Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

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Wasteland
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mi 3. Aug 2016, 12:22

apartofme hat geschrieben:(01 Aug 2016, 05:36)

Ich persönlich denke ja, dass es die Zeugen Jehovas waren. Der Verein war mir noch nie ganz geheuer.


http://www.haaretz.com/middle-east-news/1.639994

Erdogan: "There might be other countries involved as well. The Gülenist Terrorist Organzation also has another superior mind, if you will, and I think the time will come, when these connections will be decyphered, we have to be patient. And those superior minds are guiding them." [1]


Erdogan hat nun offiziell zugegeben, dass die Türkei keine Beweise hat für die Verstrickung Gülens in den Coup und das sie auch keine vorlegen werden. Das sei nicht nötig, so in etwa, die USA sollen spuren wenn die Türkei das verlangt.
In einem Interview mit dem mexikanischen Fernsehen sagte er das.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mi 3. Aug 2016, 12:32

Kardux hat geschrieben:(01 Aug 2016, 08:56)
Das verstehe ich jetzt nicht. Du hast doch immerhin diesen Strang eröffnet der u.a. den Rassismus thematisieren soll. Was auch richtig ist. Und ich habe in diesem Forum auch schon so oft die Gründe für den Rassismus innerhalb der türkischen Gesellschaft so gut es ging erläutert. Es geht nicht darum die Türken zu dämonisieren. Während dem Osmanischen Reich hielten sie sich zumindest nicht für eine edle Herrenrasse, auch wenn sie damals andere Völker knechteten. Der überhöhte Rassismus hat wie du es treffend nochmal aufgezählt hast (Sevres- Syndrom) seine Gründe. Da sitzt ein Stachel sehr fest im türkischen Fleisch. Aber was habe ich denn so Abneigendes geschrieben das du mir Unsachlichkeit vorwirfst? Waren meine Aussagen zum Tiefen Staat nicht korrekt?


Unsachlich bist du noch nie gewesen, aber aus deinen Zwischentönen spricht schon eine Abneigung gegen den türkischen Staat. Was aus deiner Perspektive ja auch verständlich ist.

Kardux hat geschrieben:(01 Aug 2016, 08:56)
Ich habe immer vom Ziel einer friedlichen Koexistenz auf einer Augenhöhe gesprochen. Von einer demokratischen Türkei profitieren nicht nur die Türken, sondern der gesamte Nahe Osten aber auch der Balkan. Was gerade in der Türkei geschieht ist ein sehr großer Rückschritt für den Nahen Osten, die muslimische Welt. Die Türkei war quasi das einzige Land wo es noch einen Funken von Rechtstaatlichkeit gab. Die Gewaltenteilung wurde zumindest aufrechterhalten. Davon entfernt sich die Türkei jedoch gerade. Und gleichzeitig demotiviert es demokratische Kräfte in anderen muslimischen Ländern.



Ich glaube, es bricht sich gerade in der Türkei etwas Bahn, das die wirkliche Stimmung im Großteil des Volkes widerspiegelt und vorher unterdrückt war. Extremer Nationalismus, Verschwörungsdenken und Überlegenheitsdünkel.
Aber solche Tendenzen müssen raus, erst dann können sie thematisiert werden. Wie überall wird auch die Türkei mit solchem Denken eine Bauchlandung machen und dann erst kann ein Umdenken beginnen.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Cat with a whip » Mi 3. Aug 2016, 13:46

Wasteland hat geschrieben:(01 Aug 2016, 00:52)

Ich kann das nicht beurteilen, aber es macht durchaus Sinn das Gülen dahinter steht. Die eine Mafia bekämpft die andere. Wer soll es sonst gewesen sein?
Der Zionismus wurde ja diesmal ausnahmsweise nicht als Strippenzieher benannt, oder irre ich mich da?


Das ist ein gutes Bild von zwei konkurrierenden Mafias zu sprechen, die die Politik unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Apropos Mafia, las gerade im Tagesspiegel dass Italien gegen Erdogans Sohn Bilal wegen Geldwäsche ermittelt.

