hat als Tochter palästinensischer Fluechtlinge von ihrem 5. bis 13. Lebensjahr bei verschiedenen Verwandten in Kuwait, Jordanien und in einem Waisenhaus in Jerusalem gelebt, bis sie als Adoptivkind nach Amerika vermittelt wurde. Sie hat sich nicht als behütet aufgewachsene Amerikanerin und als Touristin zufaellig Palästina angeschaut und war erschrocken. Ihre Biographie ist mit den Romanfiguren verwoben und sie hatte jeden Grund und auch jedes Recht, sich die Heimat ihrer Eltern anzuschauen und es ist auch verständlich, dass sie nach ihrer zerrissenen Kindheit Partei ergreift und sich engagiert.
In ihrem Buch versucht sie anscheinend trotzdem, von Schuldzuweisungen Abstand zu nehmen und das macht sie für mich glaubwürdig.
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Adam Smith
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Adam Smith » Mo 28. Mai 2018, 07:32

think twice hat geschrieben:(28 May 2018, 08:27)

Die Frau hat als Tochter palästinensischer Fluechtlinge von ihrem 5. bis 13. Lebensjahr bei verschiedenen Verwandten in Kuwait, Jordanien und in einem Waisenhaus in Jerusalem gelebt, bis sie als Adoptivkind nach Amerika vermittelt wurde. Sie hat sich nicht als behütet aufgewachsene Amerikanerin und als Touristin zufaellig Palästina angeschaut und war erschrocken. Ihre Biographie ist mit den Romanfiguren verwoben und sie hatte jeden Grund und auch jedes Recht, sich die Heimat ihrer Eltern anzuschauen und es ist auch verständlich, dass sie nach ihrer zerrissenen Kindheit Partei ergreift und sich engagiert.
In ihrem Buch versucht sie anscheinend trotzdem, von Schuldzuweisungen Abstand zu nehmen und das macht sie für mich glaubwürdig.

Ihr Aktivismus begann mit dem Jahr 2000. Also mit dem Besuch. Ein Waisenhaus kann wie ein Gefängnis sein. Und Jerusalem ist vermutlich anders als die palästinensischen Gebiete. Und in den palästinensischen Gebieten wird es schockierend sein. Das glaube ich der Frau.
Zuletzt geändert von Adam Smith am Mo 28. Mai 2018, 07:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon think twice » Mo 28. Mai 2018, 07:40

Adam Smith hat geschrieben:(28 May 2018, 08:32)

Ihr Aktivismus begann mit dem Jahr 2000. Also mit dem Besuch. Ein Waisenhaus kann wie ein Gefängnis sein. Und Jerusalem ist vermutlich anders als die palästinensischen Gebiete.

In dem Buch geht es nicht um ihren Aktivismus. :rolleyes:
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Adam Smith » Mo 28. Mai 2018, 07:41

think twice hat geschrieben:(28 May 2018, 08:40)

In dem Buch geht es nicht um ihren Aktivismus. :rolleyes:


Karl Marx hat z.B. auch die Situation von Menschen beschrieben. Und der Kapitalismus spielte dabei eine sehr wichtige Rolle. Ich bin davon überzeugt, dass es in dem Buch der Frau ähnlich ist. Nur gibt es hier dann keinen Kapitalismus als Schuldigen.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mo 28. Mai 2018, 09:49

Wenn eine Erzählung oder Schilderung von Einzelschicksalen ein Gesicht bekommt - sei es auch nur fiktiv -, die mit Lügen und Unwahrheiten beginnt, bin ich vorsichtig. Besonders dahingehend, welches Gesicht hier wie vermittelt werden soll.

Richtig. Kein palästin. Kind wird mit Hass auf Israel und dem Wunsch nach dessen Vernichtung geboren. Aber dazu erzogen und manipuliert. Unter anderem mit Schulbüchern, aber auch mit Erzeugnissen wie diesem Buch. Die eine Realität präsentieren, die erfunden ist.

