EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

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Tom Bombadil
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Tom Bombadil » Di 13. Feb 2018, 13:37

Pakistani aus Libyen werden nicht von Erdogan abgehalten. Man darf sich von solchen Autokraten nicht erpressen lassen, dann nehmen wir die Flüchtlinge aus der Türkei eben temporär auf, man kann das ja auch pragmatischer tun, ohne den ganzen Integrationsbohei.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Do 15. Feb 2018, 09:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(13 Feb 2018, 13:37)

Pakistani aus Libyen werden nicht von Erdogan abgehalten. Man darf sich von solchen Autokraten nicht erpressen lassen, dann nehmen wir die Flüchtlinge aus der Türkei eben temporär auf, man kann das ja auch pragmatischer tun, ohne den ganzen Integrationsbohei.


Fast sämtliche Zuwanderer sind hier temporär für die kommenden Jahrzehnte, zugehöriges Bohei eingeschlossen. Oder haben Sie für deren Ausreise eine gesetzlich durchführbare Lösung? Rückführungen von ~2.000 Ausreisepflichtigen im Jahr sind weniger als an einem Tag in der EU ankommen. Muß man ganz einfach zur Kenntnis nehmen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Tom Bombadil » Do 15. Feb 2018, 18:41

H2O hat geschrieben:(15 Feb 2018, 09:00)

Muß man ganz einfach zur Kenntnis nehmen.

Die Kenntnis ist vorhanden, man muss so etwas aber nicht akzeptieren. Alles vom Menschen gemachte kann auch von Menschen geändert werden.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Do 15. Feb 2018, 19:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Feb 2018, 18:41)

Die Kenntnis ist vorhanden, man muss so etwas aber nicht akzeptieren. Alles vom Menschen gemachte kann auch von Menschen geändert werden.


Wer wollte Ihnen da widersprechen? An der Ecke zoffe ich mich gerade mit Dark Angel.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » So 18. Feb 2018, 22:22

„Die Lage der Demokratie, von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in der Türkei hat sich seit längerem verschlechtert. Deshalb wollen wir bei den Beitrittsverhandlungen keine Kapitel schließen und keine neuen öffnen.“


Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

Im Wahlkampf das sagen, was die Leute hören wollen, und danach anders handeln...

Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

Ein EU-Beitritt der Türkei ist scheinbar „alternativlos“.
Auch im Jahr 2018.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » So 18. Feb 2018, 22:43

Hyde hat geschrieben:(18 Feb 2018, 22:22)

Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

Im Wahlkampf das sagen, was die Leute hören wollen, und danach anders handeln...

Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

Ein EU-Beitritt der Türkei ist scheinbar „alternativlos“.
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Sag mal hinter welchem Busch lebst du denn:-))
Das ist deutsche Realpolitik. Politiker reden viel, aber die Wahrheit sieht anders aus. Komm mal aus deinem Wolkenkukucksheim herunter,
niedlich das es solche Typen noch gibt.
Du spielt bestimmt auch den Weihnachtsmann sehr gut!!:-))))
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » So 18. Feb 2018, 23:10

Hyde hat geschrieben:(18 Feb 2018, 22:22)

Das steht im Koalitionsvertrag.
Über sowas könnte ich wütend werden. Noch im Wahlkampf sagen BEIDE Parteien, dass sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen - wie kann man sich dann jetzt auf den „Kompromiss“ einigen, dass man die Beitrittsgespräche doch nicht abbricht, sondern nur unterbricht?

Im Wahlkampf das sagen, was die Leute hören wollen, und danach anders handeln...

Ich werde es nie verstehen, warum alle EU-Länder so ein Fetisch haben, die Türkei in der EU haben zu wollen. Selbst nach all den Entwicklungen der letzten Jahre gibt es nahezu keine Regierung in den EU-Mitgliedsstaaten, die dafür ist die Gespräche mit der Türkei abzubrechen.
Selbst Parteien, die einst gegen Beitrittsgespräche waren (z.B. CDU) wollen jetzt plötzlich nichts mehr davon wissen, selbst die sind mittlerweile gegen einen Abbruch der Gespräche, obwohl die Lage in der Türkei heute viel schlimmer ist als 2004.