Für die Kuriositätensammlung aus dem Hause Erdogan:
„Wenn mein Sohn heute nach Italien zurückkehren würde, könnte er festgenommen werden“, zitierten italienische Medien Erdogan am Dienstag. Das könne sogar die Beziehungen beider Länder gefährden. Italien möge sich lieber um die Mafia kümmern, sagte Erdogan.
http://www.tagesspiegel.de/politik/vorw ... 62242.html

Eigentlich extrem peinlich wenn sich jemand so geriert wie es vielleicht gemeinen Waschweiber aus der Unterstand oder einer Cindy aus Mahrzahn aus der Gosse zustünde. Da reagiert doch ein echter Staatsmann eher gelassen und zurückhaltend, wenn eh nix dran wäre. Aber nein, das ist ja nur wieder ein Beispiel der Ungerechtigkeit gegen die armen Erdogans. Welche euopäischen Länder fehlen eigentlich die sich noch nicht gegen Erdogan verschworen haben?
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mi 3. Aug 2016, 14:09

Cat with a whip hat geschrieben:(03 Aug 2016, 14:46)

Das ist ein gutes Bild von zwei konkurrierenden Mafias zu sprechen, die die Politik unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Apropos Mafia, las gerade im Tagesspiegel dass Italien gegen Erdogans Sohn Bilal wegen Geldwäsche ermittelt.

Für die Kuriositätensammlung aus dem Hause Erdogan:
„Wenn mein Sohn heute nach Italien zurückkehren würde, könnte er festgenommen werden“, zitierten italienische Medien Erdogan am Dienstag. Das könne sogar die Beziehungen beider Länder gefährden. Italien möge sich lieber um die Mafia kümmern, sagte Erdogan.
http://www.tagesspiegel.de/politik/vorw ... 62242.html

Eigentlich extrem peinlich wenn sich jemand so geriert wie es vielleicht gemeinen Waschweiber aus der Unterstand oder einer Cindy aus Mahrzahn aus der Gosse zustünde. Da reagiert doch ein echter Staatsmann eher gelassen und zurückhaltend, wenn eh nix dran wäre. Aber nein, das ist ja nur wieder ein Beispiel der Ungerechtigkeit gegen die armen Erdogans. Welche euopäischen Länder fehlen eigentlich die sich noch nicht gegen Erdogan verschworen haben?


Es ist ja nicht nur Europa, es ist die ganze Welt. Die ganze Welt lügt über die Türkei und Erdogan und will sie alle verunglimpfen und kleinhalten. :|
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mi 3. Aug 2016, 14:58

Da ist es wieder. Laut Erdogans Berater Ibrahim Karagül, steckt der Westen dahinter und das Gülen-Netzwerk ist sein Handlanger.

They were the gunmen of the West's plan to end and destroy Turkey through a military coup.


http://www.yenisafak.com/en/columns/ibr ... it-2030888

Da stellt sich dann die Frage warum Erdogan mit Gülen bis 2013 eng verbündet war.
Erdogan verbündet sich mit Handlangern des Westens? Macht keinen Sinn.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Kardux » Mi 3. Aug 2016, 18:34

Wasteland hat geschrieben:Unsachlich bist du noch nie gewesen, aber aus deinen Zwischentönen spricht schon eine Abneigung gegen den türkischen Staat. Was aus deiner Perspektive ja auch verständlich ist.


Ich habe eine Abneigung gegenüber Rassismus, das stimmt. Und genau dieser Rassismus ist ein Bestandteil der türkischen Staatsdoktrin. Aber ich hege keine Abneigung gegen das türkische Volk, auch wenn sie nicht ganz unschuldig sind am Festhalten dieser Staatsdoktrin. Grenzen und Staatsausrichtungen waren und sind stets veränderbar, aber sofern man kein Genozidbefürworter ist (was ich nicht bin!) muss man nach Wegen und Lösungen suchen für eine friedliche Koexistenz. Ich glaube an den Wandel der türkischen Gesellschaft - nichts anderes bleibt mir auch übrig.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon apartofme » Do 4. Aug 2016, 06:48

Kardux hat geschrieben:(03 Aug 2016, 00:35)

Politisches Kapital? Woraus? Etwa das Millionen Kurden in den Westen der Türkei oder nach Europa geflohen sind? Das Jahr für Jahr immer mehr Kurden assimiliert werden? In den 90er Jahren sind zehntausende Menschen in Kurdistan spurlos verschwunden oder wurden auf offener Strasse ermordet, das sind Tatsachen. Die Menschen wurden eingeschüchtert. Was für ein Kapital soll man daraus schlagen? Das Bestreben nach kurdischem Selbstbestimmungsrecht gab es schon seit dem 19. Jahrhundert, es benötigt keiner Menschenopfer um Kapital daraus zu schlagen.

Welche Zivilgesellschaft? Das müssen Sie jetzt erklären. Von welcher Zivilgesellschaft ist hier die Rede? Die Türkei befand sich ein paar Jahre auf einem guten Weg, aber Erdogan war nicht bereit den Konflikt langfristig zu lösen. Es läuft nämlich auf eine Dezentralisierung hinaus. Das akzeptiert diese türkische "Zivilgesellschaft" nicht. Weshalb wurde auch die Immunität von fast allen kurdischen MPs der HDP aufgehoben? Weshalb haben der Teile der CHP (rechter Flügel), die MHP, und die AKP da an einem Strang gezogen? In der Kurdenfrage ist man sich einig. Als der politische Prozess in Gang war, hat die AKP die Handbremse gezogen. Nicht die Kurden behindern die Entwicklung einer Zivilgesellschaft. Nicht die Kurden dämonisieren und entwürdigen das Leitvolk. Umgekehrt ist dies der Fall.