Bezüglich Hundertausender Palästinensischer Vertriebener der sog. Nakba (datiert auf die Ereignisse von 1948 als Folge des Angriffs- und Vernichtungskrieg seitens der Araber und "heutigen" Palästinenser): Es gab diese Zahl nie. Es gibt sehr gute Dokumentationen und historisch/wissenschaftlich
seriös belegte (und bearbeitete) Quellen dazu. Die meisten dieser Vertriebenen, um es kurz zu machen, gingen freiwillig, auf Anraten und Empfehlung von arabischer Seite. Des Aggressors, der den Flüchtenden, die heutzutage als Vertriebene dargestellt werden, eine Rückkehr nach ein paar Monaten versprach,
und Vorteile, z.B. das Hinterlassene der vertriebenen Juden zu "erhalten". Sobald der neugegründete Staat Israel, im paläst. Wortlaut auch heute noch gerne nicht Israel, sondern "zionistisches Gebilde" genannt, vernichtet ist. Ausradiert. Und die Juden vertrieben sind.

Heute, so seriöse Expertenschätzungen, gibt es wohl noch um die ca. 30.000 Nachfahren jener Flüchtlingswelle von 1948. Von denen allerdings auch damals nur ein kleiner Bruchteil tatsächlich gezwungener Maßen - als Folge des von arabischer Seite angefangenen Angriffskrieges - aus ihren Lebensräumen vertrieben wurde.

Diese Hundertausenden Palästinenser sind Nachfahren, denen als einzige Flüchtlingsgruppe ihr Flüchtlingsstatus vererbt werden kann.

Sofern man von wirklich Hunderttausenden TATSÄCHLICH vertriebenen, palästinensisch-stämmigen Menschen sprechen kann, dann im Falle der Nakba von Kuweit, 1991. Dort waren ca. 30% der damaligen Einwohner Kuweits Palästinenser/-innen. Sinnigerweise ist Frau Abulhawa auch in Kuweit geboren…
Aber über diese zwangsweise, umfassende Vertreibung Hundertausender Palästinenser/-innen hört man wenig bis gar nichts. Niemand da, der diesen palästin. Vertriebenenschicksalen ein Gesicht geben will… Vor allem nicht von deren Seite.

Diese Vertreibung braucht wohl kein Gesicht… Selbst einer Buchautorin wie dieser BDS-Aktivistin Abulhawa dürfte eine erfundene Geschichte dazu schwer fallen.

Was lernen wir daraus? Die Kuweitis sind leider nicht wie Juden oder der "Apartheidsstaat" Israel propagandistisch ausschlachtbar. Und ein Rückkehrrecht der vertriebenen Palästinenser in ihre vormalige Heimat in Kuweit fordert auch niemand. Schon gar nicht die Vertriebenen selbst. Oder deren
politische Führer. Schon "komisch", oder?
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Liegestuhl » Mo 28. Mai 2018, 10:18

Jeder, der Verständnis für diese "friedlichen Demonstrationen" hat, sollte sich mal dieses Video anschauen:

Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 28. Mai 2018, 10:32

think twice hat geschrieben:(28 May 2018, 07:31)

Natürlich erzählt die Autorin die Geschichte aus Sicht eines palästinensischen Fluechtlingskind. Mir war es wichtig, dass sie die Gegenseite nicht offen verdammt, das verstehe ich unter objektiv. Das scheint nach Lesen vieler Rezensionen nicht der Fall zu sein und ist schon mehr, als viele Foristen hier in der Lage sind!

In den meisten Rezensionen ist von einer "Sache der Palästinenser" die Rede. Und eine solche Sache im Sinne irgendeiner "Mission" gibt es ebensowenig wie es einer "Sache der Serben" oder der Katalanen gibt. Das ist eine Geschichte, die von entsprechenden Organisation (PLO, Hamas in dem Fall) erzählt, weiter erzählt, betrieben wird. Weil die Angesprochenen irgendeine Motivation brauchen, um sich im Sinne dieser Organisationen zu verhalten. Was es gibt, sind grundsätzliche Menschenrechte. Die aber an keinerlei Gruppenzugehörigkeiten gekoppelt sind. Und weder das Gebiet Palästina oder das Staatsgebiet Israels oder die Region Schlesien kann irgendwem "gehören". Die Erde gehört allen Menschen. So phrasenhaft sich das auch anhören mag. Auch wenn es organisationsmäßig sinnvoll ist, dass die Erde in Staatsgebiete aufgeteilt ist, auf denen Behörden Souveränitätsrechte haben. Aber man soll aufhören, aus historischen Verläufen in irgendeiner Weise kulturell begründete Anspruchsrechte abzuleiten.

