Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 5. Feb 2018, 22:59

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Feb 2018, 22:49)

Ja, selbstverständlich. Man muss eben nur aggressiv genug auftreten, schon wird nicht aufgelöst, hinterher nennt man das dann Polizeitaktik und Deeskalation.
Das scheint mir ein Vorurteil gegenüber den Beamten zu sein, die letztlich den Kopf hinhalten müssen.

Das macht ja auch niemand oder meinst du, in Köln haben 20.000 PKKler demonstriert?

Eine Demonstration mit Flaggen der PKK sind genau so eine PKK-Demonstration wie eine Demonstration mit IS-Flaggen eine Demonstration des IS wäre.
Es mag sein, dass manche das anders sehen. Da wird dann mit Einheit durch Führung oder andersrum argumentiert.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Kardux » Mo 5. Feb 2018, 23:22

DarkLightbringer hat geschrieben:Im frühen Jugendalter habe ich von Karl May irgendwas gelesen, "Winnetou" und "Weihnacht" sicher, annsonsten kann ich mich nicht mehr erinnern.


War mir bewusst, dass Sie die Geschichte nicht gelesen haben. Denn Karl Mays "Durch wilde Kurdistan" ist keine positiv-romantische Darstellung der Kurden. Solch einen Unsinn haben Sie von türkischen Nationalisten aufgeschnappt. Also bevor Sie das nächste mal auf diesen Roman verweisen, sollten Sie es gelesen haben.

DarkLightbringer hat geschrieben:1899 und 1900 unternahm May eine Reise in den Orient, wobei er zwei mal einen Nervenzusammenbruch erlitt. Seine Frau fürchtete, ihn der Irrenanstalt zuführen zu müssen. Andere vermuteten, May sei mit dem "dem Einbrechen einer grellen Realität in seine Traumwelt" nicht zurecht gekommen.


Haben Sie gewusst, dass Karl May niemals in Kurdistan war, aber die Landschaft so exakt beschreibt, als ob er dort geboren wäre? Das habe ich auch nicht in Wikipedia gelesen - versprochen.

DarkLightbringer hat geschrieben:Eine turkozentrische Sichtweise greift zu kurz, die Strömungen terroristischer Milizen sind beispielsweise für Israel, Ägypten und Saudi-Arabien ein Problem.


Eine Assad-zentrische Sichtweise (welche Sie seit Jahren vertreten) greift ebenfalls zu kurz. Die Golfaraber, die Türkei und der Iran nehmen sich in diesem dreckigen Konflikt nicht sehr viel - wer anderes behauptet ist nichts weiter als ein Propagandist dieser Kriegstreiber.

DarkLightbringer hat geschrieben:Die Eindämmung des Mullah-Regimes in der Region muss eines der primären Ziele sein.


Ja, der Iran hat das Gleichgewicht der Region empfindlich gestört - keine Frage. Aber selbst wenn die Mullahs in Teheran gestürzt werden, wäre das nicht das Ende der Probleme im Nahen Osten. Es ist nicht nur der Iran der Chaos und Blutvergießen erzeugt!

DarkLightbringer hat geschrieben:Es wäre das richtige Momentum, um die westlich-arabische Koalition auszuweiten und sich in einer übergreifenden Strategie zu vertiefen.


Wen genau meinen Sie, wenn Sie von westlich-arabische Koalition sprechen? Die FSA? Das ich nicht lache...

DarkLightbringer hat geschrieben:Die stalinistische PKK würde ich übrigens nicht mit "den Kurden" gleichsetzen. In den 1980/90-er Jahre hat die PKK kurdische Dörfer angegriffen und Massaker verübt. Das nur als Beispiel. Die Kurden sind Kurden, die PKK ist die PKK, nicht die Kurden Türken und PKK die Kurden.


Die PKK ist eine kurdische Bewegung und untrennbar mit dem kurdischen Volk. Die PKK ist ein Puzzlestück im langen Befreiungskampf der Kurden. Eine Terrororganisation wie die PKK samt seiner dubiosen Handlungen wäre ohne den Staatsterror der Türkei niemals entstanden...

Ich möchte Sie auch nochmals daran erinnern, die Gebetsmühlen türkischer Nationalisten nicht zu wiederholen. Denn eines ist offensichtlich - so sehr wie Sie sich mit Karl Mays Roman befasst haben, haben Sie sich mit dem kurdisch-türkischen Konflikt befasst. Wer die stalinistische PKK (dieser Jargon lässt bereits tief blicken) als die Wurzel des Problems darstellt hat sich nämlich nicht mit dem Thema beschäftigt - oder möchte es schlicht nicht. Und da sind wir wieder bei den türkischen Nationalisten angelangt...
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 5. Feb 2018, 23:31

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Feb 2018, 22:59)

Das scheint mir ein Vorurteil gegenüber den Beamten zu sein, die letztlich den Kopf hinhalten müssen.

Das liegt an deiner falschen Interpretation der Aussage.

Eine Demonstration mit Flaggen der PKK sind genau so eine PKK-Demonstration wie eine Demonstration mit IS-Flaggen eine Demonstration des IS wäre.

