Dokumentation über Antisemitismus

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elmore
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Di 4. Jul 2017, 22:10

Dann bringen wir den Thread mit "Bewährtem" auf den Stand.
Und zwar in der Art, dass sich jedermann zu der Dokumentation
selbst ein Bild machen kann und dem, was hintenrum durch die
Verantwortlichen des WDR ins unsägliche Werk gesetzt wurde.

Ein Interview mit dem Filmautor Schröder, den der WDR
nicht zu Wort kommen ließ. Auch nicht die zuständige Redakteurin
für diese Arte-Doku, die vielfach mit Preisen ausgezeichnete und erfahrene
Redakteurin, Prof. Dr. Sabine Rollberg, die die Dokumentation abgenommen
und genehmigt hatte.

https://www.youtube.com/watch?v=av3wnjz89iE
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Gutmensch1
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Gutmensch1 » Mi 5. Jul 2017, 10:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Jun 2017, 19:45)

Darf ich hier nochmal an die sogenannte Hohmann-Affäre erinnern. Nicht, weil ich deine Parteienliste jetzt unbedingt auch noch durch CDU/CSU ergänzen wollte. Das Skandalöse an dem Fall ist etwas ganz anderes. Dass Hohmanns Thesen anlässlich einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2003, die von extremsten antisemitischen Stereotypen geprägt war, bis hin zu der These, man könne die Juden unter gewissen Voraussetzungen auch als "Tätervolk" bezeichnen, dass diese antisemitischen Ausfälle, vom Publikum, ganz normalen hessischen Kleinstadtbürgern nicht nur nicht zurückgewiesen sondern vor allem gar nicht als solche bemerkt wurden. Dabei ließen sie an Deutlichkeit so sehr nichts zu wünschen übrig, dass am Ende ein Parteiausschluss sich nicht verhindern ließ.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hohmann-Aff%C3%A4re
Wiederum kann ich mich nur darüber wundern, dass bei so vielen Menschen in Deutschland und Frankreich die Verbreitetheit von Antisemitismus gerade auch im Mainstream Erstaunen auslöst.


Es gibt Leute, die sich darüber wundern, weil sie unpolitisch sind und sonst auch nicht viel über das Thema mitbekommen.
Die aber, die sich über die Verbreitung von Antisemitismus wundern und gleichzeitig gerne und viel über den Nahostkonflikt debattieren, möchten eher das Thema als überbewertet, als unbekannt oder gar als gänzlich nicht existent verbuchen, weil sie sich vielleicht selbst hin und wieder dabei ertappen, verdächtig antisemitisch zu argumentieren.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 5. Jul 2017, 11:11

Gutmensch1 hat geschrieben:(05 Jul 2017, 11:57)

Es gibt Leute, die sich darüber wundern, weil sie unpolitisch sind und sonst auch nicht viel über das Thema mitbekommen.
Die aber, die sich über die Verbreitung von Antisemitismus wundern und gleichzeitig gerne und viel über den Nahostkonflikt debattieren, möchten eher das Thema als überbewertet, als unbekannt oder gar als gänzlich nicht existent verbuchen, weil sie sich vielleicht selbst hin und wieder dabei ertappen, verdächtig antisemitisch zu argumentieren.

ich ertapfe mich selbst darauf, daß wenn einer redet meine konzentration schnell nachläßt. besonders aber wenn ziemlich monoton geredet wird.
wieviel menschen können eine gehaltene rede sofort analysieren? die meisten menschen realisieren sich nicht, was gesagt wurde.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Jul 2017, 12:14

Gutmensch1 hat geschrieben:(05 Jul 2017, 11:57)

Es gibt Leute, die sich darüber wundern, weil sie unpolitisch sind und sonst auch nicht viel über das Thema mitbekommen.
Die aber, die sich über die Verbreitung von Antisemitismus wundern und gleichzeitig gerne und viel über den Nahostkonflikt debattieren, möchten eher das Thema als überbewertet, als unbekannt oder gar als gänzlich nicht existent verbuchen, weil sie sich vielleicht selbst hin und wieder dabei ertappen, verdächtig antisemitisch zu argumentieren.