Die "Sache des kolumbianischen Volks" besteht darin, einem Drogen- und Entführungskartell zu dienen, das nach außen hin und fürs Volk Befreiungslegenden erzählt. Nicht viel anders siehts mit PLO/Hamas und "der Sache des palästinensischen Volks" aus. Und jahrzehntelang gab es die "Sache der arabischen Kulturnation" in Form des panarabischen Nationalismus. Die "Sache" bestand darin, einem System von Herrscherkasten zur Macht zu verhelfen bzw. deren Macht zu erhalten.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 28. Mai 2018, 10:42

Und auch der ursprüngliche, von Theodor Herzl entworfene Zionismus war ganz wesentlich philanthropisch und nicht kulturmissionarisch begründet. In den Siedlungen, die ihm vorschwebten, sollten Juden ganz selbstverständlich gemeinsam mit Arabern leben.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon bennyh » Mo 28. Mai 2018, 21:30

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(28 May 2018, 10:49)
Bezüglich Hundertausender Palästinensischer Vertriebener der sog. Nakba (datiert auf die Ereignisse von 1948 als Folge des Angriffs- und Vernichtungskrieg seitens der Araber und "heutigen" Palästinenser): Es gab diese Zahl nie. Es gibt sehr gute Dokumentationen und historisch/wissenschaftlich
seriös belegte (und bearbeitete) Quellen dazu. (...)

Können Sie eine oder mehrere dieser Quellen benennen?
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mo 28. Mai 2018, 22:23

Ja.

Kann man sehr leicht selbst (auch im Netz) recherchieren.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 28. Mai 2018, 22:43

Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt ist: Es gab mehrere Angebote von Israel und unter Vermittlung internationaler Partner, die Lebenssituation der arabisch sprechenden Menschen im Raum Gaza und Westjordanland zu verbessern bzw. überhaupt zu normalisieren. Bis hin zu Gaza + Fast das ganze WJL plus Ostjerusalem als palästinensischer Staat. (Barak 2000) Es hätte ein Anfang sein können aber es sollte nicht sein. Drastisch ausgedrückt: Organisationen wie PLO und Hamas wollen nicht Menschenrechte und bessere Lebensverhältnisse für die Menschen sondern es soll Krieg und Gewalt herrschen. Nur bei Krieg und Gewalt gibt es einen Opferstatus und nur bei einem Opferstatus gibts moralischen und vor allem finanziellen Beistand von außerhalb. Und das ganze heißt dann zynisch "Die Sache des Palästinensischen Volks".
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon bennyh » Mo 28. Mai 2018, 22:54

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(28 May 2018, 23:23)

Ja.


Wären Sie so freundlich?
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 28. Mai 2018, 23:11

Unabhängig davon: Ich habe heute eine Vorlesung zum Thema "Der 30 jährige Krieg". Vom Autor eines aktuellen sehr umfangreichen Buchs (Herfried Münkler) gehört. Ja, was hat das mit dem "Nahostkonflikt und den Arabern" zu tun. Eine der Thesen des Vortrags war, dass die Kriege, Auseinandersetzungen, Konflikte im Nahen Osten (im weiteren Sinne) in nicht wenigen Mustern denen des 30jährigen Krieges gleichen. (Der ja auch kein einzelner geschlossener Krieg sondern eine Zusammensetzung mehrerer, wenn auch verbundener Einzelkriege war). https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/herfried-muenkler-ueber-den-dreissigjaehrigen-krieg

