Dokumentation über Antisemitismus

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jack000
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Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon jack000 » Di 13. Jun 2017, 08:24

Heute zeigt BILD 24 Stunden lang online – von null Uhr bis Mitternacht – die Dokumentation über Antisemitismus, die ARTE nicht ausstrahlen will und die der WDR immer noch prüft.

Die TV-Dokumentation belegt in Europa grassierenden, teils hoffähigen Judenhass, für den es nur zwei Worte gibt: ekelhaft und beschämend.
Seit Wochen wird bis in die höchsten Ebenen der Politik über diese – von Gebührengeldern produzierte – Dokumentation diskutiert. Ohne dass die Bürger sie sehen dürfen. Ohne dass sie sich ein Urteil bilden können.

Der Verdacht liegt bitter nah, dass diese Dokumentation nicht gezeigt wird, weil sie politisch nicht genehm ist, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belegt, das erschütternd ist.

Deutschland ist ganz sicher nicht das Land, in dem antisemitische Vorurteile beschönigt, verschwiegen, übertüncht werden sollten.
Unsere historische Verantwortung verpflichtet uns, den Unsäglichkeiten entschlossen entgegenzutreten, die diese Dokumentation belegt. Dazu müssen alle wissen, womit wir es zu tun haben. Deswegen zeigt BILD für 24 Stunden online, redaktionell eingeordnet und eingebettet, was im TV nicht gezeigt werden sollte.
Der Kampf gegen Antisemitismus ist in Deutschland ein überragendes Interesse.

http://www.bild.de/politik/inland/bild/ ... 1543922131
Zwar ist die Studie auch außerhalb von Deutschland angelegt aber letztendlich betrifft Antisemitismus auch Deutschland. Ist man in Deutschland ausreichend für den Schutz/die Sicherheit jüdischer Mitbürger aufgestellt?
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

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Keoma
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Keoma » Di 13. Jun 2017, 08:31

jack000 hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:24)

http://www.bild.de/politik/inland/bild/ ... 1543922131
Zwar ist die Studie auch außerhalb von Deutschland angelegt aber letztendlich betrifft Antisemitismus auch Deutschland. Ist man in Deutschland ausreichend für den Schutz/die Sicherheit jüdischer Mitbürger aufgestellt?

Zu deiner Frage - keine Ahnung, tatsächlich sind in Österreich die einzigen Einrichtungen, die bewacht und geschützt werden, jüdische, hauptsächlich Schulen.
Gibt's allerdings eh' nicht viele, dafür haben unsere Vorfahren ja gesorgt.
Was jedenfalls irritiert, dass ein an und für sich für Qualität bürgender Sender wie ARTE hier so reagiert.
Allerdings ist ARTE ja auch ein bekennender "Gutmenschensender", was Mulikulti anbelangt und sehr islamfreundlich.
Daher wird vermutlich auch der islamische Antisemitismus beleuchtet, da ziehen einige vielleicht den Schwanz ein.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon relativ » Di 13. Jun 2017, 08:39

Also ich habe nicht den Eindruck, daß wegen einer bisher nicht ausgestrahlten Sendung, daß Thema Antisemitismus totgeschwiegen wird. Auch gernerelle öffentliche Beschönigungen kann ich in Deutschland nicht erkennen.
Der Kampf gegen Ausgrenzung und extremen Tendenzen sollte in jeder Gesellschaft von überragender Bedeutung sein.
Nach meinen Infos war die Begründung, warum diese Doku nicht gezeigt werden sollte, eine ziemlich Dünne. Ich kann mir vorstellen, daß auch andere Überlegungen eine Rolle spielten, die aber wohl mom. in der Öffentlichkeit nicht gut ankommen würden.
Meine These ist: Das die Doku von Teilen der muslimischen Mitbürger so ein grasses Bild zeigt, daß es die Ressentiments gegen Muslime mom. evtl. eher noch mehr anheißen würde.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Keoma » Di 13. Jun 2017, 08:40

relativ hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:39)

