Ist die Türkei noch eine Demokratie?

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Adam Smith
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Adam Smith » So 6. Nov 2016, 14:31

Hans Albers hat geschrieben:(06 Nov 2016, 14:23)

Sie werden sehen, was passiert, wenn der "Flüchtlingsdeal" aufgelöst wird: Was dann sein wird, das wird nichts Schönes sein. Die Zustände in Griechenland sind schon jetzt unter aller Sau. - Und der Balkan wird platzen vor Flüchtlingen, Soldaten und Polizei und Gewalt.
sicher wird jetzt der Deal aufgelöst werden von Erdogan. - Die Durchführung in der Türkei ist sowieso marode, unter anderem auch, weil Erdogan Behörden/Polizeiangestellte geschasst hat und die alle zur Zeit was ganz anderes zu tun haben.

Es wird rein gar nichts passieren. Der Deal war nicht dazu da, dass keine syrischen Flüchtlinge mehr kommen, sondern er war dazu da, dass überhaupt noch syrische Flüchtlinge nach Deutschland kommen können. Griechenland kann die Grenze zur Türkei nicht dichtmachen. Dann gab es eine Einigung (ohne Deutschland) die Grenze zu Griechenland zu schliessen. Und damit konnten keine mehr kommen. Aber Merkel wollte, dass noch welche kommen. Und aus dem Grund wurde dann der Deal abgeschlossen.
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Atheist » So 6. Nov 2016, 14:33

apartofme hat geschrieben:(06 Nov 2016, 08:55)

Klar kann ich das erklären, denn es ist keineswegs so, dass ich die sprachliche Zersplitterung als unproblematisch ansehe - die Probleme habe ich in meinem Beitrag ja selbst erwähnt - sondern viel mehr so, dass ich nicht verstehe, welches Problem gerade du damit hast. Daher auch die Verlinkung der entsprechenden Studie, die dir eigentlich deine eigene Position merkwürdig vorkommen lassen sollte. Denn
(1) Besagt die verlinkte Studie gerade nicht dass sprachlich zersplitterte Gesellschaften gar nicht funktionieren (entscheidend ist das Ausmaß!) und
(2) Stellt sich natürlich die Frage, ob der Nationalismus aus deiner Sicht gerade dann toll ist, wenn er sprachlich geprägte Gebiete in souveräne Staaten einteilen möchte


apartofme hat geschrieben:(04 Nov 2016, 04:22)Ich verstehe überhaupt nicht, welches Problem du in der Mehrsprachigkeit in einer Gesellschaft siehst. Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es mehrsprachige Länder und sogar Länder, in denen die sprachlichen Grenzen vollkommen unabhängig von irgendwie gearteten (auch regionalen) Verwaltungsgliederungen sind (vgl. z.B. hier). Dies bedeutet nicht, dass in diesen Ländern deshalb ein Chaos ausbricht. Es gibt sogar Studien darüber, wie sich sprachliche Fraktionalisierung beispielsweise auf die Konfliktbereitschaft oder auch die wirtschaftliche Performance von solchen Ländern auswirkt.


Die von dir verlinkte Studie belegt jedenfalls negative wirtschaftliche Auswirkungen (was du aber gewiss wissen wirst, solltest du sie dir zuvor durchgelesen haben). Aber wenigstens bedeutet die sprachliche Zersplitterung nicht, "dass in diesen Ländern deshalb ein Chaos ausbricht". Es ist ja nur was Ökonomisches und hat mit der Finanzierung allerhand gefundener Teilhaberechte nur am Rande etwas zu tun.

Man kann sich freilich darüber streiten, ob Verwaltungsgliederungen deshalb etwas "schlechtes" sind, weil sie willkürlich sind, aber das ist überhaupt nicht mein Punkt. Ich halte den Nationalismus nicht deshalb für schlecht, weil er mir irgendwie nicht in den Kram passt. Da gehört schon etwas mehr dazu. Im konkreten Fall geht es darum, dass der Nationalismus in vielen Fällen verhindert, dass Menschenrechte gerantiert werden können.