Vieles davon erschien mir erstmal ziemlich schlüssig. Zuvorderst: In der Mischung aus Staatenkrieg, Bürgerkrieg, Religionskrieg und Machtgruppendominanzkrieg bezeichnet er den Religionskrieg (protestantisch vs. katholisch) als lediglich "strukturgebend". Vereinfacht gesagt: Den Leuten musste beigebracht werden, wer Freund und wer Feind ist und wofür sie auf dem Schlachtfeld sterben zu wollen sollen, um den Aufstieg und die Macht welcher Gruppe zu festigen. Und ähnlich siehts im Nahen Osten mit sunnitisch vs. schiitisch aus. Und dann (auch sehr sehr wichtig): Normalerweise sind in Kriegen irgendwann die Ressourcen verbraucht. Wenn sie nicht von außen kontinuierlich zugeführt werden. Im Dreißigjährigen Krieg waren das die unermesslichen Reichtümer Spaniens, Portugals und weiterer Koloniialmächte aus Übersee. Ein regelrechter Rausch von Reichtümern, der in Macht umgesetzt werden will. Und immer und immer neuen Nachschub für einen nicht enden wollenden Krieg liefert. Im Nahen Osten sinds - völlig klar - die Einkünfte aus Öl und Gas. Und schließlich: Die Auflösung der Fronten. Die diffuse Brutalisierung. In Regionen wie Bayern waren die einheimischen Truppen oftmals brutaler zu den Einheimischen als die ausländischen. Und die Anlässe: Der Prager Fenstersturz (aber eigentlich die Konflikte drumherum) hier, die (wie es bei Münkler heißt) völlig fahrlässig als "Arabischer Frühling" bezeichneten Ereignisse dort.

Schlechte Aussichten für den Nahostkonflikt und die Araber. Die Reduktion des Begriffs "Nahostkonflikt" auf die Konflikte in der Region Palästina scheint mir darüberhinaus mehr und mehr fragwürdig. Alles ist miteinander vernetzt und verkettet in der Region Nahost.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 28. Mai 2018, 23:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 May 2018, 23:43)

Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt ist: Es gab mehrere Angebote von Israel und unter Vermittlung internationaler Partner, die Lebenssituation der arabisch sprechenden Menschen im Raum Gaza und Westjordanland zu verbessern bzw. überhaupt zu normalisieren. Bis hin zu Gaza + Fast das ganze WJL plus Ostjerusalem als palästinensischer Staat. (Barak 2000) Es hätte ein Anfang sein können aber es sollte nicht sein. Drastisch ausgedrückt: Organisationen wie PLO und Hamas wollen nicht Menschenrechte und bessere Lebensverhältnisse für die Menschen sondern es soll Krieg und Gewalt herrschen. Nur bei Krieg und Gewalt gibt es einen Opferstatus und nur bei einem Opferstatus gibts moralischen und vor allem finanziellen Beistand von außerhalb. Und das ganze heißt dann zynisch "Die Sache des Palästinensischen Volks".

Kennst du schon Arye Sharuz Shalicar ?
Dieser sieht es auch ungefähr so, wobei der Werdegang dieser Person relativ ungewöhnlich und die Ansichten teils überraschend sein mögen.

Vom jugendlichen Graffitisprayer und Hip-Hopper im Berliner Problembezirk Wedding zum Pressesprecher der israelischen Armee. Als Sohn iranischer Juden war Arye Sharuz Shalicar in Berlin zunächst in der Hip-Hop-Szene unterwegs, schloss sich Jugendgangs an und strebte eine Karriere als Musiker an. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst dann die Kehrtwende: Shalicar studierte in Berlin Politikwissenschaften, Jüdische Studien und Islamwissenschaften - und wanderte 2001 nach Israel aus. Nach Abschluss eines Master-Studiengangs in Jerusalem arbeitete er zunächst für deutsche Medien und trat schließlich 2009 als Presseoffizier in die Israelischen Streitkräfte ein.
https://www.youtube.com/watch?v=_vnxHAv2ovg

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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mo 28. Mai 2018, 23:54

bennyh hat geschrieben:(28 May 2018, 23:54)

Wären Sie so freundlich?