Dann ist eine Demonstration mit antisemitischen Sprechchören eine Demonstration von Antisemiten.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 6. Feb 2018, 08:35

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Feb 2018, 23:31)

Das liegt an deiner falschen Interpretation der Aussage.
Die Polizeibeamten sollten jedenfalls nicht als politisches Instrument betrachtet werden, die sich inhaltlich mit Demonstrationen der einen oder anderen Art auseinander zu setzen hätten. Die Tolerierung kleinerer Vergehen im Rahmen eines Aufzuges sind der jeweiligen Einsatztaktik geschuldet, da wird doch nicht zwischen PKK- und Palästinenser-Inhalten unterschieden oder abgewogen.
Es gilt das Gesetz und die Sicherheitskräfte sind je nach Lage zur verhältnismäßigen Durchsetzung gehalten.
Wenn die jeweiligen Gruppen sich einfach an das Gesetz halten würden, wäre es doch gar kein Problem, Ankara, Tel Aviv, den Kapitalismus, die Bundesregierung oder die Verteidigungspolitik demonstrativ zu kritisieren. Der Appell, politisch ausgewogen zu agieren, hat sich nicht an die Beamten zu richten, sondern an die Gruppen, die sich mit Meinungsäußerungen befassen.

Dann ist eine Demonstration mit antisemitischen Sprechchören eine Demonstration von Antisemiten.
Genau. Die Anzahl ist dabei nicht entscheidend, sondern das Gemeinmachen. Wer nach eigenem Entschluß im Pulk von skandierenden Antisemiten oder Terrorismuswerbern marschiert, kann sich nicht auf mitlaufende Unschuld berufen.
Um ähnliches geht es ja bei den Verfahren im Zusammenhang mit den Hamburger Krawallen. Wenn aus einer Gruppe von 20 Vermummten heraus Gewalttaten verübt werden, ist von einer aktiven Billigung dieser Gruppenmitglieder auszugehen. Etwas anderes ist es, wenn zufällig ein Passant daneben steht.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 6. Feb 2018, 08:54

Kardux hat geschrieben:(05 Feb 2018, 23:22)
Ja, der Iran hat das Gleichgewicht der Region empfindlich gestört - keine Frage. Aber selbst wenn die Mullahs in Teheran gestürzt werden, wäre das nicht das Ende der Probleme im Nahen Osten. Es ist nicht nur der Iran der Chaos und Blutvergießen erzeugt!

Die nicht enden wollenden Konflikte im Nahen Osten ... dazu gibt es ja - glaube ich - alle möglichen Begründungstheorien. Und häufig werden Ethnien, Nationen, Religionen und deren Zwistigkeiten untereinander genannt. Mehr als Frage denn als Behauptung: Wäre eine einfache Begründung nicht die, dass diese Konflikte schlicht und einfach dauerhaft finanzierbar sind? Dass die schier unermesslichen Erträge aus dem Rohstoffhunger der Welt der eigentliche Motor dieser Konflikte ist. Auch wenn das Stichwort "Ressourcenfluch" vielleicht zu kurz greift. Zumindest eine der Urkatastrophen, der Sturz der legitimen iranischen Regierung Mossadegh durch UK und USA hatte direkt mit dem Zugrifff auf Ölvorkommen zu tun.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon H2O » Di 6. Feb 2018, 09:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Feb 2018, 08:54)

Die nicht enden wollenden Konflikte im Nahen Osten ... dazu gibt es ja - glaube ich - alle möglichen Begründungstheorien. Und häufig werden Ethnien, Nationen, Religionen und deren Zwistigkeiten untereinander genannt. Mehr als Frage denn als Behauptung: Wäre eine einfache Begründung nicht die, dass diese Konflikte schlicht und einfach dauerhaft finanzierbar sind? Dass die schier unermesslichen Erträge aus dem Rohstoffhunger der Welt der eigentliche Motor dieser Konflikte ist. Auch wenn das Stichwort "Ressourcenfluch" vielleicht zu kurz greift. Zumindest eine der Urkatastrophen, der Sturz der legitimen iranischen Regierung Mossadegh durch UK und USA hatte direkt mit dem Zugrifff auf Ölvorkommen zu tun.


Um diese Frage ordentlich beantworten zu können, müßte man die Geschichte des Nahen Ostens gut kennen. Als die Ordnungsmächte/Kolonialherren Rom, Byzanz ihre Herrschaft behaupten konnten, wird es vermutlich lange Ruhephasen vor Ort gegeben haben. Die Herrschaft war vor Ort und sorgte für geordnete Verhältnisse. Zuletzt war da noch das Osmanische Reich, das irgendwie den Deckel auf dem Topf hielt. Aber was war in Zeiten des Machtverfalls dieser Herrschaftssysteme? Alles friedlich und harmonisch, oder doch wilde Kriege zwischen den Stämmen und Völkern? Und das doch ganz ohne Ressourcenfluch. Aber das müßte man wissen.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 6. Feb 2018, 11:02

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Feb 2018, 08:35)

Die Tolerierung kleinerer Vergehen im Rahmen eines Aufzuges...

Ahja, alles klar, antisemitisches Gegröhle "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" sind also "kleinere Vergehen", das sagt doch schon alles, während Fahnen mit Öcalan-Bild zum Abbruch der Demo führen. Da sieht man wieder sehr schön, wie kaputt die Maßstäbe in Deutschland sind.

