Die Araber und der Nahostkonflikt

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schokoschendrezki
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jun 2018, 21:01

Aber auch mal als äußerst positives Gegenbeispiel: Das aktuelle Buch des Journalisten und (zweifachen) Pulitzer-Preisträgers Steve Coll: "Directorate S. The C.I.A. and America's secret wars in Afghanistan and Pakistan". Obgleich das Buch noch nicht mal auf Deutsch herausgegeben wurde, sind auch hier Rezensionen dazu euphorisch, Es wird das Standardwerk zur Geschichte des Afghanistankonflikts werden. http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2018/06/04/steve_coll_directorate_s_amerikas_geheime_kriege_dlf_20180604_1940_34f155ac.mp3. Directory S. ist die Abteilung des pakistanischen Geheimdienstes, ,die Terrorgruppen für den Einsatz im Ausland ausbildet. Weil: Es seziert diese Konfliktgeschichte nüchtern nach Interessenslinien, Machtinteressen, Geldströmen, Wirtschaftsinterventionen, internen Konflikten zwischen CIA und Washington, rivalisierenden afghanischen Warlord-Clans, von Machtinteressen geleiteten internationalen Allianzen, russischem Großmachtstreben ... da wird hinter diese kulturalistische Fassade geschaut. Da wird der genaue Verlauf eines Macht-Schachspiels nachanalysiert. Eine große Menge politischer Diskussionen heute geht vor allem nach dem Zugehörigkeits-Schema: Ich gehöre zur Familie A, die ist gebildet, gut, aufrecht, demokratisch. Und Familie B ist niederträchtig, ungebildet, autokratisch. Und damit lässt sich nicht nur alles erklären, damit weiß ich auch, wohin ich zu gehören habe, Aber damit sinkt das Niveau politischer Analysen von den hohen Standards eines Tucholsky oder Ossietzky, die sich vor allem als unbahängige Intellektuelle, distanziert und fern aller Zugehörigkeit sahen, auf das Niveau von RTL-Familienstreits-Verfilmungen.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 12. Jun 2018, 21:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Tom Bombadil » Di 12. Jun 2018, 21:09

"Kulturalistisch" ist offensichtlich eines deiner Lieblingsbuzzwords. Nur: was hat das mit dem Strangthema zu tun?
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schokoschendrezki
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jun 2018, 21:18

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Jun 2018, 22:09)

"Kulturalistisch" ist offensichtlich eines deiner Lieblingsbuzzwords. Nur: was hat das mit dem Strangthema zu tun?

Ähm, T.B. , erster Satz des ersten Beitrags des Strangthemas:
Araber leben, ebenso wie Juden, in unterschiedlichen Staaten, haben dort ihre nationale Identität und haben aber gleichzeitig noch eine weitere, eigenständig arabische (bzw. jüdische) Identität.

Sprich: In erster Linie ergeben sich internationale Konflikte nicht daraus, dass es Interessenskonflikte und Machtkämpfe gibt, sondern daraus, dass Menschen bestimmte nationale, religiöse, ethnische Identitäten haben und "Kulturkreisen" angehören. Das ist Kulturalismus. Und das genau ist das Lieblingsverführungsinstrument derer, die eigentlich hinter solchen Konflikten stehen. Die Führung der Hamas ist ein Machtbaustein und die "gerechte Sache des palästinensischen Volks" ist eine kulturalistische Erzählung.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Tom Bombadil » Di 12. Jun 2018, 22:13

"Kulturkreise" sind mW. ein veraltetes Konzept, trotzdem gibt es kulturelle Unterschiede zwischen den Völkern, die man nicht einfach als Kulturalismus abtun sollte. Wobei das Wort an sich ja auch nicht eindeutig definiert ist.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 27. Jun 2018, 12:53

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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Vongole » Mo 2. Jul 2018, 13:50

Arabische Staaten haben die Nase voll von von Abbas.

Die Spitzenvertreter der gemäßigten arabischen Länder sollen dem Nahostgesandten Präsident Donald Trumps mitgeteilt haben, dass sie einen amerikanischen Friedensplan auch dann unterstützen würden, wenn die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) sich weigern sollte, über ihn zu verhandeln. Hochrangige Vertreter Ägyptens, Jordaniens, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in den letzten Tagen mit dem Berater des Weißen Hauses Jared Kushner und dem US-Sondergesandten Jason Greenblatt getroffen und Berichten zufolge erklärt, sie seien der Verweigerungshaltung des Präsidenten der PA Mahmoud Abbas überdrüssig und würden Trumps Nahostfriedensplan nicht im Wege stehen.