Musa Alami: „The Lesson of Palestine“, Middle East Journal, Oktober 1949.
Haled al Azm: The Memoirs of Haled al Azm; London: Penguin Books 1955.
Yigal Allon in Sefer ha-Palmach, zitiert in: Larry Collins und Dominque Lapierre: O Jerusalem!, NY: Simon und Schuster 1972.
Yigal Allon: My Father‘s House; NY: W.W. Norton und Company, Inc. 1976.
Edward Atiyah: The Arabs; London: Penguin Books 1955.
Moshe Aumann, „Land Ownership in Palestine, 1880-1948“, in: Michael Curtis et al.: The Palestinians; NJ: Transaction Books 1975.
Moshe Aumann, Land Ownership in Palestine 1880-1948; Jerusalem: Academic Committee on the Middle East 1976.
Arieh Avneri: The Claim of Dispossession; NJ: Transaction Books 1948.
Dr. Mitchell G. Bard, Behauptungen und Tatsachen, Chevy Case, MD 2003.
BBC: “Israel and the Arabs: The 50 Year Conflict“, BBC TV series.
David Ben-Gurion: Rebirth and Destiny of Israel, NY: Philosophical Library 1954.
Larry Collins und Dominique Lapierre: O Jerusalem!; NY: Simon und Schuster 1972.
Des Moines Register Editorial, 16. Januar 1952.
Golda Meir: My Life; NY: Dell 1975.
Martin Gilbert, Atlas of the Arab-Israeli Conflict, New York: Oxford University Press 1993.
John Bagot Glubb: A Soldier with the Arabs; London: Staughton und Hodder 1957.
Ben Halpern: The Idea of a Jewish State; MA: Harvard University Press, 1969.
Yehoshofat Harkabi: Arab Attitudes to Israel; Jerusalem: Israel Universities Press 1972.
Jeffrey Herf (Hg.): Hitlers Dschihad. Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda für Nordafrika und den Nahen Osten. in Zs.
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Oldenburg, München April 2010, H. 2, S. 259 – 286.
Theodor Herzl, Der Judenstaat, 6. Aufl., Köln o.J.
David Horowitz: State in the Making; NY: Alfred A. Knopf 1953.
J.C. Hurewitz: The Struggle for Palestine; NY: Shocken Books 1976.
Hans Adolf Jacobsen, Der Weg zur Teilung der Welt, Koblenz/Bonn 1973.
Sharif Kanaana und Nihad Zitawi: „Deir Yassin“, Monograph Nr. 4, Dokumentationsprojekt über zerstörte palästinensische Dör-
fer; Bir Zeit: Dokumentationszentrum der Bir-Zeit-Universität 1987.
Sharif Kanaana, „Reinterpreting Deir Yassin“, Bir-Zeit-Universität, April 1998.
Samuel Katz: Battleground-Fact and Fantasy in Palestine; NY: Bantam Books 1977.
Myron Kaufman: The Coming Destruction of Israel; NY: The American Library Inc. 1970.
Benjamin Kedar: The Changing Land Between the Jordan and the Sea; Israel: Yad Izhak Ben-Zvi Press 1999.
Elie Kedourie: Islam in the Modern World; London: Mansell 1980.
König Abdallah: My Memoires Completed; London: Longman Group, Ltd. 1978.
Königliche Palästina-Kommission (Großbritannien): Bericht der Königlichen Palästina-Kommission 1937.
Dan Kurzman: Genesis 1948; OH: New American Library, Inc. 1970.
Isi Leibler: The Case For Israel; Australia: The Globe Press 1972.
James G. Lindsay, Policy Focus No. 91 – Fixing UNRWA: Repairing the UN ́s Troubled System of Aid to Palestinian Refugees, The
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Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina.
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Neville Mandel, „Attempts at an Arab-Zionist Entente: 1913-1914“, Middle Eastern Studies, April 1965.
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Aaron Miller: The Arab States and the Palestine Question; DC: Center for Strategic and International Studies 1986.
Uri Milstein: History of Israel‘s War of Independence, Vol. IV; Lanham: University Press of America 1999.
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Ralph Patai (Hrsg.): Encyclopedia of Zionism and Israel; NY: McGraw Hill 1971.
Yehoschua Porath: The Emergence of the Palestinian-Arab National Movement, 1918-1929; London: Frank Cass, 1974.
Yehoschua Porath, Palestinian Arab National Movement: From Riots to Rebellion: 1929-1939, Bd. 2; London: Frank Cass and Co.,
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Terence Prittie, „Middle East Refugees“, in: Michael Curtis et. al.: The Palestinians; NJ: Transaction Books 1975.
Ingomar Reinartz (Hrsg.): Konflikt in Nahost. Dokumente, Materialien und Abkommen zur Entstehung und zum Verlauf des Kon-
flikts zwischen Israelis, Arabern und Palästinensern. Heggen-Dokumentation 8; Leverkusen: Heggen-Verlag 1983.
Howard Sachar: A History of Israel: From the Rise of Zionism to Our Time; NY: Alfred A. Knopf 1979.
Joseph Schechtmann: The Refugee in the World; NY: A.S. Barnes und Co 1963.
Friedrich Schreiber und Michael Wolffsohn: Nahost; Opladen: Leske + Budrich 1993.
Tom Segev: 1949: The First Israelis; NY: The Free Press 1986.
Moshe Sharett, „Israel‘s Position and Problems“, Middle Eastern Affairs, Mai 1952.
David K. Shipler: Arab and Jew; NY: Times Book 1986.
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen: Offizielle Berichte des Sicherheitsrates, S/Agenda/58, 16. April 1948.
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen: Offizielle Berichte des Sicherheitsrats, Ergänzung (Special Supplement), 1948.
John Hope Simpson: Palestine: Report on Immigration, Land Settlement and Development; London 1930.
I. F. Stone: This is Israel; NY: Boni und Gear 1948.
Britischer Superintendent der Polizei von Haifa: Geheimes Memo vom 26. April 1948 vom Superintendenten der Polizei über die
allgemeine Lage in Haifa. S. auch sein Memo vom 29. April, zit. n. Mitchell G. Bard, Behauptungen und Tatsachen
Carl Voss: The Palestine Problem Today, Israel and Its Neighbors; MA: Beacon Press, 1953. -Washington Post, 8. Mai 2001.
Meyrav Wurmser: The Schools of Ba’athism: A Study of Syrian Schoolbooks; Washington, D.C.: Middle East Media and Research
Institute (MEMRI) 2000.
Avner Yaniv, PLO; Jerusalem: Israel Universities Study Group of Middle Eastern Affairs, August 1974.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Vongole » Mo 28. Mai 2018, 23:58

