EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
harry52
Beiträge: 1460
Registriert: Fr 30. Jan 2015, 09:35

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon harry52 » Mo 17. Apr 2017, 00:33

H2O hat geschrieben: Das gemeinsame Schicksal von 450 Mio Menschen hängt stark von der Weisheit unserer Führungskräfte ab.

Sie hängt noch viel mehr von uns allen ab, die die Führungskräfte wählen, oder abwählen.
Wenn es nach den Führungskräften bzw. Eliten gegangen wäre, wäre so jemand wie Trump niemals Präsident geworden. Erdogan, Trump, Putin ... werden von den Wutbürgern und den vielen ungebildeten Menschen in ländlichen Gebieten gewählt und nicht von den Menschen mit Abi.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
Benutzeravatar
Hyde
Beiträge: 553
Registriert: Di 14. Jun 2016, 17:15

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 17. Apr 2017, 01:41

H2O hat geschrieben:(27 Mar 2017, 16:15)

Erdogan will das "Nein" zum Anlaß nehmen, die Tür zur EU knallend zu zu schlagen. Der EU kann's Wurst sein.


Wurst sein? Nein, für die EU ist es nicht egal, sondern ein Glücksfall, wenn ein türkischer EU-Beitritt vom Tisch ist.

Oder glaubt hier ernsthaft jemand, der EU würde ein Beitritt der Türkei irgendwelche Vorteile bringen?
Im Gegenteil: ein Beitritt der Türkei wäre in der EU-Bevölkerung äußerst unpopulär (nicht nur unter den islamophoben Osteuropäern) und dürfte zu verstärkten Austrittsbestrebungen in den Bevölkerungen vieler EU-Ländern führen. Nicht zufällig wurde in GB auch mit der Furcht vor einem EU-Beitritt der Türkei für den Brexit mobilisiert.

Aber auch wirtschaftlich wäre die EU mit dem Beitritt eines armen, fast 100 Mio Volkes völlig überfordert.

Und politisch würde die EU sich mit der Türkei vermutlich einen Integrationsbremsklotz ins Boot nehmen, wenn man bedenkt, wie skeptisch schon die Osteuropäer gegenüber einem weiteren europäischen Einigungsprozess eingestellt sind, und die sind mit uns Westeuropäern kulturell und politisch noch deutlich mehr verwandt als die Türken aus 1001 Nacht.
Mit der Türkei wäre, auch langfristig, die Möglichkeit eines föderalen europäischen Bundesstaates vom Tisch.

Es kann keinen Zweifel geben: für die EU wäre ein Nicht-Beitritt der Türkei ein Glücksfall, wenn nicht sogar überlebensnotwendig für das Fortbestehen der EU.

Die EU und die Türkei sollten die Beitrittsverhandlungen endlich einstellen und stattdessen auf Partnerschaftsebene eine Zusammenarbeit finden.
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 17. Apr 2017, 06:33

harry52 hat geschrieben:(17 Apr 2017, 01:33)

Sie hängt noch viel mehr von uns allen ab, die die Führungskräfte wählen, oder abwählen.
Wenn es nach den Führungskräften bzw. Eliten gegangen wäre, wäre so jemand wie Trump niemals Präsident geworden. Erdogan, Trump, Putin ... werden von den Wutbürgern und den vielen ungebildeten Menschen in ländlichen Gebieten gewählt und nicht von den Menschen mit Abi.

Das ist auch wahr. Und dennoch stimmt meine Aussage; denn ohne die Weisheit der Führungskräfte ist nichts zu erreichen. Daß es "Nieten in Nadelstreifen" gibt, das ist leider auch wahr.
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 17. Apr 2017, 06:38

Hyde hat geschrieben:(17 Apr 2017, 02:41)

Wurst sein? Nein, für die EU ist es nicht egal, sondern ein Glücksfall, wenn ein türkischer EU-Beitritt vom Tisch ist.

Oder glaubt hier ernsthaft jemand, der EU würde ein Beitritt der Türkei irgendwelche Vorteile bringen?
Im Gegenteil: ein Beitritt der Türkei wäre in der EU-Bevölkerung äußerst unpopulär (nicht nur unter den islamophoben Osteuropäern) und dürfte zu verstärkten Austrittsbestrebungen in den Bevölkerungen vieler EU-Ländern führen. Nicht zufällig wurde in GB auch mit der Furcht vor einem EU-Beitritt der Türkei für den Brexit mobilisiert.

