EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

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H2O
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 20:26

Mehmet hat geschrieben:(19 Apr 2017, 21:24)

Leute, jetzt mal ehrlich!

Das ist zwar ganz süß, wir ihr nun darüber diskutiert, was nun alles
passieren sollte, könnte oder wird - aber es wird nichts dergleichen
passieren oder eintreffen! Es wird alles normal weiterlaufen! Warum
sollte sich auch etwas ändern? Die USA oder Frankreich haben auch ein
Präsidialsystem. Die USA hat in dem Fall sogar auch die Todesstrafe.

Im Falle der Todesstrafe, wäre der EU-Beitritt, laut Politiker, erstmal
vom Tisch. Aber ein EU-Beitritt hätte es doch sowieso nie gegeben, also
was soll dieser ganze heuchlerische Mist? Es wird sich also nichts ändern.

Und ebenso wenig wird sich innerhalb der NATO etwas ändern. Die Türkei
bleibt weiterhin zweitstärkste Kraft in der NATO, hinter den USA. :thumbup:


Im dunklen Keller singen auch Türken ganz laute Lieder! :)
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Bielefeld09
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 19. Apr 2017, 20:52

Mehmet hat geschrieben:(19 Apr 2017, 21:24)

Leute, jetzt mal ehrlich!

Das ist zwar ganz süß, wir ihr nun darüber diskutiert, was nun alles
passieren sollte, könnte oder wird - aber es wird nichts dergleichen
passieren oder eintreffen! Es wird alles normal weiterlaufen! Warum
sollte sich auch etwas ändern? Die USA oder Frankreich haben auch ein
Präsidialsystem. Die USA hat in dem Fall sogar auch die Todesstrafe.

Im Falle der Todesstrafe, wäre der EU-Beitritt, laut Politiker, erstmal
vom Tisch. Aber ein EU-Beitritt hätte es doch sowieso nie gegeben, also
was soll dieser ganze heuchlerische Mist? Es wird sich also nichts ändern.

Und ebenso wenig wird sich innerhalb der NATO etwas ändern. Die Türkei
bleibt weiterhin zweitstärkste Kraft in der NATO, hinter den USA. :thumbup:

Nein,die Türkei ist ein dritte Welt Land in Europa.
Da wird anscheinend was falsch verstanden?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Hyde
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mi 19. Apr 2017, 23:46

H2O hat geschrieben:(17 Apr 2017, 20:55)

Vielleicht habe ich Ihnen gegenüber den Vorteil, mit sehr gebildeten Türken jahrzehntelang in technischen Verhandlungen zusammengearbeitet zu haben. Meine türkischen Gesprächspartner unterschieden sich in ihren europäischen Auffassungen in überhaupt nichts von ihren griechischen, italienischen und spanischen Kollegen.


Das zweifle ich nicht an. Die Schicht der sehr gebildeten Menschen ist in jedem Land ziemlich fortschrittlich. Auch im Iran oder in Pakistan wirst du sicherlich unter der Schicht der Bildungselite viele Leute mit westlicher, säkularer Gesinnung finden. Aber die Masse der Landbevölkerung und die Masse der gesellschaftlichen Mitte in diesen Ländern ist nicht europäisch geprägt, sondern konservativ-islamisch.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Do 20. Apr 2017, 06:39

Hyde hat geschrieben:(20 Apr 2017, 00:46)

Das zweifle ich nicht an. Die Schicht der sehr gebildeten Menschen ist in jedem Land ziemlich fortschrittlich. Auch im Iran oder in Pakistan wirst du sicherlich unter der Schicht der Bildungselite viele Leute mit westlicher, säkularer Gesinnung finden. Aber die Masse der Landbevölkerung und die Masse der gesellschaftlichen Mitte in diesen Ländern ist nicht europäisch geprägt, sondern konservativ-islamisch.


Das stimmt so ungefiltert auch wieder nicht. Im Westen der Türkei lebt auch eine "ganz normale" Wohnbevölkerung, die sich vor etwa 20 Jahren in fast nichts von der in Griechenland oder Süditalien unterschied. Da konnte man schon einmal leicht bekleidete Badenixen am Strand des Marmarameers beobachten... und kein Sittenwächter sorgte dort etwa für Ärger. In den Gastwirtschaften trank man zum Essen Bier und Raki mit Wasser als Apéritiv.