Die 120 Anwesenden bei Hohmanns Skandalrede 2003 in Neuhof waren zum allergrößten Teil Mitglieder des CDU-Ortsverbands. Von "unpolitisch" kann da schon mal gar keine Rede sein.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Gutmensch1 » Mi 5. Jul 2017, 13:28

Nomen Nescio hat geschrieben:(05 Jul 2017, 12:11)

ich ertapfe mich selbst darauf, daß wenn einer redet meine konzentration schnell nachläßt. besonders aber wenn ziemlich monoton geredet wird.
wieviel menschen können eine gehaltene rede sofort analysieren? die meisten menschen realisieren sich nicht, was gesagt wurde.


Das sehe ich auch so, die meisten hören gar nicht hin.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Gutmensch1 » Mi 5. Jul 2017, 13:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 13:14)

Die 120 Anwesenden bei Hohmanns Skandalrede 2003 in Neuhof waren zum allergrößten Teil Mitglieder des CDU-Ortsverbands. Von "unpolitisch" kann da schon mal gar keine Rede sein.


Stimmt schon, in dem speziellen Fall wundert man sich schon über die fehlende Reaktion aber wer weiss wieviele von den Zuhörern überhaupt richtig aufgepasst haben. Dennoch, ein Skandal ist es in jedem Fall.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 5. Jul 2017, 14:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 13:14)

Die 120 Anwesenden bei Hohmanns Skandalrede 2003 in Neuhof waren zum allergrößten Teil Mitglieder des CDU-Ortsverbands. Von "unpolitisch" kann da schon mal gar keine Rede sein.

Bei Abbas Rede vor dem EU-Parlament waren es wohl noch "ein paar mehr". Und direkt als unpolitisch kann man sie auch nicht bezeichnen…samt ihrem damaligen Parlamentspräsidenten Martin Schulz.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 00:26

Hat jemand diese Arte-Dokumentation gesehen? Lief wohl auf Arte am 22. Juli 2017- Muss mal sehen, ob sie in einer Mediathek zu finden ist.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Procedere der Ausstrahlung gegenüber Arte scharf kritisiert,
das hier nicht die bei der vormaligen Doku über Antisemitismus angelegten Maßstäbe der Ausgewogenheit
samt "Fakencheck" unter Untertitel nötig waren. Trotz erkennbarer Einseitigkeit und auch keinerlei
Möglichkeiten, aus israelischer Sicht zu den in der Doku erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen zu können.

Schuster verwies auf die Antisemitismus-Reportage „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“,
die Anfang Juni für Schlagzeilen gesorgt hatte. Arte hatte die Dokumentation wegen vermeintlicher Einseitigkeit
zunächst zurückgezogen und nach öffentlicher Kritik nur mit einordnenden Untertiteln gezeigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zentralrat-der-juden-kritisiert-gaza-reportage-15132102.html
Einseitige Berichterstattung?
Zentralrat der Juden kritisiert Gaza-Reportage
Anfang Juni hat der Zentralrat die Absetzung einer Dokumentation über Antisemitismus angeprangert.
Nun kritisiert er, dass ein Bericht ausgestrahlt wurde.
Wieder richten sich die Vorwürfe gegen den deutsch-französischen Sender Arte.


Zitat aus dem FAZ-net Artikel vom 01.08.207:
Einen ähnlichen Faktencheck regte der Zentralratspräsident nun auch für die Gaza-Dokumentation an.
Der Film über den Gaza-Streifen strotze vor „Auslassungen und Falschinformationen“ und räume der israelischen
Seite keine Möglichkeit ein, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen.
Der Zentralratspräsident forderte den Sender dazu auf,
die Reportage „in dieser Form“ nicht mehr zu zeigen und sie zu überarbeiten, um die „eklatanten Mängel zu beseitigen“.
Arte kündigte auf Anfrage von FAZ.NET eine schriftliche Stellungnahme an.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Flaschengeist » Mi 2. Aug 2017, 00:48

elmore hat geschrieben:(02 Aug 2017, 01:26)

