Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

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Jekyll
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Jekyll » Sa 22. Jul 2017, 19:28

Gutmensch1 hat geschrieben:(22 Jul 2017, 16:36)

Erdogan ist nicht die Türkei, er vertitt die Interessen der Ewiggestrigen, der reaktionären, religiösen Spinner und führt die Türkei geradewegs in eine autokratische, islamistische Diktatur. Um das Ziel zu erreichen, geht er den üblichen Weg und konstruiert äußere Feinde, um die Bevölkeung hinter sich zu vereinen. Weder die EU noch die NATO sind Feinde der Türkei, sie sind Freunde und Partner. Erdogan sucht aber durch gezielte und durchsichtige Provokationen die Konfrontation. Die sich verschlechternden Beziehungen haben einen Namen und der heisst Erdogan.
Danke, aber das ist mir jetzt zu selektiv geraten, und etwas theatralisch für meinen Geschmack, aber immerhin eine Meinung. Kommen wir aber zum wesentlichen Punkt, den Sachverhalten (bezogen auf das Strangthema); welche Fraktion sorgt für ein nachhaltiges Sicherheitsrisiko? Die Fraktion, die alle Terroristen bekämpft (Türkei), oder die Fraktion, die aus "Bequemlichkeit" mit manchen Terroristen paktiert, sie also stärkt und konsolidiert, um andere Terroristen bekämpfen zu können (EU, Westen)? Ist diese kurzsichtige Politik des Westens nicht haargenau dieselbe, mit der man seit Jahrzehnten gewisse Gegenden nachhaltig destabilisiert hat, indem man so ein Risikofaktor nach den anderen generierte?
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » So 23. Jul 2017, 08:32

Jekyll hat geschrieben:(22 Jul 2017, 16:00)

Genau das meine ich ja. Einfach sachlich bleiben und objektiv sein bei der Meinungsbildung, und falls Ihnen das nicht möglich ist - entsprechende Kritik ertragen. Auch das gehört zu einer ausgewogenen, sinnvollen Diskussion.


Rein sachlich gesehen beschimpfen Erdogan & Cie die EU dafür, daß die seinen Drang zur unkontrollierten Machtausübung verurteilt. Denn er hat ja sämtliche Gegengewichte mit seinen islamistischen Gefolgsleuten ausgeschaltet.

Als NATO-Partner hat er den IS gefördert wie andere Nahoststaaten auch; er hat Leute wegen Landesverrats einsperren lassen, die darüber berichteten; er hat sein Land bündnispolitisch in ein Abseits geführt. Er behält seine zwielichtige Rolle bei, obwohl der IS wesentliche NATO-Partner mit Terror überzieht. Heute ist die Türkei ein Sicherheitsrisiko für die NATO.

Nun bekommt der IS die wohlverdiente Prügel, und zwar von seinen Lieblingsfeinden. Die Türkei spielt dabei keine Rolle mehr. Die Intelligenz des Landes versucht, die Türkei zu verlassen, wo immer sich eine Möglichkeit bietet: Herzlich willkommen in Europa! Kluge Türken sind in Deutschland und Europa immer willkommen.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Jekyll » So 23. Jul 2017, 10:30

H2O hat geschrieben:(23 Jul 2017, 09:32)

Rein sachlich gesehen beschimpfen Erdogan & Cie die EU dafür, daß die seinen Drang zur unkontrollierten Machtausübung verurteilt.
Nein, rein sachlich und objektiv betrachtet besteht das Problem darin, dass D und die EU ein doppeltes Spiel spielen beim Krieg gegen den IS (Unterstützung von türkeifeindlichen Kräften). Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die Türkei dem tatenlos zuschauen sollte. Abgesehen davon wird die Türkei von diesen immens reichen Ländern des Westens auch bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen mehr oder weniger im Stich gelassen. Nochmals zur Erinnerung; die Türkei allein hat mehr Flüchtlinge aufgenommen und sie so vor der Barbarei des IS gerettet als die ganze EU zusammengenommen. Und dann verweigert man türkischen Politkern - Angehörige einer legitimen Regierung - auch noch die Einreise, damit sie nicht zu ihren Landsleuten sprechen können. Wer solche "Partner" hat....