Diese Bevölkerung hat auch jetzt mit "Nein" gestimmt. Man muß natürlich wissen, daß es in der Türkei eine ganz erhebliche Landflucht aus Anatolien in den türkischen Westen gab; mit Schwerpunkt Istanbul. Das ist schon eine Weltstadt, auchn nach heutigen Maßstäben. Diese Binnenwanderer entsprechen eher dem Bild, das Sie hier zeichnen.

Die Entwicklung der Türkei hätte nicht unbedingt so verlaufen müssen, wie Präsident Erdogan das nun zu verantworten hat. Irgendwann haben die gebildeten Kreise der Türkei nichts mehr zu verlieren... und diese Leute sind wahrlich nicht dumm, meist auch mehrsprachlich in der Lage, sich weltweit zu unterrichten. Dazu genügt heute ein Smartphone und ein WLAN-Anschluß.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Fr 21. Apr 2017, 05:41

H2O hat geschrieben:(20 Apr 2017, 07:39)

Das stimmt so ungefiltert auch wieder nicht. Im Westen der Türkei lebt auch eine "ganz normale" Wohnbevölkerung, die sich vor etwa 20 Jahren in fast nichts von der in Griechenland oder Süditalien unterschied. Da konnte man schon einmal leicht bekleidete Badenixen am Strand des Marmarameers beobachten... und kein Sittenwächter sorgte dort etwa für Ärger. In den Gastwirtschaften trank man zum Essen Bier und Raki mit Wasser als Apéritiv.


Das bezweifle ich, dass sich die dortige Wohnbevölkerung kaum von Südeuropa unterschied. Zudem sind ja Bikinis und Bier keine Zeichen von europäischer Gesinnung, sondern absolute Selbstverständlichkeiten, die man nicht extra betonen muss.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Fr 21. Apr 2017, 07:35

Hyde hat geschrieben:(21 Apr 2017, 06:41)

Das bezweifle ich, dass sich die dortige Wohnbevölkerung kaum von Südeuropa unterschied. Zudem sind ja Bikinis und Bier keine Zeichen von europäischer Gesinnung, sondern absolute Selbstverständlichkeiten, die man nicht extra betonen muss.


Tut mit leid, war aber so. Was heute dort gilt, das kann ich natürlich nicht sagen. Vor allem war das europäisch Selbstverständliche dort alltägliche Übung. Das europäische Leben spielte sich in einer Wohngegend ab, nicht etwa in einer von ausländischen Touristen stark besuchten Gegend.

Der Streit um Burkinis und getrennten Schwimmunterricht für türkische Mädchen in Deutschland ist Ihnen gar nicht aufgefallen?
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 21. Apr 2017, 08:46

Nicht wirklich lustig, die FR titelt am 21.04.2017 : „Die Ja-Sager sind türkische Reichsbürger“ Damit das keiner verwechselt, gemeint sind die wenigen (wahlberechtigten) Türken die derzeit noch in D leben, welche es gut finden, dass ihre Brüder und Schwestern in der Türkei leben, nun ganz offiziell in eine Diktatur leben "dürfen" :?:

Da hat mal jemand nachgerechnet und ist zu diesem Ergebnis gelangt :
...Die seit dem Referendum ständig diskutierte Frage, warum die Türken in Deutschland mehrheitlich für Erdogan gestimmt hätten, wurde angemessen differenziert erörtert: Von den dreieinhalb Millionen Türken in diesem Land haben nämlich gerade mal 14 Prozent, etwa 450.000, mit „Ja“ gestimmt. Viele seien wohl bewusst nicht zur Wahl gegangen, hätten Angst gehabt, die Konsulate nähmen ihnen die Pässe weg – so sei es einigen ergangen,
Eine "Wahl" im Ausnahmezustand - was allerdings "nur" die 55,3 - 3,5 Millionen Türken "Zuhause" betrifft. Ach ja warum alle "Türken" - auch Deutsche die lediglich durch ihre "Wurzeln" für Herrn Erdowan als "Türken" gelten - oder als "Vaterlandverräter", falls sie nicht seiner skurrilen Vorstellung von "wahrer Demokratie" zu folgen bereit sind :dead:

Dazu der passende Link ohne Umwege : "Erdogans deutsche Fans - Stolz, frustriert und fremd?" Eine Stunde zum leidigen Thema. Wann werden die ~450.000 endlich heim ins "Neo-Osmanische Reich" kehren ? Heim in eine "totale Demokratie" totaler als es sie jemals auf dieser Welt gab ? Heim zu dem "Sultan to be" - wer ist eigentlich auf den Bildern mit IHM das geradezu verhärmt wirkende Frauchen das wohl die künftige Rolle türkischer Weiblichkeit demonstrieren soll ?