Vielleicht erkläre ich wirklich zunächst einmal, warum ich das ganze für so akut halte und was genau ich meine.

Verschwörungstheorien konstatieren, dass der politische Gegner

(1) Übermächtig ist,
(2) Aus dem Verborgenen heraus agiert, sowie
(3) In Zahl und Stärke unbekannt ist und daher
(4) Mit politischen Mitteln nicht zu bekämpfen ist

Darüber hinaus gibt es Verschwörungstheorien, die

(1) die offiziellen politischen Vertreter von gegenteiligen politischen Positionen als Marionetten einer Schattenregierung und daher nicht als Angriffspunkte für den politischen Wandel sehen und den politischen Prozess daher für eine Farce halten oder
(2) Organisationen als von undurchschaubaren Netzwerken durchdrungen betrachten, die die Unterscheidung zwischen Schuldigen und Unschuldigen innerhalb dieser Organisation unmöglich machen und daher massive Willkürmaßnahmen gegen diese Organisationen rechtfertigen

Das ist es, was ich hier mit politischem Kapital meine. Radikale Elemente können aus dem Verschwörungsglauben weiter Teile der türkischen Bevölkerung politisches Kapital schlagen. Das gilt für die derzeitige politische Regierung, das gilt für die MHP, aber das gilt auch für die PKK. Der Verschwörungsglaube ist es hier, der die Illusion herstellt, zivilgesellschaftliches Bemühen sei nutzlos und nur der gewaltsame Widerstand könnte zur Überwindung der politischen Verhältnisse führen.

Und das ist die Gefahr.

Zum Tiefen Staat in der Türkei zählen der JITEM, die Spezialeinheiten, diverse Armee- Generäle, PKK- Abschwörer, Hizbollah- Anhänger, und türkische Rechtsextreme. Speziell der JITEM ist hier hervor zu heben. Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten das es keinen JITEM gab/gibt? Offiziell gab es ihn nicht. Und genau das macht einen "Tiefen Staat" aus.

Dass es den JITEM gibt, leugne ich nicht. Es wurde ja auch mehr oder weniger versucht, ihn formalrechtlich zu institutionalisieren. Was ich allerdings leugne, ist, dass Armee-Generäle, PKK-Abschwörer, Hizbollah-Anhänger und türkische Rechtsextreme eine Verschwörung bilden, die im Hintergrund der Türkei einen Parallelstaat errichtet haben, der eigene konspirative Ziele verfolgt.

Der Tiefe Staat in der Türkei wird nicht einmal von Türken geleugnet, also ich weiß echt nicht woraus Sie hinaus wollen...

Natürlich wird der Tiefe Staat nicht einmal von Türken geleugnet. Merkwürdigerweise projizieren Türken, die an dieses Konzept glauben, in diesen Tiefen Staat aber zumeist genau das, was ihrer eigenen politischen Überzeugung zuwider läuft. Schon allein das sollte wenigstens ein kleines Indiz für den wahnhaften Charakter dieses Volksglaubens sein.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon apartofme » Do 4. Aug 2016, 07:33

Kardux hat geschrieben:Die Türkei befand sich ein paar Jahre auf einem guten Weg, aber Erdogan war nicht bereit den Konflikt langfristig zu lösen. Es läuft nämlich auf eine Dezentralisierung hinaus. Das akzeptiert diese türkische "Zivilgesellschaft" nicht. Weshalb wurde auch die Immunität von fast allen kurdischen MPs der HDP aufgehoben?

Hierzu nochmal eine kleine Bemerkung. Die türkische Regierung glaubt, dass der Kurdenkonflikt von westlichen (sprich: jüdischen) Mächten genutzt wird, um die Türkei zu destabilisieren. Das ist auch der Grund, weshalb sich die türkische Regierung auf einen Friedensprozess nicht mehr einlässt: Weil der einzige Weg, die jüdische Weltverschwörung loszuwerden die Vernichtung der Juden ist. Und derer kann der Erdogan ja nicht habhaft werden, weil sie in den USA und in Israel sitzen.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Kardux » Do 4. Aug 2016, 10:42

apartofme hat geschrieben:Natürlich wird der Tiefe Staat nicht einmal von Türken geleugnet. Merkwürdigerweise projizieren Türken, die an dieses Konzept glauben, in diesen Tiefen Staat aber zumeist genau das, was ihrer eigenen politischen Überzeugung zuwider läuft. Schon allein das sollte wenigstens ein kleines Indiz für den wahnhaften Charakter dieses Volksglaubens sein.