Als NATO-Partner hat er den IS gefördert wie andere Nahoststaaten auch; er hat Leute wegen Landesverrats einsperren lassen, die darüber berichteten; er hat sein Land bündnispolitisch in ein Abseits geführt. Er behält seine zwielichtige Rolle bei, obwohl der IS wesentliche NATO-Partner mit Terror überzieht. Heute ist die Türkei ein Sicherheitsrisiko für die NATO.

Nun bekommt der IS die wohlverdiente Prügel, und zwar von seinen Lieblingsfeinden. Die Türkei spielt dabei keine Rolle mehr. Die Intelligenz des Landes versucht, die Türkei zu verlassen, wo immer sich eine Möglichkeit bietet: Herzlich willkommen in Europa! Kluge Türken sind in Deutschland und Europa immer willkommen.
Danke für die Desinformation, aber jetzt wieder zurück zur Sachlichkeit, d. h. zu den Fakten:

Verdrängung des DKS/YPG von der türkischen Grenze, erste Angriffe gegen den IS (August 2016)

Verdrängung des IS von der türkischen Grenze (September 2016)

Verstärkung der Offensive gegen den IS (Oktober 2016)

Sieg über den IS in al-Bab und Umland (Februar 2017)


Nochmal zurück zu meiner Frage: die Türkei bekämpft alle Terroristen, die anderen bekämpfen nur einen Teil davon und stärken dafür andere - welche Fraktion läuft also Gefahr, zu einem Sicherheitsrisiko zu werden bzw. welche zu generieren?
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon gödelchen » So 23. Jul 2017, 10:58

Jekyll hat geschrieben:(23 Jul 2017, 11:30)

Nein, rein sachlich und objektiv betrachtet besteht das Problem darin, dass D und die EU ein doppeltes Spiel spielen beim Krieg gegen den IS (Unterstützung von türkeifeindlichen Kräften). Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die Türkei dem tatenlos zuschauen sollte. Abgesehen davon wird die Türkei von diesen immens reichen Ländern des Westens auch bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen mehr oder weniger im Stich gelassen. Nochmals zur Erinnerung; die Türkei allein hat mehr Flüchtlinge aufgenommen und sie so vor der Barbarei des IS gerettet als die ganze EU zusammengenommen. Und dann verweigert man türkischen Politkern - Angehörige einer legitimen Regierung - auch noch die Einreise, damit sie nicht zu ihren Landsleuten sprechen können. Wer solche "Partner" hat....

Danke für die Desinformation, aber jetzt wieder zurück zur Sachlichkeit, d. h. zu den Fakten:

Verdrängung des DKS/YPG von der türkischen Grenze, erste Angriffe gegen den IS (August 2016)

Verdrängung des IS von der türkischen Grenze (September 2016)

Verstärkung der Offensive gegen den IS (Oktober 2016)

Sieg über den IS in al-Bab und Umland (Februar 2017)


Nochmal zurück zu meiner Frage: die Türkei bekämpft alle Terroristen, die anderen bekämpfen nur einen Teil davon und stärken dafür andere - welche Fraktion läuft also Gefahr, zu einem Sicherheitsfaktor zu werden bzw. welche zu generieren?


Eigentlich geht die Desinformation von deiner Seite aus. Einmal bekommt die Türkei einen riesigen Anteil ihrer Aufwendungen für die Flüchtlinge aus Syrien erstattet. Weiter wäre die Turkei nach völkerrechtlichen Grundlagen von vorn herein zur Versorgung der Flüchtlinge von dort verpflichtet.

Stattdessen hat die Türkei massenhaft Flüchtlinge durchgewunken in ihrer unnachahmlichen hinterfotzigen Art. Weiter handelt die Türkei gegen alles und jeden,weil ihr der Arsch Grundeis geht. Ware doch toll, wenn in den neu entstehenden staatlichen Strukturen im Irak und Syrien die Kurden in dem dann hoffentlich funktionierenden föderalen System eine eigene Souveränität in den neuen Bundesstaaten a la Bayern oder Sorgen bekommen täten. Dann brennt nämlich in der Türkei das Feuer auch stârjer in dies Richtung. Kann der Großtürke natürlich nicht verknusen ;-)

spam entfernt

Es besteht auch kein Anlass irgendein Türkisches Regierungsmitglied öffentlich in der BRD auftreten zu lassen. Die können gerne da, wo sie hingehört an den Orten, die nach diplomatischen und konsularischen Gepflogenheiten dafür vorgesehen sind, sich mit allem und jedem treffen.
Im übrigen ist denen die gleiche Aufstellung gegenüber zu zeigen wie den Repräsentanten der AfD. Denen wird auch verwehrt zu ihren Followern in größeren Theater aufzutreten. Die Erdoganisten in der BRD sind das gleiche Kaliber wie die AfD, eher schlimmere Rassisten und Diktatorenfreunde wie die meisten AfD Anhänger.