Nun ja, schade um die andere Hälfte türkischer Menschen, die womöglich mehrheitlich diese abschließende Machtergreifung mit einem klaren "Hayir" beantwortet haben - jedenfalls überall wo es ohne Bedrohung durch die inzwischen linientreu Polizei - Militär und was sonst noch dem "Föhrer" in Treue fest ergeben ein "Hayir eher nicht zu dulden bereit waren....

Was "Brainwashing" anrichten kann, lässt sich an den Mitdiskutanten Herrn Bülent Bilgi, Generalsekretär der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in erschreckender Deutlichkeit beobachten... :(
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Fr 21. Apr 2017, 17:23

H2O hat geschrieben:(21 Apr 2017, 08:35)

Tut mit leid, war aber so.


Nur mal ein Beispiel: in Italien ist über die Hälfte der Bevölkerung dafür, die Homo-Ehe einzuführen. In der Türkei bewegt sich die Zustimmung dazu im einstelligen Prozentbereich. Das sind schon gewaltige kulturelle Unterschiede, nur als ein Beispiel.

Man sieht ja auch, dass selbst die zweite und dritte Generation an Deutschtürken noch teils große Probleme hat, sich gut in Deutschland zu integrieren, während Polen oder Italiener das schon in der ersten Generation wesentlich reibungsloser schaffen. Auch das ist ein Zeichen für die großen kulturellen Unterschiede zwischen Europa und der Türkei.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Adam Smith » Fr 21. Apr 2017, 17:30

Hyde hat geschrieben:(21 Apr 2017, 18:23)

Man sieht ja auch, dass selbst die zweite und dritte Generation an Deutschtürken noch teils große Probleme hat, sich gut in Deutschland zu integrieren, während Polen oder Italiener das schon in der ersten Generation wesentlich reibungsloser schaffen. Auch das ist ein Zeichen für die großen kulturellen Unterschiede zwischen Europa und der Türkei.


Vietnamesen schaffen das im Durchschnitt problemlos, obwohl das Land sehr entfernt ist. Iraner dürften hinsichtlich der Integration auch sehr viel anpassungsfähiger sein.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Fr 21. Apr 2017, 17:37

Umfrage: Fast zwei Drittel für Ende der EU-Türkei-Beitrittsgespräche

Nach dem umstrittenen Verfassungsreferendum in der Türkei haben sich fast zwei Drittel der Bundesbürger für ein Ende der Verhandlungen über einen EU-Beitritt des Landes ausgesprochen. Das geht aus dem neuen "Deutschlandtrend" für das ARD-"Morgenmagazin" hervor. In der Umfrage vertraten 64 Prozent die Ansicht, dass sich die Bundesregierung für einen Abbruch der Verhandlungen einsetzen sollte. 28 Prozent waren dagegen. Die restlichen acht Prozent machten keine Angaben. Das Präsidialsystem verleiht dem Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan künftig deutlich mehr Macht.


http://www.zeit.de/news/2017-04/21/wahl ... e-21045606

Die klare Mehrheit der Deutschen ist für einen Abbruch der Verhandlungen mit der Türkei. Vermutlich ist das in anderen europäischen Ländern ähnlich oder vielleicht sogar noch höher.

Die EU täte gut daran, die Meinung der klaren Bevölkerungsmehrheit der EU-Bürger nicht zu ignorieren, wenn sie verhindern will, dass ihre Legitimation in der Bevölkerung weiteren Schaden nimmt.

