Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

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Flaschengeist
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Flaschengeist » Do 10. Aug 2017, 23:23

Fuerst_48 hat geschrieben:(10 Aug 2017, 18:52)

Das erinnert an RADIO ERIWAN : Darf man in der UdSSR sagen, was man denkt?
R E antwortet : Selbstverständlich, solange sie nur denken, was sie auch sagen dürfen...



Interessanter Vergleich. :)

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann setzen Sie die SU mit der BRD gleich.
„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » Fr 11. Aug 2017, 00:05

elmore hat geschrieben:(11 Aug 2017, 00:10)

Zurecht. Und sei sicher, das blühlt auch dir. Aber sowas von!
Antisemitismus ist nunmal einzig und alleine gegen Juden (und Israel) gerichtet.


Erzähl mal, wie willst du denn z.B. Norwegen oder Neuseeland mit antisemitischen Stereotypen kritisieren?


Wieso blüht mir das? Auf welcher Grundlage. Was um alles in der Welt ist an meinem Posting denn jetzt antisemitisch? :D :D :D
gelöscht, da unfreundlich

Norwegen und Neuseeland kann ich mit antisemitischen Stereotypen kritisieren, indem ich ihnen unterstelle, im Hintergrund die Fäden zu ziehen.
Ich kann den Staaten vorwerfen die geheimen Weltherrscher zu sein. Diese Kritik wäre zwar offensichtlich schwachsinnig, aber antisemitisch würde mich wohl niemand nenne.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Fuerst_48 » Fr 11. Aug 2017, 08:48

Flaschengeist hat geschrieben:(11 Aug 2017, 00:23)

Interessanter Vergleich. :)

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann setzen Sie die SU mit der BRD gleich.

In Sachen Israel und Israelkritik ist mir der Sager aus Radio Eriwan eingefallen, nicht mehr, und nicht weniger.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon bennyh » Fr 11. Aug 2017, 14:09

Fuerst_48 hat geschrieben:(11 Aug 2017, 09:48)

In Sachen Israel und Israelkritik ist mir der Sager aus Radio Eriwan eingefallen, nicht mehr, und nicht weniger.

Mit anderen Worten, Sie setzen die SU mit Israel gleich. Das finde ich nicht in Ordnung.
Best of pn:
- "Kannst du deine blöde Fresse nicht halten? Ich antworte nicht auf deine Zitate, also verpiss dich."
"Wennst mit der deppaten Fußzeile ofoahst, wars scho ghuifn."
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon elmore » Fr 11. Aug 2017, 14:14

jellobiafra hat geschrieben:(11 Aug 2017, 01:05)

Ich kann den Staaten vorwerfen die geheimen Weltherrscher zu sein. Diese Kritik wäre zwar offensichtlich schwachsinnig, aber antisemitisch würde mich wohl niemand nenne.


Eben, genau darin liegt der Knackpunkt. Diesen offensichtlichen Schwachsinn bringt man nur gegen Juden oder Israel in Stellung. Egal, wie behämmert oder schlau man an sich wähnt.
Und eine Diskussion bzw. Beschwerde darüber, dass man nur für diesen Fall dann auch als antisemitisch einsortiert würde, ist zwangsläufig fragwürdig. Sehr.

Und es verrät einiges, wenn jemand genau solche Fragen stellt, und sich beschwert oder gar damit beweisen will, dass der Antisemitismusvorwurf nur im Falle
Israel/Juden als Adressat einem Doppelstandard geschuldet sei:
Der identische Schwachsinn im anderen Fall einfach nur das bleibt, was es ist: Gebündelter Schwachsinn.

(Diese Normalität wird eben nur gegenüber Juden/Israel verweigert und ausser Kraft gesetzt.) - Siehe Doppelstandards...
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » Sa 12. Aug 2017, 09:37

elmore hat geschrieben:(11 Aug 2017, 15:14)

Eben, genau darin liegt der Knackpunkt. Diesen offensichtlichen Schwachsinn bringt man nur gegen Juden oder Israel in Stellung. Egal, wie behämmert oder schlau man an sich wähnt.
Und eine Diskussion bzw. Beschwerde darüber, dass man nur für diesen Fall dann auch als antisemitisch einsortiert würde, ist zwangsläufig fragwürdig. Sehr.

