Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

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H2O
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon H2O » Mo 1. Feb 2016, 17:19

Mir gefällt zwar auch nicht dieses großmäulige Getue;
aber da nehmen sich die beiden Kampfhähne nicht viel.
Der eine wollte mit seinen Panzern in wenigen Tagen
in Kiew einmarschieren, der andere besetzt gleich ganz
Rußland in einer Woche.

Dabei ist die Mitwirkung der NATO an solchen Abenteu-
ern überhaupt nicht gesichert. Allerdings soll das keine
Aufforderung sein, diesen Fall etwa zu testen, sowohl in
Richtung Rußland als auch in Richtung Türkei gemeint!

Man sollte die Fähigkeiten der Türkei nicht unterschätzen,
sich ihr Wehrmaterial selbst her zu stellen. Da haben in
den letzten 10 Jahren etliche industrielle Entwicklungen
stattgefunden.
Abensberg
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Abensberg » Mo 1. Feb 2016, 18:02

Bestimmte Techniken schon, dennoch ist die türkische Luftwaffe ausländisch. Aber ich denke nicht das es dort knallt. Erdogan ist halt sauer, dass Assad nicht weg ist
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 16. Feb 2016, 07:28

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland scheinen sich eher zu verschlechtern, denn zu entspannen.

Eskalation droht

Türkei und Russland verschärfen den Ton

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit", "Unterstützung des Terrorismus": Der Ton zwischen Ankara und Moskau ist rauer denn je. Der Westen fürchtet eine Eskalation im Streit der beiden Ländern. Konfliktpunkt ist das jeweilige militärische Engagement in Syrien.

Im Syrien-Konflikt schlagen die Türkei und Russland schärfere Töne an. Moskau warf Ankara wegen seiner Angriffe auf kurdische Einheiten und syrische Regierungstruppen Unterstützung des "internationalen Terrorismus" vor. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bezichtigte Russland, sich wie "eine Terrororganisation" zu verhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt den bislang vor allem von der Türkei vorgebrachten Vorschlag einer Flugverbotszone in Syrien.

"Moskau äußert seine ernste Besorgnis über das aggressive Vorgehen der türkischen Regierung gegen einen Nachbarstaat", erklärte das russische Außenministerium. Russland betrachte dies als "offene Unterstützung des internationalen Terrorismus".

Die türkische Armee beschießt seit Tagen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Norden Syriens, um zu verhindern, dass sie ihr Gebiet ausdehnen. Ankara betrachtet die YPG als syrischen Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans, während der Westen sie als wichtigen Verbündeten gegen die Dschihadisten sieht. Russland fliegt seit Ende September zur Unterstützung der syrischen Armee Luftangriffe auf Dschihadisten und andere Rebellen in Syrien.

Davutoglu warnte, sollte sich "Russland weiter wie eine Terrororganisation verhalten und Zivilisten zur Flucht zwingen, werden wir eine extrem entschlossene Antwort geben". Russland und "andere Terrororganisationen" verübten "zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Der türkische Ministerpräsident warnte im türkischen Fernsehen, die Türkei werde nicht zulassen, dass die Kurdenkämpfer die Stadt Asas im Nordwesten Syriens erobern.

http://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-und- ... 05916.html
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon H2O » Di 16. Feb 2016, 10:45

Vor diesem Hintergrund muß die NATO der Türkei
zusichern, daß ihr der Schutz der Gemeinschaft sicher ist,
wenn sie nicht ihrerseits als Partei im syrischen Bürgerkrieg
auf syrischem Boden gegen Rußland, Assad und Kurden
antritt.

Irgendjemand muß auch die schmerzhafte Botschaft über-
mitteln, daß es für die Türkei auf syrischem Boden derzeit
nichts zu kämpfen gibt, auch nicht gegen Kurden, die dort
vielleicht eine wichtige Stadt einnehmen... nachdem sie den
IS zurück gedrängt haben und nun auch andere Islamisten
verjagen. Al Kaida-nahe Kampfgruppen in der Türkei? Da
geht einem Westler doch der Hut hoch!