Wie du es mit dem Nationalismus hältst oder was er im Konkreten für dich ist, wird genauso wenig klar wie das, was du von der Durchsetzung der tollen Rechte hältst, die du meinst, selbst oder zusammen mit anderen gefunden zu haben:

Es ist jetzt das dritte Mal, dass du mir diese Frage stellst und es ist auch das dritte Mal, dass ich dir dieselbe Antwort gebe. Abgesehen davon, dass ich im ganz konkreten Falle nicht daran glaube, dass Menschen ein Recht darauf haben, ihre Augen lasern zu lassen (das Beispiel dient deinerseits ja auch eigentlich nur der Polemik und der Diskreditierung des Arguments), würde ich dich, wenn du nicht verstehst, wie unsere Gesellschaft in Bezug auf die Teilhaberechte funktioniert, einfach mal bitten, einen Arzt zu fragen, wie er es hinbekommt, Hartz IV-Empfänger zu behandeln, und gleichzeitig durch seine Steuern und Abgaben ihre Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen. Dieser Arzt wird dir dann möglicherweise nahelegen, diese Angelegenheit bei den Lach- und Sachgeschichten zu erfragen, denn genau dahin gehört diese Frage auch.


Aber schön, darüber mal geschrieben zu haben. ;)

Das Problem an dieser Stelle ist einfach, dass du dir eine Gesellschaft ohne Nationalismus als eine weniger komplexe Gesellschaft denkst, als die, in der wir uns derzeit befinden. Möglicherweise stellst du dir irgendwelche abgeranzten libertärsozialistischen Kommunen vor. In einer solchen Gesellschaft leben wir aber nicht und freilich würden wir auch ohne Nationalismus nicht in einer solchen Gesellschaft leben, sowie die Einschränkung des deutschen Nationalismus bei der Gründung der Europäischen Union auch freilich nicht dazu geführt hat, dass Deutschland zu einer Hippie-Kommune geworden ist.


Der Abend vor Allerheiligen ist vorbei, du wirst dich also noch ein Weilchen länger als nur eine knappe Woche gedulden müssen, um deine Mitmenschen mit dem Libertarismus rechter, sozialistischer oder sonstwelcher Ausprägung, die dir noch einfallen könnte, zu erschrecken.

Du kommst dir selbst möglicherweise gerade so vor, wie ein Technokrat, der das fortschrittliche Konzept des Nationalstaats gegen merkwürdige Hippie-Ludditen verteidigt, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Von meiner Seite sieht obiges Argument eher so aus, wie das eines Vertreters der Stammesgesellschaft, der konstatiert, die gesamte Wirtschaft würde zusammenbrechen, wenn der Großvater nicht mehr über die öffentlichen Ausgaben bestimmt, weil dann ja jeder machen könne, was er will.


Als was du dir mit deiner Schwurbelei vorkommen könntest, mit Hilfe derer du dich jeder Detailfrage entziehst oder ins Absurde abgleitest, will ich an dieser Stelle unerwähnt lassen.

Danke fürs Gespräch!
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » So 6. Nov 2016, 22:57

Die USA zeigen sich äusserst besorgt über die Entwicklung des im erst 1923 gegründeten Staat Türkei, der von ihnen nur so gehätschelt wird (Nichtbeachtung des Staatsterrors gegenüber den Kurden seit der Staatsgründung 1923, kumulierte Auslöschung des christlichen Elements, mehrfache Pogrome, etc.).

Doch jetzt werden die Worte deutlich schärfer.
Kündigen die USA den "türkischen Frühling" an, kündigen sie die Gründung des Kurdistan auf dem Boden der heutigen Türkei?
Wäre das ein Schritt in die richtige Richtung?

