Dokumentation über Antisemitismus

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Selina
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Selina » Sa 24. Jun 2017, 13:24

Dieser Kommentar in der Süddeutschen ist meines Erachtens eine recht ausgewogene Geschichte, mit der vielleicht auch einige der hier diskutierenden Seiten leben können:

Wir brauchen einen Diskursknigge zu Israel

Wichtig wie selten zuvor oder ein Hauptproblem im Nahostkonflikt: Israel spaltet die Gesellschaft. Die Seiten müssen lernen zu diskutieren.

Kommentar von Matthias Drobinski

Skandale bringen Ärger und Verdruss; das Gute an ihnen aber ist, dass ans Licht kommt, woran da Anstoß genommen wird. So hat auch die erst abgesetzte und nun doch gezeigte Arte-Sendung über den Antisemitismus in Europa bei allen handwerklichen Mängeln ihr Gutes: Die Frage nach dem linken und auch dem muslimischen Antisemitismus wird offen und breit diskutiert; auch, worin sich dieser von der legitimen, gar notwendigen Kritik an der Politik der israelischen Regierung unterscheidet.

Und noch etwas ist sichtbar geworden: Wie sehr sich der Blick der jüdischen Minderheit in Deutschland mittlerweile von der Mehrheit im Land unterscheidet; wie groß die Sorge dort geworden ist, das im Zweifel liberale und linke Bürgertum im Kampf gegen den Antisemitismus als Verbündeten zu verlieren.

Der Riss, der sich da auftut, ist 50 Jahre alt; er entstand nach dem Sechstagekrieg von 1967, als Israel zur Besatzungsmacht wurde und die Sympathie für ein bedrohtes Land verlor. Für die Linke wurde Israel zur Marionette des amerikanischen Imperialismus und zum Unterdrückerstaat, die Palästinenser wurden zu Opfern und Freiheitskämpfern.

Für die Juden in Deutschland blieb Israel die Lebensversicherung, sollten Judenhass und Judenverfolgung zurückkehren; gegen den Vorwurf aus Israel, im Land der Mörder zu leben, wappneten sie sich mit besonderer Solidarität.

Die Wahrnehmungen haben sich auseinanderentwickelt in den vergangenen Jahren: Für viele jüdische Gemeinden ist die Solidarität mit Israel das einigende Band, wenn durch die Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion die religiöse Einheit brüchig wird.

Die antisemitischen Demonstrationen während des Gaza-Krieges 2014, die Gewalt gegen kippatragende Juden oder das Mobbing gegen jüdische Schüler durch muslimische Mitschüler hat den Eindruck vieler Juden verstärkt: Nie war dieses Israel so wertvoll wie heute.

In der Mehrheitsgesellschaft hat es dagegen eine merkwürdige Verschiebung gegeben. Solidarität mit Israel ist zu einer Angelegenheit der Konservativen, gar der Rechten geworden, so sehr, dass jüdische Vertreter sich falsche Freundschaften verbitten müssen.

Von gemäßigt konservativ bis ganz links gilt mittlerweile Israel als Hauptproblem des Nahostkonflikts - dort fühlt man sich von der Antisemitismuskeule bedroht, wenn einer diese Selbstgewissheit hinterfragt. Dass die Regierung Netanjahu in Israel tatsächlich gerne ihre Kritiker aus dem Ausland als antisemitisch abtut, macht die Lage nicht einfacher.

Es bräuchte eine Art Diskursknigge, um Brücken über den Graben zu bauen. Warum nennen die Israel-Kritiker nicht einfach einen Rechtsbruch und eine Menschenrechtsverletzung, was sie sind: ein Rechtsbruch und eine Menschenrechtsverletzung? Warum muss man vom Ghetto reden und Nazivergleiche bemühen - weil man den Juden sagen will, dass sie die neuen Nazis sind?