Ein EU-Beitritt der Türkei ist scheinbar „alternativlos“.
Auch im Jahr 2018.


So einfach ist diese Angelegenheit wohl nicht. Der Koalitionsvertrag sagt, daß von deutscher Seite keine Anstrengungen mehr gemacht werden, neue Beitrittskapitel zu öffen, alte weiter zu verhandeln oder als erledigt zu schließen. Das heißt, das Ding liegt auf Eis. Wenn in Zukunft einmal Bedingungen vorliegen, die neue Verhandlungen möglich machen, dann kann vom erreichten Stand ausgehend der Beitrittsprozeß fortgesetzt werden. Mit anderen Worten: Mit der AKP-Regierung und Präsident Erdogan wird dort in Zukunft gar nichts laufen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 19. Feb 2018, 00:42

H2O hat geschrieben:(18 Feb 2018, 23:10)

So einfach ist diese Angelegenheit wohl nicht. Der Koalitionsvertrag sagt, daß von deutscher Seite keine Anstrengungen mehr gemacht werden, neue Beitrittskapitel zu öffen, alte weiter zu verhandeln oder als erledigt zu schließen. Das heißt, das Ding liegt auf Eis. Wenn in Zukunft einmal Bedingungen vorliegen, die neue Verhandlungen möglich machen, dann kann vom erreichten Stand ausgehend der Beitrittsprozeß fortgesetzt werden. Mit anderen Worten: Mit der AKP-Regierung und Präsident Erdogan wird dort in Zukunft gar nichts laufen.


Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » Mo 19. Feb 2018, 05:11

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 00:42)

Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.



Politiker halten sich oft alle Optionen offen, was sie sagen hat eine geringe verfallszeit. Ganz nach Adenauer, was schert mich was ich früher sagte.
Trotzdem wird die Türkei auf Jahre hinaus für die E.U Tabu sein.Als Mitgliedsanwärter.
Allerdings als Bündnispartner in der Nato kommt ein miteinander da schon einfacher. Rhein Metall stellt denen ne schöne Panzerfabrik hin und schon ist Erdowahn nicht mehr auf unsere Panzer angewiesen. Selbst ist der Sultan.Ich seh schon die Fotos Erdogan auf dem 1 . Türkisch produzierten Panzer. Noch windet sich die Regierung, aber Yücsel kam nicht umsonst frei.
Gut Wetter machen , heist jetzt Erdogans devise.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 19. Feb 2018, 09:12

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 00:42)

Ja, im Wahlkampf haben aber Merkel und Schulz beide gesagt, dass sie die Beitrittsverhandlungen abbrechen (nicht: einfrieren) wollen.

Und soll man jetzt erstmal abwarten, bis Erdogan im Jahr 2035 stirbt, und bis dahin den Status Quo erhalten? Das ist doch Schwachsinn.


Stimmt schon; aber in der EU finden die Deutschen Mitstreiter, die am selben Strick ziehen, leider aber auf der anderen Seite. :)

Wie lange die Türkei in diesem giftigen Rausch verharren wird... niemand weiß das heute. Bitte nie vergessen, daß ungefähr die Hälfte der Türken nicht für die AKP stimmt. Wenn die Wirtschaft der Türkei schwächelt, dann kann das rascher gehen, als unsereiner das glauben mag. Die AKP hat doch auch deshalb viele Mitläufer, weil sich in den Jahren 2.000 bis 2.010 die Wirtschaft der Türkei auch dank deutscher Mitwirkung und Investitionen prächtig entwickelt hatte. Und nun verspielt sie eben wieder diesen Vorteil. Leere Hotels, fehlende Investitionen, Flucht von Leistungsträgern.