USA kritisieren Türkei ungewöhnlich deutlich
t-online vom 01.11.2016
http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... iyet-.html
"Zutiefst besorgt"

Die Regierung in Washington sei "zutiefst besorgt über das offensichtliche Steigen des staatlichen Drucks auf Oppositionsmedien in der Türkei", sagte Außenamtssprecher John Kirby in Washington. Er fügte hinzu: "Demokratien werden stärker, wenn sie die Äußerung unterschiedlicher Standpunkte zulassen, insbesondere in schwierigen Zeiten." "Cumhuriyet" bezeichnete er als "eine der angesehensten Zeitungen in der Türkei".

Das Außenministerium in Washington rief die türkische Regierung in ungewohnt deutlichen Worten auf, "Rechtstaatlichkeit und Grundrechte zu schützen".
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Platon » So 6. Nov 2016, 23:18

Nun die nächste Steigerung ist ein Verbot der HDP und die Ausrufung des Kriegsrechts und der Beginn eines landesweiten Bürgerkriegs. Wenn nicht jetzt kritisiert wird, wann dann?
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Provokateur » Di 8. Nov 2016, 09:25

Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

Echte Patrioten wählen NICHT die AfD.
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Provokateur » Di 8. Nov 2016, 23:56

Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

Echte Patrioten wählen NICHT die AfD.
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » Mi 9. Nov 2016, 00:22

Der Pakt der Verliebten Merkel & Erdogan ist ergo geplatzt, dass die Türkei Flüchtlinge aufnehmen werde.
Inzwischen flüchten die moderaten (nicht ethnischen) Türken vor der (ethnisch-nationalistisch-islamistischen) Türkei.

Bild: Erdogan ist nun der Kalif:
http://www.toonpool.com/user/12400/file ... 330165.jpg

Und Merkel wird wieder ihr weltbekanntes Lied trillern:
"Kommt, kommt her, kommt her zu mir, kommt her zu mir noch heute."

Und wo werden auch die Türkei-Flüchtlinge stranden?
Nicht in Germany, sondern in Good-Old-Greece.

Und erneut wird die Innenminister-Schnauze Die Misere rumsabbern: "Griechenland tut zu wenig".
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon DieBananeGrillt » Fr 11. Nov 2016, 19:57

Vardarovic hat geschrieben:(06 Nov 2016, 22:57)

Die USA zeigen sich äusserst besorgt über die Entwicklung des im erst 1923 gegründeten Staat Türkei, der von ihnen nur so gehätschelt wird (Nichtbeachtung des Staatsterrors gegenüber den Kurden seit der Staatsgründung 1923, kumulierte Auslöschung des christlichen Elements, mehrfache Pogrome, etc.).

Doch jetzt werden die Worte deutlich schärfer.
Kündigen die USA den "türkischen Frühling" an, kündigen sie die Gründung des Kurdistan auf dem Boden der heutigen Türkei?
Wäre das ein Schritt in die richtige Richtung?

USA kritisieren Türkei ungewöhnlich deutlich
t-online vom 01.11.2016
http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... iyet-.html



Ist Trump auch die USA ?
Oder ist neben Putin auch Erdogan das Vorbild der zukünftigen Entwicklung ?
So wird es sein....
Demnächst wird die Pressefreiheit auch in den USA eingeschränkt.
Der starke Mann in den USA wird dem in der Türkei in Nichts nachstehen wollen.
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » Fr 11. Nov 2016, 20:33

DieBananeGrillt hat geschrieben:(11 Nov 2016, 19:57)
Ist Trump auch die USA ?
Oder ist neben Putin auch Erdogan das Vorbild der zukünftigen Entwicklung ?
So wird es sein....
Demnächst wird die Pressefreiheit auch in den USA eingeschränkt.
Der starke Mann in den USA wird dem in der Türkei in Nichts nachstehen wollen.

