Linker Antisemitismus

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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Mi 30. Dez 2015, 18:32

Atheist » Mi 30. Dez 2015, 18:17 hat geschrieben:
Wie alt warst du da und wurden sie bestraft?

Das ist doch keine Frage des Alters. :D Das passiert mir immer wieder, nicht nur in Deutschland und die Polizei hatte ich dabei auch nicht passend unter dem Arm. Viele dieser Menschen kannte ich nicht mal vom sehen her, geschweige den Namen. Ein Kommilitone hatte sich für so einen Ausfall mal einen Rüffel eingefangen.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Atheist » Mi 30. Dez 2015, 18:39

Bleibtreu » Mi 30. Dez 2015, 19:32 hat geschrieben:Das ist doch keine Frage des Alters. :D Das passiert mir immer wieder, nicht nur in Deutschland und die Polizei hatte ich dabei auch nicht passend unter dem Arm. Viele dieser Menschen kannte ich nicht mal vom sehen her, geschweige den Namen. Ein Kommilitone hatte sich für so einen Ausfall mal einen Rüffel eingefangen.


Ich frage nur, weil seitdem ich erwachsen bin, ich solche Formen der Schulhofstreiterei gar nicht mehr beobachte. Allerdings war es auch dort insbesondere die Unterstufe, wo Dicke, Streber, Schwule, Ausländer, Sonderbare, Arme, Brillenträger oder sonstwie aus dem Rahmen Fallende gehänselt wurden. Forderungen nach einem Dicken- oder Streberstaat waren hingegen nicht weit verbreitet. Ehrlich gesagt ist mir keine einzige bekannt.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon jellobiafra » Mi 30. Dez 2015, 19:24

Nun ist allerdings Deutschland - anders als Frankreich - derzeit kein Land aus dem die Juden fliehen.

In den letzten Jahren (zumindest bis 2013, spätere Zahlen kenne ich nicht) gab es immer mehr Einwanderung von Israel nach Deutschland als umgekehrt.

Der Grund könnte sein, dass Juden in Deutschland weniger gefährdet sind, Natürlich gibt es hier Antisemitismus und Juden wie Nichtjuden werden in Deutschland auch Opfer antisemitischer Gewalt, allerdings gibt es hier nichts, was einer Messerintifada vergleichbar wäre.

Derzeit gelingt es Frau Merkel besser "ihre" Juden zu schützen als Herrn Netanjahu - und das ganze ohne Krieg zu führen.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Atheist » Mi 30. Dez 2015, 19:35

jellobiafra » Mi 30. Dez 2015, 20:24 hat geschrieben:Nun ist allerdings Deutschland - anders als Frankreich - derzeit kein Land aus dem die Juden fliehen.

In den letzten Jahren (zumindest bis 2013, spätere Zahlen kenne ich nicht) gab es immer mehr Einwanderung von Israel nach Deutschland als umgekehrt.


Ja, vor allem junge, liberale Juden, die etwas erleben wollen, während sie sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen. Also keine miefigen und kinderwerfenden Hardliner mit einer heiligen Pflicht zur Besiedelung der Front.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Liegestuhl » Mi 30. Dez 2015, 20:20

Atheist » Mi 30. Dez 2015, 19:39 hat geschrieben: Forderungen nach einem Dicken- oder Streberstaat waren hingegen nicht weit verbreitet. Ehrlich gesagt ist mir keine einzige bekannt.


Die Absurdität deines Vergleiches wird dir eventuell bewusst, wenn du darüber nachdenkst, ob es denn schon einmal einen Dicken- oder Streber-Holocaust gab. Dann werden dir vielleicht die Ausmaße unterschiedlicher "Hänseleien" bewusst.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Atheist » Mi 30. Dez 2015, 20:32

Liegestuhl » Mi 30. Dez 2015, 21:20 hat geschrieben:
Die Absurdität deines Vergleiches wird dir eventuell bewusst, wenn du darüber nachdenkst, ob es denn schon einmal einen Dicken- oder Streber-Holocaust gab. Dann werden dir vielleicht die Ausmaße unterschiedlicher "Hänseleien" bewusst.