Hat jemand diese Arte-Dokumentation gesehen? Lief wohl auf Arte am 22. Juli 2017- Muss mal sehen, ob sie in einer Mediathek zu finden ist.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Procedere der Ausstrahlung gegenüber Arte scharf kritisiert,
das hier nicht die bei der vormaligen Doku über Antisemitismus angelegten Maßstäbe der Ausgewogenheit
samt "Fakencheck" unter Untertitel nötig waren. Trotz erkennbarer Einseitigkeit und auch keinerlei
Möglichkeiten, aus israelischer Sicht zu den in der Doku erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen zu können.

Schuster verwies auf die Antisemitismus-Reportage „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“,
die Anfang Juni für Schlagzeilen gesorgt hatte. Arte hatte die Dokumentation wegen vermeintlicher Einseitigkeit
zunächst zurückgezogen und nach öffentlicher Kritik nur mit einordnenden Untertiteln gezeigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zentralrat-der-juden-kritisiert-gaza-reportage-15132102.html
Einseitige Berichterstattung?
Zentralrat der Juden kritisiert Gaza-Reportage
Anfang Juni hat der Zentralrat die Absetzung einer Dokumentation über Antisemitismus angeprangert.
Nun kritisiert er, dass ein Bericht ausgestrahlt wurde.
Wieder richten sich die Vorwürfe gegen den deutsch-französischen Sender Arte.


Zitat aus dem FAZ-net Artikel vom 01.08.207:
Einen ähnlichen Faktencheck regte der Zentralratspräsident nun auch für die Gaza-Dokumentation an.
Der Film über den Gaza-Streifen strotze vor „Auslassungen und Falschinformationen“ und räume der israelischen
Seite keine Möglichkeit ein, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen.
Der Zentralratspräsident forderte den Sender dazu auf,
die Reportage „in dieser Form“ nicht mehr zu zeigen und sie zu überarbeiten, um die „eklatanten Mängel zu beseitigen“.
Arte kündigte auf Anfrage von FAZ.NET eine schriftliche Stellungnahme an.




Was hat der Zentralrat mit Gaza zu tun?

Ich habe mir die Dokumentation angeschaut. Schwer erträglich muß ich feststellen. Sogar eine Kritik am Finanzsystem soll Antisemitismus sein.

Natürlich kann eine Kritik an Israel Antisemitisch sein. Aber wie geht man dann mit Israelis um die Israel kritisieren?

Hier mal ein Beitrag von 3 Sat über Antisemitismus. Quasi als Gegenrede.



Privat habe ich nur einmal wirklichen Antisemitismus erlebt. Da wird in Deutschland vermutlich mehr über Ossis gehetzt.
„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 00:53

Hier noch ein ergänzender Hintergundartikel auf hagalil.com, incl. eines offenen Briefes an
Arte Deutschland.

http://www.hagalil.com/2017/08/offener-brief-an-arte/
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 01:01

Flaschengeist hat geschrieben:(02 Aug 2017, 01:48)

Privat habe ich nur einmal wirklichen Antisemitismus erlebt.

Ach tatsächlich? Du hast tatsächlich einmal Antisemitismus erlebt?
Das glaube ich dir nicht!
Wo denn? - Erzähl mal!
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Flaschengeist » Mi 2. Aug 2017, 01:05

elmore hat geschrieben:(02 Aug 2017, 02:01)

Ach tatsächlich? Du hast tatsächlich einmal Antisemitismus erlebt?
Das glaube ich dir nicht!
Wo denn? - Erzähl mal!



Ich war in Antwerpen, dem Jerusalem des Nordens.

Ein Kollege sah sich genötigt mir seine Weisheiten über Juden mit zu teilen.
„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 01:36

Flaschengeist hat geschrieben:(02 Aug 2017, 02:05)

Ich war in Antwerpen, dem Jerusalem des Nordens.