Es erstaunt, wie leicht solche Vergleiche Deutschen immer wieder über die Lippen flutschen. Es erstaunt, wie wenig Sensibilität es gibt, wenn Boykottaktionen gegen Israel Ziele verfolgen, die das Existenzrecht des Landes infrage stellen würde. Es ist eigentümlich, mit welcher Obsession Israel zum Täterland stilisiert wird, wie den Juden erklärt wird, der Antisemitismus wäre weg, wenn sie sich nur etwas besser benehmen würden.

Andersherum gilt aber auch: Die meisten, die Israels Politik gegenüber den Palästinensern scharf und emotional kritisieren, sind keine Antisemiten. Es ist auch längst nicht alles antisemitisch, was einseitig daherkommen mag. Mehr noch: Es gibt Menschen, die Israel kritisieren, weil ihnen das Land am Herzen liegt und das Schicksal der Menschen dies- und jenseits der Mauern.


http://www.sueddeutsche.de/politik/anti ... -1.3555940
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Sa 24. Jun 2017, 13:30

Danke für die Anteilnahme. :D

Ich kann es leider nicht anders sagen, seit dieser Dokumentation, besser gesagt, all das,
was jetzt innerhalb der Diskussion in Bezug auf Antisemitismus, hier in Europa, in Deutschland,
in Frankreich und generell auch in Nahost bittere Tatsache ist, entsetzt und verstört mich
nur noch. Ich bin nicht mehr fähig, in nachrichtenneutralem Ton darüber zu diskutieren.

Manchmal bin ich soweit, resigniert jede Hoffnung aufzugeben, Sinn darin zu sehen, gegen Antisemitismus
aufzustehen und anzuschreiben. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen…

Und blöderweise kann ich nicht nach Israel gehen. Bin leider, avabelegt, blond, blauäugig und
biodeutsch dazu. Da könnte ich manchmal richtig neidisch werden, weil ich diese Zufluchtsoption
nicht habe.

Aber ich kann jeden jüdischen Menschen verstehen, tief drin, wo das Herz schlägt,
der beschließt, Europa, Deutschland, besonders auch Frankreich, angewidert den Rücken zu kehren
und nach Israel zu gehen, um endlich ein normales Leben leben zu können.
(Ohne diesen Antisemitismus).

Was mir besonders in dieser Doku zu schaffen machte, obwohl mir der größte Teil
der Fakten ja bekannt war, das waren diese jüdischen Kinder in Frankreich,
die noch so jung sind, und alles andere haben sollten, als diesen Gedanken,
aus Frankreich zu flüchten und nach Israel zu gehen, weil sie jüdisch sind und
nur deshalb bedroht und angefeindet werden. Allein schon die Tatsache, das
bereits Kinder das lernen und erfahren müssen, ist so unendlich traurig.

Ich glaube, ich geh jetzt besser in den Garten und spreche mit meinen Tomaten-, Chili- und
Paprikafreunden.

Schönes WE allseits
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 24. Jun 2017, 13:34

Adam Smith hat geschrieben:(24 Jun 2017, 01:28)

Und wer wünscht hier den Juden den Tod?

ich will wenig sagen, nur daran erinnern daß es im WK II »eufemistische« phrasen gab wie vernichtung durch arbeit.
vernichtung ist deutlich, aber arbeit... ausbeuten wäre besser. wer weiß was menschen tun wenn sie die möglichkeit haben.

um es auf einen anderen plan zu bringen: millionen einwöhner der USA können sterben weil man ihnen notwendige betreuung entzieht.
»aber nein, wie kommst du dabei... wir wollten absolut nicht (solche !) menschen dem tod ausliefern«.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Cobra9 » Sa 24. Jun 2017, 13:45

Mod

Ich habe wieder aktiv werden müssen. Drittes Mal heute und wieder in nicht geringer Zahl habe Ich diverse Beiträge rausgenommen.
Bitte letztmalig das man die Regeln einhält.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon JJazzGold » Sa 24. Jun 2017, 13:49

elmore hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:30)

Danke für die Anteilnahme. :D

Ich kann es leider nicht anders sagen, seit dieser Dokumentation, besser gesagt, all das,
was jetzt innerhalb der Diskussion in Bezug auf Antisemitismus, hier in Europa, in Deutschland,
in Frankreich und generell auch in Nahost bittere Tatsache ist, entsetzt und verstört mich
nur noch. Ich bin nicht mehr fähig, in nachrichtenneutralem Ton darüber zu diskutieren.