Es nützt nämlich nichts, wenn die EU zwanghaft an einem Beitritt der Türkei festhält und ihn durchboxt, dadurch dann aber die Unterstützung in der eigenen Bevölkerung verliert.
Die EU ist nicht unbedingt in der Position momentan, es sich leisten zu können, dem Willen klarer Bevölkerungsmehrheiten zuwider zu handeln.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Fr 21. Apr 2017, 19:31

Hyde hat geschrieben:(21 Apr 2017, 18:23)

Nur mal ein Beispiel: in Italien ist über die Hälfte der Bevölkerung dafür, die Homo-Ehe einzuführen. In der Türkei bewegt sich die Zustimmung dazu im einstelligen Prozentbereich. Das sind schon gewaltige kulturelle Unterschiede, nur als ein Beispiel.

Man sieht ja auch, dass selbst die zweite und dritte Generation an Deutschtürken noch teils große Probleme hat, sich gut in Deutschland zu integrieren, während Polen oder Italiener das schon in der ersten Generation wesentlich reibungsloser schaffen. Auch das ist ein Zeichen für die großen kulturellen Unterschiede zwischen Europa und der Türkei.


Freundlicher Widerspruch: Mir ist das Thema "Homo-Ehe" äußerst unangenehm. Das sollte Privatsache bleiben. Das Thema einer oft aufdringlichen und lauten Minderheit. Nix für mich! Ich erkenne im Auftritt dieser Minderheit keine kulturelle Leistung.

Bleiben wir bei besser überschaubaren Dingen: Ja, es ist auffällig, daß Türken besonders lange brauchen, um sich in die deutsche Gesellschaft so ein zu fügen, so daß sie dann insgesamt unauffällig sind.

Das hat aber gesellschaftliche Gründe; denn das sind genau jene Anatolier, die in den 60er bis 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Hilfskräfte angeworben wurden, und die dann noch bis vor wenigen Jahren ihre Lebenspartner immer wieder aus der Türkei frisch nachzogen. Das Thema hat zu einigen neuen Regeln in unseren Zuwanderungsgesetzen geführt. Heute muß der Lebenspartner Volljährig nach unserer Gesetzeslage sein, und er muß in einem deutschen Konsulat in der Türkei brauchbare deutsche Sprachkenntnisse nachweisen. Ohne diese Nachweise keine Einreise.

Und das sind wieder genau jene Anatolier, die so zahlreich mit "Ja" gestimmt hatten... in D und in TR.

Ich hatte es dagegen mit Türken, Italienern und Spaniern zu tun, die gute Schulen und Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen hatten. Da werden auch Sie keine "kulturellen Unterschiede" feststellen... wie denn auch? Das sind Menschen auf gleicher Augenhöhe!

Übrigens als Binsenweisheit: Auch unsere Deutsch-Italiener fallen häufig durch unangepaßtes Verhalten auf und durch Schulversagen. Da gebe ich allerdings nur wieder, was ich in vielen Diskussionen über Integrationsprobleme zur Kenntnis zu nehmen hatte. Eigene Forschungen habe ich dazu nicht durchgeführt. Es ist also ganz offenbar so, daß es eben auch weniger gut gebildete Italiener gibt, mit denen ich aber nie etwas gemeinsam leisten mußte.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Adam Smith » Fr 21. Apr 2017, 19:36

H2O hat geschrieben:(21 Apr 2017, 20:31)
Ich hatte es dagegen mit Türken, Italienern und Spaniern zu tun, die gute Schulen und Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen hatten. Da werden auch Sie keine "kulturellen Unterschiede" feststellen... wie denn auch? Das sind Menschen auf gleicher Augenhöhe!


Stimmt. Könnte ich hier ja auch mal wieder länger ausführen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » Fr 21. Apr 2017, 20:32

H2O hat geschrieben:Freundlicher Widerspruch: Mir ist das Thema "Homo-Ehe" äußerst unangenehm. Das sollte Privatsache bleiben. Das Thema einer oft aufdringlichen und lauten Minderheit. Nix für mich! Ich erkenne im Auftritt dieser Minderheit keine kulturelle Leistung.


Doch, der freie Auftritt von Homosexuellen ist sehr wohl eine kulturelle Leistung - es nennt sich Toleranz. Und das ist wohl die größte Errungenschaft des Westens.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Adam Smith » Fr 21. Apr 2017, 20:36

Kardux hat geschrieben:(21 Apr 2017, 21:32)

Doch, der freie Auftritt von Homosexuellen ist sehr wohl eine kulturelle Leistung - es nennt sich Toleranz. Und das ist wohl die größte Errungenschaft des Westens.