Es gilt das Gesetz und die Sicherheitskräfte sind je nach Lage zur verhältnismäßigen Durchsetzung gehalten.

Du musst es nicht erneut bestätigen, dass man sich auf einer Demo nur aggressiv genug verhalten muss, um keinen Abbruch zu riskieren, dann sind auch "kleinere Vergehen" drin.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Antonius » Di 6. Feb 2018, 11:10

Ammianus hat geschrieben:(04 Feb 2018, 15:40)
Dieser Krieg ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Türkei zu einem islamofaschistischen System. Erdogan benutzt jede Kritik an der türkischen Aggression als Vorwand um die Kritiker als Terroristen zu verleumden und mundtot zu machen. Ich glaube es wird dort noch schlimmer werden.
Ich fürchte auch.
Dennoch haben die tapferen Kämpfer der Kurden-Miliz YPG den Türken offenbar einige eroberte Dörfer wieder abgenommen.

http://www.fr.de/politik/offensive-in-n ... -a-1433380

Haben die Kurden das Recht, für ihre Freiheit und Selbstbestimmung zu kämpfen und ihre Heimat zu verteidigen? Selbstverständlich.

Ich möchte noch einmal auf den Bericht der FR verweisen, der einen Einblick in die Lage jener Region verschafft:
Robar Hossein ist Kommandantin in der kurdischen YPG-Miliz, die im syrischen Bürgerkrieg kämpft.
Für Kämpferinnen wie sie ist die Kalaschnikow auch ein Symbol der Freiheit.

http://www.fr.de/politik/kurden-in-syri ... t-a-616106
Zuletzt geändert von Antonius am Di 6. Feb 2018, 11:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 6. Feb 2018, 11:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Feb 2018, 08:54)

Zumindest eine der Urkatastrophen, der Sturz der legitimen iranischen Regierung Mossadegh durch UK und USA hatte direkt mit dem Zugrifff auf Ölvorkommen zu tun.

Nix legitim:
Doch Mossadegh hielt sich nicht an die Auflagen des Gesetzes und regierte weiter ohne das Parlament. Als sich die Mehrheit der Abgeordneten gegen Mossadegh wandte, organisierte Mossadegh am 3. August 1953 ein Referendum zur Auflösung des Parlaments. Am 15. August 1953 unterzeichnete der Schah ein Dekret, mit dem er Mossadegh als Premierminister entließ und Fazlollah Zahedi zum neuen Premierminister ernannte. Mossadegh lehnte seine Demission ab und ließ den Offizier, der ihm das Entlassungsdekret überbrachte, verhaften.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammad_ ... _Mossadegh

Die Intervention von USA und GB fand die Legitimation des Parlaments und des Staatsoberhauptes:
Der Plan basierte auf einer Zusammenarbeit mit prominenten Geistlichen, der Unterstützung der iranischen Armee und einer Mehrheit der Abgeordneten des iranischen Parlaments sowie des Schahs.

Mossadegh wurde auch nicht von USA und GB gestürzt, sondern vom iranischen Violk:
Am 19. August 1953 (28. Mordad 1332) entwickelte sich der Tag aber völlig anders, als Henderson erwartet und Mossadegh gehofft hatte. Bereits am frühen Morgen zogen Pro-Schah-Demonstranten durch die Straßen Teherans. Gegen Mittag schlossen sich Polizei- und Militäreinheiten den Mossadeghgegnern an und stürmten Außenministerium, Polizeizentrale und Hauptquartier des Armee-Generalstabs.[12] Um der Bevölkerung den Erlass des Schahs, dass Mossadegh vom Schah als Premierminister entlassen und General Zahedi zum neuen Premierminister ernannt wurde, bekannt zu machen, hatte der Sohn von General Zahedi, Ardeschir Zahedi, bereits am 16. August 10.000 Exemplare in einer Druckerei herstellen und unter der Bevölkerung und an die Presse verteilen lassen. Am 18. August war eine Kopie der vom Schah unterschriebenen Entlassungsurkunde Mossadeghs und Ernennungsurkunde Zahedis auf der ersten Seite der Zeitung Shahed, herausgegeben von Mozaffar Baqai, abgedruckt worden. Weitere Zeitungen veröffentlichten die Urkunden am 19. August. Die Nachrichten über die Entlassung Mossadeghs verbreiteten sich rasch in Teheran. Im Basarviertel sammelten sich die Pro-Schah-Demonstrationen gegen neun Uhr und zogen dann durch die Straßen Teherans mit Pro-Schah-Rufen.[26] Auch in den Provinzen kam es zu Pro-Schah-Demonstrationen. In Tabriz, Esfahan und Schiraz waren Zivilisten und Militärs auf den Straßen und riefen „Lang lebe der Schah“. Öffentliche Gebäude wurden von den Demonstranten besetzt und über die lokalen Radiostationen wurden Durchsagen zur Unterstützung von Schah Mohammad Reza Pahlavi gesendet.[27]
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen die Kurden in Syrien hat keinerlei Legitimation.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 6. Feb 2018, 12:11

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Feb 2018, 11:02)

Ahja, alles klar, antisemitisches Gegröhle "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" sind also "kleinere Vergehen", das sagt doch schon alles, während Fahnen mit Öcalan-Bild zum Abbruch der Demo führen. Da sieht man wieder sehr schön, wie kaputt die Maßstäbe in Deutschland sind.