Vielleicht reden wir ja aneinander vorbei, aber ich spreche nicht von dem "Tiefen Staat" der, wie es die Türken gerne sehen, von äußeren Mächten geleitet wird. Unterstützung beim Aufbau ihrer Konterguerilla gab es zwar schon von der Nato (Stichwort: Gladio) aber es geht primär um türkisch-nationale Interessen. Die Türkei hatte einen sehr großen Stellenwert für die Nato während des Kalten Krieges und das hat die Türkei gekonnt für sich ausgenutzt. Bis zum heutigen Tag ist es noch nicht ganz genau geklärt weshalb sich die kurdische Freiheitsbewegung in der Türkei so sehr am Kommunismus orientiert hat und das in den späten 70er Jahren (also dem Höhepunkt des Kalten Krieges). Als die Kurden im Irak ab den späten 50er Jahren wieder die kurdische Karte ins Spiel brachten wurden auch die Kurden in der Türkei inspiriert. Hierbei handelte es sich noch um eine Mischung aus einer links-orientierten Intelligentsia und einflussreichen patriotischen Stammesführern. Von einer marxistischen kurdischen Massenpartei war keine Rede. Der Fokus der Kurden im Irak lag auf die Ausübung ihrer Sprache und Kultur aber auch einer politischen Selbstbestimmung in einem schwachen Irak der von politischen Umstürzen gezeichnet war (König Faisal I, König Faisal II, Abdulkareem Qasim, usw.). In den 60er Jahren gab es dazu auch in der Türkei Tendenzen, jedoch nicht was die Selbstbestimmung betrifft. Man unternahm lediglich den Versuch die kurdische Identität am Leben zu halten. Das war natürlich Horrorszenario für die Türkei - wohin das Aufkeimen eines kurdischen Volksbewusstsein führen sollte war ihnen bewusst. Man hatte schon während des Osmanischen Reiches Erfahrungen damit gemacht. Interessant ist hier dann das Erstarken der türkischen Dev-Genc, einer marxistisch-leninistischen Jugendbewegung in den 60er Jahren - der Vorgängerbewegung aller extremen linken Strömungen in der Türkei (darunter auch die PKK). Die Rolle von "linken" Türken wie Dogu Perincek, innerhalb der Dev-Genc und ihrer späteren Splitterung ist hierbei interessant. Perincek entpuppte sich im Laufe der Zeit dann als türkischer Nationalist und war laut türkischer Justiz ebenfalls ein Teil der Ergenekon- Truppe. Auch interessant sind die Beziehungen zwischen Öcalan und dem MIT die es schon in den 60er Jahren gab. Sein Schwiegervater war sogar ein MIT- Offizier. Der türkische Enthüllungsjournalist Ugur Mumcu (der unter mysteriösen Umständen starb) als auch der Kurde Kemal Burkay griffen dieses Thema immer wieder auf. Alles an den Haaren herbei gezogen? In dem Kontext muss man sich dann betrachten wie die PKK in den Anfangsjahren aufgetreten ist.

1. Man stoss die tribalistische kurdische Landbevölkerung vor den Kopf mit ihrem linken Atheismus und der Forderung Töchter für den Kampf bereit zu stellen.
2. Die Verkehrssprache der PKK war Türkisch, man dachte auch auf Türkisch. Von einer kurdisch- nationalen Bewegung, die ja eigentlich notwendig war, war keine Rede. Auch wenn das Ziel eine kurdisch-sozialistische Republik war, standen stets der Kosmopolitismus und der Kampf gegen den internationalen Kapitalismus auf der Agenda.
3. Anders als die kurdischen Freiheitsbewegungen im Irak und im Iran setzte die PKK auf Terrorismus. Zivilisten und Unschuldige wurden angegriffen und somit spaltete man das kurdische Volk. Teile des kurdischen Volkes profitierten eben vom Staat und waren ihm gegenüber loyal. Das gab es auch im Irak und Iran, aber die kurdischen Parteien dort gingen nicht so rigoros gegen die Familien derer vor die mit der Zentralregierung paktierten. Ein fataler Fehler, der sich bis heute bemerkbar macht.
4. Die PKK griff andere marginale kurdische Parteien an, bevorzugt natürlich solche die kurdischen Nationalismus verkörperten. Man entledigte sich somit der "Konkurrenz" bzw. liess keine Parteien am Leben welche die Anwendung der kurdischen Sprache und Kultur fokusierten. Stattdessen sprachen PKK-Kader auf Türkisch von Kurdistan, Stalin, Lenin, usw.
5. PKK-Kämpfer wurden für den israelisch- palästinensischen Konflikt verheizt und somit zog man den Fokus Israels auf sich.