Also ich habe nicht den Eindruck, daß wegen einer bisher nicht ausgestrahlten Sendung, daß Thema Antisemitismus totgeschwiegen wird. Auch gernerelle öffentliche Beschönigungen kann ich in Deutschland nicht erkennen.
Der Kampf gegen Ausgrenzung und extremen Tendenzen sollte in jeder Gesellschaft von überragender Bedeutung sein.
Nach meinen Infos war die Begründung, warum diese Doku nicht gezeigt werden sollte, eine ziemlich Dünne. Ich kann mir vorstellen, daß auch andere Überlegungen eine Rolle spielten, die aber wohl mom. in der Öffentlichkeit nicht gut ankommen würden.
Meine These ist: Das die Doku von Teilen der muslimischen Mitbürger so ein grasses Bild zeigt, daß es die Ressentiments gegen Muslime mom. evtl. eher noch mehr anheißen würde.

Exakt.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Provokateur » Di 13. Jun 2017, 08:43

Heute wird wohl einer der seltenen Tage sein, an dem ich mir Inhalte von Bild.de anschaue.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon hafenwirt » Di 13. Jun 2017, 08:52

relativ hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:39)

Also ich habe nicht den Eindruck, daß wegen einer bisher nicht ausgestrahlten Sendung, daß Thema Antisemitismus totgeschwiegen wird. Auch gernerelle öffentliche Beschönigungen kann ich in Deutschland nicht erkennen.


Kommt drauf an, wen es betrifft. Antisemitismus beim Islam (manchmal wird es nicht angesprochen) und den politischen Extremen wird immer angesprochen (bevor es Missverständnisse gibt: Was ich richtig und gut und vernünftig finde), beim Antisemitismus der absoluten politischen Mitte schweigt man sich gerne aus und sagt, Antisemitismus sei ein Thema der politischen und religiösen Ränder.

Siehe auch:
http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f=5&t=61177

"Antisemitismus bei uns bürgerlichen Liberalen in der bürgerlichen Mitte - wir doch niiiiiiiicht...."

Deswegen halte ich für vorstellbar, dass dort auch die politische Mitte des Antisemitismus bezichtigt wird und man dies nicht wahrhaben wollte bei Arte. Immerhin ist Arte ein Sender der politischen Mitte.
...
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 08:57

Ein unglaublicher Skandal. Hoch angesehene Personen wie Michael Wolffsohn loben die Dokumentation als "die mit Abstand beste und klügste und historisch tiefste, zugleich leider hochaktuelle und wahre Doku zu diesem Thema." und dann weigern sich, sich als "Kultursender" verstehende Anstalten wie ARTE, ihn zu zeigen, und ausgerechnet BILD bringt ihn. Sag mal: Sind wir denn alle noch zu retten?

Die Dokumentation muss, wenn ich die Berichterstattung richtig verstanden habe, in irgendwelchen Kreisen Frankreichs Gegenreaktionen ausgelöst haben. Offenbar ist ja der französische Programmdirektor von Arte hauptverantwortlich für die Ablehnung.

Was die Sicherung jüdischer Gebäude wie Synagogen anbetrifft: Ich bin mir nicht sicher, ob das das wirkliche Hauptproblem ist. Die größte Synagoge Europas steht in Budapest in der Tabakgasse. Die wird gar nicht bewacht. Jedenfalls nicht sichtbar. Ich kann mich auch an ein Zeitungs-Interview mit einem Budapester Rabbiner erinnern, wo die Rede davon war, er fühle sich in Paris gefährdeter als in Budapest. Obwohl - bekanntermaßen - Antisemitismus in Ungarn wie auch traditionell in der ganzen k.u.k.-geprägten Welt ein großes Problem ist.

Die für mich persönlich schockierendste Begegnung mit Antisemitismus erlebte ich, als ich in Wien eine Person, die man früher vielleicht als "feine Dame" bezeichnet hätte, nach dem Weg zum Jüdischen Museum fragte.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon relativ » Di 13. Jun 2017, 09:02

hafenwirt hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:52)

Kommt drauf an, wen es betrifft. Antisemitismus beim Islam (manchmal wird es nicht angesprochen) und den politischen Extremen wird immer angesprochen (bevor es Missverständnisse gibt: Was ich richtig und gut und vernünftig finde), beim Antisemitismus der absoluten politischen Mitte schweigt man sich gerne aus und sagt, Antisemitismus sei ein Thema der politischen und religiösen Ränder.