Das dürfte der Kapitalismus sein. Noch vor der Demokratie. Denn die Demokratie hat ja mit dem Kapitalismus sehr viel zu tun.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Sa 22. Apr 2017, 01:20

Adam Smith hat geschrieben:(21 Apr 2017, 21:36)

Das dürfte der Kapitalismus sein. Noch vor der Demokratie. Denn die Demokratie hat ja mit dem Kapitalismus sehr viel zu tun.


Ich würde sagen, der herausragende Beitrag des Westens für die Welt war die Aufklärung. Aus ihr leiten sich alle folgenden Entwicklungen ab, sei es Kapitalismus und Industrialisierung (Überwinden des Feudalsystems), sei es Demokratie, sei es Toleranz und Menschenrechte. Das alles leitet sich aus den Ideen der Aufklärung ab.

Als Europäer können wir stolz sagen: wir sind der Kontinent der Aufklärung. Und das muss auch zukünftig der Anspruch der EU sein: die Ideen der Aufklärung zu wahren, zu schützen und umzusetzen, die aufgeklärteste und progressivste Weltregion zu sein.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Sa 22. Apr 2017, 03:28

Kardux hat geschrieben:(21 Apr 2017, 21:32)

Doch, der freie Auftritt von Homosexuellen ist sehr wohl eine kulturelle Leistung - es nennt sich Toleranz. Und das ist wohl die größte Errungenschaft des Westens.


Ich halte Aufdringlichkeit nicht für eine kulturelle Leistung. Aber Aufdringlichkeit beschränkt sich nicht allein auf bestimmte Ausprägungen der Homo-Szene... aber sie ist eben auch dort zu finden. Warum marktschreierische Aufdringlichkeit gut heißen? Toleranz für Belästigung?

Dann schon eher die Aufklärung als ganz entscheidende Errungenschaft des Westens, wobei ich meine, daß damit letzlich die Freiheit gemeint ist, sich bei der Beurteilung von Ereignissen und Verhältnissen des eigenen Verstandes zu bedienen... so vorhanden :) Populismus gibt es schließlich auch.

Und damit wären wir denn doch wieder bei den Veränderungen in Erdogans Türkei angelangt. Wem dienen diese Veränderungen?
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » Sa 22. Apr 2017, 10:13

Adam Smith hat geschrieben:(21 Apr 2017, 21:36)

Das dürfte der Kapitalismus sein. Noch vor der Demokratie. Denn die Demokratie hat ja mit dem Kapitalismus sehr viel zu tun.


Der Kaptialismus ist keine Errungenschaft, sondern ein Wirtschaftsmodell das am besten auf die menschlichen Triebe zugeschnitten ist. Und Demokratie hat mit Kapitalismus überhaupt nichts zu tun - zumindest nicht in der Praxis. Die Staaten die heute keinen Kapitalismus betreiben könnte man wohl an einer Hand abzählen - würde das im Umkehrschluss bedeuten das es an die 190 demokratische Staaten auf der Welt gibt? Nehmen wir da die Türkei als Beispiel. Gilt dort nicht auch das kapitalistische Wirtschaftsmodell?

Hyde hat geschrieben:Ich würde sagen, der herausragende Beitrag des Westens für die Welt war die Aufklärung.


Das bestimmt. Wie Sie bereits erwähnten, ist die Aufklärung das Fundament dieser Entwicklung. Nichtsdestotrotz würde ich dabei noch die Toleranz hervorheben, weil diese Eigenschaft Freiheit bzw. die Unantastbarkeit der menschlichen Würde ermöglicht. Für mich ist die Toleranz deshalb die größte Errungenschaft weil die Aufklärung den Stein lediglich zum Rollen gebracht hat. Es ist ja nicht so, dass die abendländische Gesellschaft vom 17. bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts wirklich progressiv war. So viel Blut wie in dieser Zeit geflossen ist sucht Seinesgleichen in der Menschheitsgeschichte.