Manchmal bin ich soweit, resigniert jede Hoffnung aufzugeben, Sinn darin zu sehen, gegen Antisemitismus
aufzustehen und anzuschreiben. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen…

Und blöderweise kann ich nicht nach Israel gehen. Bin leider, avabelegt, blond, blauäugig und
biodeutsch dazu. Da könnte ich manchmal richtig neidisch werden, weil ich diese Zufluchtsoption
nicht habe.

Aber ich kann jeden jüdischen Menschen verstehen, tief drin, wo das Herz schlägt,
der beschließt, Europa, Deutschland, besonders auch Frankreich, angewidert den Rücken zu kehren
und nach Israel zu gehen, um endlich ein normales Leben leben zu können.
(Ohne diesen Antisemitismus).

Was mir besonders in dieser Doku zu schaffen machte, obwohl mir der größte Teil
der Fakten ja bekannt war, das waren diese jüdischen Kinder in Frankreich,
die noch so jung sind, und alles andere haben sollten, als diesen Gedanken,
aus Frankreich zu flüchten und nach Israel zu gehen, weil sie jüdisch sind und
nur deshalb bedroht und angefeindet werden. Allein schon die Tatsache, das
bereits Kinder das lernen und erfahren müssen, ist so unendlich traurig.

Ich glaube, ich geh jetzt besser in den Garten und spreche mit meinen Tomaten-, Chili- und
Paprikafreunden.

Schönes WE allseits


Nur so am Rande, es gibt auch blonde, blauäugige Juden.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Laertes » Sa 24. Jun 2017, 14:03

Jekyll hat geschrieben:(24 Jun 2017, 11:28)
Für diese Erkenntnis braucht man streng genommen nicht mal die Erklärung der Menschenrechte heranzuziehen, eine gesunde Portion naturgegebenes moralisches Empfinden tut es auch.

Ich habe kein Problem ausschließlich subjektiv (z. B. durch moralisches Empfinden) begründete Urteile zu teilen - nur sind die kein rationales Argument, dem sich irgendjemand wegen ihrer allgemeingültigen Überzeugungskraft anschließen müsste. Allen Menschen ein mit deinem identisches naturgegebenes moralisches Empfinden zu unterstellen nennt man eine petitio principii wenn ich das richtig verstanden habe. Und wer deine Meinung nicht teilt, verfügt nicht über eine gesunde Portion davon, ist also schon als pathologisch diskreditiert.

Die Frage lautet hier: was machen wir mit Leuten, die mit ihm gesinnungstechnisch auf gleichem Niveau liegen?
Dass sie auf gleichen Niveau liegen wäre ja argumentativ erst einmal nachzuweisen. Im gegebenen Beispiel wird das ohne Nachweis einfach behauptet.

Hm...wenn sich jetzt so viele "Moslemkritiker" und obskure Typen sich um diese Doku scharen und sie in höchsten Tönen lobpreisen...was schließen wir dann daraus? Jetzt mal vom Allgemeinen auf das Einzelne folgernd.
Was du daraus schließt kann ich nur vermuten. Logisch kann daraus schließen, dass pauschalisierende "Moslemkritiker" sich bestätigt fühlen durch einen Bericht, der bestimmten Moslems Antisemitismus unterstellt. Logisch natürlich ein Fehlschluss. Was man daraus nicht ableiten kann ist, dass die Inhalte des Berichts falsch sind oder der Autor selber in die Riege der pauschalisierenden "Moslemkritiker" gehört.

