EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Tom Bombadil » Di 13. Feb 2018, 13:37

Pakistani aus Libyen werden nicht von Erdogan abgehalten. Man darf sich von solchen Autokraten nicht erpressen lassen, dann nehmen wir die Flüchtlinge aus der Türkei eben temporär auf, man kann das ja auch pragmatischer tun, ohne den ganzen Integrationsbohei.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Do 15. Feb 2018, 09:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(13 Feb 2018, 13:37)

Pakistani aus Libyen werden nicht von Erdogan abgehalten. Man darf sich von solchen Autokraten nicht erpressen lassen, dann nehmen wir die Flüchtlinge aus der Türkei eben temporär auf, man kann das ja auch pragmatischer tun, ohne den ganzen Integrationsbohei.


Fast sämtliche Zuwanderer sind hier temporär für die kommenden Jahrzehnte, zugehöriges Bohei eingeschlossen. Oder haben Sie für deren Ausreise eine gesetzlich durchführbare Lösung? Rückführungen von ~2.000 Ausreisepflichtigen im Jahr sind weniger als an einem Tag in der EU ankommen. Muß man ganz einfach zur Kenntnis nehmen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Tom Bombadil » Do 15. Feb 2018, 18:41

H2O hat geschrieben:(15 Feb 2018, 09:00)

Muß man ganz einfach zur Kenntnis nehmen.

Die Kenntnis ist vorhanden, man muss so etwas aber nicht akzeptieren. Alles vom Menschen gemachte kann auch von Menschen geändert werden.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Do 15. Feb 2018, 19:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Feb 2018, 18:41)

Die Kenntnis ist vorhanden, man muss so etwas aber nicht akzeptieren. Alles vom Menschen gemachte kann auch von Menschen geändert werden.


Wer wollte Ihnen da widersprechen? An der Ecke zoffe ich mich gerade mit Dark Angel.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » So 18. Feb 2018, 22:22

„Die Lage der Demokratie, von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in der Türkei hat sich seit längerem verschlechtert. Deshalb wollen wir bei den Beitrittsverhandlungen keine Kapitel schließen und keine neuen öffnen.“


Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

Im Wahlkampf das sagen, was die Leute hören wollen, und danach anders handeln...

Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

Ein EU-Beitritt der Türkei ist scheinbar „alternativlos“.
Auch im Jahr 2018.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » So 18. Feb 2018, 22:43

Hyde hat geschrieben:(18 Feb 2018, 22:22)

Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

Im Wahlkampf das sagen, was die Leute hören wollen, und danach anders handeln...

Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

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Sag mal hinter welchem Busch lebst du denn:-))
Das ist deutsche Realpolitik. Politiker reden viel, aber die Wahrheit sieht anders aus. Komm mal aus deinem Wolkenkukucksheim herunter,
niedlich das es solche Typen noch gibt.
Du spielt bestimmt auch den Weihnachtsmann sehr gut!!:-))))
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » So 18. Feb 2018, 23:10

Hyde hat geschrieben:(18 Feb 2018, 22:22)

Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

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Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

Ein EU-Beitritt der Türkei ist scheinbar „alternativlos“.
Auch im Jahr 2018.


So einfach ist diese Angelegenheit wohl nicht. Der Koalitionsvertrag sagt, daß von deutscher Seite keine Anstrengungen mehr gemacht werden, neue Beitrittskapitel zu öffen, alte weiter zu verhandeln oder als erledigt zu schließen. Das heißt, das Ding liegt auf Eis. Wenn in Zukunft einmal Bedingungen vorliegen, die neue Verhandlungen möglich machen, dann kann vom erreichten Stand ausgehend der Beitrittsprozeß fortgesetzt werden. Mit anderen Worten: Mit der AKP-Regierung und Präsident Erdogan wird dort in Zukunft gar nichts laufen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 19. Feb 2018, 00:42

H2O hat geschrieben:(18 Feb 2018, 23:10)

So einfach ist diese Angelegenheit wohl nicht. Der Koalitionsvertrag sagt, daß von deutscher Seite keine Anstrengungen mehr gemacht werden, neue Beitrittskapitel zu öffen, alte weiter zu verhandeln oder als erledigt zu schließen. Das heißt, das Ding liegt auf Eis. Wenn in Zukunft einmal Bedingungen vorliegen, die neue Verhandlungen möglich machen, dann kann vom erreichten Stand ausgehend der Beitrittsprozeß fortgesetzt werden. Mit anderen Worten: Mit der AKP-Regierung und Präsident Erdogan wird dort in Zukunft gar nichts laufen.


Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » Mo 19. Feb 2018, 05:11

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 00:42)

Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.



Politiker halten sich oft alle Optionen offen, was sie sagen hat eine geringe verfallszeit. Ganz nach Adenauer, was schert mich was ich früher sagte.
Trotzdem wird die Türkei auf Jahre hinaus für die E.U Tabu sein.Als Mitgliedsanwärter.
Allerdings als Bündnispartner in der Nato kommt ein miteinander da schon einfacher. Rhein Metall stellt denen ne schöne Panzerfabrik hin und schon ist Erdowahn nicht mehr auf unsere Panzer angewiesen. Selbst ist der Sultan.Ich seh schon die Fotos Erdogan auf dem 1 . Türkisch produzierten Panzer. Noch windet sich die Regierung, aber Yücsel kam nicht umsonst frei.
Gut Wetter machen , heist jetzt Erdogans devise.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 19. Feb 2018, 09:12

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 00:42)

Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.


Stimmt schon; aber in der EU finden die Deutschen Mitstreiter, die am selben Strick ziehen, leider aber auf der anderen Seite. :)

Wie lange die Türkei in diesem giftigen Rausch verharren wird... niemand weiß das heute. Bitte nie vergessen, daß ungefähr die Hälfte der Türken nicht für die AKP stimmt. Wenn die Wirtschaft der Türkei schwächelt, dann kann das rascher gehen, als unsereiner das glauben mag. Die AKP hat doch auch deshalb viele Mitläufer, weil sich in den Jahren 2.000 bis 2.010 die Wirtschaft der Türkei auch dank deutscher Mitwirkung und Investitionen prächtig entwickelt hatte. Und nun verspielt sie eben wieder diesen Vorteil. Leere Hotels, fehlende Investitionen, Flucht von Leistungsträgern.

Am ehrlichsten wäre es, wenn die Bundesregierung Geschäfte mit der Türkei nicht mehr absicherte. Auf eigenes Risiko werden nicht so sehr viele Unternehmer sich dort mit eigenem Vermögen aufstellen. Thema Rechtssicherheit... kann man sogar mit unschuldiger Miene sagen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 19. Feb 2018, 12:46

H2O hat geschrieben:(19 Feb 2018, 09:12)

Stimmt schon; aber in der EU finden die Deutschen Mitstreiter, die am selben Strick ziehen, leider aber auf der anderen Seite. :)

Wie lange die Türkei in diesem giftigen Rausch verharren wird... niemand weiß das heute. Bitte nie vergessen, daß ungefähr die Hälfte der Türken nicht für die AKP stimmt. Wenn die Wirtschaft der Türkei schwächelt, dann kann das rascher gehen, als unsereiner das glauben mag. Die AKP hat doch auch deshalb viele Mitläufer, weil sich in den Jahren 2.000 bis 2.010 die Wirtschaft der Türkei auch dank deutscher Mitwirkung und Investitionen prächtig entwickelt hatte. Und nun verspielt sie eben wieder diesen Vorteil. Leere Hotels, fehlende Investitionen, Flucht von Leistungsträgern.


Nur dass eine Abwahl Erdogans umso unwahrscheinlicher wird, umso länger er an der Macht ist (und sich damit als „alternativlos“ inszenieren kann) und umso mehr die stetig ausgebaute staatliche Propaganda wirken kann. Umso mehr er Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Verwaltung, Militär, Bildung, Medien mit eigenen Getreuen besetzt.

Ich jedenfalls halte eine Abwahl Erdogans mittlerweile genauso unwahrscheinlich, wie eine Abwahl Putins in Russland. Erdogan wird 2019 den nächsten großen Sieg erringen.

In Russland hat der Wirtschafseinbruch auch nicht dazu geführt, dass Putin um seine Widerwahl fürchten muss. Im Notfall kompensieren solche Führer das dann, indem sie außenpolitisch „Stärke“ zeigen und nationalistische Gefühle bedienen (Siehe Ukraine oder Kurden in Syrien).
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 19. Feb 2018, 13:26

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 12:46)

Nur dass eine Abwahl Erdogans umso unwahrscheinlicher wird, umso länger er an der Macht ist (und sich damit als „alternativlos“ inszenieren kann) und umso mehr die stetig ausgebaute staatliche Propaganda wirken kann. Umso mehr er Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Verwaltung, Militär, Bildung, Medien mit eigenen Getreuen besetzt.