Und es verrät einiges, wenn jemand genau solche Fragen stellt, und sich beschwert oder gar damit beweisen will, dass der Antisemitismusvorwurf nur im Falle
Israel/Juden als Adressat einem Doppelstandard geschuldet sei:
Der identische Schwachsinn im anderen Fall einfach nur das bleibt, was es ist: Gebündelter Schwachsinn.

(Diese Normalität wird eben nur gegenüber Juden/Israel verweigert und ausser Kraft gesetzt.) - Siehe Doppelstandards...


Da ´muss ich Dir widersprechen. Erfahrungsgemäß findet man sowohl Doppelstandards zu Lasten als auch Doppelstandards zugunsten Israels. Ehrlich gesagt muss man die letzten Jahrzehnte Diskussion verschlafen haben, um hier zu widersprechen. Doppelstandard zugunsten Israels gibt es in der Form einer Kritikabwehr, weil nur gewissen Formen einer Kritik an Israels Ressentiment gegenüber der Bevölkerung unterstellt wird (Antisemitismus). Dies gibt es bei keinem anderen Land und es ist sehr leicht dafür Beispiele zu finden. Selbst die von Dir ins Spiel gebrachten Beispiele Neuseeland und Norwegen belegen dies. Auffällig wird es, wenn an Staaten mit größerem Einfluss Kritik geübt wird und von Hinterzimmerdiplomatie die Rede ist, oder auch Lobbyarbeit oder wenn ein Bild suggeriert wird,
dass ein Politiker (Merkel, Putin z.B.) im Hintergrund die Fäden zieht. Da redet keiner von antisemitischer Kritik aber auch niemand von antirusssischem oder antideutschem Rassismus.

Beispiele lassen sich hier viele finden. Die Aussage:Die deutschen Juden fühlen sich mehr mit Israel verbunden als mit Deutschland gilt als antisemitisch (Separationistischer Antisemitismus).
Die Aussage: Die Türken in Deutschland und die Deutschtürken fühlen sich mehr mit der Türkei verbunden gilt derzeit als mehr oder weniger angemessene Zustandsbeschreibung.

Da allen antisemitische Kritik an Israel als unstatthaft und bekämpfenswert gilt, haben wir hier einen Doppelstandard zugunsten Israels in der Kritikabwehr.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » Sa 12. Aug 2017, 09:54

Oder um es mal anders zu formulieren: Zwischen den Forderungen, keine antisemitische Kritik an Israel zu üben und der Forderung, Israel zu kritisieren, wie jeden anderen Staat, gibt es manchmal einen Zielkonflikt.

Noch etwas zu Alan Poseners Artikel. Er schreibt, dass Israelkritik per se antisemitisch sei, weil es sozusagen ein eigenes Genre darstellt, was es bei keinem anderen Land gibt. Dieses Argument ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Der Begriff "Israelkritik" wurde meines Wissens von den Verteidigern israelilscher Politik in die Diskussion eingeführt um diese von Antisemitismus abzugrenzen (oder auch gleichzusetzen). Wer hat diesen Thread erstellt und den Titel vergeben.? Der Begriff "Israelkritik" wurde jahrzehntelang von Antisemtismusforschern verwendet. Alles Antisemiten? Ist mittlerweile honestly concerned antisemitisch, oder Wolfgang Heitmeyer?