Es wird auch kein Linken-, Schwulen-, Behinderten- oder Zigeunerstaat gefordert. Fairerweise muss ich anmerken, dass es durchaus Stimmen gibt, die einen Kommunisten- oder Christenstaat fordern.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon ThorsHamar » Mi 30. Dez 2015, 20:40

Bleibtreu » Gestern 00:12 hat geschrieben:
... Ich hab ja nu verstanden, dass du gerne über mich persönlich schwatzen möchtest und das gerne mit provokanten Wortkreationen würzt, die mich durchaus erheitern. :D Aber es geht hier nicht nur um mich, sondern um Antisemitismus. Und der betrifft nicht nur mich als Jüdin; sondern davon sind alle Juden betroffen. Für mich und viele andere Juden ist Israel deswegen eine Zuflucht vor dem JudenHass. Dass du auch das nicht verstehst, das ist ebenfalls bei mir angekommen. Ist ja auch frech, dass wir nun einen Platz haben, wo wir uns dem entziehen können; auch noch selbstbestimmt - geht ja gar nicht. :D ....


DU bringst doch laufende Meter die Information, dass Du Jüdin bist, atheistische, wenn ich recht erinnere.
Das hiesse ja, dass Dein persönliches Judentum allein auf der genetischen Linie basiert, wissenschaftlich ausgedrückt. Auch sehr interessant ...
Jedenfalls:
Auf die konkrete Frage, was denn Deine persönliche Erfahrung ist, reagierst Du völlig unsouverän, angeblich "durchaus erheitert" und bringst dann etwas, was Du Antisemiten berechtigt (!!) vorwirfst: Du macht aus DIR ALLE Juden!
Es wäre doch eine ganz normale, im Themenbereich zumal sehr hilfreiche Information gewesen, wie Du als atheistische Jüdin Antisemitismus in Deutschand selbst SO erlebst, dass ein Fluchtpunkt Israel notwendig ist.
Nochmal: DU selbst benutzt diese persönliche Bekanntmachung laufend als Untermauerung Deiner Argumentation.

Nachtrag: Hatte noch nicht alles gelesen, deshalb jetzt meine Bitte/Frage gelöscht ...
Zuletzt geändert von ThorsHamar am Mi 30. Dez 2015, 20:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Bleibtreu » Mi 30. Dez 2015, 23:12

Die persönlichen Attacken ignoriere ich mal wieder, das ist mir zu primitiv.

Das potentiell alle Juden von Judenhass betroffen sind will nicht verstanden werden? Judenhass ist also nur sowas wie knuffen und hänseln auf dem Schulhof zwischen Kindern, nur weil mir noch kein Hasser über den Weg gelaufen ist, der mich abgestochen hat? Und wenn es in Deutschland aktuell weniger Judenhass als in Frankreich gibt soll mir das jetzt was sagen? Alles ist gut, solange wir euch nicht wieder en gros einpferchen und dezimieren?

Ich bin hier raus. Die Luft wird mir hier zunehmend zu stinkig. ;)
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Wolverine » Do 31. Dez 2015, 01:20

Bleibtreu » Mi 30. Dez 2015, 23:12 hat geschrieben:Die persönlichen Attacken ignoriere ich mal wieder, das ist mir zu primitiv.

Das potentiell alle Juden von Judenhass betroffen sind will nicht verstanden werden? Judenhass ist also nur sowas wie knuffen und hänseln auf dem Schulhof zwischen Kindern, nur weil mir noch kein Hasser über den Weg gelaufen ist, der mich abgestochen hat? Und wenn es in Deutschland aktuell weniger Judenhass als in Frankreich gibt soll mir das jetzt was sagen? Alles ist gut, solange wir euch nicht wieder en gros einpferchen und dezimieren?