Siehe auch:
http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f=5&t=61177

"Antisemitismus bei uns bürgerlichen Liberalen in der bürgerlichen Mitte - wir doch niiiiiiiicht...."

Ich glaube das subjektive Gefühl täuscht da auch nicht, denn es ist doch klar, wenn eine Gesellschaft sich zunehmend spaltet und Extreme zunehmen, werden gesellschaftliche Minderheiten immer unter Druck geraten.
Beim Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft ist dies oft schwer zu erkennen , weil dieser eher im Verborgenen bzw. subtil gelebt wird, da ist er an den Rändern schon besser zu erkennen.
Gleiches gilt für die Moslems, obwohl da m.M. mom. ein größeres Potenzial besteht, daß diese Ablehnung sich auch offen, auch vermehrt in der Mitte der Gesellschaft zeigt.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 10:31

hafenwirt hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:52)

Kommt drauf an, wen es betrifft. Antisemitismus beim Islam (manchmal wird es nicht angesprochen) und den politischen Extremen wird immer angesprochen (bevor es Missverständnisse gibt: Was ich richtig und gut und vernünftig finde), beim Antisemitismus der absoluten politischen Mitte schweigt man sich gerne aus und sagt, Antisemitismus sei ein Thema der politischen und religiösen Ränder.


Das deckt sich mit meinen Erfahrungen bzw. Beobachtungen. Ich habe allerdings kaum eine soziologische oder sozialpsychologische Erklärung für dieses Phänomen. Weil ich mal denken würde, dass der Faden des historisch gewachsenen Antisemitismus in der Nachtkriegszeit gewissermaßen durchtrennt wurde. Bei einer Partei wie der ungarischen Jobbik etwa - vermutlich wird die Dokumentation auf diese Partei auch eingehen - ist es so, dass deren Anhänger aus dem ländlichen Bereich sie wegen ihrer Roma-Feindlichkeit wählen. Im städtischen Bereich rekrutiert sich deren Wählerschaft ganz eindeutig eher aus gebildeten Schichten und da spielt latenter oder auch offener Antisemitismus immer eine Rolle. Die heutige Generation von Studenten ist aber zumindest staatlicherseits keineswegs in einem antisemitischen Klima aufgewachsen. Der Fall Orbáns ist absolut exemplarisch für die ungarische Gesellschaft und das gesellschaftliche Klima in Ungarn der zweiten Hälfte der 80er. Orbán, das muss man sich nochmal bewusst werden, arbeitete Ende der 80er für die Soros Foundation und erhielt von dieser ein Stipendium für das Studium liberaler Philosophie in Oxford. Etwas anderes als einen Weg in eine völlig liberalisierte und offene Gesellschaft hätte Anfang der 90er für Ungarn niemand überhaupt für denkbar gehalten. Woher diese Renaissance von Religion, völkischem Denken und schließlich auch Antisemitismus eigentlich kommt, ist mir noch immer ein Rätsel. Hat das gewissermaßen in einem Kokon überwintert und ist aus seinem Winterschlaf wiedererwacht? Was bringt Studenten dazu, sich für eine antisemitische Partei einzusetzen. Ich weiß es wirklich nicht.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon relativ » Di 13. Jun 2017, 10:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Jun 2017, 11:31)