Das sich danach innerhalb der PKK eine Eigendynamik entwickelt hat ist nicht weiter verwunderlich, aber bis heute noch kommt es einem so vor das innerhalb der PKK Fremdkörper existieren. Die Ermordung von Sakine Cansiz in Paris sollte hierbei unter Betracht gezogen werden.

Was ich damit sagen möchte ist das die kurdische Bewegung ins linke Lager gedrängt wurde und so entwickelte sich die Kriminalisierung der kurdischen Freiheitsbewegung. Die Mehrheit der Türken weisen auch immer auf die Themen Stalinismus, Terrorismus, usw. hin wenn es darum geht den kurdisch-türkischen Konflikt zu analysieren. Es soll den Kolonialismus Kurdistans rechtfertigen, speziell im Westen. Das hat auch ziemlich gut funktioniert, sogar bis heute. Wenn Türken vor kurdischem Publikum reden müssen, dann wird die PKK als Armenierbande oder Yezidenbande hingestellt. Damit möchte man beweisen das wahre Kurden gar nicht gegen den türkischen Staat vorgehen könnten. Die PKK hat ihnen dazu natürlich auch viel Futter gegeben, zumindest in den Anfangsjahren. Also während die Türkei von der Nato ausgenutzt wurde im Kampf gegen den Kommunismus brachte man die Kurden mit ans "Boot". Der Tiefe Staat wurde niemals von Außen dirigiert, er handelte stets nach den Interessen der türkischen Leitkultur, aber verdeckt.

apartofme hat geschrieben:Darüber hinaus gibt es Verschwörungstheorien, die

(1) die offiziellen politischen Vertreter von gegenteiligen politischen Positionen als Marionetten einer Schattenregierung und daher nicht als Angriffspunkte für den politischen Wandel sehen und den politischen Prozess daher für eine Farce halten oder
(2) Organisationen als von undurchschaubaren Netzwerken durchdrungen betrachten, die die Unterscheidung zwischen Schuldigen und Unschuldigen innerhalb dieser Organisation unmöglich machen und daher massive Willkürmaßnahmen gegen diese Organisationen rechtfertigen


Der Tiefe Staat der Türkei in den 90er Jahren beispielsweise konnte nicht ohne das Einverständnis der Premierministerin Tansu Ciller agieren. Ciller war keine Marionette dieser Schattenregierung, der Tiefe Staat war/ist auch keine Regierung, sondern lediglich eine dubiose Struktur innerhalb des Staates um sich der lästigen Bürokratie zu entziehen. Man wollte immerhin eine Rechtsstaatlichkeit aufrechterhalten. Wenn man Leute wie Mehmet Agar, Cem Ersever, und Veli Kücük nicht aktiviert hätte, so hätte sich der türkische Staat offiziell gegen die Kurden richten müssen was wiederum dem Versuch eines geplanten Völkermordes gleich kam.

apartofme hat geschrieben:Dass es den JITEM gibt, leugne ich nicht. Es wurde ja auch mehr oder weniger versucht, ihn formalrechtlich zu institutionalisieren. Was ich allerdings leugne, ist, dass Armee-Generäle, PKK-Abschwörer, Hizbollah-Anhänger und türkische Rechtsextreme eine Verschwörung bilden, die im Hintergrund der Türkei einen Parallelstaat errichtet haben, der eigene konspirative Ziele verfolgt.


1. Die Existenz des JITEM obwohl es diesen offiziell nicht geben darf, ist schon ein Beweis dafür das hinter den Kulissen etwas stattfindet.
2. Veli Kücük hat diesen JITEM aufgebaut, ein pensionierter Brigadegeneral.
3. Der Vorfall in Shemdîn als zwei Gendamerie-Polizisten und ein PKK-Abschwörer (Veysel Ates) Handgranaten in einen Buchladen warfen und dann von Zivilisten gestellt wurden ist ein eindeutiger Beweis für die Verstrickungen zwischen PKK-Abschwörern und dem JITEM
4. Die "kurdische" Hizbollah war ein Instrument der Regierung und war niemals eine unabhängige Bewegung. Die Nachfolger dieser Islamisten wurden dann während den letzten Parlamentswahlen wieder aktiviert um Unruhe im HDP- Südosten zu erzeugen und Angst zu schüren. Was ja in den Neuwahlen gut geklappt hat.
5. Zu den türkischen Rechtsextremen brauch ich wohl nicht viel sagen. Man nehme als Beispiel nur den Mörder von Hrant Dink. Recherchieren dürfen Sie hier selber.