Ein Kollege sah sich genötigt mir seine Weisheiten über Juden mit zu teilen.


Welche Weisheiten deines (niederländischen?) Kollegen waren das, die du dann als antisemitisch geortet hast?
Und weshalb sah er sich dir gegenüber genötigt?
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Flaschengeist » Mi 2. Aug 2017, 01:40

elmore hat geschrieben:(02 Aug 2017, 02:36)

Welche Weisheiten deines (niederländischen?) Kollegen waren das, die du dann als antisemitisch geortet hast?
Und weshalb sah er sich dir gegenüber genötigt?



Was es gesagt hat kann ich hier nicht schreiben. Wir leben schließlich in Deutschland.

Er hatte einfach zu viel getrunken. Und das macht manche Menschen eben etwas redselig. :cool:
„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 01:44

okay.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Mi 2. Aug 2017, 11:06

Flaschengeist hat geschrieben:(02 Aug 2017, 01:48)
...

Hier mal ein Beitrag von 3 Sat über Antisemitismus. Quasi als Gegenrede.



...


Der Film des israel. Filmemachers und Regiesseurs Yoav Schamir ist, so denke ich,
in diesem Board bereits ausreichend thematisiert worden. Ich war zum Sendezeitpunkt hier noch nicht registriert und
habe auch nicht als Gast mitgelesen. Deshalb gehe ich - aus meiner Sicht - nochmals kurz auf den Film "Defamation" von Yoav Shamir ein

Stellvertretend erlaube ich mir, eingangs, dazu eine Stellungnahme des Users Dieter Winter (04. Juli 2013/7 Uhr 01, Sub 21/Innere Sicherheit/Thread "Antisemitismus") zu diesem Film einzukopieren:
http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=34&t=37644&p=2042769&hilit=Defamation#p2042769

-----------------------------
Persönlich halte ich den Film für tendenziös, antisemitismusverharmlosend, teils sogar in seltsamer Realitätsverweigerung negierend.
Für mich ist der Autor des Films sehr "ambiguo". Auch nicht glaubwürdig in seiner "naiv" dargebrachten Behauptung, die er gleich zu Anfang des Films
selbst aufstellt: "Er sei noch nie Antisemitismus begegnet bzw. habe diesen persönlich erlebt".

Etwas später im Film kommt seine, stolz und in Enkelliebe, dargestellte Großmutter zu Wort, deren unverhohlener Antisemitismus
bzw. antisemitische Klischees fast schon auf keine Kuhhaut mehr passen. Insofern ist die Aussage des Autors
Yoav Shamir, "er habe noch nie in seinem Leben Antisemitismus erlebt" und wolle sich sozusagen auf die Suche machen,
durch seine Oma selbst widerlegt. Man darf annehmen, dass er mit dieser Frau in seinem Aufwachsen bis hin zu dem Zeitpunkt,
wo er ein politisch eigenständig denkender erwachsener Mensch wurde, doch des öfteren gesprochen hatte. Vor dem Film "Defamation".
Ob er dabei schlicht Tomaten auf den Augen hat oder hatte, lasse ich offen.

Die Welt kommentierte in einem Artikel damals zu diesem Film - sinngemäß widergegeben - etwa so:
Es kommt immer darauf an, wo man hingeht und sucht, und nicht findet. Wäre er in arabische Länder gefahren,
hätte er ihn reichlich gefunden und wäre vermutlich auch gleich gelyncht worden.

Ich halte den Film für Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus… Ob der Filmautor selbst diese Intention hatte, genau das zu bedienen,
lasse ich offen. Und auch, ob seine Behauptung stimmt, dass in Israel selbst, wenn man dort als Jude oder Jüdin lebt,
so gut wie nie mit Antisemitismus konfrontiert wird. Dieser faktisch nicht spürbar oder vorhanden sei.