Aber auch wirtschaftlich wäre die EU mit dem Beitritt eines armen, fast 100 Mio Volkes völlig überfordert.

Und politisch würde die EU sich mit der Türkei vermutlich einen Integrationsbremsklotz ins Boot nehmen, wenn man bedenkt, wie skeptisch schon die Osteuropäer gegenüber einem weiteren europäischen Einigungsprozess eingestellt sind, und die sind mit uns Westeuropäern kulturell und politisch noch deutlich mehr verwandt als die Türken aus 1001 Nacht.
Mit der Türkei wäre, auch langfristig, die Möglichkeit eines föderalen europäischen Bundesstaates vom Tisch.

Es kann keinen Zweifel geben: für die EU wäre ein Nicht-Beitritt der Türkei ein Glücksfall, wenn nicht sogar überlebensnotwendig für das Fortbestehen der EU.

Die EU und die Türkei sollten die Beitrittsverhandlungen endlich einstellen und stattdessen auf Partnerschaftsebene eine Zusammenarbeit finden.


Eine islamisch ausgerichtete Türkei mit gelenkter Demokratie paßt nicht in die EU. Dazu ist sie viel zu volkreich und hilfsbedürftig. Das war schon vor 40 Jahren klar. Jetzt hat der "Volkswille" entschieden. Die Zusammenarbeit muß sich auf wirtschaftliche Fragen beschränken. Bestehende Verträge müssen dementsprechend "entrümpelt" werden.

Tut mir wirklich leid für die vielen Türken mit europäischer Grundeinstellung. Aber das ist so wie beim BREXIT. Mehrheit ist Mehrheit.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 8220
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 17. Apr 2017, 06:49

sowieso kann die türkei nicht mitglied werden.

kaum war das resultat bekannt, da wiederholte erdogan seine wille die todesstrafe erneut einzuführen.
länder die die todesstrafe haben, können kein mitglied der EU werden, dachte ich.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 17. Apr 2017, 08:28

Nomen Nescio hat geschrieben:(17 Apr 2017, 07:49)

sowieso kann die türkei nicht mitglied werden.

kaum war das resultat bekannt, da wiederholte erdogan seine wille die todesstrafe erneut einzuführen.
länder die die todesstrafe haben, können kein mitglied der EU werden, dachte ich.


Erdogan muß die Todesstrafe nun wirklich nicht mehr einführen, um einen EU-Beitritt der Türkei zu verhindern. Das Thema ist beendet. Die EU kann ihre Beitrittsbedingungen auf den Tisch legen mit der Bitte, sich bei ihr erst wieder in dieser Sache zu melden, wenn das Land nachweislich diese Bedingungen seit Jahren erfüllt.
Benutzeravatar
Hyde
Beiträge: 553
Registriert: Di 14. Jun 2016, 17:15

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 17. Apr 2017, 12:44

H2O hat geschrieben:(17 Apr 2017, 07:38)
Tut mir wirklich leid für die vielen Türken mit europäischer Grundeinstellung. Aber das ist so wie beim BREXIT. Mehrheit ist Mehrheit.


Nicht jeder, der gegen Erdogans Verfassungsreform gestimmt hat, hat deshalb gleich eine europäische Grundeinstellung.

Wenn man sich in der Türkei Umfragen zu Themen wie Homosexualität, Scharia usw anschaut, dann erkennt man, dass sehr viele in der türkischen Bevölkerung sehr weit von einer europäischen Einstellung entfernt sind.
Gewissermaßen mache ich ihnen das auch nicht zum Vorwurf, denn die Türkei ist historisch nunmal (im Gegensatz zu Westeuropa und Osteuropa) kein wirklich europäisch geprägtes Land, sondern vor allem ein islamisch und osmanisch geprägtes Land, ein Mittelding zwischen Europa und Nahem Osten. Dass es ihnen also an europäischen Einstellungen mangelt, kann man ihnen aufgrund ihrer Historie kaum vorwerfen, nur muss man dann eben auch so ehrlich sein zu sagen, dass es zwischen EU und Türkei, zwischen Europäern und Türken nicht genügend Gemeinsamkeiten gibt, als dass ein Beitritt zur europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.