Ich bin hier raus. Die Luft wird mir hier zunehmend zu stinkig. ;)


Man traut sich wieder. Während man alles versucht, eine Situation der Muslime mit den Juden zu vergleichen, wo es gar keinen Vergleich gibt, geht man besserwisserisch und höhnisch über die "alltäglichen Vorfälle" hinweg, als wäre der alltägliche Rassismus gegen Juden wieder tolerierbar. Zum Kotzen. :mad:
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Fuerst_48 » Fr 15. Jan 2016, 12:37

Bleibtreu hat geschrieben:(30 Dec 2015, 23:12)

Die persönlichen Attacken ignoriere ich mal wieder, das ist mir zu primitiv.

Das potentiell alle Juden von Judenhass betroffen sind will nicht verstanden werden? Judenhass ist also nur sowas wie knuffen und hänseln auf dem Schulhof zwischen Kindern, nur weil mir noch kein Hasser über den Weg gelaufen ist, der mich abgestochen hat? Und wenn es in Deutschland aktuell weniger Judenhass als in Frankreich gibt soll mir das jetzt was sagen? Alles ist gut, solange wir euch nicht wieder en gros einpferchen und dezimieren?

Ich bin hier raus. Die Luft wird mir hier zunehmend zu stinkig. ;)

Die Hass-Verpackungen sind variabel.Aber der Inhalt stinkt gewaltig. Insofern verstehe ich dich...
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Ela » Fr 15. Jan 2016, 13:32

jellobiafra hat geschrieben:(26 Dec 2015, 22:10)

Ein etwas älteres Interview zum Thema, aber immerhin noch von 2015.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24581



Ein durchaus auch für mich interessantes Ergebnis:



Vor etwas 10 Jahren war es noch so, dass unter Israelfreunden antisemitische Einstellungen ähnlich verbreitet waren wie unter Israelkritikern. (Habe oft genug darüber geschrieben).

Dass mittlerweile die "Israelfreunde" die "Palästinafreunde" überholt haben , kann daran liegen, dass sich die Rechten der Israelsolidarität angenommen haben. Nirgendwo sieht man heute so viele Israelflaggen wie bei Pegida-Demos und bei pi-news ist Israelsolidarität ohnehin Programm.


Dieser Link ist ja hochinteressant, kommen wissenschaftliche Studien doch zu dem Ergebnis, dass die sog. "Palästinafreunde" gar nicht so antisemitisch sind, wie sie gerne von "Israelfreunden" dargestellt werden.

Aus den vielen Antworten wurden anhand eines mathematischen Verfahrens diejenigen Personen zusammengestellt, die ähnliche Muster von Antworten auf all die abgefragten Themenbereiche gaben. Daraus ergaben sich drei Hauptgruppen von Personen, nämlich 1. „Rechte“ 2. „Israelfreunde“ und 3. „Palästinafreunde“.

„Rechtsstehende“ – 26 Prozent unserer Stichprobe – weisen konsequente und durchgängige Vorbehalte gegen Zionismus und Juden, mindestens genauso stark aber auch gegen Palästinenser und den Islam, auf. Sie halten relativ wenig von Menschenrechten, haben mäßig bis wenig Kenntnis des Konflikts – nur 28 Prozent der Gruppe hatten beispielsweise überhaupt je Kontakt zu Israelis und nur 22 Prozent zu Palästinensern – und ergreifen in diesem ihnen nicht sehr wichtigen Konflikt tendenziell Partei für Palästina anstatt für Israel.

