50 Jahre deutsch-isrealische Beziehungen

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schokoschendrezki
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50 Jahre deutsch-isrealische Beziehungen

Beitragvon schokoschendrezki » So 10. Mai 2015, 23:01

Am 12. Mai 1965 nahm die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen zu Israel auf. Aus diesem Anlass wird das Deutschlandradio am Dienstag einen Thementag bringen.

Vorher jedoch schon liefen in der Reihe "Das Feature" zwei unglaublich interessante, faszinierende Beiträge zu den west- bzw. ostdeutschen Affinitäten der jeweiligen Nachkriegsgesellschaften zu Israel.

In "Sprachstunde Null. Wie die Bundesrepublik über Juden und Israel zu sprechen lernte" von Daniel Cil Brecher geht es um die ganz frühen Beziehungen der Bundesrepublik zu Israel. Insbesondere um Aktivitäten des Hamburger Senatssprechers Erich Lüth, der 1953 als einer der ersten Bundesbürger - und das sogar auf offizielle Einladung - nach Israel reiste und der u.a. an bundesdeutschen Gymnasien mit Schülern über das damalige Bild Israels gesprochen hat. Erstmals werden auch einige aus Gründen politischer Rücksichtnahme nicht veröffentlichte Passagen verklausulierter oder offen auch anitisemitischer Aussagen gebracht. Interessant ist vor allem das - im Gegensatz zum heutigen Israel - modernistische Weltbild, der Glaube an Technologie, Wissenschaft, am "Neuen Menschen", der so ganz im Widerspruch zur heutigen Renaissance der Religionen und des Traditionalismus - auch in Israel - steht.

Noch interessanter wird es in "Schalom und Sozialismus - Immer bereit." von Charlotte Misselwitz. Hier wird die letztendlich tatsächlich nicht zu leugnende Affinität zwischen der DDR-Gesellschaft und dem Teil der israelischen Gesellschaft analysiert, die in irgendeiner Art etwas mit Kibuz-Sozialisation zu tun hat. Trotz der bekanntermaßen uneingeschränkten Unterstützung der palästinensischen Seite von Seiten der DDR. Fahnenappell in ostdeutschen Schulen und Uniformpflicht für israelische Schüler. Mauer in Ostdeutschland damals und Israel jetzt. Stasi und ein allgegenwärtiger Geheimdienst in Ostdeutschland damals und Israel jetzt. Eine veschworene Gemeinschaft im Trotz zur übrigen Welt, die mit Liedern ihr Gemeinschaftsgefühl bestärkt, die nicht zufällig zumidest rein musikalisch von russisch-slawischen Wurzeln geprägt sind. Menschen mit DDR-Wurzeln, die Israel betreten und israelische Bürger, die die Ex-DDR betreten würden instinktiv gemeinsame Prägungen erahnen. Das sind einige der provokanten Thesen, die von jungen deutschen und israelischen JournalistInnen vorgetragen werden. Ein ganz außergwöhnlich spannender Beitrag.

http://www.deutschlandfunk.de/50-jahre-deutsch-israelische-beziehungen-sprachstunde-null.1247.de.html?dram:article_id=315125

http://www.deutschlandfunk.de/israelisch-ostdeutsche-verwicklungen-und-verwirrungen.1247.de.html?dram:article_id=315157
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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