Das heißt ja nicht, dass man deswegen Feinde sein müsste. Man kann auch auf anderer Ebene Partner sein. Aber es wird dringend Zeit, endlich Realitäten anzuerkennen, und dazu gehört auch (und das nicht erst seit dem Verfassungsreferendum), dass Europa und die Türkei kulturell nicht in dem Maße zusammenpassen, dass eine Mitgliedschaft in der europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.
Benutzeravatar
Kardux
Beiträge: 2122
Registriert: Fr 29. Mär 2013, 16:48
Benutzertitel: کوردستان زیندووە

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » Mo 17. Apr 2017, 18:31

Hyde hat geschrieben:(17 Apr 2017, 13:44)

Nicht jeder, der gegen Erdogans Verfassungsreform gestimmt hat, hat deshalb gleich eine europäische Grundeinstellung.

Wenn man sich in der Türkei Umfragen zu Themen wie Homosexualität, Scharia usw anschaut, dann erkennt man, dass sehr viele in der türkischen Bevölkerung sehr weit von einer europäischen Einstellung entfernt sind.
Gewissermaßen mache ich ihnen das auch nicht zum Vorwurf, denn die Türkei ist historisch nunmal (im Gegensatz zu Westeuropa und Osteuropa) kein wirklich europäisch geprägtes Land, sondern vor allem ein islamisch und osmanisch geprägtes Land, ein Mittelding zwischen Europa und Nahem Osten. Dass es ihnen also an europäischen Einstellungen mangelt, kann man ihnen aufgrund ihrer Historie kaum vorwerfen, nur muss man dann eben auch so ehrlich sein zu sagen, dass es zwischen EU und Türkei, zwischen Europäern und Türken nicht genügend Gemeinsamkeiten gibt, als dass ein Beitritt zur europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.

Das heißt ja nicht, dass man deswegen Feinde sein müsste. Man kann auch auf anderer Ebene Partner sein. Aber es wird dringend Zeit, endlich Realitäten anzuerkennen, und dazu gehört auch (und das nicht erst seit dem Verfassungsreferendum), dass Europa und die Türkei kulturell nicht in dem Maße zusammenpassen, dass eine Mitgliedschaft in der europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.


Volle Zustimmung.
Make Kurdistan Free Again...
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 17. Apr 2017, 19:55

Hyde hat geschrieben:(17 Apr 2017, 13:44)

Nicht jeder, der gegen Erdogans Verfassungsreform gestimmt hat, hat deshalb gleich eine europäische Grundeinstellung.

Wenn man sich in der Türkei Umfragen zu Themen wie Homosexualität, Scharia usw anschaut, dann erkennt man, dass sehr viele in der türkischen Bevölkerung sehr weit von einer europäischen Einstellung entfernt sind.
Gewissermaßen mache ich ihnen das auch nicht zum Vorwurf, denn die Türkei ist historisch nunmal (im Gegensatz zu Westeuropa und Osteuropa) kein wirklich europäisch geprägtes Land, sondern vor allem ein islamisch und osmanisch geprägtes Land, ein Mittelding zwischen Europa und Nahem Osten. Dass es ihnen also an europäischen Einstellungen mangelt, kann man ihnen aufgrund ihrer Historie kaum vorwerfen, nur muss man dann eben auch so ehrlich sein zu sagen, dass es zwischen EU und Türkei, zwischen Europäern und Türken nicht genügend Gemeinsamkeiten gibt, als dass ein Beitritt zur europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.

Das heißt ja nicht, dass man deswegen Feinde sein müsste. Man kann auch auf anderer Ebene Partner sein. Aber es wird dringend Zeit, endlich Realitäten anzuerkennen, und dazu gehört auch (und das nicht erst seit dem Verfassungsreferendum), dass Europa und die Türkei kulturell nicht in dem Maße zusammenpassen, dass eine Mitgliedschaft in der europäischen Gemeinschaft Sinn machen würde.

Vielleicht habe ich Ihnen gegenüber den Vorteil, mit sehr gebildeten Türken jahrzehntelang in technischen Verhandlungen zusammengearbeitet zu haben. Meine türkischen Gesprächspartner unterschieden sich in ihren europäischen Auffassungen in überhaupt nichts von ihren griechischen, italienischen und spanischen Kollegen. Sollen wir jetzt auch konstruieren, daß diese europäischen Europäer ebenfalls nicht so recht zu Europa passen? :)

Mir tut weiterhin es leid um diese vielen Türken mit europäischer Gesinnung und Gesittung!
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 1707
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » Mi 19. Apr 2017, 06:22