Definiere mal ad personam (so wie du es verstehst).
Argument a von P kann nicht wahr sein, weil P Eigenschaft e hat, die gar nicht Teil seines Arguments ist. Aber Daniel-Pascal Zorn hat es viel besser auf den Punkt gebracht, als ich das könnte:
Ein Argument gegen die Person versucht, ein Argument zu schwächen, indem es die Person des Gesprächspartners angreift oder delegitimiert. Unter das Argument gegen die Person fallen Versuche (...) feststehende ideologische Einstellungen zu unterstellen.


Wiese hast du dich jetzt z. B. gerade für das Wort "bekannt" entschieden?
Im Orginalbeitrag wurde das ohne Quellenangabe als 'gute Kontakte zueinander haben' formuliert. Ändert es was, wenn man 'bekannt' durch den Wortlaut ersetzt?
Zuletzt geändert von Laertes am Sa 24. Jun 2017, 14:05, insgesamt 2-mal geändert.
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LOYALITÄT, AUTORITÄT und SAKRALITÄT sind aber für Rechts-Konservative genauso wichtig (Jonathan Haidt)
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Sa 24. Jun 2017, 14:04

JJazzGold hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:49)

Nur so am Rande, es gibt auch blonde, blauäugige Juden.

Und nicht Wenige und es gibt auch rothaarige mit gruenen Augen, wie meiner Eine, was oft unglaeubiges Staunen hervorruft. :)
Ich verweise dann immer gerne auf die Geschichte von Kishon und seinem rothaarigen Sohn Amir; "Koenig David hatte schon flammend rote Haare". Diese Geschichte ist zu koestlich. :D

Nomen Nescio hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:34)

ich will wenig sagen, nur daran erinnern daß es im WK II »eufemistische« phrasen gab wie vernichtung durch arbeit.
vernichtung ist deutlich, aber arbeit... ausbeuten wäre besser. wer weiß was menschen tun wenn sie die möglichkeit haben.

um es auf einen anderen plan zu bringen: millionen einwöhner der USA können sterben weil man ihnen notwendige betreuung entzieht.
»aber nein, wie kommst du dabei... wir wollten absolut nicht (solche !) menschen dem tod ausliefern«.


Wie bitte?! :|
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon elmore » Sa 24. Jun 2017, 14:09

JJazzGold hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:49)

Nur so am Rande, es gibt auch blonde, blauäugige Juden.


Ach! :D :D :D
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 24. Jun 2017, 14:37

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Jun 2017, 15:04)

Wie bitte?! :|

ich denke an wölfe im schafspelz. nein, sie diskriminieren nicht (geschweige von schlimmer). wenn es aber eine möglichkeit gibt...

ich hatte einen onkel der ein scharfer antisemit war. er war heftig gegen alles was jüdisch war, klang, roch, usw.
hätte er eine möglichkeit gehabt, dann wäre garantiert der anstandsfirnis sofort abgeschüttelt.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Kardux » Sa 24. Jun 2017, 16:32

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2017, 11:42)

Na bitte, sag ich ja, dass daher der Wind weht. Was sagt uns das: Die Intention ist, eine weitere Aufnahme von Muslimen zu stoppen. Um diesen allseits bekannten rechten Wunschgedanken zu äußern, bedient man sich jeden erdenklichen Mittels. Warum aber haben die Doku-Autoren eigentlich nicht hier in Deutschland jüdische Mitbürger selbst befragt, was sie an Antisemitismus real erleben und von welchen Seiten dieser kommt? Solche Befragungen fehlen gänzlich im Film, wären aber äußerst wichtig. Auch im Sinne des Filmtitels. Warum ist das nicht geschehen?