Ich jedenfalls halte eine Abwahl Erdogans mittlerweile genauso unwahrscheinlich, wie eine Abwahl Putins in Russland. Erdogan wird 2019 den nächsten großen Sieg erringen.

In Russland hat der Wirtschafseinbruch auch nicht dazu geführt, dass Putin um seine Widerwahl fürchten muss. Im Notfall kompensieren solche Führer das dann, indem sie außenpolitisch „Stärke“ zeigen und nationalistische Gefühle bedienen (Siehe Ukraine oder Kurden in Syrien).


Wir glauben immer wieder gern, daß eine militärische Lösung kurzfristig klare Verhältnisse schafft.
Sehen wir einmal "Faust auf den Tisch hauen" als militärische Maßnahme. Dann haut der Sultan mit seiner "osmanischen Faust" auf den Tisch... und derartiges Affentheater braucht kein Mensch. Da finde ich unsere weichen Machtmittel Wirtschaftskraft, Finanzkraft, know-how auf vielen Gebieten, wesentlich geeigneter... auch bei Präsident Putin, nicht nur bei Präsident Erdogan und Gefolgschaft. Da fließt kein Blut, da gibt es schlimmstenfalls Verstimmungen. Irgendwann reicht es den Menschen mit den nationalen Eitelkeiten. Die merken doch auch, daß ihr Land achteraus segelt. Aber das dauert... 20 bis 30 Jahre.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon tabernakel » Mo 26. Feb 2018, 09:23

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 12:46) Nur dass eine Abwahl Erdogans umso unwahrscheinlicher wird, umso länger er an der Macht ist (und sich damit als „alternativlos“ inszenieren kann) und umso mehr die stetig ausgebaute staatliche Propaganda wirken kann. Umso mehr er Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Verwaltung, Militär, Bildung, Medien mit eigenen Getreuen besetzt.

Wovon träumst Du eigentlich? Abwahl Erdogans? Der lässt eher alle Wahlhelfer als Terroristen verfolgen bevor er sich abwählen lässt, bei dem Dreck den er am Stecken hat müsste er schlicht um seinen Hals fürchten! Erdogan ist als dauerhafter Diktator im Sattel, und die Türkei ist eine Bananenrepublik geworden, das sind schlicht Tatsachen mit denen wir leben und die wir realpolitisch handhaben müssen. Beitrittsgespräche komplett beenden, Außengrenzen sichern und die Wehrfähigkeit der EU stärken. Und nennen wir sie besser einfach in Kurzform "Republik", denn mit Bananen hat die Türkei aktuell augenscheinlich gewisse Probleme.

Es muss nicht jedes Land der Welt eine Demokratie sein. Wir sollten mal anerkennen dass eine solche ein paar unverzichtbare Grundpfeiler voraussetzt, und gerade wir sollten nach unserem Demokratieausflug in den 1920ern am Besten wissen warum. Einer davon ist Stabilität, und die gibt's nicht überall auf der Welt. Ein anderer ist ein relativ offenes Weltbild der Bevölkerung, auch das gibt's nicht überall. Wieder ein anderer ein Bekenntnis zur Presse- und Meinungsfreiheit. Bringt nix sich Demokratien in Länder zu wünschen wo 90% der Bewohner bei uns Rechts-, Links- oder Religionsradikale wären, fundamentale Ablehnung der Wissenschaften aufweisen, Frauen versklaven, und/oder vor inneren Konflikten nur so strotzen. Daran ist der arabische Frühling letztlich gescheitert. Der gefallene Analphabetismus in der Welt hat daran nichts geändert, der Unterschied zu früher ist nur dass jetzt in vielen Ländern online und in Talkshows auf nem Niveau wie bei uns um 1600ad statt um 1200ad argumentiert wird. Und wenn wir ehrlich sind ist's bei einigen unter uns auch wirklich weiter gediehen. In Ägypten, der Türkei oder dem Iran wird weiterhin/wieder alles auf Kompatibilität zur Religion hin bewertet, ein wiedererweckter Galileo würde sich da glatt wie zuhause fühlen!