Lange Rede kurzer Sinn, der Tiefe Staat versucht nicht, wie es die AKP behauptet, einen Parallelstaat aufzubauen. Es geht einzig und allein um eine asymetrische Kriegsführung. Man entledigt sich seiner Feinde auf eine schnelle und kompromislose Art und Weise - ohne langes hin und her und bürokratischem Papierkram. Die Angriffe der armenischen ASALA auf türkische Diplomaten haben hierzu beigetragen. Nichtsdestotrotz ist das Hauptanliegen des Derin Devlet, die asymetrische Kriegsführung gegen das kurdische Volk - dem einzig verbliebenen inneren Feind der türkischen Leitkultur.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon HugoBettauer » Do 4. Aug 2016, 15:15

apartofme hat geschrieben:(04 Aug 2016, 08:33)

Hierzu nochmal eine kleine Bemerkung. Die türkische Regierung glaubt, dass der Kurdenkonflikt von westlichen (sprich: jüdischen) Mächten genutzt wird, um die Türkei zu destabilisieren. Das ist auch der Grund, weshalb sich die türkische Regierung auf einen Friedensprozess nicht mehr einlässt: Weil der einzige Weg, die jüdische Weltverschwörung loszuwerden die Vernichtung der Juden ist. Und derer kann der Erdogan ja nicht habhaft werden, weil sie in den USA und in Israel sitzen.

Die rund 26.000 türkischen Juden genießen seit den 20er Jahren umfassende Minderheitenrechte.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon apartofme » Do 4. Aug 2016, 20:37

HugoBettauer hat geschrieben:(04 Aug 2016, 16:15)

Die rund 26.000 türkischen Juden genießen seit den 20er Jahren umfassende Minderheitenrechte.

Ich hab' mal freiwillig in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gearbeitet. Dort lernte ich Yuri kennen, vom Sicherheitsdienst. Yuri war Deutschrusse und erzählte mir, er habe früher immer Russen verprügelt, wenn sie sagten, er sei ein Nazi. Später, als er nach Deutschland kam, hat er angefangen, Deutsche zu verprügeln, die sagten, er sei ein Russe.

Yuri war auch mal in Afghanistan und hat dort für die Russen gekämpft. Gegen die Mujehedin. Seinen Orden hat er mir auch gezeigt. Und einem afghanischen Flüchtling, der selbst mal bei den Mujahedin war. "Ich habe gegen euch gekämpft", prahlte er, "Und getroffen".

Im großen Speisesaal erzählte er mir dann, was er über die Flüchtlinge denkt. 50% der Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, wären Terroristen. Ich sah mich dann so vorsichtig um und flüsterte leise: "Meinst du wirklich, also, die alle?" - "Nein, nein", sagte Yuri. Bei unseren Flüchtlingen sind keine Terroristen dabei, aber generell, ja, das glaube ich schon."

Naja. Wie auch immer. Deine Zahlen stimmen ja auch nicht und sind mal eben um ein gutes Viertel getürkt. Etwa 18.500 Juden sind es noch in der Türkei. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 20.000, vor 70 Jahren noch 80.000. An mancher Stelle munkelt man, die bösen unter ihnen wären schon ausgewandert, an anderer Stelle hört man verlauten, die Juden wären für das Grubenunglück 2014 verantwortlich.

Es ist natürlich richtig, dass die Türkische Regierung ihre Minderheiten schützt. Auch vor Hetze. Selbst nach der Enterung der Mavi Marmara. Genau so, wie Yuri natürlich auch unsere lieben Flüchtlinge gegen Nazis beschützen würde. Das macht er gerne, der Yuri.

:)
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Kardux » Do 4. Aug 2016, 21:31

HugoBettauer hat geschrieben:(04 Aug 2016, 16:15)

Die rund 26.000 türkischen Juden genießen seit den 20er Jahren umfassende Minderheitenrechte.


Und täglich grüßt das Murmeltier:
Judenhass hat türkischen Schulunterricht erreicht
Judenhass ist in der Türkei ein Alltagsphänomen geworden. Obwohl ich in Izmir, der demokratischsten Stadt der Türkei, wohne, wächst auch hier der Antisemitismus. Überall treffe ich auf Judenhasser und Feinde Israels, lausche ihren Vorurteilen auf der täglichen Busfahrt oder beim Besuch eines populären Fast-Food-Restaurants.

Nicht wenige von ihnen bewundern Hitler, wünschen sich, er hätte seine "Mission" zu Ende gebracht und nicht bei sechs Millionen ermordeter Juden aufgehört. Obwohl es mich anwidert, kann ich nichts dagegen unternehmen. Ich gehöre zu einer Minderheit in diesem Land und weiß, dass der Staat meine Rechte nicht schützen will und nicht schützen wird, weshalb es keine gute Idee wäre, darauf zu reagieren.