„Israelfreunde“ – 31 Prozent unserer Stichprobe – ergreifen Partei für Israel, haben jedoch relativ wenige Kenntnisse vom Nahost-Konflikt. Beispielsweise hatten nur 20 Prozent der Gruppe jemals persönlichen Kontakt zu Israelis und nur 13 Prozent zu Palästinensern. Zudem bevorzugen sie überwiegend eine gewaltsame Behandlung des Konflikts. Diese Personen liegen sowohl bei den Fragen zu Antizionismus als auch bei der Einstellung gegen Palästinenser im Mittelbereich, bei Antisemitismus hingegen im unteren Bereich, verblüffenderweise jedoch mit höheren Werten als die „Palästinafreunde“.

Und diese schließlich, die „Palästinafreunde“ – 44 Prozent unserer Stichprobe – ergreifen überwiegend Partei für Palästina, sind teils für friedliche, teils für gewaltsame Konfliktlösung, schwanken zu einem großen Teil zwischen diesen beiden Polen, haben weder Vorbehalte gegen Juden noch gegen Palästinenser, halten die Menschenrechte hoch, sind mäßig bis stark antizionistisch und haben die größte Kenntnis des Konflikts. Beispielsweise haben 50 Prozent der Gruppe bereits einmal mit Israelis Kontakt gehabt und 38 Prozent mit Palästinensern.

Generell kann man diese drei Gruppen anhand zweier Eigenschaften sinnvoll auseinanderhalten:
Leute mit vielen Vorbehalten gegen andere und wenig Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der „Rechten“,
Leute mit wenigen Vorbehalten gegen andere und viel Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der „Palästinafreunde“ –
und Leute schließlich mit einem mittleren Maß an Vorbehalten gegen andere und an Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der „Israelfreunde“.


Also liegen im Durchschnitt tatsächlich die "Israelfreunde" beim Punkt Antisemitismus im unteren Bereich, jedoch mit höheren Werten als die "Palästinafreunde", welche auch durchschnittlich eine umfangreichere Kenntnis des Nahostkonfliktes haben. Die "Israelfreunde" hingegen haben nur mittlere Kenntnisse des Nahostkonfliktes.

Und wie erklären Sie sich das? Dass die Verteidiger und Beschützer Israels „antisemischer“ als ausgerechnet die „Palästinafreunde“, denen ja tagtäglich Antisemitismus testiert wird, sind?

Die „Palästinafreunde“ vertreten tatsächlich am deutlichsten die Auffassung, dass alle Menschen gleich sind. „Israelfreund“ zu sein kann dagegen mit der Einstellung einhergehen, dass Juden anders sind als andere Menschen. Wer diese Einstellung extrem hat, würde in dieser Studie als „Rechter“ eingruppiert werden. Aber in milderer Form denken auch „Nicht-Rechte“ solche Dinge, beispielsweise also, dass man Israel unterstützen muss, weil „wir“ „den Juden“ noch etwas schuldig sind. In einem solchen Gedanken – „wir“ und „die Juden“ – steckt ja eine große Verallgemeinerung, die genauso von Leuten gemacht würde, die ausdrückliche Vorbehalte gegen „die Juden“ haben. Solch Philosemitismus ist manchmal die Kehrseite von Antisemitismus.


:)
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 14. Jun 2017, 12:11

Der Thread zu der Antisemitismus-Doku von WDR/Arte über Bild ist - aus welchen Gründen auch immer - geschlossen. Da sich in der Diskussion über diese Nichtausstrahlung immer auch (wenigstens implizit) der Vorwurf der Linkslastigkeit des WDR zeigt, passts auch hier so einigermaßen hin.