Lasst sie ihren eigenen Descartes und Kant entdecken, in ihrem eigenen dreißigjährigen Krieg lernen warum man theologische Streitfragen nicht auf Schlachtfeldern austrägt, unter ihren eigenen Diktatoren leiden, in ihrem eigenen Sezessionskrieg die Befreiung der Ehesklavinnen erarbeiten. Das lässt sich wohl nicht abkürzen, und wird noch Generationen dauern. Lasst uns mit ihnen normal Handel treiben, liefert ihnen keine Hitech-Waffen, und lasst sie nur nicht ihre Version von Glückseligkeit gewaltsam in den Rest der Welt exportieren. Lasst uns immer daran denken dass die Nordkoreaner unter den Kims und die Muslime unter dem IS selbst am meisten leiden - Bravo, weiter so, aber bitte nur dort. Lasst uns feiern dass wir wenigstens mit Osteuropa halbwegs kompatibel geworden sind, und zusehen dass die EU floriert. Lasst uns die UN bis auf den Sicherheitsrat auflösen, und als Ersatz stattdessen ein internationales Forum für die Demokratien der Welt errichten, mit klaren Aufnahme- und Ausschlusskriterien damit der Begriff "Demokratie" nicht mehr so missbraucht wird - da wird dann die Luft auch nicht mehr ganz so sinnlos weggeatmet wenn sich der Menschenrechtsrat dort trifft, und ein Trump reicht völlig als Muffel. Gibt genug authentische Demokratien auf der Welt, braucht keiner mehr Angst zu haben dass die morgen aussterben. Ein Bündnis der Demokraten der Welt muss auch nicht dem Rest der Welt mittels Entwicklungshilfe dauerhaft Alimente zahlen, Hilfe bei Hungersnöten und Naturkatastrophen sollte reichen. Der Rest der Welt ist inzwischen erwachsen und damit für sich selbst verantwortlich.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » Mo 26. Feb 2018, 14:13

tabernakel hat geschrieben:Lasst sie ihren eigenen Descartes und Kant entdecken, in ihrem eigenen dreißigjährigen Krieg lernen warum man theologische Streitfragen nicht auf Schlachtfeldern austrägt, unter ihren eigenen Diktatoren leiden, in ihrem eigenen Sezessionskrieg die Befreiung der Ehesklavinnen erarbeiten.


Das "predige" ich auch immer. Der Nahe Osten kann sich nur von Innen verändern.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » Fr 2. Mär 2018, 12:43

Yigit Bulut, einer von Erdos geistreichen Chefberatern, hat sich wieder zu Wort gemeldet:

"Dogs of the Netherlands and Hitlers of Germany" have launched an organised and simultaneous attacks against #Turkey, says Turkish president #Erdogan's chief advisor Yigit Bulut on state-run TV program.

https://twitter.com/abdbozkurt
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 2. Mär 2018, 18:35

Kardux hat geschrieben:(02 Mar 2018, 12:43)

Yigit Bulut, einer von Erdos geistreichen Chefberatern, hat sich wieder zu Wort gemeldet:

https://twitter.com/abdbozkurt

stöcke gesucht um nicht laut bellende hunde zu schlagen.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon tabernakel » So 11. Mär 2018, 10:00

Kardux hat geschrieben:(02 Mar 2018, 12:43) "Dogs of the Netherlands and Hitlers of Germany" have launched an organised and simultaneous attacks against #Turkey, says Turkish president #Erdogan's chief advisor Yigit Bulut on state-run TV program.https://twitter.com/abdbozkurt

Denke wir wären gut beraten unsere Streitkräfte schleunigst auf Vordermann zu bringen, ein Krieg mit der Türkei ist inzwischen nicht mehr auszuschließen. Das sind keine Parolen mehr, und das ist auch nicht mehr rein innenpolitisch motiviert. Das ist nichts anderes als Volksverhetzung um die eigene Bevölkerung auf einen Krieg mit der EU einzuschwören. Und wir sind in diesem Fall in der Position Frankreichs vor dem 2. Weltkrieg: Weder mental noch materiell adäquat auf den Ernstfall vorbereitet.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Tom Bombadil » So 11. Mär 2018, 17:28