Die NATO kann nicht dazu dienen, osmanische Träume zu
verwirklichen. Dazu hatte die Türkei viel Zeit, bevor der
Einsatz Rußlands begann. Aber da päppelte die Türkei
die islamistischen Gegenkräfte hoch, wobei nie richtig
klar wurde, wie weit damit auch der IS gefördert wurde...
bis er im Westen durch Terror gegen unsere Lebensart
in Ungnade fiel.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 31. Mär 2016, 21:55

Ankara hat den mutmaßlichen Mörder des russisches Piloten in Izmir gefasst. Der Pilot konnte lebendig den Abschuß überleben. Wurde dann aber am Boden getötet. Das pikante daran ist, daß der Schütze Sohn eines MHP-Politikers ist.

Abgeschossener Kampfjet: Türkei verhaftet mutmaßlichen Mörder des russischen Piloten

Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei hatte im November massive Spannungen ausgelöst. Die türkische Polizei nahm nun einen Verdächtigen fest, der den russischen Piloten getötet haben soll.

C. ist der Sohn eines hohen Politikers der nationalistischen Partei MHP und kämpft seit 2014 für die turkmenischen Rebellen in Syrien.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 84910.html


Ob sich das positiv auf die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland auswirken wird, bleibt abzuwarten. Zuviel scheint passiert zu sein. Derweil soll Russland taktische Iskander Raketen in Latakia/Syrien stationiert haben. Vermutlich sind diese Waffensysteme weniger gegen Israel oder IS-Jeep Kolonnen gedacht. Aus Sicht Russlands robbt sich die NATO an seine Nordwestflanke heran. Im Baltikum, aber auch in der Ukraine. Scheint so, als ob Russland sich nun an die Südwestflanke der NATO heranrobbt. Diese Waffen können nur Richtung NATO/Türkei verstanden werden.

Analysis: Iskander missile launcher spotted in Syria
http://www.janes.com/article/59182/anal ... d-in-syria
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Cat with a whip » Do 31. Mär 2016, 23:32

Sind eigentlich ein großer Teil der Türken die auf Seite der Turkmenen in Syrien mit der Waffe kämpfen Rechtsextremisten? Gibt es dazu Schätzungen?
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 27. Jun 2016, 20:37

Erdogan versucht offenbar wieder die Kontakte in der Region zu verbessern. Zuletzt wirkte die Türkei durch die Politik Erdogans etwas umzingelt.

Erdoğan entschuldigt sich für Kampfjetabschuss

Der türkische Staatspräsident bedauert den Angriff auf einen russischen Kampfjet vor einem Jahr an der Grenze zu Syrien. Beide Länder wollen ihren Streit beenden.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... chuldigung


Ich kann mir zwar nicht vorstellen, daß sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland jetzt schlagartig "positiv" entwickeln. Aber besser als tüchtig negativ...
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon ciesta » Di 28. Jun 2016, 12:17

King Kong 2006 hat geschrieben:(27 Jun 2016, 21:37)

Erdogan versucht offenbar wieder die Kontakte in der Region zu verbessern. Zuletzt wirkte die Türkei durch die Politik Erdogans etwas umzingelt.



Ich kann mir zwar nicht vorstellen, daß sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland jetzt schlagartig "positiv" entwickeln. Aber besser als tüchtig negativ...


Ggf. noch ein kleines Goodie für Putin ala Southstreamzusagen dazu und die gesamte russische Regierung verbringt ihren Urlaub in der Türkei.
:D

Interessant ist ja auch die Dreiecksbeziehung Israel/Russland/Türkei.
Die nächste Dimension:
Die Ukraine wollte wegen der RUsslandbeziehungen gerne eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Türkei erreichen.
Egal wie dicht du bist. Goethe war Dichter.
Egal was du kochst. Karl Marx.