So ist es und lieber spät als nie so einem Mist vom Bosporus einen Riegel vorschieben. Haben eh genug davon. Müssten uns eher um die Abgedrifteten in unserer Gesellschaft kümmern.

ich bitte dich deine worte fortan sorgfältiger zu wählen. nicht nur die entfernte zeile erwartet man eher in einer kneipe.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » So 23. Jul 2017, 19:01

Jekyll hat geschrieben:(23 Jul 2017, 11:30)

Nein, rein sachlich und objektiv betrachtet besteht das Problem darin, dass D und die EU ein doppeltes Spiel spielen beim Krieg gegen den IS (Unterstützung von türkeifeindlichen Kräften). Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die Türkei dem tatenlos zuschauen sollte. Abgesehen davon wird die Türkei von diesen immens reichen Ländern des Westens auch bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen mehr oder weniger im Stich gelassen. Nochmals zur Erinnerung; die Türkei allein hat mehr Flüchtlinge aufgenommen und sie so vor der Barbarei des IS gerettet als die ganze EU zusammengenommen. Und dann verweigert man türkischen Politkern - Angehörige einer legitimen Regierung - auch noch die Einreise, damit sie nicht zu ihren Landsleuten sprechen können. Wer solche "Partner" hat....

Danke für die Desinformation, aber jetzt wieder zurück zur Sachlichkeit, d. h. zu den Fakten:

Das ist nur dummes Zeug und Papperlapapp. Von wegen Sachlichkeit. Ich schmeiße jeden ungebetenen Gast 'raus, wenn der sich in meinem Hause nicht so verhält, wie das von Gästen zu erwarten ist. Und genau das ist geschehen.

Die Türkei hat nach Kräften in diesen nahöstlichen Chaos mitgewirkt, und nun beschweren Sie sich, daß sie als Nachbarstaat von Flüchtlingen überrannt werden? Und warum soll die EU helfen? Daß sie es aber in der Tat mit Milliarden tut, spielt gar keine Rolle.
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Nochmal zurück zu meiner Frage: die Türkei bekämpft alle Terroristen, die anderen bekämpfen nur einen Teil davon und stärken dafür andere - welche Fraktion läuft also Gefahr, zu einem Sicherheitsrisiko zu werden bzw. welche zu generieren?

Die Türkei bekämpft doch nicht alle Terroristen! Das islamistische System Erdogan hat sich der Terroristen bedient, um den Schlächter Assad aus dem Sattel zu heben. Dabei hat sie sich gehörig überschätzt, einen russischen Brückenkopf ermöglicht, dem Iran in Syrien ins Spiel geholfen und die USA dazu gebracht, für den Kampf gegen islamistische Mörderbanden auf die Kurden zu setzen. Das war eine strategische und intellektuelle Glanzleistung des Systems Erdogan! Als Höhepunkt mit dem belastbaren Hinweis, daß es ganz erheblichen Ärger gibt, wenn die Türkei in Syrien gegen die Kurden vorgeht. Der Ärger kann dann wahlweise von den Russen oder den USA ausgehen.

Die Türkei hat strategisch völlig versagt. Sie hätte vor drei, vier Jahren der Pfeiler werden können, auf dem die Bekämpfung des nahöstlichen Terrors aufbaut. Vergeigt spätestens seit den Gefechten um Kobane an der türkischen Grenze.

Die Türkei ist durch Erdogan zum Sicherheitsrisiko entwickelt worden. Auf diesen Partner kann sich niemand verlassen... und das tut auch niemand mehr.

Es gab sehr erfreuliche offizielle Verbindungen zwischen der Türkei und Deutschland. Alles bis in die Fundamente zerstört durch Megaphondiplomatie, Beschimpfungen und dummes Zeug. Nicht zu fassen. Deutschland wird den Ärger überleben, unsere türkische Minderheit auch, wenn sie sich nicht zum Staat im Staate für fremde Interessen entwickelt.