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen bzw. Beobachtungen. Ich habe allerdings kaum eine soziologische oder sozialpsychologische Erklärung für dieses Phänomen. Weil ich mal denken würde, dass der Faden des historisch gewachsenen Antisemitismus in der Nachtkriegszeit gewissermaßen durchtrennt wurde. Bei einer Partei wie der ungarischen Jobbik etwa - vermutlich wird die Dokumentation auf diese Partei auch eingehen - ist es so, dass deren Anhänger aus dem ländlichen Bereich sie wegen ihrer Roma-Feindlichkeit wählen. Im städtischen Bereich rekrutiert sich deren Wählerschaft ganz eindeutig eher aus gebildeten Schichten und da spielt latenter oder auch offener Antisemitismus immer eine Rolle. Die heutige Generation von Studenten ist aber zumindest staatlicherseits keineswegs in einem antisemitischen Klima aufgewachsen. Der Fall Orbáns ist absolut exemplarisch für die ungarische Gesellschaft und das gesellschaftliche Klima in Ungarn der zweiten Hälfte der 80er. Orbán, das muss man sich nochmal bewusst werden, arbeitete Ende der 80er für die Soros Foundation und erhielt von dieser ein Stipendium für das Studium liberaler Philosophie in Oxford. Etwas anderes als einen Weg in eine völlig liberalisierte und offene Gesellschaft hätte Anfang der 90er für Ungarn niemand überhaupt für denkbar gehalten. Woher diese Renaissance von Religion, völkischem Denken und schließlich auch Antisemitismus eigentlich kommt, ist mir noch immer ein Rätsel. Hat das gewissermaßen in einem Kokon überwintert und ist aus seinem Winterschlaf wiedererwacht? Was bringt Studenten dazu, sich für eine antisemitische Partei einzusetzen. Ich weiß es wirklich nicht.

Nun die Wahl der Möglichkeiten/Umstände und die Aussicht auf Macht und Karriere wird Menschen, mit einem bestimmten Habitus, wohl dazu verleiten, mit ihren Ansichten völlig opportun umzugehen.
Dafür gibt es gerade auch in der Politik einige Beispiele.
Zuletzt geändert von relativ am Di 13. Jun 2017, 11:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Di 13. Jun 2017, 10:56

Vielen Dank Jack fuer die Erstellung des Stranges - ein sehr guter Freund hat mir heute Morgen schon den Link per Mail zukommen lassen.
Toll, dass es so viele Menschen gibt, die an dem Thema echtes Interesse haben! :)

Keoma hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:31)
[...] Daher wird vermutlich auch der islamische Antisemitismus beleuchtet, da ziehen einige vielleicht den Schwanz ein.

Ich hab mir die Doku angesehen und kann deine Vermutung nur bestaetigen. Es wird u.a. der unter Muslimen weit verbreitete JudenHass beleuchtet. Dessen historische Verknuepfungen zu den Nazis + zu den heutigen NeoNazis. Die vielfaeltige Art, wie sich Antisemitismus in "modernem" Gewand versteckt. Natuerlich wird auch der unter JudenHassern allseits beliebte AntiZionismus und das politische Engagement von zig [Hilfs]Organisationen, Menschen"Rettern" à la Todenhoefer fuer die Palaestinenser beleuchtet + die Demaskierung ihrer Propaganda; die mehreren Milliarden an Geldbetraegen, die jaehrlich nach Gazah + in die Westbank gepumpt werden [niemand bekommt weltweit mehr pro Kampf als die Palasestinenser in Gazah/Westbank und niemand bekommt weltweit so viel Aufmerksamkeit wie diese]; die eklatante Korruption; die stilisierte Rolle der Palaestinenser als Opfer, Israel als Taeter; die Daemonisierung Israels als ApartheidsStaat + der Juden als NaziOpfer, die wir jetzt zu boesen NaziTaetern diffamiert werden. All das ist nicht neu fuer mich, aber wenn ich deren judenhasserische Stereotypen hoere, klappen mir jedes mal aus Neue die Fussnaegel hoch. :dead:

Herausheben moechte ich, dass diese Doku ebenso den stark ausgepraegten Antisemitismus innerhalb des linken Spektrums aufzeigt, der von Linken gerne penetrant geleugnet wird, wie in diesem speziellen Strang dazu Linker Antisemitismus diskutiert wird. Und natuerlich ist JudenHass nicht nur links oder rechts verortet - er war schon immer Mitten in der Gesellschaft zu Hause. Genau daran hatte sich Hitler bedienen + aus dem Vollen schoepfen koennen - er hat das verdichtet und handelnd umgesetzt, was seit Jahrhunderten in den europaeischen Gesellschaften als antisemitische Narrative existent war.