Top officials in all four nations made it clear to ‎the Palestinian leader that he had to listen ‎to the ‎American proposal because he was simply in no ‎position to ‎dictate terms to the Americans as to with whom he ‎will or will not negotiate.

A senior Jordanian official told Israel Hayom Sunday ‎that it was made clear to the American envoys that the ‎‎"Arab states will not be the ones to throw a wrench ‎in the wheels of the peace process, and that Abbas' ‎continued refusal to work with the Americans will ‎lead to a regional peace plan being launched without ‎him."‎

This, he warned, "would render the Palestinian ‎leadership irrelevant with respect to the peace ‎process."

http://www.israelhayom.com/2018/06/25/a ... bbas-head/
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon relativ » Mo 2. Jul 2018, 14:17

Vongole hat geschrieben:(02 Jul 2018, 14:50)

Arabische Staaten haben die Nase voll von von Abbas.

Die Spitzenvertreter der gemäßigten arabischen Länder sollen dem Nahostgesandten Präsident Donald Trumps mitgeteilt haben, dass sie einen amerikanischen Friedensplan auch dann unterstützen würden, wenn die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) sich weigern sollte, über ihn zu verhandeln. Hochrangige Vertreter Ägyptens, Jordaniens, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in den letzten Tagen mit dem Berater des Weißen Hauses Jared Kushner und dem US-Sondergesandten Jason Greenblatt getroffen und Berichten zufolge erklärt, sie seien der Verweigerungshaltung des Präsidenten der PA Mahmoud Abbas überdrüssig und würden Trumps Nahostfriedensplan nicht im Wege stehen.


http://www.israelhayom.com/2018/06/25/a ... bbas-head/

Hat der Trump denn schon einen, bzw. wissen die arabischen Staaten, schon was sie da zustimmen wollen?
Also evtl. sind da einige Zeitungen ob der "Trumpomanie" ein wenig zu euphorisch. ;)
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Vongole » Mo 2. Jul 2018, 14:24

relativ hat geschrieben:(02 Jul 2018, 15:17)

Hat der Trump denn schon einen, bzw. wissen die arabischen Staaten, schon was sie da zustimmen wollen?
Also evtl. sind da einige Zeitungen ob der "Trumpomanie" ein wenig zu euphorisch. ;)


Es geht darum, dass sich die PA jedem wie immer gearteten Plan widersetzt, und diese Verweigerungshaltung bringt die arabischen Staaten auf.
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon Vongole » Fr 6. Jul 2018, 12:34

Yair Lapid, Vorsitzender von Jesh Atid, und Moshe Ya'alon, ehemaliger Verteidigungsminister, wenden sich mit
einem, aus meiner Sicht genialen Plan an die USA und die westliche Öffentlichkeit:

Sie appellieren an die amerikanischen Regierung und beide Kongressparteien, einen internationalen Prozess zur Anerkennung der isr. Souveränität über die Golanhöhen anzuführen.

Seit Israel 1967 die Golanhöhen von Syrien (das dort nur 21 Jahre herrschte) befreit hat, entstand ein blühendes Land, der drusische Teil der Bevölkerung hat gleiche Bürgerrechte,
es leben dort keine Palästinenser.
Durch die historisch gerechte Anerkennung könnten die USA einen Preis von Assad für sein menschenverachtendes System fordern, ohne militärisches Erscheinen.

The man who didn’t hesitate to use chemical weapons against women and children, continued to demand the Golan Heights in the name of “international law.” The fact that anyone in the Western world still takes that argument seriously is worse than naivete – it is insanity. Does his monstrous behavior have no cost? Do we live in the world without any sense of reward and punishment? The fact that the Golan Heights is under Israeli rule is the only thing that saved it from the Syrian valley of death, which is collapsing under the weight of violence and destruction.

The international community, led by the United States, needs to do the simple thing: To announce that they see the world as it is. We call on the American administration and both parties – Republicans and Democrats – to lead an international process of recognition of Israeli sovereignty over the Golan Heights.


https://www.timesofisrael.com/will-the- ... 0-54470705
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Re: Die Araber und der Nahostkonflikt

Beitragvon tabernakel » So 8. Jul 2018, 12:59

Vongole hat geschrieben:(02 Jul 2018, 15:24) Es geht darum, dass sich die PA jedem wie immer gearteten Plan widersetzt, und diese Verweigerungshaltung bringt die arabischen Staaten auf.
Das Stimmt so nicht ganz. Einem Plan in dem Israel aufgelöst, und die gesamte jüdische Bevölkerung deportiert wird (nach einigen hunderttausenden zur Vergangenheitsbewältigung "notwendigen" Morden versteht sich), dem würde sich auch die PA nicht widersetzen. Solange sie in der Nachfolge despotisch über das Land herrschen dürften, versteht sich.

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