Sie wissen woher der Wind weht, weil ich vom Antijudaismus innerhalb der arabischen Welt schreibe? Das können wir gerne ausdiskutieren, falls Sie diese Tatsache hiermit infrage stellen. Ansonsten ist die Stigmatisierung Ihrerseits (rechter Wunschgedanken) einfach nur langweilig und darüberhinaus nichtssagend.

Ansonsten gebe ich Ihnen Recht. Die Doku hätte vielleicht noch um eine Stunde erweitert werden müssen, um weitere Aspekte anzusprechen. Die vertriebenen Juden aus den arabischen Staaten kamen gewiss zu kurz! Interviews mit Juden in Deutschland wären auch interessant gewesen um ihre Erfahrungen zu schildern. Vielleicht hätten die Doku-Autoren auch noch darüber berichten sollen, weshalb sich so viele Gruppen in Deutschland nicht für andere unterdrückte Völker einsetzen? Sind die Palästinenser etwa das am schlimmsten verfolgte Volk der Welt? Den Anschein hat es zumindest wenn man sich die europäische Obsession mit dem Palästina-Konflikt betrachtet! Wer ein wenig Allgemeinwissen besitzt dürfte wohl wissen, dass es weltweit viel schlimmere Schicksale gibt. Verbessert das die schlechte Lage der Palästinenser? Nein, gewiss nicht. Aber man darf als Aussenstehender wohl schon die Frage stellen, weshalb der Palästina-Konflikt so wichtig ist - bzw. gemacht wird? Oder weshalb erhält die Hamas Steuergelder aus Deutschland?
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 24. Jun 2017, 18:45

JJazzGold hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:22)

[color=#0000BF]Ich habe bereits in einem von mir eröffneten Thread die Meinung vertreten, dass Antisemitismus in Deutschland latent immer vorhanden war und nur sukzessive wieder salonfähig gemacht wurde. Dazu gehören antisemitische Linke, wie diese Free Gaza, der IHH angeschlossenen Linksausleger ebenso wie die antisemitischen Altrechtsausleger der NPD, wie auch die antisemitischen Neurechtsausleger der AfD. Nichts desto trotz lässt der Fakt, dass Antisemitismus durch die von mir erwähnten Zuwanderer und Flüchtlinge anteilig Zuwachs bekommen hat, nicht leugnen.


Darf ich hier nochmal an die sogenannte Hohmann-Affäre erinnern. Nicht, weil ich deine Parteienliste jetzt unbedingt auch noch durch CDU/CSU ergänzen wollte. Das Skandalöse an dem Fall ist etwas ganz anderes. Dass Hohmanns Thesen anlässlich einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2003, die von extremsten antisemitischen Stereotypen geprägt war, bis hin zu der These, man könne die Juden unter gewissen Voraussetzungen auch als "Tätervolk" bezeichnen, dass diese antisemitischen Ausfälle, vom Publikum, ganz normalen hessischen Kleinstadtbürgern nicht nur nicht zurückgewiesen sondern vor allem gar nicht als solche bemerkt wurden. Dabei ließen sie an Deutlichkeit so sehr nichts zu wünschen übrig, dass am Ende ein Parteiausschluss sich nicht verhindern ließ.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hohmann-Aff%C3%A4re
Wiederum kann ich mich nur darüber wundern, dass bei so vielen Menschen in Deutschland und Frankreich die Verbreitetheit von Antisemitismus gerade auch im Mainstream Erstaunen auslöst.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Fuerst_48 » Sa 24. Jun 2017, 21:15

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Jun 2017, 15:04)

Und nicht Wenige und es gibt auch rothaarige mit gruenen Augen, wie meiner Eine, was oft unglaeubiges Staunen hervorruft. :)
Ich verweise dann immer gerne auf die Geschichte von Kishon und seinem rothaarigen Sohn Amir; "Koenig David hatte schon flammend rote Haare". Diese Geschichte ist zu koestlich. :D