Da bild.de die Doku nur 24 Stunden zur Verfuegung stellt - auf Youtube kann die Dokumentation ueber diese Zeitspanne hinaus angesehen werden



jack000 hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:24)
Zwar ist die Studie auch außerhalb von Deutschland angelegt aber letztendlich betrifft Antisemitismus auch Deutschland. Ist man in Deutschland ausreichend für den Schutz/die Sicherheit jüdischer Mitbürger aufgestellt?

Wir schuetzen unsere Einrichtungen, Gemeindehaeuser, Synagogen, Schulen - so gut wir koennen selbst. Mit Kameras, Wachpersonal, gesicherten Eingaengen. Wenn wir keine ausreichende Sicherheit gewaehren koennen, wie oefter auf dem juedischen Chanukka-Weihnachtsmarkt in Berlin geschehen, finden diese Veranstaltungen nicht statt, weil das Risiko zu hoch ist. Wem von uns der Antisemitismus in Europa zu viel wird, der verlegt seinen ersten Wohnsitz nach Israel. Genau dafuer gibt es den juedischen Staat und deswegen muss er unbedingt erhalten bleiben. :)
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Di 13. Jun 2017, 10:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon pikant » Di 13. Jun 2017, 10:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Jun 2017, 09:57)

Ein unglaublicher Skandal. Hoch angesehene Personen wie Michael Wolffsohn loben die Dokumentation als "die mit Abstand beste und klügste und historisch tiefste, zugleich leider hochaktuelle und wahre Doku zu diesem Thema." und dann weigern sich, sich als "Kultursender" verstehende Anstalten wie ARTE, ihn zu zeigen, und ausgerechnet BILD bringt ihn. Sag mal: Sind wir denn alle noch zu retten?

Die Dokumentation muss, wenn ich die Berichterstattung richtig verstanden habe, in irgendwelchen Kreisen Frankreichs Gegenreaktionen ausgelöst haben. Offenbar ist ja der französische Programmdirektor von Arte hauptverantwortlich für die Ablehnung.

Was die Sicherung jüdischer Gebäude wie Synagogen anbetrifft: Ich bin mir nicht sicher, ob das das wirkliche Hauptproblem ist. Die größte Synagoge Europas steht in Budapest in der Tabakgasse. Die wird gar nicht bewacht. Jedenfalls nicht sichtbar. Ich kann mich auch an ein Zeitungs-Interview mit einem Budapester Rabbiner erinnern, wo die Rede davon war, er fühle sich in Paris gefährdeter als in Budapest. Obwohl - bekanntermaßen - Antisemitismus in Ungarn wie auch traditionell in der ganzen k.u.k.-geprägten Welt ein großes Problem ist.

Die für mich persönlich schockierendste Begegnung mit Antisemitismus erlebte ich, als ich in Wien eine Person, die man früher vielleicht als "feine Dame" bezeichnet hätte, nach dem Weg zum Jüdischen Museum fragte.


was sagte denn dann diese 'feine Dame'?
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 12:03

pikant hat geschrieben:(13 Jun 2017, 11:57)

was sagte denn dann diese 'feine Dame'?


Das will ich hier lieber nicht wiedergeben. Es war aber sehr und offen antisemitisch.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 12:22

relativ hat geschrieben:(13 Jun 2017, 11:51)

Nun die Wahl der Möglichkeiten/Umstände und die Aussicht auf Macht und Karriere wird Menschen, mit einem bestimmten Habitus, wohl dazu verleiten, mit ihren Ansichten völlig opportun umzugehen.
Dafür gibt es gerade auch in der Politik einige Beispiele.