Ich besuche die zwölfte Klasse eines Gymnasiums. Um hier zu lernen, muss man eine Eintrittsprüfung bestehen. Die Lehrer sind deshalb ausgesprochen gebildet und anständig. Dieses Umfeld hebt sich von der türkischen Gesellschaft positiv ab. Dennoch musste ich diese Woche feststellen, dass sich selbst in diesem Umfeld etwas verändert hat.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article112151074/Judenhass-hat-tuerkischen-Schulunterricht-erreicht.html

„In der Türkei existiert heute Antisemitismus. Wer dies verleugnet, der lügt“, sagt der Chefredakteur der türkisch-jüdischen Zeitung Salom und Berater des Chef-Rabbiners der Türkei, Ivo Molinas im Gespräch in einem schicken Café in Nisantasi, einem der säkular-modernen und edlen Vierteln Istanbuls. „Alles was ihnen zuwider ist, Musik, Kunst oder eine Lebensart wird „zur jüdischen Musik, jüdischen Kunst“ gemacht. Es findet eine Dämonisierung statt“, erzählt Molinas weiter.

Die türkische Regierung schaut tatenlos zu, wie ihre eigenen jüdischen Staatsbürger von Popstars, regierungsnahen Journalisten und Twitter-Usern für den Israelisch-Palästinensischen Konflikt, für kritischen Journalismus und sogar den PKK-Terror angefeindet werden.

http://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-der-tuerkei-hass-gegen-juden-allah-soll-hitler-segnen/12497310.html

Weshalb heute nur mehr so wenige Juden in der Türkei leben sollte wohl auch nicht weiter hinterfragt werden, oder?
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Marmelada » So 7. Aug 2016, 10:07

Spam entfernt.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon HugoBettauer » So 7. Aug 2016, 10:17

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Solche Geisteshaltung lebt von realen politischen Frontstellungen gestern und heute und von einem starken Nationalismus. Dagegen hilft nur, kein Nationalist zu sein. Den Nationalismus auszutauschen und antitürkischer Fan eines Kurdenstaates zu sein hilft nicht. Natürlich könnte auch Ausland Druck aus Kessel nehmen aber wie real ist der?
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Jekyll » So 7. Aug 2016, 12:20

Kardux hat geschrieben:(04 Aug 2016, 22:31)

Und täglich grüßt das Murmeltier:
Na, immerhin werden sie nicht vertrieben wie so manche unliebsame Ethnien im Norden Iraks oder Syriens.

Weshalb heute nur mehr so wenige Juden in der Türkei leben sollte wohl auch nicht weiter hinterfragt werden, oder?
Der Hauptgrund dürfte die Gründung des Staates Israel sein. Und die USA übte schon immer eine Anziehungskraft auf Minderheiten aus aller Welt aus (in den USA leben etwa genau so viel Juden wie in Israel). So rosig wie die Zustände in den Herkunftsländern auch sein mögen, mit denen in den USA kann es kein Land der Erde aufnehmen. Das kann man, glaube ich, neidlos anerkennen.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon JJazzGold » Mo 8. Aug 2016, 10:20

À propos Verschwörungsmentalität in der Türkei.

Angeblich wurde laut Erdogan in Deutschland die Video-Zuschaltung von PKK Protagonisten gestattet, in Köln. Da mir nur bekannt ist, dass die PKK in Deutschland als terroristische Organisation geführt wird und mir keine solche Zuschaltung bekannt ist, meine Fragen an die hier versammelten Erdogantürkeispezialisten. Wann und wo wurde welcher PKK Vertreter bei welcher Veranstaltung in Köln per Video zugeschaltet, um eine Rede an wen gerichtet zu halten?


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Deutschland bei einer Großkundgebung heftig attackiert. Er kritisierte, dass er sich bei der türkischen Kundgebung in Köln am Sonntag vor einer Woche nicht per Videoleinwand zuschalten durfte. „Wo ist die Demokratie?“, fragte er. Den deutschen Behörden warf er vor, bei einer früheren Veranstaltung in Köln eine Videoschalte der PKK zugelassen zu haben. „Sollen sie die Terroristen nur ernähren“ , sagte er. „Wie ein Bumerang wird es sie treffen.“

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 76790.html

Wie ein Bumerang soll uns der Terrorismus treffen, von dem mir noch nicht einmal bekannt ist, wann dieser PKK Terrorismus angeblich durch Videozuschaltung von uns "genährt" wurde. Nur gut, dass Erdogan ein Handelspartner ist und kein Freund und sich selbst auch nicht als solcher betrachtet, ansonsten sähe ich mich gezwungen festzustellen, "wer solche Freunde hat, benötigt keine Feinde mehr".
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mo 8. Aug 2016, 11:57

JJazzGold hat geschrieben:(08 Aug 2016, 11:20)

À propos Verschwörungsmentalität in der Türkei.