Gute Auswahl, Eulenwölfchen, und so ausführlich ;)
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Bleibtreu » Di 29. Mai 2018, 00:12

DarkLightbringer hat geschrieben:(29 May 2018, 00:16)

Kennst du schon Arye Sharuz Shalicar ?[...]

Arye ist grossartig und ein unglaublich sympathischer Mensch! :)
Inzwischen ist er nicht mehr PresseSprecher der IDF, sondern Mitarbeiter im Ministerium für Nachrichtendienst.
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon DarkLightbringer » Di 29. Mai 2018, 00:15

Bleibtreu hat geschrieben:(29 May 2018, 01:12)

Arye ist grossartig und ein unglaublich sympathischer Mensch! :)
Inzwischen ist er nicht mehr PresseSprecher der IDF, sondern Mitarbeiter im Ministerium für Nachrichtendienst.

Sympathisch auf jeden Fall, aber auch sehr authentisch und teils mit Ansichten, die man doch gern näher diskutieren wollen würde.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon bennyh » Di 29. Mai 2018, 02:19

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(29 May 2018, 00:54)

Musa Alami: „The Lesson of Palestine“, Middle East Journal, Oktober 1949.
Haled al Azm: The Memoirs of Haled al Azm; London: Penguin Books 1955.
(...)
Meyrav Wurmser: The Schools of Ba’athism: A Study of Syrian Schoolbooks; Washington, D.C.: Middle East Media and Research
Institute (MEMRI) 2000.
Avner Yaniv, PLO; Jerusalem: Israel Universities Study Group of Middle Eastern Affairs, August 1974.

Interessantes copy&paste von hier: http://deutsch-israelische-gesellschaft ... 7_2013.pdf
Interessant auch, dass Sie zahlreiche Quellen von vor 1947/1948 geben, wo es doch um die Eregnisse von 1947/1948 geht.
Interessant auch, dass es bereits in Ihrer ersten Quelle (Musa Alami: „The Lesson of Palestine“) heisst:
Hundreds of thousands of the Arabs of Palestine have left
their houses and homes, suffered the trials and terrors of flight,
died by the wayside, lived in misery and destitution, naked,
unprotected, children separated from their parents, robbed,
raped, and reduced to the most miserable straits.

wohingegen Sie behaupten (und mit Ihren Quellen angeblich belegen)
Eulenwoelfchen hat geschrieben:Bezüglich Hundertausender Palästinensischer Vertriebener der sog. Nakba (datiert auf die Ereignisse von 1948 als Folge des Angriffs- und Vernichtungskrieg seitens der Araber und "heutigen" Palästinenser): Es gab diese Zahl nie.