Aber sicher doch. Gerade Orbán ist einer der opportunistischsten Politiker überhaupt. Doch Opportunismus benötigt immer sozusagen eine Anlehnungsvorlage. Bei Politikern besteht die häufig in populären und verbreiteten Vorurteilen in der Bevölkerung. Diese Bevöllkerung jedoch braucht wiederum auch eine Vorlage für ihre Ressentiments. In der islamischen Welt, denke ich mal, wurde dieser historische Faden antisemitischer Traditionen nie ganz durchtrennt. Da setzen die, die dort Antisemitismus verbreiten,eine Traditionslinie fort. Aber hier in Europa? In der Generation der vielleicht bis 35jährigen?

Häufig wird ja auch von "latentem Antisemitismus" gesprochen. Ich habe diesen Ausdruck immer (eigentlich nicht ganz richtig) als gewissermaßen "sich möglicherweise äußernd" verstanden. Das wäre aber eher "potenzieller Antisemitismus". Soziologen verstehen unter Latenz (und das ist ja auch die wörtliche Bedeutung) jedoch nicht "Potenzial" sondern "Verzögerung". Dass nach Untersuchungen der Uni Leipzig noch 1999 bis 2002 die Anzahl von Personen, die sich bei einer Befragung klar antisemitisch äußern um unglaublich 5 Prozent auf unglaubliche 36 Prozent angewachsen ist, könnte man vielleicht als einen solchen verzögerten Schub ansehen.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Chajm » Di 13. Jun 2017, 12:26

Ich weiss, das einige User sich die Doku komplett angesehen haben und das ist eigentlich die Voraussetzung fuer eine sinnvolle und zielfuehrende Diskussion!
Allen anderen, die sich in Spekulationen ueber den Inhalt ergehen, waeren wirklich gut beraten, sich diese 90min-Doku komplett anzuschauen!
Und das Statement der Frau Prof. Schwarz-Friesel enthaelt Aussagen zum Erscheinungsbild des neuen Antisemitismus und dessen Wortwahl und Argumentationen, dass man fast denken koennte, ihre Forschungsgruppe haette hier im 35er Forum mitgelesen.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Selina » Di 13. Jun 2017, 12:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Jun 2017, 11:31)

Woher diese Renaissance von Religion, völkischem Denken und schließlich auch Antisemitismus eigentlich kommt, ist mir noch immer ein Rätsel. Hat das gewissermaßen in einem Kokon überwintert und ist aus seinem Winterschlaf wiedererwacht? Was bringt Studenten dazu, sich für eine antisemitische Partei einzusetzen. Ich weiß es wirklich nicht.


Ich glaube, man sollte immer fragen, wie die soziale und wirtschaftliche Lage derjenigen ist, die sich völkischem und nationalistischem Denken zuwenden. Wie genau das nun in Ungarn und speziell unter den Studenten ist, das weißt du ganz bestimmt besser. Aber schaue ich mich in Deutschland und speziell in Ostdeutschland um, da findet man schon Bedingungen, die für ein "Abgehängtsein" sprechen. Auch wenn dieses "Abgehängtsein" natürlich subjektiv unterschiedlich empfunden wird. Die Anhänger dieser Agenda2010-Politik meinen ja immer, wie toll das doch alles sei, man hab die damalige Arbeitslosigkeit halbiert. Bravo. Aber wenn man sich anguckt, zu welchem Preis das geschehen ist, da kann man nur den Kopf schütteln. Prekäre Arbeit, Leiharbeit und Niedriglohnbereich wurden enorm ausgeweitet, bewusst gesteuert von Schröder und co. Mehr als ein Drittel der ostdeutschen Beschäftigten arbeitet im Niedriglohnbereich. Viele Absolventen der Unis haben es schwer, in unbefristete Jobs zu kommen, können so keine Familie gründen, sehen keine berufliche Perspektive. Die Altersarmut ist bedrohlich gewachsen. Auch mehr im Osten als im Westen. Im Mittelstand bangt man zum Teil um die noch vorhandene Existenz, die man nicht mehr als stabil ansieht. All das ist ein guter Nährboden für solches völkisches und nationalistisches Denken. Das schließt das Sündenbock-Denken (etwa: Flüchtlinge sind schuld) mit ein. Meines Erachtens ist das nie nur ein rein ideologisches Problem, sondern immer auch ein wirtschaftliches und soziales. Hinzu kommt, dass die soziale Situation in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten um ein Vielfaches angespannter ist als hier bei uns. In Bulgarien etwa gibt es eine extrem krasse Arm-Reich-Kluft.