Du musst es nicht erneut bestätigen, dass man sich auf einer Demo nur aggressiv genug verhalten muss, um keinen Abbruch zu riskieren, dann sind auch "kleinere Vergehen" drin.

Das hat niemand gesagt, was auch sehr deutlich wird, wenn man das Zitat nicht willkürlich auf den Anfangsteil eines Satzes verkürzt und die Auslassung als Joker für wilde Fantasien nutzt. Zitat: "Die Polizeibeamten sollten jedenfalls nicht als politisches Instrument betrachtet werden, die sich inhaltlich mit Demonstrationen der einen oder anderen Art auseinander zu setzen hätten. Die Tolerierung kleinerer Vergehen im Rahmen eines Aufzuges sind der jeweiligen Einsatztaktik geschuldet, da wird doch nicht zwischen PKK- und Palästinenser-Inhalten unterschieden oder abgewogen."

Das kann schon sein, dass ein Zugführer ein gelbes Taschentuch durchgehen lässt, auf dem "PKK" stehen könnte, er aber Eskalation vermeiden möchte bzw. diese in dem Moment als unnötig ansieht. Das meint, die Politik sollte nicht auf dem Rücken der Polizeibeamten ausgetragen werden.
Siehe auch Hamburger Krawalle. Da war es doch keine Frage, welche Sprüche die Autonomen auf den Dächern benutzen, es war in der Taktik die Frage, wie gefährlich ein Bewurf oder Beschuß von oben werden könnte. Deshalb stoppte der Trupp und wartete die Aufklärung bzw. den Einsatz von Anti-Terror-Einheiten ab, um die Bedrohungslage für Leib und Leben zu entschärfen.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 6. Feb 2018, 12:36

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Feb 2018, 12:11)

Das kann schon sein, dass ein Zugführer ein gelbes Taschentuch durchgehen lässt, auf dem "PKK" stehen könnte, er aber Eskalation vermeiden möchte bzw. diese in dem Moment als unnötig ansieht.

Wir sehen ja realiter, was durchgeht, nämlich antisemitisches Gegröhle und Verbrennen von Israelfahnen, und was nicht, nämlich Fahnen mit Öcalans Gesicht. Mag sich jeder selber einen Reim drauf machen, für mich spricht das Vorgehen der Polizei Bände, auch als man damals die Israelfahne vom Balkon geholt hat, denn die könnte ja die armen Anti-Israel-Demonstranten provozieren.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 6. Feb 2018, 14:09

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Feb 2018, 12:36)

Wir sehen ja realiter, was durchgeht, nämlich antisemitisches Gegröhle und Verbrennen von Israelfahnen, und was nicht, nämlich Fahnen mit Öcalans Gesicht. Mag sich jeder selber einen Reim drauf machen, für mich spricht das Vorgehen der Polizei Bände, auch als man damals die Israelfahne vom Balkon geholt hat, denn die könnte ja die armen Anti-Israel-Demonstranten provozieren.

Den letzteren Fall kenne ich nicht, aber die bereits angeführten Artikel bringen zum Ausdruck, dass es eine Spannbreite in der Taktik gibt.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Kardux » Di 6. Feb 2018, 16:54

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Feb 2018, 12:36)

Wir sehen ja realiter, was durchgeht, nämlich antisemitisches Gegröhle und Verbrennen von Israelfahnen, und was nicht, nämlich Fahnen mit Öcalans Gesicht. Mag sich jeder selber einen Reim drauf machen, für mich spricht das Vorgehen der Polizei Bände, auch als man damals die Israelfahne vom Balkon geholt hat, denn die könnte ja die armen Anti-Israel-Demonstranten provozieren.


Es ist exakt dieses zwielichtige und intransparente Vorgehen, welches wohl nicht nur von mir als solches wahrgenommen wird.

Wobei ich persönlich auch ein großer Gegner des Führerkults um Öcalan bin. Mich überkommt stets ein Fremdschämgefühl wenn ich solche Bilder sehe. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass Deutschland mit zweierlei Maß misst.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 6. Feb 2018, 19:00

Kardux hat geschrieben:(05 Feb 2018, 23:22)

War mir bewusst, dass Sie die Geschichte nicht gelesen haben. Denn Karl Mays "Durch wilde Kurdistan" ist keine positiv-romantische Darstellung der Kurden. Solch einen Unsinn haben Sie von türkischen Nationalisten aufgeschnappt. Also bevor Sie das nächste mal auf diesen Roman verweisen, sollten Sie es gelesen haben.
Haben Sie gewusst, dass Karl May niemals in Kurdistan war, aber die Landschaft so exakt beschreibt, als ob er dort geboren wäre? Das habe ich auch nicht in Wikipedia gelesen - versprochen.

Eine Assad-zentrische Sichtweise (welche Sie seit Jahren vertreten) greift ebenfalls zu kurz. Die Golfaraber, die Türkei und der Iran nehmen sich in diesem dreckigen Konflikt nicht sehr viel - wer anderes behauptet ist nichts weiter als ein Propagandist dieser Kriegstreiber.
Ja, der Iran hat das Gleichgewicht der Region empfindlich gestört - keine Frage. Aber selbst wenn die Mullahs in Teheran gestürzt werden, wäre das nicht das Ende der Probleme im Nahen Osten. Es ist nicht nur der Iran der Chaos und Blutvergießen erzeugt!