Sehr interessant ein Interview des Deutschlandfunks mit dem Autor Joachim Schröder noch bevor die Ausstrahlung duch Bild bekannt wurde: http://www.deutschlandfunk.de/arte-und- ... _id=388010

Rein formal ist der Vorwurf, dass diese Doku nicht der expliziten Vorgabe entspricht, in ganzer Bandbreite über Antisemitismus in ganz Europa zu berichten, schon berechtigt. Diese Vorgabe enthielt unter anderem ganz konkret den Auftrag, über Antisemitismus in Ungarn, Norwegen, UK und Griechenland zu recherchieren. Darauf habe auch ich ein wenig vergeblich gewartet. Die Doku konzentrierte sich sehr auf den Antisemitismus in Europa, der sich am Nahostkonflikt entzündet bzw. der diesen Nahostkonflikt als Anlass und Projektionsfläche für antisemitische Tendenzen nutzt. Das Problem ist einfach, dass dieses Thema unabhängig davon hochrelevant ist und unter allen Umständen in die Öffentlichkeit gehört. Und es betrifft eben auch und gerade Deutschland und Frankreich als die beiden ARTE-Betreiber. Auf der anderen Seite darf unter dem Titel "Antisemitismus in Europa" eine direkte Judenfeindlichkeit, die mit dem Nahostkonflikt entweder nix oder nur sehr wenig zu tun hat, nicht einfach vergessen werden. Ich hatte bereits als Beispiel die judenfeindliche Hetze auf "Radio Maryja" in Polen genannt. Sehr bezeichnend ist auch die Geschichte eines der schlimmsten antisemitischen Hetzers von der ungarischen Jobbik, Csanád Szegedi, der irgendwann als Erwachsener und bekannter Politiker erfuhr, dass er selbst Jude ist und die Hälfte seiner Familienvorfahren in Auschwitz umgekommen war. Und der dann aus der Partei austrat, sich an einen Rabbiner wandte und Verbindungen nach Israel aufnahm. Und der seinen EU-Parlamentssitz dennoch beibehielt. Nur, damit kein Antisemit aus seiner eignenen Ex-Partei nachrücken konnte. Eine sehr erstaunliche, sehr lehrreiche, exemplarische Geschichte, die unbedingt in eine 90-minütige Doku zum Thema "Antisemitismus in Europa" hineingehört. Oder auch das nun westverbundene Baltikum. Erst nach jahrelangem Streit konnte im litauischen Ponar in der Näher der Hauptstadt Vilnius ein Gedenkstein mit der AUfschrift "Hier starben 100.000 Menschen, davon 70.000 Juden. Sie wurden umgebracht von faschistischen Deutschen und ihren hiesigen Mithelfern." Um die letzten vier Worte wurden heftigste politische Auseinandersetzungen geführt. Ähnlich die heftigen Kontroversen um den polnischen Autor Jan Gross und die "Lex Gross" (ein Gesetz dass die "Verächtlichmachung" der polnischen Nation durch Bezichtigung der Zusammenarbeit mit Kommunisten oder Nazis unter Strafe stellt) usw. usf. All das Dinge, die mit dem Nahostkonflikt nix oder nur sehr wenig zu tun haben. Meine Haltung ist zwiespältig. Gezeigt werden muss diese Doku so wie sie ist unter allen Umständen. Dem Anspruch auf eine vollständige Darstellung des Themas "Antisemitismus in Europa" wird sie, wenn man den Titel so nimmt wie er ist, dennoch nicht ganz gerecht.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Gutmensch1 » So 18. Jun 2017, 15:56

Ela hat geschrieben:(15 Jan 2016, 13:32)

Dieser Link ist ja hochinteressant, kommen wissenschaftliche Studien doch zu dem Ergebnis, dass die sog. "Palästinafreunde" gar nicht so antisemitisch sind, wie sie gerne von "Israelfreunden" dargestellt werden.



Also liegen im Durchschnitt tatsächlich die "Israelfreunde" beim Punkt Antisemitismus im unteren Bereich, jedoch mit höheren Werten als die "Palästinafreunde", welche auch durchschnittlich eine umfangreichere Kenntnis des Nahostkonfliktes haben. Die "Israelfreunde" hingegen haben nur mittlere Kenntnisse des Nahostkonfliktes.