Naja, bis Erdowahn in Deutschland oder Holland ist, muss er sich durch viele Staaten durchkämpfen und die Logistik wird auch immer schwieriger. Er dürfte wohl kaum über Griechenland hinauskommen, das Großmaul.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Kardux » So 11. Mär 2018, 19:05

tabernakel hat geschrieben:(11 Mar 2018, 10:00)

Denke wir wären gut beraten unsere Streitkräfte schleunigst auf Vordermann zu bringen, ein Krieg mit der Türkei ist inzwischen nicht mehr auszuschließen. Das sind keine Parolen mehr, und das ist auch nicht mehr rein innenpolitisch motiviert. Das ist nichts anderes als Volksverhetzung um die eigene Bevölkerung auf einen Krieg mit der EU einzuschwören. Und wir sind in diesem Fall in der Position Frankreichs vor dem 2. Weltkrieg: Weder mental noch materiell adäquat auf den Ernstfall vorbereitet.


Um ehrlich zu sein, kann ich die derzeitige Rhetorik der Türkei gar nicht einordnen. Fast täglich hagelt es Drohungen an die USA (!!). Manch einer erinnert sich wieder an die Reden von Khomeini.

Abgesehen davon droht er vielen Staaten offen und direkt. Erst gestern noch stellte Erdo in eine seiner Nazi-like-Veranstaltungen den Anspruch auf Mekka.

Und trotzdem sieht es hinter der Fassade anders aus. Ich meine Sie reden von Aufrüstung wegen der türkischen Bedrohung (die derzeit wieder den IS stärken).

Ich würde mal vorschlagen wenn Deutschland keine neuen Waffendeals mit der Türkei macht - das wäre ein Anfang.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon tabernakel » So 11. Mär 2018, 20:01

Kardux hat geschrieben:(11 Mar 2018, 19:05) Um ehrlich zu sein, kann ich die derzeitige Rhetorik der Türkei gar nicht einordnen. Fast täglich hagelt es Drohungen an die USA (!!). Manch einer erinnert sich wieder an die Reden von Khomeini. Abgesehen davon droht er vielen Staaten offen und direkt. Erst gestern noch stellte Erdo in eine seiner Nazi-like-Veranstaltungen den Anspruch auf Mekka.

Die Schulbücher in der Türkei handhaben die Grenzen des Landes doch seit Jahren bereits genauso fluide, kein Wunder dass sich da wieder die Idee eines Osmanischen Großreiches ausbreitet.

Kardux hat geschrieben:Und trotzdem sieht es hinter der Fassade anders aus. Ich meine Sie reden von Aufrüstung wegen der türkischen Bedrohung (die derzeit wieder den IS stärken). Ich würde mal vorschlagen wenn Deutschland keine neuen Waffendeals mit der Türkei macht - das wäre ein Anfang.

Tut es das wirklich, hinter den Fassaden? Woher wollen wir eigentlich wissen was in der Türkei hinter den Kulissen so abläuft? Und warum sollten wir riskieren wollen da falsch zu raten wenn das was vor den Kulissen abläuft stetig gruseliger wird? Zumal das aktuelle Gebaren und die Verbindung der Türkei mit dem IS durchaus auch den Schluss zuließe dass Erdogan den sunnitischen Alleinvertretungsanspruch und den Expansionsdrang des IS erben möchte.

Die Waffendeals mit der Türkei aus diesem Lande sind bereits zurecht eingefroren, von daher ist diese Maßnahme schon getroffen. Die nächste ist wohl die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr wieder so herzustellen dass wir was Handfestes zur Außenverteidigung der EU beitragen können, also z.B. dafür zu sorgen dass möglichst alle statt aktuell keines unserer 6 U-Boote im Ernstfall zeitnah auslaufen kann. Eigentlich müssten die aktuell nach Absprache mit den Griechen im Mittelmeer Präsenz zeigen. Neuanschaffungen sind eher ein Thema für die mittlere Zukunft, Erdogan lies erst vor wenigen Tagen in umstrittenen EU-Gewässern Flottenmanöver abhalten. Und falls da hinter den Kulissen ein Angriff geplant wird, vielleicht mit der Idee das Publikum vor den Kulissen mit dauernden Drohgebärden so lange einzulullen bis alle denken es passiere schon nix, dann wird Erdogan sicherlich nicht warten bis sich die EU neu eingedeckt hat, sondern den aktuellen Materialmangel ausnutzen wollen ...

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