Die Erdowahn Türkei hat entschieden.
Demokratisch war die Wahl wohl auch.
Lasst sie ihren Weg beschreiten. Seien wir doch ehrlich, das passt doch der E.U gut. Gründe für
einen Beitritt sehe ich nicht mehr. Kommt jetzt noch die Todesstrafe geht es aus dem Europarat auch noch raus. Wirtschaftlich gibt es noch Möglichkeiten über Verhandlungen. Politisch ist der Beitritt auf Jahre vom Tisch!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 17:11

Ger9374 hat geschrieben:(19 Apr 2017, 07:22)

Die Erdowahn Türkei hat entschieden.
Demokratisch war die Wahl wohl auch.
Lasst sie ihren Weg beschreiten. Seien wir doch ehrlich, das passt doch der E.U gut. Gründe für
einen Beitritt sehe ich nicht mehr. Kommt jetzt noch die Todesstrafe geht es aus dem Europarat auch noch raus. Wirtschaftlich gibt es noch Möglichkeiten über Verhandlungen. Politisch ist der Beitritt auf Jahre vom Tisch!


Na ja, das wäre die eine Schlußfolgerung aus diesem Geschehen. Die Verträge mit der EU müssen befreit werden von dem Ballast eines angestrebten Beitritts. Dazu gehören auch Zahlungen, für die es künftig gar keinen vertretbaren Hintergrund mehr gibt. Will sagen "privilegierte Partnerschaft" war gestern. Verträge zum gegenseitigen Vorteil müssen als Nachfolge verhandelt werden.

Der dickere Hammer wird die NATO betreffen. Ich kann mir militärische Planungen und Planungen für den Zivilschutz mit führenden Vertretern einer Diktatur überhaupt nicht vorstellen.

Die nächste bange Frage wird sein, wie wir in Europa mit den Teilen der türkischen Mitbürger umgehen, die sich offen oder doch klar erkennbar für die Diktatur Erdogans einsetzen. Warum diesen gewollt ausländischen Leuten eine Auftrittsmöglichkeit einräumen? Was tun mit jenen, die ihre demokratisch gesonnenen Landsleute bespitzeln und verraten... oder gleich auch noch tätlich werden? Was mit den "roten Flaggenmeeren" bei Sportveranstaltungen?

Alle diese Folgefragen werden wir in Deutschland und in der EU zu klären haben... leider!
Benutzeravatar
Bielefeld09
Beiträge: 4724
Registriert: Mo 19. Jan 2015, 19:48

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 19. Apr 2017, 18:03

H2O hat geschrieben:(19 Apr 2017, 18:11)

Na ja, das wäre die eine Schlußfolgerung aus diesem Geschehen. Die Verträge mit der EU müssen befreit werden von dem Ballast eines angestrebten Beitritts. Dazu gehören auch Zahlungen, für die es künftig gar keinen vertretbaren Hintergrund mehr gibt. Will sagen "privilegierte Partnerschaft" war gestern. Verträge zum gegenseitigen Vorteil müssen als Nachfolge verhandelt werden.

Der dickere Hammer wird die NATO betreffen. Ich kann mir militärische Planungen und Planungen für den Zivilschutz mit führenden Vertretern einer Diktatur überhaupt nicht vorstellen.

Die nächste bange Frage wird sein, wie wir in Europa mit den Teilen der türkischen Mitbürger umgehen, die sich offen oder doch klar erkennbar für die Diktatur Erdogans einsetzen. Warum diesen gewollt ausländischen Leuten eine Auftrittsmöglichkeit einräumen? Was tun mit jenen, die ihre demokratisch gesonnenen Landsleute bespitzeln und verraten... oder gleich auch noch tätlich werden? Was mit den "roten Flaggenmeeren" bei Sportveranstaltungen?

Alle diese Folgefragen werden wir in Deutschland und in der EU zu klären haben... leider!

Na ja, Gelassenheit ist auch jetzt noch erste Bürgerpflicht.
Wirtschaftlich behindert Erdogan jetzt schon EU Importe.
Politisch scheint Putin ein "neuer Freund" zu sein und
militärisch betrachtet, weiß keiner,
wo Erdogans osmanisches Reich endet.
Trump beglückwünscht diesen Präsidenten zu seinem Erfolg.
So what?
Darauf kann es nur eine eindeutige europäische Antwort geben.
Und die kommt.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 18:17

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Apr 2017, 19:03)

Na ja, Gelassenheit ist auch jetzt noch erste Bürgerpflicht.
Wirtschaftlich behindert Erdogan jetzt schon EU Importe.
Politisch scheint Putin ein "neuer Freund" zu sein und
militärisch betrachtet, weiß keiner,
wo Erdogans osmanisches Reich endet.
Trump beglückwünscht diesen Präsidenten zu seinem Erfolg.
So what?
Darauf kann es nur eine eindeutige europäische Antwort geben.
Und die kommt.