Natürlich ist ein preisgekrönter Dokumentarfilmer, noch dazu ein jüdischer Israeli, der für andere Filme vorher
auch in Europa Preise verliehen bekam, auch hierzulande wohl sowas wie eine heilige Kuh, völlig unverdächtig und sakrosankt
gegenüber der Feststellung: "Die Kritiker der Elche sind oft selber welche".

Für mich ist das ein Film, der im Grunde eines zeigt: Nicht nur in Deutschland scheissen zuweilen Deutsche gerne ins eigene Nest.
Es ist schlichte Normalität und nichts Ungewöhnliches.
Wieso sollte das im Rechtsstaat Israel und seinem pluralen, meinungsfreiheitlichen und gesellschaftspolitisch weitgespreiztem Meinungsspektrum und Wahrnehmungsumfeld anders sein?

Fazit: Eine Eigenart der Menschheit insgesamt ist, dass vielen überhaupt kein Licht aufgeht. Manche sich für große Leuchten halten und andere wiederum das dann gerne als Erleuchtung
deuten und annehmen. Und dabei den Lichtkegel einer Taschenlampe für ausreichend ansehen, um damit die ganze Realität ans Licht zu bringen.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Do 3. Aug 2017, 00:47

Die Reportage (ca. 16 min.) "Gaza: Ist das ein Leben" ist in der Arte Mediathek immer noch
völlig unbearbeitet.

Mittlerweile haben sich die ARTE-Verantwortlichen auf deutscher Seite für nicht zuständig erklärt.
Als Ansprechpartner hinsichtlich einer Stellungnahme aufgrund des offenen Briefes (siehe oben Hagalil_Link).
Die Verantwortung und Entscheidung liege bei der (franz.) ARTE - Direktion in Straßburg.

Diese hat sich nun erklärt und weist alle Einseitigkeitsvorwürfe zurück. Begründet wird das
damit, dass es sich hier um eine Reportage handele, und nicht eine Dokumentation:

Aus FAZ-online vom 2.8.17 wird ARTE France wie folgt zitiert:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zentralrat-der-juden-kritisiert-gaza-reportage-von-arte-15133213.html
Anders als Dokumentationen seien Reportagen „per definitionem Ausdruck der persönlichen Erfahrung und Begegnungen eines vor Ort befindlichen Journalisten.“
Innerhalb einer Sendung erhebe man nicht den Anspruch, „einen komplexen Sachverhalt vollständig und von allen Seiten gleichwertig zu beleuchten.“

Dennoch achte man im Programm des Senders insgesamt konsequent darauf, „eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts“ abzubilden.


Meiner Meinung nach erfüllt ARTE mit seiner in formale Definitionen verpackte Erklärung und dem im Falle der Dokumentation gezeigten Verhalten
ein klares "D" für Doppelstandard. ARTE (F und D**) scheint sich immer mehr zu einer einseitig-tendenziösen, propalästinensischen Propagandaplattform hinzuentwickeln, die nur
dann auf besonderer journalistischer Ausgewogenheit besteht … und handwerklich einwandfreier journalistischer Arbeit ( korrekter Faktenrecherche und -darstellung,
Möglichkeit der anderen Seite, ihre Sicht darzustellen etc.), wenn es zu palästinakritisch wird.



ARTE beruft sich dabei auch darauf, dass hier lediglich persönliche Sichtweisen und Meinungen Betroffener dargestellt würden und diese eben auch einseitig und subjektiv
sein können. Man verschweigt aber, dass es Background - Kommentare gibt, die nicht aus dem Mund der Betroffenen stammen, sondern - gezielt
falsche und irreführende - Autorenkommentare die Reportage durchgehend begleiten. Verantwortlich dafür ist eine gewisse Ann Paq, die ARTE als Autor angibt.