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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Doktor Schiwago » Di 28. Jun 2016, 12:22

King Kong 2006 hat geschrieben:(27 Jun 2016, 21:37)

Erdogan versucht offenbar wieder die Kontakte in der Region zu verbessern. Zuletzt wirkte die Türkei durch die Politik Erdogans etwas umzingelt.
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, daß sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland jetzt schlagartig "positiv" entwickeln. Aber besser als tüchtig negativ...

Ich denke schon, wenn dazu noch dem Todesschützen der Prozeß gemacht wird.
Die türkische Tourismus-Industrie leidet offenbar sehr.
http://www.badische-zeitung.de/ausland- ... 89176.html
Wenn unser einziger Rohstoff in Deutschland die Kreativität der Menschen ist, warum versuchen dann in den Medien so viele so hartnäckig, sie zu beschädigen? (Roman Herzog)
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 28. Jun 2016, 16:46

Dieser Schritt muß Erdogan sehr schwer gefallen sein. Das kann nur durch die negativen Implikationen ausgelöst sein.

Wie jede Beziehung zwischen den Staaten dort, bleibt die Beziehung Türkei-Russland sicher immer etwas angespannt. Sie sind einfach Platzhirsche dort. Da muß es zwangsläufig knallen. Wie auch geschehen.

Russia-Turkey ties will not mend overnight, warns Moscow

It will take time to mend ties between Russia and Turkey following the downing of a military jet, a spokesman for Russian President Vladimir Putin has said.

http://home.bt.com/news/world-news/russ ... 4070465609


Der Tod des russischen Piloten wird noch einmal von türkischer Seite untersucht. Dabei geht es auch um die Tötung eines Mitgliedes der Rettungsmannschaft. Ein Verdächtiger ist Alparslan Celik.

Turkey reopens probe into suspected killer of Russian pilot

https://www.rt.com/news/348556-celik-in ... ed-turkey/


Offenbar hat man in Ankara ein paar Überstunden gemacht und sich eine neue Direktive für die Region ersonnen. Das mündet in den Gesprächen mit Israel und Russland.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon HugoBettauer » Di 28. Jun 2016, 16:57

Abensberg hat geschrieben:(31 Jan 2016, 19:24)

Fast hätte Putin mit EINER Su-34 der Türkei den Krieg erklärt. Nochmal glück gehabt

Inzwischen haben sie sich wieder lieb.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Summers » Mi 29. Jun 2016, 12:56

Dazu schreibt der Spiegel:

Erdogan und Putin: Macho bezwingt Macho

[…]


http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 00323.html

Wobei ich die Überschrift ziemlich bescheuert finde.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 9. Aug 2016, 16:26

Wo könnte ein zukünftiges Verhältnis der Türkei zu Russland beginnen und wo hört es auf? Und wie schauts dann mit dem Westen aus?

Erdogan umschmeichelt Putin: "Mein teurer Wladimir!"

Der türkische Präsident fühlt sich verraten: vom Westen, US-Generälen und der CIA. Die erste Auslandsreise nach dem Putschversuch in der Heimat führt Erdogan deshalb nach Russland. Kann der Kreml die Nato schwächen?


Wenn Wladimir Putin am Dienstag Erdogan in Sankt Petersburg empfängt, soll möglichst wenig die gerade wiedergewonnene Harmonie stören. Dem Westen, Partner der Türkei in der Nato, bietet sich ein verstörendes Bild. Während Erdogan fast täglich gegen Berlin, Wien oder Washington austeilt, findet er für Moskau freundliche Worte. Der russische Präsident mag Erdogan eben noch als Helfershelfer des Terrorismus beschimpft haben. Der türkische Staatschef nennt Putin dennoch konsequent "meinen teuren Freund Wladimir".