http://www.honestly-concerned.org/Heitmeyer2.htm#TEIL1

Antisemitische und nicht-antisemitische Israelkritik

An einer Kritik einer Israelischen Politik ist solange nichts auszusetzen, solange sie ohne anti­semitische Anleihen auskommt. Sie muß sich jedoch mindestens dann dem Vorwurf des Anti­semitismus u. E. zu Recht aussetzen, wenn sie das Existenzrechtes Israels und sein Recht auf Selbstverteidigung aberkennt, die israelische Politik mit einem doppelten Standard beurteilt, also bestimmte politische Maßnahmen seitens Israels scharf verurteilt, jedoch seitens anderen Ländern duldet, historische Vergleiche der israelischen Palästinenserpolitik mit der Judenver­folgung im Dritten Reich bemüht oder antisemitischer Stereotype auf den israelischen Staat überträgt. Auf diese Weise wird Israel zum „kollektiven Juden“ gemacht und mit Hilfe klas­sischer, antijüdischer Stereotype abgewertet und isoliert. Umgekehrt muß damit eine Kritik an der Politik Israels, für die Juden insgesamt verantwortlich gemacht werden, als antisemitisch bezeichnet werden (vgl. Heyder/Iser/Schmidt 2005).


Das steht wirklich da: nicht-antisemitische Israelkritik.
Zuletzt geändert von jellobiafra am Sa 12. Aug 2017, 14:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Liegestuhl » Sa 12. Aug 2017, 10:07

jellobiafra hat geschrieben:(12 Aug 2017, 10:54)
Er schreibt, dass Israelkritik per se antisemitisch sei, ....


Das ist natürlich Käse.

Die größten Kritiker Israels sind wohl die Juden selbst.

Es muss also wohl einen Unterschied zwischen Israelkritik und Antisemitsmus/Antizionimus geben.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon elmore » Sa 12. Aug 2017, 14:37

jellobiafra hat geschrieben:(12 Aug 2017, 10:37)

Da ´muss ich Dir widersprechen. Erfahrungsgemäß findet man sowohl Doppelstandards zu Lasten als auch Doppelstandards zugunsten Israels...

Beispiele lassen sich hier viele finden. Die Aussage:Die deutschen Juden fühlen sich mehr mit Israel verbunden als mit Deutschland gilt als antisemitisch (Separationistischer Antisemitismus).
Die Aussage: Die Türken in Deutschland und die Deutschtürken fühlen sich mehr mit der Türkei verbunden gilt derzeit als mehr oder weniger angemessene Zustandsbeschreibung.

Da allen antisemitische Kritik an Israel als unstatthaft und bekämpfenswert gilt, haben wir hier einen Doppelstandard zugunsten Israels in der Kritikabwehr.


Du kannst hier noch so viele Versuche starten, um Kritik an der Politik Israels, seinen Regierungen, auch solche, die klar und zurecht als antisemitsisch
eingestuft wird, reinzuwaschen. Oder mit dem Pauschal-Totschlagargument der sog. Kritikabwehr an Israels Politik versuchen, damit auch
antisemitische Argumentationslinien als anderen Staaten gegenüber jederzeit erlaubte und akzeptierte Formen der Kritik auch gegenüber Israel und den Juden als berechtigt oder
objektiv gerechtfertigt zu verkaufen. Um damit sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge antisemitische und judenfeindliche Kritik an den Mann oder die Frau
bringen zu dürfen und zu können. Die Unterschiede habe ich dir schon zu erklären versucht und deine wiederholten Verdrehungen machen es nicht besser oder zutreffender. Nur mühseliger.

Und "die" Juden in Deutschland gibt es nicht. Und auch nie "die" Deutschtürken. Pauschalierungen sind hier ganz besonders - wenig zweckdienlich - wie
der Pauschaulterminus "der Verbundenheit zu Israel oder der Türkei". Jüdische Menschen haben - nachvollziehbarerweise - eine emotionale Nähe
zu Israel, die anders und aus leidvoller und jahrhundertealter Erfahrung heraus begründet ist und einer noch nicht solange zurückliegenden besonders
tödlichen Vernichtungserfahrung. Etwas, das ihnen andernorts, in direkter Nachbarschaft zu Israel, weiterhin widerfährt. Etwas, was nur Juden und ihrem
Staat Israel "zuteil" wird...