Persönliche Freundschaften in die Türkei hinein sind inzwischen schwierig zu pflegen, weil man hier in Deutschland nicht einschätzen kann, wie weit die türkischen Freunde dadurch ins Visier verbohrter Erdoganisten und Islamisten geraten. Das sind die Tatsachen, in denen sich das Verhältnis Deutschlands (stellvertretend für die EU) mit der Türkei abspielt.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Nomen Nescio » So 23. Jul 2017, 21:26

H2O hat geschrieben:(23 Jul 2017, 20:01)

Die Türkei ist durch Erdogan zum Sicherheitsrisiko entwickelt worden. Auf diesen Partner kann sich niemand verlassen... und das tut auch niemand mehr.

ich kann nicht sagen das ich froh bin. denn fühle mich wieder in meiner kassandrarolle bestätigt.
als erdogan bürgermeister wurde und vielen über ihn enthusiast waren, warnte ich für einen wolf in schafsfell. denn er machte kein geheimnis davon zu versuchen die sovielste muslimische partei zu gründen. zu oft habe ich gesehen was das für spannungen in der türkei brachte.

das problem ist eigentlich ganz einfach. es gibt eine gebildete schicht die modern leben will und es gibt eine - eher bauerliche - schicht, die meist keine groß bildung genoß. die ist sehr gläubig. so weit ich es verstand ist das da etwa 50-50.
das fragt um probleme.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » So 23. Jul 2017, 22:10

Nomen Nescio hat geschrieben:(23 Jul 2017, 22:26)

ich kann nicht sagen das ich froh bin. denn fühle mich wieder in meiner kassandrarolle bestätigt.
als erdogan bürgermeister wurde und vielen über ihn enthusiast waren, warnte ich für einen wolf in schafsfell. denn er machte kein geheimnis davon zu versuchen die sovielste muslimische partei zu gründen. zu oft habe ich gesehen was das für spannungen in der türkei brachte.

das problem ist eigentlich ganz einfach. es gibt eine gebildete schicht die modern leben will und es gibt eine - eher bauerliche - schicht, die meist keine groß bildung genoß. die ist sehr gläubig. so weit ich es verstand ist das da etwa 50-50.
das fragt um probleme.


Ich hatte mich blenden lassen von den wirtschaftlichen Fortschritten und auch den politischen Neuerungen Anfang der 2000er Jahre. Ich war davon überzeugt, daß Erdogan dem Islamismus abgeschworen hätte und er als 2. Atatürk die türkische Gesellschaft in die demokratische europäische Moderne führen würde. Ich hatte diesen Eindruck vor Ort in der Türkei gewonnen, obwohl auch damals schon warnende Stimmen laut wurden, die auf zwielichtige Verbindungen zu Islamisten hinwiesen. Ich hatte ihm den Schwenk geglaubt, zumal auch Versuche nicht zu übersehen waren, die Minderheiten im Lande (Kurden, Reste der Armenier) in die türkische Gesellschaft gleichberechtigt ein zu bauen. Beste Beziehungen zu Israel, wirtschaftlich, politisch, militärisch.

Friede, Freude, Eierkuchen!

Erste Zweifel kamen mir hoch, als plötzlich so harte Stellungnahmen gegen Israel aufkamen, dann die Parteinahme für Hamas und der Versuch, die Blockade nach Gaza politisch zu durchbrechen. Oder die Weigerung, mit dem EU-Partner Zypern vernünftig zusammen zu arbeiten. Nicht besonders friedfertig mit Blick auf die angestrebte EU-Vollmitgliedschaft. Damals hätte die EU schon sehr kräftig auf die Pauke hauen müssen, um eine Entscheidung für oder gegen eine Zusammenarbeit zu erzwingen. Leisetreterei!

Inzwischen sind dank Erdogan auch ohne solche Klärungen die Verhältnisse geklärt; die Türkei hat sich nicht zum verläßlichen Partner entwickelt, sondern im Gegenteil ist sie zum Sicherheitsrisiko für Europa geworden. So gewinnen die öffentlich von Erdogan ausgesprochenen Drohungen neue Bedeutung, daß nämlich die Menschen Europas sich nicht mehr sicher fühlen sollten, wenn sie den Fuß vor ihre Haustür setzen sollten. Unsere Sicherheitskräfte sollten verschärft in dieser Richtung aufklären!