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Ich möchte Sie auch nochmals daran erinnern, die Gebetsmühlen türkischer Nationalisten nicht zu wiederholen. Denn eines ist offensichtlich - so sehr wie Sie sich mit Karl Mays Roman befasst haben, haben Sie sich mit dem kurdisch-türkischen Konflikt befasst. Wer die stalinistische PKK (dieser Jargon lässt bereits tief blicken) als die Wurzel des Problems darstellt hat sich nämlich nicht mit dem Thema beschäftigt - oder möchte es schlicht nicht. Und da sind wir wieder bei den türkischen Nationalisten angelangt...

Sie haben recht, die Unterhaltungs- und Abenteuer-Romane für die Jugend sollte man wohl nicht unterschätzen. Dennoch sind sie nicht maßgeblich für die Lage im Nahen und Mittleren Osten.

Die Bekämpfung des Terrorismus muss zu den Primärzielen einer Stabilisierung gehören, neben der Verbannung schädlicher Einflüße des Mullah-Regimes. Anders wird eine Befriedung nicht möglich sein und die ist wichtig, um den Syrern eine Rückkehr zu ermöglichen und um Massenvernichtungswaffen zu beseitigen.

Die internationale Allianz, an der Deutschland im Rahmen der Operation Counter Daesh beteiligt ist, muss ihre Bemühungen dahingehend verstärken und verlässliche Partner einbinden.

Die PKK ist nicht das kurdische Volk, sie ist vielmehr die Verneinung einer Zukunft, ein Instrument der Unterdrückung und für niemanden ein Partner, der das Banner der Freiheit trägt.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 7. Feb 2018, 07:12

Syrien ist faktisch kein Staat mehr. "Assadistan" wird von Iranern und Russen besorgt, dutzende Provinzfürsten regieren mehr oder weniger autonom, 28 % des Landes werden vom SDF kontrolliert, US-Truppen richten sich auf Dauer ein, die Türkei hat eine eigene Besatzungszone geschaffen, die Hisbollah kontrolliert einige Landstriche und Israel agiert im Luftraum mit bislang 100 gezielten Schlägen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 92032.html
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Kardux » Mi 7. Feb 2018, 08:59

DarkLightbringer hat geschrieben:Sie haben recht, die Unterhaltungs- und Abenteuer-Romane für die Jugend sollte man wohl nicht unterschätzen. Dennoch sind sie nicht maßgeblich für die Lage im Nahen und Mittleren Osten.


Nicht ich verweise hier öfter auf Karl Mays Roman (im Bezug auf die Kurden). Das waren Sie. Und dies entspricht der Rhetorik von türkischen Nationalisten. Vielleicht sollte das zu denken geben?

DarkLightbringer hat geschrieben:Die Bekämpfung des Terrorismus muss zu den Primärzielen einer Stabilisierung gehören, neben der Verbannung schädlicher Einflüße des Mullah-Regimes. Anders wird eine Befriedung nicht möglich sein und die ist wichtig, um den Syrern eine Rückkehr zu ermöglichen und um Massenvernichtungswaffen zu beseitigen.


Was genau meinen Sie, wenn Sie von Terrorismus (in Syrien) schreiben? Und wer genau soll diesen "Terrorismus" bekämpfen? Es kommt nämlich derzeit auf den Standpunkt des Beobachters an, wie man die Terrorismus-Keule schwingt. Einige zählen die Hizbollah und weitere Shia-Jihadisten als Terroristen. Andere al-Qaida, den IS und die pro-türkischen Sunni-Jihadisten. Und manche sehen in der YPG das größte Terrorproblem. Ja, die Ideologie und der allgemeine Standpunkt des Beobachters ist kaum zu verändern, aber die Taten der jeweiligen Terror-Akteure sind nachweislich bekannt...

Und nochmals - das Ende des Mullah-Regimes wird auch keine nachhaltige Befriedung des Nahen Ostens mit sich bringen. Es wäre aber gewiss ein erster großer Schritt. Sie werfen anderen Usern hier eine turkozentrische Sichtweise vor, aber präsentieren hier ein und dasselbe nur umgekehrt.

DarkLightbringer hat geschrieben:Die internationale Allianz, an der Deutschland im Rahmen der Operation Counter Daesh beteiligt ist, muss ihre Bemühungen dahingehend verstärken und verlässliche Partner einbinden.


Wer sind diese verlässlichen Partner? Sie drücken sich so vage aus. Sie schreiben stets von einer westlich-arabischen Allianz. Aber wo bitteschön existiert diese in Syrien? Ich sehe in Syrien derzeit lediglich drei große Fraktionen. Das rote Lager (Russland + Iran + Assad), das schwarz-grüne Lager (pro-türkische Jihadisten aller Couleur) und das gelbe Lager (Kurden + säkulare Araber). Das rote Lager ist für Sie als Assad-Gegner ja ausgeschlossen. Bleiben also nur die zwei letzten. Und speziell gegen Letztere (also die säkularen Kurden und Araber) haben Sie sich klar und deutlich ausgesprochen. Weshalb sprechen Sie dann nicht Tacheles? Für Sie ist das schwarz-grüne Lager samt seiner Halsabschneider-Gruppen der heiß-begehrte verlässliche Partner - natürlich unter der Führung des verlässlichen Nato-Partners Türkei.