Von daher, so hoffe ich zumindest, daß du von deinen seltsamen Vergleichen der Verbundenheit und diesen Gleichsetzungen der Lebens- und Erfahrungssituation
von Deutschtürken mit Juden und - von Israel und der Türkei als Staaten - hinkünftig absiehst und den Unsinn deines Ansinnens auch einsiehst.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » So 13. Aug 2017, 06:39

elmore hat geschrieben:(12 Aug 2017, 15:37)

Du kannst hier noch so viele Versuche starten, um Kritik an der Politik Israels, seinen Regierungen, auch solche, die klar und zurecht als antisemitsisch
eingestuft wird, reinzuwaschen. Oder mit dem Pauschal-Totschlagargument der sog. Kritikabwehr an Israels Politik versuchen, damit auch
antisemitische Argumentationslinien als anderen Staaten gegenüber jederzeit erlaubte und akzeptierte Formen der Kritik auch gegenüber Israel und den Juden als berechtigt oder
objektiv gerechtfertigt zu verkaufen. Um damit sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge antisemitische und judenfeindliche Kritik an den Mann oder die Frau
bringen zu dürfen und zu können. Die Unterschiede habe ich dir schon zu erklären versucht und deine wiederholten Verdrehungen machen es nicht besser oder zutreffender. Nur mühseliger.


Ich will überhaupt nichts verkaufen oder an den Mann bringen und schon gar nicht "von hinten durch die Brust ins Auge". Ich kann mich auch nicht erinnern, hier Israel in den letzten Jahren überhaupt
einmal kritisiert zu haben. Ich halte mich nur strikt an das Thread-Thema. Meine These ist, dass Kritik, die, wenn sie gegenüber Israel geäußert wird, als antisemitisch eingestuft wird, gegenüber anderern Staaten als akzeptabel gilt. Und zwar die Kritik, die antisemitische Stereotypen enthält (oder diesen ähnelt). Ich nenne das einen Doppelstandard in der Kritikabwehr.


Und "die" Juden in Deutschland gibt es nicht. Und auch nie "die" Deutschtürken. Pauschalierungen sind hier ganz besonders - wenig zweckdienlich - wie
der Pauschaulterminus "der Verbundenheit zu Israel oder der Türkei". Jüdische Menschen haben - nachvollziehbarerweise - eine emotionale Nähe
zu Israel, die anders und aus leidvoller und jahrhundertealter Erfahrung heraus begründet ist und einer noch nicht solange zurückliegenden besonders
tödlichen Vernichtungserfahrung. Etwas, das ihnen andernorts, in direkter Nachbarschaft zu Israel, weiterhin widerfährt. Etwas, was nur Juden und ihrem
Staat Israel "zuteil" wird...

Von daher, so hoffe ich zumindest, daß du von deinen seltsamen Vergleichen der Verbundenheit und diesen Gleichsetzungen der Lebens- und Erfahrungssituation
von Deutschtürken mit Juden und - von Israel und der Türkei als Staaten - hinkünftig absiehst und den Unsinn deines Ansinnens auch einsiehst.


Und was soll das jetzt? Stimmst Du etwa der Aussage zu, dass die Juden in Deutschland eine größere Verbundenheit zu Israel als zu Deutschland haben sollen. Bemängelst Du lediglich die
Pauschalierung? Ich weise Dich noch mal darauf hin, dass dies eine antisemitische Aussage ist. (Separatistischer Antisemitismus). Der Studie, der ich diese Aussage entnommen habe zufolge,
waren antisemitische Ansichten bei den Verteidigern der israelischen Politik allerdings stark vertreten. 83% derer, die nichts an Israels Politik gegenüber den Palästinensern auszusetzen hatten,
stimmten antisemitischen Aussagen zu. Die Diskussion über diese Studie kann man in diesem Thread nachlesen.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » So 13. Aug 2017, 08:54

jellobiafra hat geschrieben:(13 Aug 2017, 07:39)

Meine These ist, dass Kritik, die, wenn sie gegenüber Israel geäußert wird, als antisemitisch eingestuft wird, gegenüber anderern Staaten als akzeptabel gilt.