Und unsere Politik sollte verschärft gegen rote Flaggenmeere bei politisch gemeinten Veranstaltungen vorgehen. Ab sofort sind das Veranstaltungen einer fremden Macht gegen unsere freiheitlich offene Gesellschaftsordnung und gegen unsere Form der Demokratie. Das muß sich kein Land mit Selbstachtung gefallen lassen!
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Nomen Nescio » So 23. Jul 2017, 22:24

H2O hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:10)

Ich hatte mich blenden lassen von den wirtschaftlichen Fortschritten und auch den politischen Neuerungen Anfang der 2000er Jahre. Ich war davon überzeugt, daß Erdogan dem Islamismus abgeschworen hätte und er als 2. Atatürk die türkische Gesellschaft in die demokratische europäische Moderne führen würde.

weißt du, der anwalt meiner muttder sagte während einer der gefühten prozesse »sie können 99 mal gelogen haben. aber das 100. mzl k\ömnnen sie die wahrheit sprechen. das wurde zu mir gesagt als ich warnte.

ich weiß nicht mehr welche brite mal sagte »würdest du von ihm einen zweitwagen kaufen«?

manchmal sind einfache kombinationen deutlich als beispiel. schon als bürgermeister benahm erdogan sich diktatorial.
wir hätten gewarbt werden sein.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » So 23. Jul 2017, 22:44

Nomen Nescio hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:24)

weißt du, der anwalt meiner muttder sagte während einer der gefühten prozesse »sie können 99 mal gelogen haben. aber das 100. mzl k\ömnnen sie die wahrheit sprechen. das wurde zu mir gesagt als ich warnte.

ich weiß nicht mehr welche brite mal sagte »würdest du von ihm einen zweitwagen kaufen«?

manchmal sind einfache kombinationen deutlich als beispiel. schon als bürgermeister benahm erdogan sich diktatorial.
wir hätten gewarbt werden sein.


Als derjenige, der am Ende einer Fehleinschätzung aufgesessen ist, habe ich es natürlich in einer Diskussion sehr schwer! Ich habe damals die objektiv vorzeigbaren Erfolge in der Türkei erfahren und ganz selbstverständlich als Ergebnis einer klugen Politik anerkannt.

Ich gebe zu, daß ich auch heute noch gewillt bin, nachweisbare Leistungen an zu erkennen und Fragen des Typs: "Würden Sie von dem einen Zweitwagen kaufen?" als Böswilligkeit beiseite schieben, wenn mich die nachgewiesene Leistung überzeugt. Diese Verantwortung übernehme ich immer wieder.

Jetzt kann es doch nur noch darum gehen, die Folgen der Fehleinschätzung dieses Politikers möglichst klein zu halten, das erkennbare Sicherheitsrisiko unwirksam zu machen.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 24. Jul 2017, 02:50

H2O hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:44)

Jetzt kann es doch nur noch darum gehen, die Folgen der Fehleinschätzung dieses Politikers möglichst klein zu halten, das erkennbare Sicherheitsrisiko unwirksam zu machen.

das ist - mit verlaub - die einzig gute haltung. schau nicht um, auch wenn es vllt schmerzt, sondern versuch aus dem heute eine bessere zukunft zu machen. ich weiß, es klingt pathetisch, aber ist nach meiner meinung die einzig gute arbeitsweise.

benütze die vergangenheit als lehre.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Ger9374 » Mo 24. Jul 2017, 07:23

Jetzt mal zur Urfrage zurück!
Natürlich ist die Türkei zu einem unberechenbaren
Faktor im Zusammenhang mit Syrien geworden .
Agiert sie doch eigenständig dort.Die agitatorischen Ausfälle Marke Erdogan heizen auch diesen Konflikt mit an. Moral, Recht, Unrecht,
alles im Angesicht der IS Gefahr zweitrangig.
Doch welche Rolle will denn eine Türkei mit ihrem
neuen Selbstverständnis als Regionalmacht in Zukunft dort spielen? Sie steht im Nato Bündnis,
das betrifft also nicht die Türkei alleine.An wessen Seite steht denn jetzt der Westen, die Politik des Egomanen Erdogan riecht nach Konfrontation!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon gödelchen » Mo 24. Jul 2017, 07:27

Jekyll hat geschrieben:(24 Jul 2017, 08:00)

Das ist wahr, aber du brauchst wirklich nicht bis zu den alten Römern und Karthagern zu gehen, um aus der Geschichte lernen zu können. Das, was die USA und EU in der Konfliktregion veranstalten, ist haargenau dasselbe wie das, was man zuvor in Afghanistan gemacht hat; die Rolle des IS hatten damals die Sowjets, die der "guten Terroristen" dagegen hatten die Islamisten übernommen...also die Bösen von heute...ach, schenk uns doch bißchen mehr Kaffee ein, Nescio, das ist alles so furchtbar...komplex.