http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.3289868
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 13:23

Selina hat geschrieben:(13 Jun 2017, 13:49)

Ich glaube, man sollte immer fragen, wie die soziale und wirtschaftliche Lage derjenigen ist, die sich völkischem und nationalistischem Denken zuwenden. Wie genau das nun in Ungarn und speziell unter den Studenten ist, das weißt du ganz bestimmt besser. Aber schaue ich mich in Deutschland und speziell in Ostdeutschland um, da findet man schon Bedingungen, die für ein Abgehängtsein sprechen. Auch wenn dieses "Abgehängtsein" natürlich subjektiv unterschiedlich empfunden wird. Die Anhänger dieser Agenda2010-Politik meinen ja immer, wie toll das doch alles sei, man hab die damalige Arbeitslosigkeit halbiert. Bravo. Aber wenn man sich anguckt, zu welchem Preis das geschehen ist, da kann man nur den Kopf schütteln. Prekäre Arbeit, Leiharbeit und Niedriglohnbereich wurden enorm ausgeweitet, bewusst gesteuert von Schröder und co. Mehr als ein Drittel der ostdeutschen Beschäftigten arbeitet im Niedriglohnbereich. Viele Absolventen der Unis haben es schwer, in unbefristete Jobs zu kommen, können so keine Familie gründen, sehen keine berufliche Perspektive. Die Altersarmut ist bedrohlich gewachsen. Auch mehr im Osten als im Westen. Im Mittelstand bangt man zum Teil um die noch vorhandene Existenz, die man nicht mehr als stabil ansieht. All das ist ein guter Nährboden für solches völkisches und nationalistisches Denken. Das schließt das Sündenbock-Denken (etwa: Flüchtlinge sind schuld) mit ein. Meines Erachtens ist das nie nur ein rein ideologisches Problem, sondern immer auch ein wirtschaftliches und soziales.

http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.3289868

Unter der Überschrift "Die Missgunst der Abgehängten" gibts hier http://www.taz.de/!5299680/ einen Artikel bzw. eigentlich den Bericht über einen Vortrag im Berliner Jüdischen Musum. Der bezieht sich aber ausdrücklich auf den Antisemitismus im arabischen Raum. Es wird die These aufgestellt, dass es nicht so sehr die Staatsgründung Israels war sondern der verlorene Palästinakrieg 1948.

Für Europa sehe ich das anders.

Man braucht sich nur einige Fälle von extremem Antisemitismus anschauen. Jean Marie Le Pen, Horst Mahler ... oder auch die Gründer der Jobbik-Partei. Allesamt ausgesprochen wohlhabende, rein formal gebildete Leute.
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Di 13. Jun 2017, 13:39

Ich kann sie nicht mehr hoeren/lesen, die staendig und ueberall fuer alles verwendete PlattPhrase von den Abgehaengten. :x
JudenHass war nie eine Frage des Standes, des Status oder der Bildung - ist er auch heute nicht. Auch nicht unter Muslimen.
Wie Chajm schon treffend schrieb: Es empfiehlt sich die Doku anzusehen, bevor weiter wild ins Blaue fantasiert wird.
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https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 13:40

@Selina: Der User Chajm hat Recht. Man sollte sich die Dokumentation tatsächlich erst man ansehen. Gleich im ersten Teil über die jüngere Geschichte des europäischen Antisemitismus wird klar, dass das keineswegs oder jedenfalls nicht vorrangig von prekären sozialen Verhältnissen, von sozialer Abgehängtheit geprägt ist. Einer der bekanntesten und auch härtesten Antisemiten, Richard Wagner, Verfasser eines antisemitischen Buches, war wahrhaftig kein "Abgehängter".
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Re: Dokumentation über Antisemitismus

Beitragvon hafenwirt » Di 13. Jun 2017, 14:00

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