Gibt es Indizien, Belege oder gar Beweise für diese These?
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » So 13. Aug 2017, 21:55

Tom Bombadil hat geschrieben:(13 Aug 2017, 09:54)

Gibt es Indizien, Belege oder gar Beweise für diese These?


Ein Beispiel:Wenn Israelische Politik charaktisiert wird mit dem alttestamentarischen "Auge um Auge" gilt dies als antisemitisch (und damit als unstatthaft). Siehe ein Artikel aus hagalil

http://www.hagalil.com/judentum/rabbiner/bollag.htm

Hier ein Artikel aus dem Spiegel über den Tod Bin Ladens. Der Titel: Auge um Auge, Zahn um Zahn

http://www.spiegel.de/politik/ausland/bin-ladens-tod-auge-um-auge-zahn-um-zahn-a-760090.html

Dem Autor des Artikels wurde meines Wissens weder Antisemitismus noch antiamerikanischer Rassismus vorgeworfen.

Das ist ein Beleg. Ziemlich schnell gefunden. In den nächsten Tagen folgen weitere. Jetzt bin ich müde.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Adam Smith » So 13. Aug 2017, 22:02

jellobiafra hat geschrieben:(13 Aug 2017, 22:55)

Ein Beispiel:Wenn Israelische Politik charaktisiert wird mit dem alttestamentarischen "Auge um Auge" gilt dies als antisemitisch (und damit als unstatthaft). Siehe ein Artikel aus hagalil

http://www.hagalil.com/judentum/rabbiner/bollag.htm

Hier ein Artikel aus dem Spiegel über den Tod Bin Ladens. Der Titel: Auge um Auge, Zahn um Zahn

http://www.spiegel.de/politik/ausland/bin-ladens-tod-auge-um-auge-zahn-um-zahn-a-760090.html

Dem Autor des Artikels wurde meines Wissens weder Antisemitismus noch antiamerikanischer Rassismus vorgeworfen.

Das ist ein Beleg. Ziemlich schnell gefunden. In den nächsten Tagen folgen weitere. Jetzt bin ich müde.

In Bezug auf Osama bin Laden stimmt die Kritik. Aus dem Grund ist der Vorwurf nicht antiamerikanisch.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » So 13. Aug 2017, 23:03

jellobiafra hat geschrieben:(13 Aug 2017, 22:55)

Das ist ein Beleg.

Der "Beleg" passt nur nicht, denn es heißt "Viele Menschen erklären die Politik Israels gegen die Palästinenser mit typisch jüdischer Rachsucht", während im anderen Artikel steht "Doch an einer Wahrheit kommen selbst notorische Amerika-Kritiker nicht vorbei: Bin Ladens Ende ist eine gute Nachricht für die Welt und für die Freiheit." Für mich ist das ein sehr großer Unterschied.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon jellobiafra » So 13. Aug 2017, 23:36

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Aug 2017, 00:03)

Der "Beleg" passt nur nicht, denn es heißt "Viele Menschen erklären die Politik Israels gegen die Palästinenser mit typisch jüdischer Rachsucht", während im anderen Artikel steht "Doch an einer Wahrheit kommen selbst notorische Amerika-Kritiker nicht vorbei: Bin Ladens Ende ist eine gute Nachricht für die Welt und für die Freiheit." Für mich ist das ein sehr großer Unterschied.