In der Arte Mediathek zur Reportage scheint es Arte hinsichtlich der Autorenangaben auch nicht so genau zu nehmen:
http://www.arte.tv/de/videos/076880-000-A/gaza-ist-das-ein-leben

Besetzung und Stab:
Autor: Ann Paq Land: Polen ????
Regie: Ala Qandil, Michal Grosz, Ezz Zanoun, Dylan Collins - Jahr: 2017

Auf ihrer Website steht anderes…
http://www.annepaq.com/cv-references/
Anne Paq is a award-winning French freelance photographer based in Palestine since 2003.
"Her photos have been exhibited worldwide, most notably at the United Nations ; New York and Geneva (2008, 2009) with the exhibit : « the Palestinians- 60 years of struggle and enduring hope ».
Anne has been working with many NGOs, such as Human Rights watch, Action contre la faim, Diakonia. B'tselem."


Der Link zu "Electronicintifada" auf ihrer Website unter der Rubrik "blog" ist deaktiviert bzw. generiert die Meldung "bad gateway"…
Im offenen Brief (siehe Hagalil-Link) wurde darauf verwiesen, dass Ann Paq auf dieser Plattform aktiv sei.
----
** Im Fall dieser Reportage "Gaza: Ist das ein Leben?" drückte sich ARTE - Deutschland vorsorglich gleich ganz vor einer Stellungnahme, was den negativen Eindruck
über diesen franz.-deutschen Spartensender des "besseren Fernseh-Journalismus" nicht kleiner werden lässt.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Yossarian » Do 3. Aug 2017, 06:54

elmore hat geschrieben:(02 Aug 2017, 01:26)

Hat jemand diese Arte-Dokumentation gesehen? Lief wohl auf Arte am 22. Juli 2017- Muss mal sehen, ob sie in einer Mediathek zu finden ist.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Procedere der Ausstrahlung gegenüber Arte scharf kritisiert,
das hier nicht die bei der vormaligen Doku über Antisemitismus angelegten Maßstäbe der Ausgewogenheit
samt "Fakencheck" unter Untertitel nötig waren. Trotz erkennbarer Einseitigkeit und auch keinerlei
Möglichkeiten, aus israelischer Sicht zu den in der Doku erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen zu können.

Schuster verwies auf die Antisemitismus-Reportage „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“,
die Anfang Juni für Schlagzeilen gesorgt hatte. Arte hatte die Dokumentation wegen vermeintlicher Einseitigkeit
zunächst zurückgezogen und nach öffentlicher Kritik nur mit einordnenden Untertiteln gezeigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zentralrat-der-juden-kritisiert-gaza-reportage-15132102.html
Einseitige Berichterstattung?
Zentralrat der Juden kritisiert Gaza-Reportage
Anfang Juni hat der Zentralrat die Absetzung einer Dokumentation über Antisemitismus angeprangert.
Nun kritisiert er, dass ein Bericht ausgestrahlt wurde.
Wieder richten sich die Vorwürfe gegen den deutsch-französischen Sender Arte.


Zitat aus dem FAZ-net Artikel vom 01.08.207:
Einen ähnlichen Faktencheck regte der Zentralratspräsident nun auch für die Gaza-Dokumentation an.
Der Film über den Gaza-Streifen strotze vor „Auslassungen und Falschinformationen“ und räume der israelischen
Seite keine Möglichkeit ein, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen.
Der Zentralratspräsident forderte den Sender dazu auf,
die Reportage „in dieser Form“ nicht mehr zu zeigen und sie zu überarbeiten, um die „eklatanten Mängel zu beseitigen“.
Arte kündigte auf Anfrage von FAZ.NET eine schriftliche Stellungnahme an.


Komisch, kann mich an keinerlei faktencheck zu dieser "Doku" erinnern.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Do 3. Aug 2017, 09:16

Yossarian hat geschrieben:(03 Aug 2017, 07:54)

Komisch, kann mich an keinerlei faktencheck zu dieser "Doku" erinnern.


Für Satire etc. guckst du bitte hier! :D
http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=24&t=64242
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Yossarian » Do 3. Aug 2017, 09:17

elmore hat geschrieben:(03 Aug 2017, 10:16)

Für Satire etc. guckst du bitte hier! :D
http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=24&t=64242


Oh, leider keine Satire, bittere Realität.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.

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