Anzumerken ist, dass die Großmächte am Marmarameer ganz flux und mit viel politischen Gefühl auf die fur Fehlentscheidung en prädestiniert Weltmacht aufgesprungen ist, um ihr Süppchen mit Kochen zu können. Als ob der Clan um Erdogan der beste Freund vom Assad Clan war.

Also, wo ist eigentlich der tiefere Sinn deiner Ausführung, außer natürlich den USA vors Schienbein zu treten und dem Erdoganismus noch was Gutes abzugewinnen?
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Jekyll » Mo 24. Jul 2017, 07:33

Ger9374 hat geschrieben:(24 Jul 2017, 08:23)

Jetzt mal zur Urfrage zurück!
Natürlich ist die Türkei zu einem unberechenbaren
Faktor im Zusammenhang mit Syrien geworden .
Agiert sie doch eigenständig dort.
Nun ja, die Türkei ist ja auch ein eigenständiges Land, mit einer eigenständigen Regierung usw. Kennt ihr sowas in der EU nicht?

Die agitatorischen Ausfälle Marke Erdogan heizen auch diesen Konflikt mit an. Moral, Recht, Unrecht,
alles im Angesicht der IS Gefahr zweitrangig.
Da bist du nicht auf dem Laufenden; die Türkei ist die einzige Konfliktpartei dort, die bei der Bekämpfung des Problems durchgehend konsequent ist. Und gleichzeitig wird versucht, zwischen den einzelnen Konfliktparteien zu schlichten (z. B. in Zusammenarbeit mit Russland). Man agiert also auf allen Ebenen, um der Lage Herr zu werden. Wieso beteiligen sich eigentlich Deutsche nicht daran? Warum schicken sie keine Bodentruppen und rüsten stattdessen zwielichtige, schwer kontrollierbare Gruppierungen auf? Also, wenn man unbedingt nach Sicherheitsrisiken Ausschau halten will - hier wird man definitiv fündig.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » Mo 24. Jul 2017, 07:34

Ger9374 hat geschrieben:(24 Jul 2017, 08:23)

Jetzt mal zur Urfrage zurück!
Natürlich ist die Türkei zu einem unberechenbaren
Faktor im Zusammenhang mit Syrien geworden .
Agiert sie doch eigenständig dort.Die agitatorischen Ausfälle Marke Erdogan heizen auch diesen Konflikt mit an. Moral, Recht, Unrecht,
alles im Angesicht der IS Gefahr zweitrangig.
Doch welche Rolle will denn eine Türkei mit ihrem
neuen Selbstverständnis als Regionalmacht in Zukunft dort spielen? Sie steht im Nato Bündnis,
das betrifft also nicht die Türkei alleine.An wessen Seite steht denn jetzt der Westen, die Politik des Egomanen Erdogan riecht nach Konfrontation!


Das durchschaut doch niemand mehr; vielleicht noch nicht einmal Erdogan und Gefolgsleute. Das dadurch entstandene Sicherheitsrisiko ist nicht abschätzbar. Jede Verstrickung mit diesem Partner kann in sehr gefährliche Abenteuer führen. Deshalb ziehen sich ehemalige Partner zurück, ohne sämtliche Brücken deshalb vollständig ab zu brechen.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon gödelchen » Mo 24. Jul 2017, 07:59

Jekyll hat geschrieben:(24 Jul 2017, 08:33)

Nun ja, die Türkei ist ja auch ein eigenständiges Land, mit einer eigenständigen Regierung usw. Kennt ihr sowas in der EU nicht?

Da bist du nicht auf dem Laufenden; die Türkei ist die einzige Konfliktpartei dort, die bei der Bekämpfung des Problems durchgehend konsequent ist. Und gleichzeitig wird versucht, zwischen den einzelnen Konfliktparteien zu schlichten (z. B. in Zusammenarbeit mit Russland). Man agiert also auf allen Ebenen, um der Lage Herr zu werden. Wieso beteiligen sich eigentlich Deutsche nicht daran? Warum schicken sie keine Bodentruppen und rüsten stattdessen zwielichtige, schwer kontrollierbare Gruppierungen auf? Also, wenn man unbedingt nach Sicherheitsrisiken Ausschau halten will - hier wird man definitiv fündig.