Trump ist der Vertreter der USA, er wurde hierzu gewählt.
Von Putin habe ich bis dato nichts darüber gehört, dass er die Grenzen nicht anerkenne, wie es zurzeit Erdogan tut.

Würde sich Erdogan die historischen Atlanten näher ansehen, so würde er erkennen, dass er auf einem Stück Land lebt, welches historisch betrachtet nicht den Türken gehörte, und diese aus dem Altaigebirge daherkommen.

Sie haben womöglich einst im Altaigebirge erkannt, dass andere ihnen kulturell um Lichtjahre voraus waren, und wanderten in deren Richtung aus.

Jeder Mensch möchte in seiner Heimat leben.
Vielleicht wollen die (ethnischen) Türken viel lieber in ihrer Heimat leben, im Altaigebirge.
Man sollte sie abstimmen lassen.

Bild: ein turkmenisches Schloss mit Familie
http://go-east.de/files/ngg_featured/79 ... %C3%9F.JPG
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon JFK » Sa 12. Nov 2016, 05:58

Vardarovic hat geschrieben:(11 Nov 2016, 20:33)

Trump ist der Vertreter der USA, er wurde hierzu gewählt.
Von Putin habe ich bis dato nichts darüber gehört, dass er die Grenzen nicht anerkenne, wie es zurzeit Erdogan tut.

Würde sich Erdogan die historischen Atlanten näher ansehen, so würde er erkennen, dass er auf einem Stück Land lebt, welches historisch betrachtet nicht den Türken gehörte, und diese aus dem Altaigebirge daherkommen.

Sie haben womöglich einst im Altaigebirge erkannt, dass andere ihnen kulturell um Lichtjahre voraus waren, und wanderten in deren Richtung aus.

Jeder Mensch möchte in seiner Heimat leben.
Vielleicht wollen die (ethnischen) Türken viel lieber in ihrer Heimat leben, im Altaigebirge.
Man sollte sie abstimmen lassen.

Bild: ein turkmenisches Schloss mit Familie
http://go-east.de/files/ngg_featured/79 ... %C3%9F.JPG


Und wieso sollten die Türken nicht abstimmen dürfen, ob sie zurück nach afrika wollen, oder auf die Bäume zurück?

Da bist du mir zu inkonsequent.
Wildermuth
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Wildermuth » Sa 12. Nov 2016, 06:51

Vardarovic hat geschrieben:(11 Nov 2016, 20:33)

Trump ist der Vertreter der USA, er wurde hierzu gewählt.
Von Putin habe ich bis dato nichts darüber gehört, dass er die Grenzen nicht anerkenne, wie es zurzeit Erdogan tut.

Es gibt ne ganze reihe von grenzen, die putin nicht anerkennt. Z.B. die der ukraine.

Istambul wollen die russen schon seit 200 jahren.



Würde sich Erdogan die historischen Atlanten näher ansehen, so würde er erkennen, dass er auf einem Stück Land lebt, welches historisch betrachtet nicht den Türken gehörte, und diese aus dem Altaigebirge daherkommen.

Na, das gilt aber auch für alle andren völker.
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » Sa 12. Nov 2016, 09:59

Wildermuth hat geschrieben:(12 Nov 2016, 06:51)

Es gibt ne ganze reihe von grenzen, die putin nicht anerkennt. Z.B. die der ukraine.
Berichte darüber, wann die russische Armee in das Gebiet des historischen Russland, in die Ukraine, einmarschierte.
Wildermuth hat geschrieben:Istambul wollen die russen schon seit 200 jahren.
Nun ist Konstantinopel keine von Türken gegründete Stadt, diese liegen irgendwo im Altaigebirge.
Warum sollte ein Besatzer ein Anrecht auf Konstantinopel haben?
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon apartofme » Sa 12. Nov 2016, 10:15

JFK hat geschrieben:(12 Nov 2016, 05:58)

Und wieso sollten die Türken nicht abstimmen dürfen, ob sie zurück nach afrika wollen, oder auf die Bäume zurück?