Okay hier ein anderer. Er befasst sich mit Hugo Chavez und ist deutlich weniger positiv. Titel: Auge um Auge

http://www.politik-forum.eu/posting.php?mode=quote&f=12&p=3971598

Es geht mir darum, dass die Verwendung des Bibel-Zitats "Auge um Auge" auf Israel bezogen als antisemitisch gilt, (als Suggestion typisch jüdische Rachsucht), während sie im Bezug auf alle anderen Staaten
akzeptabel ist. Der Beleg passt schon.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 14. Aug 2017, 09:27

jellobiafra hat geschrieben:(14 Aug 2017, 00:36)

Okay hier ein anderer. Er befasst sich mit Hugo Chavez und ist deutlich weniger positiv. Titel: Auge um Auge

http://www.politik-forum.eu/posting.php?mode=quote&f=12&p=3971598

Der link führt nicht zu einem anderen Artikel.

Es geht mir darum, dass die Verwendung des Bibel-Zitats "Auge um Auge" auf Israel bezogen als antisemitisch gilt, (als Suggestion typisch jüdische Rachsucht), während sie im Bezug auf alle anderen Staaten
akzeptabel ist. Der Beleg passt schon.

Das bloße Zitat in Bezug auf Israel reicht mMn. auch nicht, um Antisemitismus belegen zu können, da kommt es auf den gesamten Kontext eines solchen Artikels an. Der von dir verlinkte Spiegelartikel um den Tod von Bin Laden wäre auch dann nicht antisemitisch, wenn man ihn in Bezug auf Israel und irgendeinen getöteten Hamas- oder Hezbollah-Terroristen lesen würde.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Jekyll » Mo 14. Aug 2017, 11:14

Hm, das scheint alles wirklich sehr kompliziert zu sein. Ein Grund mehr, hüben wie drüben mit Anschuldigungen und Verdächtigungen sehr sehr vorsichtig zu sein.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Liegestuhl » Mo 14. Aug 2017, 11:33

Jekyll hat geschrieben:(14 Aug 2017, 12:14)

Hm, das scheint alles wirklich sehr kompliziert zu sein. Ein Grund mehr, hüben wie drüben mit Anschuldigungen und Verdächtigungen sehr sehr vorsichtig zu sein.


Natürlich. Daher sollte man niemanden als Antisemiten bezeichnen, sondern lediglich zum Ausdruck bringen, warum man dies oder jenes für antisemitisch hält.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 14. Aug 2017, 11:49

Ich finde daran gar nichts kompliziert. Alleine das Wort Israelkritik stellt einen Doppelstandard dar, allerhöchstens die USA (Ostküste, you know) werden noch ähnlich stark "kritisiert", neben Israelkritikern gibt es auch Amerikakritiker. Es gibt aber keine Russlandkritik/er, keine Japankritik/er, keine Algerienkritik/er etc.pp. die den gewählten Staat bis hin zu den Fundamenten seiner Existenz "kritisieren" und das mit einer unermüdlichen Ausdauer, über Jahre und Jahrzehnte hinweg.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 14. Aug 2017, 11:57

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Aug 2017, 00:03)

Der "Beleg" passt nur nicht, denn es heißt "Viele Menschen erklären die Politik Israels gegen die Palästinenser mit typisch jüdischer Rachsucht", während im anderen Artikel steht "Doch an einer Wahrheit kommen selbst notorische Amerika-Kritiker nicht vorbei: Bin Ladens Ende ist eine gute Nachricht für die Welt und für die Freiheit." Für mich ist das ein sehr großer Unterschied.



Was ich immer wieder interessant finde, ist die Tatsache, dass es überhaupt kein Problem darstellt, Israel als den Judenstaat zu bezeichnen, also als Staat mit jüdischen Charakter.
Dieser jüdische Charakter soll ja bewahrt, verteidigt werden, um Juden aus aller Welt eine Heimat zu geben.
Ich merke also: Der Staat Israel ist ein Staat mit jüdischem Charakter.
Mein Frage ist:
Wie bekommt es ein Staat mit jüdischem Charakter hin, eine Politik nach innen und aussen zu betreiben, die keinen jüdischen Charakter hat?!

Genau hier fängt nämlich das Jonglieren mit den Standards an.
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
Voltaire,

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