Die restlichen Quellen durchzugehen waere wohl Zeitverschwendung.
"Dafür bekommst Du ne saftige Sperre, Junge!"
"Bei uns herrschen Regeln. Nimm dich gefälligst zurück, sonst bist du hier raus, aber für immer!"
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 29. Mai 2018, 07:38

DarkLightbringer hat geschrieben:(29 May 2018, 00:16)

Kennst du schon Arye Sharuz Shalicar ?

Ja. Kluger Mensch erstens und zweitens wahrlich vertraut mit der Situation vor Ort sowohl in Berlin/Deutschland als auch (inzwischen) in Israel. Im Interview mit dem DLF:
Aus israelischer Sicht geht es absolut nicht nur um die Palästinenser, sondern man guckt nach Iran, man guckt nach Syrien, man nimmt die Hisbollah-Terrororganisation wahr, man nimmt den Islamischen Staat auf der Sinai-Halbinsel wahr. Es passiert sehr viel um uns herum, ein größeres Bild, eine größere strategische Bedrohung, die eigentlich über uns schwebt, weitaus mehr als das palästinensische Thema. Wenn es nur um die Palästinenser gehen würde, hätten wir schon längst Frieden. Leider passiert etwas viel größeres, was man in Deutschland ein bisschen ausblendet, wenn man über den Nahost-Konflikt redet, weil mittlerweile sollte man in Deutschland feststellen, dass der Nahost-Konflikt bei weitem nicht mehr Muslime untereinander, Schiiten gegen Sunniten, Türken gegen Kurden, Iran gegen Saudi-Arabien, Ägypten gegen den Islamischen Staat. Das muss man wahrnehmen. Israel und die Palästinenser ist, sondern der Nahe Osten insgesamt, die Muslime untereinander, Schiiten gegen Sunniten, Türken gegen Kurden, Iran gegen Saudi-Arabien, Ägypten gegen den Islamischen Staat. Das muss man wahrnehmen.
http://www.deutschlandfunk.de/publizist-shalicar-zu-70-jahre-israel-deutschland.694.de.html?dram:article_id=415974
Da hat man bei der Erstellung der Textfassung zwar ein wenig die Sätze durcheinandergebracht aber klar ist, was gemeint ist: Hinter den vordergründig vorgebrachten Motiven "fürs Volk" stehen handfeste Interessen, die nur sehr wenig mit Religion, Ethnie und kultureller zugehörigkeit zu tun haben. Es ist auch interessant, wie in dem verwiesenen Beitrag der Interviewer den Interviewten hartnäckig in eine israelkritische Position zu drängen versucht und dieser jedoch völlig souverän bleibt.
Gestern zum Beispiel hier auf unseren Feiern bin ich wirklich in mich gegangen und habe gedacht: Wie schön wäre es, wenn die Palästinenser 1948, sage ich mal, den Weg gewählt hätten, mit uns wirklich diesen Weg zu laufen, Seite an Seite.
...
Und die Sache ist die, dass wir natürlich nicht unseren Feind beim Libanesen, dem Palästinenser oder dem Iraner an sich sehen, sondern bei den Organisationen, die uns bekämpfen. ... Unter dem Terror leiden natürlich nicht nur wir Juden, sondern in erster Linie die Muslime selbst in den Ländern um uns herum und auch in Deutschland.

Das heißt, er sieht ganz klar die Interessenslinien hinter den vordergründig kulturalistisch und religiös vorgebrachten Argumenten und steht quer zu der brandgefährlichen These, dass ein Zusammenleben von Muslimen mit Menschen anderen Glaubens oder Nichtgläubigen aufgrund kultureller Zugehörigkeiten und Eingebettetheiten prinzipiell ausgeschlossen sei.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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