Angeblich wurde laut Erdogan in Deutschland die Video-Zuschaltung von PKK Protagonisten gestattet, in Köln. Da mir nur bekannt ist, dass die PKK in Deutschland als terroristische Organisation geführt wird und mir keine solche Zuschaltung bekannt ist, meine Fragen an die hier versammelten Erdogantürkeispezialisten. Wann und wo wurde welcher PKK Vertreter bei welcher Veranstaltung in Köln per Video zugeschaltet, um eine Rede an wen gerichtet zu halten?


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Deutschland bei einer Großkundgebung heftig attackiert. Er kritisierte, dass er sich bei der türkischen Kundgebung in Köln am Sonntag vor einer Woche nicht per Videoleinwand zuschalten durfte. „Wo ist die Demokratie?“, fragte er. Den deutschen Behörden warf er vor, bei einer früheren Veranstaltung in Köln eine Videoschalte der PKK zugelassen zu haben. „Sollen sie die Terroristen nur ernähren“ , sagte er. „Wie ein Bumerang wird es sie treffen.“

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 76790.html

Wie ein Bumerang soll uns der Terrorismus treffen, von dem mir noch nicht einmal bekannt ist, wann dieser PKK Terrorismus angeblich durch Videozuschaltung von uns "genährt" wurde. Nur gut, dass Erdogan ein Handelspartner ist und kein Freund und sich selbst auch nicht als solcher betrachtet, ansonsten sähe ich mich gezwungen festzustellen, "wer solche Freunde hat, benötigt keine Feinde mehr".



Hier:

http://www.nachrichtenxpress.com/07/201 ... t-erlaubt/

Diese Seite, Nex, ist übrigens ein ziemliches Propagandasprachrohr Erdogans unter Deutsch-Türken. Sowas wie RussiaToday.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon JJazzGold » Mo 8. Aug 2016, 12:16

Wasteland hat geschrieben:(08 Aug 2016, 12:57)

Hier:

http://www.nachrichtenxpress.com/07/201 ... t-erlaubt/

Diese Seite, Nex, ist übrigens ein ziemliches Propagandasprachrohr Erdogans unter Deutsch-Türken. Sowas wie RussiaToday.


Danke Dir, nachdem ich jetzt einen Namen habe, bin ich auch beim Münchner Merkur fündig geworden.
Mir ist es nicht verständlich, dass einem PKK Führer in Deutschland eine Videoübertragung gestattet wurde, selbst wenn es im Rahmen eines Kulturfestivals geschah. Das ist doch ein eklatanter Widerspruch zu der Einordnung der PKK als terroristische Organisation in Deutschland.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon Wasteland » Mo 8. Aug 2016, 13:35

JJazzGold hat geschrieben:(08 Aug 2016, 13:16)

Danke Dir, nachdem ich jetzt einen Namen habe, bin ich auch beim Münchner Merkur fündig geworden.
Mir ist es nicht verständlich, dass einem PKK Führer in Deutschland eine Videoübertragung gestattet wurde, selbst wenn es im Rahmen eines Kulturfestivals geschah. Das ist doch ein eklatanter Widerspruch zu der Einordnung der PKK als terroristische Organisation in Deutschland.


Ich habe keine Ahnung wie das gerechtfertigt wurde. Vielleicht Ahnungslosigkeit? Oder die Veranstalter haben nicht offengelegt wer da sprechen wird.
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Re: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit & Verschwörungsmentalität in der Türkei

Beitragvon JJazzGold » Mo 8. Aug 2016, 14:17

Wasteland hat geschrieben:(08 Aug 2016, 14:35)

Ich habe keine Ahnung wie das gerechtfertigt wurde. Vielleicht Ahnungslosigkeit? Oder die Veranstalter haben nicht offengelegt wer da sprechen wird.


Ich habe kurz einige Verfassungsschutzberichte NRW überflogen, aber dort wird die Videoansprache entweder nicht erwähnt, oder ich habe sie nicht gefunden. Nur die Veranstaltung in Straßburg, zu der er ebenfalls zugeschaltet war, war im Verfassungsschutzbericht BW erwähnt. Eigenartig. Vor fünf Jahren, das war 2011, da war, wenn ich mich richtig erinnere, von Entspannung und Friedensprozess noch nichts in Sicht. Das kann also nicht der Grund gewesen sein.

Bleibt uns nur die Spekulation.
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