DarkLightbringer hat geschrieben:Die PKK ist nicht das kurdische Volk, sie ist vielmehr die Verneinung einer Zukunft, ein Instrument der Unterdrückung und für niemanden ein Partner, der das Banner der Freiheit trägt.


Und schon wieder ertappt. Nachdem Sie die türkisch-nationalistische Rhetorik ala "Deutsche nehmt eure Karl-May-Brille ab" übernommen haben, wollen Sie nun die PKK vom kurdischen Volk trennen bzw. indirekt die Kurden und ihr Recht auf Selbstbestimmung kriminalisieren. Die PKK ist samt seiner Fehler Teil der kurdischen Vergangenheit, Gegenwart und wohl auch Zukunft.

Die Türkei hatte nur eine einzige Möglichkeit die PKK zu zerschlagen - indem man die Kurdenfrage im eigenen Land friedlich löst. Das nimmt der PKK jede Legitimation und nichts anderes. Die Türkei wird die PKK niemals militärisch besiegen. Nie.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Kardux » Mi 7. Feb 2018, 09:34

Ein Bericht über die vielleicht verlässlichsten Partner in Syrien für den Westen

Türken bekämpfen die Kurden in Nordsyrien mit Hilfe von Dschihadisten

Die meisten sogenannten "Rebellen" haben vor ihrer Anwerbung durch die türkische Armee für dschihadistische Verbände gekämpft.

Sie hocken im Halbkreis und lauschen verzückt einem spindeldürren Tschetschenen, der mit kehliger Stimme ein sogenanntes Naschid singt. Es ist eine dschihadistische Hymne, mit der die Zuhörer auf den Kampf und den womöglich bevorstehenden Märtyrertod eingestimmt werden sollen. "Noch gestern waren wir mit Bin Laden in Tora Bora und heute vernichten wir die Ungläubigen in Afrin", schlägt der singende Dschihad-Kämpfer den Bogen von Afghanistan nach Syrien. Der Videoclip wurde vor ein paar Tagen auf einer Internetseite der Dschihadisten veröffentlicht.

Ebenfalls aus Syrien, aus dem kurdischen Dorf Bulbul in der Region Afrin, soll ein Video stammen, welches eine Gruppe selbsternannter Rebellen zeigt, wie sie einen Spirituosenshop zerstören. Wütend zerschmettern die Vollbärtigen eine Raki-Flasche nach der anderen und beschimpfen die Ungläubigen, welche "ihrer gerechten Strafe nicht entgehen würden".

Diese sogenannte Strafe wurde an Amina Omar bereits vollzogen. Die Kämpferin der kurdischen Volksverteidigungsmilizen (YPG) kam am Samstag in der Ortschaft Qarnah ums Leben. Auf einem Video ist eine Gruppe syrischer "Rebellen" zu sehen, die sich um die geschändete Leiche der jungen Frau postiert haben und lautstark "Allah den Allmächtigen" preist. Die Dschihadisten prophezeien den anderen kurdischen Kämpfern das gleiche Schicksal.

An der ideologischen Ausrichtung hat sich nichts geändert

Bei den Hauptdarstellern der beschriebenen Videos handelt es sich um Angehörige der Freien Syrischen Armee (FSA), die nach den Worten des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan "heldenhaft an der Seite unserer Soldaten kämpfen und sterben". Tatsächlich haben die meisten sogenannten "Rebellen" vor ihrer Anwerbung durch die türkische Armee für dschihadistische Verbände gekämpft. Wer sein Geld früher beim IS verdiente, habe sich nach dem Zerfall der Terrormiliz halt umorientieren müssen, kommentiert die Politikwissenschaftlerin Magdalena Kirchner vom Istanbul Policy Center die "Neuausrichtung" der türkischen Verbündeten in Syrien. Dass sich an ihrer ideologischen Ausrichtung nichts geändert hat, ist offensichtlich. Hass auf die Kurden ist weit verbreitet. In fast allen Videos der syrischen Rebellen wird nicht nur den YPG-Kämpfern, sondern pauschal allen Kurden Vernichtung angedroht. Entsprechend ist die Angst in der kurdischen Zivilbevölkerung.

Aufrufe zur Mäßigung von Seiten der türkischen Armeeführung werden entweder ignoriert oder sie fehlen gänzlich. Schließlich seien die Angehörigen der Freien Syrischen Armee keine Terroristen, sondern eine Truppe, welche sich "aus Kämpfern aller Konfessionen und Ethnien zusammensetzte", verteidigte Staatschef Erdogan die "mutigen Partner" der Streitkräfte. Auch Waffenbrüder aus anderen Staaten, wie etwa Tschetschenien, Usbekistan und Aserbaidschan sind willkommen. Schließlich fließe in ihren Adern türkisches Blut, verteidigen lokale Kommandeure die Verpflichtung von gebietsfremden Söldnern. Sogar Uiguren aus der chinesischen Provinz Xinxjiang haben – über die Türkei – den Weg nach Syrien gefunden, wo sie vom Al-Qaida-Ableger Faylak al-Scham aufgenommen wurden.