Ja, das darf man nie vergessen: Vaterländisch gesonnene Kreise der Türkei trauern dem untergegangenen Osmanischen Reich nach, das im 17. Jahrhundert von Marokko bis Jemen und Iran reichte. Nach damaligen Verhältnissen ein Weltreich. Freund Putin muß sehen, daß auch die Gebiete um das Schwarze Meer herum diesem Reich angehörten. Vielleicht kann er sich denken, was Freund Erdogan denken könnte.

Auf die eindeutige europäische Antwort werden wir warten müssen. Besser einige Stunden über eine erträgliche Lösung nachgedacht, als in 5 Minuten einen dauerhaften Schaden angerichtet.
Benutzeravatar
Bielefeld09
Beiträge: 4724
Registriert: Mo 19. Jan 2015, 19:48

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 19. Apr 2017, 18:39

H2O hat geschrieben:(19 Apr 2017, 19:17)

Ja, das darf man nie vergessen: Vaterländisch gesonnene Kreise der Türkei trauern dem untergegangenen Osmanischen Reich nach, das im 17. Jahrhundert von Marokko bis Jemen und Iran reichte. Nach damaligen Verhältnissen ein Weltreich. Freund Putin muß sehen, daß auch die Gebiete um das Schwarze Meer herum diesem Reich angehörten. Vielleicht kann er sich denken, was Freund Erdogan denken könnte.

Auf die eindeutige europäische Antwort werden wir warten müssen. Besser einige Stunden über eine erträgliche Lösung nachgedacht, als in 5 Minuten einen dauerhaften Schaden angerichtet.

Deswegen schreibe ich ja auch von Gelassenheit.
Erdogan und Putin haben die wirtschaftlichen Folgen ihren Treibens
auch in ihren Ländern zu verantworten.
Das Feindbild Europa wackelt aber nur,
wenn sich dieses Europa durch Nationalisten schwächen lässt.
Das ist zu vermeiden!
Und Griechenland ist heute das kleinste Problem!
Es geht um die Freiheit und Menschenrechte der EU Bürger.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 19:17

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Apr 2017, 19:39)

Deswegen schreibe ich ja auch von Gelassenheit.
Erdogan und Putin haben die wirtschaftlichen Folgen ihren Treibens
auch in ihren Ländern zu verantworten.
Das Feindbild Europa wackelt aber nur,
wenn sich dieses Europa durch Nationalisten schwächen lässt.
Das ist zu vermeiden!
Und Griechenland ist heute das kleinste Problem!
Es geht um die Freiheit und Menschenrechte der EU Bürger.


Dem kann ich im ersten Teil zustimmen. Immerhin hat die EU sich gegenüber Rußland zu Einschränkungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr durchgerungen, um klares Fehlverhalten nicht ungestraft durchgehen zu lassen. Vergleichbares dürfte künftig auch gegen die Türkei eingesetzt werden, wenn es für westliche Demokratien allzu dicke kommt.

Sie haben auch Recht damit, daß die EU selbst erst einmal ihre inneren Verhältnisse ordnen muß, gerade was den Umgang mit vorsätzlichen Vertragsverletzungen betrifft. Im Fall Griechenland erkenne ich ein Land, das seine Angelegenheiten in keiner Weise selbst ordnen kann. Staatsversagen auf der ganzen Linie... denn Staatskunst kann nicht daraus bestehen, sich schlicht den Nachbarn aggressiv bettelnd auf zu drängen und jeden Versuch der Abhilfe von offensichtlichen Fehlentwicklungen ab zu blocken. Das Ding geht in die Hose!

Ja, andere Ärgernisse zeichnen sich ab... aber noch befinden sie sich in der Klärung durch die EU-Kommission und den EuGH. Das Ergebnis müssen wir abwarten, während wir die EU weiter entwickeln. Auch dabei dürfte sich einiges klären.
Benutzeravatar
Bielefeld09
Beiträge: 4724
Registriert: Mo 19. Jan 2015, 19:48

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 19. Apr 2017, 19:35

H2O hat geschrieben:(19 Apr 2017, 20:17)

Dem kann ich im ersten Teil zustimmen. Immerhin hat die EU sich gegenüber Rußland zu Einschränkungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr durchgerungen, um klares Fehlverhalten nicht ungestraft durchgehen zu lassen. Vergleichbares dürfte künftig auch gegen die Türkei eingesetzt werden, wenn es für westliche Demokratien allzu dicke kommt.