Wie bitte?! :|

Ist dir die aufwändige Dokumentation an der TU Berlin über Antisemitismus im NET geläufig??
(Details gern per PN)
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Jekyll » Sa 24. Jun 2017, 21:29

Laertes hat geschrieben:(24 Jun 2017, 15:03)

Ich habe kein Problem ausschließlich subjektiv (z. B. durch moralisches Empfinden) begründete Urteile zu teilen - nur sind die kein rationales Argument, dem sich irgendjemand wegen ihrer allgemeingültigen Überzeugungskraft anschließen müsste. Allen Menschen ein mit deinem identisches naturgegebenes moralisches Empfinden zu unterstellen nennt man eine petitio principii wenn ich das richtig verstanden habe. Und wer deine Meinung nicht teilt, verfügt nicht über eine gesunde Portion davon, ist also schon als pathologisch diskreditiert.
Richtig. Wer hinsichtlich Adolf & Co meine Meinung nicht teilt, stellt unter Beweis, dass er über keine gesunden moralischen Instinkte (mehr) verfügt. Ich nenne solche Leute Soziopathen.

Dass sie auf gleichen Niveau liegen wäre ja argumentativ erst einmal nachzuweisen. Im gegebenen Beispiel wird das ohne Nachweis einfach behauptet.
Es geht hier darum, sich eine erste Meinung zu bilden, irgendwo muss man ja anfangen. In die Köpfe von Leuten kann ich nicht hineinschauen, also bin ich auf Indizien und logische Schlüsse angewiesen. Wenn zwei Genossen am selben Strang ziehen - und ich weiß bereits, wie der eine tickt - kann ich wohl davon ausgehen, dass der andere adäquat ticken muss. Auf was für "Nachweise" willst du denn warten? Darauf, dass der Betroffene dir eine notarielle Bestätigung hinsichtlich seiner Gesinnung abliefert?

Was du daraus schließt kann ich nur vermuten. Logisch kann daraus schließen, dass pauschalisierende "Moslemkritiker" sich bestätigt fühlen durch einen Bericht, der bestimmten Moslems Antisemitismus unterstellt. Logisch natürlich ein Fehlschluss. Was man daraus nicht ableiten kann ist, dass die Inhalte des Berichts falsch sind oder der Autor selber in die Riege der pauschalisierenden "Moslemkritiker" gehört.
Das wäre aber die logische, konsequente Folge deiner eigenen Prämisse. Hast selbst gesagt, dass man vom Allgemeinen auf Einzelne schließen kann. Das klingt sogar ziemlich plausibel. Egal ob Broder oder Sarrazin - sie ziehen Fliegen an wie ein frisch gelegter Haufen.

Argument a von P kann nicht wahr sein, weil P Eigenschaft e hat, die gar nicht Teil seines Arguments ist. Aber Daniel-Pascal Zorn hat es viel besser auf den Punkt gebracht, als ich das könnte:
Aber was, wenn diese angebliche Unterstellung tatsächlich zutrifft? Tun wir den Nazis unrecht, indem wir eine ideologische Einstellung implizierend sie als solche bezeichnen?

Im Orginalbeitrag wurde das ohne Quellenangabe als 'gute Kontakte zueinander haben' formuliert. Ändert es was, wenn man 'bekannt' durch den Wortlaut ersetzt?
Sie stehen für gänzlich unterschiedliche Aussagen. Aus dem Wort "bekannt" kannst du keine gesinnungsmäßige Affinität ableiten wie bei "gute Kontakte haben" ("bekannt" beinhaltet keine Wertzuweisung). Du hast dich für das völlig aussagelose "bekannt" entschieden, um die Argumentation deines Gegenübers ins Lächerliche ziehen zu können.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon oga » Sa 24. Jun 2017, 21:55

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Jun 2017, 15:04)