Am ehrlichsten wäre es, wenn die Bundesregierung Geschäfte mit der Türkei nicht mehr absicherte. Auf eigenes Risiko werden nicht so sehr viele Unternehmer sich dort mit eigenem Vermögen aufstellen. Thema Rechtssicherheit... kann man sogar mit unschuldiger Miene sagen.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Hyde » Mo 19. Feb 2018, 12:46

H2O hat geschrieben:(19 Feb 2018, 09:12)

Stimmt schon; aber in der EU finden die Deutschen Mitstreiter, die am selben Strick ziehen, leider aber auf der anderen Seite. :)

Wie lange die Türkei in diesem giftigen Rausch verharren wird... niemand weiß das heute. Bitte nie vergessen, daß ungefähr die Hälfte der Türken nicht für die AKP stimmt. Wenn die Wirtschaft der Türkei schwächelt, dann kann das rascher gehen, als unsereiner das glauben mag. Die AKP hat doch auch deshalb viele Mitläufer, weil sich in den Jahren 2.000 bis 2.010 die Wirtschaft der Türkei auch dank deutscher Mitwirkung und Investitionen prächtig entwickelt hatte. Und nun verspielt sie eben wieder diesen Vorteil. Leere Hotels, fehlende Investitionen, Flucht von Leistungsträgern.


Nur dass eine Abwahl Erdogans umso unwahrscheinlicher wird, umso länger er an der Macht ist (und sich damit als „alternativlos“ inszenieren kann) und umso mehr die stetig ausgebaute staatliche Propaganda wirken kann. Umso mehr er Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Verwaltung, Militär, Bildung, Medien mit eigenen Getreuen besetzt.

Ich jedenfalls halte eine Abwahl Erdogans mittlerweile genauso unwahrscheinlich, wie eine Abwahl Putins in Russland. Erdogan wird 2019 den nächsten großen Sieg erringen.

In Russland hat der Wirtschafseinbruch auch nicht dazu geführt, dass Putin um seine Widerwahl fürchten muss. Im Notfall kompensieren solche Führer das dann, indem sie außenpolitisch „Stärke“ zeigen und nationalistische Gefühle bedienen (Siehe Ukraine oder Kurden in Syrien).
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Mo 19. Feb 2018, 13:26

Hyde hat geschrieben:(19 Feb 2018, 12:46)

Nur dass eine Abwahl Erdogans umso unwahrscheinlicher wird, umso länger er an der Macht ist (und sich damit als „alternativlos“ inszenieren kann) und umso mehr die stetig ausgebaute staatliche Propaganda wirken kann. Umso mehr er Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Verwaltung, Militär, Bildung, Medien mit eigenen Getreuen besetzt.

Ich jedenfalls halte eine Abwahl Erdogans mittlerweile genauso unwahrscheinlich, wie eine Abwahl Putins in Russland. Erdogan wird 2019 den nächsten großen Sieg erringen.

In Russland hat der Wirtschafseinbruch auch nicht dazu geführt, dass Putin um seine Widerwahl fürchten muss. Im Notfall kompensieren solche Führer das dann, indem sie außenpolitisch „Stärke“ zeigen und nationalistische Gefühle bedienen (Siehe Ukraine oder Kurden in Syrien).


Wir glauben immer wieder gern, daß eine militärische Lösung kurzfristig klare Verhältnisse schafft.
Sehen wir einmal "Faust auf den Tisch hauen" als militärische Maßnahme. Dann haut der Sultan mit seiner "osmanischen Faust" auf den Tisch... und derartiges Affentheater braucht kein Mensch. Da finde ich unsere weichen Machtmittel Wirtschaftskraft, Finanzkraft, know-how auf vielen Gebieten, wesentlich geeigneter... auch bei Präsident Putin, nicht nur bei Präsident Erdogan und Gefolgschaft. Da fließt kein Blut, da gibt es schlimmstenfalls Verstimmungen. Irgendwann reicht es den Menschen mit den nationalen Eitelkeiten. Die merken doch auch, daß ihr Land achteraus segelt. Aber das dauert... 20 bis 30 Jahre.

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