Sie haben auch Recht damit, daß die EU selbst erst einmal ihre inneren Verhältnisse ordnen muß, gerade was den Umgang mit vorsätzlichen Vertragsverletzungen betrifft. Im Fall Griechenland erkenne ich ein Land, das seine Angelegenheiten in keiner Weise selbst ordnen kann. Staatsversagen auf der ganzen Linie... denn Staatskunst kann nicht daraus bestehen, sich schlicht den Nachbarn aggressiv bettelnd auf zu drängen und jeden Versuch der Abhilfe von offensichtlichen Fehlentwicklungen ab zu blocken. Das Ding geht in die Hose!

Ja, andere Ärgernisse zeichnen sich ab... aber noch befinden sie sich in der Klärung durch die EU-Kommission und den EuGH. Das Ergebnis müssen wir abwarten, während wir die EU weiter entwickeln. Auch dabei dürfte sich einiges klären.

Und ich teile ihre Einschätzungen,
aber Griechenland ist klarer EU und Natopartner,
das kostet wieviel Geld an der Grenze zur Türkei?
Nee, Griechenland ist nicht das Problem!
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 19:59

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Apr 2017, 20:35)

Und ich teile ihre Einschätzungen,
aber Griechenland ist klarer EU und Natopartner,
das kostet wieviel Geld an der Grenze zur Türkei?
Nee, Griechenland ist nicht das Problem!


Ich bin mir aufgrund vieler Jahre Erfahrung mit Griechenland gar nicht so sicher, ob das Land wirklich der Partner ist... weder in der EU noch in der NATO. In Sachen Türkei verfalle ich allmählich in ungerührtes Abwarten. Mal sehen, was kommt... :cool:
Benutzeravatar
Bielefeld09
Beiträge: 4724
Registriert: Mo 19. Jan 2015, 19:48

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 19. Apr 2017, 20:07

H2O hat geschrieben:(19 Apr 2017, 20:59)

Ich bin mir aufgrund vieler Jahre Erfahrung mit Griechenland gar nicht so sicher, ob das Land wirklich der Partner ist... weder in der EU noch in der NATO. In Sachen Türkei verfalle ich allmählich in ungerührtes Abwarten. Mal sehen, was kommt... :cool:

Wo sehen sie denn Kerneuropa?
Bei allem abwarten, was ist denn die Nato für Sie?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Benutzeravatar
Mehmet
Beiträge: 92
Registriert: So 31. Jul 2016, 16:25
Benutzertitel: cCc
Wohnort: İstanbul/Berlin

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Mehmet » Mi 19. Apr 2017, 20:24

Leute, jetzt mal ehrlich!

Das ist zwar ganz süß, wir ihr nun darüber diskutiert, was nun alles
passieren sollte, könnte oder wird - aber es wird nichts dergleichen
passieren oder eintreffen! Es wird alles normal weiterlaufen! Warum
sollte sich auch etwas ändern? Die USA oder Frankreich haben auch ein
Präsidialsystem. Die USA hat in dem Fall sogar auch die Todesstrafe.

Im Falle der Todesstrafe, wäre der EU-Beitritt, laut Politiker, erstmal
vom Tisch. Aber ein EU-Beitritt hätte es doch sowieso nie gegeben, also
was soll dieser ganze heuchlerische Mist? Es wird sich also nichts ändern.

Und ebenso wenig wird sich innerhalb der NATO etwas ändern. Die Türkei
bleibt weiterhin zweitstärkste Kraft in der NATO, hinter den USA. :thumbup:
Türke unser, der du bist in Anatolien, geheiligt werde dein Türkentum;
zu uns komme Dein Reich; dein türkischer Wille geschehe, wie in Anatolien, so auch in Europa!
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 11483
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mi 19. Apr 2017, 20:25

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Apr 2017, 21:07)

Wo sehen sie denn Kerneuropa?
Bei allem abwarten, was ist denn die Nato für Sie?


Das Thema sollten wir aber besser im Strang "Die "neue EU"? Chance in der Krise?" behandeln. Hier geht es doch um das Verhältnis EU und Türkei. Das ist durch Erdogans Vorgehen inzwischen europäische Außenpolitik geworden.
Zuletzt geändert von H2O am Mi 19. Apr 2017, 20:28, insgesamt 1-mal geändert.

Zurück zu „34. Türkei“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 1 Gast