Ich denke nicht unbedingt, dass sie das überhaupt wollten.

Schauen wir doch einmal, was ein wirklich erfolgreicher Staatsführer zu dieser Thematik zu sagen hat:

    Diese Ziele sind nur erreichbar, wenn der Staat als eine Organisation betrachtet
    wird, die dem Menschen zu dienen hat und nicht umgekehrt. Der Staat muss zu einem
    Dienstleistungsunternehmen werden, das sich einer friedlichen Konkurrenz stellt und kein
    Monopolbetrieb, das den Kunden vor die Alternative stellen kann, sich mit dem schlechten
    Service zu den höchsten Preisen abzufinden oder auszuwandern. In den so genannten
    Volksrepubliken war allerdings das Auswandern weitgehend verboten und die Flucht aus
    der Republik eine Straftat, die mit langen Gefängnisstrafen geahndet wurde. Viele
    Menschen wurden bei der Republikflucht erschossen und in der Volksrepublik Nordkorea
    herrschen leider heute noch solche Zustände. Aber selbst dort, wo die Republikflucht
    geduldet oder erlaubt ist, besteht das Problem, dass für die grosse Mehrheit der Menschen
    das Auswandern kaum möglich ist, da die Einwanderungsmöglichkeiten drastisch
    eingeschränkt wurden. Es kommt hinzu, dass das Auswandern für viele Menschen keine
    attraktive Alternative darstellt. Bevor sie auswandern, sind sie deshalb bereit, viele
    Nachteile in Kauf zu nehmen, unter anderem ein schlechtes Service vom Staat zu
    überhöhten Preisen. Die Alternative für Verzweifelte und Hoffnungslose ist allzu oft nicht
    das Auswandern, sondern die Gewalt, der Terrorismus, die Revolution und der
    Bürgerkrieg.
    Selbst in demokratischen Rechtsstaaten gibt es immer wieder Minderheiten, die sich zu
    Recht oder zu Unrecht benachteiligt fühlen. Denken wir nur an Nordirland, das Baskenland,
    Südtirol, Québec oder die Urbevölkerungen Australiens, Nord- und Südamerikas. In
    einer Demokratie orientieren sich die Politiker, um Wahlen zu gewinnen, an den Wünschen
    der Mehrheit und es entscheidet die Mehrheit. Mehrheitsentscheidungen können
    ungerecht sein und die Mehrheit hat nicht immer Recht. Eine relativ homogene Mehrheit,
    die sich ethnisch, religiös, sprachlich, kulturell oder politisch definiert, kann unter
    Umständen dazu gebracht werden, das Staatsterritorium „ethnisch“ zu säubern, indem die
    Minderheit so lange wirtschaftlich, kulturell, religiös oder politisch benachteiligt wird, bis
    sie entweder auswandert oder zwangsassimiliert wird. In den USA – einem demokratischen
    Rechtsstaat - war die indianische Urbevölkerung im 19. Jahrhundert sogar Massakern
    ausgesetzt, die Frauen und Kinder nicht verschonten.
    Als junger Mensch hat mich sehr beeindruckt, wie in der Schweiz ein
    Minderheitenproblem gelöst wurde und zwar im Kanton Bern. Die Stadt Bern ist
    bekanntlich die Hauptstadt der Schweiz und der Kanton Bern einer der grössten und
    bedeutendsten Kantone. Neben der deutschsprachigen und protestantischen Mehrheit gab
    es im Juragebiet des Kantons Bern eine französischsprachige katholische Minderheit,
    welche sich politisch und wirtschaftlich benachteiligt fühlte. Die Bestrebungen nach mehr
    Autonomie für den französischen Teil des Kantons Bern stiessen bei der
    deutschsprachigen Mehrheit zuerst auf Ablehnung. Der Streit eskalierte, es gab Bombenattentate
    und radikale Kräfte wollten einen Anschluss des französischsprachigen Jura an
    Frankreich. Die schweizerische Bundesregierung schaltete sich in den innerkantonalen
    Konflikt ein und versuchte zu vermitteln. 1974 konnte schliesslich eine Lösung gefunden
    werden. Der französischsprachige Teil des Kantons stimmte über die Bildung eines eigenen
    Kantons Jura ab. Diese Lösung wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen, wobei
    einige französischsprachige Gemeinden es vorzogen, beim Kanton Bern zu bleiben. Als
    der Kanton Jura sich im Laufe der Jahre politisch und wirtschaftlich besser entwickelte als
    so mancher erwartet hatte, entschieden sich einige Gemeinden, die vorher beim Kanton
    Bern bleiben wollten, für eine Mitgliedschaft im Kanton Jura. Für mich war diese
    friedliche und demokratische Lösung nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen ein
    eindrückliches Beispiel für ein gelungenes Experiment des Selbstbestimmungsrechtes auf
    Gemeindeebene.