:)


Sagen wir mal so, "Palästinafreunde" halten sich selbst nicht für Antisemiten, denn dadurch würden sie ihre humanistisch klingenden Forderungen zum Schutze der Palästinenser ad absurdum führen. Dass sie besser informiert seien, halte ich für ein Ammenmärchen. Noch nie ist mir ein "Palästinafreund" begegnet, der auch nur annähernd gut informiert gewesen wäre. Sie kennen zwar viele Eckdaten und Ereignisse aber sie verdrehen allgemein anerkannten Fakten und stellen durchweg propagandistische Interpretationen aus islamistischen Kreisen als Fakten dar. Die meisten treten extrem einseitig und judenfeindlich auf, ihre Faktenverdrehungen sind licht widerlegbar. In einem Punkt stimmt aber die Untersuchung, "Palästinafreunde" sind stets mehr oder weniger antizionistisch eingestellt. Wer sich auskennt, weiss was das heisst. ;)
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon bennyh » Sa 18. Nov 2017, 22:45

Liegestuhl hat geschrieben:(28 Dec 2015, 20:49)

Der Zionismus wird in der muslimischen Welt als etwas Minderwertiges und Verdorbenes dargestellt.

Ich weiß nicht, ob ich das Zitat richtig hinbekomme: it's not about the land. It's about the girls at the beach of Tel Aviv.

Von wem stammt das Zitat?
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon ryu1850 » So 19. Nov 2017, 00:19

Gutmensch1 hat geschrieben:(18 Jun 2017, 16:56)

Sie kennen zwar viele Eckdaten und Ereignisse aber sie verdrehen allgemein anerkannten Fakten und stellen durchweg propagandistische Interpretationen aus islamistischen Kreisen als Fakten dar.


Eckdaten und Ereignisse sind Fakten, ihre Gegenüber waren immer gut informiert.

Welche Fakten werden verdreht und wie macht man das genau?

Wie kann man eine Interpretation als Fakt darstellen?
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Nov 2017, 01:40

ryu1850 hat geschrieben:(19 Nov 2017, 00:19)

Eckdaten und Ereignisse sind Fakten, ihre Gegenüber waren immer gut informiert.

Welche Fakten werden verdreht und wie macht man das genau?

Wie kann man eine Interpretation als Fakt darstellen?


Ganz einfach, lies deine eigenen Beiträge im Strang 35.
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Ebiker » So 19. Nov 2017, 16:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jun 2017, 13:11)

Der Thread zu der Antisemitismus-Doku von WDR/Arte über Bild ist - aus welchen Gründen auch immer - geschlossen. Da sich in der Diskussion über diese Nichtausstrahlung immer auch (wenigstens implizit) der Vorwurf der Linkslastigkeit des WDR zeigt, passts auch hier so einigermaßen hin.



Noch schlimmer RTL. Nachdem Karl Lagefeld im französischen TV Kritik an der deutschen Einwanderungspolitik übte warf der Sender ihm vor das der Konzern für den er atbeitet einer bjüdischen Familie gehört. Fehlt nur noch der Boykottaufruf.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
Houari Boumedienne
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Troh.Klaus » So 19. Nov 2017, 16:13

Boykott gegen wen?
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon ryu1850 » So 19. Nov 2017, 16:15

Ebiker hat geschrieben:(19 Nov 2017, 16:04)

Noch schlimmer RTL. Nachdem Karl Lagefeld im französischen TV Kritik an der deutschen Einwanderungspolitik übte warf der Sender ihm vor das der Konzern für den er atbeitet einer bjüdischen Familie gehört.


RTL hat darauf hingewiesen, dass man Karl Lagerfelds berufliche Verbindungen als Faktor der zu seinen Aussagen geführt hat mit berücksichtigen sollte. Das ist aus dem 1x1 des Journalismus.
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Tom Bombadil
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Re: Linker Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » So 19. Nov 2017, 16:18

Wohl eher das kleine 1x1 des dumpfen Antisemitismus, dass "die Juden" die volle Kontrolle haben.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson

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