Erst mit dem Ende der beiden Weltkriege und der gefestigten Neuordnung in Europa konnte die Gesellschaft aufatmen und sich dann während der 60er und 70er Jahre endgültig demokratisieren. Auf dem Gipfel dieser Entwicklung stand stets die Toleranz.

Das größte gegenwärtige Defizit des nahöstlichen Kulturkreises hingegen ist die grenzenlose Intoleranz. Sei es gegenüber anderen Religionen, sexuellen Ausrichtungen, dem anderen Geschlecht, Minderheiten, usw. Darin liegt das Kernproblem.

H2O hat geschrieben:Ich halte Aufdringlichkeit nicht für eine kulturelle Leistung. Aber Aufdringlichkeit beschränkt sich nicht allein auf bestimmte Ausprägungen der Homo-Szene... aber sie ist eben auch dort zu finden. Warum marktschreierische Aufdringlichkeit gut heißen? Toleranz für Belästigung?

Dann schon eher die Aufklärung als ganz entscheidende Errungenschaft des Westens, wobei ich meine, daß damit letzlich die Freiheit gemeint ist, sich bei der Beurteilung von Ereignissen und Verhältnissen des eigenen Verstandes zu bedienen... so vorhanden :) Populismus gibt es schließlich auch.

Und damit wären wir denn doch wieder bei den Veränderungen in Erdogans Türkei angelangt. Wem dienen diese Veränderungen?


Ich weiß zumindest wem diese Veränderungen nicht dienen werden. All jenen in der Türkei die ein Gehör für "laute" Minderheiten haben oder selbst zu diesen aufdringlichen Minderheiten zählen. Und damit meine ich ja nicht nur die Homosexuellen oder Transgender, sondern auch Atheisten, westlich-orientierte Türken, linke Türken, Kurden, und orientalische Christen (dazu zähle ich auch all jene die christliche Wurzeln haben, aber sich offiziell als Muslime ausgeben). Und am wenigsten wird es allen Freidenkern in der Türkei dienen - egal mit welchem Hintergrund. Denn für einen Freidenker kann der Feudalismus, der gerade in der Türkei wieder eingeführt wird, keine Option sein. All jene die mit Ja gestimmt haben, egal was deren Intention auch gewesen sein mag, sind keine Freidenker.

Das Erschreckende ist, das viele Ja-Wähler ganz bewusst für diesen Feudalismus gestimmt haben. Indem man einem Mann die ganze Macht überträgt wird die Türkei gestärkt - das ist der Tenor der Mehrheit dieser Ja-Wähler. Auch viele Deutsch-Türken dachten so.
Zuletzt geändert von Kardux am Sa 22. Apr 2017, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Teeernte » Sa 22. Apr 2017, 10:17

Kardux hat geschrieben:(22 Apr 2017, 11:13)
Ich weiß zumindest wem diese Veränderungen nicht dienen werden. All jenen in der Türkei die ein Gehör für "laute" Minderheiten haben oder selbst zu diesen aufdringlichen Minderheiten zählen. Und damit meine ich ja nicht nur die Homosexuellen oder Transgender, sondern auch Atheisten, westlich-orientierte Türken, linke Türken, Kurden, und orientalische Christen (dazu zähle ich auch all jene die christliche Wurzeln haben, aber sich offiziell als Muslime ausgeben).


Hach alles ---- "Einzelfälle" ....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » So 23. Apr 2017, 18:14

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2017, 04:28)

Ich halte Aufdringlichkeit nicht für eine kulturelle Leistung. Aber Aufdringlichkeit beschränkt sich nicht allein auf bestimmte Ausprägungen der Homo-Szene... aber sie ist eben auch dort zu finden. Warum marktschreierische Aufdringlichkeit gut heißen? Toleranz für Belästigung?


Was ist mit Aufdringlichkeit und Belästigung konkret gemeint?
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » So 23. Apr 2017, 20:24

Hyde hat geschrieben:(23 Apr 2017, 19:14)

Was ist mit Aufdringlichkeit und Belästigung konkret gemeint?


Schamlose Darbietungen und Andeutungen von Handlungen in der Öffentlichkeit, die ihren Platz im sehr privaten Bereich haben sollten. Das ist unabhängig von der geschlechtlichen Prägung. Mich ekelt das an; da komme ich aus meiner Haut nicht heraus.

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