Putin und Erdogan verbindet dabei auch ein Gefühl. Beide fühlen sich verraten: vom Westen, der Nato und der CIA. Putin wettert gegen die Osterweiterung des westlichen Militärbündnisses und wirft den Amerikanern vor, in Russland eine Revolution gegen ihn anzetteln zu wollen.


Entfremdung des Nato-Mitglieds

Dem Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos, Joseph Votel, warf er vor, mit den Putschisten unter einer Decke zu stecken. Türkische Medien behaupten, ehemalige CIA-Mitarbeiter hätten während der Militärrevolte Strippen gezogen. Ilker Basbug, bis 2010 Chef des türkischen Generalstabs und 2012 selbst der Verschwörung gegen Erdogan bezichtigt, ist sich sicher: "Amerikanische Geheimdienste benutzen die Gülen-Bewegung".


Die Frage ist, wie groß der Schaden ist, den die Verstimmungen zwischen dem Westen und der Türkei der Nato zufügen. In Moskau wird davon geträumt, Ankara könnte gemeinsam mit Russland zu einem "Motor der eurasischen Integration werden", so hat das der Politologe Wladimir Sotnikow formuliert. Erdogans immer autoritärer werdende Türkei könnte sich vom Westen ab- und dem ebenfalls autoritären Russland zuwenden.

Fjodor Lukjanow, Herausgeber der Fachzeitschrift "Russia in Global Affairs" glaubt nicht an einen Bruch zwischen Ankara und der Militärallianz. Die Türkei sei auf die Schutzmacht Amerika angewiesen. Washington wiederum wolle Erdogan auf keinen Fall verprellen, dafür sei die Türkei in der Region zu wichtig. Andererseits habe das Land tatsächlich viel mit Russland gemein. Beide Staaten lägen in Europas Peripherie, "sind vom Westen aber nie als seinesgleichen anerkannt worden. Sie sind herausgefallen aus dem europäischen Projekt."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... com-plista


Es wird spannend, wie es weitergeht. Auf lange Sicht wird da sicher kein enges Bündnis Russland-Türkei entstehen können. Sie waren und sind primär Konkurrenten in der Region. Zur Erinnerung, vor kurzem schoß die türkische Luftwaffe noch einen russischen Bomber ab. Aber es gibt einige Parameter die daraufhin deuten, daß sich etwas dauerhaft verschieben könnte.

Die EU spielt zwar immer noch treu so, als ob die Türkei jemals Mitglied in der EU werden könnte, aber das ist eher unwahrscheinlich. Der Knaller war die Aussage von Gabriel, die Türkei bräuchte wohl noch Jahrzehnte. Soweit so realistisch. Aber dann führte er aus, daß selbst dann die Türkei nicht Mitglied werden könnte! Die EU könnte in ihrem Zustand nicht mal einen Zwergstaat aufnehmen. So, Siegmar. Ich schmeiß mich weg... Selbst wenn die Türkei alle Punkte erfüllt kommt sie nicht rein... Man spielt dies, um genau das, was sich jetzt mit Russland anbahnt zu verhindern. Oder das türkische Sultanat. Vergebens. Die Türkei ist eben nicht mehr in der Rolle der Südostflanke der NATO. Ankara fordert und praktiziert mehr Bewegungsspielraum, was sich auch im Kontext des Verhältnisses zur Moskau auswirkt. Russland war, ist und bleibt Paria und kein europäisches Land im Sinne der EU, weder zu Zeiten Napoleons noch heute. Die Türkei schon gar nicht. Sie haben innerhalb dieser Definition im Kontext der EU Gemeinsamkeiten. Das reicht für Kooperationen, aber natürlich nicht für ein enges Bündnis. Dies könnte nur auf Kosten der Beziehungen zum Westen gehen. Das sollte sich dann Ankara schwer überlegen. Nur wenige Staaten, wie z.B. Indien können auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 11. Okt 2016, 14:26

In Fragen Syriens ist man sich immer noch nicht einig, aber in Fragen der Energie. Russland will die Ukraine umgehen und die Türkei seine Bedeutung als Transitland für Energie erhöhen. Was ist das für ein Verhältnis?