Damit dir dein anti-deutsch und anti- amerikanische Zahn etwas geschliffen wird, die Anmerkung zu deinen letzten 3 Sätzen, dass D aus seiner anti- interventionistischen und antibellezistischen Verfassung heraus deiner Ansicht nicht folgen kann.

D kann nur im Rahmen eines internationalen Eingebundenseins mit Zustimmung des Bundestages in ausländischen Konfliktsituationen tätig werden.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Jul 2017, 08:31

Jekyll hat geschrieben:(24 Jul 2017, 08:33)

Nun ja, die Türkei ist ja auch ein eigenständiges Land, mit einer eigenständigen Regierung usw. Kennt ihr sowas in der EU nicht?

Da bist du nicht auf dem Laufenden; die Türkei ist die einzige Konfliktpartei dort, die bei der Bekämpfung des Problems durchgehend konsequent ist. Und gleichzeitig wird versucht, zwischen den einzelnen Konfliktparteien zu schlichten (z. B. in Zusammenarbeit mit Russland). Man agiert also auf allen Ebenen, um der Lage Herr zu werden. Wieso beteiligen sich eigentlich Deutsche nicht daran? Warum schicken sie keine Bodentruppen und rüsten stattdessen zwielichtige, schwer kontrollierbare Gruppierungen auf? Also, wenn man unbedingt nach Sicherheitsrisiken Ausschau halten will - hier wird man definitiv fündig.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Kardux » Mo 24. Jul 2017, 12:03

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Jul 2017, 09:31)

deutsche Tote im Wahljahr, wenn man doch auch abstreitbare lokale Mordbanden billig kaufen kann?


Wer genau sind denn diese lokalen Mordbanden?
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » Mo 24. Jul 2017, 12:42

In der Hitze des Gefechts sollten wir Europäer nicht vergessen, den freiheitlich gesonnenen Mitgliedern der türkischen Zivilgesellschaft von Zeit zu Zeit unsere Wertschätzung zu versichern. Nur so lassen sich eines Tages die Trümmer eines Herrschaftssystems Erdogan in kurzer Zeit abräumen.
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Jul 2017, 12:56

H2O hat geschrieben:(24 Jul 2017, 13:42)

In der Hitze des Gefechts sollten wir Europäer nicht vergessen, den freiheitlich gesonnenen Mitgliedern der türkischen Zivilgesellschaft von Zeit zu Zeit unsere Wertschätzung zu versichern. Nur so lassen sich eines Tages die Trümmer eines Herrschaftssystems Erdogan in kurzer Zeit abräumen.

Red doch keinen Quatsch. Wenn Erdogan irgendwann abgewählt wird oder nicht mehr antritt, gibt es eine andere türkische Regierung und die vertritt dann genauso die ganze Türkei wie jetzt die AKP-Regierung. Eine special relation zu irgendwelche pressure groups im Land zu unterhalten statt mit der Regierung zu reden ist genau das, was Pausbäckchen den türkischen Ministern noch vor drei Wochen vorgehalten hat. Das willst du jetzt praktizieren? Schöne Prinzipien, die nur zur Sonntagsrede taugen!
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Re: Wird die Türkei zum Sicherheitsrisiko?

Beitragvon H2O » Mo 24. Jul 2017, 14:41

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Jul 2017, 13:56)

Red doch keinen Quatsch. Wenn Erdogan irgendwann abgewählt wird oder nicht mehr antritt, gibt es eine andere türkische Regierung und die vertritt dann genauso die ganze Türkei wie jetzt die AKP-Regierung. Eine special relation zu irgendwelche pressure groups im Land zu unterhalten statt mit der Regierung zu reden ist genau das, was Pausbäckchen den türkischen Ministern noch vor drei Wochen vorgehalten hat. Das willst du jetzt praktizieren? Schöne Prinzipien, die nur zur Sonntagsrede taugen!


Die Qualität Ihrer Sprache paßt so ungefähr zu der Ihrer Beschimpfung. Natürlich ist es immer sinnvoll, in einem Lande jene Gruppen zu pflegen, die uns näher stehen als andere. Das wird auch so geschehen. Wenn dann eines Tages eine Regierung mit vernünftigem Auftreten und vertretbaren Meinungen politische Verantwortung tragen sollte, dann setzt man dort eben neu an.

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