    Ein Staatsmodell, das den Frieden, den Rechtsstaat, die Demokratie und den Wohlstand
    der Bevölkerung sichert, muss dem Staat das Monopol über sein Territorium entziehen.
    Das „Auswandern“ der Bevölkerung wird in unserer heutigen Welt nur dann zu einer
    realistischen Alternative, wenn die betroffene Bevölkerung mit ihrem Territorium „auswandern“
    kann. Um dies zu erreichen müssen auch sehr kleine politische Einheiten über
    das Selbstbestimmungsrecht verfügen.

    http://www.lfsg.org/Portals/0/files/new ... AUSEND.pdf

“Unser Zeitalter ist eine einzige Frage nach der menschlichen Identität.” ― Willy Meurer
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 12. Nov 2016, 12:28

Knapp 4000 türkische Staatsbürger haben in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragt (85% Kurden). Die Integrationsbeauftragte Özoguz rechnet angesichts der Menschenrechtslage mit weiter steigenden Zahlen...,Wie kann man denn mit sowas rechnen und gleichzeitig die Türkei als sicheres Herkunftsland deklarieren?
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht.
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » Sa 12. Nov 2016, 12:40

Sozialdemokrat hat geschrieben:(12 Nov 2016, 12:28)

Knapp 4000 türkische Staatsbürger haben in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragt (85% Kurden). Die Integrationsbeauftragte Özoguz rechnet angesichts der Menschenrechtslage mit weiter steigenden Zahlen...,

Wie kann man denn mit sowas rechnen und gleichzeitig die Türkei als sicheres Herkunftsland deklarieren?

Genosse, es gibt einen EU-internen diplomatischen Streit zwischen Merkels Deutschland und Griechenland in dieser Sache, da Griechenland die Asylanten nicht in die Türkei zurückschickt, weil es die Türkei nicht als sicheres Land kategorisiert.

Wir können jedoch davon ausgehen, dass wir als Deutschland uns durchsetzen werden, wir haben mehr Geld, mehr Macht, können anderen schwachen EU-Staaten die Politik der Austerität aufzwingen, bis sie zusammenbrechen und deren Elite bei uns und für unseren Wohlstand arbeitet, um am Ende unseren Merkel-Willen (und damit den der deutschen Politik) um jeden Preis durchzusetzen.

Das nennt man Politik: der Stärkere hat Recht.

Liebesgrüsse in Richtung Erdogan wurden ja bereits versendet:
- keine Einmischung in die innertürkische faschistoide Entwicklung.
- Erdogan hat freie Hand

Man erinnert sich, ...
... dass die Türkei stets ein treuer Parter des Deutschen Kaiserreiches und mehr (Mann mit Schnauzbart) war.
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Wildermuth » So 13. Nov 2016, 01:37

Vardarovic hat geschrieben:(12 Nov 2016, 09:59)

Berichte darüber, wann die russische Armee in das Gebiet des historischen Russland, in die Ukraine, einmarschierte.