Und nicht Wenige und es gibt auch rothaarige mit gruenen Augen, wie meiner Eine, was oft unglaeubiges Staunen hervorruft. :)
Ich verweise dann immer gerne auf die Geschichte von Kishon und seinem rothaarigen Sohn Amir

Ich finde das mit den blonden Haaren ist an den Haaren herbeigezogen. In den Neunziger sind jede Menge Russen nach Israel ausgewandert und brünett sind die im Durchschnitt auch nicht. :D
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Sa 24. Jun 2017, 22:42

oga hat geschrieben:(24 Jun 2017, 22:55)

Ich finde das mit den blonden Haaren ist an den Haaren herbeigezogen.


Und ich finde man sollte besser schweigen, wenn man keine Ahnung hat, dann erspart man sich unnoetige Peinlichkeiten :p

Hier, alles Maedels bei der IDF:
http://www.solveisraelsproblems.com/wp- ... rl-160.jpg
http://cdn.timesofisrael.com/uploads/20 ... 65x543.jpg [und die ganz links hat dieselbe rote Haarfarbe wie ich]
http://katehon.com/sites/default/files/ ... k=0gZoRTmN
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... eapons.jpg
https://www.idfblog.com/wp-content/uplo ... 40x426.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... 559434.JPG
https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/73 ... df4b27.jpg
https://i.ytimg.com/vi/4kQSGPjOjJo/hqdefault.jpg
http://i2.wp.com/www.jewishpress.com/wp ... .jpg?w=477
http://newnation.sg/wp-content/uploads/ ... an-001.jpg
http://cdn.timesofisrael.com/uploads/20 ... 65x543.jpg
hier leuchtend rote Haare, bluetenweisse Haut: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... 285%29.jpg


In den Neunziger sind jede Menge Russen nach Israel ausgewandert und brünett sind die im Durchschnitt auch nicht. :D


Dass viele der russischen Juden urspruenglich aus ZentralEuropa nach Russland und in die oestlichen Gebieten gingen/flohen weist du auch nicht, was?
Immer erst Mal gross die Klappe aufreissen - so hab ich Euch gerne! :D

http://ieg-ego.eu/de/threads/europa-unt ... en-neuzeit
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon oga » Sa 24. Jun 2017, 22:59

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Jun 2017, 23:42)

Immer erst Mal gross die Klappe aufreissen - so hab ich Euch gerne! :D
Wer ist "Euch"? :eek:
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Sa 24. Jun 2017, 23:02

oga hat geschrieben:(24 Jun 2017, 23:59)

Wer ist "Euch"? :eek:

Da war ich doch deutlich: Du und deinesgleichen. Keinen Plan von nichts, aber die Klappe gross aufreissen! :cool:
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon JJazzGold » So 25. Jun 2017, 08:33

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Jun 2017, 15:04)

Und nicht Wenige und es gibt auch rothaarige mit gruenen Augen, wie meiner Eine, was oft unglaeubiges Staunen hervorruft. :)
Ich verweise dann immer gerne auf die Geschichte von Kishon und seinem rothaarigen Sohn Amir; "Koenig David hatte schon flammend rote Haare". Diese Geschichte ist zu koestlich. :D





Das ist sie. :)
Der Mythos, dass der Jude per se dunkelhäutig, dunkelhaarig und dunkeläugig sei ist auch nicht auszumerzen.
Ich gehe jede Wette mit dir ein, dass Otto 08/15 nicht in der Lage ist, einen Juden im öffentlichen Leben zu identifizieren, wenn er sich nicht als solcher zu erkennen gibt.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Cobra9 » So 25. Jun 2017, 08:34

MOD

Closed. Ich hab das mehrmals gesagt das Ich den Strang beobachtet. Jetzt ist es mal gut. Bedankt euch erstmal bei den Usern wo Regeln brechen
Anton Tschechow

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Cobra9 » Di 27. Jun 2017, 09:07

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