Als Angehörige der FSA sollen sie nun zur Befreiung der Kurdenregion Afrin beitragen – und eines Tages wieder nach Aleppo marschieren. Die nordsyrische Millionen-Metropole hatten die dschihadistischen Verbündeten der Türkei im Dezember 2016 unter massivem russischem Druck aufgeben müssen.

http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/tuerken-bekaempfen-die-kurden-in-nordsyrien-mit-hilfe-von-dschihadisten--149062197.html

Vielleicht wäre es auch an der Zeit, wenn unabhängige Medien damit aufhören würden den Begriff "Freie Syrische Armee (FSA)" zu verwenden?

Ich hätte zwei Vorschläge:
- Türkisch Freie Syrische Armee (TFSA)
- Türkisch Freie Armee (TFA)

Ich denke "Frei" müsste schon im Namen erhalten bleiben. Immerhin agieren diese Halsabschneider-Truppen frei und müssen keinerlei Konsequenzen für ihre schändlichen Taten fürchten.

Update zum Angriffskrieg der Türkei:
Die Türkei + TFSA hat einige wenige Dörfer im Norden Efrîns verloren. Über Twitter kursieren auch Meldungen, dass seit gestern keine türkischen Jets über dem syrischen Luftraum fliegen, weil Assad mit Abschuss droht.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 7. Feb 2018, 09:41

Kardux hat geschrieben:(07 Feb 2018, 08:59)

Nicht ich verweise hier öfter auf Karl Mays Roman (im Bezug auf die Kurden). Das waren Sie. Und dies entspricht der Rhetorik von türkischen Nationalisten. Vielleicht sollte das zu denken geben?
Sie und Ihre türkischen Nationalisten... lesen die denn Karl May? Ich sprach natürlich von der spezifisch deutschen Karl-May-Brille, wie Sie weiter unten ja auch selbst erkennen. Die Brille einer türkischen Sozialisation ist mir nicht bekannt.
Gelesen habe ich, Erdogans Frau würde sich Tee für 1.800 Euro pro Kilo importieren lassen, was ihrer PR der Bescheidenheit widerspräche. Das ist für die turkozentrische Perspektive vielleicht von Bedeutung.

Was genau meinen Sie, wenn Sie von Terrorismus (in Syrien) schreiben? Und wer genau soll diesen "Terrorismus" bekämpfen? Es kommt nämlich derzeit auf den Standpunkt des Beobachters an, wie man die Terrorismus-Keule schwingt. Einige zählen die Hizbollah und weitere Shia-Jihadisten als Terroristen. Andere al-Qaida, den IS und die pro-türkischen Sunni-Jihadisten. Und manche sehen in der YPG das größte Terrorproblem. Ja, die Ideologie und der allgemeine Standpunkt des Beobachters ist kaum zu verändern, aber die Taten der jeweiligen Terror-Akteure sind nachweislich bekannt...
Gemeint ist Terrorismus jedweder Form, namentlich von der Hisbollah über IS Daesh bis hin zum Staatsterrorismus diverser Schurkenregime. Das ist auch keine sonderlich exotische Ansicht, Frankreich oder USA sehen das ziemlich gleich.
Zur Terrorismusbekämpfung ist die Internationale Allianz angetreten und präsent, wie schon gesagt, Deutschland ist mit der Operation >>Counter Daesh<< beteiligt, für die Amerikaner ist es die >>Operation Inherent Resolve<<. Weitere Alliierte: Kanada, Frankreich, Italien, Australien, Jordanien, Tunesien, Saudi-Arabien, Litauen usw.

Und nochmals - das Ende des Mullah-Regimes wird auch keine nachhaltige Befriedung des Nahen Ostens mit sich bringen. Es wäre aber gewiss ein erster großer Schritt. Sie werfen anderen Usern hier eine turkozentrische Sichtweise vor, aber präsentieren hier ein und dasselbe nur umgekehrt.
Hauptsachen gehen eben vor Nebensachen. Das Mullah-Regime ist das größte Problem in der gesamten Region, vom Libanon über Syrien bis zum Jemen hin. Eine turkozentrische Sichtweise - oder eine Karl-May-Romantik, wenn man so will - versperrt hier den Blick fürs Wesentliche.

Wer sind diese verlässlichen Partner? Sie drücken sich so vage aus. Sie schreiben stets von einer westlich-arabischen Allianz. Aber wo bitteschön existiert diese in Syrien? Ich sehe in Syrien derzeit lediglich drei große Fraktionen. Das rote Lager (Russland + Iran + Assad), das schwarz-grüne Lager (pro-türkische Jihadisten aller Couleur) und das gelbe Lager (Kurden + säkulare Araber). Das rote Lager ist für Sie als Assad-Gegner ja ausgeschlossen. Bleiben also nur die zwei letzten. Und speziell gegen Letztere (also die säkularen Kurden und Araber) haben Sie sich klar und deutlich ausgesprochen. Weshalb sprechen Sie dann nicht Tacheles? Für Sie ist das schwarz-grüne Lager samt seiner Halsabschneider-Gruppen der heiß-begehrte verlässliche Partner - natürlich unter der Führung des verlässlichen Nato-Partners Türkei.
Das schwarze Lager der Mullahs steht dem des westlich-arabischen Lagers gegenüber und Partner der Internationalen Allianz sind die Verlässlichen im Kampf gegen Terrorismus jedweder Form - oder sollten es sein.