Putin und Erdogan besiegeln Gaspipeline

http://www.fr-online.de/tuerkei/tuerkei ... 43306.html


Türkei und Russland

"Präsident Erdogan ist nur der Juniorpartner"

Präsident Erdogan habe mit der Wiederannäherung an Russland "eine Art realpolitische Rückkehr vollzogen", sagte Kristian Brakel von der Heinrich-Böll Stiftung im DLF. Durch die russischen Sanktionen sei die türkische Wirtschaft ins Straucheln geraten. Das habe die Machtposition von Präsident Erdogan gefährdet.

Kristian Brakel: Es ist ein Zweckbündnis. Russland hat ein großes Interesse daran, sein Gas zu exportieren. Es hat ein großes Interesse daran, das auch auf die europäischen Märkte zu tun. Wir sehen ja auch gerade die Kontraktion dieser Northstream-II-Pipeline, an der ja Gerhard Schröder unter anderem mitgeholfen hat, nach Deutschland. Das ist jetzt ein weiterer Absatzweg, den die Russen brauchen, um wieder endlich mehr Geld ins Land zu schaffen. Und die Türken brauchen es, denn die Türkei hat einen unglaublichen Energiehunger und den muss man aus verschiedenen Quellen befriedigen, und Russland ist da zumindest für die Gasimporte der wichtigste Partner.

"Ohne russische Hilfe gerät die türkische Wirtschaft ins Straucheln"

Schweizer: Also eine Zweckfreundschaft, die es sich gönnen kann, die große Frage aus reinem Pragmatismus auszuklammern. Beide Länder haben ja konträre Interessen in Syrien: Die Türkei will Assad stürzen, Russland stützt ihn.

Brakel: Ja, zumindest für die Türkei. Ich denke, die Russen haben klar bewiesen, dass sie ihre Interessen durchsetzen können. Man hat mit den Türken jetzt einen Modus Vivendi gefunden, wo wieder ganz klar ist, wo auch Präsident Erdogan klar geworden ist, dass er nur der Juniorpartner ist und dass es nicht um eine Partnerschaft auf Augenhöhe geht. Das ist eine bittere Pille, die Erdogan schlucken musste, aber er hat es getan. Er hat es ja schon im Sommer getan, vor dem Putschversuch, weil er gesehen hat, dass es einfach ohne die russische Hilfe beziehungsweise mit den russischen Sanktionen die türkische Wirtschaft noch intensiver ins Straucheln gerät, als sie es ohnehin schon vorher war.


"Es stehen knallharte realpolitische Interessen im Vordergrund"

Schweizer: Was sind denn aus Ihrer Sicht die ausschlaggebenden Gemeinsamkeiten, die Abgrenzung da zu den USA, oder doch der Regierungsstil?

Brakel: Der Regierungsstil ist sicherlich in vielen Dingen ähnlich, beziehungsweise die Situation in der Türkei nähert sich immer stärker dem an, was wir in Russland schon haben, einer gelenkten Demokratie. Aber im Prinzip stehen knallharte realpolitische Interessen im Vordergrund. Die Türkei hat einfach gesehen, dass das letzte Jahr ein verheerendes für sie war, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch, was die Sicherheitslage angeht. Das Land ist sehr nahe an einer wirklich verheerenden Destabilisierung und das bedeutet natürlich auch, dass die Machtposition der AKP-Regierung von Präsident Erdogan gefährdet ist, und da hat man einfach zurückgerudert, hat auf einen gewissen Pragmatismus gesetzt und ich denke, das ist das, was die beiden Partner im Moment verbindet, nämlich dass die Türken eingesehen haben, dass sie ihre hochtrabenden Ziele nicht durchsetzen können, und dass die Russen sich bewusst sind, dass sie diejenigen sind, die in dieser Partnerschaft diktieren können, in welche Richtung es hauptsächlich geht.