OBerst Strelkow... hast du den mal gegoogelt?

Nun ist Konstantinopel keine von Türken gegründete Stadt,

Köln wurde nicht von deutschen gegründet, regensburg nicht von bayern... was hat das damit zu tun? Soll st. petersburg an die schweden zurückgegeben werden?
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Wildermuth » So 13. Nov 2016, 01:39

Sozialdemokrat hat geschrieben:(12 Nov 2016, 12:28)

Knapp 4000 türkische Staatsbürger haben in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragt (85% Kurden). Die Integrationsbeauftragte Özoguz rechnet angesichts der Menschenrechtslage mit weiter steigenden Zahlen...,Wie kann man denn mit sowas rechnen und gleichzeitig die Türkei als sicheres Herkunftsland deklarieren?


Es ist ja nicht gesagt, dass diese asyanträge akzeptiert würden.

Es geht schon, aber dann muss halt individuell geprüft werden. Es gibt ja auch akzeptierte asylanten aus russland.
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Sozialdemokrat » So 13. Nov 2016, 09:28

Wildermuth hat geschrieben:(13 Nov 2016, 01:39)

Es ist ja nicht gesagt, dass diese asyanträge akzeptiert würden.

Es geht schon, aber dann muss halt individuell geprüft werden. Es gibt ja auch akzeptierte asylanten aus russland.


Habe jetzt gesehen, dass Deutschland die Türkei gar nicht als "sicheres Herkunftsland" einstuft: https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherer_ ... eutschland)
Es ist lediglich die EU-Kommission, die in der Türkei ein sicheres Herkunftsland sieht: http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/wh ... gin_de.pdf
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht.
Vardarovic

Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Vardarovic » So 13. Nov 2016, 09:48

Wildermuth hat geschrieben:(13 Nov 2016, 01:37)

Köln wurde nicht von deutschen gegründet, regensburg nicht von bayern... was hat das damit zu tun?
Soll st. petersburg an die schweden zurückgegeben werden?

Bitte sachlich bleiben,und beim eigenen Text.
Du schriebst:
Wildermuth hat geschrieben:(12 Nov 2016, 06:51)
Istambul wollen die russen schon seit 200 jahren.


Darauf mein Gegenpost:
Vardarovic hat geschrieben:(12 Nov 2016, 09:59)

Nun ist Konstantinopel keine von Türken gegründete Stadt, diese liegen irgendwo im Altaigebirge.
Warum sollte ein Besatzer ein Anrecht auf Konstantinopel haben?


Und nun erneut Dein Post:
Wildermuth hat geschrieben:(13 Nov 2016, 01:37)

Köln wurde nicht von deutschen gegründet, regensburg nicht von bayern... was hat das damit zu tun?
Soll st. petersburg an die schweden zurückgegeben werden?


Erkenne Deinen Irrtum.
Deinem Inhalt nach müsste man dem Besatzer ein Anrecht auf die von ihm besetzte Polis (Stadt) zubilligen.
Das wird nicht geschehen.
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Re: Ist die Türkei noch eine Demokratie?

Beitragvon Wildermuth » So 13. Nov 2016, 10:04

Vardarovic hat geschrieben:
Erkenne Deinen Irrtum.
Deinem Inhalt nach müsste man dem Besatzer ein Anrecht auf die von ihm besetzte Polis (Stadt) zubilligen.
Das wird nicht geschehen.


Das heisst aber nicht nur "türken, raus aus istambul!" sondern halt auch "deutsche raus aus köln!" "russen raus aus russland" oder alle zurück nach afrika auf die bäume!

Auf dem weg zurück auf die bäume könntest du uns anführen. Ich hab den eindruck, du kennst den weg am besten.

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