Und schon wieder ertappt. Nachdem Sie die türkisch-nationalistische Rhetorik ala "Deutsche nehmt eure Karl-May-Brille ab" übernommen haben, wollen Sie nun die PKK vom kurdischen Volk trennen bzw. indirekt die Kurden und ihr Recht auf Selbstbestimmung kriminalisieren. Die PKK ist samt seiner Fehler Teil der kurdischen Vergangenheit, Gegenwart und wohl auch Zukunft.
Die Türkei hatte nur eine einzige Möglichkeit die PKK zu zerschlagen - indem man die Kurdenfrage im eigenen Land friedlich löst. Das nimmt der PKK jede Legitimation und nichts anderes. Die Türkei wird die PKK niemals militärisch besiegen. Nie.
Sie ertappen mich völlig zurecht regelmässig dabei, Terrorismus jedweder Form abzulehnen und dabei, Terrorbanden nicht als mögliche Partner anzusehen.
Die "Selbstbestimmung" der PKK ist nicht die Selbstbestimmung der Kurden, so wenig wie die Hisbollah die "Selbstbestimmung" des Libanon sein kann. Das mögen Sie ja irgendwie anders sehen, aus meiner Sicht ist Terrorismus jedoch nicht verhandelbar. Weder mit noch ohne Karl May unterm Arm. Eine Demokratisierung der Türkei und der Kurdengebiete wäre aber natürlich wünschenswert. Für Syrien wird es dazu eines Überganges bedürfen, eine politische Lösung, die die Gewalt beendet.
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon Europa2050 » Mi 7. Feb 2018, 09:52

Kardux hat geschrieben:(07 Feb 2018, 09:34)

Ein Bericht über die vielleicht verlässlichsten Partner in Syrien für den Westen


http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/tuerken-bekaempfen-die-kurden-in-nordsyrien-mit-hilfe-von-dschihadisten--149062197.html

Vielleicht wäre es auch an der Zeit, wenn unabhängige Medien damit aufhören würden den Begriff "Freie Syrische Armee (FSA)" zu verwenden?

Ich hätte zwei Vorschläge:
- Türkisch Freie Syrische Armee (TFSA)
- Türkisch Freie Armee (TFA)

Ich denke "Frei" müsste schon im Namen erhalten bleiben. Immerhin agieren diese Halsabschneider-Truppen frei und müssen keinerlei Konsequenzen für ihre schändlichen Taten fürchten.

Update zum Angriffskrieg der Türkei:
Die Türkei + TFSA hat einige wenige Dörfer im Norden Efrîns verloren. Über Twitter kursieren auch Meldungen, dass seit gestern keine türkischen Jets über dem syrischen Luftraum fliegen, weil Assad mit Abschuss droht.


Ja, die Türken arbeiten sich in der internationalen syrischen Schurkenliga nach dem (vorübergehenden?) Ausscheiden des Daesh Stück für Stück an Assad/Russland/Iran vorbei an die Spitze, während sich die stalinistischen Kurden (früher Seriensieger) langsam auf einen Mittelfeldplatz zubewegen.

Nur das in dieser Liga das Publikum nicht Zuschauer, sondern Opfer ist :mad2:

Und mal um Mal verstehe ich jeden Menschen mehr, der das Ganze zum Teufel wünscht und zu uns flüchtet.
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

Mist, hab ich einige Leute doch tatsächlich überfordert. :s
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Re: Führt die Türkei einen Angriffskrieg in Syrien?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 7. Feb 2018, 09:57

Das renommierte Fachmagazin >>Zenith<<, spezialisiert auf den Orient, schreibt:
Turkmenische Brigaden stehen an der Spitze der tonangebenden Rebellenkoalition im Norden der Provinz Aleppo
Als die anfangs friedlichen Demonstrationen mit Gewalt niedergeschlagen wurden, organisierten sich ab dem Jahr 2012 zunehmend turkmenische Milizen auf lokaler Ebene. Unter dem Banner der »Freien Syrischen Armee« (FSA) verteidigten sie ihre Dörfer, nahmen aber auch an organisierten Offensiven gegen Assads Truppen und den selbst ernannten »Islamischen Staat« (IS) teil. Dabei kämpften sie mitunter Seite an Seite mit islamistischen Rebellengruppen und dschihadistischen Bewegungen wie der Nusra-Front, deren Nachfolgeorganisation »Hayat Tahrir Al-Scham« sie nunmehr feindlich gegenüberstehen.
https://magazin.zenith.me/de/politik/di ... zen-syrien

Der zumeist verwendete Begriff der "FSA" ist also etwas weit gefasst und meint in Bezug auf die türkische Intervention eigentlich turkmenische Brigaden, die sich mal der FSA verbunden fühlten.

Die Syrische Nationalkoalition meldet jedoch in einer Pressemitteilung vom 3. Februar 2018, "FSA-Gruppen" hätten den Dharmik-Berg im Unterbezirk Bulbul sowie die Dörfer Balal Kuy und Beko im Subdistrikt Rajo nördlich von Afrin nach Zusammenstößen mit PYD-Milizen eingenommen.

http://en.etilaf.org/all-news/news/oper ... itias.html
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[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]

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