Und ich vermute, die großen Interessensunterschiede, die bleiben vermutlich weiterhin ausgeklammert beziehungsweise die wird man nicht lösen können. Aber anscheinend begnügt sich die Türkei im Moment damit, dass die Russen ihnen zumindest gestatten, das kurdische Projekt im Norden Syriens zu vereiteln, dass sie ihnen erlauben, gegen den Islamischen Staat vorzugehen. Das scheint zumindest jetzt erst mal genug zu sein für die Türken.


Russland könne die NATO nicht ersetzen

Schweizer: Denken Sie, dass der Westen nervös sein muss ob dieser Annäherung, oder ist das einfach jetzt wieder hochgeköchelt, hat sich erwärmt auf die normale diplomatische Betriebstemperatur?

Brakel: Ich glaube, für den "Westen" oder vor allem natürlich für die NATO-Staaten ist sehr tröstlich zu sehen, dass das Szenario, dass eine weitere Konfrontation mit Russland an der Südostflanke der NATO ausbricht, dass das erst mal vom Tisch ist, beruhigt auf jeden Fall erst mal die Strategen in Brüssel. Das andere ist: Natürlich möchte man die Türkei nicht näher am russischen Einfluss-Sektor sehen, als das schon der Fall ist, aber ich glaube, auch da sind viele in der EU, sind viele in der NATO relativ ruhig, denn sie wissen, dass der zentrale Ankerpunkt oder die beiden zentralen Ankerpunkte, die es gibt, nämlich einmal die Wirtschaftspräferenzen, die wirtschaftliche Partnerschaft, die die Türkei mit der EU hat, die kann Russland, auch wenn es ein wichtiger wirtschaftlicher Partner ist, nicht ersetzen, allein schon, weil die Wirtschaft Russland ebenfalls ins Straucheln geraten ist.

Und das andere ist die Sicherheitspartnerschaft und da bleibt die NATO der zentrale Pfeiler der türkischen Sicherheitsarchitektur. Denn das, was die NATO bietet, diesen Schutz, das kann Russland nicht bieten. Ganz im Gegenteil! Die Türkei ist inzwischen von drei Seiten direkt von russischen Truppen oder Truppenstützpunkten eingekreist. Der türkische strategische Raum ist durch die russische Truppenpräsenz sehr stark beschnitten. Da wird sich nicht in nächster Zeit etwas entwickeln, wo die Türkei in die Arme Russlands läuft und dafür die NATO-Bindung aufgeben würde. Von daher, glaube ich, sind im Moment noch nicht so viele Leute oder noch nicht so viele Strategen bei der NATO, bei der EU beunruhigt.

http://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-u ... _id=368157


Türkei-Russland

Grenzen der Harmonie

Zwischen Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan ist eine politische Freundschaft entstanden - doch in Syrien haben sie unterschiedliche Ziele.

http://www.sueddeutsche.de/politik/tuer ... -1.3198419


Das Verhältnis der Türkei und Russland ist sehr komplex. Gerade regional und auch im globalen Zusammenhang zu sehen. Das pragmatischste ist erstmal der schnöde Mammon. Da kann man anfangen. Geld stinkt bekanntlich nicht.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 1. Dez 2016, 21:26

Das Verhältnis könnte an der Syrien- bzw. Assadfrage wieder leiden.

Erdoğan tanzt in Syrien auf einem dünnen Seil

Die Türkei kündigte bereits an, vor der Einnahme der syrischen Stadt al-Bab zu stehen. Aber die Regeln für das türkische Engagement in Syrien werden in Moskau gemacht

Am Donnerstag ist alles wieder anders: Die Intervention der türkischen Bodentruppen in Syrien sei allein gegen Terrororganisationen gerichtet und nicht gegen ein Land oder eine Person, sagte der türkische Präsident Tayyip Erdoğan in Ankara – nicht zufällig während im südtürkischen Alanya Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow empfing.

Die Russen hatten sich schwer irritiert gezeigt, nachdem sich Erdoğan am Dienstag zu folgendem Statement hatte hinreißen lassen: "Wir sind dort (in Syrien, Anm.), um Gerechtigkeit zu bringen. Wir sind dort, um die Herrschaft des grausamen Staatsterroristen Assad zu beenden." Das entspricht Erdoğans Haltung zu Assad seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien im Jahr 2011. Aber um in Syrien mit russischer Duldung mitspielen zu können, war der Sturz Assads zumindest offiziell nicht mehr Erdoğans Thema.


Die russischen Sanktionen gegen die Türkei sind noch immer nicht alle aufgehoben: Am 5. Dezember fährt Premier Binali Yıldırım nach Moskau und versucht die Normalisierung voranzutreiben. Deshalb erstaunte Erdoğans Ausbruch gegen Assad am Dienstag umso mehr.

derstandard.at/2000048618859/Erdogan-tanzt-in-Syrien-auf-einem-duennen-Seil


Moskau und Ankara können es sich eigentlich beide nicht leisten ein angespanntes Verhältnis zu haben. Das Problem ist aber, daß die Türkei und Russland von jeher eher Konkurrenten, denn Partner in der Region sind. Und Erdogan, wie auch Putin Platzhirsche sind.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Fr 2. Dez 2016, 02:34

Kleinkram, die geben sich bald wieder Küsschen,
Realpolitik, Trommeln für zu Hause, arschkriecher
Wenn man bei Putin ist .
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Kardux » Fr 2. Dez 2016, 22:05

Erdogan das Großmaul rudert wieder zurück. Am Dienstag noch sprach er wieder vom Sturz Assads, in derselben Woche revidiert er seine Aussagen - natürlich nachdem die Russen ihm wie so oft auf die Finger schlugen. Das ist schon eine selten dumme Aussenpolitik die er führt. Große Töne spucken bis er seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Europäer können sich im Umgang mit Erdogan etwas von den Russen abschauen.

Erdogan backtracks on call to 'end rule of Assad' after Kremlin protest

http://www.middleeasteye.net/news/turkey-backtracks-call-end-rule-cruel-assad-after-russian-protest-1167661241
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Audi » Sa 3. Dez 2016, 14:25

Kardux hat geschrieben:(02 Dec 2016, 22:05)

Erdogan das Großmaul rudert wieder zurück. Am Dienstag noch sprach er wieder vom Sturz Assads, in derselben Woche revidiert er seine Aussagen - natürlich nachdem die Russen ihm wie so oft auf die Finger schlugen. Das ist schon eine selten dumme Aussenpolitik die er führt. Große Töne spucken bis er seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Europäer können sich im Umgang mit Erdogan etwas von den Russen abschauen.


http://www.middleeasteye.net/news/turkey-backtracks-call-end-rule-cruel-assad-after-russian-protest-1167661241

So lange Türkei NATO Mitglied ist, wird sich nichts ändern. Stoltenberg hat sogar Türkei gelobt in Sachen Putschaufklärung :D ( Wertegemeinschaft ) :p
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Sa 3. Dez 2016, 14:38

Audi hat geschrieben:(03 Dec 2016, 14:25)

So lange Türkei NATO Mitglied ist, wird sich nichts ändern. Stoltenberg hat sogar Türkei gelobt in Sachen Putschaufklärung :D ( Wertegemeinschaft ) :p


Na wenn Erdowahn sonst keiner lobt dann eben
Der Stoltenberg, auch schräger Typ find ich!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Audi » Sa 3. Dez 2016, 14:43

Ja , man sollte dieses Märchen "Wertegemeinschaft" nicht glauben. Es geht um knallharte Interessen , daran arbeitet NATO, Russland usw. Seltsam ist halt, dass die Menschen diesen Unfug glauben obwohl es offen gezeigt wird, dass Wertegemeinschaft ein Begriff ist, mehr nicht

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